TGA-Planung › Fachplaner TGA-Planung › Folge #321
tgabar · BargesprächePlanungsgruppe VA in der Podcast Challenge
Im dritten Interview der TGA Podcast Challenge stellt sich Jochen Streich vor, Geschäftsführer der Planungsgruppe VA. Der Planungsverbund für Versorgungsanlagen entstand 1963 aus vier Einzelbüros, plant heute mit rund 125 Mitarbeitenden alle TGA-Gewerke an vier Standorten und ist auf Krankenhaustechnik spezialisiert. Streich bietet den tgabar-Mitgliedern fachlichen Austausch und Projektunterstützung an.
Transkript
Wie kommt es zu diesem Interview auf dem Bootcamp?
Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar, heute in der Podcast-Challenge: Planungsgruppe VA. Zu dritt an der TGA-Bar, der Geruch spricht für sich. Wir sitzen vor diesem Mikrofon und es riecht stark nach kaltem Tabak. Wir sind auf dem Bootcamp 2025 der TGA-Bar und haben die Mikrofone gestern Abend in der Raucher-Lounge hängen lassen — eine ganz schlechte Entscheidung.
Jochen: Deine Eröffnung war eben fast schon romantisch. An diesem herrlichen Ort hier.
Roman: Wir sitzen in Berlin, in der Fabrik 23, einer kreislaufgerechten Location für unser jährliches Bootcamp. Es sind um die 100 Leute da. Und Jochen, wir haben die Gelegenheit genutzt, dich als Nominierten von Claudius Schade jetzt endlich zu interviewen.
Jochen: Ich freue mich. Vielen Dank für die Einladung an Claudius und an euch.
Wofür steht das VA in Planungsgruppe VA?
Sven-Erik: Wofür steht das VA in dem Fall?
Jochen: Das VA steht für das Thema Versorgungsanlagen.
Sven-Erik: Und wo habt ihr euren Schwerpunkt planerischerseits?
Jochen: Alle TGA-Gewerke — alles, was die technische Gebäudeausrüstung beinhaltet.
Roman: Also auch Elektro.
Jochen: Auch Elektro, genau. Das geht darauf zurück, dass wir 1963 in der Gründung von vier Gründungsvätern aus Einzelbüros entstanden sind. Die hatten damals schon die legendäre Idee einer TA-Gesamtplanung — unter dem Begriff der VA, Versorgungsanlagen.
Roman: Das ist interessant. Dass vier Büros fusioniert sind, um einen großen Planungsverbund zu bilden, habe ich so noch nicht gehört.
Jochen: Damals ein sensationeller Gedanke. Heute ist Generalplanung in aller Munde — vor 60 Jahren war dieser All-in-Gedanke neu.
Wo sitzt die Planungsgruppe VA und wie groß ist sie?
Sven-Erik: Und wo sitzt ihr heute?
Jochen: Der Hauptsitz ist in Hannover, da ist auch die Gründung entstanden. Mittlerweile sind wir um mehrere Bürostandorte gewachsen.
Sven-Erik: Und wie viele Leute seid ihr ungefähr?
Jochen: Insgesamt sind wir so 125. Schwerpunkt in Hannover, zweitgrößter Standort ist Nürnberg, dazu zwei kleinere Büros in Magdeburg und in Herzberg.
Roman: Das klingt, als hättet ihr euch außer Herzberg einen geografischen Schwerpunkt gesucht.
Jochen: Dazu gibt es bei uns eine Anekdote: Wir haben mal den geografischen Mittelpunkt zwischen Nürnberg und Hannover in Göttingen festgelegt. Das ist noch ein Running Gag bei uns in der Firma.
Warum ist Krankenhaustechnik die Superkraft von Jochen Streich?
Roman: Wir haben dich auf dem Bootcamp als Experten für Krankenhaustechnik wahrgenommen — da war die große Frage, was ihr anbieten könnt, das andere brauchen können. Wie kommt es dazu?
Jochen: Meine ersten beruflichen Berührungspunkte mit der TGA hatte ich in einem kleinen Ingenieurbüro im Raum Hannover, das damals schon ausschließlich für Krankenhäuser geplant hat. Dabei bin ich geblieben und letztlich bei der Planungsgruppe VA mit dem gleichen Themenfeld gelandet.
Roman: Du bist aber als Geschäftsführer für alles verantwortlich?
