TGA-Planung › Neues aus der TGA-Forschung › Folge #438
tgabar · BargesprächeNeues aus der Forschung: Was macht TGA-Planende zufrieden?
In seiner Dissertation „Produktiv Planen“ an der Helmut-Schmidt-Universität hat Roman Fritsches 237 TGA-Planende aus sechs Büros befragt. Zwischenergebnis: Rollenklarheit sagt das Arbeitsergebnis kaum voraus, die Kapazitätsplanung beeinflusst die Zufriedenheit dagegen am stärksten. Die KI-Reife ihrer Büros bewerten alle Rollen sehr niedrig; am zufriedensten sind Bauüberwachung und Systemplanung Elektrotechnik.
Transkript
Warum sucht die tgabar Forschende zur TGA-Planung?
Roman: Moin, moin und herzlich willkommen an der tgabar zu einer neuen Ausgabe von „Neues aus der Forschung“.
Sören: „Neues aus der Forschung“, genau, das ist es. Habe ich den Einstieg gleich verpasst?
Roman: Das Wetter ist toll, wir genießen hier den Spätherbst — nee, Quatsch: Spätsommer, Frühherbst.
Sören: Ist das schon Frühherbst? Weiß ich gar nicht.
Roman: Offiziell ist schon Herbst.
Sören: Eigentlich 25 Grad im Norden — das ist schon sehr typisch.
Roman: Das ist typischer Herbst, auf jeden Fall. Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Jahren mit den Kindern am Strand war, ich glaube 2019, Anfang Oktober — da waren die noch im Wasser schwimmen.
Sören: Kann man nur sagen: mega gut, ne?
Roman: Das ist jetzt ein bisschen ironisch, glaube ich. Ich hoffe, das hat man gehört.
Sören: Ich habe es auf jeden Fall gesehen.
Roman: Ja, Sören, wir haben beschlossen, dass wir mal wieder eine neue Folge zu „Neues aus der Forschung“ machen, zur TGA-Planung.
Sören: Das ist die fünfte.
Roman: Oder die vierte — das hängt davon ab, ne?
Sören: Hängt davon ab, wie man es sieht.
Roman: In der letzten hatten wir das Thema Regulationshindernisse besprochen. Das ist eigentlich auch Forschung, muss man sagen.
Sören: Haben wir so nicht bezeichnet, aber genau.
Roman: Aber mit dem Themenschwerpunkt ist das jetzt tatsächlich die vierte.
Sören: Und zwar bist du ja nicht nur Podcaster, Geschäftsführer und hier im Verein tätig, sondern machst noch ganz viele andere tolle Sachen nebenbei, ne?
Roman: Ja, sehr viel Forschung gerade. Das heißt: Ich bin am Promovieren an der Professur für Baubetrieb und Baumanagement von Großprojekten an der Helmut-Schmidt-Uni in Hamburg. Und ich stelle hier jetzt schon zum vierten oder fünften Mal — je nachdem, wie man es sieht — Zwischenergebnisse meiner Forschung vor.
Wir haben auf jeden Fall beschlossen, Sören, dass wir einen Aufruf starten möchten: dass nicht nur ich Forschungsergebnisse präsentiere, sondern alle, die irgendwas mit TGA-Planung zu tun haben und daran forschen. Also zum Beispiel Christian Grote von der HCU oder andere Kolleginnen und Kollegen.
Sören: Wir können uns auch Reinhard nochmal schnappen. Die Frage aber wirklich an alle Hörerinnen: Kennt ihr jemanden, der im Bereich TGA-Planung forscht? Tut ihr es vielleicht selber? Habt ihr vielleicht eine interessante Masterarbeit, wo ihr sagt: Da sind wir gerade dran und möchten mal die Zwischenergebnisse vorstellen, mit der Masterandin oder dem Masteranden? Fände ich ziemlich cool — um einfach mal ein bisschen Forschung zu präsentieren, mit dem Ziel, einen Schritt weiterzukommen und über den Tellerrand zu gucken.
Roman: Auf jeden Fall, ja. Also gerne direkt an roman@tgabar.de. Ich würde das aufnehmen, sortieren und die ganzen Anfragen dann über das Jahr verteilen — wegen der hunderten Nachfragen, die dann hoffentlich kommen.
Sören: Genau. Also Aufruf bitte an alle Hörerinnen: Forschung an der tgabar! Alle, die in eurem Umfeld irgendwas zur TGA-Planung erforschen, bitte in den Podcast einladen. Wir sind zwei ganz entspannte Typen, beißen nicht und freuen uns über Austausch.
