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TGA-PlanungBüroleitung TGA-PlanungFolge #318

tgabar · Bargespräche

Der General(fach)planer

Folge 31802.05.202534:51 minRoman FritschesGast: Martin Vielhauer
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Auf den Punkt

Der TGA-Generalfachplaner bündelt mehrere oder alle Anlagengruppen der Technischen Gebäudeausrüstung in einem Büro und übernimmt deren Koordination. Da Architekten die immer komplexere TGA kaum noch koordinieren können, gewinnt diese Rolle an Bedeutung. Die HOAI-Novelle führt die TGA-Koordination als besondere Leistung in Leistungsphase 3 ein und schafft so erstmals eine eigene Vergütungsmöglichkeit.

Transkript

Was bedeutet Generalfachplanung in der TGA?

Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar. Heute geht es um den Herrn General. Ich bin heute Sören-los — der Arme ist in Hamburg, ich darf in München sein. Und ich bin nicht alleine: Ich bin hier mit Professor Martin Vielhauer. Herzlich willkommen.

Martin: Danke für die Einladung.

Roman: Wir sind auch nicht alleine, wir haben hier viele Zuhörerinnen und Zuhörer von der Hochschule München. Du hast Studierende mitgebracht und auch Kollegen. Du kennst die Hochschule schon sehr lange.

Martin: Ja, ich kenne die Hochschule sehr lange, weil ich hier selbst studiert habe und dann Lehrbeauftragter war. Ich glaube, es waren 14 Jahre. Seit dem 1. Oktober bin ich ganz frisch berufen — für Integrale Gebäudeplanung, Betriebswirtschaft beim Master, Facility Management, im Wesentlichen auch Projektsteuerungsleistung, Termine, Kosten.

Roman: Das führt uns zu unserem Thema. Wir haben uns über die Generalfachplanung kennengelernt. Was heißt für dich Generalfachplanung und warum ist das etwas Besonderes?

Martin: Normalerweise ist die TGA, wenn man es auf die HOAI runterbricht, in Anlagengruppen zersplittert. Man hat acht Anlagengruppen — und wenn man die Anlagengruppe 7 auseinandernimmt, kommt man locker auf um die 22 Anlagengruppen. Die meisten Büros, vor allem kleinere, haben einen Schwerpunkt, etwa Anlagengruppe 1, 2, 3 — also Sanitär, Heizung, Lüftung — und dann gibt es den großen Block der Elektrotechnik, Kostengruppe 440 und 450. So trennen sich die Anlagengruppen auch in der Büroaufteilung. Der TGA-Gesamtplaner verbindet alle oder einen Großteil der Anlagengruppen in einem Haus. Das sind meist größere Büros, weil man eine gewisse Personalstärke für jede Anlagengruppe braucht — und dann sind auch Sonderthemen drin, etwa Sprinklertechnik. Diese technische Gesamtplanung wird oft von Bauherren abgefragt: nicht nur vergeben in Anlagengruppenblöcken, sondern mit dem Wunsch, dass ein Gesamtplaner TGA das Projekt betreut.

Warum wird die Koordination der TGA immer wichtiger?

Roman: Trifft die Generalfachplanung einen Kernbedarf der Bauherren — eine koordinierte Anlagentechnik? Bauherren verstehen im Detail oft gar nicht so viel von der Technik, aber sie merken sehr schnell, wenn sie nicht koordiniert ist.

Martin: Die Koordination ist ein Riesenthema. Normalerweise hat der Architekt die Koordinationsverantwortung für alle Fachplaner, auch für die Tragwerker. Diese Koordinationsleistung wird für die Architekten aber immer schwieriger, und es ist ein Expertenstreit zwischen Sachverständigen und Rechtsanwälten entstanden, wer die TGA eigentlich zu koordinieren hat. Es gibt zwei große Lager: Die einen meinen, der Architekt habe nur eine in sich koordinierte TGA-Planung zu integrieren — den monolithischen Block der TGA, bei dem die Anlagengruppen untereinander bereits koordiniert sind. Die anderen meinen, der Architekt müsse alle Anlagengruppen separat miteinander koordinieren. Aus pragmatischen Gründen neige ich eher dem monolithischen Block zu, weil viele Architekten das nicht mehr so gut beherrschen. Die TGA ist sehr komplex geworden, die Koordination der Gewerke sehr aufwendig. Es macht Sinn, dass ein Koordinator oder einer der Fachplaner in den Anlagengruppen die Koordination übernimmt.

