TGA-Planung › HOAI, AHO, Honorar & TGA-Planung › Folge #437
tgabar · BargesprächeWas ist die Objektliste der HOAI?
Die Objektliste ist Anlage 15.2 der HOAI und zugleich deren allerletzte Anlage. Sie ordnet jeder Anlagengruppe der technischen Ausrüstung eine von drei Honorarzonen zu. Weil nach Paragraf 2 HOAI jede Anlagengruppe ein eigenes Objekt ist, wird auch jede getrennt honoriert. Wer pauschal über die Kostengruppe 400 anbietet oder blind Honorarzone 2 ansetzt, verschenkt Geld.
Transkript
Was ist die Objektliste der HOAI?
Roman: Moin, moin und herzlich willkommen an der tgabar. Ich kann es kaum erwarten, Sören: Du und ich an der Bar, und wir stellen uns die Frage — was ist eine Objektliste?
Sören: Objektliste? Wo hast du denn den Begriff wieder gefunden?
Roman: Ich habe so eine Norm mit vier Buchstaben, H-O-A-I, mal aufgemacht und dann ganz zum Ende gescrollt.
Sören: Ganz zum Ende.
Roman: Also wirklich die allerletzte Anlage: 15.2.
Sören: Gibt es keine danach?
Roman: Nee, das ist wirklich die letzte Anlage.
Sören: Ich raste aus.
Roman: Die heißt Objektliste. Und wer von euch Angebote kalkuliert, kennt sie bestimmt. Da steht nämlich genau drin, welche Komplexitätsstufen — welche Honorarzonen, um genau zu sein — die TGA haben kann. Aber wer weiß schon, dass das Objektliste heißt?
Sören: Das weiß niemand.
Roman: Und das Ding ist vor allem super wichtig, weil es jeder Einsteigerin und jedem Einsteiger in die TGA-Planung eine super gute Übersicht bildet: Was kann ich denn alles planen in der TGA, welche Komplexität kann das erreichen, und wie viel Geld kriege ich dafür?
Gerade wenn ich an einer Projektanfrage sitze, wo ja mittlerweile auch immer mehr von auftraggebender Seite vorgegeben wird — zum Beispiel: Die HOAI nehmen wir als Grundlage, die anrechenbaren Kosten für die Kostengruppe 400 sind halt eine Summe, und dafür nehmen wir jetzt eine Honorarzone. Da geht es schon los.
Was ist ein Objekt nach der HOAI?
Roman: Also, da steht ja Objektliste. Jetzt kommen wir nochmal zur Definition des Objekts — und da hacke ich ja gerne drauf rum: Ein Objekt in der HOAI ist nicht ein Gebäude, sondern ein Objekt ist eine Anlage.
Ich gehe mal kurz in die HOAI, um die Definition rauszufinden. Ich glaube, das war Paragraf 4 — nein, das stimmt nicht: Paragraf 2. Da wird definiert, was Objekte sind, da stehen die Begriffsbestimmungen. Da steht: Objekte sind Gebäude. Ja, okay, ein Gebäude ist ein Objekt. Es sind auch Innenräume — Innenraum ist auch ein Objekt. Freianlagen sind ein Objekt. Ingenieurbauwerke sind ein Objekt. Verkehrsanlagen sind ein Objekt. Und jetzt kommt es: Objekte sind auch Tragwerke und Anlagen der technischen Ausrüstung.
Halte ich fest: Es sind aber nicht alle zusammen ein Objekt, sondern die technische Ausrüstung besteht aus vielen Objekten. Da könnte man sagen: Gut, dass wir Anlagengruppen haben.
Sören: Gut, dass wir Anlagengruppen haben.
Roman: Genau, also jede Anlagengruppe ist ein Objekt. Das halten wir hier so fest. Und das sagt ihr bitte euren Bauherren, das sagt ihr bitte euren Projektsteuerern, und das sagt ihr den Generalplanern und allen, die sagen: Machen Sie mal ein Angebot über die gesamte Kostengruppe 400, ist ja ein Objekt. Nein, ist es nicht. Die Kostengruppe 400 besteht aus mehreren Kostengruppen, mehreren Anlagengruppen — und jede einzelne Anlagengruppe ist ein Objekt. Paragraf 2 HOAI. Steht auch in den ganzen Kommentaren drin, und in der neuen HOAI wird das nochmal deutlicher gemacht.
