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TGA-PlanungFachplaner TGA-PlanungFolge #430

tgabar · Bargespräche

Warum kommen die teuersten Nachträge aus der Elektrotechnik?

Folge 43015.08.202626:44 minRoman FritschesGast: Alexander Schröder, Julian Feyh, Benny Heilmann
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Auf den Punkt

Die Elektrotechnik führt die Nachtragsstatistik nicht bei der Anzahl an, sondern bei der Summe — und das hat drei Gründe. Erstens die großen Einzelposten: Wird beim Umbau einer Netzersatzanlage etwa der hohe Anlaufstrom einer Sprinklerpumpe übersehen, muss die gesamte Anlage neu dimensioniert, aus- und wieder eingebaut werden. Zweitens die Ursachenkette, die Julian Feyh beschreibt: Beim Nachtrag ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen — dahinter steckt meist eine kleine, zu spät entschiedene oder nicht zu Ende gedachte Planungsänderung, die zur Lawine wird, weil immer mehr Systeme elektrisch und digital vernetzt sind. Drittens schlecht abgestimmte Schnittstellen: Alexander Schröder berichtet von gut tausend Türen, deren Anschluss nachträglich auf 230 Volt geändert wurde, weil der Türbauer über die Werk- und Montageplanung faktisch die Anschlussplanung übernahm. Benny Heilmann (Sprinkenhof GmbH) hatte die Nachträge mehrerer Bauvorhaben ausgewertet; als öffentlicher Auftraggeber verlangt er kein Nachtrags-Leistungsverzeichnis, aber eine dokumentierte Begründung mit Auswirkungen. Als Gegenmittel diskutiert die Runde die KFE-Preisliste der Elektroinnung zur Preisprüfung und rund zwei Dutzend Schnittstellen-Zeichnungen, die schon in der Grundlagenermittlung entstehen sollten.

Transkript

Warum die Elektrotechnik bei Nachträgen heraussticht

Roman: …und herzlich willkommen an der tgabar. Wir sitzen heute zu viert zusammen. Ich freue mich sehr, wieder Julian und wieder Alex begrüßen zu dürfen — erst mal an euch: hallo.

Alex und Julian: Hallo, grüß dich. Moin.

Roman: Und wir haben auch noch einen Ehrengast, nämlich Benny Heilmann. Benny, herzlich willkommen im Podcast.

Benny: Ja, hallo. Danke, dass ich da sein darf, Roman.

Roman: Sehr gerne. Wir haben dich ja schon mal aufgenommen, vor nicht allzu langer Zeit, beim Regionaltreffen in Hamburg — bei Sprinkenhof, da arbeitest du ja auch. Und wir haben von dir erfahren, dass du Nachträge geprüft hast, und zwar über ziemlich viele Bauvorhaben, und festgestellt hast, dass sehr viel Elektrotechnik bei Nachträgen auftaucht. Oder andersrum: dass in der Elektrotechnik sehr viele Nachträge auftauchen. Deswegen haben wir heute mal zwei Elektroplaner dazugeholt, nämlich Alex und Julian, und dachten, wir machen eine Runde draus. Benny, vielleicht kannst du kurz erläutern, was du gemacht hast — ohne Zahlen zu nennen. Wir wollen ja nicht genau wissen, welche Projekte und welche Summen, aber so grob.

Benny: Genau. Als Vorbereitung für die tgabar hatten wir ein paar Themen herausgesucht, die wir gern mit den Fachplanern besprechen wollten, und ein Thema war Nachträge. Zur Recherche haben wir einfach mal geschaut: Was sind denn in den letzten Jahren Nachträge gewesen, was sind die Schwerpunkte, und welches Gewerk hat die meisten oder höchsten Nachträge? Da ist aufgefallen, dass die Elektrotechnik herausgestochen ist. Ich will nicht unbedingt sagen, dass sie von der Anzahl her die meisten hatte — aber die Summe war einfach meistens überproportional hoch.

Roman: Ein Vielfaches, sagtest du sogar. Ich glaube, Platz zwei war Sanitär, wenn ich das richtig im Kopf hatte — aber mit Abstand Platz eins.

Benny: Genau, ich glaube, Sanitär.

Netzersatzanlagen: der teuerste Einzelposten — und die Sprinklerpumpen-Frage

Roman: Und inhaltlich, was waren dann die häufigsten Themen, wo Nachtragsangebote geschrieben wurden?

Benny: Die häufigsten Themen sind eher wirklich kleinere Sachen: nochmal irgendwas umbauen, anpassen, zusätzlich machen, Massenmehrungen. Aber das, was kostentechnisch am meisten ins Gewicht gefallen ist, sind die Themen, wenn es Richtung Umbau Netzersatzanlage geht.

Roman: Das heißt, es waren Bestandsgebäude, und da mussten Netzersatzanlagen angepasst oder eingebaut werden?

