TGA-Planung › Leistungsphasen der TGA-Planung › Folge #3
tgabar · BargesprächeSchnittstellen in der TGA
Schnittstellen in der TGA regeln, wer welche Leistung an der Grenze zwischen Gewerken erbringt. Die AHO-Schnittstellenmatrix benennt je Schnittstelle den Erbringer, Koordinierenden und Mitwirkenden. Schwerpunkte liegen bei Brandabschottung und Abdichtung: Fehlt der beauftragte Fachplaner Brandschutz, fällt die Leistung an den Objektplaner. Wichtig ist, dass alle Beteiligten frühzeitig zusammenwirken.
Transkript
Was hat das Seminar über Schnittstellen ergeben?
Roman: Moin Moin aus Hamburg und herzlich willkommen zum einzigen Podcast zum Thema Projektmanagement in der TGA. Sören und ich sitzen wieder an der Bar. Das Seminar war super, wir sind ganz schön erschöpft. Diesmal gab es harte, intensive Diskussionen zum Thema Schnittstellen, Integration, Koordination. Interessant war, dass kein Objektplaner dabei war, also kein Architekt, obwohl wir so viel über Architekten gesprochen haben.
Sören: Und gerade Integration und Koordination sind ja eigentlich auch sein Metier. Es ist schwer, über jemanden zu reden, der nicht dabei ist. Aber letztendlich ist das sein Hauptaugenmerk in der Planung, auch sein Verantwortlichkeitsbereich. Das schöne Zauberwort „mitwirkend", das man als TGA-Planer an vieler Stelle hat, bezieht sich ja auf die Zuarbeit zum Architekten.
Was ist eigentlich eine Schnittstelle in der Planung?
Roman: Bei Schnittstellen denke ich erstmal immer an Dachabdichtung oder Durchbruchsplanung — ganz pragmatische, sichtbare Dinge, die man auf dem Bau feststellt und bei denen man merkt: Haben wir das wirklich geklärt?
Sören: Eine Schnittstelle muss man durchschneiden, das ist eigentlich zweckwidrig.
Roman: Irgendwann montiert man etwas auf der Rohdecke oder muss anders abdichten. Das ist keine Schnittstelle, sondern eine Nahtstelle.
Sören: Die Schweizer machen das, glaube ich, so — die sprechen von „Schnahtstelle". Es geht ja darum, dass man an gewissen Stellen ein Werk zusammenführen muss, wo es zu einer unterschiedlichen Leseart kommt, wie das Gebäude zusammenwirkt.
Roman: Dass es am Ende funktioniert, ist das Wichtige in der Planung.
Wie hilft die AHO-Schnittstellenmatrix bei der Klärung?
Roman: Wir haben im Seminar eine interessante Unterlage von der AHO genutzt — sozusagen unserer Lobbyorganisation in Berlin, der Lobby für die Planer und Projektsteuerer. Herr Schürmann von der AHO hat aus seiner Sicht die Schnittstellen zusammengestellt, die die TGA betreffen. Interessant war, dass ein Schwerpunkt auf dem Thema Brandabschottung und Abdichtung zu Baukonstruktionen lag.
Sören: Es ist eine Übersicht, die die einzelnen Schnittstellen benennt und für die einzelnen Gewerke — Fachplaner, Objektplaner, Tragwerksplaner — ihre Leistungen beschreibt: Ist das eine Grundleistung? Wer ist der Treibende, wer der Mitwirkende? Bei der Planung von Brandabschottung oder Abdichtung ist es so aufgebaut, dass der Fachplaner Brandschutz der Erbringer ist.
Was passiert, wenn der Fachplaner Brandschutz nicht beauftragt ist?