Hat BIM die Rolle des TGA-Koordinators hervorgebracht?

Roman: Ich habe in meinem ersten BIM-Projekt 2017 gelernt, dass diese Rolle in den Auftraggeber-Informationsanforderungen und im BAP abgefragt wurde. Mein erster Fachkoordinator, der arme Philipp, hat damals viel gelernt. Er ist ausgebildeter Systemplaner, hatte ein Studium begonnen, abgebrochen, in die Systemplanung gewechselt und später wieder ein Studium draufgesetzt. Der perfekte Fachkoordinator: CAD-Fähigkeiten und das Selbstbewusstsein aus dem Studium. Er hat mir als Projektleiter viel Arbeit abgenommen — die Integrations- und Koordinationsgespräche mit dem Architekten hat er alle geführt. Würdest du sagen, BIM hat uns diese Methode beschert?

Martin: Im Thema BIM ist die Koordination auf jeden Fall vertieft worden, man hat sich intensiver damit auseinandergesetzt. Ich kenne das auch aus anderen Projekten, dass sich über die BIM-Leistung die Koordination verbessert hat — einfach weil im BIM-Modell koordiniert werden musste und man jemanden gesucht (und hoffentlich bezahlt) hat, der diese Koordinationsleistung zwischen den Gewerken übernimmt.

Roman: Du hast angedeutet, dass es jemand Externes mit eigenem Büro sein könnte.

Martin: Ich würde nicht behaupten, dass es daherkommt. Ich kenne die Leistung des TGA-Koordinators aus großen zentralen Sanierungen, wo der Architekt am Ende gesagt hat, er wolle das nicht koordinieren, weil eine Technikzentrale zu 95 Prozent aus Technik besteht und Bodenbelag und Streicharbeiten dort nicht das Wesentliche sind. Da hat man den Kunstgriff gemacht und statt eines Architekten einen TGA-Koordinator geholt — einen eigenen Technik-Spezialisten, der sich in den Gewerken gut auskennt. Das war für mich der erste Punkt, an dem die Technikkoordination einen anderen Weg ging.

Warum sind gute TGA-Koordinatoren so selten?

Roman: Würdest du diese Rolle auch eine Ebene höher bei einem Generalplaner ansetzen, der seine TGA-Leute intern koordiniert?

Martin: Das wäre ein frommer Wunsch, wenn man jemanden fände, der das gut kann. Sehr oft präferieren Projektleiter die Seite, von der sie kommen: Wer aus Heizung, Lüftung, Sanitär kommt, kümmert sich hauptsächlich darum; ein Elektroingenieur schaut vor allem auf die Kostengruppe 440 und 450. Fachlich fällt dann immer ein Teil runter. Solche Leute sind schwer zu finden — Leute, die Spaß daran haben, den nötigen Überblick und vor allem die Kommunikationsfähigkeit haben, um die Gewerke zusammenzubringen. Denn es ist nicht nur die Reiberei mit dem Architekten; auch unter den Gewerken gibt es durchaus mal Beef, der von einem Koordinator begleitet werden sollte. Solche Leute sind sehr selten.

Roman: Bringst du diese Fähigkeit in deiner Ausbildung an der Hochschule ins Spiel?

Martin: Wir sprechen im Bachelor viel über das Koordinationsthema, aber wirklich vertiefen können wir es nur im Master, weil die Studentenzahlen für Seminararbeiten und Übungen im Bachelor zu hoch sind. Der Master ist über Seminare und Projektarbeiten besser geeignet. Wir bauen gerade ein bisschen um.

Wie verändert die HOAI-Novelle die Vergütung der TGA-Koordination?

Roman: Wir haben hier eine Rolle, die neben Fachplanung, Systemplanung und Projektleitung immer mehr Bedeutung gewinnt — gerade bei großen BIM-Projekten. Sie verlangt nicht nur CAD-Fähigkeit, sondern auch die Fähigkeit zu kommunizieren und sich konstruktiv über ein Integrationsdetail zu streiten.

