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Projektsteuerung und TGA-Planung
Reihe 1 · 12 Folgen · Zuletzt aktualisiert:
Projektsteuerung berät den Bauherrn und steuert das Gesamtprojekt mit allen Planungsbeteiligten, die TGA-Planung eingeschlossen. Sie ist heute kein HOAI-Leistungsbild mehr; Leistungsbild und Honorierung stehen im AHO-Heft Nr. 9. Das Heft gliedert den Ablauf in Projektstufen mit je fünf Handlungsbereichen: Organisation, Qualitäten und Quantitäten, Kosten und Finanzierung, Termine sowie Verträge und Versicherungen. Für die TGA zählen vor allem Projektziele, Kostenrahmen, die Planung der Planung und das Steuern der Integration durch den Objektplaner.
Was ist Projektsteuerung in der TGA?
Projektsteuerung ist eine Leistung im Auftrag des Bauherrn. Sie unterstützt ihn beim Projektmanagement des Gesamtprojekts: Ziele, Organisation, Qualitäten, Kosten, Termine und Verträge über alle Planungsbeteiligten hinweg. Sie bewertet deshalb nicht gesondert „die TGA“, sondern die Gesamtleistung von Objekt- und Fachplanung. Sie ist nicht in jedem Projekt beauftragt, bei großen und komplexen Bauvorhaben aber fast immer.
Viele TGA-Planende kennen sie als Stelle, die mit Checklisten Pläne prüft. Das Leistungsbild der Projektsteuerung schafft aber vor allem die Informationen, die eine Fachplanung zum Arbeiten braucht.
Steht die Projektsteuerung in der HOAI?
Nein. Heute ist die Projektsteuerung kein HOAI-Leistungsbild mehr. Frühere Fassungen der HOAI haben sie nur knapp beschrieben. Leistungsbild und Honorierung stehen heute im AHO-Heft Nr. 9, dem „grünen Heft“ des AHO (Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung). Nicht zu verwechseln mit dem AHO-Heft Nr. 6, das die besonderen Leistungen der Technischen Ausrüstung behandelt.
Das Heft nennt zwei Wege der Honorierung: pauschal nach Honorartafel oder nach Tagessätzen. Der Bauherr muss nicht alle Leistungen beauftragen; aus Sicht der Fachplanung lohnt vor allem die Projektstufe 1, die Projektvorbereitung.
Was regelt das AHO-Heft 9?
Das Heft beschreibt zwei Leistungsbilder: Projektsteuerung und Projektleitung. Statt Leistungsphasen wie die HOAI kennt es Projektstufen, die sich auf die Leistungsphasen übertragen lassen. Für die Planung sind die ersten beiden entscheidend:
| Projektstufe | entspricht etwa | Beispiele aus dem Leistungsbild |
|---|---|---|
| 1 Projektvorbereitung | Bedarfsplanung (Leistungsphase 0) und Leistungsphase 1 | Projektziele, Bericht zur Bedarfsplanung, Kostenrahmen, Schnittstellen und Prozesse der Planung, Entscheidungs- und Änderungsmanagement |
| 2 Planungsphase | Leistungsphasen 2 bis 4 | Koordinations- und Integrationsleistung des Objektplaners steuern, Kostenschätzung und Anpassungsmaßnahmen |
In jeder Projektstufe sind die Leistungen in dieselben fünf Handlungsbereiche gegliedert:
- Organisation, Information, Koordination und Dokumentation: Projektziele, Projektstruktur, Entscheidungs- und Änderungsmanagement
- Qualitäten und Quantitäten: Koordination und Integration der Planung, Bemusterung
- Kosten und Finanzierung: Kostenrahmen, Kostenschätzung, Kostenverfolgung
- Termine: Terminrahmen und Steuerungsterminpläne
- Verträge und Versicherungen: Vertragsstrukturen, Vertragspflichten, Versicherungskonzept, Nachträge
Das Leistungsbild ist ein Rahmen. Wo ein Projekt seine Schwächen hat, muss die Projektsteuerung selbst herausfinden. Gebraucht werden dafür drei Kompetenzen: fachliche Kompetenz in Projekt- und Fachplanung, Methodenkompetenz für Risikopläne, Entscheidungssysteme und Änderungsmanagement sowie soziale Kompetenz bis zur Konfliktmoderation.
Projektsteuerung oder Projektleitung: wo liegt der Unterschied?
