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TGA-Planung › Ausbildung und Quereinstieg in die TGA-Planung › Folge #439

tgabar · Bargespräche

Was muss der Berufseinstieg in die TGA-Planung leisten?

Folge 43916.10.202623:53 minRoman Fritsches, Sören Janson
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Auf den Punkt

Der Berufseinstieg in die TGA-Fachplanung gelingt, wenn das Büro ihn wie Fahrstunden nach dem Führerschein begleitet: ein schriftlicher Einarbeitungsplan aus Muss-, dann Soll- und Kann-Aufgaben, eine feste Vertrauensperson, Fokuszeit statt Dauertermine und Zeit, Software und Systemplanung zu lernen. Studienabgänger müssen vor allem Schemata und Grundrisse lesen lernen, Quereinsteiger Normen und rechtssichere Dokumentation.

Transkript

Was muss der Berufseinstieg in die TGA-Planung leisten?

Roman: Moin, moin und herzlich willkommen an der tgabar. Heute die Frage, Sören — die Frage aller Fragen.

Sören: Die eine Frage aller Fragen. Moin, Roman.

Roman: Die Frage ist: Was muss eigentlich der Berufseinstieg bei uns in der TGA-Planung leisten, damit er als gelungen gilt und wir vielleicht auch dauerhaft Kollegen gewinnen können?

Sören: Gewinnen und halten, ne?

Roman: Stimmt. Mit Gewinnen und Halten fängt es ja an. Gewonnen haben wir sie. Jetzt versuchen wir, sie zu halten und erst mal zum Fahren zu bringen. Wir fanden dieses Bild des Führerscheins ganz nett: Du hast dein Studium beendet. Vielleicht hast du auch einen Quereinstieg hinter dir und sagst: Ich komme eigentlich aus einer Technikerschule oder war Systemplanerin, und jetzt werde ich Fachplanerin. Was muss mein Berufseinstieg leisten können? Diesen Führerschein habe ich jetzt — und jetzt kommt schon die erste Frage, Sören. Beziehungsweise erst noch der erste Anknüpfungspunkt.

Wir haben ja über die Rollen der Fachplanung gesprochen und über die Aufgaben der Fachplanung: Muss-Aufgaben, Soll-Aufgaben, Kann-Aufgaben. Und ich glaube, das hier ist sozusagen die Vorstufe davon — der Berufseinstieg in die Fachplanung, der danach um diese weiteren Rollen und weiteren Aufgaben vertieft wird. Das soll ja dahin führen. Denn ich habe noch niemanden kennengelernt, der im Ingenieurbüro keine Fachplanung gelernt hat, wenn er denn Ingenieurin ist. Als Systemplaner hat man klar eine andere Rolle. Aber du wirst normalerweise nicht als Projektleitung anfangen, in den wenigsten Fällen sofort. Du wirst nicht einfach so als Fachkoordination anfangen. Du wirst nicht als Büroleitung anfangen — als Bauüberwachung vielleicht schon. Aber viele machen, glaube ich, den Einstieg über die Fachplanung, so ist der Eindruck.

Sören: Ja, damit man wirklich von der Theorie in die Praxis kommt.

Warum heißt ein Führerschein noch nicht, dass man fahren kann?

Sören: Um bei dem Bild des Führerscheins zu bleiben — mein Bruder nimmt mir das jetzt nicht übel: Als der seinen Führerschein gemacht hatte, bin ich das erste Mal mit ihm mitgefahren. Weil das noch so ruckelig und zuckelig ging — das war noch mit Schaltung und all so ein Kram —, habe ich mich mit beiden Händen an der Seite festgehalten. Und ich weiß nicht, ob du es kennst: Als Anfänger hast du voll Schwierigkeiten, immer am Auto vorbeizuschauen. Weil du immer denkst: Wir kommen gleich runter, wir sind so dicht dran, wir müssen noch mehr in die Mitte fahren. Und dieses Gesamtbild — ich hoffe, das war jetzt einigermaßen anschaulich und nicht verwickelt —, ich war total gestresst bei dieser Fahrt. Denn so richtig Autofahren war das nicht, obwohl er einen Führerschein hatte. Gefühlt immer haarscharf an der Grenze, dass wir einen Unfall bauen.

Und ich glaube, als Analogie: Ein Stück weit ist es manchmal auch so beim Einstieg, wenn man ihn nicht gut begleitet — dieses Thema kaltes Wasser, von dem ja viele erzählen. Wieder bei dem Bild: Man hat einen Führerschein, aber das heißt ja noch nicht, dass man wirklich fahren kann.

Roman: Nee, genau. Man darf fahren, aber können heißt das noch lange nicht.

Sören: Man darf auf die Welt losgelassen werden.