Benny: Genau. Es war eine Netzersatzanlage schon installiert, und dann ist aufgefallen, dass für die Sprinklerpumpe — das waren Gebäude, wo ein Sprinkler installiert wurde, eine Sanierung von einem großen Gebäude — die Sprinklerpumpe einen sehr hohen Anlaufstrom hatte. Das wurde, möchte ich mal behaupten, bei der Planung nicht bedacht. Dadurch musste die Netzersatzanlage neu dimensioniert werden: ausbauen, einbauen, umbauen.

Roman: Ich frage mal kurz die Kollegen, vor allem Julian, weil der ja nicht in Hamburg plant — Alex kennt das bestimmt auch. Es gibt hier die sogenannte Sprinklerpumpenschaltung, wo sich das Gerücht hält: Wenn ich die Niederspannungshauptverteilung nehme und da einen Abgang, dann darf ich die Sprinklerpumpe ohne Netzersatzanlage anschließen. Das ist in Hamburg eine Zeit lang zugelassen worden. Julian, gibt es das bei euch auch — dass ich mir eine Netzersatzanlage sparen kann, wenn ich direkt an die NSHV gehe?

Julian: Ja, da gibt es mit Sicherheit Methoden, um ein SV-Netz aufzubauen. Aber jetzt im Bezug zum eigentlichen Thema dieses Nachtrags: Ich glaube, gerade Nachträge bei Netzersatzanlagen können heutzutage vermehrt entstehen, weil wir ganz andere Systeme anschalten als früher, vor 20, 30, 40 Jahren. Die Entwicklung geht ja dahin, dass die Elektrotechnik zunehmend ein investitionsrelevantes Thema ist, weil mehr und mehr Systeme Strom als Energieträger nutzen und deutlich mehr digitale Strukturen und Vernetzung untereinander entstehen. Diese ganzen Systeme richtig zu definieren, auch als Zuarbeit von anderen Gewerken zu übernehmen — es ist ja nicht nur Arbeit der Elektrotechnik — und dann entsprechend auszulegen: Da könnte ich mir vorstellen, wenn ich das jetzt so ad hoc höre, dass darin ein Problem in der Dimensionierung oder im Umbau einer Netzersatzanlage liegen könnte.

Alex: Ich hätte vorher kurz noch eingehakt: Das mit der Sprinklerschaltung ist darauf zurückzuführen, dass man die SV-Anforderungen wegdiskutieren oder kompensieren kann — indem man sie einerseits nach Brandschutzkonzept gar nicht erst gegeben bekommt, sondern sich zum Beispiel auf die VdS CEA 4001 berufen darf, wo diese Sprinklerschaltung beschrieben ist: wo ich direkt nach der Haupteingangssicherung, noch vor allen anderen Sachen, die Sprinklerpumpe abgreife. Oder ich kompensiere, indem ich sage: Ich habe eine zweite, getrennte Netzversorgung — wenn ich aus dem Mittelspannungsnetz denke, also nicht nur ein Kabel aus einem Umspannwerk, sondern auch noch ein Freileitungskabel. Das gibt es auch. Aber die weit überwiegende Zahl der Projekte, die mir bekannt sind, arbeitet dann mit einer Netzersatzanlage und der entsprechenden Umschaltung zwischen Allgemein- und Sicherheitsversorgung.

Und das, was ich von Benny gehört habe — und was wir am Stammtisch der Region Nord besprochen und diskutiert hatten —, kann ich meinem Erfahrungshorizont genauso spiegeln. Ich habe jede Menge Planungen von anderen übernehmen dürfen, wo wir dann ab der Leistungsphase 5 weitergeführt haben, eine Leistungsphase 3 bekommen haben und, wie es immer so schön heißt, heilen sollten. Da waren regelmäßig Netzersatzanlagen dabei, die keine Stufenschaltung hatten und die bereits beim Sprinkleranlauf ausgegangen wären — oder die dann bei Sprinkler plus Rauchdruckanlage ausgegangen wären, weil die Anlaufleistungen nicht berücksichtigt worden sind. Dass man dort sagt: Okay, nach Norm gehst du nur mit 60 Prozent rein, Gleichzeitigkeit berücksichtigt und so weiter.

Roman: Spannend, ihr geht beide in eine ähnliche Richtung: Es sind andere Verbraucher, die zu berücksichtigen sind, und es gibt normative Ausnahmen, auf die man ein bisschen hofft. Wahrscheinlich war das bei dir auch so, Benny — dass man hofft, man kommt ohne die Netzersatzanlage aus. War aber nicht so, habe ich verstanden.

Ich hatte tatsächlich ein ähnliches Projekt. Da gab es für den Feuerwehraufzug und für die Sprinklerpumpe die Idee — wir hatten ein Hochhaus und wollten den Abgaszug nicht 21 Stockwerke nach oben ziehen —, eine sogenannte elektrische Netzersatzanlage zu bauen, was ja auch sehr schräg ist: Man benutzt Akkus, um einen Motor zu betreiben, der wieder einen Generator betreibt, der die drehenden Verbraucher versorgt. Ich so: Was für ein Schwachsinn. Ja, ist aber zugelassen. Und das war dem Bauherrn beziehungsweise dem GU dann doch 40.000 Euro zu teuer, und am Ende wurde es doch die dieselversorgte Anlage — die haben wir aufs Dach gesetzt. Es wurde nicht teurer, sah aber auf dem Hochhaus nicht so schön aus.