Roman: Ich habe noch nie erlebt, dass uns als Fachplaner TGA in der Ausführungsplanung von einem Fachplaner Brandschutz genau vorgegeben wurde, welche Schottung, welche Brandschutzklappen, welche Rohrdurchführungen wir nehmen müssen. Ich habe mit mehreren Brandschutzplanern gesprochen, und die sagen: Wir können das, aber uns fehlt die Beauftragung. Wenn wir einen Auftrag für Leistungsphase 5 haben, machen wir das mit, aber oft wird das nicht beauftragt. In der Übersicht von Herrn Schürmann steht: Wenn der Fachplaner Brandschutz nicht beauftragt ist, dann muss der Objektplaner das leisten. Gut, dass der nicht da war beim Seminar.
Sören: Das ergibt sich aus dieser AHO-Matrix. Wenn ich da reingucke, steht der Objektplaner als Koordinierender da.
Roman: Genau, er steht als Koordinierender da, aber in den weiteren Teilen der Matrix sieht man: Wenn der Brandschutzplaner fehlt — er steht dann in Klammern — muss der Architekt das leisten. Ich hatte das einmal, dass der Bauherr sagte: Nein, ich habe keinen Brandschutzplaner beauftragt, das machst du mit, Architekt, das ist deine Grundleistung. Dann haben wir ein Brandschutzkonzept vom Architekten bekommen. Der Architekt stöhnte natürlich, war aber zum Glück sehr gut und hat gute Arbeit geleistet. Es ist in der Branche kaum bekannt, dass so viele Schwerpunkte in den Schnittstellen beim Thema Brandschutz liegen und am Ende wieder beim Bauherrn landen: Wenn es beim Brandschutzplaner nicht beauftragt wird, kostet es ja auch Geld — und dann macht es eben keiner.
Wer trägt die Verantwortung an der Schnittstelle?
Roman: Solche Themen wie Gitterroste oder angrenzende Bauteile sind nicht nur Brandschutz. Das ist die allgemeine Leistung: Da, wo die anrechenbaren Kosten landen, wird es geplant.
Sören: Ein gutes Thema ist auch die Entrauchung von Fluren — die Entrauchungsklappe auf dem Dach. Das ist eigentlich ein designbildendes Element, und der TGA-Fachplaner muss letztendlich nur den Motor beziehungsweise das Kabel zum Motor legen, plant die Klappe als solche aber nicht.
Roman: Wenn er keine anrechenbaren Kosten für die Klappe hat, bekommt er auch kein Honorar dafür. Das ist eine interessante Festlegung beim Thema Schnittstellen: Wenn jemand das Bauteil gar nicht ausschreibt und nicht in seiner Kostenberechnung hat, kann dort auch nicht die Verantwortung liegen.
Sören: Häufig höre ich die Argumentation: Da führt auch ein Kabel hin, Kabel ist TGA, also plant ihr das doch.
Roman: Wir haben die Verantwortung fürs Kabel, das Kabel sieht toll aus, ist super verlegt. Kleiner Scherz unter Fachplanern.
Wie früh müssen Transport- und Montageöffnungen geklärt werden?
Roman: Ein weiteres Thema in der Schnittstellenliste sind notwendige Transport- und Montageöffnungen für TGA-Großgeräte. Das ist schon im Entwurf beim Fachplaner gefordert — er muss es liefern, der Objektplaner muss es einfordern und der Tragwerksplaner muss mitwirken. Man kennt das: in Lüftungszentralen doppelflügelige Türen, möglichst drei Meter hoch. Notwendig sind aber auch Schleppkurven: Wenn du zu wartende Bauteile hast, gerade bei einer Lüftungsanlage, etwa einen Kreuzstrom-Wärmetauscher, der riesengroß ist, muss der Fachplaner im Entwurf schon zeigen, dass er mit dem Gerät durchs Gebäude kommt — rein und nach ein paar Jahren wieder raus.
Sören: Gerade wenn die Anlage im Keller ist, muss man sich Gedanken machen: Bringe ich die großen Teile schon rein, wenn betoniert wird, und nicht erst, wenn alles zu ist.
