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TGA-PlanungAus- und Weiterbildung für die TGA-PlanungFolge #904

World of TGA

World of TGA: Systemplanerin Jessica

Folge 90407.04.202318:08 minRoman FritschesGast: Jessica
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Auf den Punkt

Technische Systemplanerin für TGA bedeutet weit mehr als Nachzeichnen: Man verbindet Kreativität und Technik, konstruiert Bauteile in 3D, plant Lüftung, Heizung und Sanitär in BIM-Modelle hinein und prüft, ob alles ins Gebäude passt. Jessica beschreibt im Interview ihren Weg in den Beruf, die Arbeit an einem BIM-Projekt und warum ihr die Planungstiefe später in der Medizintechnik fehlte.

Transkript

Wie ist Jessica zur Ausbildung als technische Systemplanerin gekommen?

Roman: Herzlich willkommen zu World of TGA. Ich bin Roman und ich sitze hier mit Jessica. Hallo Jessica. Du hast genau die Ausbildung gemacht, die uns hier alle so interessiert und bewegt und die so wichtig für uns ist: zur technischen Systemplanerin. Erzähl mal, wie du dazu gekommen bist.

Jessica: Ich habe damals nach einer neuen Ausbildung geschaut, weil ich direkt nach der Schule schon eine andere Ausbildung abgeschlossen hatte, als Hotelfachfrau. Dann wollte ich einen Neuanfang machen, weil mir die Ausbildung nicht mehr gefallen hatte.

Roman: Du hattest sie aber abgeschlossen und dann im Hotel gearbeitet — und dann hast du gemerkt?

Jessica: Ja, das hat mir nicht so ganz gut gefallen. Das waren vor allem die Arbeitszeiten: zu lang und zu unflexibel, sehr stark an die Arbeitszeiten im Hotel gebunden.

Roman: Und warst du da an der Rezeption oder überall?

Jessica: Ich bin einmal alle drei Abteilungen durchgelaufen: zuerst Service im Restaurant — Frühstück und à la carte —, dann die Rezeption, wo ich die Leute ein- und ausgecheckt habe, und das Housekeeping, wo ich die Zimmer fertig gemacht habe. Das war zu viel Stress.

Was hat Jessica an der technischen Systemplanung angesprochen?

Roman: Mit 21 hast du dann eine neue Ausbildung angefangen und bist auf die technische Systemplanung gekommen. Wie bist du da hingekommen?

Jessica: Ich hatte bei Google nachgeschaut, was es so für technische Berufe gibt, und bin auf die Seite ausbildungsstellen.de gekommen. Da ist der Systemplaner aufgetaucht, ich habe mich bei euch beworben und es hat geklappt.

Roman: Du hattest vorher schon ein Praktikum zum Thema Bauzeichnen gemacht, oder?

Jessica: Ja, in der Schulzeit, ich glaube in der 9. Klasse, bei einem Architekturbüro. Das war mir aber zu eintönig, ich wollte ein bisschen Technik oder Gebäudetechnik mit drin haben. Es war schon digital, ich durfte da auch mal mein eigenes Haus nachzeichnen.

Roman: Was hat dich am Beruf der technischen Systemplanerin für TGA hauptsächlich angesprochen?

Jessica: Dass man die Systemplanung mit Kreativität und Technik verbinden kann. Dass man nicht nur zeichnet, sondern auch mit den Ingenieuren oder Technikern plant — und nicht nur dumm nachzeichnet.

Roman: Das ist auch ein Missverständnis, das nicht aufkommen darf. Ich kenne das von Kollegen von dir: Man zeichnet nicht nur die Sachen nach, die ein Ingenieur vorlegt, sondern plant mit dem eigenen Kopf und den eigenen Fähigkeiten selbst, was man vorhat.

Welche Systeme plant eine technische Systemplanerin?

Jessica: Hauptsächlich habe ich Lüftung und Heizungstechnik geplant und gezeichnet, auch Sanitärplanung.

Roman: Sanitär lag dir aber nicht so, oder? Lüftung hat dir Spaß gemacht?

Jessica: Genau, Lüftung ist mein Hauptthema. Weil ich da viel mehr in 3D zeichnen kann und auch überlegen muss, wo die Kanäle oder Rohre langgeführt werden können. Bei Heizung ist mir das ein bisschen zu einfach.

Roman: Diese dünnen Röhrchen, die überall Wärme transportieren, sind nicht so spannend.