Sören: Das weiß ich, da steht es ein bisschen besser drin.
Wie viele Honorarzonen hat die TGA?
Roman: So, deswegen jetzt der Übergang zur Anlage 15.2, deswegen Objektliste in der TGA. Anlage 15.2 ist eine Liste aller Objekte in der TGA. Und da geht es los mit Anlagengruppe 1: Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen. Und jetzt finde ich es halt witzig, wenn der Bauherr dir eine Honorarzone vorgibt und zum Beispiel sagt: Nehmen wir mal die zwei.
Sören: Oder noch besser: Nehmen wir mal die drei, ist ja in der Mitte.
Roman: Nein, es gibt nur drei Zonen — die drei ist nicht in der Mitte. Bist wohl Architekt und kennst die fünf. Gleich geoutet als Architekt oder Architektenkenner. Da gibt es fünf Honorarzonen, fünf Komplexitätsstufen in dem einen Objekt des Gebäudes. In unseren Objekten und in der Objektliste gibt es drei Zonen: eins, zwei und drei. Und die sind aufgeteilt nach verschiedenen Anlagengruppen.
Was schließt Honorarzone 1 bei Sanitär und Heizung aus?
Roman: Und jetzt geht es bei Sanitär schon los: einfache Sanitärnetze sind Zone 1, verzweigte Netze Zone 2. Und die Erweiterung — Anlagen zur Reinigung, Entgiftung, Neutralisation, vielleicht auch Gasdruckregelstationen — sind auf jeden Fall Zone 3. Das heißt: Wenn der Bauherr sagt, ich will Sanitärtechnik Zone 1, könnt ihr sagen: Okay, dann kriegst du keine Trinkwasserzirkulation, keine Hebeanlage, keine Druckerhöhungsanlage und kein verzweigtes Trinkwassernetz. Schließt das alles aus. Ihr kriegt ja auch kein Geld dafür, das zu planen.
Sören: Ihr kriegt doch kein Geld dafür, das zu planen.
Roman: Das heißt, ich müsste als Planer, wenn mir der Bauherr eine Honorarzone vorgibt, gleich sagen: Hiermit beschränke ich meinen Auftrag auf folgende Leistungen, siehe Anlage 15.2, Objektliste. Entweder so herum — oder ich mache das, was ich immer empfehle: Ich mache eine eigene Planungsgrundlage und Kosteneinschätzung, versuche aus meinen bestehenden Kosten, die ich von anderen Projekten kenne, tatsächlich Baukosten einzuschätzen und darauf basierend eine Planungsgrundlage zu übermitteln.
Und da steht dann drin, zum Beispiel bei der Heizungstechnik — gehen wir mal zur Anlagengruppe 2, die getrennt honoriert wird von der Sanitärtechnik: In der Zone 1 Einzelheizgeräte, Etagenheizung. Also wenn der Bauherr Honorarzone 1 will, dann gibt es Etagenheizung. Ich glaube nicht, dass irgendjemand Etagenheizung noch plant.
Sören: Was sind das denn, so elektrische Heizkörper oder Gas?
Roman: Ich hatte mal in meiner alten WG vor 30 Jahren so einen Gasofen in meinem Zimmer. Ich glaube, wir haben gemeinsam mehr Geld für Gas bezahlt als für die Miete.
Sören: Ja, also das ist uralt. Ich glaube, das ist auch nicht mehr so richtig zulässig.
Roman: Zone 1 — das heißt, es kann mindestens nur Zone 2 sein. Da wären es dann mono- oder bivalente Systeme, also maximal zwei Wärmeerzeuger, zum Beispiel Solarthermie und Wärmepumpe. Und sobald ihr zwei oder drei Wärmeerzeuger habt, also multivalente Systeme oder Systeme mit Kraft-Wärme-Kopplung, oder Deckenstrahlheizung, seid ihr schon in der Zone 3. Das heißt: Wenn der Bauherr sagt, ich will nur Zone 2, dann gibt es halt keine multivalenten Systeme, es gibt keine Deckenstrahlheizung und es gibt keine Kraft-Wärme-Kopplung.
Warum ist Lüftung mit Kühlung immer Honorarzone 3?
