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Fachplaner TGA-Planung
Reihe 1 · 24 Folgen · Zuletzt aktualisiert:
Ein Fachplaner TGA plant ein Gewerk der Technischen Gebäudeausrüstung – etwa Heizung, Lüftung, Sanitär oder Elektro – und verantwortet dessen Qualität und Funktionalität über alle Leistungsphasen bis zur geprüften, ausführbaren Montageplanung. Seine wesentliche Bezugsrolle ist der Nutzer des Gebäudes. Nach außen schuldet die Fachplanung keinen bloßen Dienst, sondern den Werkerfolg: ein baubares, mangelfreies Gebäudemodell und am Ende eine funktionierende Anlage im Kosten- und Terminrahmen. Von der Fachplanung abzugrenzen sind die Systemplanung (zeichnerische Auslegung), die Fachkoordination (geometrische Integration) und die Projektleitung (Vertrag, Termine, Kosten).
Was ist ein Fachplaner TGA?
Die Fachplanung ist eine der sechs Rollen der TGA-Planung. Sie ist verantwortlich für Qualität und Funktionalität des jeweiligen Fachgewerks bis zur geprüften, ausführbaren Montageplanung; ihre Bezugsrolle ist der Nutzer (Weißbuch S. 16). Über alle Leistungsphasen hinweg trägt die Fachplanung mit rund 26 % den größten Anteil an den TGA-Planungsleistungen (Leistungspunkte, Weißbuch S. 36).
Wichtig für die Haftung: Der Fachplaner schuldet nach außen den Werkerfolg (Werkvertrag, §631 ff. BGB) – nicht nur eine sorgfältige Dienstleistung. Das Ziel ist ein mangelfreies, integriertes TGA-Modell, das im Kosten- und Terminrahmen vom Bauherrn freigegeben wird.
→ Podcast: Effektive Planung (#341) · Effiziente Planung (#342)
Die acht Anlagengruppen – was ein Fachplaner TGA plant
Die HOAI (§53) unterteilt die Technische Gebäudeausrüstung in acht Anlagengruppen. Ein Fachplaner TGA ist je nach Spezialisierung für eine oder mehrere zuständig:
- Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen (Sanitär)
- Wärmeversorgungsanlagen (Heizung)
- Lufttechnische Anlagen (Lüftung/Klima)
- Starkstromanlagen (Elektro)
- Fernmelde- und informationstechnische Anlagen
- Förderanlagen (Aufzüge etc.)
- Nutzungsspezifische und verfahrenstechnische Anlagen
- Gebäudeautomation
👉 Honorartechnisch ist jede Anlagengruppe ein eigenes Objekt und wird separat nach anrechenbaren Kosten und Honorarzone abgerechnet (§54/§55 HOAI). Begriffe wie „Fachplaner Gebäudetechnik", „Fachplaner Versorgungstechnik" oder „Fachplaner Elektrotechnik" bezeichnen die Spezialisierung auf einzelne dieser Anlagengruppen.
Fachplanung, Systemplanung, Fachkoordination, Projektleitung – die Abgrenzung
Die TGA-Planung kennt sechs Rollen; vier davon arbeiten eng am Gewerk zusammen und werden oft verwechselt:
| Rolle | Verantwortung | Bezugsrolle |
|---|---|---|
| Fachplanung TGA | Qualität & Funktionalität des Gewerks (Auslegung, Berechnung, Konzept) | Nutzer |
| Systemplanung TGA | geprüfte, ausführbare Montage- und Systemplanung (zeichnerische Umsetzung) | Fachplanung |
| Fachkoordination TGA | geometrisch integriertes, koordiniertes, mangelfreies TGA-Gebäudemodell | Objektplanung |
| Projektleitung TGA | Ingenieurvertrag, Honorar, Termine, Baukosten | Bauherr |
(Die weiteren beiden Rollen sind Bauüberwachung und Büroleitung. Im Weißbuch werden Fach- und Systemplanung als eine gemeinsame Rolle geführt und im Aufgabenkatalog in Fachplanung und Systemplanung gesplittet — Weißbuch S. 16/26.)