Jessica: Da hat mir das 3D ein bisschen gefehlt. Beim Bauzeichnen ist es nur 2D, man sieht nur die Ansichten von vorne oder die Seitenansichten.

Was war das Spannende an der 3D- und BIM-Planung?

Roman: Was war das Spannendste, an dem du in der 3D-Planung mitarbeiten konntest?

Jessica: Die Schablone, mit der man Bauteile von den verschiedenen Maschinen oder Anlagen zeichnen und in 3D darstellen kann — etwa für große Technikzentralen. So sieht man, wo man langgehen kann und wo die Rohre langgeführt werden sollten.

Roman: Dieses 3D-Konstruieren ist das, was dich eigentlich interessiert. Geht es dir mehr um die Gebäude oder um das Konstruieren der Bauteile?

Jessica: Das Konstruieren der Bauteile.

Roman: Gab es ein Gebäude, auf das du ein bisschen stolz bist?

Jessica: Ja, in Eichenhain. Das war mein erstes Projekt in der Ausbildung. Das haben wir mit dem anderen Azubi eigentlich alles alleine und selbstständig gemacht.

Roman: Das war ein BIM-Projekt — Building Information Modeling. Kannst du aus deiner Sicht umschreiben, was das für dich hieß?

Jessica: Das war schon eher 3D-mäßig, nicht nur 2D, wo man nur die Draufsicht von vorne sieht — und dass man mehr in den Gebäuden plant.

Roman: Ihr habt nicht nur einen Grundriss in 3D hochgezogen, sondern richtig Bauteile definiert, auskonstruiert, ins Gebäude gesetzt und dort verschoben, wenn es passen musste. Es gab sogar Wanderungen durchs Gebäude, bei denen Bauherren und Nutzer in 3D durch ihre spätere Wohnung gehen konnten.

Jessica: Ja, genau. Es gab schon Probleme, zum Beispiel mit den Höhen — dass die Höhe nicht ausreichend ist, um die Kanäle und Rohre so reinzuplanen, dass es passt und keine Probleme auftauchen.

Roman: Durch diese 3D-Gestaltung siehst du, wo es hakt. Da war zum Beispiel die Tiefgarage oder die Kellerdecke nicht hoch genug.

Jessica: Das weiß ich nicht mehr genau. Ich denke, dass wir da etwas geplant haben, sodass es am Ende passt.

Roman: Bei einem BIM-Projekt haben die Bauteile nicht nur eine 3D-Form, sondern auch einen Informationsgehalt.

Jessica: Genau, die technischen Daten, die man auch in den Datenblättern findet. Als das fertige Modell sichtbar war, war das schon cool zu sehen, was man geplant hat.

Wie verändert Augmented Reality die Arbeit auf der Baustelle?

Roman: Es gibt inzwischen Software, mit der du mit Handy oder Tablet auf die Baustelle gehst und das 3D-Modell mit dem echten Raum überlagerst — Augmented Reality. Bei geschlossenen Decken kannst du auf dem Handy sehen, was hinter der Decke ist. Das geht schon seit fünf Jahren, schon als wir das BIM-Projekt gemacht haben. Bei fertigen Bauvorhaben wird es genutzt, um das Gebäude zu steuern: Du guckst mit dem Handy auf einen Heizkörper und kannst ihn regeln oder die Luftmenge verändern. Deine Arbeit wird immer wichtiger, weil es nicht nur ums Zeichnen geht, sondern ums Konstruieren, Modellieren, Anreichern mit Informationen und Sicherstellen, dass es funktioniert.

Welche Rolle spielen Schemata und die Zusammenarbeit mit den Ingenieuren?

Roman: Ein Thema waren immer die Schemata. Parallel zum Grundriss und Modell gibt es eine logische Darstellung, welche Bauteile zusammenhängen — bei der Lüftung etwa, welche Brandschutzklappen wo sind. Findest du es gut, diese Schemata zu machen?

Jessica: Ja, das ist sinnvoll, dass man das zusätzlich zum Grundriss darstellt, damit auch die auf der Baustelle wissen, wo was hingehört und wie genau es aufgebaut wird. Da kann man schon viel Arbeit und Zeit reinstecken.

Roman: Die Kommunikation zwischen dir und den Fachplanern und Ingenieuren lief viel über das Schema. Wie war die Zusammenarbeit mit den Ingenieuren?

Jessica: Das lief eigentlich immer ganz gut. Klar hatten die mal keine Zeit, wenn ein Projekt anläuft, aber das lief eigentlich ganz entspannt.