Drei Rollen werden oft verwechselt, zwei davon heißen Projektleitung:
| Rolle | Seite | Aufgabe | Grundlage |
|---|---|---|---|
| Projektsteuerung | Bauherr, beratend | organisiert und steuert das Gesamtprojekt über alle Beteiligten | AHO-Heft Nr. 9 |
| Projektleitung nach AHO | Bauherr | umfangreicher, mit mehr Verantwortung und näher an der Rolle des Bauherrn | AHO-Heft Nr. 9 |
| Projektleitung TGA | Planungsbüro | führt nach innen das eigene Fachplanungsprojekt: Ingenieurvertrag, Honorar, Termine und Baukosten der TGA | Eigenverantwortung des Büros |
Wichtig im Alltag: Eine Änderung nach § 650b BGB kann nur der Auftraggeber begehren, kein anderer Planer und keine Projektsteuerung.
Was braucht die TGA-Planung von der Projektsteuerung?
Fast alles, was die Fachplanung zum Start braucht, liegt in der Projektstufe 1:
- Projektziele: abgestimmt, mit früh erkannten Zielkonflikten. Die Planung muss wissen, ob Flexibilität, Kosten oder Termine Vorrang haben.
- Geprüfte Bedarfsplanung: ein Ergebnisbericht zu Vollständigkeit und Plausibilität. Die Bedarfsplanung nach DIN 18205 ist Vorleistung des Bauherrn; ohne sie kann die TGA die Aufgabenstellung in Leistungsphase 1 nicht klären.
- Kostenrahmen: nach Kennwerten aus Flächen und vergleichbaren Bauvorhaben, etwa BKI mit Regionalfaktor. Ihn schuldet nicht die Fachplanung, er ist Aufgabe von Projektsteuerung und Bauherr.
- Planung der Planung: Schnittstellen und Prozesse der Planung, also welches Leistungsbild mit wem zusammenarbeitet, dazu Prüfschemata und Planumläufe.
- Projektstrukturplan: ein umgekehrter Baum aus Zielen, Projektschritten, Bauabschnitten und Zuständigkeiten.
- Risikoliste und Entscheidungswege: wer nach welchen Kriterien über Varianten entscheidet und wie lange das dauert.
In Projektstufe 2 kommt die Leistung hinzu, auf die sich TGA-Planende berufen können: Die Projektsteuerung soll die Koordinations- und Integrationsleistung des Objektplaners analysieren, bewerten und steuern, eine Schnittstellenliste vorbereiten und Anpassungsmaßnahmen vorschlagen. Sie prüft also nicht nur TGA-Pläne, sondern sorgt dafür, dass die Architektur die TGA tatsächlich ins Gebäude integriert. Auch die Steuerung der Bemusterung steht in ihrem Leistungsbild. Im Leistungsbild der TGA ist das Bemustern nicht ausdrücklich beschrieben.
Was erwartet die Projektsteuerung von der TGA-Planung?
- Mitwirken an der Integration: Die Integration leistet der Objektplaner, die TGA muss dabei mitwirken. Die Koordination der TGA-Anlagengruppen untereinander ist dagegen keine Grundleistung der Fachplanung TGA, sondern eine besondere Leistung.
- Kosten im Rahmen: Passt die Kostenschätzung nicht zum Kostenrahmen, veranlasst die Projektsteuerung Anpassungen und verfolgt die Kosten weiter.
- Termine, die zusammenpassen: Die Planungsterminpläne müssen sich in den gröberen Steuerungsterminplan einfügen, einschließlich der Dauer von Entscheidungen.
- Vertragstreue: Die Projektsteuerung wirkt an der Durchsetzung von Vertragspflichten mit. Ein Schreiben, welche Leistungen bis zum Ende einer Projektstufe noch geschuldet sind, ist ihre Pflicht und kein Angriff.
- Offene Risikomeldungen: Regelmäßige Einträge in eine gemeinsame Risikoliste machen Probleme früh sichtbar.
Woran scheitert die Zusammenarbeit?
Der 7. Deutsche Baugerichtstag 2018 nannte als Ursachen für das Scheitern großer Bauprojekte unter anderem unzureichende Bedarfsermittlung, unzureichendes Risikomanagement und fehlende Regeln zur Entscheidungsfindung: genau die Themen der Projektvorbereitung. In der Praxis kommen hinzu:
- Terminpläne, die sich beißen: Plant die Projektsteuerung für den Entwurf zwei Monate, halten Objekt- und Fachplanung oft dreieinhalb bis vier Monate für nötig.
- Kopierte Grundlagen: Das Projekthandbuch stammt aus dem letzten Projekt.
- Fehlende Erfahrung: Fehlt der Projektsteuerung eigene Planungs- und Bauerfahrung, fällt es ihr schwer, anderen zu sagen, wie sie arbeiten sollen.
