TGA-Planung › Büroleitung TGA-Planung › Folge #348
tgabar · BargesprächeJunior Projektleitung
Die tgabar bietet erstmals eine Weiterbildung für Junior-Projektleitungen an: Personen, die ihr erstes Projekt noch vor sich haben oder als stellvertretende beziehungsweise Teilprojektleitung arbeiten. Das Seminar definiert die Rolle, ihre Vorteile, Erwartungen und Entwicklungsschritte. Im Mittelpunkt stehen wirtschaftliches Denken und Führung statt Technik — plus ein Mentoringprogramm für Projektleitung.
Transkript
Worum geht es bei der Weiterbildung für Junior-Projektleitungen?
Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar. Heute geht es um Juniorprojektleitungen. Wir schauen in die Zukunft und daher auch auf die Juniorprojektleitungen. Warum im Speziellen? Weil die tgabar dazu eine Weiterbildung anbietet. Du erinnerst dich, Sören, wir haben im Mai zusammen Weiterbildungen für die tgabar geplant — und eine davon war die Juniorprojektleitung. Du hattest übrigens auch noch eine vorgeschlagen, eher grundsätzlich zum Thema Kultur.
Bei der Juniorprojektleitung haben wir gesagt: Wir versuchen, die Menschen, die jetzt vielleicht Fachplanung machen oder frisch von der Hochschule kommen, für das Thema Projektleitung zu motivieren und aufzuklären. Und haben uns erst gefragt: Was ist denn daran so toll?
Wie definiert die tgabar eine Junior-Projektleitung?
Sören: Es hilft ja nicht, das kalte Wasser zu wählen, sondern man sollte strukturiert vorgehen. Deswegen habt ihr angefangen, Juniorprojektleitungen erst einmal zu definieren.
Roman: Genau. Das sind Personen, die ihr erstes Projekt noch vor sich haben — als Projektleiterin, als stellvertretende Projektleitung oder als Teilprojektleitung aktiv sind und noch nicht erfahren sind. Als Abgrenzung zur Seniorprojektleitung, die schon ein paar Projekte hinter sich hat.
Das Ziel haben wir mit der Lounge gut definiert: erst die Definition, dann die Vorteile — warum habe ich Lust darauf, was ist so toll an der Projektleitung —, dann die Erwartungen an die Projektleitung, und als Drittes der Entwicklungsschritt, wie komme ich da hin. Wir haben bestimmt 16, 17 Vorteile durchgearbeitet und dann abgestimmt, welche die wichtigsten für wen sind: von Ruhm und Ehre über das dickere Auto bis zu Gestaltungsmöglichkeiten, mehr Nähe zum Bauherrn, anderen Entscheidungsbefugnissen, der Fähigkeit Rollen zu definieren und Entwicklungsmöglichkeiten für sich selbst.
Welche Kompetenzen braucht eine Junior-Projektleitung?
Sören: Was sind die vier oder fünf Kompetenzen, die man am ehesten braucht, wenn man als Jungingenieurin oder Jungingenieur in diese Rolle reinkommt — etwa weil man eine Vertretung übernehmen soll?
Roman: Eine Anforderung ist, dass man wirtschaftlich denkt. Das Zweite ist, den Begriff von Führung zu verstehen: dass ich in der Lage bin, für andere Menschen Ziele und Aufgaben mit zu definieren und zu verfolgen. Das ist für Fachplanerinnen oft nicht einfach, weil sie in zehn Projekten gleichzeitig hängen und die Ziele jedes einzelnen Projekts nicht mehr im Blick haben.
Wir haben zuerst diese Punkte geklärt und dann mit der Rollendefinition Projektleitung angefangen — etwas Abgrenzung von den anderen Rollen, die Ziele der verschiedenen Rollen, zumindest für die ersten vier Leistungsphasen detailliert. Das Ganze endet mit einem Ausblick, wie man in die Rolle hineinkommt: ein Rollensteckbrief, den wir durchgearbeitet haben. Und natürlich endet es mit Werbung für das einzige Mentoringprogramm für Projektleitung.