Roman: Du hast relativ viel selbstständig machen dürfen.

Jessica: Ja, das finde ich cool, dass man schon in der Ausbildung viel Verantwortung selbst hat.

Roman: Die Systemplaner sind in den Phasen drin, in denen das Gebäude modelliert wird. Das Modellierte muss dann auf den Markt gebracht und gebaut werden — Firmen finden, Leistungsverzeichnisse schreiben, Kosten berechnen und beraten. Das machen die Ingenieure, und zwar für alle Projekte gleichzeitig, also sind sie immer gestresst. Das Ziel ist, euch in Ruhe die Systemplanung machen zu lassen und beratend zur Seite zu stehen, wenn es ein Problem gibt — etwa wenn die Deckenhöhe nicht passt.

Wie praxisnah war die Ausbildung und wie lief die Abschlussprüfung?

Roman: War die Ausbildung in der Schule praxisgerecht? Konntest du das, was du hier machst, dort schon vorüben?

Jessica: Ja, wir hatten ein CAD-Programm — dasselbe, das wir hier in der Firma haben. Das war hilfreich, dass wir da schon vieles wussten.

Roman: Zum Abschluss hast du ein Projekt aus dem Büro übernommen und vorgestellt?

Jessica: Genau, das war die Abschlussprüfung: ein eigenes Projekt fertig machen, eine Präsentation erstellen und die Grundrisse erstellen, sodass man selbstständig arbeiten kann.

Roman: Und das hast du im Stehen präsentiert und das Modell gezeigt. Haben sie blöde Fragen gestellt?

Jessica: Das sind Fachleute von der TGA, die wissen schon vieles über Lüftung, Heizung und so weiter. Die fragen verschiedene Sachen, die sie eigentlich schon wissen, die du aber von dir aus erzählen sollst, damit sie wissen, was du gelernt hast.

Roman: Deine Hauptausbilderin war Lisa. Was hast du von ihrer Art, dich auszubilden, erlebt?

Jessica: Sie hat mir sehr geholfen, in der Ausbildung und auch als Freundin. Sie hat mir viel für die Themen und für die Prüfung beigebracht — und auch beim Umgang mit den Kollegen. Man reift ja auch als Mensch in einer Ausbildung, nicht nur fachlich, sondern auch menschlich.

Warum hat Jessica die TGA später verlassen?

Roman: Du hast die Ausbildung abgeschlossen und dich dann entschieden, in deine Heimat zurückzuziehen und die TGA zu verlassen — Richtung Medizintechnik.

Jessica: Ja, das war im Produktdesign. Ich wollte zurück in meine Heimat, da gab es aber keinen Job in der Gebäudetechnik. Ich hatte mich schon immer für Produktdesign interessiert und bin in die Medizintechnik gegangen, wo ich Implantate für OPs zeichnen durfte.

Roman: Klingt anspruchsvoll.

Jessica: Ja, das war interessanter, aber auch ein bisschen zu eintönig. Ich durfte nur die technischen Zeichnungen fertig machen und nichts konstruieren — die Planung hat mir da gefehlt. Auch die ganzen Berechnungen und die Gebäudetechnik haben mir gefehlt, da habe ich schon Fehler gemerkt.

Roman: Das ganze Berechnen machst du hier ja auch — nicht auf dem Papier, sondern mit Software und Berechnungshilfen, die du verstehen und bei denen du Fehler erkennen musst.

Jessica: Du musst die Daten eintragen, dann passiert das automatisch. Du musst schon wissen, was du da tust.

Roman: Es war auch menschlich schwierig beim Ausflug zurück in die Heimat — unternehmenskulturell nicht das Gelbe vom Ei. Gab es blöde Situationen?

Jessica: Die Leute waren nett, ich habe mich gut mit ihnen verstanden. Aber das Arbeitsklima war nicht so wie hier — nicht so freundschaftlich oder familiär. Es gab die Vorgesetzten, ganz klassisch, das war zu alt, nicht so modern wie hier.

Roman: Ich glaube, das zeichnet die Ingenieurbüros aus. Es gibt Büros zwischen fünf und 500 Mitarbeitern, aber dieses Familiäre, die bewegliche Atmosphäre und die gute Unternehmenskultur zeichnen uns aus. Jessica, vielen, vielen Dank, ich freue mich, dass du hier bist. Und ich freue mich, wenn du Ansprechpartnerin sein könntest für Mädchen und Frauen, die diese Ausbildung machen möchten. Ihr erreicht mich unter www.world-of-tga.de. Jessica, vielen Dank, alles Gute.

