TGA-Planung › Projektleitung TGA-Planung › Folge #426
tgabar · BargesprächeZeit, Geld und Nachträge
Roman Fritsches und Sören Janson reflektieren das tgabar-Regionaltreffen bei der Sprinkenhof GmbH in Hamburg. Aus „Zeit ist das neue Gold" wird für sie auch „Aufmerksamkeit ist das neue Gold": Geteilte Konzentration in stundenlangen Online-Terminen senkt die Planungsqualität, während KI Routinearbeiten übernehmen könnte. Am gemeinsamen Terminsteuerungs-Tool des Bauherrn loben sie den Ansatz, benennen aber die Praxishürde — jedes Projekt bringt ein neues Werkzeug, in das Büros ihre eigenen Prozesse überführen müssen — und vermissen einen zyklischen Takt fester Termine statt eines reinen Gantt-Diagramms. Beim Thema Nachträge diskutieren sie drei Erklärungen für die Spitzenstellung der Elektrotechnik (Kostengruppe 440): findigere Elektrofirmen, schlechter integrierte Elektro-Software mit getrennter CDE und unvollständige Leistungsverzeichnisse. Als nächste Schritte planen sie eine Detailauswertung mit Benny Heilmann und eine gemeinsame Bauherren-Befragung mit der Stadt Münster.
Transkript
Ein neues Intro für 20.000 Euro?
Roman: Moin, moin und herzlich willkommen an der TGA-Bar. Sören hatte gerade ein kleines akustisches Dilemma — war ein bisschen zu laut, ne?
Sören: Ein klein bisschen.
Roman: Okay, unser Intro ist immer noch beliebt. Ich habe ja schon mehrfach versucht, mal ein neues zu machen. Vielleicht kurz an die Zuhörerinnen und Zuhörer: Habt ihr überhaupt Interesse an einem neuen Intro, oder habt ihr euch schon an das tolle Saxophon gewöhnt? Ich habe tatsächlich ein Intro bei einer Band angefragt, die ich ganz cool finde — die Rückmeldung war: kostet 20.000 Euro, um das im Podcast zu nutzen. Falls ihr also spenden wollt: 20.000 Euro brauchen wir für neue Musik.
Sören: Ich glaube, wir lassen das, oder?
Roman: Zumindest dieses Jahr. Vielleicht zur neuen Staffel. Ich habe auch ein paar KI-generierte probiert, mit Lumo und wie das alles heißt. Da kommen Ergebnisse raus, die können wir uns mal in Ruhe anhören und versuchen, dabei nicht die ganze Zeit zu lachen.
Sören: Ich hatte neulich einen KI-generierten Rap als Geburtstagsding gehört, den fand ich eigentlich ziemlich cool. Das wäre jetzt nichts für den Podcast, aber ein bisschen geht da schon was. Vielleicht müssen wir das, wenn wir ohnehin über das neue Jahr nachdenken und darüber, wie wir uns weiterentwickeln wollen, nochmal zum Thema machen.
Roman: Total. Wir dürfen die Historie natürlich nicht außer Acht lassen — du als Historiker weißt das ja. Die Menschen brauchen das Bestehende, wollen aber auch ein bisschen Innovation.
Sören: Wir wollen alle mitgenommen werden.
Rückblick: das Regionaltreffen bei der Sprinkenhof GmbH
Roman: Genau — und alle mitgenommen wurden auf dem Regionaltreffen in Hamburg. Die Überleitung haben wir geschafft.
Sören: Hammer abgestimmt und alle mitgenommen. Ja, das war wirklich choreografiert, das war ganz stark gemacht.
Roman: Vielen Dank an das Team der Sprinkenhof. Vor allem bei Angelika Csoti — also Geli — und Benny Heilmann muss ich mich für die tolle Vorbereitung bedanken. Wir haben uns mit über 20 TGA-Planenden eine Kunstausstellung angeschaut und das Ganze live aufgenommen. Jetzt haben wir uns vorgenommen, das nochmal zu reflektieren, weil da wirklich Themen dabei waren, die uns alle angehen. Ich fand diese Themenauswahl gut. Was ist dir noch aufgefallen — „Zeit ist das neue Gold", war das eine?
