TGA-Planung › Aus- und Weiterbildung für die TGA-Planung › Folge #434
tgabar · BargesprächeWas kann eine Fachplanung leisten?
Kann-Erwartungen an die Fachplanung sind fakultative Verhaltensweisen: Wer sie erfüllt, wird gelobt oder befördert — wer sie nicht erfüllt, wird nicht bestraft. Roman Fritsches und Sören Janson nennen sechs: Schnittstellen zwischen den Gewerken aktiv optimieren und die Schnittstellenlisten fortschreiben; technische Innovationen von der Idee bis zum Betrieb durchbringen; neue Produkte im Blick behalten und auf Betriebskosten und Integrierbarkeit prüfen; Vorlagen nicht nur anwenden, sondern entwickeln und in der ganzen Organisation in Anwendung bringen; Wissensmanagement aktiv betreiben statt nur auf Zuruf; und als Spitze eine eigene Risikoanalyse im Planungsprozess führen — Kosten-, Realisierungs- und Schallschutzrisiken benennen, bevor die Projektleitung danach fragt. Dazu benennen die beiden die Schnittstellen der Rolle: zuerst Nutzer und Facility Management, dann die Systemplanung als Tandem, dann Projektleitung und Bauüberwachung. Teil 3 und Abschluss der Serie über die Erwartungen an die TGA-Fachplanung.
Transkript
Teil 3: Was sind Kann-Erwartungen?
Roman: Moin, moin und herzlich willkommen an der tgabar. Erwartungen, Erwartungen, Erwartungen — zum dritten Mal jetzt.
Sören: Jetzt reicht es aber.
Roman: Jetzt kommt die Kirsche auf der Torte.
Sören: Jetzt kommt die Kirsche auf der Torte.
Roman: Was erwarten wir von einer Fachplanung TGA? Wir stellen jetzt fest: Wir haben Muss-Erwartungen besprochen, wir haben Soll-Erwartungen besprochen. Jetzt kommen wir zur Kirsche, zu den Kann-Erwartungen. Was würde denn Lob und Beförderung bei euch als Fachplanerin mitbringen, wenn ihr sagt: Das tue ich?
Da gibt es eine Definition von 1957, aktualisiert 2006. Da darf der Soziologe sagen: fakultative Verhaltensweisen, deren Erfüllung belohnt, deren Nichterfüllung aber nicht bestraft wird. Also: Wenn ihr es nicht tut, werdet ihr nicht bestraft. Wenn ihr es tut, dann maximiert das eure individuelle Gestaltungsfreiheit, verbessert die Rolle, und alle sagen: Wow, was für ein Fachplaner. Cooler Typ oder coole Frau.
Und da haben wir auch so ein paar Sachen definiert. Jetzt kommen wir zu Themen, die das Törtchen tatsächlich wirklich lecker machen. Jetzt liefert da jemand wirklich krasse Sachen, die es sonst so nicht üblicherweise gibt.
Kann 1: Schnittstellen optimieren
Roman: Wir haben angefangen mit dem Basis-Thema Schnittstellen optimieren. Wir haben den Eindruck, dass die ganzen Fachplanerinnen für sich planen und die Systeme dann nicht so richtig zusammenhängen. Da gibt es natürlich Schnittstellen, gerade zwischen Elektro und HLS — da gibt es immer die ganzen Verbraucherlisten und so.
Ich glaube, wenn ihr euch da tummelt und sagt, wir versuchen das Thema Schnittstellen noch zu verbessern — weil es fehlen immer welche, das ist immer irgendwie nicht definiert. Und da ändern sich Schnittstellen, dann kommt die Montageplanung von der Lüftung, und dann wird vergessen, die neuen Leistungsangaben an Elektro weiterzugeben. Wenn man das einmal hinter sich hat, dann merkt man schon: Da gibt es auch noch Änderungen in den Schnittstellenlisten. Ich glaube, wenn man das schafft zu optimieren, dann hat man bei allen Kollegen einen Stein im Brett.
Sören: Vielleicht auch nach außen sogar, dass man sagt: Es gibt auch noch Schnittstellen, die wir mit dem Brandschutzplaner definiert haben, die haben wir früh abgestimmt und jetzt nochmal fortgeschrieben und hier niedergeschrieben. Das wäre schon was.
