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TGA-PlanungFachplaner TGA-PlanungFolge #411

tgabar · Bargespräche

Systemanalyse als besondere Leistung

Folge 41127.03.20267:38 minRoman Fritsches, Sören Janson
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Auf den Punkt

Die Systemanalyse ist eine besondere Leistung der TGA-Planung in Leistungsphase 1 nach AHO Heft 6. Sie klärt mögliche Systeme bei annähernd gleichen Anforderungen nach Nutzen, Aufwand, Wirtschaftlichkeit, Durchführbarkeit und Umweltverträglichkeit und ermittelt Vorgaben zum Platzbedarf für Schächte und Trassen. In der Praxis bewertet der TGA-Planer mehrere Gebäudevarianten des Architekten.

Transkript

Was ist die Systemanalyse als besondere Leistung?

Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar. Moin, moin. Heute wieder eine besondere Leistung. Ihr sitzt gerade da, kalkuliert ein Angebot und denkt euch: Puh, was will der Bauherr denn damit wieder? Systemanalyse. Ich schlage Heft 6 von AHO auf und denke mir: Was ist denn die Systemanalyse? Das haben wir uns auch gefragt. Ich oute mich als Mitglied der AHO-Fachkommission und muss mit der mal darüber sprechen, was damit genau gemeint ist. Das widerspricht ein bisschen der neuen HOAI, aber macht nichts. Systemanalyse — da steht: Klären der möglichen Systeme nach Nutzen, Aufwand, Wirtschaftlichkeit, Durchführbarkeit und Umweltverträglichkeit.

Sören: Das ist jetzt eine besondere Leistung in der Leistungsphase 1?

Roman: Ja, richtig.

Sören: Das heißt, es kommt vor der Variantenbetrachtung, die ich ohnehin mache, wo ich ja Ähnliches anbiete, wenn ich Entscheidungen für den Bauherrn aufbereite: Welches System möchte er denn haben?

Wie grenzt sich die Systemanalyse von der Variantenbetrachtung ab?

Roman: Genau. Insofern ist das keine Varianten- oder Alternativenbetrachtung, wie wir sie aus der Leistungsphase 2 kennen, wo wir einfach Sole-Wasser-Wärmepumpe versus Luft-Wasser-Wärmepumpe vergleichen, sondern wir reden hier von der Systemanalyse. Ich weiß, dass wir das mit der neuen HOAI ein bisschen anders beschreiben. Ich bin mir relativ sicher, dass es darum geht zu gucken, ob verschiedene Baukörper, also verschiedene Varianten des Architekten, mit verschiedener TGA ausgestattet werden müssen. Was hat das für Auswirkungen — Typ, Gebäude, Variante 1, 2, 3 — auf die TGA? So habe ich das verstanden. Hier steht auch, dass das Ziel der Systemanalyse die Klärung der möglichen Systeme bei annähernd gleichen Anforderungen ist, nach Nutzen, Aufwand, Wirtschaftlichkeit, Durchführbarkeit und Umweltverträglichkeit, sowie die Ermittlung von Vorgaben des Platzbedarfs für zentrale Schächte und Trassen.

Sören: Das heißt im Endeffekt, dass man Varianten — etwa den Weg zur Wärmepumpe, die ich in der Leistungsphase 2 zuerst als eine mögliche Variante nenne — nochmal dezidierter analysiert. Wenn der Bauherr sagt: Okay, ich bin ergebnisoffen, schlag mir mal was vor. Wo ordne ich das denn ein?

Wann liegen mehrere Systemanalysen vor?

Roman: Die gefährliche Geschichte ist, dass der Bauherr kein Ziel hat — weder ein Kosten- noch ein Qualitätsziel — und dann einfach sagt: Systemanalyse. Immerhin gibt es dafür eine besondere Leistung, das ist schon mal gut. Hier steht aber auch: Bei verschiedenen Anforderungen handelt es sich um mehrere Systemanalysen. Wenn er also sagt: Mach mir mal eine Planung für eine Heizungsanlage für 10 Millionen und einmal eine für 5 Millionen Euro, dann habe ich zwei verschiedene Kostenziele. So könnte man das definieren. Was mache ich denn da? Ich würde sagen — und das habe ich jetzt schon ein paar Mal gesehen —, dass der Architekt verschiedene Varianten eines Gebäudes darstellt, und ich soll für jede Variante die TGA bewerten. Also für mehrere Varianten Bewertungen machen, Systeme analysieren. Und dann habe ich verschiedene Kosten, verschiedene Größen, Technikflächen, Schachtflächen, Anforderungen ans Tragwerk und so weiter.

