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TGA-PlanungBüroleitung TGA-PlanungFolge #210

tgabar · Bargespräche

Unternehmensführung mit Uwe Pinck und Peter Korff

Folge 21027.12.202333:22 minRoman Fritsches, Sören JansonGast: Uwe Pinck, Peter Korff
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Auf den Punkt

Uwe Pinck und Peter Korff zeigen zwei gegensätzliche Strategien für TGA-Ingenieurbüros: Pinck Ingenieure setzt auf Fokussierung als TGA-Generalplaner mit Stammkunden und verstärktem Projektcontrolling, M&P auf starke Diversifizierung über IT, SAP, Facility-Management und früheres Energiegeschäft. Beide Wege machen das Unternehmen krisenfest und prägen Ausbildung, Nachwuchsförderung und die Rolle der technischen Systemplaner.

Transkript

Welche zwei Strategien stecken hinter Pinck Ingenieure und M&P?

Roman: Wir reden über ein Thema, das alle Ingenieurbüros und Planungsunternehmen betrifft: Welche Unternehmenskultur, welche Identifikation entsteht durch die Gründer? Und am Ende interessiert mich: Wie gebt ihr das weiter, wie habt ihr euch herausgezogen, wie involviert seid ihr noch? Es gibt zwei unterschiedliche Ansätze, wie ihr eure Büros gegründet habt. Uwe, du bist Wirtschaftsingenieur mit Elektrotechnik, dein Vater kam aus der Bühnentechnik — der Gedanke war, das Büro mit allen Gewerken zum TGA-Generalplaner auszubauen?

Uwe Pinck: Ja, das hat sich schnell herauskristallisiert, nachdem ich 1986 im Büro angefangen hatte. Ich war der zwölfte Mitarbeiter. Ich komme aus einem Konzern mit Produktionsstätten in Amerika, Asien und Europa und hatte als relativ junger Mann Verantwortung für 64 Ingenieure. Ich hatte die Vision, dass dieses Unternehmen — ich hatte Namen wie HL-Technik und Schmidt Reuter vor Augen, die bundesweit tätig waren — den Kunden alles aus einer Hand anbietet. Wir haben eine GmbH gegründet und damit Anteile attraktiv gemacht für diejenigen, die bei uns einsteigen und Verantwortung übernehmen wollten. Das war ein Prozess von rund zehn Jahren. Neben mir kam damals ein sehr junger Mann dazu, Michael Scholz, heute Mitgesellschafter und Geschäftsführer. Er kümmert sich primär um das technische Systemmanagement in den Projekten, ich habe das Unternehmen strategisch aufgestellt — attraktiv für Mitarbeitende und Kunden. Kunden sind dabei nicht nur die, die Ingenieurverträge schließen, sondern auch Architekten und Projektsteuerer als große Multiplikatoren.

Roman: Sehr strategisches Vorgehen. Peter, bei dir war es anders.

Peter Korff: Bei mir war es anders. Wir kamen als Gründer aus der Industrie, haben uns zusammengetan und uns aus der Erkenntnis heraus, dass wir Kältetechnik praktisch beherrschten, zuerst um diesen Kreis herum beschäftigt — das waren Versuchsanlagen. Dann wollten die Architekten mehr von uns, und wir sind in die Rolle hineingerutscht, die gesamte TGA abzubilden, inklusive Elektrotechnik. Das fiel uns am schwersten: Als Maschinenbauingenieur ist man in der Lage, alles zu machen, nur Elektrotechnik nicht.

Roman: Aber ihr kanntet euch in den 70ern noch nicht?

Peter Korff: Wir haben uns aber relativ schnell kennengelernt und sind ziemlich parallel gelaufen beim Aufbau der Büros — teilweise hier in Hamburg bis zu 100 Leuten, mit einem Zweigbüro in Berlin. Das brach dann in wirtschaftlich schwierigen Situationen in sich zusammen. Wir hatten nicht die Struktur einer GmbH, um Anteile weiterzugeben, sondern waren eine Personengesellschaft und hatten damit unsere Probleme.

Wie haben die Büros frühere Krisen überstanden?

Roman: Heute machen sich viele Sorgen: hohe Zinsen, hohe Baukosten, sparende Politik. Siehst du da ähnliche Entwicklungen wie in den 80ern?