Roman: Und ich glaube, es reicht ja wahrscheinlich auch mal die eine oder andere E-Mail dazu, wo man sagt: Ich habe mich mit den Schnittstellen beschäftigt und habe nochmal eine Frage an dich, lieber Lüftungsplanerin oder lieber Elektroplaner. Da sagen alle erstmal: Hä, ist doch alles schon fertig. So, nee. Ich habe mitbekommen, du hast deine Montageplanung gerade bekommen, und möglicherweise gibt es da neue Produkte.
Sören: Da sind wir jetzt auch schon auf die Schnauze gefallen, Beispiel. Dass die alten Leistungsangaben eben nicht mehr die richtigen sind.
Roman: Ja, das wäre so eine Kann-Erwartung, wo wir sagen, das wäre schön — und wo auch die Projektleitung vielleicht gar nicht immer so richtig gut reinkann, weil sie eben technisch nicht so drinsteckt, dass sie jede Schnittstelle versteht.
Kann 2 und 3: Innovationen voranbringen und neue Produkte im Blick behalten
Roman: Und wo sie auch nicht so technisch drinsteckt, ist die zweite Kann-Erwartung: technische Innovationen voranbringen. Ich glaube, da tun wir uns richtig schwer — da können wir nochmal eine eigene Folge zu machen. Also als TGA-Planerin eine technische Innovation durchzubringen, von der ersten Idee bis hin zum Bau, an der ausführenden Firma vorbei, die sagt: Ja, ich probiere es aus, ich kenne das Produkt noch nicht, aber das machen wir mal. Bis hin zur Inbetriebnahme.
Sören: Also ich glaube, das ist auch der Grund, warum unsere Branche jetzt nicht so die innovationsgetriebene ist. Wir haben jetzt das Thema Wärmepumpen, und Photovoltaikanlagen hat jetzt 20 Jahre gebraucht. Es reicht ja schon ein neues Produkt von einem neuen Hersteller, was viele Neuerungen verspricht, die vielleicht auch wirklich sinnig und der Sache dienlich sind. Aber den Bauherrn dann zu finden, der auch mitgeht und sagt: Ich habe zwar gar keine Referenzen und ich weiß, ich habe keine Erfahrung mit dem Ding, aber ich baue es trotzdem mal ein. In der heutigen Zeit, in der schwierigen Marktlage, dafür zu kämpfen, weil man davon überzeugt ist und sich so weit reingedreht hat, auch technisch zu verstehen, was da eigentlich gemacht wird.
Roman: Ich habe ein Beispiel, wo ich irgendwie immer noch hinterherhänge. Das ist die Idee, die mal über mehrere Bürogebäude und auch Schulen kam, dezentrale Lüftungsgeräte vorzusehen. Also gar nicht die fette zentrale Lüftungszentrale vorzusehen und dann die ganzen Besprechungsräume mit riesigen Kanälen zu versorgen, sondern zu sagen: Wir haben fassadenintegrierte Lüftungsgeräte, die mit hohem Wärmerückgewinnungsanteil einfach nur thermisch und elektrisch versorgt werden und die dann relativ klein und leise in der Fassade vor sich hin ackern für diesen Raum.
Das wurde dann in diversen Varianten immer wieder mal positiv, mal negativ dargestellt, je nach Gebäude. Es gibt auch ganz viele Hersteller, die das bewerben, aber es kamen dann doch immer wieder irgendwelche Gegenargumente — und am Ende war es dann doch wieder der Preis, wo man über Massen von 400 Geräten gesprochen hat und gesagt hat: Da müsste man jetzt mal ran. Nee, die Zentrale ist doch günstiger. Weiß ich nicht, Digga.
Spätestens bei den Wartungskosten kam dann auch: Ja, da müssen Sie 400 Geräte warten. Und da haben wir auch gesagt: Ja, haben Sie recht, stimmt, das ist natürlich schwierig. Auf der anderen Seite frage ich mich: Wie oft geht man dann so ein kleines Gerät an, und muss man wirklich jährlich den Filter wechseln? Das war so eine Innovation, wo ich irgendwie noch nie durchgekommen bin.