Roman: Kann ja auch die Generalprobe zur Verteidigung sein.
Sören: Das könnte es sein — dann beißen wir trotzdem nicht. Und wir sind auch immer online.
Wer wurde für „Produktiv Planen“ befragt?
Roman: Genau. Mit diesem Aufruf würde ich dann überleiten. Ich habe meine Forschung zum Thema Produktiv Planen am Start und habe jetzt schon 237 TGA-Planerinnen befragen dürfen. Das ist schon eine Nummer — mit 237 kann man schon ein bisschen rechnen, das ist statistisch schon relevant.
Sören: Aus allen Bereichen eines Büros, oder lag da irgendwo der Schwerpunkt?
Roman: Man sieht die Schwerpunkte schon. Es sind jetzt sechs von acht geplanten Büros befragt. Und wenn man sich die Anzahl der Rollenträger ansieht, dann ist die Spitze interessanterweise in der Projektleitung: Wir haben 49 Projektleitende befragt. Am schwächsten, zu erwarten, die Rolle Fachkoordination — da haben wir nur sechs Befragte. Die Rolle ist in vielen Büros nicht definiert oder nicht so klar, heißt auch manchmal anders. Aber das hat uns nicht abgehalten, wir haben sie trotzdem befragt.
Sören: Planungskoordination, BIM-Koordination, was auch immer.
Roman: Genau. Das ist tatsächlich kein Grund, nicht darüber zu sprechen, aber statistisch ist es nicht so tragend — während wir bei der Projektleitung mit 49 auf jeden Fall gut dabei sind. Auf dem zweiten Platz war die Fachplanung HLS, da haben wir 41, und dann 39 Systemplanerinnen HLS. Das sind die Top 3, mal kurz durchgezählt.
Wie klar sind die Rollen in der TGA-Planung?
Roman: Und was haben wir so festgestellt? Mit das Interessanteste fand ich die Rollenprofile: Wie klar ist mir meine Rolle? Auch weil du das gerade angedeutet hast — wer wurde denn da befragt, welche Aufgaben hat diese Person, und sind diese auch eindeutig beschrieben?
Und das fand ich schon ziemlich überraschend. Das ist noch gar keine Regressionsanalyse oder so. Wir gucken uns einfach ganz naiv die Daten an und stellen fest, dass auf einer Skala von 1 bis 7 die Systemplaner Elektrotechnik bei 6,15 liegen. Die sind also bei einer perfekten Rollenklarheit, beim perfekten Rollenprofil. Die wissen ganz genau, was sie leisten müssen. Die Frage war auch: Ist mir klar, was ich maximal und minimal leisten muss?
Sören: Wobei die 7 halt das Maximum ist. Wie ist das dann definiert?
Roman: Das ist die sogenannte Likert-Skala. 1 bis 7 heißt: 1 heißt „trifft überhaupt nicht zu“, und 7 heißt „trifft sehr stark zu“.
Sören: Ach, heißt das wirklich so. Die wissen genau, was sie tun, könnte man sagen.
Roman: Die wissen genau, was sie tun müssen. Das war sehr gut. Und am untersten Ende sehen wir interessanterweise die Fachplanung Elektrotechnik. Also: Die Systemplanung weiß genau, was sie tun muss, die Fachplanung am wenigsten. Klingt jetzt komisch — dass sie am wenigsten weiß, was sie tun soll, ist nicht gemeint, sondern: Sie hat das unklarste Rollenprofil, mit einer 4,7 von 7. Also immer noch nicht total schlecht, aber schon eher Mittelfeld. Das heißt, bei der Fachplanung Elektro ist das Rollenprofil im Schnitt über alle Büros nicht so klar.
Sören: War das dann auch Teil der Befragung, was tatsächlich die Ursachen dahinter sind? Oder ist das jetzt erst mal der nächste Schritt?
Roman: Das ist der nächste Schritt. Ich habe natürlich nicht direkt nach den Ursachen gefragt — das ist ja ein Fragebogen, den kann ich nicht live anpassen. Aber ich habe viele andere Sachen gefragt, insgesamt — ich gucke mal kurz — zwischen 55 und 64 Fragen. Und die kann ich jetzt in Beziehung setzen mit dieser Rollenklarheit. Das würde ich in den nächsten Stufen machen, und ich bin auch schon mittendrin. Ich habe auch schon festgestellt, wo ich Fragen schlecht gestellt habe, wo ich sie verbessern muss und wo ich sie nicht richtig auswerten kann. Also einige Fehler gemacht, aber ich glaube, in summa summarum kann man schon ein bisschen was rausziehen.