Jessica: Ja, danke. Und dir auch.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Was macht eine technische Systemplanerin für TGA?

Sie verbindet Systemplanung mit Kreativität und Technik: Statt nur zu zeichnen, plant sie gemeinsam mit Ingenieuren und Technikern, konstruiert Bauteile in 3D und führt zum Beispiel Lüftungskanäle und Rohre so durch das Gebäude, dass sie passen. Geplant werden vor allem Lüftung, Heizung und Sanitär.

Was bedeutet BIM (Building Information Modeling) in der Systemplanung?

Es wird nicht nur ein 2D-Grundriss in 3D hochgezogen, sondern es werden Bauteile definiert, auskonstruiert und ins Gebäudemodell gesetzt. Die Bauteile tragen zusätzlich einen Informationsgehalt — die technischen Daten aus den Datenblättern. So lassen sich Konflikte, etwa bei Deckenhöhen, früh erkennen.

Warum ist Lüftungsplanung anspruchsvoller als Heizungsplanung?

Bei der Lüftung kann man viel mehr in 3D zeichnen und muss überlegen, wo die Kanäle und Rohre langgeführt werden. Heizung mit ihren dünnen Rohren empfindet Jessica als zu einfach, weil ihr dort die 3D-Komponente fehlt.

Wozu dienen Schemata neben dem Grundriss?

Das Schema ist eine logische Darstellung, die zeigt, welche Bauteile zusammenhängen — bei der Lüftung etwa, wo die Brandschutzklappen sitzen. Es macht die Planung anschaulicher, sodass auch die Beteiligten auf der Baustelle wissen, wo was hingehört und wie es aufgebaut wird. Es ist zugleich ein wichtiges Kommunikationsmittel zu den Fachplanern und Ingenieuren.

Wie kann Augmented Reality auf der Baustelle eingesetzt werden?

Mit Handy oder Tablet wird das 3D-Modell mit dem realen Raum überlagert. Bei geschlossenen Decken lässt sich anzeigen, was dahinter liegt. Bei fertigen Gebäuden kann man darüber sogar die Technik steuern — etwa einen Heizkörper regeln oder die Luftmenge verändern.

Wie läuft die Abschlussprüfung zur technischen Systemplanerin ab?

Man bearbeitet ein eigenes Projekt vollständig, erstellt die Grundrisse und eine Präsentation und stellt das Modell vor einem Fachgremium der TGA vor. Die Prüfer stellen Fragen, deren Antworten sie oft schon kennen, damit die Auszubildende selbst zeigt, was sie gelernt hat.

Zitate

Dass man die Systemplanung mit der Kreativität und Technik verbinden kann. Dass man nicht nur zeichnet, sondern auch plant mit den Ingenieuren."

Jessica

Bei der Lüftung kann ich viel mehr in 3D zeichnen und muss auch überlegen, wo die Kanäle oder Rohre langgeführt werden können."

Jessica

Das finde ich cool, dass man viel Verantwortung auch in der Ausbildung schon selbst hat."

Jessica

Zahlen & Fakten

Augmented-Reality-Anwendungen, die das 3D-Modell mit dem realen Raum überlagern, gibt es bereits seit etwa fünf Jahren.

Quelle: Roman Fritsches

Ingenieurbüros reichen von etwa fünf bis 500 Mitarbeitern.

Quelle: Roman Fritsches

Glossar

Augmented Reality
Überlagerung des 3D-Modells mit dem realen Raum über Handy oder Tablet; ermöglicht den Blick hinter geschlossene Decken und das Steuern der Gebäudetechnik.
BIM (Building Information Modeling)
Planungsmethode, bei der Bauteile in 3D konstruiert und mit Informationsgehalt (technische Daten aus Datenblättern) versehen ins Gebäudemodell gesetzt werden, statt nur einen 2D-Plan in 3D hochzuziehen.
Schema
Logische Darstellung zusätzlich zum Grundriss, die zeigt, welche Bauteile zusammenhängen (z. B. Lage der Brandschutzklappen), und die Planung für die Baustelle anschaulicher macht.
Technische Systemplanerin
Ausbildungsberuf, der Systemplanung mit Kreativität und Technik verbindet: eigenständiges Planen und Konstruieren von TGA-Bauteilen (Lüftung, Heizung, Sanitär) gemeinsam mit Ingenieuren, nicht bloßes Nachzeichnen.
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