Martin: Vor allem: Dieser Expertenstreit wurde vermeintlich in eine Richtung gebogen. Im neuen Gutachten zur Novelle der HOAI ist in der Leistungsphase 3 eine sehr ominöse Leistung als besondere Leistung entstanden, die genau dieses Thema aufnimmt — die Koordinationsleistung zwischen den Fachgewerken. Das hat Sprengkraft. Erstens ist es eigenartig, dass es erst in der LP3 kommt, denn die Koordinationsleistung fängt viel früher an. Zweitens war die Vergütungsfrage nie richtig geklärt. Jetzt hat man das Thema aus den Grundleistungen herausgenommen und in die besondere Leistung überführt, was eine neue Vergütungsmöglichkeit für die Fachplaner schafft. Vielleicht entsteht damit sogar ein neues Berufsleistungsbild: Koordination der TGA-Fachplaner. Ich bin gespannt, ob der Verordnungsgeber das übernimmt. Wenn man die Honorarerhöhungen anschaut — im Schnitt 40 Prozent in der TGA —, ist das schon üppig.

Roman: Die Vergütung ist also nicht geregelt; wir versuchen, diese Rolle über die Anhebung von Sätzen oder besondere Leistungen finanziert zu bekommen.

Martin: Die HOAI hat ja nur noch Orientierungscharakter. Die Frage ist, wie der Markt mit den Veränderungen des Leistungsbilds und der Erhöhung der Honorartafel umgeht. Bauherren sind nicht mehr verpflichtet, sich daran zu halten, und können eigene Honorarregelungen treffen. Es wird die Frage aufkommen, ob man über ein erhöhtes Honorar nicht doch erwartet, dass die Koordinationsleistung — jetzt als besondere Leistung ausgewiesen — trotzdem übernommen wird. Ich fand die Erhöhung notwendig, gerade angesichts der wirtschaftlichen Situation mancher Planungsbüros. Die spannende Frage ist, ob es sich am Markt durchsetzt. Es nützt nichts, wenn wir 40 Prozent erhöhen und dann 45 Prozent Nachlass geben.

Was unterscheidet echte von unechten Generalplanern?

Roman: Wir waren beim Generalplaner und der Abgrenzung von Generalfachplanung und Generalplanung. Es gibt Generalplanungsbüros, die die gesamte Leistung abbilden — nicht nur TGA, sondern auch Objektplanung, Tragwerksplanung, Brandschutz. Du warst bei einem echten Generalplaner mit eigenen Leistungen im Haus.

Martin: Wir hatten sehr viele Leistungen im Haus. Intern war zum Beispiel Küchenplanung; zeitweise auch Sprinklerplanung. Es gab aber auch Zeiten, in denen uns Mitarbeiter verlassen haben und ein Thema dann nicht besetzt war. Wir hatten viele Gewerke, auch Fördertechnik mit einer eigenen Einheit, und viele Gebäudeautomationsingenieure — zu Hochzeiten acht, was als eigene Abteilung sehr viel ist. Bei Obermayer hatten wir damals sehr viele Fachbereiche abgedeckt.

Roman: Ich habe in anderen Folgen schon Kritik an unechten Generalplanern geäußert, für die ich dann doch wieder arbeite und für die es gar kein Leistungsbild gibt. Ich liefere meine Planung, präsentiere sie dem Bauherrn, sitze immer beim Bauherrn — im Grunde wie als Generalplaner, nur mit weniger Honorar und längerer Wartezeit aufs Geld.

Martin: Vielleicht sollte man Echt und Unecht kurz erklären. Der Echte ist ein Gesamtplaner, der sehr viele Leistungen wirklich in-house mit eigenem Personal abdeckt. Unechte Generalplaner haben zwar einen Korpus verschiedener Anlagengruppen im Haus, müssen aber trotzdem sehr viel Leistung zukaufen. Das passiert oft bei großen Architekturbüros, die mit Gesamtplanung am Markt sind, sich aber alles über Subleistungen ankaufen. Wer sich nur durch den Zukauf von Subleistungen zum Generalplaner macht, ist in der Definition ein unechter Generalplaner.

Roman: Der Bauherr verspricht sich davon weniger Schnittstellen, weniger Aufwand?

Martin: Ja. Es hat Vor- und Nachteile. Der Bauherr hat nur einen Ansprechpartner. Aber finde mal einen Gesamtplanungsprojektleiter, der wirklich Hochbau, Tragwerk und TGA vertreten kann — das ist sehr schwierig. In meinem Berufsleben habe ich ganz wenige getroffen, die das konnten; keiner davon war Architekt, sondern alles Bauingenieure, die sich besser vom Architekturgedanken und von der Ästhetik abstrahieren und pragmatisch um die Anlagengruppen kümmern konnten. Ein sehr anspruchsvoller und schwieriger Job.

