TGA-Planung › Aus- und Weiterbildung für die TGA-Planung › Folge #432
tgabar · BargesprächeWas muss eine Fachplanung leisten?
Die Muss-Erwartungen an eine TGA-Fachplanung sind die, für die ein Büro haftet: erstens die Regeln der Technik einhalten — DIN-Normen, VDI-Richtlinien, Herstellervorgaben und technische Anschlussbedingungen, und zwar auf aktuellem Stand; zweitens berechnen und bemessen, wobei die Verantwortung für Auslegung und Berechnung auch dann bei der Fachplanung bleibt, wenn die Systemplanung zuarbeitet; drittens die Kostenplanung von der ersten Kosteneinschätzung über Kostenschätzung und Kostenberechnung bis zum vollständigen, funktionsfähigen und bepreisten Leistungsverzeichnis; viertens die Dokumentation der eigenen Leistung, einschließlich der selbst festgehaltenen Absprachen mit Nutzern und Facility Management. Roman Fritsches und Sören Janson gliedern die Erwartungen an die Fachplanung nach dem Muss-soll-kann-Raster des Soziologen Ralf Dahrendorf und starten damit eine dreiteilige Serie. Die Erwartungen wurden mit Büroleitungen in Heidelberg erarbeitet und anschließend von HLS- und Elektro-Fachplanern im eigenen Büro gegengespiegelt. Werden die Regeln der Technik verletzt, sind Berechnungen falsch oder stimmen die Kosten nicht, ist das ein Haftungsthema; fehlt die Dokumentation, ist es zumindest ein Honorarthema, weil sich die erbrachte Leistung nicht nachweisen lässt.
Transkript
Warum es 250 Folgen lang keine Folge über Fachplanung gab
Roman: Moin, moin und herzlich willkommen an der tgabar. Sören, die Bar ist jetzt aber schnell ausgeschaltet.
Sören: Ich mache sie schon wieder ein bisschen an.
Roman: Herrlich. Schön, dass du da bist.
Sören: Schön, dass ich wieder hier sein darf.
Roman: Zum wievielten Mal eigentlich?
Sören: Ungefähr 251, wenn ich das richtig im Kopf habe.
Roman: Ich weiß das ziemlich genau, weil ich wie der eine oder andere künstliche Intelligenz benutze. Es gibt nämlich nicht nur Large Language Models, die einem beim Texten helfen, sondern auch sogenannte Transkriptionsmodelle. Ich benutze jetzt Whisper — das läuft sogar auf meinem eigenen Rechner und transkribiert die Podcast-Folgen. Im Gegensatz zu Microsoft Teams macht das richtig gute Transkripte, und im Gegensatz zu Spotify: Spotify-Transkripte sind wirklich ein Albtraum, wenn man sie sich anguckt. Es tut mir leid, dass wir euch damit immer quälen — ich versuche gerade, sie zu ersetzen. Diese Datei, die wir jetzt aufnehmen, läuft über den eigenen Rechner und holt den Text aus dem Audio, und hinterher wird das Ganze noch veredelt. Ihr werdet also bald alle Folgen auch als Text bekommen und in Kapitel springen können — das ist ganz cool.
Und dann habe ich das LLM mal gefragt: 250 Folgen — was haben wir denn noch nicht besprochen? So zur Mitte des Jahres, für den Jahresendspurt.
Sören: Genau, da fragst du einfach mal.
Roman: Und dann rödelte er und rödelte — ihr wisst ja, man wird ungeduldig, macht eine zweite Instanz auf, eine dritte, eine vierte. So viel zum Thema Multitasking. Irgendwann kam die Antwort: Ihr habt super viel besprochen — Bauüberwachung intensiv, Projektleitung, Systemplanung, Fachkoordination, Büroleitung, alles dutzendfach. Aber eine Sache habt ihr nicht besprochen, Sören.
Sören: Was?
Roman: Und es ist keine kleine Sache. Es ist eigentlich die wichtigste Rolle, die es in unserem Geschäft gibt: die der Fachplanung.
Sören: Ach Gott. Der Elefant wurde einfach nicht gesehen.
