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TGA-PlanungNachtragsmanagement in der TGA-PlanungFolge #326

tgabar · Bargespräche

Schmerzen durch Nachträge

Folge 32627.06.202515:28 minRoman Fritsches, Sören Janson
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Auf den Punkt

Nachtragsmanagement frustriert TGA-Planende, weil sie in Leistungsphase 8 nur rund 0,1 Leistungspunkte für die Prüfung dutzender Nachträge erhalten. Ursache ist ein Zielkonflikt: Ausführende Firmen kalkulieren ohne Deckungsbeitrag und holen sich die Marge über Nachträge zurück, während Planende jeden Nachtrag formal prüfen müssen, ohne ihn verursacht zu haben.

Transkript

Warum ist Nachtragsmanagement gerade so frustrierend?

Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar — heute geht es um Nachtragsmanagement. Das Wetter ist wechselhaft, meine Stimmung auch. Ein altes Thema: Vor zweieinhalb Jahren habe ich erzählt, wie man Nachträge kategorisiert, damit man nicht immer auf den Deckel bekommt. Und jetzt bin ich gerade so genervt. Ich habe zwei laufende Großprojekte, und dieses Nachtragsmanagement geht mir wahnsinnig auf die Nerven.

Bei jedem Projekt hast du zwischen 10 und 21 Firmen, nur in der TGA. Kein Scherz — bei dem einen sind es 10, beim anderen 21 Unternehmer und Unternehmerinnen, die mit ihren Nachträgen so anstrengende Problemchen wälzen, dass es mich ziemlich frustriert und wahnsinnig viel Zeit kostet. Vor allem, wenn man weiß, dass man dafür 0,1 Leistungspunkte bekommt in der Leistungsphase 8.

Wer trägt die Verantwortung für die Nachträge?

Sören: Das Aufzeigen von Nachträgen heißt ja eventuell, dass irgendetwas von dir nicht zu Ende gedacht wurde.

Roman: Wie zum Beispiel, dass Vorleistungen fehlen, die Firma deswegen drei Jahre später anfangen kann und Bauzeitverlängerungsnachträge stellt, die ich dann prüfen soll? Es ist nicht mein Problem, dass die Baustelle zu spät anfängt — verursacht habe ich es garantiert nicht. Aber jeder Nachtrag landet auf meinem Tisch. Ich versuche dann, sie abzuwehren und zu sagen: Das ist nicht mein Thema, ich kann das nicht technisch prüfen. Ich gebe es an die Projektsteuerung, und die sagt: „Herr Fritsches, da hätte ich gerne von Ihnen ein Prüfergebnis und eine Empfehlung, Sie sind ja der Experte, das ist ja Ihre Firma.“ Nein, das ist nicht meine Firma — der Bauherr hat die Firma beauftragt. Das hängt tatsächlich alles zusammen.

Und dann kommen verschiedene Strategien der ausführenden Firmen dazu. Natürlich versuchen sie, Geld zu verdienen. Eine Firma hat den achten Nachtrag gestellt, weil sie mit den LV-Positionen nicht viel anfangen konnte. Da waren zum Beispiel Formteile für Dachdurchführungen in Quadratmetern ausgeschrieben — das war für die nicht kalkulierbar. Also mussten sie jedes Formteil neu anbieten. Die Formteile sind zum Teil 10 Euro günstiger, aber ich habe trotzdem eine neue Position: Ich muss die alte rausnehmen, die neue reinpacken, LVs zusammenschieben, alles mit dem Plan anpassen.

Welche typischen Nachtrags-Konflikte entstehen in der Praxis?

Sören: Das wirft die Frage auf, was im Vorwege hätte geklärt werden können. Es gibt ja im Vergabeverfahren auch technische Aufklärungsgespräche.

Roman: Das sind Nickeligkeiten. Dann ist die Nummerierung der Nachtragsposition ein Problem: Meine Kollegen haben die Nachträge nicht so nummeriert wie die Firma. Dazu gab es zwei Schreiben, jeweils zwei Seiten lang, warum die Nummerierung gleich sein muss. Das sind unsere Problemchen.

Während du auf der anderen Seite die ganze Zeit fehlende Vorleistungen hast — bei uns warten wir auf alles Mögliche: Estrichleger, Trockenbau, Rohbau bei Sanierung, fehlende Stahlträger, Durchbrüche, die noch gemacht werden müssen. Und dann kommen die ganze Zeit Nachträge rein, auch für Beschleunigung und Verzögerung.