Zeit ist das neue Gold: Wofür setzen wir unsere Zeit ein?
Sören: Da geht es für mich auch viel um die Veränderung unserer Berufsbilder, wo ja vieles über KI kommt — welche Arbeiten uns zukünftig abgenommen werden. Gar nicht mal im reinen Projektsteuerungsprozess, sondern drumherum. Wir müssen noch mehr darauf achten, wofür wir unsere Zeit investieren, und klarer abgrenzen, was ein System übernehmen kann, weil es Zeit spart und wirtschaftlicher ist.
Roman: Du denkst also Richtung KI-gestützte Terminsteuerung?
Sören: Das gar nicht mal. Eher: Welche Aufgaben kann ich abgeben, um Zeit für die eigentliche Planung freizuschaufeln? Wir machen ja viel — AKS-Schlüssel pflegen, Excel-Listen pflegen. Da sind Dinge dabei, die irgendwann automatisiert oder in andere Hände gegeben werden und uns erlauben, uns auf andere Themen zu fokussieren. Gerade mit Blick auf Fachkräftemangel und demografischen Wandel müssen wir da dezidierter hinschauen. Ich teile „Zeit ist das neue Gold" auf jeden Fall — wenn man merkt: Jetzt pflege ich schon wieder zum zehnten Mal die Excel-Liste. Oder sitze stundenlang in einem Termin, in dem ich eigentlich nichts zu tun habe.
Aufmerksamkeit ist das neue Gold
Roman: Ich hätte fast ergänzt: Aufmerksamkeit ist das neue Gold. Ich habe den Eindruck, es fällt mir immer schwerer, mich wirklich auf eine Sache zu konzentrieren. Das geht schon los, wenn ich in Terminen sitze und im Hintergrund noch zu arbeiten versuche. Du sitzt in einem vierstündigen Online-Termin — allein die Tatsache, dass er vier Stunden dauert, ist schon Wahnsinn — und deine Aufmerksamkeit ist ständig geteilt. Das ist ein Problem, das senkt die Qualität, und allen ist es bewusst, aber ein richtiges Gegenmittel ist schwer einzuführen: Konzentration, vielleicht weniger Projekte, sich abgrenzen von ständig durchmischenden Aufgaben, E-Mails und Terminen.
Sören: Das hat schon viel mit Eigenmanagement zu tun.
Roman: Ja, das ist viel Selbstmanagement — dazu haben wir ein paar Folgen gemacht.
Sören: Genau, etwa wie ich effizient durch Termine führe. Das zahlt alles darauf ein, und ich glaube, diese Thematik wird noch viel intensiver kommen. Wo ist meine Zeit am Tag? Gefühlt rauscht sie im Bürojob durch, und am Ende, wenn man Stunden schreiben muss, fragt man sich: Was habe ich eigentlich den ganzen Tag gemacht?
Roman: Ich habe eigentlich nur gequatscht.
Sören: Genau. Man muss immer wieder reflektieren, ob das wirklich die Tätigkeiten sind, auf die ich meine Zeit setzen sollte.
Terminsteuerung: warum ein gemeinsames Tool im Alltag schwerfällt
Roman: Genau — das Richtige tun. Das war ja auch das Thema beim Terminsteuerungskonzept, das wir gesehen haben: klar zu werden, was die Planerin oder der Planer nach uns braucht, was vor uns erledigt sein muss, und das alles in eine Kette zu bringen. Das machen wir irgendwie in allen Projekten, aber ich habe zum ersten Mal den Eindruck, dass sich da wirklich ein Bauherr so intensiv Gedanken macht und sagt: Ich versuche, alle Leistungsbilder mit einem Tool sinnvoll zu verknüpfen. Und ich stecke mittendrin im Prozess — es ist echt nicht einfach.
Sören: Dahinter steckt ja auch das ganze Thema Transparenz: Welche Arbeitsschritte mache ich wo, und wo sage ich auch mal, dass ich hinterherhänge? Da braucht es ein anderes Mindset — offen zu sagen, da hakt es und es liegt an mir, ohne dass gleich mit Regress gedroht wird. Dafür braucht es die richtigen Leute, die bereit sind, über den Konventionen zu stehen und andere Wege zu gehen — auch bei Kommunikation und Transparenz, die ja ihre Grenzen hat und strategisch platziert ist.