Roman: Total. Ich weiß noch, wie ich angefangen habe. Ich bin tatsächlich erst mal als Bauüberwacher eingestiegen. Ich habe Fachplanung für Photovoltaikanlagen gemacht — das war damals das große Ding, die erneuerbaren Energien —, und das fand ich technisch gar nicht so komplex. Und dann habe ich aber Bauüberwachung gemacht, und Alter, das war ein Geruckel. Da bin ich morgens drei Stunden mit dem Auto zur Baustelle hingefahren und abends wieder zurück. Schön, wenn man um sieben Uhr auf der Baustelle sein muss. Den Führerschein hatte ich schon zehn Jahre, aber das Studium war erst seit Kurzem ab. Und dann bin ich da vor mich hin geruckelt auf die Baustelle.

Was sollten Studienabgänger und Quereinsteiger mitbringen?

Roman: Was würdest du denn erwarten, was jetzt dein Bruder — oder jemand, der den Führerschein frisch gemacht hat — in der Fachplanung mitbringt? Womit sollte sie dann anfangen, oder zumindest: Was sollte sie haben, wenn sie da anfängt?

Sören: Ich glaube, dass man tatsächlich noch mal mit Fahrstunden beginnen sollte, um in dem Bild zu bleiben: erst mal in das Thema Fachplanung reinzukommen. Das finde ich schon wichtig. Gerade in der aktuellen Zeit, in der sich gefühlt jeder erst mal ganz schnell Projektleitung nennen möchte, weil das sehr erstrebenswert ist. Da sollten wir, glaube ich, schon den Fokus — das klingt ein bisschen doof — auf die Ausbildung legen. Die Leute sind ja ausgebildet. Aber gerade weil viel von der Komplexität zwischen den Gewerken und auch innerhalb der Gewerke gar nicht vermittelt werden kann — das kann ein Studium gar nicht bringen —, sollte man sich da schon die Zeit nehmen.

Roman: Total. Also wir haben Mathe drauf und haben — das haben wir ja an der HCU gelernt — Programmierung gelernt, KI, tatsächlich sogar KIs bauen oder zumindest anpassen. Aber Normwerk, Kostengruppen, LV, Honorar, HOAI, Schema lesen, Grundrisse verstehen: Ich konnte das nicht. Ich musste das erst mal richtig lernen. Das muss man auch sagen.

Sören: Normen kommen ja schon vor, sind Bestandteil, würde ich schon sagen. Aber eben alles in einem sehr geschützten und limitierten Umfeld.

Roman: Ja, das bringt mich tatsächlich zu der Idee: Was mir geholfen hätte, wenn ich es an der Hochschule schon gelernt hätte, wäre Schemata und Grundrisse lesen. Gut, ich habe Maschinenbau studiert, deswegen ist das noch mal anders. Ich konnte Maschinenbauzeichnungen einigermaßen lesen, aber ich habe in meinem Studium auch nicht viele gesehen, muss ich sagen. Das ist schon so ein Praxisding, bei dem man, glaube ich, erst mal ein halbes Jahr lang ein paar Beispiele sehen muss, sich wirklich in Ruhe hinsetzen und verstehen muss: Was ist denn da gerade drauf? Was steht auf der Legende? Was sollen die Farben? Was sind die Zahlen? Und gerade auch im Zusammenhang damit, in welcher Phase ich im Projekt bin.

Sören: Also was muss inhaltlich da dargestellt sein, wenn ich in der Ausführungsplanung bin.

Roman: Das kommt dann als Nächstes, genau. Und jetzt kommt noch mal die Frage — wir haben ja auch die Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen vor uns, die nicht aus dem Studium kommen, sondern sagen: Ich bin Handwerker, ich habe in der Meisterschule oder in der Technikerschule das alles schon gelernt. Ich kann das alles schon, ich kenne die Praxis, ich weiß, wie es auf dem Bau abläuft. Was würdest du da erwarten, was von den Leuten mitkommen soll?

Sören: Ich glaube tatsächlich, dadurch, dass wir mit unseren Projekten eigentlich noch einen Schritt vorher ansetzen, ist das Thema Normenschulung da trotzdem relevant. Weil es da viel um Dokumentation geht, um — in Anführungszeichen — rechtssichere Dokumentation. Das funktioniert in der Planung nicht, wenn es nicht entsprechend festgehalten, dokumentiert und niedergeschrieben ist. Und deswegen, glaube ich, ist dieser Schritt wichtig: zu dem, was man in der Anwendung vielleicht schon vielfach gemacht hat, sagen zu können, auf welcher Grundlage das normgerecht ist.

Roman: Ja. Also Normen, würdest du sagen, gelten für beide. Beide müssten tatsächlich verstehen, welche Normen da gelten und was drinsteht — sie müssten sie lesen können. Für die Studienabgänger würde ich noch ergänzen, dass sie sehr schnell lernen müssen, Schemata und Grundrisse zu verstehen. Das können die Quereinsteiger, die vom Bau kommen, meistens schon, weil sie das schon machen mussten.

