TGA-Planung › Fachplaner TGA-Planung › Folge #341
tgabar · BargesprächeEffektive Planung
Eine Planung ist effektiv, wenn sie einen Effekt entfaltet. Die tgabar nennt fünf Dimensionen: vollständig (alles zu Bauende ist beschrieben), richtig (alle Regeln der Technik und Normen sind erfüllt) und rechtzeitig (nachfolgende Planungsschritte können pünktlich beginnen) — ergänzt um die Einhaltung von Kostenrahmen und Qualitätszielen des Bauherrn. Aus dem klassischen Zieldreieck wird so ein Fünfeck.
Transkript
Was unterscheidet effektive von effizienter Planung?
Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar. Heute geht es um effektives Planen, aus den Planck-Studios in Hamburg-Altona — Sören Janson und Roman Fritsches. Wir gucken aus dem Fenster in Richtung Altona und fragen uns: Was ist denn tatsächlich eine effektive Planung?
Sören: Da muss ich mich konzentrieren, denn wir wollen uns über effektive Planung unterhalten, nicht über effiziente.
Roman: Genau, Effizienz ist wieder etwas anderes. Wir wollen den Begriff Produktivität in der Planung anschauen — und der besteht aus Effektivität und Effizienz. Heute geht es um die Effektivität.
Welche drei Bedingungen machen eine Planung effektiv?
Roman: Aus der Wissenschaft gibt es eine Definition, die ich sogar noch um einen Punkt erweitert habe. Erstens: Eine effektive Planung ist vollständig. Das heißt, alles, was zu planen und später zu bauen ist, wird beschrieben — natürlich in dem Detailgrad, den die Leistungsphase vorgibt. Ein vollständiger Entwurf beschreibt bei der TGA alle Anlagengruppen mit allen zu bauenden Bauteilen, sodass die Kosten sauber berechnet werden können.
Sören: Aber es muss definiert sein, was vollständig ist.
Roman: Genau, und da kommt die Planliste ins Spiel — die Sollplanliste als Artefaktliste beschreibt die Vollständigkeit. Wenn jemand akzeptiert, dass die Planliste vollständig ist, dann ist die Planung vollständig. Die zweite Bedingung: Ist die Planung richtig? Richtig bedeutet, sie erfüllt alle Regeln der Technik und alle geltenden Normen für diese Anlagengruppe. Den Nachweis erbringt jeder selbst — über einen Erläuterungsbericht, einen Plansatz, einen Grundriss und ein Schema sicherzustellen, dass alles drinsteht, was richtig gebaut werden muss. Das ist schwierig, wäre aber eine effektive Planung, die tatsächlich richtig ist.
Sören: Ein nicht unwesentlicher Teil — eine Planung, die funktioniert.
Roman: Die dritte Bedingung kommt aus der Literatur, von Margarete Olender, die das 2018 so beschrieben hat: Eine Planung war rechtzeitig. Sie kann nur einen Effekt entfalten, wenn die darauffolgenden Planungsschritte rechtzeitig begonnen werden können. Also liefere ich so, dass es danach pünktlich und termingerecht weitergeht. Eine effektive Planung ist demnach vollständig, richtig und rechtzeitig.
Warum wird aus dem Zieldreieck ein Fünfeck?
Roman: Ich habe noch einen vierten und fünften Punkt dazugedichtet, weil mir eine wesentliche Zielvorstellung des Bauherrn fehlte. Unter richtig kann man zwar subsumieren, dass die Wünsche des Bauherrn verfolgt und die Regeln der Technik eingehalten wurden. Ich finde aber, man kann zwei Punkte extra herausnehmen: Die Planung ist effektiv, wenn sie den Kostenrahmen des Bauherrn einhält, und wenn sie die Qualitätsziele des Bauherrn erfüllt.
Sören: Also das klassische Zieldreieck an der Stelle.
Roman: Eher ein Fünfeck. Vollständigkeit und Richtigkeit definieren die Qualität mit, und das Thema Termine aus dem Zieldreieck wird durch die Rechtzeitigkeit besser beschrieben.
Wie misst man, ob eine Planung richtig ist?
Roman: Dass eine Planung vollständig ist, misst man am vereinbarten Plansatz. Aber wie misst man, dass sie richtig ist? Eigentlich müssten Prüfer und Fachplanende eine Checkliste führen: Folgende Normen habe ich berücksichtigt und eingehalten. Ich glaube, das wird ein KI-Thema. Im Vertrag steht ja immer: Regeln der Technik einhalten. Eigentlich müsste man die Regeln der Technik parat haben und beweisen, dass man sie eingehalten hat. Das kann kein Mensch leisten, aber ein Computer.
Sören: Ein schöner Literaturverweis hinter jedem Erläuterungsbericht. Wie viele Seiten hat der heute — 370? Davon 360 Seiten Normenverweis, um den Nachweis zu erbringen.