Ich nehme mir jetzt vor, ein Paket draus zu machen: Das Thema Rechnungsprüfung ist mit 6,5 Leistungspunkten definiert, die Nachtragsprüfung mit 0,1 Leistungspunkten. Dann mache ich ein Paket draus — 6,6.

Sören: Aber man grenzt es nochmal ab — die Anzahl an Prüfungen, die da inkludiert sind.

Roman: Genau, die Anzahl an Nachträgen. Liebe ausführende Firma, ich kann nur fünf Nachträge bei Ihnen prüfen, mehr kriege ich nicht bezahlt — also stellen Sie fünf.

Welche Gewerke schreiben viele Nachträge, welche wenige?

Roman: Aus meiner Berufserfahrung der letzten 15 Jahre habe ich den Eindruck, dass Sanitärfirmen häufig weniger Nachträge schreiben — da bin ich teilweise mit einem bis zwei Nachträgen durch. Am allerbesten sind Blitzschutzfirmen: Da hatte ich diverse Bauvorhaben ohne einen einzigen Nachtrag. Die fahren, zumindest in Hamburg, mit Autos durch die Gegend und bedienen einfach die Bauvorhaben. Also Blitzschutz Platz eins, Nachtragsfreiheit.

Auch Spezialthemen wie Fachräume oder Labortechnik sind relativ entspannt — wahrscheinlich, weil der Anbieterkreis eingeschränkter ist. Und dann kommen die richtig anstrengenden Kandidaten: Heizungstechnik, Lüftungstechnik, Starkstromanlagen und Elektrotechnik. Da wird immer ganz viel nachgetragen, auf unterschiedlichsten Ebenen. Das hängt auch von der Firma ab — ist sie ein Nachtragsjäger?

Was steckt hinter dem Begriff „Flachplaner“?

Roman: Es gibt tatsächlich Schulungen dazu, vob.de für die Handwerker. Der erste Satz ist dann: „Wir sind ja keine Nachtragsjäger, aber wir müssen ja auch Geld verdienen.“ In diesen Schulungen werden wir „Flachplaner“ genannt. Das ist TikTok-Niveau hoch zehn, es gibt sogar einen Podcast dazu. Wir hatten mal überlegt, den Herrn einzuladen, der den Flachplaner propagiert — ich wollte mich aber nicht auf das Niveau runterziehen lassen. Deswegen haben wir die Bargespräche: um auf hohem Niveau über Flachplaner zu sprechen.

Im Handwerk gibt es da harten Gegenwind — wahrscheinlich aus gewissen Pleiten der letzten zehn Jahre, aus heftigen Konkurrenzkämpfen und viel Preisdruck in der VOB-Ausschreibungswelt.

Sören: Wir sind ja Freunde der Kollaboration. Vielleicht können wir den einen oder anderen Zuhörer aus dem Segment für ein Interview gewinnen, um ein besseres Verständnis zu bekommen.

Was bedeutet Nachtragsprüfung konkret für den Planer?

Roman: Bearbeiten heißt: Kalkulationsnachweise prüfen, Zeitansätze pro Position prüfen, Materialpreise prüfen, Massen prüfen — ist das alles angemessen? Am liebsten mit einem eigenen Nachtrags-LV. Ich propagiere in unseren Schulungen, daraus auch für uns selbst einen Mehraufwand beziehungsweise eine neue Kostenberechnung herauszuholen. Aber in vielen Fällen ist das nicht möglich, etwa bei einer Bauzeitverlängerung oder beim Umbenennen von Positionen.

Bei einem Thema wie Baubeheizung kann man auf jeden Fall ein Honorar herausholen: Wird eine Baubeheizung von der TGA notwendig, kostet das 100.000 Euro, schiebe ich auf die anrechenbaren Kosten, muss dann aber auch dafür planen und ausschreiben. Aber eine Bauzeitverlängerung oder Nickeligkeiten wie ein Umschluss am Samstag finde ich schwierig: Das war nicht im LV, kostet 600 Euro mehr, ist wieder eine kleine Verhandlung mit tausend Formalitäten und einer Erläuterung — das kostet mich mindestens eine halbe Stunde. Und ob ich als Planer beim Umschluss daneben stehen soll, das ist Schwachsinn.