Sören: Die arbeiten ja auch aktiv damit, mit dem Ergebnis. Denen fehlt vielleicht der Weg dahin noch ein Stück weit, aber ja.

Was sollte das Büro in der Einarbeitung leisten?

Roman: Okay. Gut, jetzt haben wir den ersten Schritt überstanden. Jetzt sag du mal: die Fahrstunden. Was sollte ich denn jetzt als Büro leisten, wenn ich meine Erwartungen an die …

Sören: Wir haben uns ja die letzten Folgen schon ein Stück weit damit auseinandergesetzt, gerade im Hinblick auf unseren blinden Fleck, dass wir nicht über die Inhalte der Fachplanung gesprochen haben. Und da kann ich fast nur darauf verweisen: Es gibt Muss-, Kann- und Soll-Aufgaben, die es zu erreichen gilt. Also: Kann ich nach den Regeln der Technik planen? Kriege ich die Berechnungen vernünftig, adäquat hin — Berechnung und Bemessung, also die Auslegung der Komponenten? Bis hin dazu, wenn die nötige Sicherheit da ist: Wie komme ich ins Thema Ausschreibung, also Kostenplanung, LVs? Das ist leider auch nicht mit einem Projekt geschafft. Ein Projekt ist der erste Weg oder der erste Schritt, aber das zieht sich, wie wir alle wissen, über Jahre hin.

Roman: Total. Ich selbst fühlte mich immer stark ins kalte Wasser geschmissen. Wenn ich es mir recht überlege, war das aber gar nicht so krass. Ich hatte fachlich immer den Senior an der Seite, der fachlich wirklich sehr gut und sehr fit war. Und ich konnte mich selbst in mein Thema HOAI und Projektmanagement reindrehen, das ihn gar nicht interessiert hat. Das fand ich auch interessant: Ich hatte jemanden, von dem ich lernen konnte, der fachlich sehr gut war, sich aber für die Projektmanagementseite gar nicht so sehr interessiert hat. Und das hat mir auch die Möglichkeit gegeben, meinen eigenen Schwerpunkt zu finden. Fand ich eigentlich ganz cool.

Aber was ich als Büro noch liefern würde, wenn ich jetzt die Rolle des Büros einnehme: unbedingt diese Muss-Aufgaben wirklich mitgeben, in Form einer Stellenbeschreibung — oder einer Rollenbeschreibung, wie wir es ja genannt haben. Ich glaube, das hilft total. Dann habe ich schriftlich vor mir, was von mir erwartet wird und was ich können muss. Dann kann ich mich auch reindrehen und gucken: Was wollen die von mir? Und diese Erwartungen dann vielleicht auch in einer Zeitlinie verbessern und entwickeln. Das hatte ich gar nicht. Es gab auch keinen schriftlichen Einarbeitungsplan.

Sören: Das wäre ja fast die nächste Frage, ne?

Roman: Ja.

Sören: Einmal zu fragen: Bedarf es dessen — dieses Nachhalten dessen, was unter Einarbeitung, Onboarding oder vielleicht auch in den ersten Jahren passiert? Sollte man das wirklich in der Form nachhalten? Und da bin ich eigentlich ganz bei dir. Das zeigt ja auch, wo man vielleicht schon weiter ist, als man selbst denkt, weil man es schon mal wirklich angewendet hat. Oder man kann natürlich auch zeigen, wo man laut Plan hätte stehen sollen, aber wegen eines Projekts oder sonst irgendwas die Ausbildung ein bisschen zu kurz gekommen ist.

Roman: Total, ja. Das ist ein bisschen wie bei den Azubis. Allerdings — ich glaube, bei den Azubis ist das meistens besser geregelt als bei den Studienabgängern oder den Quereinsteigerinnen. Und das ist auch eine andere Rolle. Es geht ja doch mehr darum, autonom zu arbeiten und nicht unbedingt jede einzelne Aufgabe vorgegeben zu bekommen. Nur: Wenn die Autonomie zu groß wird, leidet die Praxis darunter und die Einarbeitung, also der Berufseinstieg.

Sören: Aber häufig ist es ja ein Wunsch der Berufseinsteiger, sich zu entwickeln und voranzukommen. Und das kannst du natürlich, wenn du es meilensteinmäßig festhältst — nicht als enges Korsett, sondern einfach grundsätzlich als Rahmen, in dem man dann, keine Ahnung, halbjährlich darüber spricht, wo man Defizite und wo man Entwicklungen gesehen hat, die gut gelaufen sind. Und eben nicht nach dem Motto — auch wenn es vielleicht das Setting des Büros ist —: Du kannst hier doch jeden fragen, wir sind doch alle per Du. Ja, das kann man behaupten. Die größte Herausforderung des Büros ist: Jeder ist in seinen Projekten drin und hat eigentlich gar keine Zeit dafür. Und dann fühlen sich die Leute doch ziemlich schnell abgehängt und alleingelassen.