Roman: Genau, der Elefant im Raum wurde nicht gesehen. Deswegen haben wir jetzt beschlossen: Wir machen ein paar Folgen zum Thema Fachplanung. Ihr als Fachplanerinnen und Fachplaner — und ich glaube gerade die, die im Quereinstieg sind, am Studienende stehen oder schon ein bisschen länger fertig sind und sich jetzt jahrelang durch die ersten Fachplanungsprojekte quälen. Da können wir mal erzählen, was wir von der Fachplanung erwarten.
Muss, soll, kann: das Raster von Ralf Dahrendorf
Sören: Genau, was das beinhaltet. Und wir hatten ja schon in anderen Folgen die Aufgaben oder die Erwartungen ein bisschen geclustert. Das wollen wir wieder machen.
Roman: Das macht es ganz einfach. Du bist ja Fan davon: Was erwarten wir von einer Fachplanung? Das ist die Frage, und du machst diese Aufteilung besonders gut — Muss-, Soll- und Kann-Aufgaben. Die ist von 1957, von Ralf Dahrendorf, einem Soziologen. Also schon ziemlich alt, diese Aufteilung, aber sie hilft uns immer noch.
Sören: Ja, weil man da schön clustern kann. Und auch wenn man in seine eigene Entwicklung guckt, wo man perspektivisch hin möchte, kann man sagen: Okay, was muss ich denn eigentlich?
Roman: Was muss ich — dafür werde ich bezahlt. Was soll ich — dafür werde ich auch bezahlt. Und was kann ich — dafür werde ich vielleicht noch nicht bezahlt, möchte es aber später werden, wenn ich es erfolgreich einführe.
Sören: Zum Beispiel, ja.
Roman: Und deswegen teilen wir das jetzt auf und machen drei Folgen: eine zur Muss-Erwartung — was muss eine Fachplanung leisten —, die zweite zur Soll-Erwartung und die dritte zur Kann-Erwartung.
Muss 1: Die Regeln der Technik kennen — und aktuell halten
Roman: Das Spannende ist, dass wir diese Erwartungen mal mit ganz vielen Büroleitungen in Heidelberg definiert haben. Ich habe das inzwischen genutzt und bei mir im Büro mit Fachplanerinnen und Fachplanern gesprochen und es spiegeln lassen. Ich habe ihnen gesagt: Das ist unsere Überschrift, wir erwarten als Muss die Einhaltung der Regeln der Technik — dass ihr die Regeln der Technik kennt, damit wir einfach nicht fehlerhaft oder mangelhaft planen. Und dann haben die Kolleginnen und Kollegen das ausgefüllt: Wie definiere ich die Regeln der Technik, und was muss ich da machen?
Das fand ich ganz spannend. Es haben zwei ausgefüllt — der eine ein HLS-Planer, der andere ein Elektroplaner —, und die haben das relativ ähnlich beantwortet: DIN-Normen, VDI-Normen, Herstellerinformationen beziehungsweise Herstellervorgaben und die technischen Anschlussbedingungen.
Sören: Ich finde, das ist auch ein nicht zu unterschätzender Aspekt: die Änderungen, die Fortschreibungen. Dass es solche Entwicklungen gibt, ist schon etwas, wo man dranbleiben muss.
Roman: Ja, und darüber reden wir relativ wenig — auch in den Büros. Wir wurden jetzt nochmal aufgeklärt, dass ein paar in unseren Erläuterungsberichten zitierte Normen einfach gar nicht mehr gelten. Da dachte ich: Ups, da muss man sich den Nachfolger nochmal reinziehen. Das haben wir dann gemacht und festgestellt: Okay, es gibt keine großen Änderungen. Aber es ist schon ein Thema. Und ich glaube, für die alten Hasen ist das so selbstverständlich, dass gar nicht mehr wahrgenommen wird, wie hart das für Einsteiger in die Fachplanung ist.