→ Podcast: Neues aus der Forschung: Rollen (#410) · Neues aus der Forschung: Rollen Workshop (#416)
Die Aufgaben eines Fachplaners TGA je Leistungsphase
Die HOAI gliedert die TGA-Planung in neun Leistungsphasen (Honoraranteile in %): Grundlagenermittlung 2 · Vorplanung 9 · Entwurfsplanung 17 · Genehmigungsplanung 2 · Ausführungsplanung 22 · Vorbereitung der Vergabe 7 · Mitwirkung bei der Vergabe 5 · Objektüberwachung 35 · Objektbetreuung 1. Für die Fachplanung sind drei Phasen besonders prägend:
- Vorplanung (LP2): Lösung und Alternativen je Anlagengruppe erarbeiten, mit dem Bedarfsplan abgleichen.
- Entwurfsplanung (LP3) – die wichtigste Phase: Hier werden alle Systeme ausgelegt und festgelegt; der hohe Stundenaufwand wird von der HOAI unterzeichnet. Was hier versäumt wird, lässt sich später kaum aufholen.
- Ausführungs- und Montageplanung (LP5): ausführungsreife Planung; die Montageplanung der Firma wird nur auf Übereinstimmung geprüft – sie soll vertiefen, nicht ändern.
→ Podcast: Das perfekte TGA-Projekt: Bedarfs- bis Vorplanung (#11) · Der perfekte TGA-Entwurf (#12) · Die perfekte Ausführungs- und Montageplanung (#13) · Entwurfs-Frust an der Bar (#256)
Grundleistung oder besondere Leistung?
Ein teurer Irrtum vieler Fachplanender: unbezahlt Leistungen zu erbringen, die keine HOAI-Grundleistung sind. Solche besonderen Leistungen (AHO Heft 6) gehören gesondert vereinbart und vergütet – etwa Systemanalyse, Bestandsaufnahme, funktionale Leistungsbeschreibung (FLB), FM-gerechte Planungsorganisation, Mitwirken am Inbetriebnahmemanagement oder Zertifizierungsleistungen. 👉 Auch die Koordination der TGA-Anlagengruppen untereinander ist keine Grundleistung der Fachplanung, sondern Aufgabe der Fachkoordination.
→ Podcast: Besondere Leistungen (#225) · Systemanalyse als besondere Leistung (#411) · Bestandsaufnahme der TGA (#407) · FLB als Sonderleistung (#419)
Die Grundlage: Bedarfsplanung (Leistungsphase 0)
Gute Fachplanung beginnt vor der eigentlichen Planung: Die Bedarfsplanung (DIN 18205, anerkannte Regel der Technik) legt Projektziele, Qualitäten, Kosten- und Terminrahmen sowie das Raum- und Flächenprogramm fest. Sie ist Vorleistung des Bauherrn – fehlt sie, kann die Grundleistung „Klären der Aufgabenstellung" (LP1) nicht erbracht werden. Für die Fachplanung ist sie die Grundlage des Honorarangebots.
→ Podcast: Bedarfsplanung für die TGA (#43) · Bedarfsplanung nach DIN 18205 (#62)
Honorar-Grundlage (kurz)
Das Honorar der Fachplanung richtet sich nicht nach Aufwand, sondern nach den anrechenbaren Kosten je Anlagengruppe, der Honorarzone (I–III nach Schwierigkeitsgrad) und der Leistungsphase (§54–§56 HOAI). Anrechenbare Kosten werden nach der DIN 276 in der Fassung 2008 ermittelt. Wichtig: Das Entkopplungsprinzip – die anrechenbaren Kosten richten sich nicht nach den tatsächlichen Baukosten, sondern nach der Kostenberechnung zum Erstellungszeitpunkt (Weißbuch S. 94–95).
Welche Kompetenzen braucht ein Fachplaner TGA?