Roman: Ja, Lüftung finde ich genauso spannend. Da steht dann eben auch drin — getrennt davon honoriert —: Zone 2 sind Lüftungsanlagen mit einer thermodynamischen Luftbehandlungsfunktion, da steht zum Beispiel Heizen dabei. Wenn ihr heizen und kühlen sollt, also wenn Kältetechnik in die Lüftungstechnik dazu soll, seid ihr automatisch bei Honorarzone 3.
Und da die Lüftung gerade bei Bürogebäuden oder bei Laboren oder Krankenhäusern oft einen sehr, sehr hohen Kostenanteil hat, wird da, glaube ich, sehr, sehr viel Geld verschenkt von uns lieben Planern und Planerinnen — weil wir einfach immer irgendwie sagen: Ja, Zone 2 wird schon stimmen. Nein: Wenn wir kühlen, ist es sofort Zone 3.
Und jetzt könnte man natürlich aufteilen und sagen: Teilklimaanlagen, Klimaanlagen sind nicht überall, manche Anlagen sind eben nur beheizt und haben vielleicht auch nur eine Abluft mit Überströmung. Ja, okay — also wenn ihr es richtig machen wollt, müsstet ihr die anrechenbaren Kosten aufteilen und dann verschiedene Zonen auf diese verschiedenen Kostenanteile berechnen. In der Praxis wird das relativ selten gemacht, weil sowieso keiner die Honorarzone versteht.
Sören: Und dann verweisen wir sie ab heute auf diese Folge.
Roman: Objektliste 15.2. Guckt bitte Anlagengruppe 3 und wählt die Honorarzone richtig. Da haben wir auch drin, wie zum Beispiel Kühlanlagen, Kälteerzeugungsanlagen ohne Prozesskälteanlagen. Also sobald irgendwie Kälte erzeugt wird, ist es auf jeden Fall Zone 3. Und da finde ich es dann auch bei vielen Objekten schwer zu trennen und zu sagen: Na ja, da gibt es jetzt keine Kälte, aber da schon. Und deswegen haben wir da verschiedene Honorarzonen. Darauf kann man sich einlassen, auf die Verhandlungen — aber einfach pauschal Zone 2 zu sagen, wäre ein Fehler.
Sören: Genau.
Welche Honorarzone gilt für Starkstromanlagen und Gebäudeautomation?
Roman: Und jetzt nochmal sehr spannend, auch beim Thema Starkstromanlagen: Jetzt sind wir bei der Objektliste Anlagengruppe 4. Da gibt es eben auch drei Zonen. Und die mittlere Zone beinhaltet zum Beispiel auch Photovoltaikanlagen, auch Kompakt-Trafostationen oder Eigenstromerzeugungsanlagen, auch zentrale Sicherheitsbeleuchtungsanlagen — also sozusagen der Bürostandard. Sobald ihr dann Richtung Hoch- oder Mittelspannungsanlagen und Trafostationen geht — also nicht kompakt, sondern wirklich Transformatorenstationen, Notstromaggregate —, seid ihr bei Zone 3. Das heißt, dann reden wir auch bei Kostengruppe 440 oder Anlagengruppe 4 von einer höheren Honorarzone, die ihr bekommt.
Sören: Tja, ich vermute, da wurde schon sehr viel Geld liegen gelassen. Und ich vermute vor allem, dass in der frühen Bedarfsplanungsphase darüber einfach auch nicht gesprochen wird.
Roman: Und das finde ich total dämlich, weil es halt in der HOAI steht. Das ist ja nicht eine Tabelle, die sich jemand ausgedacht und irgendwie in die Welt gegeben hat, sondern du kannst auf die HOAI verweisen. Was gibt es denn Besseres als Honorargrundlage?
Sören: Nicht viel, ne?
Roman: Nicht viel. Ja, das geht dann so weiter mit Fernmeldetechnik und so weiter, da will ich gar nicht so sehr drauf eingehen. Sehr spannend finde ich noch Anlagengruppe 8.
Sören: Anlagengruppe 8 ist sehr unspannend, finde ich.
Roman: Die ist immer die witzigste. Gebäudeautomation ist immer Zone 3. Keine Diskussion. Solange es herstellerneutrale Gebäudeautomationssysteme gibt, reden wir über Zone 3. Da hatte ich ein Gerichtsverfahren.