Wie löst man Schnittstellenkonflikte zwischen den Gewerken?

Roman: Ist das vergleichbar mit der Projektsteuerungsleistung, wie sie in Heft 9 steht?

Martin: Nein. Der Projektsteuerer greift nicht so stark koordinierend ein, er ist meist die rechte Hand des Bauherrn. Der Gesamtplanungsprojektleiter muss dagegen hands-on die verschiedenen Bedürfnisse unter einen Hut bringen. Die Streiterei zwischen Architektur, Tragwerk und den TGA-Einheiten ist über die Leistungsphasen unterschiedlich intensiv, aber sehr anstrengend. Ich selbst hätte das nicht machen können, weil mir die Tiefen der Tragwerks- und Objektplanung nicht bekannt sind. Bei Obermayer hatten wir damals zusammen mit dem Bereichsleiter Tragwerksplanung und dem Bereichsleiter Hochbau eine Art Schulungsgruppe entworfen, in der wir uns regelmäßig am Abend mit allen Gewerken zusammengesetzt haben, um die Nöte des jeweils anderen transparent zu machen. Danach sind wir noch auf ein halbes Bier gegangen — der wichtigste Teil. Wir wollten Berührungsängste abbauen und für die Nöte des anderen werben: Warum regt sich der Tragwerksplaner auf, wenn ich eine Kernbohrung fünf Zentimeter neben die Säule mache? Die HOAI hat in sich Lücken, es fehlen in bestimmten Leistungsbildern die Brücken zur besseren Zusammenarbeit, und das ist über die Novellen nie richtig geheilt worden.

Roman: Wo lagen bei dieser Konfliktlösung die größten Erkenntnisse? Das Tragwerksplaner-Beispiel mit Stützen und Bohrungen hast du genannt — was wurde dir noch klar?

Martin: Für die TGA-Kollegen war das Thema der Leistungsphase 4 in der Tragwerksplanung nicht klar. Wir in der TGA versuchen, die größeren Durchbrüche schon in der Leistungsphase 3 vorzudefinieren. Oft hat man das Gefühl, die Tragwerksplaner rechnen in der 3 nicht richtig oder sind zurückhaltend. Das kommt daher, dass sie richtig erst in der 4 zu rechnen anfangen — und dafür auch ihr Honorar bekommen. Wenn du das weißt, wird die Zurückhaltung verständlich. Hier passt das Leistungsbild einfach nicht gut zusammen, und daraus entstehen Konflikte. Oft sind es Honorarthemen: Wenn ich in der Leistungsphase 3 kein Honorar für die Überprüfung von Durchbrüchen bekomme, warum soll ich 200 Durchbrüche prüfen und durchrechnen?

Roman: Ich habe eine Zeit lang beworben, die Schlitz- und Durchbruchsplanung vorzuziehen — direkt nach der 3 statt erst mitten in oder mit Abschluss der Leistungsphase 5. Damit habe ich mir nicht nur Freunde gemacht.

Martin: Wann fängt ein statisch relevanter Durchbruch an, wann hört die Schlitz- und Durchbruchsplanung auf? Das ist nicht leicht zu definieren. In massiven Bauteilen sind auch kleinere Durchbrüche wichtig, schon in der 3 anzugeben. Ob man jeden Durchbruch in der 3 in dieser Detailschärfe schafft, weiß ich nicht — aber die Software, die wir einsetzen, hat oft schon eigene Durchbruchstools, die die Durchbrüche halbautomatisch setzen und damit eine Vertiefung nach vorne in die 3 ziehen.

Wie wirkt sich fehlende Vernetzung der Gewerke aus?

Roman: Gibt es bestimmte Zielkonflikte, die du als Generalplaner besser gelöst hast als ein verteiltes Planungsteam? Ich kenne die relativ unbekannte Leistung Aufdecken von Zielkonflikten in der Leistungsphase 2 durch die Architektur — habe ich noch nie erlebt.