Sören: Ja, das wäre ein toller Aspekt — auf jeden Fall einer, der dann doch manchmal zu kurz kommt, glaube ich. Und wo man einfach auch ein paar Jahre Geduld haben muss, weil das muss sich dann beweisen in der Praxis, und das dauert nach der Inbetriebnahme auch nochmal ein paar Jahre im Zweifelsfall.
Roman: Und dann ist man, ehe man sich versieht, plötzlich Mitte 40 und sagt: Uh, da habe ich ja mal eine Innovation geplant. Funktioniert die eigentlich?
Also Innovation — versus die nächste Kann-Erwartung: die Augen offen halten, sich bei neuen Produkten informieren, zu schauen, was Geld sparen kann, was Betriebskostenreduktionen mit sich bringt, was einfacher zu integrieren ist, was der Kunde braucht und womit er sich tatsächlich dann vielleicht auch anfreunden kann.
Kann 4: Vorlagen entwickeln und in die ganze Organisation bringen
Roman: Teil drei war jetzt der Klassiker: Vorlagen anwenden, Vorlagen erfinden und entwickeln. Ich glaube, wenn man ein bisschen mehr Berufserfahrung hat und sagt, jetzt mache ich als weitere Kann-Leistung mal ein paar Vorlagen für die jungen Kollegen oder auch für die erfahrenen Kollegen — wird man garantiert gelobt, vielleicht auch befördert, je nachdem.
Sören: Das ist ein Baustein auf jeden Fall für so einen Aspekt. Gerade wenn man so etwas dann schafft, auch über die gesamte Organisation in Anwendung zu bringen — nicht nur wieder ein halber Kreis oder ein kleiner Kreis. Das macht ein halber Kreis auch gut, sondern eben halt das, weil das ist ja das, was gerade Effizienz bringen soll: Wir nutzen alle dasselbe, und es sieht überall gleich aus.
Kann 5: Wissensmanagement aktiv betreiben
Roman: Und damit hängt ganz eng zusammen — das sagte auch der Kollege — Vorlagen und Wissensmanagement. Also dass ich wirklich mal den Artikel schreibe ins interne Wikipedia oder TGA-Pedia sozusagen, und einfach mal wirklich den Artikel niederschreibe und sage: Da liegen die Vorlagen, das ist zu beachten bei der Planung.
Ich glaube, das ist eine halbe Stunde oder eine Stunde, die man damit verbringt, und am Ende kann man die vielleicht nicht wirklich auf ein Projekt schreiben. Aber wenn man überlegt, wie viele Stunden das dem Nächsten spart und wie viel Qualität das sichert — dem und der Nächsten — ist das schon krass.
Sören: Wird jetzt auch durch KI verändert.
Roman: Ja, auf jeden Fall. Wissensmanagement ist da ja auch — einfach gemacht, aber eben halt trotzdem auch nicht einfach umgesetzt, habe ich so ein bisschen das Gefühl. So ist es leichter gesagt als dann wirklich gelebt. Und es wäre halt auch schade, wenn es dann doch nicht gelesen wird — wenn der Artikel nie benutzt wird und man hat sich eine Stunde umsonst damit beschäftigt.
Sören: Aber mit was beschäftigt ihr euch eine Stunde umsonst im Zweifelsfall? Also ganz ehrlich. Es ist immer das Thema Hol- und Bringschuld, was dann dahintersteckt. Und das spiegelt ja wiederum, dass ganz viel auch in die Sachen, dass ihr auf Stand bleiben müsst, der anderen Erwartungshaltung irgendwo mit reinspielt. Deswegen ist Wissensmanagement aktiv zu betreiben eben halt die letzte Stufe davon.
Roman: Richtig, genau.
Kann 6: Risikoanalyse im Planungsprozess
Roman: Ja, und dann kommen wir zur Spitze der Spitze. Das hat tatsächlich auch ein Kollege aus der Elektroplanung aufgeschrieben, und der macht auch viel Projektleitung. Der hätte gerne eine Risikoanalyse im Planungsprozess. Also tatsächlich die Frage an die Fachplanerinnen — und gar nicht an die Projektleitung, sondern an die Fachplanung: Welche Risiken seht ihr gerade? Kostenrisiken, Realisierungsrisiken vor eurem Gewerk? Gibt es Störungen, die ihr aus der letzten Planungsbesprechung mitgenommen habt? Achtung, da fängt jemand an, Wände zu verschieben. Oder: Achtung, die DIN-Norm ändert sich bald.