Sören: Dadurch lassen sich auch effiziente Flächen und dergleichen überhaupt erst ermitteln. Wenn ich die Technik einbaue, dann brauche ich den Platzbedarf. Dass man diesen vorgelagerten Schritt nochmal gesondert bewertet. Und darauf könnten wir uns berufen und sagen: Lieber Bauherr, wenn du gar nicht weißt, was du möchtest, machen wir nochmal eine Systemanalyse.

Wie ist die Systemanalyse in der neuen HOAI geregelt?

Roman: Nicht zu wissen, was man möchte, ist nochmal etwas anderes. Es gibt also mehrere Systemanalysen. Aber wenn der Architekt noch in der Variantenbetrachtung ist und ich soll die bewerten, dann ist das hier eine besondere Leistung. In der neuen HOAI ist es tatsächlich ein bisschen klarer geregelt. Da gibt es Varianten — bis zu drei Stück vom Architekten —, denen ich nur zuarbeiten und deren Machbarkeit ich bewerten soll. Und dann gibt es auf die Vorzugsvariante drei Alternativen, die wir darstellen. Drei Lösungen heißt das jetzt in der neuen HOAI.

Wie kalkuliert man die Systemanalyse?

Sören: Und wie kalkuliere ich das dann im Endeffekt?

Roman: Da steht wieder: nachgewiesener Zeitbedarf. Ich habe gerade eine gesehen für ein sehr großes Gebäude, da ist aber Stundennachweis gelaufen. Das waren über 40.000 Euro, also schon ziemlich viel Aufwand. Aber es war auch ein sehr, sehr großes Gebäude, und es waren sehr viele Leute involviert, die eine Vorplanung schon fast fertig hatten. Das wäre hier auch so ein Fall: klassischer Fall, die Vorplanung ist abgeschlossen, wird aber nicht freigegeben. Der Bauherr sagt: Ich habe das Geld nicht, mach nochmal von vorne. Dann würde ich direkt die Systemanalyse als besondere Leistung anbieten. Zum einen mache ich die Wiederholung der Vorplanung, zum anderen die Systemanalyse. Das heißt, ich prüfe einmal die verschiedenen Themen, die der Architekt jetzt macht. Der zeigt plötzlich die Variante C5, C6 und C7 — hier bewertet der TGA-Planer und sagt: Ja, hier ist mein Angebot dafür, das mache ich. Systemanalyse. So würde ich es sehen.

Welche offenen Fragen bleiben bei der Systemanalyse?

Roman: Vielleicht haben wir es auch falsch verstanden. Ich werde tatsächlich nochmal in die Kommission reingehen und fragen, ob noch andere Themen damit gemeint sein können. Falls ihr noch ein anderes Beispiel habt, was mit Systemanalyse gemeint sein könnte — also Systemvorschläge grundlegend bei gleichen Anforderungen außerhalb einer Varianten- und Alternativenbetrachtung. Das finde ich schon schwierig, es wird sehr eng.

Sören: Wir haben da unser Gesprächsgefühl. Aber deswegen ist es vielleicht ein guter Zeitpunkt zu sagen: Lieber Kalkulator, aktuell können wir dir da auch nicht viel helfen.

Roman: Genau. Frag doch mal den Architekten, was er für verschiedene Varianten ausrechnen will — wie viele verschiedene Gebäudeanordnungen und meandrierende Gebäudeentwürfe er macht.

Sören: Und wie viele du davon bewerten sollst.

Roman: Das ist die Frage: Wie viele davon soll ich mit TGA bewerten und dir grob sagen, was es kostet und wie viel Platz es braucht? Daraus kann ich dann schon ganz gut ableiten, wie viel Aufwand ich habe.

Sören: Wir haben kürzlich erst gelernt, dass gerade das Abschätzen der ersten Kosten relevant ist: Umso besser das wird und umso mehr Aufwand wir in diese Systemanalyse stecken, umso bessere Ergebnisse bekommen wir kostenseitig. Also lasst euch da, lieber Auftraggeber, nicht lumpen. Wenn der TGA mit einem Nachtrag oder einer zusätzlichen Leistung Systemanalyse kommt, ist das gut investiertes Geld.

