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Projektleitung TGA-Planung
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Ein Projektleiter TGA führt im Ingenieurbüro das Projekt der TGA-Fachplanung und verantwortet Vertrag, Honorar, Termine und Baukosten. Wichtigste Bezugsrolle ist der Bauherr. Die Projektleitung klärt Rollen und Ziele im Team, leitet aus Anlage 15 HOAI die Aufgaben je Leistungsphase ab, fordert Vorleistungen von Bauherr und Planungspartnern ein, plant Kosten und Honorar und setzt Änderungen erst nach beauftragter Änderungsvereinbarung um. Das Gebäudemodell verantworten Fachkoordination und Fachplanung, die Ausführung überwacht die Bauüberwachung. Von der Projektsteuerung des Bauherrn ist sie klar zu trennen.
Was macht ein Projektleiter TGA?
Die Projektleitung TGA führt im Ingenieurbüro das Fachplanungsprojekt der Technischen Gebäudeausrüstung. Sie ist gesamtverantwortlich für Ingenieurvertrag und Honorar, Termine und Baukosten; ihre wichtigste Bezugsrolle ist der Bauherr. Damit sie dafür Zeit hat, gibt sie die Verantwortung für das Gebäudemodell und die Funktion der Gewerke bewusst an Fachkoordination und Fachplanung ab (Weißbuch S. 16 bis 17).
Nach außen schuldet die TGA-Planung keine Dienstleistung, sondern den Werkerfolg: erst ein baubares, mangelfreies Gebäudemodell, dann ein mangelfreies Bauwerk im Kosten- und Terminrahmen. Intern darf und muss das Büro die Arbeit der Fach- und Systemplanung wie eine Dienstleistung organisieren. Diese Sicht bleibt aber im Haus (Weißbuch S. 24 und 38).
Zum Nachhören: Projektmanagement in der TGA ist was Besonderes! (#87)
Wie unterscheidet sich die Projektleitung von Projektsteuerung, Bauüberwachung und Büroleitung?
Die Projektleitung führt nach innen das eigene Fachplanungsprojekt. Die Projektsteuerung übernimmt delegierte Aufgaben des Bauherrn für das Gesamtprojekt; ihr Leistungsbild steht seit der HOAI 2013 nicht mehr in der HOAI, sondern im AHO-Heft Nr. 9 (Weißbuch S. 61). Mehr dazu auf der Themenseite Projektsteuerung und TGA-Planung. Die Bauüberwachung überwacht in Leistungsphase 8 die Ausführung der TGA. Die Büroleitung führt das Unternehmen und steht über allen Projekten.
Zum Nachhören: Domänen und Rollen im Bauprojekt (#10)
Welche Rollen und Ziele klärt die Projektleitung? (Modul 1)
Im Bauprojekt verfolgen mindestens vier Rollen eigene, teils konkurrierende Ziele: der Bauherr Termine, Kosten und Qualität, die Objektplanung Ästhetik und Flächeneffizienz, die Fachplanung Funktionalität und Behaglichkeit, die ausführende Firma ihren Deckungsbeitrag. Verträge verbinden jede Rolle nur mit dem Bauherrn, nie untereinander (Weißbuch S. 13 bis 14).
Im eigenen Team unterscheidet das Weißbuch fünf Rollen, die Büroleitung steht als Bürorolle darüber (S. 16 bis 17, S. 26):
- Projektleitung: Vertrag, Honorar, Termine, Baukosten. Bezugsrolle: Bauherr.
- Fachkoordination: geometrisch integriertes, koordiniertes und mangelfreies TGA-Modell. Bezugsrolle: Objektplanung.
- Fachplanung: Qualität und Funktion des eigenen Gewerks. Bezugsrolle: Nutzer.
- Systemplanung: ausführbare Planung bis zur geprüften Montageplanung, im Tandem mit der Fachplanung.
- Bauüberwachung: mangelfreies Gebäude aus dem mangelfreien Modell. Bezugsrolle: ausführende Firma.
Das gemeinsame Ziel aller Rollen: ein mangelfreies, integriertes TGA-Modell im Kosten- und Terminrahmen, freigegeben vom Bauherrn (S. 18). Werkzeug der Klärung ist der Rollensteckbrief mit Mission, Fähigkeiten und Entwicklungspfad, Zielen und Aufgaben je Leistungsphase. Eine Rolle ist keine Person: Die Projektleitung verhandelt Erwartungen und Grenzen mit der Person, die die Rolle trägt (S. 21).