Ich sehe hier, dass ein Raum verändert wurde in einer anderen Planung, und ich bin betroffen — das wäre jetzt noch relativ einfach. Aber so diese Idee: Eine DIN-Norm hat sich geändert. Oder ich habe die technischen Anschlussbedingungen mal im Blick gehabt, und die haben sich geändert. Das sind schon Themen, wo ich als Projektleiter sagen würde: cool. Also wenn da jemand wirklich Risiken sieht und minimieren kann — vielleicht auch Schallschutzrisiken.
Sören: Vor allem geht es ja auch in erster Linie erstmal darum, die zu erkennen, zu benennen und dann auch weiterzugeben. Nur weil man Projektleitung heißt, ist ja gerade, weil man so viele Themen hat, dass man gegebenenfalls nicht wirklich alles zu hundert Prozent auf dem Schirm hat. Und wenn man aber darum weiß, man hat da wirklich ein Team, die von sich aus proaktiv sagen: Roman, hast du das noch im Blick? Das ist doch letztes Mal angesprochen worden. Mir kommt sofort dies oder jenes in den Sinn, und da müssen wir drüber nachdenken.
Roman: Total. Oder: Aus dem letzten Projekt hatte ich das Problem, Schallschutz der Wärmepumpe ist ein Riesenthema gewesen. Es wurde dann tausendmal gerechnet und diverse Schallschutzmaßnahmen erst mit der Ausführungsplanung gebracht. Ich bin jetzt in Leistungsphase 1 in diesem Projekt, ich komme jetzt mit dem Thema Schallschutz: Beauftragen Sie jetzt einen Schallschutzplaner, sonst kann ich später nicht arbeiten. Ist tatsächlich eine Kann-Leistung, finde ich.
Sören: Kann man gerade von einem Anfänger natürlich nicht fordern. Aber wenn die Erfahrenen es tun, dann ist auf jeden Fall diese Muss-Leistung, regelkonform zu arbeiten, gesichert. Auch wenn jetzt zum Beispiel der Schallschutz vielleicht nicht unbedingt sofort bei der TGA landen sollte — aber ja, auch eine Mitverantwortung da ist.
Roman: Ja, klar.
Die Schnittstellen der Fachplanung: Nutzer, FM, Systemplanung, Projektleitung, Bauüberwachung
Roman: Also das sind so ein paar Kann-Leistungen, die wir uns nochmal angeguckt haben, die tatsächlich vom Team her das Team glücklich machen: vielleicht Innovationen, Vorlagen standardisieren, Schnittstellen optimieren.
Und dann haben wir uns nochmal gefragt: Wo sind denn die kritischen Schnittstellen dieser verschiedenen Erwartungen zu den anderen? Und wir haben festgestellt, die Rolle Fachplanung hat verschiedene Schnittstellen. Für mich ist die erste erstmal gewesen: der Nutzer und das Facility Management. Also qualitativ hochwertige TGA mit Nutzern und mit Facility Management zu planen — das wäre der erste Schritt. Als Fachplaner muss ich erstmal wissen, wer sind die Nutzer, wer ist das Facility Management. Ohne das wird meine Planung einfach am Ziel vorbeigehen. Und das wird, glaube ich, nicht oft genug wirklich nach vorne geholt, dass die einzelnen Fachplaner mit Nutzerinnen und mit Facility Management sprechen.
Und dann kommt natürlich die Rolle zur Systemplanung, die, glaube ich, fast schon so ein Tandem ist. Wenn es dann eine gibt, wird ganz viel gemeinsam abgestimmt, gemeinsam gearbeitet, auch wirklich Qualität erzeugt — gemeinsam und produktiv.
Sören: Kann auch schöne Tandems geben. Gibt auch manchmal unproduktive Tandems, habe ich auch schon getroffen. Das hält dann oft nicht lange, aber im Zweifelsfall auch länger, weiß man nicht genau.