Roman: Wenn alles zu ist, wird es schwierig — und auf dem Dach auch. Ein Wartungsausstieg ist eine Sache, aber einen Kreuzstrom-Wärmetauscher vom Dach runterzuholen, dafür brauchst du einen Kran. Der Objektplaner hat die Pflicht, das zu koordinieren, der Fachplaner die Pflicht, das zu planen und anzumerken. Es muss Hand in Hand gehen: Keiner kann sich am Ende darauf zurückziehen, das sei nicht seine Verantwortung. Aus meiner Erfahrung — und auch nach der Rechtsprechung — sitzen am Ende alle in einem Boot: ausführende Firmen, Objektplaner, Fachplaner. Wenn etwas richtig schiefläuft, sind alle dran.
Welches Hilfsmittel strukturiert die Schnittstellen im Projekt?
Sören: Die Schwierigkeit bei Schnittstellen ist, dass es so viele sind, die im Bauprozess immer wieder auftauchen — es ist schwer, an alle zu denken. Dafür gibt es aber solche Hilfsmittel, die einen unterstützen.
Roman: Es gibt die typische Schnittstellenliste, die meistens vom Architekten kommt — eine Grundleistung, die schon relativ früh, in Leistungsphase 2 oder 3, zu erstellen ist: Wer liefert was in der Planung? Wichtig ist, dass alle mitmachen — Tragwerksplaner, Fachplaner und Brandschutzplaner müssen sich einbringen. Wir haben versucht, diese Liste im Seminar durchzudiskutieren, aber es uferte aus, es ging von Hundert ins Tausende. Es gibt ein paar Grundsätze, die man festhalten kann. Mit dieser Liste, dieser Matrix, können wir den Teilnehmern erstmal ein gutes Hilfsmittel geben.
Sören: Es gibt sicher weitere Wege, Schnittstellen darzustellen, wenn es nicht eindeutig ist. Aber die AHO ist an dieser Stelle ein guter Einstieg ins Thema.
Roman: Und vor allem eine neutrale Unterlage, auf die man sich beziehen kann: eine neutrale Organisation, die das so festgelegt hat. Vielen Dank fürs Zuhören. Wir freuen uns, euch als Seminarteilnehmer begrüßen zu dürfen, und freuen uns, wenn ihr dem Podcast weiter folgt und auch in die Shownotes schaut.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Was ist eine Schnittstelle in der TGA-Planung?
Eine Schnittstelle ist der Punkt, an dem die Leistungen verschiedener Gewerke aufeinandertreffen und ein Werk zusammengeführt werden muss — etwa bei Dachabdichtung, Durchbruchsplanung oder Brandabschottung. Geklärt werden muss, wer an dieser Grenze welche Leistung erbringt, damit das Gebäude am Ende funktioniert.
Was leistet die AHO-Schnittstellenmatrix?
Die von der AHO herausgegebene Unterlage benennt die einzelnen Schnittstellen, die die TGA betreffen, und ordnet je Gewerk — Fachplaner, Objektplaner, Tragwerksplaner — die Leistungen zu: Wer ist Erbringer, wer Koordinierender, wer Mitwirkender, und handelt es sich um eine Grundleistung. Ein Schwerpunkt liegt auf Brandabschottung und Abdichtung.
Wer übernimmt die Brandschutzleistung, wenn kein Fachplaner Brandschutz beauftragt ist?
Laut der AHO-Übersicht steht der Objektplaner (Architekt) als Koordinierender. Ist der Brandschutzplaner nicht beauftragt, fällt die Leistung auf den Objektplaner zurück — dieser muss dann zum Beispiel ein Brandschutzkonzept als Grundleistung erbringen.
Warum hängt die Planungsverantwortung an den anrechenbaren Kosten?