Ein sechsstelliger Nachtrag für einzelne Bohrungen

Roman: Okay, wir haben festgestellt, dass wir bei den Netzersatzanlagen ein gewisses Thema hatten. Alex, kennst du jemanden, der schon mal einen großen Nachtrag hatte, wo du sagen würdest: Der war schmerzhaft, da musste ich als Planer einiges machen?

Alex: Sagen wir mal so: Die Größenordnung hat mich überrascht, als ich davon gehört habe — während unseres Stammtisches für die Region Nord neulich. Da habe ich erfahren, dass Einzeldurchführungen, die gebohrt werden müssen, noch in der Diskussion sind, nennen wir es mal schwebendes Verfahren — für ein großes Gebäude mit round about, ich glaube, 15.000 Quadratmetern. Und dass dort eine mittlere sechsstellige Summe zusammengekommen ist, nur wegen einzelner Bohrungen, die überall in den Trockenbauwänden zu erfolgen haben. Das ist dann schon überraschend.

Nachträge prüfen mit der KFE-Preisliste

Roman: Das ist schon überraschend. Mir kommt gerade der Gedanke zur Prüfung der Nachträge — wie ihr das macht. Ich habe für mich inzwischen einen Pfad gefunden: Ich schnappe mir die KFE-Preisliste als Preisvergleich. Ich weiß nicht, ob ihr die kennt — das ist eine Preisliste, die immer von der Elektroinnung herausgegeben wird, und die machen jedes Jahr eine neue. Ich habe die von 2024 und lasse die von der KI hochrechnen und mit den Nachträgen vergleichen. Das heißt, es ist ein automatisierter Abgleich der angebotenen Preise mit der KFE-Preisliste, hochgerechnet aufs heutige Datum. Da kommt dann ein Excel raus, sieht total super aus, ist total detailliert. Dann noch ein bisschen Abgleich mit Preisen aus dem Internet — da geht einiges. Wahrscheinlich sind die ganzen Einzeldurchführungen durch die Trockenbauwände auch in der KFE-Liste drin, und damit kann man relativ gut argumentieren. Zumindest habe ich den Eindruck bis jetzt. Ist das bei euch auch so, Julian? Du guckst ein bisschen kritisch. Hast du sie schon mal benutzt, um Nachträge zu prüfen und Einheitspreise zu verifizieren oder abzulehnen?

Julian: Ich nutze die Liste tatsächlich jährlich, um meine Preise allgemein mal anzupassen, und schaue mir das dann immer in Vergleichs-Leistungsverzeichnissen von uns aus dem Jahr an — und mache das händisch. Wenn du erzählst, was du da per KI schon zusammengebaut hast, ist das gerade ein netter Gedankensprung für mich, den ich vielleicht nochmal vertiefen muss. Aber tatsächlich macht man das natürlich so, dass man mal schaut: Was steckt da wirklich dahinter?

Die eigentliche Ursache: die zu spät entschiedene Planungsänderung

Julian: Das Problem ist ja eigentlich eher: In diesem Nachtrag ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Warum ist das Ganze vorher nicht aufgefallen — dass ich da Einzelbohrungen durch die ganzen Trockenbauwände brauche oder was auch immer in der Art? Sodass das eigentlich eine Folge von einer Planungsänderung aus einem normalen Verlauf ist, die nicht zu Ende gedacht oder zu spät entschieden worden ist. Da glaube ich eher, dass auch ein Nachtragsvolumen möglich ist — gerade bei elektrotechnischen Systemen, weil es immer mehr in Richtung Elektrotechnik geht. Dass die Auswirkung dieser vermeintlich kleinen Planungsänderung, oder nennen wir es einfach Planungsergänzung im normalen Prozess, irgendwann zu so einer kleinen Lawine wird: Immer mehr Kosten rollen auf, und nachher steht darunter: Oh, der teure Elektronachtrag ist da. Was wahrscheinlich einfach eine Geschichte ist, die strukturell gewachsen und nicht zu Ende gedacht ist beziehungsweise wo nicht alle Auswirkungen mitbedacht worden sind, weil die Systeme mittlerweile so übereinandergreifen.

Roman: Gibt es da so einen Erziehungsauftrag, den du als Planer siehst — dass man sagt: Ich bin schon beim ersten Nachtrag sehr kritisch und ziemlich zickig, damit diese Lawine nicht losgeht, die du gerade auch mit den Händen visualisiert hast?

Julian: Wenn ich Erziehungsauftrag in Bezug auf Planungen höre, dann muss ich aufpassen, was ich ohne meinen Anwalt sage. Denn das Gefühl hat man in manchen Planungsrunden mit Sicherheit immer wieder, dass ein Erziehungsauftrag vorliegt. Aber wahrscheinlich muss man sich auch selbst ein bisschen dazu erziehen, das frühzeitig anzumelden, einen Blick dafür zu haben und dann die Hand zu heben und zu sagen: Moment mal, hat denn der Rest der Runde auch an seine Auswirkungen gedacht?