Roman: Ja, da sind viele Schnittstellen, und dann nimmt es so ein bisschen ab. Dann kommt die Schnittstelle zur Projektleitung — von der erwarte ich vielleicht eine Planung der Planung, damit sie mir auch wirklich sagt, wann ich jetzt was tun muss und wann ich dann meinen großen Auftritt habe. Bei der Bauüberwachung melde ich mich vielleicht auch einmal im Monat und sage: Soll ich mal auf die Baustelle kommen und mal ein Aufmaß prüfen, damit ich die Qualität ein bisschen sehe und wir mal zusammen draufgucken?
Also man stelle sich vor, als Kann-Erwartung: Die Fachplanung meldet sich selbstständig am Anfang und sagt, ich will mit dem Nutzer sprechen. Sie sagt der Projektleitung, wann bin ich dran, ich will präsentieren. Meldet sich bei der Bauüberwachung: Wann soll ich auf die Baustelle kommen? Ich habe viel zu viel zu tun, ja, ich weiß — aber einmal im Monat komme ich auf die Baustelle. Einmal im Monat, halben Tag, komm, dann gebe ich richtig Gas. Weil ich will das, was ich geplant habe, auch im Betrieb sehen, später.
Sören: Das wollte ich gerade sagen, das wäre ja das Hauptargument einfach auch. Darum machen wir das doch auch.
Warum sich der Weg lohnt
Roman: Also dieser Weg, glaube ich, von — es gibt ein weißes Blatt Papier, ich habe die erste Grundlage, Vorplanung skizziert — bis hin: Das Ding läuft am Ende, und die ganzen Schmerzen sind vergessen, und das Gebäude steht. Und da springen Schülerinnen drin rum oder irgendwie.
Sören: Ein Träumchen, ja.
Roman: Oder glückliche Forschende. Das ist halt schon so, da will man ja hin. Dann hat man das dazwischen auch vergessen, die Jahre der Qual. Dann wird man noch geblitzt, und dann ist gut. Nächstes Projekt, yeah. Fachplanung.
Sören: Genauso, genauso.
Roman: Genau. So, nicht anders. Also es ist ein nicht unsteiniger Weg, ich glaube, das wissen alle, die Fachplanung gemacht haben. Allen, die sie noch nicht oder noch vor sich haben, können wir sagen: Es lohnt sich aber, weil aus diesem kreativen Prozess, etwas aufs Papier zu bringen, am Ende ein Gebäude entsteht oder auch vielleicht eine ganze Infrastruktur.
Und ich glaube, wenn man sich mit den Normen und Richtlinien beschäftigt und da durch diesen harten Weg am Anfang nochmal gehen muss, kommt man hinterher mit ein, zwei Jahren Berufserfahrung dann plötzlich in diesen Pfad, wo man sagt: Jetzt kann ich mal richtig glänzen und habe vielleicht auch eine Innovation, die ich mal reinbringe, oder habe mal Schnittstellen optimiert — und glückliche Kollegen, und es wird alles einfacher.
Sören: Ja, das wird es, glaube ich, mit jedem Jahr.
Roman: Das wird es mit jedem Jahr. Sören, wir haben uns Essen an der Bar bestellt. Wir freuen uns, wenn ihr in die Fachplanung einsteigt oder da weitermacht. Und ja — aus der Sicht der Projektleitung und auch aus der Fachplanung: vielen Dank fürs Zuhören. Bis dann, ciao.
Sören: Guten Abend, ciao, ciao.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Was ist eine Kann-Erwartung an die TGA-Fachplanung?
Eine fakultative Verhaltensweise, deren Erfüllung belohnt, deren Nichterfüllung aber nicht bestraft wird — nach einer Definition des Soziologen Ralf Dahrendorf von 1957, aktualisiert 2006. Wer sie erfüllt, maximiert seine individuelle Gestaltungsfreiheit und verbessert die eigene Rolle; wer sie nicht erfüllt, hat keine Sanktion zu erwarten. Damit ist sie die dritte Stufe über den Muss-Erwartungen (Haftung) und den Soll-Erwartungen (negative soziale Sanktionen).
Was kann eine TGA-Fachplanung leisten, über Pflicht und Erwartung hinaus?
