TGA-Planung › Leistungsphasen der TGA-Planung › Folge #35
tgabar · BargesprächeSchnittstellen der Leistungsphasen 2, 3 und 5
Schnittstellen in der TGA-Planung sind keine reine Leistungsphase-5-Aufgabe. Schon in Leistungsphase 1 und 2 muss der TGA-Fachplaner aktiv klären, wer was wann liefert — etwa U-Werte vom Energieberater für die Heizlast. Die Schnittstellenplanung gehört nicht allein dem Architekten überlassen; sie ist Teil einer vollständigen Planung und sollte agil, sichtbar und je Leistungsphase getrennt geführt werden.
Transkript
Warum greift die tgabar das Thema Schnittstellen erneut auf?
Roman: Moin moin aus Hamburg und herzlich willkommen zum einzigen Podcast zum Thema Projektmanagement in der TGA. Sören Janson und Roman Fritsches an der Bar zum Thema Schnittstellen. Wir hatten es schon mal, auch im Seminar ziemlich ausführlich. Ehrlich gesagt sind wir noch nicht ganz zufrieden, weil das Thema so ausufernd ist und wir uns hauptsächlich auf die Leistungsphase 5 aufgesattelt haben.
Sören: Genau, und das Feedback der Teilnehmer und Kollegen ist, dass man da eigentlich gar nicht genug Zeit reinstecken sollte.
Roman: Deswegen wollen wir uns nochmal konkret damit beschäftigen. Es wird oft als Grundleistung des Architekten abgetan: Liefert einen Schnittstellen-Katalog, an dem kritzele ich dann herum. Ich kann mich bei jedem Projekt erinnern, die PDF ausgedruckt, mit rotem Stift markiert, eingescannt, zurückgeschickt zu haben — so, das ist es. Ist es aber nicht.
Sören: Gerade auch der Weg über eine Excel-Tabelle, wo dann ein Kürzel für verantwortlich oder mitwirkend oder nur ein X drinsteht — ob das der richtige Weg ist.
Ab welcher Leistungsphase muss die TGA Schnittstellen klären?
Roman: Der eine plant, der andere schreibt aus, der dritte macht dies und das. Ich habe den Eindruck, man müsste sich schon in Leistungsphase 2, vielleicht sogar in der 1, damit beschäftigen, wer was liefert. Ich merke das immer in der 2: Wir warten auf den Energieberater, auf den Baugrundgutachter, auf den Tragwerksplaner, auf den Brandschutzplaner, der sagen muss, ob wir eine Brandmeldeanlage brauchen und ob die Treppenhäuser entraucht werden müssen. Das ist für mich schon das Thema Schnittstellen. Ich kann nur weitermachen, wenn mir jemand eine Vorlage geliefert hat. Da müsste eine erste Schnittstellenliste her — und die müsste agil sein, sodass man Prioritäten setzen kann: erst das, dann das. Auch übersichtlich, dass man Dinge erst gelb, dann grün macht.
Sören: Das ist eine Art Grundlagen-Schnittstelle: Es muss erst ein Informationstransfer stattfinden, ohne über die letzte Schraube eine Zuständigkeit festzulegen — sondern: Wen brauche ich überhaupt? Zu welchen Gewerken und Fachdisziplinen habe ich Schnittstellen? Das lässt sich in einer Matrix oder Visualisierung abbilden.
Warum ist Schnittstellenklärung der Kern des Projektmanagements?
Roman: Es geht immer darum, dass wir Planungsbeteiligte und den Bauherrn haben und fragen: Was muss gemeinsam erbracht, was muss integriert werden? Wer fängt an, wer macht weiter, wer übernimmt, wer schließt ab? Das ist der Kern des Projektmanagements: Ich habe verschiedene Beteiligte, die in Abhängigkeit voneinander Leistungen erbringen müssen. Das muss bewusst und erkennbar sein. Stattdessen sagen wir immer: Das macht der Projektsteuerer, das macht der Architekt.
Sören: Immer schön auf die nächsten schieben.
Roman: Genau, weil wir ja nicht die Projektverantwortung haben, sondern nur die Verantwortung für die TGA. Ich glaube, es wird besser, wenn wir uns aktiver präsentieren.
Sören: Aus Selbstschutz würde ich das schon meinen. Ich bin eher derjenige, der einen Schritt vorangeht und sagt: Das brauche ich, damit ich hinten raus stressfreier arbeiten kann. Dann habe ich kein Problem, den ersten Schritt zu machen: Lieber Bauherr, in der Leistungsphase 2 brauche ich aus den und den Gründen einen Energieberater.
Roman: Das ist den Planern oft nicht bekannt. Wir schulden schon in Leistungsphase 1 eine Beratung — wir müssen den Leistungsbedarf beraten und sagen: Die brauchen wir alle.
Wie sieht eine Schnittstellenkette am Beispiel Heizung und Brandschutz aus?