Warum brauchen Berufseinsteiger Fokuszeit?

Roman: Total. Und das haben wir ja jetzt auch im Interview mit der HCU gelernt, mit den Studierenden dort. Ich weiß noch, wie die Aussage kam: Na ja, ich stellte fest, die saßen alle den ganzen Tag in Terminen und hatten keine Zeit. Die konnten sich gar nicht austauschen, konnten gar nicht in Ruhe mal denken und waren den ganzen Tag nur am Quatschen.

Und da kommt mir die nächste Frage. Ich glaube, als Büro müsste ich tatsächlich auch Fokuszeiten zur Verfügung stellen. Gerade den Berufseinsteiger eben nicht immer nur auf die Baustelle jagen und nicht immer nur in irgendwelchen Terminen mitsitzen lassen, sondern auch mal wirklich vier Stunden Fokuszeit am Tag ermöglichen. Das ist ja so die Zahl für Spitzenkräfte: vier Stunden Fokuszeit. Wenn du das am Tag schaffst, dann hast du wirklich dein Maximum ausgeschöpft.

Sören: Der Input ist ja auch so enorm. Den muss man ja auch irgendwo verarbeiten können.

Roman: Genau. Und diese vier Stunden am Tag zu strukturieren, diese Fokuszeit gemeinsam zu strukturieren — ich glaube, das wäre sehr, sehr hilfreich.

Wie gelingt das gemeinsame Lernen mit erfahrenen Kollegen?

Roman: Ja, dann haben wir die ersten Stunden hinter uns. Jetzt kommt das begleitete Fahren, Sören. Du sitzt auf dem Beifahrersitz, hältst dich panisch fest und denkst: Oh Gott, jetzt sind wir zusammen auf der Baustelle.

Sören: Ja, jetzt im übertragenen Sinne. Ich glaube, dass man tatsächlich auch in den nächsten Monaten, Jahren, sage ich mal, immer noch die Vertrauensperson hat, an die man sich immer wenden kann. Meistens baut sich das ja gerade in so frühen Phasen auf. Und dass man die dann auch einfach beibehält und vielleicht auch Formate findet, in denen man diese Zeitfenster gemeinsam findet, weil man dann mit den Themen auch mal einfach um die Ecke kommen kann.

Roman: Ja, ein Thema, das ich auch festgestellt habe: dass die jungen Kolleginnen und Kollegen, die reinkommen, auf ältere Kolleginnen und Kollegen mit sehr viel Erfahrung prallen, die nicht unbedingt direkt eng mit ihnen zusammenarbeiten, es aber dann vielleicht müssen. Und die ältere Kollegin sagt: Oh, jetzt kommt da wieder so ein Junger, da habe ich gar keinen Bock, mich jetzt darum zu kümmern — ich habe gerade andere Themen, ich habe Stress.

Sören: Aber meistens haben sie ja sogar noch die Rolle, so ein bisschen der Anker für die jungen Kollegen zu sein, weil sie die Erfahrung haben.

Roman: Genau. Entweder sollen sie das, oder sie haben diese Rolle eben nicht, sondern einfach nur Stress in ihren Projekten. Und ich habe den Eindruck, dass dann oft eine ganz schwierige Situation entsteht, in der junge Berufseinsteigende einfach gegen Mauern laufen. Da wird einfach ein Schema hingelegt und gesagt: So ist es, das machen wir nicht anders. Guck es dir an, und wenn du es nicht verstanden hast, frag irgendjemand anders — aber das ist so. Und dann müsste man eigentlich hingehen und sagen: Ich müsste hier Qualitätssicherung machen und habe ein paar Fragen zum Schema. Eigentlich sind es Kritikpunkte, ich traue mich aber nicht, das zu sagen. Ich bin ja gerade erst 28 oder 25 oder so, und da sitzt dieser 45-jährige Kollege. Was tue ich jetzt? Ich glaube, da ist eine große Aufgabe an die Führungskräfte, einen echten Austausch, ein echtes gemeinsames Lernen zu erzielen. Und das ist schwierig, finde ich.