Martin: Die Zielkonflikte wurden in die HOAI-Novelle eingearbeitet. Das Thema gibt es aber schon seit 30 Jahren, davor hieß es nur nicht so. Ob ich Themen intern besser lösen konnte? Wir haben uns im Haus auch schwergetan. Der Klassiker ist die Heiz- und Kühllastberechnung: Sie ist vom Fachplaner am Anfang der LP3 zu erzeugen, weil Heizkörperauslegung, Rohrnetzberechnung und Ausdehnungsgefäße darauf folgen. Du brauchst also früh einen festen Stand, sonst wiederholst du die Berechnung die ganze Zeit. Aber der Architekt kann am Anfang der LP3 keine vollständige LP3 liefern, genauso wenig wie der Bauphysiker schon jeden Wert kennt. Wenn du keine oder eine fehlerhafte Heiz- und Kühllast in der LP3 machst, ist deine Leistung als Planer mangelhaft. Eine Idee, die ich hatte: mit einer 85-Prozent-Lösung mit dem Bauherrn kommunizieren, die LP3 abarbeiten und dann über eine Wiederholungsleistung der Heiz- und Kühllast in der 5 starten. Das ist ausdrücklich keine Fortschreibung, sondern eine echte Wiederholungsleistung, die durch die fehlende Vernetzung der Gewerke entsteht.

Roman: Ist diese Wiederholung und Verschiebung von Leistungen eine Aufgabe der Organisationsplanung — die ein Projektsteuerer oder ein Generalplaner ganz am Anfang auf den Tisch bringen müsste?

Martin: Ja.

Roman: Es passiert nicht, weil es zu komplex ist — so meine Theorie.

Martin: Es ist auch unangenehm. In der Angebotsphase will man sich nicht direkt mit dem Bauherrn streiten und nicht der Problembär sein, bevor die Tinte auf dem Vertrag trocken ist. Deshalb werden Themen geschleppt, was schade ist. Ich hatte mal empfohlen, schon im Angebotsschreiben klar zu formulieren, was man leistet — zum Beispiel, dass über die Pauschale die Intrakoordination zwischen den eigenen beauftragten Gewerken abgedeckt ist, oder dass man erwartet, dass der Architekt trotzdem alles koordiniert. In der Praxis koordinieren sich die meisten von uns ohnehin untereinander — aber ohne Honorar.

Wie viel von den anderen Leistungsbildern lernen Studierende?

Roman: Schaust du in deinen Vorlesungen auch die Leistungsbilder der anderen an — Architektur, Objektliste, was die Gewerke schulden?

Martin: Ich kratze die Objektplanung an, aber allein das Leistungsbild und die Leistungstiefe der TGA sind so umfangreich, dass das Semester für Tragwerksplanung und Architektur in voller Tiefe nicht reicht. Deshalb verlagere ich Teile in das Wahlpflichtfach oder in den Master, wo wir mehr Zeit haben. Gerade friemeln wir mit den Studierenden die LP2 und LP3 auseinander: Wie muss eine LP3 beschaffen sein, was gehört rein, was nicht? Ich bin in der Hälfte des Semesters und erst bei der LP3.

Roman: Du hast schon ein Buch dazu geschrieben — schöne Überleitung zum Werbeblock. Das Thema gehört viel stärker in die Ausbildung der Ingenieure.

Martin: Ja, aber man muss überlegen, was man reinpackt und was nicht mehr geht.

Welche Fragen stellen die Studierenden aus dem Publikum?

Roman: Da das ein Live-Podcast ist: Gibt es aus dem Publikum Fragen zum Themenkomplex Generalfachplanung, Generalplanung, Koordinationsleistung? — Die Frage war: Was muss ich noch an Vorlesungen besuchen, um wirklich alles zu verstehen, was in der Bauplanung notwendig wäre?

Martin: Ich kann die Geschwindigkeit der Vorlesungen erhöhen. Aber Teile lagere ich aufgrund der Fülle aus, etwa Kosten, Termine, Wirtschaftlichkeit, sonst wird es zu viel. Über die Seminararbeiten im Master decken wir die Problemstellungen besser ab. Es gibt eine große Masterarbeit, die wir gemeinsam mit den Architekten und Tragwerksplanern machen — da lernt man viel, wenn man zum ersten Mal richtig Projektberührung hat.

Roman: Ich haue noch einen raus: Ich bringe dieses Jahr ein Kartenspiel heraus — kooperative Bauplanung. Es gibt vier Rollen: Projektsteuerung, Architektur beziehungsweise Objektplanung, TGA-Planung oder alle anderen Fachplanungen. Es geht darum, die Leistungen kooperativ zu erbringen; es gibt Aktionskarten, die einen zurückwerfen — zum Beispiel den Generalunternehmer als Beauftragten, der zehn Punkte verloren hat. — Ich habe gehört, es gibt bei euch auch ein echtes Rollenspiel zusammen mit anderen.