Sechs Dinge: Schnittstellen zwischen den Gewerken aktiv optimieren und die Schnittstellenlisten fortschreiben, statt sie einmalig abzuhaken; technische Innovationen von der ersten Idee bis in den Betrieb durchbringen; neue Produkte im Blick behalten und auf Einsparung, Betriebskosten und Integrierbarkeit prüfen; Vorlagen nicht nur anwenden, sondern entwickeln und in der gesamten Organisation in Anwendung bringen; Wissensmanagement aktiv betreiben, also das eigene Wissen für die Nachfolgenden aufschreiben; und eine eigene Risikoanalyse im Planungsprozess führen.
Warum verändern sich Schnittstellen zwischen Elektro und HLS auch nach der Planung noch?
Weil die Montageplanung der ausführenden Firma neue Produkte einbringt, deren Leistungsangaben von den ursprünglich abgestimmten abweichen. Kommt zum Beispiel die Montageplanung der Lüftung mit einem anderen Gerät, stimmen die an die Elektroplanung übergebenen Anschlusswerte nicht mehr. Die Schnittstellenliste ist deshalb kein einmaliges Dokument, sondern muss fortgeschrieben werden — auch gegenüber Dritten wie dem Brandschutzplaner.
Was gehört in eine Risikoanalyse der Fachplanung?
Kostenrisiken und Realisierungsrisiken des eigenen Gewerks, Störungen aus der letzten Planungsbesprechung, angekündigte Änderungen an DIN-Normen oder technischen Anschlussbedingungen, Raumänderungen in fremden Planungen, die das eigene Gewerk betreffen, sowie Schallschutzrisiken. Entscheidend ist, sie zu erkennen, zu benennen und weiterzugeben — die Projektleitung hat zu viele Themen, um alles zu hundert Prozent auf dem Schirm zu haben.
Wie oft sollte eine Fachplanung auf die Baustelle?
Nach Roman Fritsches genügt ein halber Tag im Monat. Die Fachplanung meldet sich dafür selbst bei der Bauüberwachung, prüft ein Aufmaß und schaut gemeinsam auf die Qualität. Der Grund ist nicht die Pflicht, sondern das eigene Interesse: zu sehen, ob das Geplante im Betrieb funktioniert.
Welche Schnittstellen hat die Rolle der Fachplanung?
Zuerst Nutzer und Facility Management — ohne zu wissen, wer sie sind, geht die Planung am Ziel vorbei. Dann die Systemplanung, die fast ein Tandem mit der Fachplanung bildet und mit der gemeinsam abgestimmt und Qualität erzeugt wird. Danach die Projektleitung, von der die Fachplanung eine Planung der Planung erwarten darf, und die Bauüberwachung für den regelmäßigen Blick auf die Ausführung.
Zitate
„Fakultative Verhaltensweisen, deren Erfüllung belohnt, deren Nichterfüllung aber nicht bestraft wird."
— Roman Fritsches
„Wenn man das schafft zu optimieren, dann hat man bei allen Kollegen einen Stein im Brett."
— Roman Fritsches
„Ich glaube, das ist auch der Grund, warum unsere Branche jetzt nicht so die innovationsgetriebene ist."
— Sören Janson
„Dann ist man, ehe man sich versieht, plötzlich Mitte 40 und sagt: Uh, da habe ich ja mal eine Innovation geplant. Funktioniert die eigentlich?"
— Roman Fritsches
„Aber mit was beschäftigt ihr euch eine Stunde umsonst im Zweifelsfall? Also ganz ehrlich."
— Sören Janson
„Als Fachplaner muss ich erstmal wissen, wer sind die Nutzer, wer ist das Facility Management. Ohne das wird meine Planung einfach am Ziel vorbeigehen."
— Roman Fritsches
„Weil ich will das, was ich geplant habe, auch im Betrieb sehen, später."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Die Kann-Erwartung geht auf eine Definition des Soziologen Ralf Dahrendorf von 1957 zurück, aktualisiert 2006: fakultative Verhaltensweisen, deren Erfüllung belohnt, deren Nichterfüllung aber nicht bestraft wird.
Quelle: Roman FritschesPhotovoltaikanlagen haben rund 20 Jahre gebraucht, bis sie in der Breite angekommen waren — ein Beleg dafür, wie langsam technische Innovationen in der TGA-Branche durchdringen.