Jochen: Ja. Ich habe mich über die Projekt- und Teamleitung hochgearbeitet, bin aber immer noch sehr den Projekten verbunden. Das Geschäftsführer-Thema wird von den Stunden her immer mehr, trotzdem bleibt man den Projekten verbunden.
Roman: Und das willst du auch bleiben — oder abdriften in die Sphären der Frühstücksdirektoren?
Jochen: Ich glaube, das ist TGA-immanent, dass Geschäftsführer immer noch gerne mitarbeiten. Am Ende ist man Ingenieur — Geschäftsführer gibt es ja nicht als Studienzweig. Von daher hängt man der Ingenieur-Tätigkeit absolut nach.
Wie hängen Krankenhaus- und Schwimmbadtechnik zusammen?
Roman: Ich habe auch das Thema Schwimmbadtechnik bei euch verortet. Nervt es dich, dass alle nachfragen?
Jochen: Überhaupt nicht, das erzähle ich gerne als Anekdote. Unsere ersten Projekte waren Krankenhäuser. Vor 60 Jahren hatte jedes Krankenhaus seine eigene Schwimmbadabteilung — diese physikalischen Therapiebecken. Daher kommt der gemeinsame Projektursprung. Mittlerweile sind die Krankenhäuser zu arm, ein Schwimmbad zu betreiben, und die Schwimmbäder sind Wellness-Tempel geworden. Die Projektzweige haben sich völlig voneinander wegentwickelt, aber der gemeinsame Ursprung ist tatsächlich der.
Sven-Erik: Was ist für dich das Besondere an Krankenhausprojekten?
Jochen: Sie sind technisch hochkomplex, und es wird immer komplexer — die Anforderungen steigen. Die Laufzeiten sind ein Thema, weil Krankenhäuser meist über Förderbescheide laufen und die brauchen Zeit. Dazu ändern sich die Anforderungen: Die Krankenhausstrukturreform führt häufig dazu, dass Bauherren in der laufenden Planung noch anfangen nachzudenken, ob die Planung angepasst werden muss. Und bei den langen Laufzeiten entstehen an den Mitarbeitenden immer Schnittstellen — bei wirklich großen Häusern muss ein Mitarbeiter erst mal zehn Jahre dabei bleiben, um ein Krankenhaus vom ersten Pinsel bis zur Fertigstellung mitzumachen.
Roman: Also zehn Jahre Projektdauer — ein Drittel des Berufslebens mit einem Projekt?
Jochen: Teilweise ist das so.
Was bietet Jochen Streich den tgabar-Mitgliedern an?
Roman: Du hattest Unterstützung angeboten. Würdest du persönlich beraten oder auch Kapazitäten eures Büros zur Verfügung stellen?
Jochen: Beide Wege. Das Primäre ist erst mal, dass man in einen Austausch kommt. In der TGA bin ich ja kein Einzelfall — es gibt andere Büros, die schwerpunktmäßig unterwegs sind, da kann gemeinsamer Austausch entstehen. Man kann auch Ansprechpartner für spezielle Themen sein, gerade vor dem Wandel: Es ändern sich Regelwerke und Anforderungen. Wir haben zum Beispiel einen Schwerpunkt Trinkwasserhygiene, das ist krankenhausspezifisch, ebenso der Brandschutz. Da hat man im eigenen Büro noch andere Leute, die man fragen kann. Dafür ist der Verein ja auch da.
Roman: Du bist an der obersten Grenze der Kooperationsbereitschaft angelangt und sagst: Ich helfe euch in Projekten. Hast du keine Sorge, damit dein Alleinstellungsmerkmal an andere zu verteilen?
Jochen: Man weiß nie, wofür so eine Hilfestellung gut ist. Und es liegt an einem selber, wie viel man von seiner Erfahrung und seinem Wissen preisgibt.
Roman: Vielleicht geht man langfristig in eine Kooperation und hat selbst Vorteile — man stellt Kapazitäten zur Verfügung und bekommt sie an anderer Stelle zurück. Es ist immer ein Geben und Nehmen.
Warum engagiert sich Jochen Streich in den Lounges der tgabar?
Roman: Du bist mit der Superkraft Krankenhaustechnik in der Lounge Projektleitung angetreten, ich habe dich aber auch in vielen anderen Themen sehr aktiv wahrgenommen — HOAI, AHO und so weiter. Warum ist das dein Faible?
