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TGA-PlanungFachplaner TGA-PlanungFolge #11

tgabar · Bargespräche

Das perfekte TGA-Projekt (Bedarfs- bis Vorplanung)

Folge 1109.01.202214:27 minRoman Fritsches, Sören Janson
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Auf den Punkt

Das perfekte TGA-Projekt entsteht in den Leistungsphasen 0 bis 2. Erfolgsfaktoren sind eine vollständige Nutzerdefinition, ein früh festgelegter Ausstattungsstandard, aktiv verhandelte Versorgerverträge, eine als Sonderleistung vergütete Bestandsaufnahme, eine klare Aufgabenstellung je Anlagengruppe sowie die frühe Einbindung weiterer Fachplaner und Prüfsachverständiger.

Transkript

Warum macht die tgabar nach der angekündigten Pause weiter?

Roman: Moin Moin aus Hamburg, herzlich willkommen zum einzigen Podcast mit dem Thema Projektmanagement in der TGA. Sören Janson und meine Wenigkeit Roman Fritsches sitzen wieder in der Bar. Eigentlich war es schon vorbei — zumindest war es in der letzten Folge so angekündigt.

Sören: Zumindest war es angekündigt.

Roman: Der Hintergrund: Wir wollen in der Pandemie die Bars unterstützen. Aber es hat noch einen anderen Grund: Wir haben von euch, von den Hörern, gutes Feedback bekommen — macht doch mal weiter. Wir haben den Theorieteil des Podcasts und des Seminars für das VDI-Wissensforum hinter uns gebracht, aber wir haben die Ergebnisse, die wir hart mit den Teilnehmern erarbeitet haben, noch nicht vorgestellt. Das war mindestens die Hälfte des Seminars.

Sören: Und das Ganze auch noch online.

Roman: Drei Seminare, alle online. 2022 wird es hoffentlich auch mal offline. Wir haben mit den Teilnehmern alle Leistungsphasen mit verschiedenen Akteuren angeschaut — Bauherren, Projektsteuerer, TGA-Fachplaner und Objektplaner — und uns gefragt, wie das perfekte TGA-Projekt aussehen kann.

Wie ist die Reihe zum perfekten TGA-Projekt aufgebaut?

Sören: Das wird die Überschrift des ersten Vierteilers: ein Durchflug durch die Leistungsphasen, auf vier Folgen verteilt.

Roman: Durch die Leistungsphasen für das perfekte TGA-Projekt. Wir hatten sehr aktive Teilnehmer und verteilen jetzt die Arbeit aus mehreren Seminaren. In dieser Folge schauen wir uns die Leistungsphasen 0, 1 und 2 an: Was ist da zentral, was macht das perfekte TGA-Projekt aus?

Warum ist die Nutzerdefinition in Leistungsphase 0 so zentral?

Roman: In Leistungsphase 0 ist das Thema Nutzerdefinition beziehungsweise Nutzerbeschreibung ganz zentral. Das Problem ist, dass die Mieter, also die späteren Nutzer, oft noch nicht feststehen. Manchmal ist es klar — etwa bei Schulprojekten, wo sich die Lehrerschaft einmischen kann. Häufig ist die Nutzerdefinition aber einfach nicht vollständig und nicht vorhanden.

Sören: Also sich explizit damit auseinanderzusetzen, was wirklich in das Gebäude reinkommen soll.

Roman: Manchmal gibt es Flächenlisten, in denen dem Architekten so und so viele Nutzungseinheiten mit so und so viel Quadratmetern vorgegeben werden. Abgeschlossen ist das aber nicht. In der Planung arbeiten wir die Details aus und stoßen erst dann auf die Fragen — etwa, wie die Räume für die verschiedenen Nutzungen ausgestattet sein sollen.

Ein konkretes Thema war der Ausstattungsstandard, zum Beispiel für ein Laborgebäude: Wähle ich die maximale Ausstattung oder nur eine Vorrüstung, weil die Nutzer ihr eigenes Material mitbringen? Die Idee war, in der frühen Phase die maximale Ausstattung einzuplanen und sie bis Leistungsphase 5 fortzuschreiben, um dann Punkte wieder herauszunehmen — also nicht oder nur als Eventualposition auszuschreiben. So geht man sicher, dass genug Strom, Wasser, Abwasser und alle Medien für alle Ausstattungsgegenstände vorhanden sind. Man bereitet den Best Case vor; wird es weniger, gibt es keine Probleme.