Roman: Total. Und wir wissen alle: Frühe Nachträge sind die angenehmen Nachträge. Später muss man liefern. Vorher kann man sagen: Wenn ich das so haben will, kann ich ja nicht. Viel Spaß bei der Systemanalyse. Lasst euch nicht lumpen und fragt die Architekten mal, wie viele Varianten sie für ihr Gebäude wohl darstellen möchten. Einen wunderschönen Abend. Tschüss. Ciao.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Was ist die Systemanalyse als besondere Leistung in der TGA-Planung?

Die Systemanalyse ist eine besondere Leistung in Leistungsphase 1 nach AHO Heft 6. Ihr Ziel ist die Klärung der möglichen Systeme bei annähernd gleichen Anforderungen nach Nutzen, Aufwand, Wirtschaftlichkeit, Durchführbarkeit und Umweltverträglichkeit sowie die Ermittlung von Vorgaben zum Platzbedarf für zentrale Schächte und Trassen.

Worin unterscheidet sich die Systemanalyse von der Variantenbetrachtung in Leistungsphase 2?

Die Variantenbetrachtung in Leistungsphase 2 vergleicht konkrete Systeme, etwa Sole-Wasser-Wärmepumpe gegen Luft-Wasser-Wärmepumpe. Die Systemanalyse ist vorgelagert und prüft, ob verschiedene Baukörper beziehungsweise verschiedene Gebäudevarianten des Architekten mit unterschiedlicher TGA ausgestattet werden müssen und welche Auswirkungen das auf die TGA hat.

Wann handelt es sich um mehrere Systemanalysen?

Bei verschiedenen Anforderungen handelt es sich um mehrere Systemanalysen. Beispiel: Soll eine Heizungsanlage einmal für 10 Millionen und einmal für 5 Millionen Euro geplant werden, liegen zwei verschiedene Kostenziele und damit zwei Systemanalysen vor.

Wie wird die Systemanalyse in der neuen HOAI geregelt?

In der neuen HOAI ist es klarer geregelt: Der Architekt liefert bis zu drei Varianten, denen der TGA-Planer zuarbeitet und deren Machbarkeit er bewertet. Auf die Vorzugsvariante werden dann drei Alternativen, jetzt Lösungen genannt, dargestellt.

Wie wird die Systemanalyse kalkuliert und vergütet?

Die Systemanalyse wird über nachgewiesenen Zeitbedarf, also Stundennachweis, abgerechnet. Bei einem sehr großen Gebäude lag der Aufwand bei über 40.000 Euro. Ein typischer Anwendungsfall: Die Vorplanung ist abgeschlossen, wird aber nicht freigegeben, und der Bauherr will neu beginnen — dann bietet man die Systemanalyse zusätzlich zur Wiederholung der Vorplanung an.

Zitate

Die gefährliche Geschichte ist, dass der Bauherr kein Ziel hat — weder ein Kosten- noch ein Qualitätsziel — und dann einfach sagt: Systemanalyse."

Roman Fritsches

Frühe Nachträge sind die angenehmen Nachträge. Später muss man liefern."

Roman Fritsches

Wenn der TGA mit einem Nachtrag oder einer zusätzlichen Leistung Systemanalyse kommt, ist das gut investiertes Geld."

Sören Janson

Zahlen & Fakten

Eine Systemanalyse für ein sehr großes Gebäude kostete per Stundennachweis über 40.000 Euro.

Quelle: Roman Fritsches

In der neuen HOAI liefert der Architekt bis zu drei Varianten; auf die Vorzugsvariante werden drei Alternativen (Lösungen) dargestellt.

Glossar

Nachgewiesener Zeitbedarf (Stundennachweis)
Abrechnungsform der Systemanalyse nach tatsächlich nachgewiesenem Zeitaufwand.
Systemanalyse
Besondere Leistung der TGA-Planung in Leistungsphase 1 nach AHO Heft 6; Klärung der möglichen Systeme bei annähernd gleichen Anforderungen nach Nutzen, Aufwand, Wirtschaftlichkeit, Durchführbarkeit und Umweltverträglichkeit sowie Ermittlung von Vorgaben zum Platzbedarf für zentrale Schächte und Trassen.
Variantenbetrachtung
Vergleich konkreter Systeme in Leistungsphase 2, etwa Sole-Wasser-Wärmepumpe gegen Luft-Wasser-Wärmepumpe.
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