Roman: Okay, ich meinte Erziehungsauftrag hinsichtlich der ausführenden Firmen. Ich hatte, als du Lawine sagtest, den Eindruck: Wenn die Firma schon beim ersten Nachtrag merkt — aha, da wird das durchgewunken und es ist relativ entspannt —, dann geht das genauso weiter, und dann hagelt es Nachträge.

Julian: Das ist ganz klar. Ich glaube, jedes ausführende Unternehmen wird irgendwann mal in die Situation kommen, das auszutesten: Wie ist der Bauherr, wie ist der Planer, wie ist der Projektsteuerer? Und dann entscheiden sie relativ schnell: Okay, da können wir es probieren, oder da können wir es nicht probieren. Aber das ist regulärer Ablauf, den wir vor 30 Jahren schon gekannt haben oder hätten kennen sollen. Das ist nichts Neues beim Thema Nachträge Elektro.

Wer schreibt das Nachtrags-LV — und was fordert der Bauherr?

Roman: Was ein bisschen neu ist — jetzt frage ich mal Alex und stelle eine Theorie in den Raum —, ist das Thema Nachtrags-Leistungsverzeichnisse, die abgefordert werden. Also: „Ich schreibe keinen Nachtrag, ich will ein LV von dir als Planer." Das bekomme ich immer häufiger zu hören. Diese Forderung gab es vor zehn Jahren noch nicht so. Ist das auch deine Erfahrung, Alex, oder ist das gerade nur meine?

Alex: Nee, kann ich mit gemischten Eindrücken teilen. Ich höre auch davon, ich habe es auch selbst schon erlebt. Das ist aber hauptsächlich in den mittelgroßen und großen Projekten der Fall. Ganz stark ist es der Fall, wenn es ein GU ist, der sagt: Nee, nee, ich kalkuliere dir das, aber dann musst du mir sagen, was du von mir willst. Wo man dann die nächste Flanke öffnet — oder vermeintlich öffnet. Und dann habe ich auch den Fall, dass ganz häufig gesagt wird: Nee, nee, wenn dir was fehlt, kannst du es ja noch beim Nachtrag sagen, dann schreibe ich noch was dazu.

Roman: Du ergänzt sozusagen das Nachtragsangebot dann noch im Zweifelsfall?

Alex: Genau. Oder ich sage gleich in der Abstimmung dazu: Habt ihr daran gedacht? Ich sehe übrigens noch Folgendes, das schreib gleich mit rein. Und dann kommt häufig auch dieses Austesten: Ja, ich würde aber noch das sehen und das sehen. Das ist dann der Punkt, wo man in die Kommunikation gehen und sagen kann: Ja, aber nein.

Roman: Also dann doch Erziehungsauftrag. Benny, wir sind schon ein bisschen eingestiegen, während du kurz weg warst: Nachtragsprüfung, Nachtrags-LVs, Erziehung der ausführenden Firmen, auch der eigene Umgang als Planer mit den Nachträgen. Was forderst du denn als Bauherr von den Planern? Forderst du auch ein Nachtrags-LV ab und sagst: Schnappt euch gefälligst euer AVA-Programm und macht mal ein Nachtrags-LV?

Benny: Nee, das kenne ich so bei uns erst mal nicht. Aber wir haben schon ein Nachtragsmanagement und auch ein Dokument, das wir von der Bauüberwachung beziehungsweise vom Fachplaner gern ausgefüllt haben wollen, wo man nochmal genauer auf die Gründe eingeht und welche Auswirkungen das hat. Es geht ja auch darum, dass wir als öffentlicher Auftraggeber eine gewisse Auftragssumme nicht einfach so überschreiten dürfen beziehungsweise dann andere Regelungen gelten und ein anderer Umgang damit. Deshalb ist es uns in erster Linie wichtig, das ordentlich zu dokumentieren und aufzuklären, was die Hintergründe sind — weil wir auch mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen und regelmäßig überprüft werden, ob wir mit Nachträgen entsprechend umgehen.

Schnittstellen als zweite Nachtragsursache: das Beispiel Tür

Alex: Ich würde gerne nochmal an einem Punkt einhaken, den Julian vorhin aufgeworfen hat: Wo ist die Ursache? Ich hatte zum Beispiel einen größeren Nachtrag mit Kabelzuleitungen zu Türen. Da waren dann knapp über der vierstelligen Schallmauer Türen, die mit einem anderen Türanschluss versehen werden sollten — weil es nicht mehr wie vorher geplant und abgestimmt ein Anschluss war, sondern dann kam: Ja, wir machen daraus aber 230 Volt, und wir brauchen noch dieses und jenes. Und das kam, weil der Türbauer — ich sage jetzt mal flapsig — die Werk- und Montageplanung gemacht hat und damit die eigentliche Planung der Türanschlüsse und der Schnittstellen, und dabei aufkam: Ja, okay, das kann ich so gar nicht bedienen, was ihr mir vorgeschrieben habt, ich brauche jetzt das und das. Da kam eine ordentliche Summe bei rum, wenn der Elektriker nochmal schnell ein paar Kabel hinziehen soll — und das nicht nur an Starkstrom, sondern auch an Schwachstrom.