Roman: Die meisten arbeiten mit Profis zusammen, die das wissen. Aber im Detail gibt es immer Frustrationen, gerade in der 2: Wieso habe ich noch nicht meine verschiedenen Wärmeerzeugungsvarianten? Weil ich noch nicht die U-Werte habe — ich kann gar keine Heizlast machen. Da hilft es, Dinge zu visualisieren: Erst muss der Energieberater den Energiestandard festlegen und U-Werte definieren. Die gehen ins Gebäudemodell, das Gebäudemodell kommt in meine Software, dann mache ich eine Heizlast, sehe, wie viel Wärme ich brauche, und welche Wärmeerzeuger zur Verfügung stehen. Die Heizung ist ein schönes Beispiel.
Beim Brandschutz ist es ähnlich: Brauche ich eine Brandmeldeanlage? Gibt es so viele Ausnahmen vom baulichen Brandschutz, dass ich technischen Brandschutz brauche? Dann brauche ich Vorgaben und setze die langsam um. Am schlimmsten ist das Thema Entrauchung, das betrifft wieder alle. Bis zur Inbetriebnahme einer RDA-Anlage im Treppenhaus habe ich schon einiges an Änderungen gesehen — bis hin zu Treppenaugen und Geländerfüllung.
Wer ist für Leitungsanfragen zuständig?
Roman: Auch ein schönes Thema: Leitungsanfragen. Das ist eigentlich Aufgabe des Bauherrn, so steht es in der HOAI. Tatsächlich machen das immer die Fachplaner: Sie holen die Leitungsanfragen ein, legen sie in einen Lageplan und stellen sie allen Beteiligten zur Verfügung. Das passiert dauernd.
Sören: Selbstverständlich vom TGA-Fachplaner.
Roman: Der ist für alles zuständig. Man muss auch bauen, wenn es keine Baufirma gibt. Das ist so ein Beispiel aus der Leistungsphase 2.
Wo liegen die problematischsten Schnittstellen für die TGA?
Roman: In einem Inhouse-Seminar haben wir mal aufgegriffen, wo die problematischsten Schnittstellen liegen. Wir haben vier Schnittstellenpartner visualisiert: den Bauherrn, den Architekten als Objektplaner, andere Objektplaner wie den Freianlagenplaner, die anderen Fachplaner wie Energieberater und Statiker, und die ausführenden Firmen. Dann sollten die Teilnehmer Punkte kleben, wo die schwierigsten Schnittstellen sind.
Sören: Ich vermute, es könnten die ausführenden Firmen sein.
Roman: Da gab es viele — vor allem das Thema Ausführungsplanung versus Montageplanung. Aber das war Platz zwei. Platz eins war der Objektplaner: Dorthin gab es die meisten Punkte. Es gibt also problematische Schnittstellen-Definitionen zum Objektplaner, zu den ausführenden Firmen und drittens zu den Fachplanern. Daraus weiß ich, woran ich arbeiten muss: saubere Schnittstellen-Definitionen zu den ausführenden Firmen, zu den Architekten und zu den anderen Fachplanern — je nach Leistungsphase. Den größten Schwerpunkt sollte ich auf die Abstimmung mit dem Objektplaner setzen.
Für die Leistungsphase 5 gibt es das auch im Seminar: Was muss die ausführende Firma machen? Sie muss alle Befestigungs- und Halterungssysteme planen, Sockel und Fundamente im Detail ausplanen. Dafür gibt es eine neutrale Liste. Was mir fehlt, ist eine für die Leistungsphase 3 — die finde ich auch relativ komplex.
Wie führt man Schnittstellenlisten getrennt je Leistungsphase?
Sören: Aber in der 3 fängt man doch in der Regel damit an, eine aufzustellen.
Roman: Geschuldet ist sie eigentlich schon in der 2 vom Objektplaner. Ich finde, in der 2 müssten wir als Fachplaner für die TGA aktiver werden, weil wir ganz früh Informationen brauchen und einsammeln müssen.
Sören: Man muss es vielleicht differenzierter sehen, nach Art der Information, die ich brauche. Gerade in Leistungsphase 2 habe ich konzeptionelle Entscheidungen zu treffen — brauche ich überhaupt eine BMA oder nicht? Dadurch sind die Schnittstellen globaler gefasst. Im weiteren Planungsprozess wird es dezidierter. Deshalb sollte ich es gedanklich trennen: eine Schnittstellenliste für die Leistungsphase 2, die aber zugleich die Grundlage für die fortführenden ist.
Roman: Und dann kann ich in der 3 kontrollieren, ob die Schnittstellen aus der 2 alle geklärt wurden — ob der Austausch von Informationen funktioniert hat.
Sören: Und ich habe die Vermischung nicht. Wenn ich noch keinen Energieberater habe, aber schon über konkrete U-Werte sprechen muss, ist die erste Schnittstelle der Energieberater. Daraus ergeben sich dann die nächsten Schnittstellen der einzelnen Bemessungswerte.