Natürlich sagt der Bauherr, das kostet einen Haufen Geld, und ich muss den Planer wegen höherer anrechenbarer Kosten mehr bezahlen. Aber die 20.000 bis 30.000 Euro, die man am Anfang investiert, schaffen so viel Sicherheit, dass sie in der Bauphase Geld sparen. Ein Transportmittel dafür sind Raumtypenblätter: Das Raumbuch selbst ist eine Sonderleistung, aber Raumtypenblätter helfen als Kommunikationsinstrument.

Sören: Es wurde festgestellt, dass die Zeit, sich das gemeinschaftlich zu erarbeiten, oft zu kurz kommt. Man sollte sich mehr darauf konzentrieren, was der Bauherr will, und von sich aus anbieten: Wir unterstützen dich, gerade wenn du zum ersten Mal baust.

Roman: Genau, dann fragt der Bauherr auch um Hilfe auf der Planerseite. Das Thema Nutzungsdefinition und Nutzungsbeschreibung kommt zu spät.

Welche Verantwortung trägt der Fachplaner bei den Versorgern?

Sören: Mein Thema reicht schon in die Planung hinein: die Versorger und die Gespräche, die wir als Fachplaner mit ihnen führen müssen. Uns selbst war oft nicht bewusst, was wir eigentlich zu tun haben — dabei gibt es Hilfsblätter, die genau sagen, was wir zu liefern haben.

Roman: Wenn ich die HOAI in der Fassung 2013 richtig verstanden habe, geht es darum, dass wir eine Verhandlung führen — also aktiv mit den Versorgern sprechen, bis ein Vertrag vorliegt, der vom Bauherrn unterschrieben werden kann.

Sören: Die Konsequenz, wenn das nicht so geführt wird, ist, dass die Verträge nicht zum richtigen Zeitpunkt vorliegen.

Roman: Genau. Der Vertrag mit allen Anlagen ist ein ganzes Machwerk; mit dem Wärmeversorger hat man ordentlich zu tun, es sind ganze Richtlinien zu betrachten. Die Planung muss integriert sein — das machen wir sowieso. Aber auch das Vertragswerk vorzubereiten, lässt sich aus der HOAI herauslesen und gehört zu einer guten Dienstleistung des Fachplaners.

Sören: Gerade im Bestand, wo wir an bestehende Leitungen anschließen oder Dritte in ihren Leitungen tangieren, müssen die Gespräche frühzeitig geführt werden, weil sich diese Prozesse ziehen.

Warum ist die Bestandsaufnahme ein eigenes Erfolgsthema?

Roman: Das ist eine super Überleitung. Stichwort Bestand — ein weiteres großes Thema für das perfekte TGA-Projekt. Wir betrachten inzwischen zu einem Drittel bis zur Hälfte Bestandsgebäude, und das wird mehr: Stichworte rezyklier­gerechtes Bauen und Rohstoffknappheit. Es gibt immer noch das Missverständnis, dass ein Bestandsgebäude in Leistungsphase 1 vom Fachplaner aufzunehmen ist und das zur Grundlagenermittlung gehört.

Sören: Es ist Teil des Gebäudes, das man im Sinne des Werkerfolges anschauen muss.

Roman: Der Fachplaner sagt dann, Bestand, Umbau, Zuschlag und so weiter sei zu betrachten — trotzdem gibt es immer wieder Diskussionen. Diese Bestandsaufnahme ist nicht abzuschließen: Man kann nicht davon ausgehen, dass man sie in Leistungsphase 1 einmal macht und dann alle Informationen hat. Man muss immer wieder hin, in verschiedenen Detailstufen, so wie die Planung abläuft. Meistens wird das nicht richtig beauftragt — es ist eine Sonderleistung und muss vergütet werden. Das Thema BIM führt dazu, dass 3D-Bestandsaufnahmen mit Punktwolken und überlagerten Bildaufnahmen immer mehr kommen. Wenn die Bauherren da sparen, ist es schlecht für das Projekt.

Sören: Das betrifft das gesamte Thema Bestand: die Bestandsanalyse vor Ort und die Bestandsunterlagen, die oft nicht adäquat vorgehalten werden. Daraus eine vernünftige Arbeitsgrundlage zu schaffen, ist nicht mit einmal hingehen und ein Foto schießen getan, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Wir wissen ja alle, dass Expectation und Reality weit auseinanderklaffen — erst wenn die Abhangdecke offen ist, ist die Reality.

Roman: Das kostet Geld: Abhangdecken aufnehmen, 3D-Laserscanning durch das gesamte Gebäude mit offenen Abhangdecken. Aber ich glaube, es wird im Bau wieder reingeholt.

Sören: Will ich es vernünftig machen, oder schaue ich mir den Bestand nur stichprobenartig an? Vielleicht habe ich genau die Stellen erwischt, an denen es passt, greife dann aber an einer anderen Stelle ein und finde eine ganz andere Situation vor. Die Frage ist, wie groß man die Stichproben fasst.