Roman: Total. Ich habe aber auch gemerkt, wie schwierig das ist: Du hast Abläufe im Büro und ein eigenes Tool, um deine Projektabläufe darzustellen, und dann musst du das alles in dieses neue Tool bringen, das dir der Bauherr gegeben hat und in dem alle arbeiten. Diese Bereitschaft, meine internen Vorgänge in ein neues Werkzeug zu überführen, ist echt nicht hoch — und das verstehe ich auch. Man hat sich mit seinem Team aus acht oder zehn Leuten einen Prozess überlegt, und dann kommt in jedem Projekt ein neues Tool, das ich benutzen soll. Das hat seine Schwächen und erzeugt auf jeden Fall Aufwand. Auf der anderen Seite haben wir festgestellt: Für die Projektleitung ist die Planung der Planung das zentrale Thema, damit alle wissen, wann sie was liefern müssen und Verschwendung vermieden wird.
Sören: Das ist total schwierig, weil man selber schnell wieder in Muster fällt — Denkmuster, Ablaufmuster — und sich da dauerhaft zu öffnen, ist ein Kampf. Ich sage immer: Nicht umsonst fällt es Leuten so schwer, mit dem Rauchen aufzuhören. Wenn das einfach wäre, gäbe es nicht so viele große Tabakkonzerne.
Was fehlt: der zyklische Takt statt Gantt-Diagramm
Roman: Was ich noch überlegt habe: Dieses Zyklische fehlte mir ein bisschen. Ich bin ja großer Fan fester Termine — in zwei Wochen machen wir das, in vier Wochen das, in sechs Wochen das. Das ist in dieser Software nicht dargestellt; da müsste man überlegen, ob man das noch reinbringt.
Sören: Okay, aber das ist jetzt wieder typisch für uns — immer das Haar in der Suppe finden.
Roman: Klar. Aber sonst wird es halt ein Gantt-Diagramm — und ein Gantt-Diagramm kennen wir alle, da haben wir ein Problem. Wir haben also festgestellt: Zeit ist das neue Gold, und die Diskussion, was ich tue, wenn ich nicht liefern kann und ob ich dann verklagt werde, haben wir mit den Kollegen fortgeführt.
Nachträge: warum die Elektrotechnik vorn liegt
Roman: Ich wollte aber noch auf ein zweites Thema kommen, das mich sehr bewegt hat: die Nachträge. Ihr erinnert euch — in der letzten Folge hat Benny von 1.700 Nachträgen aus sieben Jahren gesprochen, die er ausgewertet hat. Spitzenreiter war die Elektrotechnik, Kostengruppe 440, also Starkstromanlagen, vor allem im Bereich Mittelspannungs- und Netzersatzanlagen. Das hat mich total überrascht — Elektrotechnik erst mal nicht, das deckt sich mit meiner Erfahrung. Dazu muss man sagen: Ich war zwei Jahre bei einer Elektrofirma, und die hat vor allem von Elektro-Nachträgen gelebt. Insofern bin ich da vielleicht persönlich vorgeprägt.
Sören: Wenn du auf die Planungsprozesse guckst, über die wir gerade gesprochen haben, ist die Elektrotechnik ja mitunter nochmal ein separates Ding. Auch in der Software: Die mechanischen Gewerke kannst du mittlerweile relativ gut in den gängigen Lösungen abbilden, das ist halbwegs miteinander verknüpft — elektroseitig bist du immer über Sonderwege und Einzellösungen verbunden.
Roman: Total, du hast eine getrennte Softwareumgebung, im Zweifelsfall eine getrennte CDE.
Anschlussleistung: drei Megawatt gebraucht, anderthalb verfügbar
Roman: Ich musste umso mehr lachen, als ich gestern einen Termin mit Benny hatte und ein Planer uns die Mittelspannungstechnik für ein Großprojekt vorgestellt hat. Nachdem er losgelegt hatte, habe ich ihn nochmal gestoppt und gesagt: So, wir achten jetzt ganz besonders auf diesen Vortrag und gucken uns das Schema an — denn in der Mittelspannungstechnik und bei den Netzersatzanlagen kommen die meisten Nachträge. Deswegen müssen wir uns das ganz genau angucken.