Warum gibt es den Zielkonflikt zwischen Planern und ausführenden Firmen?

Roman: Der Wettbewerbsdruck war immer schon groß: In einer Ausschreibung bewerben sich viele Firmen, legen sich preislich vorsichtig rein. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man häufig ohne Deckungsbeitrag in Projekte hineingeht, also mit null Prozent kalkuliert — Montagezeit und Lohnkosten plus Materialkosten am Einkauf gleich Verkaufspreis bei Großprojekten. Das Ziel ist dann, über Nachträge 20 Prozent Deckung herauszuholen. Davon leben die großen Firmen.

Ich sehe konkurrierende Ziele: Wir als Planende haben keinen Bock auf die Nachträge, und die ausführenden Firmen brauchen sie unbedingt, um aus null Prozent zwanzig Prozent zu machen. Wir leiden unter den Formalitäten und den ständigen Begründungen, dass wir angeblich Fehler in den LVs gemacht hätten — was in vielen Fällen gar nicht stimmt. Es geht oft nur darum, irgendetwas herauszusuchen: vorgezogene Inbetriebnahmen, Bauzeitverlängerung, Beschleunigungsnachträge.

Und dann komme ich noch in das Thema Rechtsberatung hinein: Wenn ich empfehle, eine Beschleunigung zu beauftragen, und der Bauherr fragt mich drei Jahre später zur Schlussrechnung, ob die Beschleunigung erfolgreich war, kann ich das gar nicht nachweisen. Dann müsste ich im Paralleluniversum nachsehen, ob es ohne schneller gegangen wäre. Wenn ich es nicht nachweisen kann, kann ich auch keine Empfehlung dafür abgeben.

Welche Lösungsansätze gibt es?

Sören: Worüber diskutiert man am Ende eigentlich? Wenn das LV gut ist, die Firma damit zu einem guten Preis kalkuliert und alles funktioniert — man fängt ja erst an zu suchen, wenn etwas nicht funktioniert.

Roman: Ich bin mir sicher, unter vob.de finde ich eine Schulung, wie ich das LV des Flachplaners von Anfang an auf Fehler analysiere und dort reinpieke, wo ich Geld verdienen kann — oder gar nicht erst auf Fehler suche, sondern mir den aktuellen Bautenstand ansehe und überlege, wie ich daraus Geld mache. Das wird nicht zugegeben, ist aber garantiert ein großes Ziel, vor allem bei den großen Unternehmen. Und uns kostet das tierisch Nerven, Geld, Zeit und Lebensqualität.

Lösungsansätze: Vielleicht müssen wir mit dem BTGA darüber reden. Und man muss über das ganze Vergabekonzept nachdenken — wieder in Richtung IPA, also Integrierte Projektabwicklung, die genau das verhindern soll.

Sören: Diese Ansätze nehmen eben nicht zwangsläufig den günstigsten Bieter, sondern ermitteln, wer das wirtschaftlichste Angebot hat — nicht den Null-Prozent-Kalkulierenden.

Roman: Das ist schwer zu machen, am Vergaberecht der öffentlichen Hand kommt man kaum vorbei. Aber auch dieses Projekt wird vorbeigehen.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Wie viele Leistungspunkte erhalten TGA-Planende für die Nachtragsprüfung in Leistungsphase 8?

Nur etwa 0,1 Leistungspunkte — und das, obwohl pro Projekt dutzende Nachträge von zwischen 10 und 21 TGA-Firmen geprüft werden müssen. Zum Vergleich nennt Roman die Rechnungsprüfung mit 6,5 Leistungspunkten. Die Vergütung steht damit in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Aufwand.

Was umfasst die Prüfung eines Nachtrags konkret?

Der Planer muss die Kalkulationsnachweise prüfen, die Zeitansätze pro Position, die Materialpreise und die Massen — und beurteilen, ob alles angemessen ist, am besten mit einem eigenen Nachtrags-LV. Bei Positionsänderungen muss zusätzlich die alte Position herausgenommen, die neue eingefügt, das LV zusammengeschoben und alles mit dem Plan abgeglichen werden.

Warum brauchen ausführende Firmen oft Nachträge?