Sören: Oh, das ist ja dieses Thema psychologische Sicherheit: dass ich mit meinen Themen, egal wie richtig oder falsch, auch inhaltlich zu den Kollegen komme, ohne gleich vom Hof gejagt zu werden. Denn hinterher, wenn es mal schiefläuft und alle festgestellt haben, dass es da offensichtlich irgendwo ein Qualitätsthema gab, dann sind das ja genau die Haken, bei denen gesagt wird: Da müssen wir jetzt ran. Und das ist natürlich gerade bei den Themen so, die nicht einmal angelegt sind, sondern stetig fortschreiten müssen. So ein Thema fällt nach einigen Wochen, Monaten des Bemühens auch schnell wieder vom Tisch, weil dann jeder wieder in seinem eigenen kleinen Hamsterrad ist.

Roman: Genau, und dieses Hamsterrad ist gefährlich, weil es tatsächlich auch zu weniger Lernen führt, glaube ich.

Müssen Fachplaner auch Systemplanung und Software beherrschen?

Roman: Ein Thema, das mich noch immer sehr interessiert: Ich habe mich ein bisschen geärgert, dass ich als Studienabgänger nicht so richtig Systemplanung gelernt habe. Ich war so ein Studierter und bin ganz schnell auf die Baustelle gerutscht und musste dann irgendwie Fachplanung machen, aber ich konnte nicht wirklich zeichnen. Das habe ich auch nie so richtig gelernt. Findest du das eine wichtige Voraussetzung für eine gute Fachplanung?

Sören: Das ist eine sehr gute Frage. Aber tatsächlich, ich glaube, dadurch, dass wir in den Rollen häufig schon Überschneidungen haben, werden die Kolleginnen und Kollegen manchmal da reingestupst, das ein bisschen mitzumachen, zu zeichnen. Ich glaube eher, es geht darum, da Grundlagen zu schaffen und die Kollegen auch in dem Bereich weiterzuentwickeln, weil es ja auch nicht mehr ohne Software geht. Da sollte vielleicht noch mehr Augenmerk drauf gelegt werden, weil gerade die Komplexität der Anwendung ja schon …

Roman: Ist hart, auf jeden Fall. Und auch total unterschiedlich. DDS-CAD funktioniert anders als Revit.

Sören: Genau. Und dann da fit zu sein — und dann zu sagen, wir haben doch jetzt alle geschult, ist dann auch immer schwierig. Das geht auch wieder über die Zeit. Und da kommt gleich wieder die Zeit, die ist ja das allumfassende Thema.

Roman: Total, das neue Gold. Das heißt, du würdest schon sagen: Zeit für die Systemplanung lassen, auch Systemplanung lernen. Und wir stellen auch fest, in vielen Büros, gerade in der Elektrotechnik, dass sowohl Fachplaner als auch Systemplaner eigentlich beide die Software benutzen und beide konstruieren.

Ich habe tatsächlich noch so eine Sache: Ich habe mal so ein Zwölf-Modul-Programm skizziert. Und du machst es ja beim VDI auch, dass du die Projektleitung schulst. Ich habe festgestellt, dass es, glaube ich, noch mal ein eigenes Programm für die Fachplaner bräuchte, gerade für die Einsteiger, Quereinsteiger, Studieneinsteiger. Und ich habe das jetzt in drei Modulen skizziert — mal gucken, wie das nächstes Jahr anläuft. Das wäre dann dreigeteilt: von Bedarfsplanung bis Entwurf, dann Entwurf bis Ausführungsplanung, und am Schluss Montageplanung bis Baustelle. So dreigeteilt, dass man die Muss-Aufgaben noch mal nach Phasen unterteilt und versteht, was da tatsächlich passiert und was von mir als junger Fachplanerin oder junger Fachplaner erwartet wird.

Welchen Rat gibt es für Berufseinsteiger und Büroleitungen?

Roman: Ja, Sören, jetzt noch mal eine kurze Frage — wir sind hier auch schon ein bisschen länger an der Bar.

Sören: Oha, stimmt.

Roman: Hättest du einen Rat an die Studienabgängerinnen — jetzt nicht Quereinsteiger, sondern Studienabgänger? Was würdest du einer Berufseinsteigenden raten?

Sören: Einer Berufseinsteigenden raten? Na gut, ich glaube … Du stellst ja echt Fragen, auf die bin ich nicht vorbereitet.

Roman: Wir sollten das besser mal skripten, glaube ich.

Sören: Das ist Spaß. Damit ich da auch reagieren kann — ich darf ja nicht immer nur von mir ausgehen. Aber ich glaube, das Thema ist eine Bereitschaft, sich auch über die normale, reguläre Arbeitszeit hinaus mit den Themen auseinanderzusetzen, und nicht unbedingt nur mit Work und …

Roman: Podcast hören.

Sören: Podcast hören, das wäre doch eine zu einfache Antwort gewesen an der Stelle.

Roman: Dranbleiben, Podcast hören.