Sören: Ich glaube das nicht.
Roman: Wir haben uns da mit dem Sachverständigen vor Ort getroffen. Ich habe die GA im Gebäude erläutert, und er hat mir nicht geglaubt, dass das Zone 3 ist — bis irgendwann meine Rechtsanwältin die HOAI rausgenommen und gesagt hat: Gucken Sie mal hier. Ah ja, versteht sich. Hätten wir uns ja gar nicht hier treffen müssen.
Sören: Oh Mann, hey.
Roman: Na ja, Honorarsachverständige — es gibt solche und solche. Nicht alle sind so gut wie Martin Vielhauer oder Friedhelm Döll.
Warum ist Anlagengruppe 7 der längste Teil der Objektliste?
Roman: Gut, und Anlagengruppe 7 — jetzt wird es spannend, und das ist auch sozusagen der längste Teil in 15.2. Ich weiß nicht, hast du dich da mal intensiv mit auseinandergesetzt, mit der Gruppe 7?
Sören: Mit der 7 nicht. Aber das ist ja so ein bisschen das Sammelbecken für alles Mögliche, und deswegen ist es wahrscheinlich auch das Längste, weil da ja von bis drin sein kann.
Roman: Ja, total. Und das finde ich auch so missverständlich, weil man meinen könnte, die Anlagengruppe 7 sei sozusagen ein Objekt — das heißt, die kalkuliere ich insgesamt, ich schmeiße einfach die anrechenbaren Kosten aller besonderen Anlagen zusammen und mache ein Honorar draus. Nein, so ist es nicht. Sondern es gibt tatsächlich getrennte nutzungsspezifische und verfahrenstechnische Anlagen, und das sieht man hier, finde ich, auch wenn man genau reinguckt: dass die Zonen variieren.
Also bei den küchentechnischen Anlagen geht es los. Da gibt es irgendwie Teeküche Zone 1, Küche mittlerer Größe Zone 2, Großküche Zone 3. So, macht Sinn, kann man reingucken als Küchenplanerin. Das geht dann aber wieder von vorne los bei Wäschereien und Reinigungsgeräten: Gemeinschaftswaschküchen wieder Zone 1, Waschsalons Zone 2, Reinigungsanlagen mit chemischen, physikalischen Einrichtungen Zone 3. Also dann sieht man wieder: Wenn ich eine Wäscherei plane, ist das eine getrennte Anlage, getrennt zu honorieren.
Sören: Ja, aber man müsste es eigentlich darunter auch nochmal auftrennen, weil es ja theoretisch eine Küche nach einer anderen Honorarzone sein kann als das andere. Und dann kann das ja auch kostentechnisch Ausmaße annehmen, wo man es nicht pauschal sagen kann. Das habe ich ja in anderen Gruppen — in den Gruppen 4 oder 5 könnte man das ja auch durchaus haben.
Roman: Total. Und deswegen finde ich: Diese Tabelle müsste eigentlich der Hauptverhandlungsteil in einem Ingenieurvertrag werden, müsste als allererstes besprochen werden. Was nehmen wir an als Budget, was glaube ich, was die Kosteneinschätzung für das Gebäude wird? Ich habe die BGF und fange an, Kostengrenzen aufzuzeigen. Und dann rede ich über die Komplexität der Technik, die da reinkommt. Und da müsste ich die 15.2 nehmen und müsste überall gemeinsam ein Kreuzchen setzen und sagen: mittel, niedrig, hoch. So, das ist mein Planungsauftrag. Das reicht doch schon völlig aus für eine Planungsgrundlage, aus meiner Sicht schon eine super Basis. Also: Ist die Küche klein, groß, mittel? So muss ich das halt festlegen.
Und ich glaube, sehr praxisnah ist das Thema Medizin- und labortechnische Anlagen. Da wird unterschieden zwischen Einzelpraxen, dann Laboreinrichtung für Schulen zum Beispiel, oder dann eben Labore für Institute und Laboratorien. Kennt auch jeder Laborplaner, jede Laborplanerin, die Aufteilung. Aber auch das entscheide ich dann hier — und da muss ich relativ früh schon irgendeinen Eindruck haben, wie das Brandschutzkonzept ist: Habe ich manuelle Feuerlöschanlagen, oder habe ich selbstständig auslösende Sprinkleranlagen? Das wäre dann Zone 3. Also Sprinkleranlagen heißt sofort getrennte Kostengruppe, Haufen Kohle, weil super aufwendig zu planen.