Roman: Auf jeden Fall. Davon sind alle Fachplaner betroffen — Tragwerksplaner, Architekt, TGA, Brandschutz. Alle müssen wissen, wie das Gebäude aussieht. Vergütung und Vereinbarung sind also ein großes Thema: nur einen Umbauzuschlag hineinzuklatschen, reicht nicht. Man muss ausdefinieren: Wir brauchen jemanden, der die Decken öffnet, jemanden, der das Laserscanning macht, und jemanden, der die Unterlagen ins System zurückbringt, analysiert und schaut, was drin ist und warum. Das ist keine Grundleistung und muss gesondert im Vertrag berücksichtigt werden.

Was gehört in Leistungsphase 1 zur Festlegung der Aufgabenstellung?

Roman: Ein weiterer Punkt war die fehlende Festlegung der Aufgabenstellung in Leistungsphase 1.

Sören: Wir fassen Leistungsphase 0, 1 und 2 ja zusammen.

Roman: In Leistungsphase 1 muss die Aufgabenstellung festgelegt werden. Dafür bekommt der Fachplaner auch Geld: Er setzt sich mit dem Bauherrn zusammen und legt über jede Anlagengruppe fest, was zu tun ist.

Sören: Das knüpft an die Nutzerbedarfsanforderungen an — die müssen vernünftig ausformuliert sein, damit man die Festlegung treffen kann.

Roman: Genau. Da fließen die Nutzeranforderungen und erste Festlegungen ein. Vielleicht hat der Bauherr schon einen Standard festgeschrieben — Sanitär muss immer so und so sein. Das freut den Fachplaner, aber er sollte es reflektieren und nachfragen: Willst du es wirklich so haben, oder gibt es einen Grund, es anders zu machen? Das ist die Bestätigung dessen, worauf man sich verständigt hat.

Welche Themen kommen in der frühen Planung oft zu kurz?

Roman: Themen, die immer zu kurz kamen, sind Baustrom, Bauwasser und Bauheizung. In der DIN 276 steht, dass die Bauheizung zum Architekten gehört. Das wird oft nicht besprochen, und man vergisst, dass der Rohbau für den Innenausbau beheizt werden muss. Baustrom ist meist klar, Bauwasser schon weniger.

Sören: Da ich es jetzt erwähne — in diesem Podcast wird es zukünftig Thema.

Roman: Auf jeden Fall. Das ist Leistungsphase 1, da muss man sich Zeit nehmen, in jede Anlagengruppe hineinzugehen. Schön ist, wenn man in der 1 einen Standard setzt, die Aufgabenstellung je Anlagengruppe aufschreibt und bis zum Erläuterungsbericht über die Leistungsphasen 2 und 3 bis in die 5 fortschreibt — damit man immer sagen kann, das haben wir so besprochen, und das ist die Geschichte dazu.

In Leistungsphase 1 muss außerdem der Leistungsbedarf mit dem Fachplaner festgelegt werden: welche Fachgebiete noch nötig sind. Vor allem Prüfsachverständige kommen oft zu kurz.

Sören: Weitere Fachplaner, die ich gegebenenfalls brauche.

Roman: Genau, vielleicht hat man den Schallschutzplaner vergessen — das ist uns auch schon passiert. Dann sagt man, hups, ich brauche noch ein paar Schallschutzdecken. Prüfsachverständige sind ein ganz großes Thema: Je früher sie eingebunden werden, desto besser. Das perfekte TGA-Projekt braucht die frühe Einbindung eines Sachverständigen.

Sören: Das ist der Tenor unserer ersten zehn Folgen: Fangt frühzeitig an, miteinander über das Projekt zu reden, und denkt weiter als nur in der jeweiligen Leistungsphase.

Roman: Denkt darüber hinaus, vor allem in den verschiedenen Domänen und Rollen, wie wir es schon in Folge 10 hatten. Alle müssen miteinander arbeiten und integrieren. Wir freuen uns über das Zuhören und darauf, euch im Seminar zu treffen. Bleibt dran — das war Folge 1 von 4 zum perfekten TGA-Projekt.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Welche Leistungsphasen behandelt die erste Folge zum perfekten TGA-Projekt?

Die Folge betrachtet die Leistungsphasen 0, 1 und 2 zusammen — also von der Bedarfs- bis zur Vorplanung. Sie ist Teil 1 eines Vierteilers, der die Erkenntnisse aus mehreren VDI-Wissensforum-Seminaren zu den einzelnen Leistungsphasen vorstellt.

Warum ist die Nutzerdefinition in Leistungsphase 0 so wichtig?