Sören: Aber nee, tatsächlich: das Neugierigbleiben, unabhängig von Work-Life-Balance, sage ich mal — auch wenn das vielleicht wie ein Vorwurf klingt. Aber tatsächlich nehme ich gerade aktuell manchmal wahr, dass da der Antrieb fehlt, sich richtig in die Themen reinzuarbeiten. Und ich glaube, das ist es wahrscheinlich: Dranbleiben, es lohnt sich — aber dann eben auch über die 32, 40 Stunden hinaus einfach mal die Lebensphase akzeptieren: Ich bin jetzt gerade am Lernen.

Roman: Wie heißt das, ne? Lehrjahre sind keine Herrenjahre.

Sören: Und jetzt heißt es einfach mal, nebenbei noch Bücher, Podcasts, was auch immer — Weiterbildung mit KI.

Roman: Ja, da gibt es ja einfach viel mehr Möglichkeiten. So viel zu lernen.

Sören: Ja, genau. Nicht nur inhaltlich viel.

Roman: Das ist ja erst mal ein Geschenk, dass wir lernen dürfen. Und wir haben so viele Möglichkeiten.

Sören: Wenn ich da an die Schneider Bautabellen zurückdenke oder so etwas — da gab es nur das Heft. Und heute ist es ja deutlich anwenderfreundlicher, sich das Wissen auf kurzen Wegen anzueignen. Das finde ich wichtig. Das ist das Fundament für alles, was kommt. Und gerade auch wenn wir in Richtung weiterer Digitalisierung schauen: sich mit den Menschen drumherum auseinandersetzen, so doof wie das klingt. Gerade wenn ich in die Projektleitung will, muss ich verstehen, wie Menschen ticken. Das Fachliche ist die Grundlage. Aber wie Menschen gerade in Stresssituationen in Teams zusammen agieren, wie sie mit Veränderungen umgehen, das ist ja sehr individuell. Damit sollte man sich auch auseinandersetzen und vielleicht bei den erfahreneren Kollegen abschauen, wie die darauf reagieren — nur bei den positiven Sachen natürlich.

Roman: Ja, das kann bestimmt auch helfen. Das kann man, glaube ich, auch nicht so im Buch nachlesen.

Sören: Klar, es gibt da auch genug Psychologie dahinter, die man sich anlesen kann. Aber das ist ja auch einfach gelebte Praxis. Ein Architekt verhält sich anders als ein Statiker.

Roman: Das stimmt, genau. Für die Quereinsteiger hätte ich jetzt noch gern den Mut mitgegeben zu sagen: Lasst euch nicht unterbuttern und gewinnt Selbstvertrauen. Ich merke hin und wieder, dass die Nichtstudierten das Gefühl haben, sie seien weniger wert oder so etwas. Das habe ich ab und zu mal erfahren. Das ist überhaupt nicht so, sondern ganz im Gegenteil: Diese Berufserfahrung, die sie haben, und die Praxis sind super viel wert.

Ich glaube, hilfreich ist, wirklich mal offen auf die eigenen Schwächen zu gucken: zum ganzen Thema Dokumentation, E-Mails schreiben, Dinge verschriftlichen. Vielleicht auch die eigene Kommunikation ein bisschen prüfen, wie du es eben sagtest — Kommunikation nach außen, aber auch im Team. Und sich dann weiterentwickeln und sich fragen: Habe ich das Thema Leistungsverzeichnisse wirklich auf dem Zettel? Kenne ich die Normen wirklich? Habe ich beim Thema Systemplanung ein paar Lücken und müsste da mal ran? Ich glaube, das lohnt sich total: das bestehende Fachwissen um diese Themen zu ergänzen, die die Studienabgänger vielleicht schon besser können, weil sie das im Studium schon gemacht haben. Ich glaube, das hilft.

Ja, und für die Büroleitung bleibt uns wahrscheinlich jetzt nur noch zu sagen: Nehmt das Thema Berufseinstieg ernst. Schafft Zeiten zum konzentrierten Arbeiten — jagt sie nicht nur auf Baustellen und in Planungsbesprechungen, sondern lasst sie konzentriert arbeiten. Lasst sie die Software lernen, vor allem auch die Systemplanungssoftware. Und macht einen schriftlichen Einarbeitungsplan, der gerade die Muss-Aufgaben der Fachplanung beinhaltet, im zweiten Schritt die Soll-Aufgaben und dann vielleicht auch die Kann-Aufgaben, sodass man nach einem Jahr den nächsten Schritt gehen kann. Hätte ich jetzt mal gesagt.

Sören: Das klingt auf jeden Fall gut.

Roman: Ja. So weit zum Thema Berufseinstieg. Wir wünschen euch dafür auf jeden Fall alles Gute, wenn ihr gerade dran seid. Wir freuen uns, dass ihr in diese Community der TGA-Planerinnen reinkommt.