Zum Nachhören: Neues aus der Forschung: Rollen (#410)
Welche Leistungen und Aufgaben schuldet die TGA-Planung? (Modul 2)
Seit 2018 beginnt die Planung vor der HOAI: Sind die wesentlichen Planungs- und Überwachungsziele nicht vereinbart, erstellt das Planungsbüro nach § 650p Abs. 2 BGB eine Planungsgrundlage und legt sie mit einer Kosteneinschätzung zur Zustimmung vor. Kommentare bewerten beides zusammen mit rund 0,1 Leistungspunkten (Weißbuch S. 24). Die vollständige Bedarfsplanung nach DIN 18205 bleibt Vorleistung des Bauherrn; fehlt sie, kann die TGA das „Klären der Aufgabenstellung“ in Leistungsphase 1 nicht erbringen (S. 58).
Die HOAI 2021 kennt acht Anlagengruppen (§ 53) und bewertet die neun Leistungsphasen mit 2, 9, 17, 2, 22, 7, 5, 35 und 1 Prozent (§ 55). Aus Anlage 15 und der Teilleistungsbewertung nach Siemon leitet das Weißbuch einen Katalog von 152 Aufgaben ab und ordnet sie den Rollen zu (S. 25 bis 26). Die Auswertung zeigt: Rund 84 % des Aufwands dienen der Qualität, knapp 15 % den Kosten und nur 1,5 % den Terminen. Auf die Projektleitung selbst entfallen etwa 10 % (S. 36 bis 37).
Für die Kapazitätsplanung heißt das: Fachkoordination und Systemplanung werden fast nur in Entwurf und Ausführungsplanung gebraucht (S. 38). Besondere Leistungen nach AHO-Heft 6 und die Fallstricke der VDI 6026 (2022), etwa die Bestandsaufnahme, verhandelt die Projektleitung vor Vertragsschluss (S. 41, 54).
Zum Nachhören: Steuerungs- und Leistungsprozesse (#250)
Welche Schnittstellen fordert die Projektleitung im Entwurf ein? (Modul 3)
Große Bauprojekte scheitern laut dem 7. Deutschen Baugerichtstag 2018 vor allem an Leistungen anderer, etwa an fehlender Bedarfsermittlung (Weißbuch S. 55). Die Projektleitung fordert deshalb aktiv ein: vom Bauherrn Bedarfsplanung und Mitwirkung nach § 642 BGB, von der Projektsteuerung Projektziele, Kostenrahmen, Schnittstellen und die Steuerung von Koordination und Integration (S. 58 bis 65).
Der Entwurf ist die wichtigste Leistungsphase der TGA, und die HOAI verlangt ihn „stufenweise“. Das Weißbuch beschreibt drei Stufen: EP 1 schafft die Arbeitsgrundlage für alle, EP 2 den koordinierten Entwurf mit Freigabe der Grundrisse als Design-Freeze, EP 3 den abgeschlossenen Entwurf mit Bestätigung als Bausoll und Freigabe der Kostenberechnung (S. 70 bis 73).
Die Koordination der TGA-Anlagengruppen untereinander ist keine Grundleistung (S. 68, 70). Die DIN 276 klärt, was nicht zur TGA gehört: Regenwasserableitung (KG 363) und Baubeheizung (KG 397) plant die Objektplanung (S. 78).
Zum Nachhören: Koordination und Integration der TGA (#217)
Wie plant die Projektleitung Kosten und Honorar? (Modul 4)
Die Kostenbegriffe von BGB, HOAI und DIN 276 bauen aufeinander auf: Kosteneinschätzung (BGB) und Kostenrahmen vor Planungsbeginn, beide keine Grundleistung; Kostenschätzung in Leistungsphase 2; Kostenberechnung mit Mengenberechnungen in Leistungsphase 3; dann bepreistes Leistungsverzeichnis, Ausschreibungsergebnisse, Kostenkontrolle und Kostenfeststellung (Weißbuch S. 81 bis 84). Die Kostenberechnung stellt das Bausoll finanziell dar und wird bei jeder Änderung fortgeschrieben.
Für das Honorar gilt das Entkopplungsprinzip: Die anrechenbaren Kosten folgen nicht den tatsächlichen Baukosten, die Kostenberechnung gilt zum Zeitpunkt ihrer Erstellung (S. 94). Für die anrechenbaren Kosten schreibt § 4 HOAI die DIN 276 in der Fassung Dezember 2008 vor. Die Kostengruppen und Schnittstellen beschreibt das Weißbuch nach der Fassung 2018 (S. 87, 95). Jede Anlagengruppe ist ein eigenes Objekt mit eigener Honorarzone nach Objektliste Anlage 15.2 (S. 95, 98). Oft vergessene besondere Leistungen: die Koordination der TGA-Objekte untereinander, Energiekonzepte, FM-gerechte Planungsorganisation (8 bis 12 % des Grundhonorars) und Zertifizierungen (5 bis 15 %, jeweils nach AHO-Heft 6, S. 99 bis 100).