Tja, und dann eine Überraschung, die ich auch mal nett fand: die bühnentechnischen Anlagen. Für Schulen habe ich die öfter mal geplant — für Großbühnen nicht so; für Klein- oder Mittelbühnen Zone 2, auch eine eigene Anlagengruppe.
Ne, viel zu oft umsonst mitgemacht. Also ich weiß: Die ersten fünf Schulen, da habe ich die bühnentechnischen Anlagen bei der Schwachstromtechnik einfach mit einsortiert und gesagt: Hier, das honorieren wir gemeinsam. Riesenfehler.
Sören: Riesenfehler.
Roman: Also vielleicht jetzt kein Riesenfehler, weil es nicht so viel Geld war. Aber ich finde: Sobald man da Richtung Küchentechnik, Labortechnik und so weiter geht, legt man gemeinsam Dinge fest.
Und dann auch etwas, was ich jetzt schon ein paar Mal gemacht habe: Prozesskälteanlagen — also Kälte, die nicht für die Lüftung genutzt wird, sondern Kälte, die für bestimmte Geräte des Nutzers oder bestimmte Verbraucher des Nutzers gebraucht wird — oder auch zum Beispiel Prozessluftanlagen sind wiederum eine eigene Anlagengruppe und immer Zone 3. Das heißt, da könnte ich auch trennen und sagen: Wir müssen jetzt hier Kälte machen für irgendwelche Labore, für irgendwelche Versuche — das lasse ich als eigene Anlagengruppe honorieren. Muss man nur wissen.
Sören: Auf jeden Fall, ja. Also da lohnt sich diese Differenzierung. Man müsste mal vergleichen, was das honorartechnisch ausmacht, und sich wirklich einmal angucken, ob sich der Aufwand lohnt, das so dezidiert auseinanderzunehmen.
Roman: Das macht richtig was aus. Das macht finanziell auf jeden Fall 10 Prozent bestimmt — wenn du da anfängst, dich reinzudrehen, bist du bei mehr. Also je nachdem, wie viele Fehler du vorher gemacht hast und wie viele Zusammenfassungen du gemacht hast.
Sören: Genau, alles unter einer 400er.
Roman: Genau, eine 400er sind wahrscheinlich 30 Prozent weniger, als wenn ich es trenne — oder 40, ich weiß es nicht.
Sören: Auch nochmal spannend. Es ist ja schon bekannt: Wenn du die 400 gesamt auf einzelne Anlagengruppen unterteilst, hast du ja schon ein Delta raus im Endeffekt.
Roman: Total. Noch ein spannendes Thema: Grauwassernutzung ist eine eigene Anlagengruppe. Also Regenwasserbehandlungsanlagen, hier einfache, sind auch eine eigene Zone. Das heißt, wenn ich das durchgehe, würde ich tatsächlich nicht bei Sanitär oben enden, sondern bis 7.2 in der Objektliste gehen — einfache Regenwasserbehandlungsanlagen — und fragen: Wollen Sie eine Grauwassernutzung, ja oder nein? Ist eine getrennte Anlagengruppe, ist dann auch klar festgelegt: Kann ich mir leisten oder nicht.
Sören: Auf jeden Fall, ja.
Warum lohnt sich der Blick auf die letzte Seite der HOAI?
Roman: Ja, also ich bin ein Riesenfan. Ihr müsst die HOAI bis ganz, ganz, ganz zum Ende durchblättern. Wenn ihr es online macht, ist das relativ simpel — ihr scrollt nach unten. Wenn ihr ein Buch habt: bis zum Ende, ganz auf die allerletzte Seite. Es ist wie bei der Heizlastberechnung.
Sören: Wie bei der Heizlastberechnung.
Roman: Die allerletzte Seite — da stehen die wichtigsten Sachen drauf. Und bei der HOAI ist das das Gleiche. Was ist eine Objektliste?
Sören: Was ist eine Objektliste?