Peter Korff: Das waren die 80er Jahre. Wir hatten damals ein Dreivierteljahr mit rund 100 Leuten praktisch Leerlauf — das ging an die Substanz. Man hätte reagieren können, hat es aber nicht gemacht, sondern darauf geachtet, das Personal zu halten, um nach dem Aufschwung weiterarbeiten zu können. Hintergrund war letztlich die Geldpolitik.

Uwe Pinck: Die Stimmung ist sehr unterschiedlich. Im Architektenbereich höre ich von Kurzarbeit, TGA-Kollegen und Tragwerksplaner sind dagegen gut beschäftigt. Auf der Expo Real in München waren die Projektentwickler sehr ruhig, deutlich weniger Aktivität. Man beobachtet die Zinssituation und die Baupreise — bei im Wohnungsbau gedeckelten Mieten ist das ein Damoklesschwert über dem Konjunkturaufschwung. In Hamburg gibt es einen Mietendeckel. In den Wohnungsbau investieren heute eher große Versicherungsunternehmen, die frei von der Finanzierung sind. Wir selbst haben dieses Jahr sehr viele Aufträge hinzubekommen und einen hohen Auftragsbestand. Das nimmt aber jeder unterschiedlich wahr.

Sören: Für mich ist das beruhigend. Für meine Generation ist es besonders herausfordernd, das erste Mal bewusst in eine solche Situation zu kommen — ich arbeite jetzt knapp zehn Jahre. Die Wirtschaftskrise 2008 habe ich nur über meine Eltern wahrgenommen, nicht als arbeitende Person. Was würdet ihr mir mitgeben?

Uwe Pinck: Wir hatten solche Krisen zweimal, 1998 und 2002, mit zu wenig Arbeit. 1998 haben wir im November entschieden, vier bis fünf Mitarbeitende entlassen zu müssen, aber bewusst nicht vor Weihnachten gekündigt, um den Weihnachtsfrieden nicht zu stören, sondern erst im Januar — schon 1999 und 2000 haben wir wieder eingestellt. 2002/2003 haben wir ebenfalls im Januar gekündigt. Im März rief ein Kollege an: Wir sollten die neue Messe in Hamburg bauen, weil ein anderes Büro in die Insolvenz gegangen war. Da habe ich alle drei wieder zurückgeholt. 2008 haben wir von der Krise gar nichts mitbekommen, da hatten wir Vollbeschäftigung.

Was bedeutet Resilienz für ein TGA-Planungsbüro?

Roman: Es gibt den Begriff der Resilienz, der resilienten Organisation — Widerstand gegen Krisen. Wie schafft man das?

Peter Korff: Das bedeutet auch, dass man sich breit aufstellt. Wir bei M&P sind so breit aufgestellt, dass wir reagieren können. Wir waren jahrelang Energielieferant, haben Blockheizkraftwerke gebaut und die Energie verkauft — das lohnt sich heute nicht mehr, das haben wir eingestellt. Dafür haben wir die IT verstärkt, sind Microsoft-Partner und SAP-Partner, die die Prozesse im Engineering begleiten. Wir überlegen, wie wir BIM in die SAP-Welt hineinbringen, etwa im Facility-Management. Wir haben für Airbus die Planung gemacht und Energie geliefert, ebenso bei Lufthansa und bei IBM in Inning und Böblingen. Das hat uns mitgetragen, riesigen Umsatz und Gewinn gebracht und ein Polster geschaffen. Interessant: Laut Werkvertrag bekommen wir unsere Leistung erst bezahlt, wenn das Werk vollbracht ist — in der IT dagegen werden Service- und Beratungsverträge am Jahresanfang bezahlt, da kommt früh Geld in die Kasse.

Roman: Also war Diversifizierung eure Strategie, und zwar sehr stark.

Peter Korff: Sehr, sehr stark. Und das ist heute unser Vorteil.

Roman: Uwe, das ist nicht eure Strategie gewesen — ihr seid klassischer, sehr fokussierter TGA-Planer geblieben.

Uwe Pinck: Wir haben einen großen Anteil an Stammkunden, die wir teilweise schon aus der Zeit meines Vaters betreuen. Wir haben aber auch Themen, die aus dem Ruder laufen, und deshalb das Controlling deutlich verstärkt — nicht das Finanzcontrolling über die Buchhaltung, sondern das Projektcontrolling: Wer arbeitet mit welchem Aufwand in welchem Honorar-Zusammenhang? So erkennen wir Störungen frühzeitig und können reagieren, etwa durch Nachtragsmanagement oder indem wir prüfen, ob die richtigen Menschen am Projekt beteiligt und die Schnittstellen abgearbeitet sind. Krisen sind dabei oft gar nicht der Markt, sondern viele Dinge, die uns selbst beschäftigen. Darüber reden wir mit den Projektleitern und Führungskräften in der operativen Verantwortung.