Sören: Mit den eigenen Waffen.
Roman: Genau, da ging es schon los mit der Frage: Haben wir überhaupt genug Anschlussleistung für das Projekt? Großes Bauvorhaben, braucht drei Megawatt, es gibt nur anderthalb — was machst du jetzt? Wartest du zehn Jahre auf den Netzausbau, oder fängst du an, mit Batteriespeichern zu ackern, um die Gleichzeitigkeiten runterzurechnen?
Sören: War spannend.
Roman: Das hat mich eine Woche später ziemlich passend wieder eingeholt.
Drei Theorien für die Elektro-Nachträge
Sören: Vielleicht sind die Elektrounternehmen aber auch einfach die findigeren Leute, was Nachträge angeht.
Roman: Oh ja, jetzt kommen wir zu den interessanten Theorien — deine Theorie ist also: Die Elektriker sind besonders nachtragsschlau.
Sören: Das weiß ich nicht. Aber wenn du mal einen Stromschlag abbekommen hast, geht da vielleicht auch was.
Roman: Oh Mann — nicht in der Mittelspannung. Das ist also das eine Thema: Die Firmen sind findiger. Das zweite: Die Software ist schlechter und nicht so integriert, das haben wir in der Folge zur Lounge Elektrotechnik festgestellt. Und die dritte Ursache — da müsste man fragen: Sind die Leistungsverzeichnisse nicht vollständig genug? Das ist ja auch ein Grund für Nachträge. Oder gibt es so viele spontane Änderungen in der Elektrotechnik? Wir hatten das Thema Leuchten diskutiert, wo der Bauherr sagt: Die Leuchten will ich doch nicht haben.
Sören: Das liegt vielleicht auch daran, dass der Einfluss von Veränderungen — hier nochmal eine Steckdose, da nochmal eine — gar nicht als tragend oder entscheidend wahrgenommen wird, weswegen es schneller durchgeht. Wenn man auf der Baustelle sagt, hier brauche ich schnell noch eine Steckdose, ist das gefühlt immer schnell gemacht. Interessant wäre als Folgefrage auch, aus welchem Bereich die Nachträge kommen — Massenmehrung oder wirklich andere Anforderungen.
Weiterforschen: Detailanalyse und Stadt Münster
Roman: Vielleicht machen wir eine Detaillierung dazu mit Benny. Ich frage mich gerade, ob da geheime Dinge gesagt würden — aber es sind ja über sieben Jahre diverse Projekte, die ausgewertet wurden. Ich kann nicht erkennen, dass für unser Mitglied Sprinkenhof da ein Risiko drinsteckt.
Sören: Wir haben ja die letzte Folge dazu, und wir wurden eingeladen — das Thema kam von Benny, der der TGA-Profi bei der Sprinkenhof ist.
Roman: Wäre schon spannend, sich das nochmal anzugucken: Detaillierung, Gründe herausfinden, und vielleicht bekommt man dazu sogar mit einer Umfrage oder Befragung noch etwas erforscht.
Sören: Ich bin ja immer fürs Forschen zu haben.
Roman: Weiterforschen an den Nachträgen der Elektrotechnik. Warum Elektro? Etwa ein Drittel entfiel ja auf Sanitär, Lüftung und gewerkeübergreifenden Brandschutz — aber Elektro ist das große Thema, vor allem die Mittelspannung.
Sören: Spannend. Vielleicht ist es auch ein Hamburg-spezifisches Ding, das müsste man sich anschauen.
Roman: Aber warum Hamburg? Vielleicht könnten wir uns nochmal mit der Stadt Münster treffen, die sind auch Mitglied — kleiner Gruß. Deren TGA-Abteilung ist sehr groß und hat vermutlich sehr viele Daten. Vielleicht können wir da zusammenkommen und die Bauherren gemeinsam befragen.