Ja, und dann haben wir festgestellt: Die Fachplanung Elektro ist von der Rolle her relativ unklar, die Fachplanung HLS vergleichbar. Also auch die Fachplaner sind ziemlich unsicher in ihrer Rollenbeschreibung, im Vergleich zu den Systemplanern. Und die Projektleitung hat nicht nur eine — sagen wir mal mit einer 4,9 — okaye Rollenklarheit, sondern auch noch die höchste interne Uneinigkeit. Wir haben dort die größte Spreizung in den Antworten: von 1, „ich habe überhaupt keine Ahnung, was ich machen soll“, bis 7, „ich weiß ganz exakt, was von mir erwartet wird in meiner Rolle als Projektleiterin“.
Sören: Das heißt ja auch, dass gerade in den Kernbereichen eines Planungsbüros doch noch ein gehöriges Maß an Unklarheit besteht.
Roman: Total. Und unser Instinkt, dass wir gesagt haben, wir gucken mal, was die Fachplanung leisten muss, soll und kann, war total gut — weil da tatsächlich die Unklarheit am größten ist und die Aufgaben anscheinend am schlechtesten definiert sind. Insofern, liebe Büroleiterinnen …
Sören: Ja — oder auch umgekehrt: Es sind zu viele Aufgaben, sodass man das nicht abgrenzen kann. Oder es gibt vielleicht auch häufig Wechsel im Personal. Und jetzt gehe ich in eine Analyse, Entschuldigung.
Roman: Ja, das ist auch richtig so. Die Analyse macht ja am meisten Spaß, das ist ja das Coole: Man sieht ein paar Daten und denkt sich, woran liegt es denn wohl? Ich vermute mal — ich weiß nicht, ob es zu viele Aufgaben sind, aber sie sind auf jeden Fall zu unklar beschrieben. Wir haben ja den Begriff Klarheit und stellen fest: Die Aufgaben sind in der Fachplanung und der Projektleitung relativ unklar. Da müsste man mal ran. Man muss aber immer noch sagen: Insgesamt ist das nicht wahnsinnig schlecht. Eine 4,7 von 7 bei der Fachplanung ist ja auch nicht total vernichtend.
Was beeinflusst die Zufriedenheit am stärksten?
Roman: Interessanterweise — und das hat mich ein bisschen schockiert, weil meine Theorie ja ist, dass die Rollenklarheit den größten Einfluss auf das Ergebnis und die Zufriedenheit hat — ist das leider nicht so. Wir haben eine Korrelation, hier in dem Fall das R. Das soll beschreiben, wie genau die Rollenklarheit zum Beispiel das Ergebnis voraussagt, also die Qualität und die Termintreue der Arbeitsergebnisse. Da haben wir eine sehr geringe Korrelation. Das ist also total unwichtig.
Sören: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, quasi.
Roman: Das eine hat mit dem anderen wahrscheinlich gar nicht so viel zu tun. Das Thema Rollenklarheit habe ich jetzt auch intensiv bearbeitet, in diversen Workshops, und ich habe das Gefühl, ich verlasse das jetzt mal wieder ein bisschen und beschäftige mich mit dem Thema, was die Zufriedenheit am stärksten beeinflusst.
Und jetzt halte ich fest: Die Kapazitätsplanung beeinflusst die Zufriedenheit von allen Konstrukten am allerstärksten. Das heißt, eine gute Kapazitätsplanung in meinem Büro erhöht die Zufriedenheit. Wenn sie um eine Stufe, eine Standardabweichung besser wäre — wenn die Leute zum Beispiel von der 3 auf eine 4 gehen —, dann erhöht sich die Gesamtzufriedenheit um eine halbe Standardabweichung. Das ist ganz schön viel.
Sören: Okay, das glaube ich dir jetzt mal so.
Roman: Da kann man ganz schön was tun. Das heißt, wir haben gelernt: Das Thema Kapazitätsplanung ist wirklich ein deutlicher Treiber der Zufriedenheit insgesamt.
Sören: Witzigerweise haben wir, was unsere Folgen angeht, das Thema Kapazitätsplanung auch immer als sehr stark gehörte Folgen wahrgenommen.