Wegen des hohen Wettbewerbsdrucks gehen viele Firmen ohne Deckungsbeitrag, also mit null Prozent, in Großprojekte: Montagezeit, Lohn- und Materialkosten am Einkauf ergeben den Verkaufspreis. Über Nachträge wird dann das Ziel verfolgt, etwa 20 Prozent Deckung herauszuholen. Davon leben besonders die großen Firmen.

Welche Gewerke schreiben tendenziell viele und welche wenige Nachträge?

Nach Romans Erfahrung der letzten 15 Jahre schreiben Sanitärfirmen häufig wenige Nachträge, Blitzschutzfirmen oft gar keine, und Spezialgewerke wie Fachräume oder Labortechnik sind relativ entspannt. Besonders viele Nachträge entstehen bei Heizungstechnik, Lüftungstechnik, Starkstromanlagen und Elektrotechnik. Es hängt aber auch von der einzelnen Firma ab.

Wann kann ein Planer aus einem Nachtrag eigenes Honorar ableiten und wann nicht?

Honorar lässt sich ableiten, wenn echte Planungsleistung entsteht, etwa bei einer notwendigen Baubeheizung der TGA: Die Kosten kommen auf die anrechenbaren Kosten, der Planer muss dafür aber auch planen und ausschreiben. Nicht ableitbar ist Honorar bei reinen Bauzeitverlängerungen, Beschleunigungen oder Nickeligkeiten wie dem Umbenennen von Positionen oder einem Samstags-Umschluss.

Was bedeutet der Begriff „Flachplaner“?

„Flachplaner“ ist eine abwertende Bezeichnung für TGA-Planende, die laut Roman in Nachtrags-Schulungen für Handwerker (Stichwort vob.de) verwendet wird. Der Begriff steht für die Haltung, das Leistungsverzeichnis der Planenden gezielt auf Fehler abzusuchen, um daraus Nachträge zu generieren.

Welche Lösungsansätze sehen die Hosts für das Nachtragsproblem?

Diskutiert werden ein Austausch mit dem BTGA, die Bündelung von Rechnungs- und Nachtragsprüfung als Honorarpaket, eine Begrenzung der prüfbaren Nachträge pro Firma und vor allem ein verändertes Vergabekonzept in Richtung Integrierte Projektabwicklung (IPA), die nicht zwangsläufig den günstigsten, sondern den wirtschaftlichsten Bieter wählt und den Null-Prozent-Zielkonflikt entschärfen soll.

Zitate

Jeder Nachtrag landet auf meinem Tisch."

Roman Fritsches

Wir als Flachplaner haben keinen Bock auf die Nachträge, und die ausführenden Firmen brauchen unbedingt Nachträge, damit sie aus ihren null Prozent zwanzig Prozent machen."

Roman Fritsches

Und uns kostet das tierisch Nerven, Geld, Zeit und Lebensqualität."

Roman Fritsches

Zahlen & Fakten

TGA-Planende erhalten für die Nachtragsprüfung in Leistungsphase 8 nur etwa 0,1 Leistungspunkte.

Quelle: Roman Fritsches

Die Rechnungsprüfung ist mit 6,5 Leistungspunkten definiert, deutlich mehr als die Nachtragsprüfung mit 0,1.

Quelle: Roman Fritsches

Pro Großprojekt sind in der TGA zwischen 10 und 21 ausführende Firmen mit Nachträgen zu betreuen.

Quelle: Roman Fritsches

Firmen kalkulieren bei Großprojekten häufig mit null Prozent Deckungsbeitrag und holen über Nachträge rund 20 Prozent Deckung heraus.

Quelle: Roman Fritsches

Glossar

Deckungsbeitrag
Bei Großprojekten gehen Firmen oft mit null Prozent Deckung in die Kalkulation (Verkaufspreis = Lohn- plus Materialeinkaufskosten) und holen die Marge über Nachträge.
Flachplaner
Abwertende Bezeichnung für TGA-Planende, die in Nachtrags-Schulungen für Handwerker (vob.de) verwendet wird; deren LV wird gezielt auf Fehler abgesucht, um Nachträge zu generieren.
Leistungspunkte (HOAI)
Bewertungspunkte für Teilleistungen einer Leistungsphase; die Nachtragsprüfung ist mit ca. 0,1, die Rechnungsprüfung mit 6,5 Leistungspunkten bewertet.
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