Roman: Ich habe ein paar KIs gesehen, auch eine von Sven, die nur im eigenen Haus läuft. Der könnte man sagen: Überprüfe die Planung, ob alle Normen eingehalten wurden. Sie kann Pläne lesen und die Zahlen darin auswerten.
Sören: Sie kann sogar Revit-Dateien erzeugen.
Roman: Und prüfen. Das wäre etwas für die Zukunft: dass die Richtigkeit einer Planung mithilfe von KI erzeugt wird und sich damit die Effektivität herstellt.
Sören: Das wäre für den Bauherrn — und gegebenenfalls für ein Kontrollgremium — eine Möglichkeit zu sagen: Ist denn alles richtig, was da drinsteht?
Roman: Es stellt sich aber die Frage, wie sehr wir der KI vertrauen. Den Quatsch, den wir bei ChatGPT zum Teil lesen, ist schon fies.
Sören: Aktuell ist es noch eine Unterstützung, aber das ist ein eigenes Thema für einen anderen Abend.
Roman: Dazu gehört auch das Vertrauen in die Planerinnen und Planer: Haben sie ihre Normen auf dem Zettel? Sind sie geschult? Haben sie die richtige Software, und hat die Software alle relevanten Normen drin? Eine richtige Planung zu liefern ist aus meiner Sicht derzeit ohne KI für den Bauherrn kaum zu überprüfen.
Wie bekommt man die Rechtzeitigkeit in den Griff?
Roman: Beim Thema rechtzeitig wird es wieder etwas einfacher. Man könnte an die Planliste einen Liefertermin schreiben — etwa für die ersten Grundrisse der Technikzentralen — und dann Solltermin und Isttermin vergleichen. Ich merke: Eine Taktplanung oder ein Last Planner System würde hier sehr helfen, weil alle darauf schauen und wissen, wann sie was liefern müssen.
Sören: Ich hatte mit einer Anwältin gesprochen, die meinte, man sollte sich vertraglich gar kein zu enges Korsett bei den Terminen anlegen, weil es immer zu Verschiebungen kommt. Besser sei es, erstrebenswerte Horizonte abzustecken und dafür eine Verbindlichkeit zu schaffen, statt jeden einzelnen Meilenstein bis ins Kleinste festzulegen.
Roman: Es gibt aber zentrale Themen und Entscheidungen des Bauherrn, die ich auf der Vertragsseite haben möchte.
Warum ist die Qualität des Kostenrahmens entscheidend?
Roman: Die Planung ist effektiv, wenn sie den Kostenrahmen hält. Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum Bauherren länger für Entscheidungen brauchen: Wird der Kostenrahmen überschritten, geben sie die Planung nicht frei, weil sie nicht effektiv war.
Sören: Beim Kostenrahmen ist die Frage, ob der Bauherr Transparenz hat, was tatsächlich in seinen Kosten steckt — und ihn nicht um zusätzliche Leistungen erweitert, weil er auf einmal noch ein Schwimmbad haben möchte. Das ist immer eine schwierige Diskussion.
Roman: Deswegen ist die Qualität des Kostenrahmens entscheidend. Beeinflussen kann ich sie, indem ich am Anfang Planungsgrundlage und Kostenschätzung erstelle. Es steht im BGB, dass ein Planer oder eine Planerin eine Planungsgrundlage und eine Kosteneinschätzung erstellen und dem Bauherrn zur Zustimmung vorlegen soll. Das ist sehr empfehlenswert, um den Kostenrahmen mit der nötigen Qualität anzureichern, an der man später misst, ob die Planung effektiv war. Wenn ich selbst gesagt habe, es kostet 4 Millionen, und meine Kostenschätzung kommt bei 5 Millionen heraus, dann war ich nicht effektiv — entweder habe ich den Bauherrn nicht mitgenommen oder mich am Anfang verschätzt.
Wie bewertet man als Bauherr eine effektive Planung?
Roman: Wir hatten Sarah mit dem Fertigstellungsgrad. Da liegt das Geld: Dafür werden wir bezahlt, dass wir eine richtige, vollständige Planung haben. Wir müssen uns merken, dass wir aus einem Dreieck ein Fünfeck machen — Qualität und Kosten ergänzen um richtig und vollständig. Was den Effekt noch besser beschreibt? Sie zaubert ein Lächeln ins Gesicht des Bauherrn und wird toll präsentiert. Da können wir uns von den Architekten etwas abschneiden.
Sören: Nicht nur einen Termin abhalten und über Kostenberechnungen sprechen.
Roman: Genau, sondern lieber etwas präsentieren, sodass alle sagen: Ich kann gar nicht beurteilen, ob es richtig und vollständig ist, aber es sieht richtig gut aus. Alle Bauherren, die zuhören: Bei der nächsten Star-Präsentation eures Lieblingsarchitekten lasst euch nicht nur blenden, sondern fragt hinterher — ist es vollständig? Ist es richtig, sind alle Normen eingehalten? Bekomme ich damit eine Baugenehmigung? Erfüllt es den Kostenrahmen? Und sind die Pläne rechtzeitig geliefert worden — alle, die die nachfolgenden Fachplaner für ihre Leistung brauchen? Eigentlich müsste man eine Bewertungsmatrix mit diesen fünf Kriterien haben und bei jeder Entwurfspräsentation danach bewerten.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Was bedeutet effektive Planung in der TGA?