Bei welchem Projekt steigt man am besten in die Projektleitung ein?
Sören: Welches Projekt eignet sich am ehesten, um das Thema für sich selbst anzugehen — wenn man bereit ist, den nächsten Schritt zu gehen, auch wenn der Chef noch nichts davon weiß?
Roman: Das muss man unternehmensspezifisch machen. Ein Kriterium ist ein besonders kooperativer Bauherr, mit dem man sich wenig streiten muss, und ein besonders kooperativer Architekt. Und dann ein erster Einblick in die Themen Wirtschaftlichkeit und Vertrag, Kosten, anrechenbare Kosten. Es geht los mit dem Schwerpunkt Kosten, dann kommt der Schwerpunkt Honorare und als Drittes wahrscheinlich das Thema Vertrag.
Sören: Das heißt, die technische Komponente siehst du gar nicht mehr als die primäre Herausforderung?
Roman: Überhaupt nicht. Für mich sind Projektleiterinnen und Projektleiter nicht diejenigen, die technisch arbeiten — dafür haben sie ihre Fachplanerinnen. Sie sollen das Ziel des Projekts verstehen, mitverhandeln und den Kostenrahmen für alle Fachplanungen im Blick behalten. Dazu Termine, Vertrag und Qualität. Wobei ich eher sagen würde: lieber pünktlich liefern. Wenn die Fachplanung schlecht ist, hat der Fachplaner schlecht gearbeitet — das ist nicht die Hauptverantwortung der Projektleitung.
Welche persönlichen Eigenschaften sind ein Muss?
Sören: Was wäre zusammengefasst ein Must-have? Welche Eigenschaften müsste eine Person mitbringen?
Roman: Standpunkt haben. Sich hinstellen und sagen: Ich brauche das und ich will das. Wenn du in Besprechungen lieber nichts sagst, ist das wahrscheinlich die falsche Rolle — außer du wächst da rein und fühlst dich hinterher wohl. Aufzustehen und zu sagen „das sehe ich anders“, oder ein Gespräch zu moderieren. Mit zunehmendem Selbstbewusstsein und Alter wird es einfacher: Wenn ich das Projekt von Anfang an durch das, was ich sage, in die richtige Richtung schiebe, fällt es später immer leichter. Es kommt Routine rein und Vertrauen. Ich bin bei ein paar Projekten so weit, dass ich mit dem Bauherrn auf Augenhöhe bin und gar nicht als Auftragnehmer behandelt werde. Das macht richtig Spaß.
Sören: Hättest du dir so ein Programm gewünscht?
Roman: Oh ja. Ich hatte den Klassiker: zwei Senioren mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen. Die Stärken sieht man am Anfang, die Schwächen lernt man später kennen. So ein Mentoringprogramm würde total helfen — strukturiert, wie es sein muss.
Wie ist die Resonanz auf die erste Schulung?
Roman: Wir sind in einer schwierigen zeitlichen Dimension: Das Seminar findet übermorgen statt, aber ihr hört den Podcast, nachdem die Folge stattgefunden hat. Wir haben jetzt 89 Anmeldungen. Wir machen nochmal Werbung dafür, ich hoffe auf über 100. Die Resonanz ist erstmal ziemlich groß. Manche Büros sind mit zehn, elf Leuten vertreten.
Sören: Ein gutes Zeichen, dass viele trotz der Herausforderungen in diese Rolle reinwachsen wollen.
Roman: Was ich auf jeden Fall intensiv machen werde, sind Umfragen und Befragungen: Wer findet welche Fähigkeiten und Vorteile am wichtigsten? Am Schluss biete ich projektspezifisches Mentoring an.
Was ist die neue Dezember-Rubrik „Schnittstelle oder Schnapsidee“?