Wie bilden TGA-Büros Quereinsteiger und Nachwuchs aus?

Roman: Wir sind ja Fach- und Systemplanende. Früher gab es die klassischen Handwerker, die ein Studium an der Fachhochschule draufgesetzt haben — das gibt es heute kaum noch. Es gibt nur wenige Hochschulen mit klassischem TGA-Studium, und darauf haben sich die Büros draufgesetzt. Wir haben viel mit Quereinsteigern zu tun. Uwe, siehst du als fokussiertes Büro ein Problem darin, den Leuten erst das Handwerk beibringen zu müssen?

Uwe Pinck: Uns bleibt nichts anderes übrig. Wenn der Mensch von seiner Persönlichkeit her zu uns passt, bilden wir ihn gerne aus. Das ist in der Regel ein Prozess von mindestens einem Jahr, je nach Vorkenntnissen, und kann auch drei Jahre oder länger dauern. Wir stellen ihm einen Mentor an die Seite, den er bei technischen Fragen ansprechen kann; was der nicht löst, übernimmt ein Kollege. Das hat sich bewährt, setzt aber voraus, dass der Mentor die Zeit mitbringt. Einen jungen Menschen zum planenden Ingenieur auszubilden, der gewerkeübergreifend koordiniert, ist nicht einfach, aber unvermeidlich, wenn wir Nachwuchs integrieren wollen. Ohne junge Menschen geht es nicht — Leistungsträger sind und bleiben aber die Alten.

Roman: Peter, hast du mit deiner Diversifizierung dieselbe Aufgabe, in die Quereinsteiger zu gehen?

Peter Korff: Das ist das Gleiche, da ist kein Unterschied. Hinzu kommt der Weg über die Digitalisierung: Wir fragen, was SAP mit unseren Daten anfangen kann und was sich automatisieren lässt — das automatische Beschriften zum Beispiel muss nicht an jeder Stelle neu gemacht werden. Viele Hilfsmittel sind in den Softwareprogrammen vorhanden oder können selbst geschrieben werden. Dafür braucht man andere Leute: Dazu ist der klassische Ingenieur nicht in der Lage, du brauchst einen ITler mit TGA-Sachverstand.

Wie verändert sich die Rolle der technischen Systemplaner?

Roman: Oder einen sehr fähigen Systemplaner. Unsere Kernkompetenz ist die Systemplanung. Der Ausbildungsberuf heißt heute Technischer Systemplaner. Der Ausbildungsrahmenlehrplan beschreibt die Inhalte top: Sie müssen den hydraulischen Abgleich berechnen, kvs-Werte und Anstellwerte einstellen, Pumpen berechnen — eigentlich alles, was man von unseren Ingenieuren erwartet. Seht ihr eine Verschiebung der Kompetenzen zwischen Systemplaner und Fachplaner, passiert mehr in der Systemplanung?

Peter Korff: Ja, bei uns zumindest.

Uwe Pinck: Die technischen Systemplaner erstellen das Dokument, das auf der Baustelle landet — die Zeichnung oder die Datei. Die Händelbarkeit des CAD-Systems liegt bei den Systemplanern. Einige Ingenieure haben selbst technischer Systemplaner gelernt, konzentrieren sich aber eher auf die Konstruktion, während die Systemplaner umsetzen. Unser Leistungsanteil für Systemplaner in den Leistungsphasen 3 und 5 liegt zwischen 40 und 60 Prozent, Tendenz eher über 50 Prozent. Sie setzen verschiedene Berechnungsprogramme ein, kommen mit Vorschlägen und tragen technische Verantwortung für unsere Modelle — ein sehr IT-affiner Kreis. Eines noch: Es ist eine Katastrophe, dass wir in Hamburg keine eigene Berufsschule für diese jungen Menschen haben. Unsere beiden Auszubildenden müssen für den Schulteil nach Regensburg in die Jugendherberge fahren.

Roman: Für Elektro, ne? Für HLS gibt es die Ausbildung, aber nicht für Elektro.