Roman: Ja, das ist stark gehört.
Sören: Das fällt mir gerade in dem Zusammenhang ein. Das ist zwar aus einer anderen Blickrichtung, weil wir uns da eher gefragt haben, wie eine gute Kapazitätsplanung funktioniert — eben aus leitender Rolle. Jetzt sind in der Wirklichkeit alle befragt worden, und gerade für die, die verplant werden, hat das den größten Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit. Das finde ich schon krass.
Roman: Das ist krass, ne? Aber es ist auch irgendwie nachvollziehbar — in jeder Richtung, von „ich bin überfordert“ bis „unterfordert“. Und ich mag auch das Zickzack nicht und will nicht von Krise oder Brandlöschen zu Brandlöschen geschickt werden.
Sören: Ja, das stimmt. Da wäre ja tatsächlich mal interessant zu wissen, inwiefern die Leute Einfluss auf ihre Kapazitätsplanung nehmen können oder ob das eher von oben verteilt wird.
Roman: Die Planung der Planung steckt da mit drin, die Frage ist auch mit drin. Das heißt: Die Planung der Planung und die damit verbundene Kapazitätsplanung sind total zentral.
Und ich habe etwas falsch gesagt. Die Korrelation zwischen den beiden ist sehr stark. Was nicht richtig ist: dass eine Abweichung die Zufriedenheit um einen halben Punkt erhöht, sondern nur um 0,36 Punkte. Also trotzdem: Wenn ich die Kapazitätsplanung verbessere, kann ich mit jeder Stufe, die ich die Kapazitätsplanung verbessere, die Zufriedenheit sozusagen um 36 Prozent erhöhen.
Sören: Du hast dich ein bisschen mit Statistik auseinandergesetzt, merke ich gerade.
Roman: Ich habe mich ein bisschen damit auseinandergesetzt und trotzdem Quatsch erzählt. Man merkt schon: Höhere Statistik ist eine Nummer.
Sören: Ist aber auch super interessant.
Roman: Und ich merke so ein bisschen, wie mein persönliches Interesse auch dahin geht, uns als KMU — kleine und mittlere Unternehmen — ein bisschen mehr zum Thema Malen nach Zahlen zu bringen. Also dass wir uns tatsächlich über Statistik verbessern. Und ich glaube, da kann man wirklich Dinge ablesen. Jetzt haben wir schon erkannt: Das Thema Rollenklarheit hat auf das Ergebnis kaum Einfluss. Ich müsste das nochmal auf die Zufriedenheit mappen — da habe ich aber auch schon festgestellt, dass die Korrelation nicht so hoch ist. Aber die Kapazitätsplanung ist hoch.
Und jetzt kommt noch was Interessantes: Einen wahnsinnig hohen Einfluss auf das Gesamtpotenzial eines Unternehmens haben die organisatorischen Potenziale. Ich kann investieren in Technik, ich kann investieren in KI, ich kann investieren in irgendwelche Rollenbilder und so weiter. Das ganze organisatorische Potenzial, das ich hebe, indem ich zum Beispiel Standards schaffe, indem ich auch Rollen standardisiere und so weiter, hat dann doch einen sehr hohen Einfluss auf das Gesamtpotenzial. Da sehe ich auch eine klare Korrelation.
Wie KI-reif sind TGA-Planungsbüros?
Sören: Und dann das Thema KI. Davon reden wir ja auch die ganze Zeit.
Roman: Genau, davon reden wir die ganze Zeit. Dazu habe ich noch ein Learning, weil sich, glaube ich, der eine oder andere damit beschäftigt. Ich habe insgesamt einen Haufen Fragen zum Thema KI gestellt und das nochmal ausgewertet. Und wir stellen fest, dass alle Rollen beim Thema KI-Reife ihres Büros — also: Wie reif ist mein Büro im Bereich künstliche Intelligenz? — die Mindestwerte angekreuzt haben. Alle haben gesagt: Ich bin total unzufrieden mit der KI-Verfügbarkeit in meinem Unternehmen.
Am allerschlimmsten war es bei den Gebäudeautomationsplanern. Die haben alle — die 14 Stück — keinerlei Schulung und gar keine KI-Werkzeuge angekreuzt.
Sören: Die sind wahrscheinlich von sich aus, von der Rolle und von den Interessen her, auch am weitesten vorne mit dabei, was man machen kann.