Sören: Das können wir im neuen Jahr auseinandernehmen. Wir betreiben diesen Podcast seit vier Jahren — die erste Folge war am 5. Dezember 2021, noch unter Corona-Bedingungen. Die wenigsten kennen unsere Stimmen. Deswegen habe ich mir für den Dezember eine neue Rubrik überlegt: „Schnittstelle oder Schnapsidee“ — eine Entweder-Oder-Frage. Nach jeder Frage eine kurze Antwort. Ein Speed-Dating, obwohl wir längst verheiratet sind.
Sören: HOAI oder VOB? — Roman: HOAI. Sören: BIM oder klassischer 2D-Plan? — Roman: BIM. Sören: Bauherrenbesprechung oder Jour-Fixe? — Roman: Bauherrenbesprechung. Sören: Lieber ein Terminrisiko oder ein Kostenrisiko? — Roman: Terminrisiko. Sören: Mails oder Anruf? — Roman: Mails. Sören: Planungschaos retten oder Nachträge verhandeln? — Roman: Nachträge verhandeln. Sören: Großprojekt oder viele kleine Projekte? — Roman: Großprojekt. Sören: Büroarbeit oder Baustelle? — Roman: Büroarbeit. Sören: Normenstudium oder Erfahrungswissen? — Roman: Erfahrungswissen. Sören: Deadline-Stress oder Konfliktgespräch? — Roman: Konfliktgespräch.
Sören: Vielleicht habt ihr Roman noch ein bisschen besser kennengelernt. Ich wünsche euch eine tolle Weihnachtszeit. Wir treffen uns nächste Woche wieder an der Bar. Bis dann, ciao.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Wie definiert die tgabar eine Junior-Projektleitung?
Junior-Projektleitungen sind Personen, die ihr erstes Projekt noch vor sich haben, als stellvertretende Projektleitung oder als Teilprojektleitung arbeiten und noch nicht erfahren sind — in Abgrenzung zur Seniorprojektleitung, die bereits mehrere Projekte hinter sich hat.
Welche Kompetenzen braucht man für den Einstieg in die Projektleitung?
Vor allem wirtschaftliches Denken und ein Verständnis von Führung, also für andere Menschen Ziele und Aufgaben zu definieren und zu verfolgen. Dazu kommt persönlich der Mut, einen Standpunkt einzunehmen und Gespräche zu moderieren. Die technische Arbeit übernehmen die Fachplanerinnen, nicht die Projektleitung.
Bei welchem Projekt sollte eine Junior-Projektleitung am besten einsteigen?
Bei einem Projekt mit besonders kooperativem Bauherrn und Architekten, bei dem man sich wenig streiten muss, und mit erstem Einblick in Wirtschaftlichkeit und Vertrag. Der Einstieg geht über den Schwerpunkt Kosten, dann Honorare und schließlich Vertrag.
Zitate
„Für mich sind Projektleiterinnen und Projektleiter nicht diejenigen, die technisch arbeiten — dafür haben sie ihre Fachplanerinnen."
— Roman Fritsches
„Standpunkt haben. Wenn du in Besprechungen lieber nichts sagst, ist das wahrscheinlich die falsche Rolle."
— Roman Fritsches
„Es hilft ja nicht, das kalte Wasser zu wählen, sondern man sollte strukturiert vorgehen."
— Sören Janson
Zahlen & Fakten
Für das erste Junior-Projektleitungs-Seminar der tgabar gab es zum Aufnahmezeitpunkt 89 Anmeldungen; einzelne Büros waren mit zehn bis elf Personen vertreten.
Quelle: Roman FritschesDie tgabar erarbeitete bei der Vorbereitung der Schulung rund 16 bis 17 Vorteile der Rolle Projektleitung.
Quelle: Roman FritschesDer Podcast Bargespräche an der tgabar läuft seit vier Jahren; die erste Folge erschien am 5. Dezember 2021.
Glossar
- Junior-Projektleitung
- Person, die ihr erstes Projekt noch vor sich hat oder als stellvertretende beziehungsweise Teilprojektleitung arbeitet und noch nicht erfahren ist.