Zum Nachhören: Projektcontrolling für TGA-Fachplaner (#37)
Wie managt die Projektleitung Änderungen und Nachträge? (Modul 5)
Beim Flughafen BER wuchs die Bruttogeschossfläche nach Baubeginn um 74 %, die Projektkosten stiegen um 210 % (Weißbuch S. 104). Drei Regeln helfen:
- Nur der Auftraggeber begehrt eine Änderung (§ 650b BGB), kein anderes Planungsbüro und keine Projektsteuerung. Ohne Einigung binnen 30 Tagen kann er die Änderung in Textform anordnen. Ob Planende dann 80 % der angebotenen Mehrvergütung abrechnen dürfen (§ 650c Abs. 3 BGB), ist umstritten (S. 105).
- Änderung oder Fortschreibung: Eine Änderung betrifft einen einvernehmlich und mangelfrei abgeschlossenen Schritt und ist honorarpflichtig. Eine Fortschreibung vertieft nur (S. 106).
- Keine Änderung ohne beauftragte Änderungsvereinbarung nach § 10 HOAI, aufgebaut in sieben Teilen (S. 106 bis 109).
Die Projektleitung kalkuliert in drei Schritten: Kostenberechnung fortschreiben, Wiederholungsleistungen über die Teilleistungen berechnen, und bei vermischten Fällen die Wegwerfplanung nach Siemon abrechnen (S. 110 bis 111). In der Bauphase hilft eine Kategorisierung der Nachträge, Änderungen von Planungsfehlern und Störungen zu trennen (S. 112 bis 113).
Zum Nachhören: Änderungsmanagement in der TGA (#4)
Was gehört zur Bauüberwachung der TGA?
Die Objektüberwachung ist mit 35 % die größte Leistungsphase. Sie ist nicht die Fachbauleitung: Die HOAI kennt den (Fach-)Bauleiter nicht. Die Fachbauleitung kommt aus dem Landesbaurecht (etwa § 45 BauO Berlin), achtet auf das gefahrlose Ineinandergreifen der Arbeiten und ist eine besondere Leistung, die der Bauherr gesondert bestellt (Weißbuch S. 116 bis 117).
Die rechtsgeschäftliche Abnahme erklärt der Bauherr (S. 60), die Bauüberwachung bereitet die fachtechnische Abnahme vor und verlangt vorher die Revisionsplanung (S. 34). Montagepläne prüft sie nur auf Übereinstimmung mit der Ausführungsplanung (S. 120). Inbetriebnahmemanagement nach VDI 6039 ist besondere Leistung (AHO-Heft 39, S. 128). Bauzeitverlängerungen gehören schon in den Vertrag; das Weißbuch schlägt für die verlängerte Objektüberwachung einen Abminderungsfaktor von 0,70 vor (S. 129, 135).
Zum Nachhören: Störungsmanagement (#255)
Wie sichert die Projektleitung Vertrag und Risiko ab?
Den Ingenieurvertrag verhandelt die Projektleitung selbst, mit anwaltlicher Unterstützung: Leistungsbild nach BGB und HOAI, Kostenplanung, Honorar, Termine und Änderungen (Weißbuch S. 132 bis 135). Risiken führen Projektleitende in einer gemeinsamen, projektübergreifenden Risikoliste (S. 136 bis 138). Bei „schlechten“ Projekten ist Fortführen meist besser als Kündigen, und im Streit zählt eine chronologische Beweisführung aus E-Mails, Bautagesberichten und Protokollen (S. 139, 143).
Zum Nachhören: Umgang mit Planungsstop durch BauherrIn (#75)
Wie werden Sie Projektleiter TGA, und welche Kompetenzen braucht die Rolle?
Der Weg führt meist über eine Meister-, Techniker- oder Ingenieurausbildung und die Fachplanung, oft über die stellvertretende Projektleitung (Weißbuch S. 7). Gebraucht werden die Leistungsbilder von HOAI und BGB, die Leistungen Dritter, Kostenplanung und Honorarkalkulation, Verhandlungsgeschick und die Fähigkeit, ein Team über Rollen zu führen. Einen Reifegrad-Check bieten die „Merkmale einer guten Projektleitung“ (S. 146 bis 148).