Roman: Ich glaube, ihr könnt es beantworten: Sie hilft euch bei einer guten Honorierung eurer Leistung — und auch dabei, die Komplexität mit dem Bauherrn und dem Nutzer festzulegen. Großer Fan. So, dann legen wir noch ein paar andere Sachen fest, bevor wir uns hier verabschieden, und gucken mal, was an der Bar noch so geht.
Sören: Genau. Ich muss es auch erst mal sacken lassen.
Roman: Lass uns erst mal sacken. Ich wünsche dir einen wunderschönen Abend — und euch allen auch. Bis dann, ciao.
Sören: Ciao.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Was ist die Objektliste der HOAI?
Die Objektliste ist Anlage 15.2 der HOAI und die allerletzte Anlage der Verordnung. Sie listet alle Objekte der technischen Ausrüstung auf und ordnet ihnen Komplexitätsstufen zu — genauer: Honorarzonen. Wer Angebote kalkuliert, arbeitet faktisch mit ihr, ohne ihren Namen zu kennen. Für Einsteigerinnen und Einsteiger in die TGA-Planung ist sie zugleich eine Übersicht darüber, was sich in der TGA überhaupt planen lässt, welche Komplexität das erreichen kann und wie viel Geld es dafür gibt.
Was ist nach der HOAI ein Objekt in der technischen Ausrüstung?
Paragraf 2 HOAI nennt als Objekte Gebäude, Innenräume, Freianlagen, Ingenieurbauwerke, Verkehrsanlagen, Tragwerke und Anlagen der technischen Ausrüstung. Entscheidend ist: Die technische Ausrüstung insgesamt ist nicht ein Objekt, sondern sie besteht aus vielen Objekten — jede Anlagengruppe ist ein eigenes Objekt. Ein Objekt in der HOAI ist also nicht das Gebäude, sondern die Anlage. Ein Angebot über die gesamte Kostengruppe 400 als ein Objekt ist damit falsch: Sie besteht aus mehreren Anlagengruppen, und jede davon ist getrennt zu honorieren. Das steht auch in den Kommentaren zur HOAI und wird in der neuen HOAI noch deutlicher gemacht.
Wie viele Honorarzonen gibt es in der technischen Ausrüstung?
Drei: Zone 1, 2 und 3, aufgeteilt nach Anlagengruppen. Die fünf Honorarzonen, die viele im Kopf haben, gelten für das eine Objekt Gebäude — in der Objektliste der TGA gibt es sie nicht. Die Zone 3 ist deshalb nicht die Mitte, sondern die oberste Stufe.
Was schließt ein Bauherr aus, wenn er für die Sanitärtechnik Honorarzone 1 vorgibt?
Einfache Sanitärnetze sind Zone 1, verzweigte Netze Zone 2, Anlagen zur Reinigung, Entgiftung und Neutralisation sowie Gasdruckregelstationen Zone 3. Wer Zone 1 vorgibt, bekommt damit keine Trinkwasserzirkulation, keine Hebeanlage, keine Druckerhöhungsanlage und kein verzweigtes Trinkwassernetz — denn für deren Planung wird auch kein Geld gezahlt. Die Alternative ist, den Auftrag ausdrücklich unter Verweis auf Anlage 15.2 zu beschränken oder eine eigene Planungsgrundlage und Kosteneinschätzung vorzulegen.
Wann ist eine Lüftungsanlage Honorarzone 3?
Zone 2 sind Lüftungsanlagen mit einer thermodynamischen Luftbehandlungsfunktion, in der Objektliste zum Beispiel Heizen. Sobald Kühlung dazukommt, also Kältetechnik in die Lüftungstechnik geht, ist die Anlage automatisch Honorarzone 3. Weil die Lüftung bei Bürogebäuden, Laboren und Krankenhäusern einen sehr hohen Kostenanteil hat, wird hier nach Einschätzung von Roman Fritsches sehr viel Honorar verschenkt. Sauber wäre, die anrechenbaren Kosten aufzuteilen und je Kostenanteil eine eigene Zone anzusetzen.
Welche Honorarzone hat die Gebäudeautomation?
Gebäudeautomation — Anlagengruppe 8 — ist immer Zone 3, ohne Diskussion, solange es herstellerneutrale Gebäudeautomationssysteme gibt. Roman Fritsches berichtet von einem Gerichtsverfahren, in dem ein Sachverständiger ihm das vor Ort nicht glaubte, bis seine Rechtsanwältin die HOAI aufschlug.