Jochen: Seit der Gründung beim letzten Barcamp ist bei mir eine Findungsphase eingetreten — man hat überall mal reingehört und reingeschnuppert, was alles geboten wird. Mir bringt der Austausch in den einzelnen Lounges viel, das ist gut investierte Zeit. Deswegen habe ich mich in bestimmte Themenkreise eingebracht: Ich höre gerne zu, bringe aber auch ein, was man selbst beitragen kann. Das hat für mich absoluten Mehrwert — man zieht mehr heraus, als man hineininvestiert.
Muss es eigentlich TA-Bar statt TGA-Bar heißen?
Jochen: Ihr hattet mal thematisiert, dass es TA-Planung heißen muss und nicht TGA-Planung. Warum heißt es dann TGA-Bar? Ist der ganze Verein falsch benannt?
Roman: Technische Ausrüstung steht für TA, das ist seit 2013 so. Ich glaube, es kam mit einer HOAI-Novelle: Aus TGA wurde TA. Wir haben festgestellt, der Begriff TA ist in der Branche nicht bekannt, aber TGA kennt jeder. Inzwischen bin ich eigentlich dafür, den Begriff TGA gar nicht mehr zu benutzen — sonst verstehen Kunden und Planungspartner nicht, was wir alles leisten. Wenn ich sage, ich bin der Fachplaner für Sanitärtechnik, Heizungstechnik, Lüftungstechnik, Starkstromanlagen, Schwachstromanlagen, Förderanlagen, Sonderanlagen und Gebäudeautomation, dann verstehen sie, was wir leisten. Am liebsten würde ich den Begriff TGA verschwinden lassen, aber der ist so gesetzt. Das G steht für Gebäude, und das ist eigentlich auch falsch: Wir haben ein Interview mit Daniel Sting-George geführt, der steht total auf 550, freie Anlagen, Technik in freien Lagen — das ist keine TGA, das ist TA. Die Folge haben wir auch so genannt: TA statt TGA.
Wen nominiert Jochen Streich für die nächste Podcast Challenge?
Roman: Wen würdest du als Nächste oder Nächsten für die Podcast Challenge nominieren?
Jochen: Ich würde Nadja Schenk ins Spiel bringen und nominieren. Die habe ich hier im Bootcamp kennengelernt, sie hat auch eine Lounge übernommen. Das finde ich spannend.
Roman: Wir rufen dich auf, Nadja — falls du dich auf diesen Aufruf meldest. Vielen Dank, Jochen, das war ein tolles Interview, kurz vor dem Mittagessen.
Jochen: Dankeschön. Ciao.
Sven-Erik: Zum Thema TA und TGA: Das ist die Folge 308.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Wofür steht das VA in der Planungsgruppe VA?
Das VA steht für Versorgungsanlagen. Die Planungsgruppe VA entstand 1963 aus der Fusion von vier Einzelbüros mit der damals neuartigen Idee einer TA-Gesamtplanung und plant alle TGA-Gewerke einschließlich Elektro.
Wie groß ist die Planungsgruppe VA und wo sitzt sie?
Die Planungsgruppe VA hat rund 125 Mitarbeitende. Der Hauptsitz ist in Hannover, der zweitgrößte Standort in Nürnberg, dazu kommen zwei kleinere Büros in Magdeburg und Herzberg.
Worauf ist die Planungsgruppe VA spezialisiert?
Schwerpunkt ist die Krankenhaustechnik, dazu Themen wie Trinkwasserhygiene und Brandschutz. Historisch gehörte auch die Schwimmbadtechnik dazu, weil Krankenhäuser früher eigene physikalische Therapiebecken hatten.
Zitate
„Das VA steht für das Thema Versorgungsanlagen."
— Jochen Streich
„Am Ende ist man Ingenieur — Geschäftsführer gibt es ja nicht als Studienzweig."
— Jochen Streich
„Man zieht mehr heraus, als man hineininvestiert."
— Jochen Streich
Zahlen & Fakten
Die Planungsgruppe VA entstand 1963 aus der Fusion von vier Einzelbüros.
Quelle: Jochen StreichDie Planungsgruppe VA hat rund 125 Mitarbeitende an vier Standorten (Hannover, Nürnberg, Magdeburg, Herzberg).
Quelle: Jochen StreichGroße Krankenhausprojekte können vom ersten Pinsel bis zur Fertigstellung rund zehn Jahre dauern.
Quelle: Jochen StreichGlossar
- Versorgungsanlagen (VA)
- Namensgebender Oberbegriff der Planungsgruppe VA für die technische Gebäudeausrüstung; geht auf den Gründungsgedanken einer TA-Gesamtplanung von 1963 zurück.