Wer ein Bauteil nicht ausschreibt und nicht in seiner Kostenberechnung hat, erhält dafür kein Honorar — und kann dafür auch nicht die Verantwortung tragen. Beispiel Entrauchungsklappe: Der TGA-Fachplaner legt nur das Kabel zum Motor; die Klappe selbst, ohne anrechenbare Kosten bei ihm, plant er nicht.
Wann müssen Transport- und Montageöffnungen für TGA-Großgeräte geplant werden?
Bereits im Entwurf. Der Fachplaner muss die notwendigen Transport- und Montageöffnungen liefern, der Objektplaner sie einfordern und der Tragwerksplaner mitwirken. Große, zu wartende Geräte wie ein Kreuzstrom-Wärmetauscher müssen über Schleppkurven nachweisbar ins Gebäude und nach Jahren wieder herausgebracht werden können — sonst braucht es später einen Kran.
Wie werden Schnittstellen im Projekt strukturiert erfasst?
Über die Schnittstellenliste, die meist vom Architekten als Grundleistung schon in Leistungsphase 2 oder 3 erstellt wird und festhält, wer was in der Planung liefert. Damit sie funktioniert, müssen alle Beteiligten — Tragwerks-, Fach- und Brandschutzplaner — mitmachen. Die AHO-Matrix dient als neutraler Einstieg und Bezugspunkt.
Wer haftet, wenn an einer Schnittstelle etwas schiefläuft?
Nach Erfahrung der Hosts und der Rechtsprechung sitzen alle in einem Boot: ausführende Firmen, Objektplaner und Fachplaner. Keiner kann sich darauf zurückziehen, es sei nicht seine Verantwortung gewesen — wer ein Problem erkennt, muss die Hand heben. Geht etwas richtig schief, sind alle Beteiligten in der Haftung.
Zitate
„Das ist keine Schnittstelle, sondern eine Nahtstelle."
— Roman Fritsches
„Wenn etwas richtig schiefläuft, sitzen alle in einem Boot: ausführende Firmen, Objektplaner, Fachplaner."
— Roman Fritsches
„Wer keine anrechenbaren Kosten für die Klappe hat, bekommt auch kein Honorar dafür — dann kann dort auch nicht die Verantwortung liegen."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Fehlt die Beauftragung des Fachplaners Brandschutz, fällt dessen Leistung laut AHO-Schnittstellenmatrix auf den Objektplaner (Architekt) zurück.
Quelle: AHO-SchnittstellenmatrixDie Schnittstellenliste ist eine Grundleistung und wird bereits in Leistungsphase 2 oder 3 erstellt.
Transport- und Montageöffnungen für TGA-Großgeräte sind bereits im Entwurf vom Fachplaner zu liefern.
Glossar
- AHO-Schnittstellenmatrix
- Von der AHO herausgegebene Übersicht, die je Schnittstelle den Erbringer, Koordinierenden und Mitwirkenden der beteiligten Gewerke benennt und angibt, ob es sich um eine Grundleistung handelt.
- Anrechenbare Kosten
- Kostenbasis für das Honorar eines Planers; nur wer die anrechenbaren Kosten eines Bauteils trägt, plant es und verantwortet es.
- Mitwirkend
- Leistungsrolle, in der ein Planer (oft der TGA-Planer) einem anderen Gewerk — meist dem Architekten — zuarbeitet, ohne selbst Erbringer zu sein.
- Nahtstelle
- Im Gegensatz zur Schnittstelle die Stelle, an der zwei Leistungen zusammengeführt statt getrennt werden (z. B. Montage auf der Rohdecke, Abdichtung); im Gespräch auch als Schweizer Begriff „Schnahtstelle" erwähnt.
- Schnittstelle
- Grenze, an der die Leistungen verschiedener Gewerke aufeinandertreffen und geklärt werden muss, wer welche Leistung erbringt.
- Schnittstellenliste
- Meist vom Architekten als Grundleistung schon in Leistungsphase 2 oder 3 erstellte Liste, die festhält, wer in der Planung was liefert.