- Druck statt Vorbereitung: Leistungsbilder kürzen und hart prüfen bringt weniger als ein gut vorbereitetes Projekt.
Fragen Sie deshalb zum Projektstart, nach welchem Leistungsbild die Projektsteuerung beauftragt ist, und bitten Sie um den Bericht zur Bedarfsplanung, die Projektziele, die Risikoliste und die Regeln für Entscheidungen und Änderungen.
Projektsteuerung in der Weiterbildung
Was die TGA-Planung von Bauherr und Projektsteuerung einfordern kann, ist Thema der Ausbildung für Projektleitungen in der TGA-Planung.
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Häufige Fragen zum Thema
Was ist Projektsteuerung in der TGA?
Projektsteuerung ist eine beratende Leistung für den Bauherrn, die das Gesamtprojekt über alle Planungsbeteiligten organisiert und steuert, die TGA-Planung eingeschlossen. Sie umfasst Projektziele, Organisation, Qualitäten, Kosten, Termine und Verträge. Für die TGA ist sie vor allem dort wichtig, wo sie Kostenrahmen, Schnittstellen und Entscheidungswege vorgibt und die Integration der TGA durch den Objektplaner steuert.
Ist die Projektsteuerung in der HOAI geregelt?
Nein. Die Projektsteuerung ist heute kein HOAI-Leistungsbild mehr. Leistungsbild und Honorierung stehen im AHO-Heft Nr. 9. Das Heft nennt eine pauschale Honorierung nach Honorartafel oder eine Abrechnung nach Tagessätzen.
Was regelt das AHO-Heft 9?
Das AHO-Heft Nr. 9 beschreibt die Leistungsbilder Projektsteuerung und Projektleitung. Es gliedert den Ablauf in Projektstufen, etwa Projektvorbereitung (Bedarfsplanung und Leistungsphase 1) und Planungsphase (Leistungsphasen 2 bis 4). In jeder Stufe gibt es dieselben fünf Handlungsbereiche: Organisation, Information, Koordination und Dokumentation; Qualitäten und Quantitäten; Kosten und Finanzierung; Termine; Verträge und Versicherungen.
Was ist der Unterschied zwischen Projektsteuerung und Projektleitung?
Projektsteuerung und Projektleitung nach AHO-Heft 9 arbeiten beide für den Bauherrn; die Projektleitung ist umfangreicher, trägt mehr Verantwortung und steht der Rolle des Bauherrn näher. Davon zu unterscheiden ist die Projektleitung TGA im Planungsbüro: Sie führt das eigene Fachplanungsprojekt mit Ingenieurvertrag, Honorar, Terminen und Baukosten der TGA.
Wer beauftragt die Projektsteuerung?
Die Projektsteuerung beauftragt der Bauherr. Sie ist nicht in jedem Projekt vorhanden, bei großen und komplexen Bauvorhaben aber fast immer. Der Bauherr muss nicht alle Leistungen beauftragen. Er kann die Aufgaben auch im eigenen Haus erledigen und sich dabei am Leistungsbild orientieren.
Was braucht die TGA-Fachplanung von der Projektsteuerung?
Die TGA-Fachplanung braucht vor allem die Ergebnisse der Projektvorbereitung: abgestimmte Projektziele, einen Bericht zur geprüften Bedarfsplanung, einen Kostenrahmen, die Planung der Planung mit Schnittstellen und Prozessen, eine Risikoliste und klare Regeln für Entscheidungen und Änderungen. In der Planungsphase kommt hinzu, dass die Projektsteuerung die Koordinations- und Integrationsleistung des Objektplaners steuert.
Wer erstellt den Kostenrahmen, die TGA-Planung oder die Projektsteuerung?
Den Kostenrahmen schuldet nicht die TGA-Fachplanung. Er ist Aufgabe von Bauherr und Projektsteuerung, die nach AHO-Heft 9 beim Kostenrahmen mitwirkt. Ermittelt wird er nach Kennwerten aus Flächen und vergleichbaren Bauvorhaben, etwa mit BKI-Kennwerten und Regionalfaktor.
Was erwartet die Projektsteuerung von der TGA-Planung?
Die Projektsteuerung erwartet, dass die TGA an der Integration durch den Objektplaner mitwirkt, dass die Kostenschätzung zum Kostenrahmen passt und dass sich die Terminpläne der Planung in den Steuerungsterminplan einfügen. Dazu gehören das Einhalten der vertraglich geschuldeten Leistungen je Projektstufe und offene Meldungen in der Risikoliste. Nachträge der Planung prüft die Projektsteuerung.
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