Wenn ich mich daran erinnere, wie ich in die Heizungstechnik eingestiegen bin: Da habe ich von einem Senior gelernt, wie das alles funktioniert, wie die Vorplanung und die Variantenbetrachtung funktionieren. Wir haben uns nicht die ganze Zeit über Normen und Regeln der Technik unterhalten, aber er hat sie immer wieder zitiert, und ich habe ab und zu nachgeschlagen. Ich glaube, es ist einfacher geworden — mit KI kann ich mich sehr viel schneller in ein Thema reindrehen.
Sören: Ja, natürlich auch auf Normen verweisen, die es gar nicht gibt.
Roman: Das ist das Risiko, da haben wir es ja. Also: Was muss eine Fachplanung leisten? Auf Normen verweisen, die es gibt.
Sören: Und die auch noch aktuell sind.
Roman: Die auch noch aktuell sind, genau. Was viele am Anfang nutzen, ist das Tabellenbuch für die technische Ausrüstung — eigentlich mehr für die Systemplanung gedacht. Jede Systemplanerin, jeder Systemplaner kennt es, und da sind auf kürzestem Raum alle relevanten Normen aufgeführt, zumindest für die Heizungs- und Sanitärgewerke.
Sören: Ich glaube, das ist die Basis, und dann vertieft man sich über die Zeit und mit der Erfahrung in die verschiedenen Normen. Das ist ein passender Weg, um da durch Stand zu finden und sich das Leben nicht unnötig schwer zu machen.
Roman: Also normkonform planen — die erste Muss-Rolle, die wir sehen. Das ist etwas, was passieren muss.
Sören: Aber auch mit dem Eigenantrieb, da auf Stand zu bleiben. Was Fortbildung angeht, finde ich es immer schwierig, nur die klassischen Sachen abzuspulen. Aber das ist eine Voraussetzung.
Roman: Für eine Quereinsteigerin wäre es tatsächlich wichtig, einmal eine Normschulung zu bekommen. Es gibt natürlich tausende, aber für jedes Gewerk gibt es die zentralen. Bei Sanitär gibt es, wenn ich es richtig im Kopf habe, die DIN 1988 — Sanitär ist allerdings mein schwächstes Gewerk. Bei der Lüftung geht es von den VDI-Richtlinien her erst mal ganz gut los, und dann haben wir die DIN-Normen als harte Grenze, die man eher später kennenlernt. Die meisten fangen mit Richtlinien an, bevor sie sich tiefer in die Normen drehen. Dafür gibt es Schulungen — da kann man auf den VDI verweisen oder den Beuth Verlag.
Sören: Aber auch Lesen reicht schon. Es muss nicht alles in einem Seminar verpackt sein; gerade im Bereich Normen kommt man mit Lesen schon weit.
Roman: Das stimmt. Technische Anschlussbedingungen kann man auch lesen.
Muss 2: Berechnen und bemessen
Sören: Darauf aufbauend kommen wir zu einem wesentlichen Punkt, der gleich eine Schnittstellen-Thematik mit sich bringt: das ganze Thema Berechnen und Bemessen.
Roman: Genau. Unter Kenntnis der Normen muss ich berechnen und bemessen — oder erst bemessen und dann rechnen. Also eine grobe Vorbemessung von Anlagen, bevor ich sie weiter auslege. Da ist sehr viel Erfahrung notwendig; das macht man nicht mal eben schnell, sondern muss sich je nach Gewerk reindrehen.
Bei HLS bezieht man sich stark auf Software und sagt: Ich kann ja nicht aus dem Kopf alles ausrechnen. Für die Lüftung weiß ich allerdings, dass viele in den frühen Leistungsphasen einfach tabellarisch loslegen: erst mal gucken, wie viele Personen in welchen Räumen sind, dann die Raumliste nehmen und sich mit Luftmengen beschäftigen. Bei den Elektroplanern ist das schwieriger — da ist die Frage, welche Verbraucher im Gebäude sind. Und bevor die Kollegen von Heizung, Lüftung und Sanitär ihre Verbraucher nicht definiert haben, kann ich auch meine nicht rechnen.
Sören: Also schon auch sukzessive, nach und nach zu erledigen.