Uwe Pinck: Genau. Und in Bremen ist es genauso — die andere Auszubildende muss nach Bremen fahren. Hamburg ist als fast Zwei-Millionen-Stadt nicht in der Lage, solchen jungen Menschen eine Perspektive zu geben. Ich finde es eine Katastrophe, dass unsere Ausbildung das nicht hergibt. Es gab vor zwei Jahren einen gemeinsamen Brief vom Verband Beratender Ingenieure, Landesverband Hamburg, und der Ingenieurkammer an den Senat. Ich habe bis heute keine Antwort bekommen.

Wie verändert die Digitalisierung den Beruf?

Sören: Wir haben gesagt, der Hang zur Digitalisierung und die Affinität für Softwareanwendungen müssen da sein. Was ist da noch dazugekommen, und was macht den Job attraktiv? Mitunter spricht man ja schon vom Revit-Modellierer — eigentlich ist ein technischer Systemplaner konsequent gedacht auch ein Revit-Modellierer TGA.

Peter Korff: Der Beruf hat sich im Wesentlichen verändert. Der technische Zeichner hat früher nur von der Bleistift- in die Tuschezeichnung übertragen — das war nicht besonders interessant. Heute ist er interessant geworden, weil man alles machen kann, darf und teilweise muss. Der Beruf ist durch die Digitalisierung aufgewertet worden, und der Ingenieur kommt mehr in die Idee hinein: Er muss eine gute Idee haben und das System wirtschaftlich und technisch funktionierend für das Gebäude machen. Das ist wie der Architekt als Designer, der nicht festlegt, wie Tür oder Fenster genau aussehen, sondern die Idee über das Gebäude hat — die Elbphilharmonie etwa entstand als kleine Bleistiftzeichnung aus der Hand eines Architekten, gemacht haben sie nachher andere.

Roman: Und der beratende Ingenieur hat dann mehr Zeit, sich um das Beraten zu kümmern, vielleicht schon bei der Bedarfsplanung anzufangen statt erst in Leistungsphase 1 und 2 mit falschen Kosten und fehlenden Zielen der TGA.

Uwe Pinck: Völlig richtig. Die fachplanenden Ingenieurinnen und Ingenieure haben den Kundenkontakt und den Kontakt zu den Komponentenlieferanten, gehen auf Schulungen, was sich am Markt neu entwickelt. Jeder einzelne Arbeitsplatz bei uns ist ein Arbeitsplatz für Never End of Learning.

Wie hilft agiles Arbeiten in der TGA-Planung?

Roman: Ich habe etwas Neues ausprobiert, ein Rollenmodell aus der Softwareentwicklung — das Scrum-Framework. Die Idee: Du lässt die Fachexperten mit dem Nutzer, etwa dem Hausmeister oder Facility-Manager, das Traumgebäude entwickeln, und die Projektleitung gibt immer wieder den Rahmen vor — Kosten, Termine, Qualität, es muss bezahlbar bleiben. Damit habe ich extrem gute Erfahrungen gemacht: Meine Fachplaner kennen sich jetzt sehr gut mit den Forschern aus, die ein Forschungsgebäude später nutzen, und haben viele intensive Gespräche auch ohne mich und ohne den Bauherrn geführt. Mir ist klar geworden: Wir müssen vor allem mit den Facility-Managern und Hausmeistern reden, weil die das Gebäude später nutzen. Bei den meisten Projekten reden wir leider nur mit dem Architekten und dem Bauherrn, der von der TGA oft keine Ahnung und kein Interesse hat — sie soll möglichst klein und billig werden.

Peter Korff: Viel schlimmer ist der Projektsteuerer, der von all dem oft keine Ahnung hat. Er sollte sie haben, hat sie aber leider nicht.

Roman: Ein Projektsteuerer sollte zum Beispiel den Prüfumfang seiner Prüfung der Leistungsphasen 2, 3 und 5 vor Projektbeginn kommunizieren — das habe ich noch nie bekommen, das kriege ich immer erst in Phase 3 um die Ohren gehauen. Genauso einen Prüfbericht zur Bedarfsplanung: zusammenfassen, was der Bauherr gesagt hat und was in der Grundlagenermittlung von Architekt und TGA-Planer kam, mit Zielkonflikten in einem kurzen Bericht. Ich bezweifle, dass das jemals jemand gemacht hat.