Weil die späteren Nutzer oder Mieter oft noch nicht feststehen und die Nutzerdefinition unvollständig ist. Ohne klare Nutzerbeschreibung lässt sich nicht festlegen, wie die Räume für die jeweiligen Nutzungen auszustatten sind. Das Thema kommt in der Praxis meist zu spät.

Wie geht man mit einem unklaren Ausstattungsstandard um?

Eine Idee aus dem Seminar ist, in der frühen Phase die maximale Ausstattung einzuplanen und bis Leistungsphase 5 fortzuschreiben, um später Punkte wieder herauszunehmen oder nur als Eventualposition auszuschreiben. So sind genug Strom, Wasser, Abwasser und alle Medien gesichert; die anfängliche Mehrinvestition spart in der Bauphase Geld.

Welche Aufgabe hat der TGA-Fachplaner gegenüber den Versorgern?

Laut HOAI in der Fassung 2013 führt der Fachplaner aktiv die Verhandlung mit den Versorgern, bis ein Vertrag vorliegt, der vom Bauherrn unterschrieben werden kann. Dazu gehört, das Vertragswerk vorzubereiten und die einschlägigen Richtlinien zu berücksichtigen. Geschieht das nicht frühzeitig, liegen die Verträge nicht rechtzeitig vor.

Ist die Bestandsaufnahme eine Grundleistung oder eine Sonderleistung?

Die Bestandsaufnahme ist eine Sonderleistung und muss gesondert vergütet und im Vertrag berücksichtigt werden — ein bloßer Umbauzuschlag reicht nicht. Sie ist außerdem nicht in Leistungsphase 1 abzuschließen, sondern ein kontinuierlicher Prozess in verschiedenen Detailstufen, der auch das Öffnen von Decken, 3D-Laserscanning und das Auswerten der Unterlagen umfasst.

Was wird in Leistungsphase 1 bei der Festlegung der Aufgabenstellung geregelt?

Der Fachplaner setzt sich mit dem Bauherrn zusammen und legt über jede Anlagengruppe fest, was zu tun ist. Dabei fließen die Nutzeranforderungen und erste Festlegungen ein. Zusätzlich wird der Leistungsbedarf bestimmt — also welche weiteren Fachgebiete und Fachplaner nötig sind.

Welche Themen kommen in der frühen TGA-Planung häufig zu kurz?

Baustrom, Bauwasser und Bauheizung werden oft vergessen — in der DIN 276 ist die Bauheizung dem Architekten zugeordnet. Außerdem kommen weitere Fachplaner wie der Schallschutzplaner und besonders Prüfsachverständige zu kurz; sie sollten möglichst früh eingebunden werden.

Zitate

Wir haben uns gefragt, wie das perfekte TGA-Projekt aussehen kann."

Roman Fritsches

Erst wenn die Abhangdecke offen ist, ist die Reality."

Sören Janson

Das perfekte TGA-Projekt braucht die frühe Einbindung eines Sachverständigen."

Roman Fritsches

Fangt frühzeitig an, miteinander über das Projekt zu reden, und denkt weiter als nur in der jeweiligen Leistungsphase."

Sören Janson

Zahlen & Fakten

Eine frühe Mehrinvestition von etwa 20.000 bis 30.000 Euro in die maximale Ausstattungsplanung schafft Sicherheit und spart in der Bauphase Geld.

Bestandsgebäude machen inzwischen etwa ein Drittel bis die Hälfte der bearbeiteten Projekte aus, mit steigender Tendenz.

Die Folge ist Teil 1 eines Vierteilers zum perfekten TGA-Projekt und behandelt die Leistungsphasen 0, 1 und 2.

Glossar

Ausstattungsstandard
Festlegung des Ausstattungsniveaus eines Gebäudes (z. B. maximale Ausstattung vs. Vorrüstung); empfohlen wird, früh den Best Case einzuplanen und später zu reduzieren.
Bestandsaufnahme
Sonderleistung zur Erfassung eines Bestandsgebäudes; kontinuierlicher Prozess in verschiedenen Detailstufen, nicht in Leistungsphase 1 abschließbar, gesondert zu vergüten.
Festlegung der Aufgabenstellung
Leistung in Leistungsphase 1, in der Fachplaner und Bauherr je Anlagengruppe festlegen, was zu tun ist; vergütungspflichtig.
Nutzerdefinition
Beschreibung der späteren Nutzer eines Gebäudes als Grundlage der Planung; in Leistungsphase 0 oft unvollständig, weil die Nutzer noch nicht feststehen.
Raumtypenblätter
Kommunikationsinstrument zur Beschreibung von Raumtypen und deren Ausstattung; einfacher als das als Sonderleistung geltende Raumbuch.
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