Roman: Da sprichst du eine super wichtige Ursache von Nachträgen an. Die eine Ursache, wie Julian sagte: Ich brauche von den ganzen Kollegen die Verbraucher. Jetzt kommt die zweite Ursache: schlecht abgestimmte Schnittstellen — und schlecht abgestimmt heißt in dem Fall: nicht super detailliert abgestimmt, unter Einbeziehung der ausführenden Firmen. Da kommt ja auch irgendwann eine Kompetenzgrenze: bei der Tür, bei der Zutrittskontrolle mit Zylinderthemen und Feststellanlage und keine Ahnung was — das wird alles ziemlich kompliziert irgendwann.

Alex: Und an der Stelle ist die Schnittstelle mit dem Türbauer insofern wichtig, als der schon relativ früh mit eingebunden werden will. Das hattet ihr mal, Sören und du, schon in einer Podcast-Folge — ich glaube, es war erste oder zweite Staffel. Da hattet ihr einen Profi, der macht nur Türplanung. Ich dachte: Was machst du denn, mit dem müssen wir uns mal in der Bar treffen? Daran musste ich mich entsinnen, als ich in der Baubesprechung davon gehört habe und dachte: Der wäre jetzt gut.

Roman: Ja, Schnittstellen ist das Thema. Benny, habt ihr zum Thema Schnittstellen eigentlich irgendein Werkzeug? Ihr seid ja sehr stark in Werkzeugen bei Sprinkenhof und auch in Software, die ihr für die Planer zur Verfügung stellt.

Benny: Für Schnittstellen selbst nicht unbedingt. Da verlassen wir uns schon sehr auf die Architekten und die Fachplaner, dass die das miteinander gut koordinieren und sich abstimmen. Hintergrund ist einfach, dass wir als Auftraggeber viele übergeordnete Punkte betrachten müssen und nicht jeder von uns in jedem Thema so tief drinsteckt, dass er das einschätzen kann.

Roman: Julian, hast du ein Werkzeug dafür oder einen eigenen Standard, mit dem du sicherstellst, dass Schnittstellen im Team, aber vielleicht auch außerhalb des Teams zum Architekten hin funktionieren?

Julian: Ein richtiges Tool würde ich nicht sagen. Aber das Beispiel Tür als Schnittstellenproblem ist ja ein ganz klassisches, das haben auch ganz viele schon erlebt: Die Tür ist erst mal in der Kostengruppe 300 mit drin, und man sagt: Ach, das ist ein bisschen Kabel, das machen wir schon. Am Ende wird dann in der Leistungsphase 5 ein Hersteller eines Produkts beauftragt, mal schnell eine Ausführungsplanung zu machen, die aber eigentlich schon eine Werk- und Montageplanung ist. Und dann gibt es diese Probleme: Man stellt fest, oh Mist, das passt alles so nicht.

Schnittstellenlisten sind ja oftmals diese alten Excel-Listen, die wir kennen. Ich habe es für uns so aufgestellt, dass ich versuche, die ganzen Projekte in Teams, im Planner, in Leistungsphasen zu deklarieren und da immer Grund- und besondere Leistungen als Anforderung zu stellen, sodass jeder abhaken kann: Habe ich das Thema erledigt? Und da ist dann auch das Thema Türliste abstimmen drin, sodass ganz bewusst jeder Planer bei uns nochmal darauf gestoßen wird: Türliste — dieses Thema der Schnittstelle habe ich abgehakt. Und dann setze ich im Planner die Aufgabe: Schnittstelle Türliste, LP3, LP5, ist erledigt. Weil ich glaube, diese alte Schnittstellen-Excel-Liste kann projektbezogen elend lang und elend groß werden, da verliert man schnell den Überblick. Von daher nutze ich gerne Planner-Aufgaben als Tool dafür.

Schnittstellen zeichnen statt Excel-Tapete

Roman: Frage an Alex nochmal: Hast du schon mal Schnittstellen-Zeichnungen gerade für die Elektrotechnik-Themen machen lassen oder selbst gemacht?

Alex: Ja. In dem einen Projekt, das bei mir gerade auf dem Tisch lag, habe ich genau das gemacht. Wir hatten ja die klassische Schnittstellenliste — eine wunderschöne Excel-Tapete, wenn man sie ausgedruckt hätte. Ich bin dann an zwei, drei Stellen, insbesondere in der Mittelspannung, beim Sonnenschutz und bei den Türen, dazu übergegangen zu sagen: Okay, und jetzt zeichnen wir das einmal systematisch auf — hier Schnittstelle, da Schnittstelle, der bringt das, der bringt das. Und dann kamen wir auch am beliebten Freund Bauseits vorbei.

Und an der Stelle noch ein kleiner Werbeeinschub für die Lounge Elektro: Das hatten wir uns dort schon auf die Fahne geschrieben, dass wir je Anlage genau diese Schnittstellen einmal definieren wollen — wo wir sagen: Hier solltest du dir was von dem und dem holen.