- Fachlich-technische Tiefe im jeweiligen Gewerk (Auslegung, Berechnung, Normen)
- Regelwerks-Wissen: HOAI (Leistungsbild, Anlagengruppen), DIN 18205, DIN 276, VDI 6026 (Dokumentation), gewerkespezifische Normen
- Planungssoftware (CAD, Berechnungs-/Auslegungstools)
- Schnittstellen- und Koordinationsverständnis (Architektur, Tragwerk, andere Fachgewerke)
- Honorar- und Vertragsbewusstsein (Grundleistung vs. besondere Leistung)
Wie wird man Fachplaner TGA?
Der typische Weg führt über ein Studium (Versorgungstechnik, Gebäudetechnik, Energie- und Gebäudetechnik, Elektrotechnik) oder eine Technikerausbildung, ergänzt durch Berufserfahrung in einem Planungsbüro. Quereinstieg ist möglich – häufig über die Systemplanung. Gezielte Weiterbildung (z. B. zu HOAI, Leistungsphasen, einzelnen Anlagengruppen) beschleunigt den Aufstieg und schließt typische Wissenslücken bei Berufseinstieg und Quereinstieg.
Weiterbildung zur Fachplanung TGA: → (intern auf das Fachplanungs-Seminar / tgaPULS-Training verlinken – Link folgt)
Warum die TGA-Fachplanung besonders ist
Die HOAI honoriert TGA-Fachplaner zu rund 84 % für Qualität, nur ~15 % für Kosten und ~1,5 % für Termine (Weißbuch S. 37) – obwohl im Projektalltag gerade Kosten und Termine den Druck erzeugen. Dazu kommt: Die TGA ist das integrierende Gewerk, dessen Vorgaben von außen laufend umgeworfen werden. Gute Fachplanung braucht deshalb nicht nur Technik, sondern klare Rollen, frühe Kapazitätsplanung und ein sauberes Verständnis von Grund- und Sonderleistungen.
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Häufige Fragen zum Thema
Was macht ein Fachplaner TGA?
Er plant ein Gewerk der Technischen Gebäudeausrüstung (z. B. Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro) und verantwortet dessen Qualität und Funktionalität über alle Leistungsphasen bis zur geprüften Montageplanung. Bezugsrolle ist der Nutzer; geschuldet ist der Werkerfolg.
Welche Anlagengruppen plant ein Fachplaner TGA?
Die acht Anlagengruppen nach §53 HOAI: Abwasser/Wasser/Gas, Wärmeversorgung, Lufttechnik, Starkstrom, Fernmelde-/IT-Technik, Förderanlagen, nutzungsspezifische/verfahrenstechnische Anlagen und Gebäudeautomation.
Was ist der Unterschied zwischen Fachplanung und Systemplanung in der TGA?
Die Fachplanung verantwortet Qualität und Funktionalität des Gewerks (Auslegung, Berechnung, Konzept); die Systemplanung setzt dies in die geprüfte, ausführbare Montage- und Systemplanung um (zeichnerische Umsetzung).
Was ist der Unterschied zwischen Fachplanung und Fachkoordination?
Die Fachplanung verantwortet das einzelne Gewerk; die Fachkoordination führt alle TGA-Gewerke zu einem geometrisch integrierten, koordinierten, mangelfreien Gebäudemodell zusammen (dem BIM-Koordinator nachempfunden).
Wie wird man Fachplaner TGA?
Über ein Studium (Versorgungs-/Gebäude-/Elektrotechnik) oder eine Technikerausbildung plus Berufserfahrung im Planungsbüro – Quereinstieg ist möglich, gezielte Weiterbildung beschleunigt den Weg.
Welche Aufgaben der Fachplanung sind besondere Leistungen?
Z. B. Systemanalyse, Bestandsaufnahme, funktionale Leistungsbeschreibung, FM-gerechte Planungsorganisation, Mitwirken am Inbetriebnahmemanagement und Zertifizierung – keine HOAI-Grundleistungen, daher gesondert zu vergüten.
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