Roman: Und gerade der Kollege aus der Elektrotechnik hat auf einen Haufen Berechnungen hingewiesen: Netzberechnungen der gesamten Anlage, Kurzschlussberechnungen, Kabeltrassenberechnungen, Lichtberechnungen, Blitzschutz, Trennungsabstandsberechnungen, Festlegung von Lasttrennschaltern und so weiter. Elektroseitig ist wahnsinnig viel zu rechnen — und immer mit Bezug auf die HLS-Kollegen, die das eher aus der Software herausholen.
Sören: Und gerade wenn es in der Software ist, haben wir den Punkt: Wo greift dann gegebenenfalls auch die technische Systemplanung ein? Die übernimmt eher, wenn es an die frühzeitige Auslegung geht; in den frühen Leistungsphasen, wenn es überschlägig ist, erfolgt das durch die Fachplanung. Es sei denn, Fachplanung und Zeichnung kommen aus einer Hand, was ja auch nicht unüblich ist.
Roman: Genau, gerade auf der Elektroseite bekomme ich immer wieder mit, dass die Systemplanung auch von den Fachplanerinnen und Fachplanern gemacht wird. Ich glaube, wir sind in Deutschland relativ speziell, weil wir wirklich den Ausbildungsberuf Systemplanung haben. Das ist etwas, das wir vielleicht auch nochmal in einer weiteren Folge besprechen sollten: wie einzigartig wir damit sind und welche Qualität wir damit bieten. In anderen Ländern ist das nicht normal, da macht irgendein Konstrukteur ein bisschen was.
Dieser Bezug auf die Systemplanung ist also da — ich sehe die Systemplanung dabei aber als unterstützende Rolle. Grundsätzlich schuldet die Fachplanung aus meiner Sicht die Verantwortung für Auslegung, Berechnung und Bemessung, und das ist büroabhängig. Was an Konstruktions- und Berechnungsdetails kommt, muss auch durch die Fachplanung verantwortet werden. Da sehe ich die Verantwortung der Prüfung — aber dazu kommen wir bei den Soll-Erwartungen wieder. Bin vorgesprungen, sorry.
Muss 3: Kostenplanung bis zum bepreisten LV
Roman: Also: Muss-Leistung sind die Regeln der Technik sowie Berechnen und Bemessen. Und das Dritte ist das Thema Kosten. Kostenplanung haben wir als Muss-Leistung definiert — von der ersten Kosteneinschätzung über die Kostenschätzung bis hin zur Kostenberechnung und bis zum bepreisten Leistungsverzeichnis. Das LV muss einfach vollständig und funktionsfähig sein und durch die Fachplanung abgedeckt werden.
Das ist für mich auch eine Grenze, die ich immer wieder mit Systemplanungskollegen gezogen habe. Die sagen: Guck mal, ich bin hier Sanitär, ich mache nicht nur die Konstruktion, sondern ich lege aus, ich kümmere mich um die Regeln der Technik, ich kenne mich gut aus, ich berechne und bemesse — da bin ich doch Fachplaner. Und dann sage ich: Nein, es gibt eine große Leistung, die musst du dann auch erbringen, und das ist das ganze Thema Kosten, Leistungsverzeichnisse, Kostenberechnungen. Das gehört zur Fachplanung, und das ist nochmal eine ganz andere Welt.
Sören: Viele Grundlagen werden natürlich in den ersten Aspekten geschaffen, um irgendwann zu Kosten zu kommen. Ich muss wissen, welche Rohrleitungslängen oder Massen ich habe — die ergeben sich aus Bemessung und Berechnung, welche Querschnitte ich habe und dergleichen. Aber wie gesagt: ein eigenes Kapitel.
Roman: Total, ein eigenes Kapitel. Es ist schon verknüpft — ich habe meine Planungsgrundlage und würde daraus die ersten Kosten ermitteln und das dann fortschreiben. Aber die Verantwortung für die Kosten von Anfang bis Ende muss bei einer Fachplanung liegen.
Muss 4: Die eigene Leistung dokumentieren
Roman: Und jetzt kamen noch zwei weitere Muss-Aufgaben, die gar nicht von uns oder den Büroleitenden kamen, sondern die ein Kollege aus dem Bereich HLS selbst aufgeschrieben hat. Er hat als Muss-Leistung notiert: Erstellung der Unterlagen für die Leistungsphasen. Er meint damit die Dokumentation der eigenen Leistung.