Sören: Machen wir uns damit nicht Feinde bei den Unternehmen, weil wir auf einmal wissen, wo die Potenziale liegen — dann verbessern wir unsere Planung und reduzieren die Nachträge?
Roman: Das glaube ich nicht. Das ist einfach gut für die Bauherren und gut für die Planer. Jeder Nachtrag ist Stress für beide Seiten — für die Planer und für den Bauherrn — und die wollen wir vermeiden. Da habe ich sehr viel mitgenommen. Interessant war auch die Frage, welche drei Themen für euch die wichtigsten sind: Zeit ist das neue Gold, BIM als Methode und Kultur, Nachträge — alles drei gleich wichtig. Eine mega Themenauswahl. Sören, ich würde mich freuen, wenn wir das Thema Nachträge nochmal vertiefen. Da können wir am meisten machen.
Sören: Stimmt, da können wir gut aufsatteln — mit den besonderen Leistungen, das passt ja.
Roman: Und vor allem mit der Lounge Elektro. Alex, Julian — wir melden uns. In diesem Sinne: ein letztes Bierchen an der Bar, und wir sehen uns bald wieder. Bis dann, ciao.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Was bedeutet „Aufmerksamkeit ist das neue Gold" in der TGA-Planung?
Roman Fritsches erweitert das Motto „Zeit ist das neue Gold" um die Aufmerksamkeit: In stundenlangen Online-Terminen arbeiten Planende nebenher, die Aufmerksamkeit ist ständig geteilt — das senkt die Qualität. Gegenmittel sind bewusste Konzentration, weniger parallele Projekte und die Abgrenzung von ständig durchmischenden Aufgaben, E-Mails und Terminen. Das ist im Kern eine Frage von Selbst- und Eigenmanagement.
Warum tun sich Planungsbüros mit dem Terminsteuerungs-Tool eines Bauherrn schwer?
Büros haben eigene, mit dem Team erarbeitete Abläufe und ein eigenes Werkzeug, um Projektabläufe darzustellen. Wenn in jedem Projekt ein neues, vom Bauherrn vorgegebenes Tool hinzukommt, müssen die internen Vorgänge jedes Mal überführt werden — das erzeugt Aufwand und senkt die Bereitschaft. Hinzu kommt die nötige Transparenz: Offen zu sagen, dass man hinterherhängt, funktioniert nur, wenn nicht sofort mit Regress gedroht wird.
Was fehlt dem vorgestellten Terminsteuerungskonzept aus Sicht der Podcast-Hosts?
Roman Fritsches vermisst das Zyklische — feste, wiederkehrende Termine im Takt von zwei, vier, sechs und acht Wochen. Ohne diesen Rhythmus bleibt es im Kern ein Gantt-Diagramm, dessen Schwächen in der Planungspraxis bekannt sind. Für die Projektleitung bleibt die Planung der Planung das zentrale Instrument, damit alle wissen, wann sie was liefern müssen.
Warum entstehen in der Elektrotechnik die meisten Nachträge?
Roman Fritsches und Sören Janson diskutieren drei Erklärungen für die Spitzenstellung der Kostengruppe 440: Erstens könnten Elektrofirmen im Nachtragsmanagement schlicht findiger sein. Zweitens ist die Elektro-Software schlechter integriert — mechanische Gewerke lassen sich in gängigen BIM-Lösungen gut abbilden, elektroseitig arbeitet man über Sonderwege, Einzellösungen und im Zweifel eine getrennte CDE. Drittens könnten unvollständige Leistungsverzeichnisse und viele spontane Änderungen eine Rolle spielen, weil kleine Anpassungen wie eine zusätzliche Steckdose als wenig tragend wahrgenommen werden.
Was ist das Problem der Anschlussleistung bei Großprojekten?
In einem konkreten Fall benötigte ein großes Bauvorhaben drei Megawatt Anschlussleistung, verfügbar waren jedoch nur anderthalb. Die Alternativen: rund zehn Jahre auf den Netzausbau warten oder mit Batteriespeichern und der Reduktion von Gleichzeitigkeiten arbeiten. Mittelspannungs- und Netzersatzanlagen sind genau der Bereich, in dem laut der Sprinkenhof-Auswertung die meisten Nachträge entstehen.