Roman: Ja, und das tun sie auch. Wenn man sich den Prozess ansieht, nutzen sie die KI doch relativ häufig und relativ selbstverständlich und sind auch mit den Ergebnissen zufrieden — sie erhöhen eindeutig die Qualität und das Tempo ihrer Arbeit. Aber sie kriegen es einfach nicht vom Büro zur Verfügung gestellt. Das heißt, sie bauen sich eigene Tools oder nutzen ihre eigenen Tools, und das außerhalb des Büros. Gerade die GA-Planer füttern also Claude und ChatGPT mit ihrem Wissen und trainieren das, nehmen aber die Ergebnisse mit ins Büro und sind damit dann ganz zufrieden. Und das Thema KI-Nutzung erhöht auch ihre Zufriedenheit leicht.
Am schwächsten von der KI-Reife her waren die Fachplaner. Im Prozess, also in der eigentlichen Planung, nutzen die drei Konstruktionsrollen am wenigsten KI. Das heißt: Systemplaner Elektro, Systemplaner HLS und Fachkoordinatorinnen nutzen am wenigsten KI und haben keine selbstverständliche KI-Nutzung in ihrem Büro. Ich glaube, ich weiß, woher das kommt: einfach weil KI in diesen grafischen Themen bis jetzt nicht so gut ist.
Sören: Ist trotzdem interessant. Es ist eine Bestätigung an der Stelle, ein Stück weit. Das überrascht jetzt nicht.
Roman: Das überrascht nicht. Was mich auch nicht überrascht: Am zufriedensten mit der Nutzung im Alltag sind, mit einem leichten Abstand, die Bauüberwacher.
Sören: Ja, die sind total glücklich mit ihren KIs, denen sie alle möglichen Fragen stellen können und die ihnen wahrscheinlich Behinderungsanzeigen beantworten, Verzugsanzeigen vorformulieren und so weiter und so fort.
Roman: Ich glaube, da ist gerade die Assistenz, die die KI aktuell mitbringt, auch sehr stark ausgeprägt. Der eine oder andere hat es vielleicht schon erlebt. Also: Die Systemplaner sind noch nicht so happy, die Bauüberwacher sind besonders happy mit KI, und bei der Projektleitung haben wir so ein Mittelding. Die Nutzung ist dort durchschnittlich, da ist schon relativ viel Nutzung dabei. Das ist auch nochmal eine Auswertung, die ich interessant fand.
Sören: Ja, schon ein bisschen was gelernt.
Welche Rollen sind am zufriedensten und können konzentriert arbeiten?
Roman: Und dann kann man natürlich in die Tiefe gehen, bei jeder Rolle jede Dimension betrachten und sich fragen: Warum sind die Bauüberwacher in Summe die zufriedensten Rollenträger von allen? Da ist die höchste Arbeitszufriedenheit — und wir haben immerhin 25 befragt. Das heißt, 25 Bauüberwachende sagen: Arbeitszufriedenheit 85 von 100. Wie sagte ich in einer Vorstellung: Denen scheint die Sonne aus dem Gesicht.
Sören: Ein schönes Zitat.
Roman: Noch zufriedener sind die Systemplaner Elektrotechnik. Obwohl sich die Rollenklarheit auf das Ergebnis kaum auswirkt, sind die Systemplaner Elektrotechnik noch zufriedener.
Sören: Witzig, dass das trotzdem so unterschiedlich ist: „Ich weiß nicht genau, was ich machen soll, aber das mache ich gerne.“
Roman: Hier ist es klar: Die wissen ganz genau, was sie machen sollen, und das machen sie auch sehr gerne, die Systemplaner. Bei den Fachplanern HLS ist die Zufriedenheit zum Beispiel so mittel, oder Elektro — also jetzt nicht herausragend. Man sieht auch, dass sie sich nur relativ mittelmäßig konzentrieren können — Fokuszeit und Flow. Sie können im Schnitt relativ selten und nur kurze Abschnitte wirklich konzentriert arbeiten.
Sören: Überrascht auch nicht.
Roman: Genauso wie die Bauüberwacher können zum Beispiel die Elektrosystemplaner und die HLS-Systemplaner deutlich konzentrierter arbeiten. Da scheint das deutlich wichtiger zu sein, aber auch besser zu klappen.
Sören: Ja.
Roman: Und am schlechtesten im Bereich Fokuszeit und Flow sind die Projektleiter.
Sören: Oh.