Ich würde das auch so verstehen und finde auch, dass das eine Muss-Leistung ist. Dokumentation der eigenen Leistung — natürlich mit Unterstützung von Systemplanerinnen und Systemplanern, die die Zeichnungen und Schemata erstellen und vielleicht auch die geprüften Berechnungen ausgeben. Aber dann haben wir noch Erläuterungsberichte, Kostenerläuterungen und so weiter.
Sören: Wir haben ja auch das Thema Qualitätssicherung, das man da mitfassen kann: nochmal über die Pläne zu schauen und, wenn man sie nicht selbst gezeichnet hat, zu prüfen, ob sie dem Stand der entsprechenden Leistungsphase entsprechen.
Roman: Genau. Da hast du eine Qualitätssicherung, die sich im Tandem Fachplanung und Systemplanung ganz cool ergibt, vor allem im Bereich HLS. Auf der Elektroseite merken wir auch an der Bar, dass mehr Austausch zwischen den Fachplanerinnen notwendig ist, weil sie sich nicht selbst kontrollieren, wenn sie gerade System planen — und dann sehen sie den Wald vor lauter Bäumen vielleicht nicht.
Der Kollege aus HLS hat noch hinzugefügt: Zur Dokumentation der Planung gehört auch, Absprachen mit Nutzerinnen und dem Facility Management festzuhalten. Das fand ich ganz cool — er sagt: Ich habe mich direkt auf die Nutzer eingeschworen, ich möchte gute TGA für die Nutzer planen. Und dann muss ich auch dokumentieren, was die wollen, und die Absprachen festhalten. Selbstständig — und das nicht der Projektleitung überlassen oder irgendeinem Architekten, der ein Protokoll führt, das er nicht versteht. Das mache ich selber.
Sören: Da ist mitunter sehr viel Proaktivität gefordert.
Roman: Die Detaillierung ist bürospezifisch. Ich glaube aber, für eine hervorragende TGA-Planung ist eine eigenständige Kommunikation mit den Nutzern und dem Facility Management super wichtig — und die festzuhalten. Wer schreibt, der bleibt: Alles, was du nicht festhältst, ist im Zweifelsfall in drei Jahren vergessen. Und dann gibt es Ärger in der Ausführungsplanung.
Angebotsprüfung — Muss oder nicht?
Roman: Eine fünfte Sache, die der Kollege aufgeschrieben hat, ist das Thema Angebotsprüfung. Die würde ich jetzt nicht unbedingt als Muss-Leistung sehen. Da ging es um Nachtragsangebote.
Sören: Ich glaube, es ging nicht nur um Nachtragsangebote, sondern um das ganze Thema Vergabe: dort die eigenen Leistungsverzeichnisse und die darauf basierenden Angebote auf Vollständigkeit und technische Funktion prüfen. Gerade wenn Rückfragen kommen, ist das der kürzeste Weg — wenn die, die sich dabei etwas gedacht haben, sich auch dazu äußern.
Roman: Genau, und es nicht über drei Ecken geht.
Wofür die Fachplanung haftet
Roman: Das waren jetzt die Muss-Leistungen, wo wir sagen: Dafür haften wir. Das sind Erwartungen, bei denen das Büro im Zweifelsfall wirklich ein Problem bekommt. Wenn die Regeln der Technik nicht eingehalten werden, wenn die Berechnungen falsch sind und wenn die Kosten nicht stimmen — das ist in absteigender Reihenfolge wirklich dramatisch. Und ein Haftungsthema.
Und wenn die Dokumentation der Planung nicht erfolgt, ist das vielleicht kein Haftungsthema, aber auf jeden Fall ein Honorarthema fürs Büro, weil sich nicht nachweisen lässt, dass die Leistung erbracht ist. Dann heißt es: Wieso? Wir wollten doch immer schon fünf Megawatt Abwärme von woanders bekommen.