Sören: Und ich kann nur sagen: Bleibt dran, es lohnt sich. Es ist einfach eine Branche, die die Welt verändert.

Roman: Boah, das stimmt sogar.

Sören: Ist so — zumindest die Gebäude.

Roman: Ist klar. Und die Stadt. Bis dann.

Sören: Bis dann. Ciao, ciao.

Roman: Ciao, ciao.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Was muss der Berufseinstieg in die TGA-Fachplanung leisten?

Er soll neue Kolleginnen und Kollegen nicht nur gewinnen, sondern halten und erst einmal zum Fahren bringen. Das Bild dafür ist der Führerschein: Mit dem Studienabschluss oder einem Quereinstieg darf man fahren, kann es aber noch lange nicht. Der Einstieg erfolgt meist über die Fachplanung, kaum als Projektleitung, Fachkoordination oder Büroleitung, vielleicht noch über die Bauüberwachung. Er ist die Vorstufe zu den Muss-, Soll- und Kann-Aufgaben der Fachplanung, die danach vertieft werden.

Was fehlt Studienabgängern beim Einstieg in die TGA-Planung?

Nach Roman Fritsches vor allem Normwerk, Kostengruppen, Leistungsverzeichnisse, Honorar und HOAI sowie das Lesen von Schemata und Grundrissen. Die Komplexität zwischen und innerhalb der Gewerke kann ein Studium nach Sören Janson gar nicht vermitteln; Normen kommen dort nur in einem geschützten, limitierten Umfeld vor. Um Pläne wirklich zu verstehen, muss man nach Roman Fritsches erst einmal ein halbes Jahr lang Beispiele sehen: Was steht in der Legende, was bedeuten Farben und Zahlen, und was muss in welcher Projektphase dargestellt sein.

Was brauchen Quereinsteiger aus Handwerk, Meister- oder Technikerschule?

Auch sie brauchen eine Normenschulung, weil es in der Planung um Dokumentation geht, in Anführungszeichen um rechtssichere Dokumentation: Sie müssen für das, was sie in der Anwendung oft schon gemacht haben, sagen können, auf welcher Grundlage es normgerecht ist. Schemata und Grundrisse beherrschen sie meist schon, weil sie auf dem Bau damit arbeiten. Roman Fritsches rät ihnen, sich nicht unterbuttern zu lassen, weil ihre Berufserfahrung viel wert ist, und offen auf eigene Schwächen zu schauen: Dokumentation, E-Mails, Verschriftlichen, Kommunikation, Leistungsverzeichnisse, Normen und Systemplanung.

Was sollte ein Planungsbüro für den Berufseinstieg bereitstellen?

Eine Stellen- oder Rollenbeschreibung, die die Muss-Aufgaben schriftlich festhält, und einen schriftlichen Einarbeitungsplan: zuerst die Muss-Aufgaben der Fachplanung, im zweiten Schritt die Soll- und dann die Kann-Aufgaben, sodass nach einem Jahr der nächste Schritt möglich ist. Der Plan soll ein Rahmen mit Meilensteinen sein, kein enges Korsett, und etwa halbjährlich besprochen werden. Dazu kommen eine feste Vertrauensperson, Fokuszeit und Zeit, die Software zu lernen. Der Satz „Du kannst hier doch jeden fragen“ reicht nicht, weil im Büroalltag niemand Zeit hat.

Warum brauchen Berufseinsteiger in der TGA-Planung Fokuszeit?

Weil sie sonst den ganzen Tag in Terminen sitzen oder auf der Baustelle sind und den enormen Input nicht verarbeiten können. Im Interview mit Studierenden der HCU kam heraus, dass sie sich weder austauschen noch in Ruhe denken konnten. Roman Fritsches empfiehlt, auch Berufseinsteigern bis zu vier Stunden Fokuszeit am Tag zu ermöglichen und diese Zeit gemeinsam zu strukturieren; vier Stunden gelten als Zahl für Spitzenkräfte.

Wie gelingt das gemeinsame Lernen zwischen Berufseinsteigern und erfahrenen Kollegen?

Junge Kolleginnen und Kollegen treffen oft auf erfahrene, die unter Projektstress stehen und ein Schema mit „So ist es“ vorlegen. Wer eigentlich Kritikpunkte hat, traut sich mit 25 oder 28 Jahren gegenüber einem 45-jährigen Kollegen oft nicht, sie zu äußern. Nach Roman Fritsches ist es Aufgabe der Führungskräfte, echten Austausch und gemeinsames Lernen zu ermöglichen. Sören Janson nennt das psychologische Sicherheit: mit eigenen Themen, egal wie richtig oder falsch, zu den Kollegen kommen zu können, ohne vom Hof gejagt zu werden.

Müssen Fachplaner auch Systemplanung und die Planungssoftware beherrschen?