Roman: Kurz nach den Büroleitern — da ist am wenigsten Konzentration möglich. Genauso wie die Fachkoordination, die aussagt: Ich müsste mal konzentriert arbeiten. Das finde ich kritisch. Allerdings haben wir natürlich nur sechs Befragte. Aber als Fachkoordinatorin kann ich mich anscheinend wenig konzentrieren, das ist anscheinend auch ein Thema.
Sören: Ja, ich glaube, da kann man mittlerweile fast für jeden Einzelaspekt eine eigene Folge machen, ein eigenes Getränk zu sich nehmen und darüber philosophieren, woran das denn liegt.
Roman: Total.
Wie geht es mit der Forschung weiter?
Sören: Aber eigentlich eine ganz coole Bestandsaufnahme oder ein Zwischenstand — oder Zwischenergebnisse.
Roman: Genau, Zwischenergebnisse sind da. Jetzt sind 237 befragt; ich versuche, dieses Jahr so auf 300 oder mehr zu kommen. Dann kann man schon ein bisschen was machen und auswerten. Und dann werde ich nächstes Jahr auch zu einem Symposium einladen: Die, die mitgemacht haben — zumindest die Büroleitung —, lade ich mit nach Hamburg ein, dann allerdings entgeltlich, weil es in Hensslers Küche am Hafen stattfindet, und dazu weitere Führungskräfte. Mit maximal 30 Leuten gehen wir dann die Ergebnisse nochmal ausführlich den ganzen Tag lang durch, diskutieren sie und kochen dazwischen ein bisschen.
Sören: Man darf ja auch noch bezahlen für das Selberkochen.
Roman: Ja, ja, das ist mit Kochkurs. Das ist halt so.
Sören: Ach so, das ist okay.
Roman: Das ist ja ein Premium-Kochkurs, der dazukommt. Ich dachte mir, das passt ganz gut.
Sören: Ich hoffe, dass ich als Special Guest eingeladen werde.
Roman: Da reden wir nochmal drüber. Über Rabatt könnte man mal reden.
Sören: Nach fünf Jahren kann man das mal machen.
Roman: Da kann man das mal machen, genau.
Wer kann seine Forschung an der tgabar vorstellen?
Roman: Kommen wir nochmal kurz vom Kochen zurück auf den Aufruf, den wir am Anfang hatten. Ich habe jetzt hier Forschungsergebnisse präsentiert. Ich würde mich total freuen, wenn ihr Bekannte, eigene Masteranden oder Promovierende kennt und sie hier in den Podcast einladet. Bedingung ist: Es sollte jetzt nicht eine Promotion zur deutschen Literaturgeschichte des Mittelalters sein, sondern irgendwas mit TGA-Planung zu tun haben.
Sören: Geschichte finde ich immer gut, aber bei TGA-Planung bin ich ganz bei dir. Da ist dann, glaube ich, das Spektrum der Themen auch egal. Wir sind ja grundsätzlich neugierig, vor allem darauf, wo überall darüber geschrieben und geforscht wird.
Roman: Total.
Sören: Das überhaupt mal zu wissen.
Roman: Ja. Ich spreche natürlich auch die Professoren an, die hier mithören. Vielleicht, Martin, wenn du zuhörst — vielleicht hast du auch mal Lust, jemanden zu präsentieren.
Sören: Das ist jetzt der Test.
Roman: Genau, das ist der Test. Martin, Reinhard, Tanja — los geht's, schickt uns ein paar Masteranden!
Sören: Wenn ihr diese Folge hört: Ruft an!
Roman: Ruft an — roman@tgabar.de. Wir wünschen euch einen wunderschönen, sonnigen Nachmittag. Auf Wiedersehen, bis dann.
Sören: Tschüss.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Wer wurde für die Forschung „Produktiv Planen“ befragt?
Bis zur Aufnahme hat Roman Fritsches 237 TGA-Planende befragt, aus sechs von acht geplanten Büros. Am stärksten vertreten ist die Projektleitung mit 49 Befragten, gefolgt von der Fachplanung HLS mit 41 und der Systemplanung HLS mit 39. Die Fachkoordination ist mit sechs Befragten am schwächsten vertreten, weil die Rolle in vielen Büros nicht definiert ist oder anders heißt, etwa Planungskoordination oder BIM-Koordination. Ziel ist, in diesem Jahr auf 300 oder mehr Befragte zu kommen.