Martin: Ob es ein Rollenspiel ist, weiß ich nicht. Es ist nicht in meiner Vorlesung, sondern wird von Professor Ebert betreut. Wir arbeiten mit der Fakultät 01 zusammen — das sind die Architekten —, wo wir gemeinsam ein Gebäude entwickeln. Diese gemeinschaftliche Bearbeitung des Projekts fehlt sonst, deshalb halte ich das für eine sehr gute Idee.

Roman: Gibt es weitere Fragen? — Die Frage ist, ob im Studium klassische Konfliktsituationen in der Planung thematisiert werden.

Martin: Das Thema wird bei mir in der Vorlesung sehr umfänglich bearbeitet — über das Thema kreisen wir wie ein Geier. Erstens berichte ich aus meiner Blase: Ich bin nebenbei als Sachverständiger tätig, da geht es meistens um Leistung, Honorar, Schnittstellen, Termine, Kosten. Das webe ich in die Vorlesung ein, um zu zeigen, wo die Konfliktherde aufglühen können und wie man danach im Beruf besser damit umgeht.

Roman: Sehr wichtig, was du tust. Ich habe gelernt, dass wir in Deutschland knapp eine Million Menschen haben, die in der Bauplanung aktiv sind — mehr als in der Autobranche. Vielen Dank für diese tolle Folge, danke für die Fragen und fürs Zuhören. Wir sehen uns gleich mit einer zweiten Folge.

Martin: Danke dir.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Was ist ein TGA-Generalfachplaner?

Ein TGA-Generalfachplaner (auch TGA-Gesamtplaner) verbindet alle oder einen Großteil der Anlagengruppen der Technischen Gebäudeausrüstung in einem Büro, statt dass die TGA in einzelne Anlagengruppenblöcke wie Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektrotechnik zersplittert vergeben wird. Das setzt eine gewisse Personalstärke voraus und betrifft meist größere Büros.

Wer ist für die Koordination der TGA verantwortlich — Architekt oder Fachplaner?

Normalerweise hat der Architekt die Koordinationsverantwortung für alle Fachplaner. In der Praxis ist ein Expertenstreit entstanden: Ein Lager sieht den Architekten nur in der Pflicht, einen bereits in sich koordinierten monolithischen TGA-Block zu integrieren; das andere meint, der Architekt müsse alle Anlagengruppen einzeln koordinieren. Da die TGA immer komplexer wird, plädiert Martin Vielhauer pragmatisch für den monolithischen Block, also für die Koordination durch einen TGA-Koordinator oder Fachplaner.

Was ändert die HOAI-Novelle an der TGA-Koordination?

Das Gutachten zur HOAI-Novelle führt die Koordinationsleistung zwischen den TGA-Fachgewerken als besondere Leistung in Leistungsphase 3 ein. Damit wird sie aus den Grundleistungen herausgenommen und erstmals eigenständig vergütungsfähig — möglicherweise als Keim eines neuen Berufsleistungsbilds für die Koordination der TGA-Fachplaner.

Was ist der Unterschied zwischen einem echten und einem unechten Generalplaner?

Ein echter Generalplaner deckt sehr viele Leistungen wirklich in-house mit eigenem Personal ab. Ein unechter Generalplaner hat zwar einen Korpus verschiedener Anlagengruppen im Haus, muss aber sehr viel Leistung über Subleistungen zukaufen — das gilt etwa für große Architekturbüros, die sich überwiegend durch Zukauf zum Generalplaner machen. Der Bauherr verspricht sich davon weniger Schnittstellen und einen einzigen Ansprechpartner.

Warum entstehen Konflikte zwischen TGA- und Tragwerksplanung in Leistungsphase 3?

Die TGA versucht, größere Durchbrüche schon in Leistungsphase 3 vorzudefinieren, während Tragwerksplaner erst in Leistungsphase 4 richtig rechnen und auch erst dafür honoriert werden. Diese Diskrepanz im Leistungsbild führt zu Reibung: Die TGA empfindet die Zuarbeit als zu zurückhaltend, die Tragwerksplaner sehen keinen Anlass, ohne Honorar früh viele Durchbrüche zu prüfen.

Warum ist die Heiz- und Kühllastberechnung ein Schnittstellenproblem in der LP3?