Effektiv ist eine Planung, wenn sie einen Effekt entfaltet. Die tgabar nennt fünf Dimensionen: Sie ist vollständig (alles zu Bauende ist im passenden Detailgrad beschrieben), richtig (alle Regeln der Technik und Normen sind erfüllt), rechtzeitig (nachfolgende Planungsschritte können pünktlich beginnen) und hält zusätzlich den Kostenrahmen sowie die Qualitätsziele des Bauherrn ein.
Worin unterscheidet sich effektive von effizienter Planung?
Produktivität in der Planung setzt sich aus Effektivität und Effizienz zusammen. Effektivität fragt danach, ob die Planung den richtigen Effekt erzielt — also vollständig, richtig und rechtzeitig ist. Effizienz ist davon abzugrenzen und ein anderes Thema.
Woher stammt die Definition von vollständig, richtig und rechtzeitig?
Die drei Begriffe stammen aus der Literatur von Margarete Olender (2018). Roman Fritsches hat die Definition um zwei weitere Punkte erweitert: die Einhaltung des Kostenrahmens und die Erfüllung der Qualitätsziele des Bauherrn.
Wie kann man messen, ob eine Planung vollständig und richtig ist?
Die Vollständigkeit misst man am vereinbarten Plansatz beziehungsweise an der Sollplanliste, die als Artefaktliste beschreibt, was zu liefern ist. Die Richtigkeit ist schwerer messbar: Fachplanende und Prüfer müssten über Checklisten nachweisen, welche Normen berücksichtigt und eingehalten wurden — ein Bereich, in dem künftig KI helfen könnte.
Welche Rolle spielt KI bei der Prüfung der Richtigkeit?
Da niemand alle Regeln der Technik manuell nachweisen kann, könnte KI die Planung darauf prüfen, ob alle Normen eingehalten wurden. Solche Systeme können Pläne lesen, Zahlen auswerten und sogar Revit-Dateien erzeugen und prüfen. Offen bleibt die Frage des Vertrauens in die KI; aktuell ist sie eine Unterstützung.
Wie sichert man die Rechtzeitigkeit einer Planung?
Indem man an die Planliste Liefertermine schreibt und Solltermine mit Istterminen vergleicht. Methoden wie Taktplanung oder das Last Planner System helfen, weil alle Beteiligten wissen, wann sie was liefern müssen.
Warum ist die Qualität des Kostenrahmens so wichtig?
Eine Planung ist nur effektiv, wenn sie den Kostenrahmen hält. Damit man das messen kann, sollte der Planende — wie im BGB vorgesehen — am Anfang eine Planungsgrundlage und eine Kostenschätzung erstellen und dem Bauherrn zur Zustimmung vorlegen. So erhält der Kostenrahmen die nötige Qualität als Messlatte.
Zitate
„Eine effektive Planung ist vollständig, richtig und rechtzeitig."
— Roman Fritsches
„Die Planung ist dann effektiv, wenn sie den Kostenrahmen des Bauherrn einhält."
— Roman Fritsches
„Eine richtige Planung zu liefern ist derzeit aus meiner Sicht ohne eine KI kaum zu überprüfen für den Bauherrn."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Die effektive Planung wird über fünf Dimensionen beschrieben: vollständig, richtig, rechtzeitig, Kostenrahmen und Qualitätsziele — aus dem klassischen Zieldreieck wird ein Fünfeck.
Quelle: Roman FritschesDie Definition von vollständig, richtig und rechtzeitig stammt aus der Literatur von Margarete Olender (2018).
Quelle: Margarete OlenderLaut BGB soll ein Planer oder eine Planerin eine Planungsgrundlage und eine Kosteneinschätzung erstellen und dem Bauherrn zur Zustimmung vorlegen.
Quelle: BGBGlossar
- Effektive Planung
- Planung, die einen Effekt entfaltet; in der Folge über fünf Dimensionen beschrieben: vollständig, richtig, rechtzeitig sowie Einhaltung von Kostenrahmen und Qualitätszielen.
- Effektivität vs. Effizienz
- Bestandteile der Produktivität in der Planung; Effektivität meint den richtigen Effekt der Planung, Effizienz ist davon abgegrenzt.
- Kostenschätzung / Planungsgrundlage (BGB)
- Laut BGB soll der Planende eine Planungsgrundlage und eine Kosteneinschätzung erstellen und dem Bauherrn zur Zustimmung vorlegen; dient der Qualität des Kostenrahmens.
- Sollplanliste (Planliste)
- Artefaktliste, die die Vollständigkeit einer Planung beschreibt; gilt die Planliste als akzeptiert, ist die Planung vollständig.