Wie klar sind die Rollen in TGA-Planungsbüros?
Gemessen auf einer Likert-Skala von 1 (trifft überhaupt nicht zu) bis 7 (trifft sehr stark zu) hat die Systemplanung Elektrotechnik mit 6,15 die höchste Rollenklarheit. Das unklarste Rollenprofil hat die Fachplanung Elektrotechnik mit 4,7 von 7, die Fachplanung HLS liegt vergleichbar. Die Projektleitung kommt auf 4,9 und zeigt zugleich die größte Spreizung der Antworten, von 1 bis 7. Die Ursachen wurden nicht direkt erfragt; sie sollen im nächsten Schritt über die Beziehungen zu den übrigen 55 bis 64 Fragen der Befragung untersucht werden.
Hängt das Arbeitsergebnis von der Rollenklarheit ab?
Kaum. Entgegen Romans eigener Theorie zeigt die Befragung nur eine sehr geringe Korrelation zwischen Rollenklarheit und Ergebnis, also der Qualität und Termintreue der Arbeitsergebnisse. Auch zur Zufriedenheit ist die Korrelation nach seiner bisherigen Auswertung nicht hoch. Roman will das Thema Rollenklarheit deshalb vorerst verlassen und sich damit beschäftigen, was die Zufriedenheit am stärksten beeinflusst.
Was beeinflusst die Zufriedenheit von TGA-Planenden am stärksten?
Die Kapazitätsplanung beeinflusst die Zufriedenheit von allen Konstrukten der Befragung am stärksten. Ist sie um eine Standardabweichung besser, steigt die Zufriedenheit nach Romans korrigierter Angabe um 0,36 Punkte; zuerst hatte er eine halbe Standardabweichung genannt. Die Planung der Planung ist in der Befragung mit erfasst und gehört dazu. Sören Janson hebt hervor, dass gerade für die Verplanten die Kapazitätsplanung den größten Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit hat.
Welchen Einfluss haben organisatorische Potenziale?
Einen sehr hohen Einfluss auf das Gesamtpotenzial eines Unternehmens. Statt allein in Technik, KI oder Rollenbilder zu investieren, hebt ein Büro organisatorisches Potenzial zum Beispiel, indem es Standards schafft und Rollen standardisiert. Roman sieht hier eine klare Korrelation.
Wie KI-reif sind TGA-Planungsbüros nach der Befragung?
Alle Rollen haben bei der KI-Reife ihres Büros die Mindestwerte angekreuzt und sind mit der KI-Verfügbarkeit im Unternehmen sehr unzufrieden. Am deutlichsten ist das bei den Gebäudeautomationsplanenden: keinerlei Schulung, keine KI-Werkzeuge. Trotzdem nutzen gerade sie KI relativ häufig und selbstverständlich, mit eigenen Werkzeugen außerhalb des Büros, und steigern damit Qualität und Tempo. Am wenigsten nutzen die drei Konstruktionsrollen KI: Systemplanung Elektro, Systemplanung HLS und Fachkoordination. Am zufriedensten mit der KI-Nutzung im Alltag ist die Bauüberwachung, die Projektleitung liegt im Mittelfeld.
Welche Rollen sind am zufriedensten und können am besten konzentriert arbeiten?
Die 25 befragten Bauüberwachenden geben eine Arbeitszufriedenheit von 85 von 100 an; Roman nennt sie die zufriedensten Rollenträger und sagt zugleich, die Systemplanung Elektrotechnik sei noch zufriedener. Die Fachplanung HLS liegt bei der Zufriedenheit im Mittelfeld und kann nur relativ selten und kurz konzentriert arbeiten (Fokuszeit und Flow). Bauüberwachung und Systemplanung arbeiten deutlich konzentrierter. Am schlechtesten bei Fokuszeit und Flow schneiden die Projektleitung, die Büroleitung und die Fachkoordination ab, Letztere allerdings mit nur sechs Befragten.
Wer kann seine Forschung an der tgabar vorstellen?
Alle, die zur TGA-Planung forschen: Promovierende, Masterandinnen und Masteranden mit ihren Zwischenergebnissen oder Kolleginnen und Kollegen an Hochschulen. Bedingung ist allein der Bezug zur TGA-Planung. Anfragen gehen an Roman Fritsches, der sie sammelt und über das Jahr verteilt.
Zitate
„Meine Theorie ist ja, dass die Rollenklarheit den größten Einfluss auf das Ergebnis und die Zufriedenheit hat — ist leider nicht so."