Warum ist die Anlagengruppe 7 der längste Teil der Objektliste?
Weil sie das Sammelbecken für nutzungsspezifische und verfahrenstechnische Anlagen ist. Missverständlich ist, dass man die Gruppe für ein einziges Objekt halten könnte und die anrechenbaren Kosten aller besonderen Anlagen zu einem Honorar zusammenwirft. Tatsächlich sind es getrennte Anlagen mit jeweils eigenen Zonen: küchentechnische Anlagen von der Teeküche bis zur Großküche, Wäschereien und Reinigungsgeräte, Medizin- und labortechnische Anlagen, Bühnentechnik, Sprinkleranlagen, Prozesskälte- und Prozessluftanlagen sowie die Grauwassernutzung.
Wie sollte die Objektliste in der Vertragsverhandlung eingesetzt werden?
Nach Roman Fritsches müsste die Tabelle der Hauptverhandlungsteil eines Ingenieurvertrags sein und als allererstes besprochen werden: erst die Budget- und Kosteneinschätzung über die BGF, dann die Komplexität der Technik. Dazu geht man die Anlage 15.2 gemeinsam durch und setzt je Position ein Kreuz bei niedrig, mittel oder hoch. Das Ergebnis ist der Planungsauftrag und zugleich eine belastbare Planungsgrundlage.
Zitate
„Ein Objekt in der HOAI ist nicht ein Gebäude, sondern ein Objekt ist eine Anlage."
— Roman Fritsches
„Die Kostengruppe 400 besteht aus mehreren Anlagengruppen — und jede einzelne Anlagengruppe ist ein Objekt."
— Roman Fritsches
„Nein, es gibt nur drei Zonen — die drei ist nicht in der Mitte."
— Roman Fritsches
„Wenn wir kühlen, ist es sofort Zone 3."
— Roman Fritsches
„In der Praxis wird das relativ selten gemacht, weil sowieso keiner die Honorarzone versteht."
— Roman Fritsches
„Gebäudeautomation ist immer Zone 3. Keine Diskussion."
— Roman Fritsches
„Du kannst auf die HOAI verweisen. Was gibt es denn Besseres als Honorargrundlage?"
— Roman Fritsches
„Diese Tabelle müsste eigentlich der Hauptverhandlungsteil in einem Ingenieurvertrag werden."
— Roman Fritsches
„Tja, ich vermute, da wurde schon sehr viel Geld liegen gelassen."
— Sören Janson
„Das ist ja so ein bisschen das Sammelbecken für alles Mögliche."
— Sören Janson
Zahlen & Fakten
Die Objektliste ist Anlage 15.2 der HOAI und zugleich deren allerletzte Anlage — danach kommt nichts mehr.
Quelle: Roman FritschesIn der technischen Ausrüstung gibt es drei Honorarzonen; fünf Honorarzonen gibt es nur für das eine Objekt Gebäude.
Quelle: Roman FritschesNach Paragraf 2 HOAI sind Objekte: Gebäude, Innenräume, Freianlagen, Ingenieurbauwerke, Verkehrsanlagen, Tragwerke und Anlagen der technischen Ausrüstung. Jede Anlagengruppe der technischen Ausrüstung ist damit ein eigenes Objekt.
Quelle: Roman FritschesSanitärtechnik: einfache Netze Honorarzone 1, verzweigte Netze Zone 2, Anlagen zur Reinigung, Entgiftung und Neutralisation sowie Gasdruckregelstationen Zone 3.
Quelle: Roman FritschesHeizungstechnik (Anlagengruppe 2): Einzelheizgeräte und Etagenheizung Honorarzone 1, mono- und bivalente Systeme mit maximal zwei Wärmeerzeugern Zone 2, multivalente Systeme, Kraft-Wärme-Kopplung und Deckenstrahlheizung Zone 3.
Quelle: Roman FritschesLüftungsanlagen mit thermodynamischer Luftbehandlungsfunktion sind Honorarzone 2; kommt Kühlung dazu, ist die Anlage automatisch Honorarzone 3.