Zum Nachhören: 5 Tipps für junge Projektleitende (#220)
Seminar Projektleitung TGA
Im Seminar Projektleitung TGA arbeiten Sie diese Themen in fünf Modulen durch: Modul 1 Rollen und Ziele, Modul 2 Leistungsbild und Aufgaben, beide an einem Präsenztag in Hamburg; online folgen Modul 3 Schnittstellen und Entwurf, Modul 4 Kosten und Honorar und Modul 5 Änderungsmanagement.
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Häufige Fragen zum Thema
Was macht ein Projektleiter TGA?
Ein Projektleiter TGA führt im Ingenieurbüro das Fachplanungsprojekt der Technischen Gebäudeausrüstung und ist gesamtverantwortlich für Ingenieurvertrag, Honorar, Termine und Baukosten. Wichtigste Bezugsrolle ist der Bauherr. Die Verantwortung für das Gebäudemodell gibt die Projektleitung an Fachkoordination und Fachplanung ab, um Zeit für Projektziele, Vertrag und Kosten zu haben.
Was ist der Unterschied zwischen Projektleitung und Projektsteuerung?
Die Projektleitung TGA führt nach innen das eigene Fachplanungsprojekt des Ingenieurbüros. Die Projektsteuerung übernimmt delegierte Aufgaben des Bauherrn für das Gesamtprojekt über alle Beteiligten. Ihr Leistungsbild steht seit der HOAI 2013 nicht mehr in der HOAI, sondern im AHO-Heft Nr. 9.
Was unterscheidet Bauüberwachung von Fachbauleitung?
Die Bauüberwachung ist die Objektüberwachung der Leistungsphase 8 nach HOAI und überwacht die Ausführung der TGA auf Qualität, Kosten und Fristen. Die Fachbauleitung stammt aus dem Landesbaurecht und achtet auf das gefahrlose Ineinandergreifen der Arbeiten auf der Baustelle. Die HOAI kennt den (Fach-)Bauleiter nicht, deshalb ist die Fachbauleitung eine besondere Leistung, die gesondert zu vereinbaren ist.
Welche Anlagengruppen gehören zur TGA?
§ 53 HOAI nennt acht Anlagengruppen: Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen, Wärmeversorgungsanlagen, lufttechnische Anlagen, Starkstromanlagen, Fernmelde- und informationstechnische Anlagen, Förderanlagen, nutzungsspezifische und verfahrenstechnische Anlagen sowie Gebäudeautomation. Jede Anlagengruppe ist für das Honorar ein eigenes Objekt mit eigener Honorarzone.
Wie verteilt sich das Honorar der TGA-Planung auf die Leistungsphasen?
§ 55 HOAI bewertet die neun Leistungsphasen der Technischen Ausrüstung mit 2, 9, 17, 2, 22, 7, 5, 35 und 1 Prozent. Die Bauüberwachung in Leistungsphase 8 ist mit 35 Prozent die größte, gefolgt von Ausführungsplanung und Entwurf.
Was ist die Zielfindungsphase nach § 650p BGB?
Sind die wesentlichen Planungs- und Überwachungsziele noch nicht vereinbart, erstellt das Planungsbüro nach § 650p Abs. 2 BGB zuerst eine Planungsgrundlage. Diese legt es dem Bauherrn zusammen mit einer Kosteneinschätzung zur Zustimmung vor. Die Leistung gilt seit 2018 und steht vor den Leistungsphasen der HOAI.
Wann ist eine Planungsänderung honorarpflichtig?
Eine Änderung liegt vor, wenn ein einvernehmlich und mangelfrei abgeschlossener Planungsschritt auf Veranlassung des Auftraggebers geändert wird. Sie ist nach § 10 HOAI in Textform zu vereinbaren und zu vergüten. Eine Fortschreibung, die nur vertieft, ist dagegen keine Änderung.
Welche Regelwerke muss ein Projektleiter TGA kennen?
Grundlegend sind § 650p und § 650b BGB, die HOAI 2021 mit § 10 und §§ 53 bis 56, die DIN 18205 zur Bedarfsplanung, die DIN 276 und die VDI 6026 zur Dokumentation. Dazu kommen die AHO-Hefte 6 für besondere Leistungen, 9 für die Projektsteuerung und 39 für das Inbetriebnahmemanagement.
Wie wird man Projektleiter TGA?
Der Weg führt meist über eine Meister-, Techniker- oder Ingenieurausbildung und einige Jahre in der TGA-Fachplanung. Ein guter Einstieg ist die stellvertretende Projektleitung in Projekten des eigenen Büros. Gezielte Weiterbildung in Vertrag, Kosten, Honorar und Änderungsmanagement bereitet auf die Rolle vor.
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