Sören Janson sieht Überschneidungen der Rollen, durch die Fachplanende ohnehin ans Zeichnen herangeführt werden; wichtiger sei, Grundlagen zu schaffen und die Kolleginnen und Kollegen in der Software weiterzuentwickeln, weil es ohne sie nicht mehr geht und die Anwendungen komplex und unterschiedlich sind, etwa DDS-CAD und Revit. Roman Fritsches beobachtet, dass gerade in der Elektrotechnik Fach- und Systemplaner beide die Software benutzen und beide konstruieren, und empfiehlt Büroleitungen, Zeit zum Lernen der Systemplanungssoftware einzuräumen.

Zitate

„Man hat einen Führerschein, aber das heißt ja noch nicht, dass man wirklich fahren kann."

— Sören Janson

„Normwerk, Kostengruppen, LV, Honorar, HOAI, Schema lesen, Grundrisse verstehen: Ich konnte das nicht. Ich musste das erst mal richtig lernen."

— Roman Fritsches

„Das kann ein Studium gar nicht bringen."

— Sören Janson

„Es gab auch keinen schriftlichen Einarbeitungsplan."

— Roman Fritsches

„Vier Stunden Fokuszeit. Wenn du das am Tag schaffst, dann hast du wirklich dein Maximum ausgeschöpft."

— Roman Fritsches

„Der Input ist ja auch so enorm. Den muss man ja auch irgendwo verarbeiten können."

— Sören Janson

„Ich glaube, da ist eine große Aufgabe an die Führungskräfte, einen echten Austausch, ein echtes gemeinsames Lernen zu erzielen."

— Roman Fritsches

„Dieses Hamsterrad ist gefährlich, weil es tatsächlich auch zu weniger Lernen führt."

— Roman Fritsches

„Gerade wenn ich in die Projektleitung will, muss ich verstehen, wie Menschen ticken."

— Sören Janson

„Lasst euch nicht unterbuttern und gewinnt Selbstvertrauen."

— Roman Fritsches

Zahlen & Fakten

Vier Stunden Fokuszeit am Tag gelten als Zahl für Spitzenkräfte; wer das schafft, hat sein Maximum ausgeschöpft. Eine Quelle wird nicht genannt.

Quelle: Roman Fritsches

Um Schemata und Grundrisse wirklich lesen zu können, muss man nach eigener Erfahrung erst einmal ein halbes Jahr lang Praxisbeispiele sehen.

Quelle: Roman Fritsches

Ein schriftlicher Einarbeitungsplan sollte zuerst die Muss-, dann die Soll- und dann die Kann-Aufgaben der Fachplanung enthalten, sodass nach einem Jahr der nächste Schritt möglich ist.

Quelle: Roman Fritsches

Die Entwicklung entlang des Einarbeitungsrahmens sollte etwa halbjährlich besprochen werden.

Quelle: Sören Janson

Der Berufseinstieg im Ingenieurbüro erfolgt meist über die Fachplanung, selten direkt als Projektleitung, Fachkoordination oder Büroleitung, gelegentlich über die Bauüberwachung.

Quelle: Roman Fritsches

In vielen Büros, gerade in der Elektrotechnik, benutzen Fachplaner und Systemplaner beide die Software und konstruieren beide.

Quelle: Roman Fritsches

Ein geplantes Programm für einsteigende Fachplanerinnen und Fachplaner ist in drei Modulen skizziert: Bedarfsplanung bis Entwurf, Entwurf bis Ausführungsplanung, Montageplanung bis Baustelle; der Start ist für das nächste Jahr vorgesehen.

Quelle: Roman Fritsches

Glossar

Berechnung und Bemessung
Die Auslegung der Komponenten nach den Regeln der Technik; Teil der Muss-Aufgaben der Fachplanung.
Einarbeitungsplan
Schriftlicher Plan für den Berufseinstieg, der zuerst die Muss-Aufgaben der Fachplanung, im zweiten Schritt die Soll- und dann die Kann-Aufgaben enthält, sodass nach einem Jahr der nächste Schritt möglich ist. Als Rahmen mit Meilensteinen gedacht, nicht als enges Korsett, und etwa halbjährlich besprochen.
Fokuszeit
Zeit für konzentriertes Arbeiten ohne Baustelle und Termine. Als Zahl für Spitzenkräfte werden vier Stunden am Tag genannt; wer das schafft, hat sein Maximum ausgeschöpft.
Psychologische Sicherheit
Mit den eigenen Themen, egal wie richtig oder falsch, inhaltlich zu den Kollegen kommen zu können, ohne gleich vom Hof gejagt zu werden.
Rollenbeschreibung (Stellenbeschreibung)
Schriftliche Beschreibung der Muss-Aufgaben einer Rolle: was von der Person erwartet wird und was sie können muss.

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