Quelle: Sören JansonDas Konzept dezentraler, fassadenintegrierter Lüftungsgeräte scheiterte in mehreren Projekten an rund 400 Geräten je Gebäude: Preis und Wartungsaufwand sprachen am Ende für die zentrale Lösung.
Quelle: Roman FritschesEin Wissensartikel im internen Wiki kostet eine halbe bis eine Stunde, die sich meist auf kein Projekt buchen lässt — spart aber allen folgenden Bearbeitenden ein Vielfaches davon und sichert Qualität.
Quelle: Roman FritschesEin halber Tag Baustelle im Monat genügt der Fachplanung, um Aufmaß und Ausführungsqualität im Blick zu behalten.
Quelle: Roman FritschesGlossar
- Aufmaß
- Erfassung der tatsächlich erbrachten Bauleistung als Grundlage der Abrechnung. Gemeinsam mit der Bauüberwachung geprüft, gibt es der Fachplanung zugleich einen Eindruck von der Ausführungsqualität.
- Fassadenintegrierte Lüftungsgeräte
- Dezentrale Lüftungsgeräte, die raumweise in die Fassade eingebaut werden und nur thermisch und elektrisch versorgt werden müssen, statt über eine zentrale Lüftungszentrale und große Kanäle. In der Folge als Innovationsbeispiel genannt, das an Stückzahl, Preis und Wartungsaufwand scheiterte.
- Hol- und Bringschuld
- Frage danach, wer für den Wissensfluss verantwortlich ist: die Person, die das Wissen sucht (Holschuld), oder die Person, die es besitzt (Bringschuld). Sören Janson ordnet aktives Wissensmanagement als letzte Stufe der Bringschuld ein.
- Kann-Erwartung
- Rollenerwartung nach Ralf Dahrendorf: eine fakultative Verhaltensweise, deren Erfüllung belohnt, deren Nichterfüllung aber nicht bestraft wird. Sie maximiert die individuelle Gestaltungsfreiheit und verbessert die Rolle — in der Fachplanung typischerweise über Lob und Beförderung.
- Planung der Planung
- Leistung der Projektleitung, die festlegt, wann welche Fachplanung was zu liefern hat. In der Folge als das benannt, was die Fachplanung ihrerseits von der Projektleitung erwarten darf.
- Risikoanalyse im Planungsprozess
- Von der Fachplanung selbst geführte Übersicht über Kosten-, Realisierungs- und Terminrisiken des eigenen Gewerks, einschließlich angekündigter Norm- und Regeländerungen. In der Folge als anspruchsvollste Kann-Erwartung bezeichnet, angeregt von einem Kollegen aus der Elektroplanung.
- Schnittstellenliste
- Verzeichnis der technischen Übergabepunkte zwischen den Gewerken, etwa zwischen Elektro und HLS. In der Folge als fortzuschreibendes Dokument beschrieben: Ändert sich durch die Montageplanung ein Produkt, ändern sich auch die Leistungsangaben an der Schnittstelle.
- Systemplanung
- Zeichnerische und konstruktive Umsetzung der Fachplanung. In der Folge als Tandem-Partner der Fachplanung beschrieben — die engste der Rollenschnittstellen.
- Technische Anschlussbedingungen
- Vorgaben des Netzbetreibers für den Anschluss an sein Netz. Ihre Änderung ist ein Beispiel für ein Risiko, das die Fachplanung früh erkennen und weitergeben kann.
- Verbraucherliste
- Zusammenstellung der elektrischen Verbraucher eines Projekts mit ihren Anschlusswerten — der klassische Übergabepunkt von der HLS- an die Elektroplanung.
- Wärmerückgewinnung
- Rückgewinnung der Wärme aus der Abluft zur Vorwärmung der Zuluft; bei dezentralen Lüftungsgeräten das zentrale Effizienzargument.
- Wissensmanagement
- Das aktive Aufschreiben und Verfügbarmachen des eigenen Planungswissens, etwa in einem internen Wiki. In der Folge als Kann-Erwartung beschrieben, deren Aufwand sich nicht auf ein Projekt buchen lässt, deren Nutzen aber allen folgenden Bearbeitenden zugutekommt.