— Roman Fritsches
„Die Kapazitätsplanung beeinflusst die Zufriedenheit von allen Konstrukten am allerstärksten."
— Roman Fritsches
„Aber sie kriegen es einfach nicht vom Büro zur Verfügung gestellt."
— Roman Fritsches
„Denen scheint die Sonne aus dem Gesicht."
— Roman Fritsches
„Ich habe mich ein bisschen damit auseinandergesetzt und trotzdem Quatsch erzählt. Man merkt schon: Höhere Statistik ist eine Nummer."
— Roman Fritsches
„Die Analyse macht ja am meisten Spaß."
— Roman Fritsches
„Gerade in den Kernbereichen eines Planungsbüros besteht doch noch ein gehöriges Maß an Unklarheit."
— Sören Janson
„Da kann man mittlerweile fast für jeden Einzelaspekt eine eigene Folge machen."
— Sören Janson
Zahlen & Fakten
Für die Forschung „Produktiv Planen“ sind bis zur Aufnahme 237 TGA-Planende befragt worden, aus sechs von acht geplanten Büros.
Quelle: Roman FritschesDie meisten Befragten stellt die Projektleitung mit 49, gefolgt von der Fachplanung HLS mit 41 und der Systemplanung HLS mit 39; die Fachkoordination ist mit sechs Befragten vertreten, die Bauüberwachung mit 25.
Quelle: Roman FritschesDie Befragung umfasst je nach Rolle zwischen 55 und 64 Fragen.
Quelle: Roman FritschesRollenklarheit auf einer Skala von 1 bis 7: Systemplanung Elektrotechnik 6,15 (höchster Wert), Projektleitung 4,9 mit der größten Spreizung der Antworten, Fachplanung Elektrotechnik 4,7 (unklarstes Rollenprofil).
Quelle: Roman FritschesZwischen Rollenklarheit und Arbeitsergebnis (Qualität und Termintreue) besteht nur eine sehr geringe Korrelation.
Quelle: Roman FritschesDie Kapazitätsplanung beeinflusst die Zufriedenheit von allen Konstrukten der Befragung am stärksten: Ist sie um eine Standardabweichung besser, steigt die Zufriedenheit um 0,36 Punkte (Romans Korrektur in der Folge; zunächst hatte er eine halbe Standardabweichung genannt).
Quelle: Roman FritschesAlle Rollen haben bei der KI-Reife ihres Büros die Mindestwerte angekreuzt; die Gebäudeautomationsplanenden geben weder Schulung noch KI-Werkzeuge an.
Quelle: Roman FritschesDie 25 befragten Bauüberwachenden geben eine Arbeitszufriedenheit von 85 von 100 an.
Quelle: Roman FritschesZiel ist, im laufenden Jahr auf 300 oder mehr Befragte zu kommen; im nächsten Jahr sollen die Ergebnisse auf einem Symposium in Hamburg mit maximal 30 Teilnehmenden diskutiert werden.
Quelle: Roman FritschesGlossar
- Fokuszeit und Flow
- Dimension der Befragung, die erfasst, wie häufig und wie lange eine Person wirklich konzentriert arbeiten kann.
- KI-Reife
- Einschätzung, wie reif das eigene Büro im Bereich künstliche Intelligenz ist, etwa bei Schulung und zur Verfügung gestellten KI-Werkzeugen.
- Konstruktionsrollen
- Sammelbegriff für Systemplanung Elektro, Systemplanung HLS und Fachkoordination.
- Korrelation (R)
- Kennwert, der nach Romans Erklärung beschreibt, wie genau eine Größe eine andere voraussagt, hier etwa die Rollenklarheit das Arbeitsergebnis.
- Likert-Skala
- Antwortskala der Befragung von 1 bis 7: 1 heißt „trifft überhaupt nicht zu“, 7 heißt „trifft sehr stark zu“.
- Organisatorisches Potenzial
- Potenzial, das ein Büro über seine Organisation hebt, zum Beispiel indem es Standards schafft und Rollen standardisiert, im Unterschied zu Investitionen in Technik oder KI.
- Rollenklarheit
- Wie klar einer Person ihre Rolle ist: welche Aufgaben sie hat, ob diese eindeutig beschrieben sind und ob ihr klar ist, was sie maximal und minimal leisten muss. In der Befragung auf einer Skala von 1 bis 7 gemessen.
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