Quelle: Roman FritschesStarkstromanlagen (Anlagengruppe 4): Photovoltaikanlagen, Kompakt-Trafostationen, Eigenstromerzeugungsanlagen und zentrale Sicherheitsbeleuchtungsanlagen liegen in der mittleren Zone; Hoch- und Mittelspannungsanlagen, Transformatorenstationen und Notstromaggregate in Zone 3.
Quelle: Roman FritschesGebäudeautomation (Anlagengruppe 8) ist immer Honorarzone 3 — keine Diskussion.
Quelle: Roman FritschesKüchentechnische Anlagen: Teeküche Honorarzone 1, Küche mittlerer Größe Zone 2, Großküche Zone 3. Wäschereien und Reinigungsgeräte: Gemeinschaftswaschküche Zone 1, Waschsalon Zone 2, Reinigungsanlagen mit chemischen und physikalischen Einrichtungen Zone 3.
Quelle: Roman FritschesBühnentechnische Anlagen sind eine eigene Anlagengruppe; Klein- und Mittelbühnen liegen in Honorarzone 2.
Quelle: Roman FritschesProzesskälte- und Prozessluftanlagen bilden eine eigene Anlagengruppe und sind immer Honorarzone 3.
Quelle: Roman FritschesGrobe Schätzung ohne Beleg: Die getrennte Honorierung der Anlagengruppen macht finanziell mindestens rund 10 Prozent aus; ein pauschaler Ansatz über die gesamte Kostengruppe 400 liege wahrscheinlich 30 Prozent darunter, 'oder 40, ich weiß es nicht'.
Quelle: Roman FritschesGlossar
- Anlagengruppe
- Gliederungseinheit der technischen Ausrüstung in der HOAI. Jede Anlagengruppe ist ein eigenes Objekt und wird getrennt honoriert — Anlagengruppe 1 Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen, Anlagengruppe 2 Heizungstechnik, Anlagengruppe 3 Lüftung, Anlagengruppe 4 Starkstromanlagen, Anlagengruppe 7 nutzungsspezifische und verfahrenstechnische Anlagen, Anlagengruppe 8 Gebäudeautomation.
- Honorarzone
- Komplexitätsstufe eines Objekts, aus der sich das Honorar ableitet. In der technischen Ausrüstung gibt es drei Zonen; die fünf Honorarzonen gelten für das Objekt Gebäude.
- Kostengruppe 400
- Sammelposition der Kosten der technischen Ausrüstung. Sie ist kein Objekt, sondern besteht aus mehreren Kostengruppen beziehungsweise Anlagengruppen, von denen jede einzeln ein Objekt ist.
- Mono- und bivalentes System
- Wärmeerzeugung mit einem beziehungsweise maximal zwei Wärmeerzeugern, zum Beispiel Solarthermie und Wärmepumpe. In der Objektliste Honorarzone 2 der Anlagengruppe 2.
- Multivalentes System
- Wärmeerzeugung mit mehreren Wärmeerzeugern. In der Objektliste zusammen mit Kraft-Wärme-Kopplung und Deckenstrahlheizung der Honorarzone 3 zugeordnet.
- Objekt (HOAI Paragraf 2)
- Gebäude, Innenräume, Freianlagen, Ingenieurbauwerke, Verkehrsanlagen, Tragwerke und Anlagen der technischen Ausrüstung. In der TGA ist nicht das Gebäude das Objekt, sondern die Anlage — die technische Ausrüstung besteht aus vielen Objekten.
- Objektliste (HOAI Anlage 15.2)
- Die allerletzte Anlage der HOAI. Sie listet alle Objekte der technischen Ausrüstung auf und weist ihnen Komplexitätsstufen beziehungsweise Honorarzonen zu.
- Planungsgrundlage und Kosteneinschätzung
- Von der Planung selbst erstelltes Dokument, das aus den Kosten bekannter Projekte die Baukosten des neuen Projekts einschätzt und daraus die Planungsgrundlage ableitet — die von Roman Fritsches empfohlene Alternative dazu, eine vom Bauherrn vorgegebene Honorarzone hinzunehmen.
- Prozesskälteanlage
- Kälte, die nicht für die Lüftung, sondern für bestimmte Geräte oder Verbraucher des Nutzers erzeugt wird. Eigene Anlagengruppe, getrennt zu honorieren, immer Honorarzone 3.