Roman: Also kommt gerne mit dazu, helft mit — ab in die Lounge. Ich kann noch ein bisschen Werbung für ein Tool machen: Ich weiß, dass sich ein Mitglied an der tgabar gerade intensiv mit dem Thema Schnittstellen-Zeichnung beschäftigt und versucht, alle Schnittstellen, die zwischen TGA und Hochbau anfallen — aber auch andere Schnittstellen — grafisch darzustellen und dann ein Tool zu bauen, in dem ich wirklich genau festlegen kann: Dieses Kabel liefert der, diesen Melder liefert der, und die Klappe liefert diese Person oder jener Planer. Ich glaube, das würde uns helfen, wenn wir einen Standard schaffen, den nicht nur TGA-Planer bedienen können, sondern auch Architekten und Projektsteuerer.

Wir haben schon Elektro-Details gemacht. Ich habe das Gefühl, es sind eigentlich zwei Handvoll Standardthemen, die immer kritisch sind — ihr habt sie angesprochen: Die RWA-Anlage ist der Klassiker, die Tür ist der Klassiker. Dann kommen Gegensprechanlagen, Zutrittskontrollen, wahrscheinlich auch verknüpft mit der Tür. Dann wird es schon langsam dünner: Sonnenschutz, vielleicht Blendschutzanlagen. Dann habt ihr eigentlich schon die meisten Elektrothemen. Oder habt ihr noch ein Schnittstellen-Thema, wo ihr sagt: Da knallt es immer, da brauchen wir eine Zeichnung für?

Julian: Ich glaube, da kommt man von Hölzchen auf Stöckchen: Dachdurchführung — wer baut den Schwanenhals, wer dichtet ihn an? Hauseinführung — wer betoniert sie mit ein, wer stellt was, das Dichtpack und so weiter. Da kann man sich relativ weit reindrehen. Und wenn man die großen, keine Ahnung, zwei Dutzend Themen einmal mit schönen Zeichnungen und Definitionen beisammen hat, dann kann man das Ganze peu à peu — jetzt mal mit tollen Wörtern um mich geschmissen — iterativ weiterführen.

Roman: Ja, total. Ich glaube tatsächlich, das würde sich total lohnen, das schon in der Grundlagenermittlung zu machen. Und man stelle sich vor, so ein Projektsteuerer hat so ein cooles Tool, alles ist schon vorgearbeitet und er muss nur noch sagen: Wer liefert es — du, Architekt, oder du, TGA-Planer? Dann sagen alle: Okay, nehme ich mit rein. Dann ist es in der Kostenschätzung drin, dann in der Kostenberechnung, dann im LV — und am Ende hat die ausführende Firma sogar noch eine Übersicht und weiß: Ah, guck mal, das muss ich liefern und das müssen die anderen liefern. Ein Traum. Ich behaupte, mit zwei Dutzend Zeichnungen käme man da weiter. Kann doch gar nicht so schwer sein. Also, da ist jemand dran — ich frage sie mal, ob sie Lust hätte, das im Podcast vorzustellen. Ich glaube, das dauert noch ein paar Monate, bis es komplett fertig ist. Aber wir sind dran.

Okay, ich gucke ein bisschen auf die Uhr. Ich habe den Eindruck, dass die Bar gleich zumacht — und wir wollen ja vielleicht noch eine zweite Folge aufnehmen. Deswegen würde ich euch schon mal gerne danken für diese spannende Folge zum Thema Nachträge. Ich halte nochmal fest: Beim Thema Netzersatzanlage, da sind wir eingestiegen, ist anscheinend ein bisschen Unsicherheit da — brauche ich eine, brauche ich sie nicht, und wenn ich sie brauche, wie groß muss sie sein? Ansonsten haben wir viele kleine Themen und haben festgestellt, dass das Thema Schnittstellen ein Thema ist, sowohl extern als auch intern. Julian sagte: auch die Schnittstellen zu den HLS-Kollegen, die ihre Verbraucher richtig benennen müssen. Da müssten wir mal ran. Wir haben schon eine Idee, wie wir es machen, und wir haben jemanden an der Bar, der es tut. Also ich bin guter Dinge, dass wir die Nachträge elektroseitig in Zukunft verringern können. Vielen, vielen Dank — wir treffen uns gleich wieder.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Warum entstehen in der Elektrotechnik die höchsten Nachträge?

Nach der Auswertung von Benny Heilmann (Sprinkenhof GmbH) über mehrere Bauvorhaben liegt die Elektrotechnik nicht unbedingt bei der Anzahl vorn, aber bei der Summe — mit deutlichem Abstand vor der Sanitärtechnik. Drei Gründe werden genannt: große Einzelposten wie der Umbau von Netzersatzanlagen; die wachsende Zahl elektrisch versorgter und digital vernetzter Systeme, deren Verbraucher von anderen Gewerken zugearbeitet werden müssen; und schlecht abgestimmte Schnittstellen zu Gewerken wie Türen, RWA oder Sonnenschutz.

Was ist eine Netzersatzanlage und wann wird sie zum Nachtragsrisiko?