Roman: Das Ziel ist immer: Die Schnittstellenplanung ist eine vollständige Planung. Sind die Schnittstellen nicht definiert, gibt es Lücken — die Planung ist nicht vollständig oder wird zweimal gemacht. Eine vollständige Planung ist in der 2 sehr grob und wird in der 3 sehr viel genauer — die 3 ist bei uns eigentlich die Königsleistungsphase, da muss es schon sehr genau sein. In der 5 geht es Richtung Ausschreibung: Wer plant was im Detail. Ein spannendes Thema, das wir uns noch genauer ansehen.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Ab welcher Leistungsphase sollte die TGA-Planung Schnittstellen klären?
Schon in Leistungsphase 1 und 2, nicht erst in 3 oder 5. Der TGA-Fachplaner schuldet bereits in Leistungsphase 1 eine Beratung zum Leistungsbedarf und muss in der 2 aktiv klären, wer was wann liefert, weil er sehr früh Informationen von anderen Beteiligten braucht und einsammeln muss.
Warum reicht ein vom Architekten gelieferter Schnittstellen-Katalog nicht aus?
Schnittstellen werden oft als Grundleistung des Architekten abgetan und als große Excel-Liste mit Kürzeln für verantwortlich/mitwirkend oder einem X geführt, an der die TGA nur herumkorrigiert. Das greift zu kurz: Die Schnittstellenklärung ist der Kern des Projektmanagements und muss von der TGA aktiv mitgestaltet werden.
Wie hängen U-Werte, Heizlast und Wärmeerzeuger als Schnittstellenkette zusammen?
Zuerst legt der Energieberater den Energiestandard fest und definiert U-Werte. Diese gehen ins Gebäudemodell, das Gebäudemodell kommt in die TGA-Software, daraus wird die Heizlast berechnet. Erst dann ist erkennbar, wie viel Wärme benötigt wird und welche Wärmeerzeuger zur Verfügung stehen.
Wer ist für Leitungsanfragen zuständig?
Laut HOAI ist das Aufgabe des Bauherrn. In der Praxis übernehmen es jedoch fast immer die TGA-Fachplaner: Sie holen die Leitungsanfragen ein, legen sie in einen Lageplan und stellen sie allen Projektbeteiligten zur Verfügung.
Zu welchen Partnern hat die TGA die problematischsten Schnittstellen?
In einem Inhouse-Seminar mit vier visualisierten Schnittstellenpartnern landeten die meisten Punkte beim Objektplaner (Platz eins), gefolgt von den ausführenden Firmen mit dem Thema Ausführungs- versus Montageplanung (Platz zwei) und drittens den anderen Fachplanern.
Warum sollte man Schnittstellenlisten je Leistungsphase getrennt führen?
Weil sich Art und Detailgrad der Schnittstellen je Leistungsphase unterscheiden: In der 2 geht es um globale, konzeptionelle Fragen, in der 3 wird es dezidierter. Getrennte Listen verhindern eine Vermischung und ermöglichen, in der 3 zu kontrollieren, ob die Schnittstellen aus der 2 geklärt wurden. Jede Liste baut auf der vorigen auf.
Was bedeutet es, dass Schnittstellenplanung eine vollständige Planung ist?
Sind Schnittstellen nicht definiert, entstehen Lücken — die Planung ist unvollständig oder Leistungen werden doppelt erbracht. Eine vollständige Planung ist in Leistungsphase 2 noch sehr grob und wird in der 3 deutlich genauer; in der 5 geht es Richtung Ausschreibung und die Detailzuständigkeiten.
Zitate
„Die Schnittstellenplanung ist eine vollständige Planung. Wenn die Schnittstellen nicht definiert sind, gibt es Lücken, dann ist sie nicht vollständig oder wird zweimal gemacht."
— Roman Fritsches
„Man müsste sich schon in Leistungsphase 2, vielleicht sogar in der 1, damit beschäftigen, wer was liefert."
— Roman Fritsches
„Ich bin eher derjenige, der einen Schritt vorangeht und sagt: Das brauche ich, damit ich hinten raus stressfreier arbeiten kann."
— Sören Janson
Zahlen & Fakten
Laut HOAI sind Leitungsanfragen Aufgabe des Bauherrn, werden in der Praxis aber von den TGA-Fachplanern übernommen.
Quelle: HOAIIn einer Seminar-Übung mit vier Schnittstellenpartnern erhielt der Objektplaner die meisten Markierungen als problematischste Schnittstelle, vor den ausführenden Firmen und den Fachplanern.
Glossar
- Heizlast
- Berechnung des Wärmebedarfs, die U-Werte und Gebäudemodell voraussetzt und Grundlage für die Wahl des Wärmeerzeugers ist.
- Leitungsanfrage
- Anfrage zu vorhandenen Leitungen; laut HOAI Bauherrenaufgabe, wird in der Praxis von TGA-Fachplanern eingeholt und im Lageplan bereitgestellt.
- Schnittstelle (Planung)
- Punkt, an dem verschiedene Projektbeteiligte in Abhängigkeit voneinander Leistungen erbringen; klärt, wer anfängt, wer weitermacht, wer übernimmt und wer abschließt.
- Schnittstellenliste
- Übersicht (oft Matrix/Excel), die festhält, wer welche Leistung wann liefert; idealerweise agil priorisierbar und je Leistungsphase getrennt geführt.