Sören: Ja, wie du gerade sagst: Wer schreibt, der bleibt.
Roman: Das war unsere erste Folge. Wir freuen uns, wenn ihr dranbleibt — für diese Folgen zur wahrscheinlich wichtigsten Leistung. Und wenn ihr uns ein bisschen schreibt: Ich bekomme jetzt öfter Rückmeldungen, dass Leute sich zum Podcast melden und auch bei Spotify etwas schreiben. Sehr cool, macht das. Wir melden uns wieder mit den Soll-Erwartungen an die Fachplanung. Bis dann, ciao.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Was muss eine TGA-Fachplanung mindestens leisten?
Vier Dinge, für die das Büro haftet beziehungsweise sein Honorar riskiert: die Regeln der Technik einhalten (DIN-Normen, VDI-Richtlinien, Herstellervorgaben, technische Anschlussbedingungen), berechnen und bemessen, die Kostenplanung von der Kosteneinschätzung bis zum bepreisten Leistungsverzeichnis verantworten und die eigene Leistung dokumentieren. Die Angebotsprüfung zählt Roman Fritsches ausdrücklich nicht zwingend zu den Muss-Leistungen.
Was ist das Muss-soll-kann-Raster und woher stammt es?
Es ist eine Einteilung von Rollenerwartungen, die auf den Soziologen Ralf Dahrendorf zurückgeht — im Podcast auf 1957 datiert. Muss-Erwartungen sind verbindlich, ihre Verletzung wird sanktioniert; Soll-Erwartungen sind nicht rechtlich fixiert, ihre Nichterfüllung hat aber negative soziale Folgen; Kann-Erwartungen werden belohnt, aber nicht vorausgesetzt. Übertragen auf die Fachplanung: Für das Muss wird man bezahlt, für das Soll auch, für das Kann vielleicht noch nicht — aber später, wenn man es erfolgreich einführt.
Was gehört zu den Regeln der Technik in der TGA-Planung?
Nach der Rückmeldung eines HLS- und eines Elektro-Fachplaners: DIN-Normen, VDI-Richtlinien, Herstellerinformationen beziehungsweise Herstellervorgaben und die technischen Anschlussbedingungen. Entscheidend ist, den Stand zu halten — im Büro fiel auf, dass in Erläuterungsberichten Normen zitiert wurden, die nicht mehr gelten. Als Einstieg empfiehlt Roman Fritsches das Tabellenbuch für die technische Ausrüstung; typischerweise beginnt man mit den VDI-Richtlinien und vertieft später die DIN-Normen. Beim Einsatz von KI ist Vorsicht geboten, weil sie auf Normen verweisen kann, die es gar nicht gibt.
Wo verläuft die Grenze zwischen Fachplanung und Systemplanung?
Bei den Kosten. Roman Fritsches beschreibt, dass Systemplanerinnen und Systemplaner durchaus auslegen, berechnen und die Regeln der Technik kennen können — zur Fachplanung wird es aber erst mit der Kostenplanung: Leistungsverzeichnisse, Kostenberechnung und die Verantwortung für die Kosten von Anfang bis Ende. Die Systemplanung sieht er als unterstützende Rolle; die Verantwortung für Auslegung, Berechnung und Bemessung bleibt bei der Fachplanung, auch wenn Konstruktions- und Berechnungsdetails zugearbeitet werden.
Warum muss die Fachplanung ihre eigene Leistung dokumentieren?
Aus zwei Gründen. Erstens lässt sich ohne Dokumentation nicht nachweisen, dass die Leistung erbracht wurde — das ist ein Honorarthema. Zweitens gehen Absprachen sonst verloren: Was nicht festgehalten wird, ist in drei Jahren vergessen, und dann gibt es Ärger in der Ausführungsplanung. Dazu zählen die Unterlagen je Leistungsphase, Erläuterungsberichte und Kostenerläuterungen — und ausdrücklich auch die Absprachen mit Nutzern und Facility Management, die die Fachplanung selbst festhalten sollte, statt sie der Projektleitung oder einem Architekten zu überlassen.
Welche Berechnungen fallen in der Elektroplanung an?