Die Heiz- und Kühllastberechnung muss der Fachplaner am Anfang der Leistungsphase 3 erstellen, weil Heizkörperauslegung, Rohrnetzberechnung und Ausdehnungsgefäße darauf aufbauen. Dafür braucht er früh feste Grundrisse und Bauphysikwerte, die Architekt und Bauphysiker zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht vollständig liefern können. Als Lösung schlägt Vielhauer vor, mit einer 85-Prozent-Lösung zu arbeiten und die Berechnung in der LP5 als echte Wiederholungsleistung (keine Fortschreibung) neu zu starten.

Zitate

Der TGA-Gesamtplaner verbindet alle Anlagengruppen oder einen Großteil der Anlagengruppen in einem Haus."

Martin Vielhauer

Jetzt hat man dieses Thema aus den Grundleistungen rausgenommen und in die besondere Leistung überführt. Vielleicht entsteht damit sogar ein neues Berufsleistungsbild zur Koordination der TGA-Fachplaner."

Martin Vielhauer

Wir sind danach noch auf ein halbes Bier gegangen und haben miteinander gesprochen. Der wichtigste Teil."

Martin Vielhauer

Das ist keine Fortschreibung, sondern wirklich eine Wiederholungsleistung, die durch diese fehlende Vernetzung der Gewerke entsteht."

Martin Vielhauer

Zahlen & Fakten

Die TGA gliedert sich nach HOAI in acht Anlagengruppen, die bei feinerer Aufschlüsselung (z. B. der Anlagengruppe 7) auf rund 22 Anlagengruppen anwachsen können.

Quelle: Martin Vielhauer

Die Honorarerhöhung in der HOAI-Novelle beträgt für die TGA im Schnitt rund 40 Prozent.

Quelle: Martin Vielhauer

Die TGA-Koordination zwischen den Fachgewerken wird in der HOAI-Novelle als besondere Leistung in der Leistungsphase 3 verortet.

Quelle: Martin Vielhauer

Eine Technikzentrale besteht zu rund 95 Prozent aus Technik, weshalb dort teils ein TGA-Koordinator statt eines Architekten die Koordination übernimmt.

Quelle: Martin Vielhauer

In Deutschland sind knapp eine Million Menschen in der Bauplanung aktiv — mehr als in der Autobranche.

Quelle: Roman Fritsches

Martin Vielhauer war rund 14 Jahre Lehrbeauftragter an der Hochschule München und ist seit dem 1. Oktober 2024 dort berufen.

Quelle: Martin Vielhauer

Glossar

Anlagengruppen
Gliederung der TGA in der HOAI; acht Anlagengruppen, die bei Aufschlüsselung (z. B. Anlagengruppe 7) auf rund 22 anwachsen können.
Besondere Leistung (HOAI)
Leistung außerhalb der Grundleistungen; in der HOAI-Novelle wird die TGA-Koordination in LP3 zur besonderen Leistung und damit eigenständig vergütungsfähig.
Echter vs. unechter Generalplaner
Echter Generalplaner deckt sehr viele Leistungen in-house mit eigenem Personal ab; unechter Generalplaner kauft trotz eigenem Anlagengruppen-Korpus viel Leistung als Subleistung zu.
Generalfachplaner (TGA-Gesamtplaner)
Büro, das alle oder einen Großteil der TGA-Anlagengruppen in einem Haus verbindet und koordiniert, statt sie in einzelne Anlagengruppenblöcke zu zersplittern.
Heiz- und Kühllastberechnung
Vom Fachplaner am Anfang der LP3 zu erstellende Grundlage für Heizkörperauslegung, Rohrnetzberechnung und Ausdehnungsgefäße; benötigt früh feste Grundrisse und Bauphysikwerte.
Monolithischer Block der TGA
Sichtweise, nach der die Anlagengruppen untereinander bereits koordiniert sind und der Architekt nur diesen geschlossenen TGA-Block in das Gesamtprojekt integriert.
TGA-Koordinator
Spezialist, der die Koordination zwischen den TGA-Gewerken übernimmt; verlangt CAD-Fähigkeiten sowie Kommunikations- und Konfliktfähigkeit.
Wiederholungsleistung
Erneute Erbringung einer Leistung (hier Heiz- und Kühllast in LP5) aufgrund fehlender Vernetzung der Gewerke; ausdrücklich keine Fortschreibung.
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