Wie wollen die Hosts das Thema Nachträge weiter untersuchen?
Geplant ist eine Detailauswertung gemeinsam mit Benny Heilmann von der Sprinkenhof GmbH — insbesondere die Frage, ob die Nachträge aus Massenmehrung oder aus geänderten Anforderungen stammen. Zusätzlich soll geprüft werden, ob die Befunde Hamburg-spezifisch sind; dafür ist eine gemeinsame Bauherren-Befragung mit der Stadt Münster im Gespräch, deren TGA-Abteilung über eine große Datenbasis verfügt.
Zitate
„Aufmerksamkeit ist das neue Gold."
— Roman Fritsches
„Jeder Nachtrag ist Stress für beide Seiten."
— Roman Fritsches
„Dann kommt in jedem Projekt ein neues Tool, das ich benutzen soll."
— Roman Fritsches
„Nicht umsonst fällt es Leuten so schwer, mit dem Rauchen aufzuhören."
— Sören Janson
„Aber sonst wird es halt ein Gantt-Diagramm."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Ein bei einer Band angefragtes Podcast-Intro hätte 20.000 Euro Nutzungsgebühr gekostet.
Quelle: Roman FritschesAn der Kunstausstellung beim Regionaltreffen der Sprinkenhof GmbH nahmen über 20 TGA-Planende teil.
Quelle: Roman FritschesAus 1.700 ausgewerteten Nachträgen aus sieben Jahren führt die Elektrotechnik (Kostengruppe 440, Starkstromanlagen) — vor allem Mittelspannungs- und Netzersatzanlagen.
Quelle: Roman Fritsches (nach der Auswertung von Benny Heilmann)Rund ein Drittel der Nachträge entfiel auf Sanitär, Lüftung und gewerkeübergreifenden Brandschutz.
Quelle: Roman FritschesEin Großprojekt benötigte drei Megawatt Anschlussleistung, verfügbar waren nur anderthalb — Alternative wären rund zehn Jahre Wartezeit auf den Netzausbau.
Quelle: Roman FritschesGlossar
- Anschlussleistung
- Die vom Netz bereitgestellte elektrische Leistung für ein Bauvorhaben. Im geschilderten Fall standen statt der benötigten drei Megawatt nur anderthalb zur Verfügung — Alternativen sind Netzausbau, Batteriespeicher oder das Reduzieren von Gleichzeitigkeiten.
- CDE (Common Data Environment)
- Gemeinsame Datenumgebung eines BIM-Projekts. In der Elektroplanung wird laut den Hosts häufig eine getrennte Softwareumgebung und im Zweifel eine eigene CDE genutzt, was die Integration erschwert.
- Gleichzeitigkeit
- Annahme darüber, welcher Anteil der Verbraucher gleichzeitig in Betrieb ist. Ein Herunterrechnen der Gleichzeitigkeiten senkt die erforderliche Anschlussleistung.
- Kostengruppe 440
- Kostengruppe der Starkstromanlagen (Elektrotechnik) nach DIN 276; laut der ausgewerteten Bauherren-Daten der Bereich mit den meisten und höchsten Nachträgen.
- Massenmehrung
- Nachtragsgrund, bei dem sich gegenüber dem Leistungsverzeichnis die Mengen erhöhen — abzugrenzen von Nachträgen aus geänderten Anforderungen.
- Netzersatzanlage
- Anlage zur Ersatzstromversorgung bei Ausfall der öffentlichen Versorgung; zusammen mit Mittelspannungsanlagen der größte Nachtragsposten innerhalb der Elektrotechnik.
- Planung der Planung
- Vorausschauendes Festlegen von Terminen, Meilensteinen und Zulieferungen innerhalb einer Leistungsphase; laut den Hosts das zentrale Instrument der Projektleitung, damit alle wissen, wann sie was liefern müssen.
- Terminsteuerungskonzept
- Ansatz eines Bauherrn, alle Planungsbeteiligten in einer gemeinsamen Terminsoftware zusammenzuführen und je Rolle festzulegen, wer wann welche Leistung liefert.