Der befragte Elektro-Fachplaner nennt Netzberechnungen der gesamten Anlage, Kurzschlussberechnungen, Kabeltrassenberechnungen, Lichtberechnungen, Blitzschutz- und Trennungsabstandsberechnungen sowie die Festlegung von Lasttrennschaltern. Anders als bei HLS, wo vieles aus der Software kommt, hängt die Elektroplanung dabei von den Vorleistungen der anderen Gewerke ab: Solange die HLS-Kollegen ihre Verbraucher nicht definiert haben, lässt sich elektroseitig nicht rechnen.
Zitate
„Es ist eigentlich die wichtigste Rolle, die es in unserem Geschäft gibt: die der Fachplanung."
— Roman Fritsches
„Der Elefant im Raum wurde nicht gesehen."
— Sören Janson
„Was muss ich — dafür werde ich bezahlt. Was soll ich — dafür werde ich auch bezahlt. Und was kann ich — dafür werde ich vielleicht noch nicht bezahlt."
— Roman Fritsches
„Was muss eine Fachplanung leisten? Auf Normen verweisen, die es gibt."
— Roman Fritsches
„Und die auch noch aktuell sind."
— Sören Janson
„Wer schreibt, der bleibt. Alles, was du nicht festhältst, ist im Zweifelsfall in drei Jahren vergessen."
— Roman Fritsches
„Für die alten Hasen ist das so selbstverständlich, dass gar nicht mehr wahrgenommen wird, wie hart das für Einsteiger in die Fachplanung ist."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Die Muss-soll-kann-Einteilung der Rollenerwartungen geht auf den Soziologen Ralf Dahrendorf zurück und wird im Podcast auf 1957 datiert.
Quelle: Roman FritschesDie Erwartungen an die Fachplanung wurden mit Büroleitungen in Heidelberg erarbeitet und anschließend von je einem HLS- und einem Elektro-Fachplaner im eigenen Büro gegengespiegelt — beide antworteten bei den Regeln der Technik weitgehend deckungsgleich.
Quelle: Roman FritschesAnlass der Serie: Nach rund 250 Folgen ergab eine Auswertung des Podcast-Archivs, dass Bauüberwachung, Projektleitung, Systemplanung, Fachkoordination und Büroleitung dutzendfach behandelt wurden — die Fachplanung dagegen kein einziges Mal.
Quelle: Roman FritschesBei einer Überprüfung fiel auf, dass in eigenen Erläuterungsberichten Normen zitiert wurden, die nicht mehr gelten; die Prüfung der Nachfolgenormen ergab jedoch keine großen inhaltlichen Änderungen.
Quelle: Roman FritschesGlossar
- Kostenplanung
- Kette von der ersten Kosteneinschätzung über die Kostenschätzung bis zur Kostenberechnung und zum bepreisten Leistungsverzeichnis. Sie ist die Leistung, die die Fachplanung von der Systemplanung abgrenzt.
- Muss-Erwartung
- Verbindliche Rollenerwartung nach Ralf Dahrendorf: Ihre Verletzung wird sanktioniert. Auf die Fachplanung übertragen sind es die Leistungen, für die das Büro haftet — Regeln der Technik, Berechnung und Bemessung, Kostenplanung, Dokumentation.
- Regeln der Technik
- In der Runde konkretisiert als DIN-Normen, VDI-Richtlinien, Herstellerinformationen beziehungsweise Herstellervorgaben und technische Anschlussbedingungen — jeweils in der aktuell gültigen Fassung.
- Systemplanung
- Eigener deutscher Ausbildungsberuf (Technische Systemplanung). In der Runde als unterstützende Rolle eingeordnet: Sie erstellt Zeichnungen und Schemata und arbeitet Berechnungen zu, die Verantwortung für Auslegung und Bemessung bleibt aber bei der Fachplanung.
- Tabellenbuch für die technische Ausrüstung
- Nachschlagewerk, das die relevanten Normen für Heizung und Sanitär auf engem Raum zusammenfasst. Eigentlich für die Systemplanung gedacht, in der Runde aber als Einstieg für die Fachplanung empfohlen.