Eine Netzersatzanlage (NEA) versorgt sicherheitsrelevante Verbraucher, wenn das Netz ausfällt — klassisch als Dieselaggregat. Zum Nachtragsrisiko wird sie, wenn Anlaufleistungen nicht berücksichtigt sind: Benny Heilmann berichtet von einer bereits installierten Anlage, die wegen des hohen Anlaufstroms einer Sprinklerpumpe komplett neu dimensioniert, aus- und wieder eingebaut werden musste. Alexander Schröder ergänzt, dass er beim Übernehmen fremder Planungen regelmäßig Anlagen ohne Stufenschaltung vorfand, die schon beim Sprinkleranlauf oder bei Sprinkler plus Rauchdruckanlage ausgegangen wären.

Kann man die Sprinklerpumpe ohne Netzersatzanlage anschließen?

Es gibt Wege, die Anforderungen der Sicherheitsstromversorgung zu kompensieren. Alexander Schröder nennt zwei: die sogenannte Sprinklerschaltung, bei der die Sprinklerpumpe direkt nach der Haupteingangssicherung noch vor allen anderen Verbrauchern abgegriffen wird — beschrieben unter anderem in der VdS CEA 4001 —, oder eine zweite, getrennte Netzversorgung, etwa ein zusätzliches Freileitungskabel neben dem Kabel aus dem Umspannwerk. In der weit überwiegenden Zahl der Projekte arbeitet man dennoch mit einer Netzersatzanlage und der Umschaltung zwischen Allgemein- und Sicherheitsversorgung.

Wie prüft man Nachtragspreise in der Elektrotechnik?

Roman Fritsches nutzt die KFE-Preisliste der Elektroinnung, die jährlich neu erscheint: Er lässt die Ausgabe 2024 automatisiert aufs aktuelle Datum hochrechnen und mit den Nachtragspositionen abgleichen, ergänzt um einen Abgleich mit Internetpreisen. Julian Feyh nutzt dieselbe Liste jährlich, allerdings händisch und vor allem, um die eigenen Preise in Vergleichs-Leistungsverzeichnissen anzupassen.

Was ist die häufigste Ursache für teure Nachträge?

Julian Feyh sieht die Ursache selten im Nachtrag selbst — dort ist das Kind schon in den Brunnen gefallen —, sondern in einer vermeintlich kleinen Planungsänderung oder Planungsergänzung, die zu spät entschieden oder nicht zu Ende gedacht wurde. Weil die technischen Systeme heute stark übereinandergreifen, wird daraus eine Lawine, unter der am Ende „der teure Elektronachtrag" steht. Die zweite Hauptursache sind nicht detailliert genug abgestimmte Schnittstellen — ohne Einbeziehung der ausführenden Firmen.

Wer erstellt das Nachtrags-Leistungsverzeichnis — Planer oder Firma?

Zunehmend wird es vom Planer verlangt: Roman Fritsches und Alexander Schröder hören immer häufiger „Ich schreibe keinen Nachtrag, ich will ein LV von dir als Planer" — vor allem bei mittleren und großen Projekten und besonders von Generalunternehmern. Der Planer öffnet damit allerdings eine weitere Flanke. Aus Bauherrensicht fordert Benny Heilmann kein Nachtrags-LV, wohl aber ein ausgefülltes Dokument von Bauüberwachung oder Fachplaner mit Gründen und Auswirkungen — weil ein öffentlicher Auftraggeber die Auftragssumme nicht beliebig überschreiten darf und regelmäßig überprüft wird.

Wie lassen sich Schnittstellen-Nachträge vermeiden?

Die Runde empfiehlt, von der Excel-Schnittstellenliste auf Schnittstellen-Zeichnungen umzusteigen: systematisch aufzeichnen, wer was liefert. Alexander Schröder hat das für Mittelspannung, Sonnenschutz und Türen gemacht. Julian Feyh führt Schnittstellen stattdessen als abhakbare Planner-Aufgaben je Leistungsphase. Roman Fritsches schätzt, dass rund zwei Dutzend Zeichnungen die kritischen Standardthemen abdecken würden — RWA-Anlage, Tür, Gegensprechanlage, Zutrittskontrolle, Sonnenschutz, Dachdurchführung, Hauseinführung — und dass diese schon in der Grundlagenermittlung entstehen sollten, damit sie in Kostenschätzung, Kostenberechnung und Leistungsverzeichnis durchschlagen.

Zitate

Von der Anzahl her waren es nicht unbedingt die meisten — aber die Summe war einfach überproportional hoch."

Benny Heilmann

Das Problem ist ja eigentlich: In diesem Nachtrag ist das Kind schon in den Brunnen gefallen."

Julian Feyh

Wenn ich Erziehungsauftrag in Bezug auf Planungen höre, dann muss ich aufpassen, was ich ohne meinen Anwalt sage."

Julian Feyh

Jedes ausführende Unternehmen kommt irgendwann in die Situation, das auszutesten: Wie ist der Bauherr, wie ist der Planer, wie ist der Projektsteuerer?"

Julian Feyh

Ich schreibe keinen Nachtrag, ich will ein LV von dir als Planer. Das bekomme ich immer häufiger zu hören."

Roman Fritsches

Eine wunderschöne Excel-Tapete, wenn man sie ausgedruckt hätte."

Alexander Schröder

Und dann kamen wir auch am beliebten Freund Bauseits vorbei."

Alexander Schröder

Ich behaupte, mit zwei Dutzend Zeichnungen käme man da weiter."

Roman Fritsches

Zahlen & Fakten

In der Auswertung der Nachträge mehrerer Bauvorhaben stach die Elektrotechnik heraus — nicht unbedingt bei der Anzahl, aber bei der Summe, die meist überproportional hoch war. Platz zwei belegte die Sanitärtechnik, mit deutlichem Abstand.

Quelle: Benny Heilmann

Die kostenintensivsten Nachträge betrafen den Umbau von Netzersatzanlagen; die häufigsten waren kleinere Umbauten, Anpassungen und Massenmehrungen.

Quelle: Benny Heilmann

Ein hoher Anlaufstrom der Sprinklerpumpe wurde in der Planung nicht bedacht — die bereits installierte Netzersatzanlage musste neu dimensioniert, aus- und wieder eingebaut werden.

Quelle: Benny Heilmann

Bei der Auslegung von Anlaufleistungen gilt als Norm-Ansatz, nur mit 60 Prozent hineinzugehen.

Quelle: Alexander Schröder

Eine elektrische Netzersatzanlage aus Akkus, Motor und Generator war dem Bauherrn beziehungsweise dem Generalunternehmer 40.000 Euro zu teuer; gebaut wurde am Ende das Dieselaggregat auf dem Dach eines 21-stöckigen Hochhauses.

Quelle: Roman Fritsches

Für einzelne gebohrte Durchführungen in Trockenbauwänden eines rund 15.000 Quadratmeter großen Gebäudes kam eine mittlere sechsstellige Summe zusammen; das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Quelle: Alexander Schröder

Bei einem Nachtrag zu Kabelzuleitungen von Türen ging es um knapp über tausend Türen, deren Anschluss nachträglich auf 230 Volt geändert wurde — inklusive zusätzlicher Stark- und Schwachstromleitungen.

Quelle: Alexander Schröder

Die KFE-Preisliste der Elektroinnung erscheint jährlich; die Ausgabe 2024 wird automatisiert aufs aktuelle Datum hochgerechnet und mit den Nachtragspreisen abgeglichen.

Quelle: Roman Fritsches

Rund zwei Dutzend Schnittstellen-Zeichnungen mit Definitionen würden nach Einschätzung der Runde die kritischen Standardthemen zwischen TGA und Hochbau abdecken.

Quelle: Roman Fritsches / Julian Feyh

Glossar

Bauseits
Kennzeichnung einer Leistung, die nicht im eigenen Vertragsumfang liegt, sondern vom Bauherrn beziehungsweise einem anderen Gewerk zu erbringen ist. In der Runde als „Freund Bauseits" die klassische Sollbruchstelle jeder Schnittstellenklärung.
Elektrische Netzersatzanlage
Alternative zum Dieselaggregat: Akkus treiben einen Motor an, der einen Generator betreibt, welcher die drehenden Verbraucher versorgt. Zugelassen, aber im geschilderten Hochhausprojekt rund 40.000 Euro teurer als die Diesellösung.
KFE-Preisliste
Jährlich von der Elektroinnung herausgegebene Preisliste, die als Referenz zum Prüfen von Einheitspreisen in Nachtragsangeboten dient — hochgerechnet auf das aktuelle Datum.
Nachtrags-LV
Leistungsverzeichnis für einen Nachtrag. Zunehmend fordern Auftraggeber und Generalunternehmer, dass der Planer es erstellt, statt die Nachtragspositionen der ausführenden Firma nur preislich zu prüfen.
Netzersatzanlage (NEA)
Anlage, die bei Netzausfall sicherheitsrelevante Verbraucher versorgt — üblicherweise ein Dieselaggregat. Ihre Dimensionierung muss Anlaufleistungen berücksichtigen; fehlt eine Stufenschaltung, kann sie bereits beim Anlauf von Sprinklerpumpe oder Rauchdruckanlage ausfallen.
Schnittstellenliste
Übersicht, welches Gewerk welche Leistung an einer Gewerkegrenze erbringt. Klassisch als Excel-Liste geführt, die projektbezogen sehr lang wird — in der Runde werden Schnittstellen-Zeichnungen und abhakbare Aufgaben je Leistungsphase als Alternative diskutiert.
Sprinklerschaltung / Sprinklerpumpenschaltung
Anschluss der Sprinklerpumpe direkt nach der Haupteingangssicherung, noch vor allen anderen Verbrauchern. Damit lassen sich Anforderungen der Sicherheitsstromversorgung kompensieren, sodass unter Umständen keine Netzersatzanlage nötig ist; beschrieben unter anderem in der VdS CEA 4001.
Werk- und Montageplanung
Planung des ausführenden Herstellers. Sie wird zum Risiko, wenn sie faktisch die eigentliche Planungsleistung übernimmt — im Beispiel definierte der Türbauer damit die Türanschlüsse und Schnittstellen, woraus ein großer Elektro-Nachtrag entstand.
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