Peter Korff: Ich habe es mit einem Projektsteuerer gemacht, den ich menschlich sogar mag. Aber er erklärte mir, die Grundlagenermittlung ende erst, wenn das Gebäude fertig ist, weil sie sich permanent verändern könne — interessant, denn dann könnte ich die Phase 1 ja schon abrechnen.

Wird die Zusammenarbeit am Bau besser oder schlechter?

Roman: Seht ihr eine Erhöhung des Qualitätsstandards in der Zusammenarbeit zwischen Projektentwickler, Architektur und TGA-Planung, oder eher eine Schwäche? Ist mehr Verständnis füreinander gewachsen?

Uwe Pinck: Qualität zu definieren ist sehr vage. Der Anspruch an eine kollisionsfreie Planung existiert zu Recht, und die schulden wir auch. Aber Termindruck, Zeitdruck und die Doppelbelastung durch parallele Projekte erschweren es. Durch die Arbeitszeitmodelle nach Corona ist nicht mehr jeder über den Flurfunk erreichbar — man muss anrufen, sich verabreden, eine Videokonferenz machen. Das erschwert die interne Kommunikation massiv, und wir leben von einer Koordinierung der Beteiligten. Wir machen es über Videokonferenzen, aber es ist anders, als wenn man sich kurz in die Ecke stellt und in einer Peer-to-Peer-Situation einen Kaffee trinkt. Der Anspruch ist da, aber die Wirklichkeit sagt, dass wir nach wie vor viel zu viele Fehler machen.

Peter Korff: Die Zusammenarbeit ist nach wie vor individuell schwierig oder gleitend gut. Ich bin aber der Meinung, dass wir durch Homeoffice und die Art, wie wir uns heute mit Teams unterhalten, besser geworden sind. Wir können während der Gespräche sofort auf Datenbanken zugreifen, in die Projekte und ins Modell hineinschauen — das hat einen riesigen Vorteil. Das Treffen am Kaffee im Flur ist wichtig, klar, aber das andere überwiegt meines Erachtens.

Roman: Vielen Dank für diese unterschiedlichen Meinungen — in beiden ist etwas abzugewinnen, vielleicht kann man es verknüpfen. Bei einem Berliner Projekt sehen wir uns seit einem Jahr online; jetzt hat der Bauherr gesagt, lasst uns einmal im Monat in den Baucontainern zusammensitzen. Es wird eine hybride Veranstaltung — ich kann online noch meinen Systemplaner oder meine Fachkraft dazuholen und bin nicht mehr so allein wie früher, als ich nach Berlin gefahren bin und alles vorbereitet haben musste. In diesem Sinne möchte ich die Bar schließen und freue mich auf die nächste Folge.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Welche zwei strategischen Ansätze verfolgen Pinck Ingenieure und M&P?

Pinck Ingenieure setzt auf Fokussierung als TGA-Generalplaner mit hohem Stammkundenanteil, verstärktem Projektcontrolling und einer GmbH-Struktur, über die Anteile an einsteigende Mitarbeitende vergeben werden. M&P setzt dagegen auf starke Diversifizierung: neben der TGA-Planung IT-Geschäft als Microsoft- und SAP-Partner, Facility-Management und früher der Betrieb von Blockheizkraftwerken als Energielieferant.

Was macht ein TGA-Planungsbüro resilient gegen Krisen?

Genannt werden zwei Wege: breite Aufstellung über mehrere Geschäftsfelder (M&P), sodass man auf Marktveränderungen reagieren kann, und bei einem fokussierten Büro (Pinck) ein verstärktes Projektcontrolling, das Aufwand, Honorar und Schnittstellen überwacht und Störungen frühzeitig erkennt. Beide betonen, viele Krisen kämen nicht vom Markt, sondern aus internen Projektproblemen.

Wie gehen die Büros mit Quereinsteigern und Nachwuchs um?

Da klassische handwerkliche Werdegänge und das TGA-Studium selten geworden sind, bilden die Büros Quereinsteiger selbst aus. Bei Pinck dauert das mindestens ein Jahr, oft drei oder mehr; ein Mentor wird zur Seite gestellt, der bei technischen Fragen ansprechbar ist. Hinzu kommt der Bedarf an IT-affinen Leuten beziehungsweise ITlern mit TGA-Sachverstand für die Digitalisierung.

Wie hat sich die Rolle der technischen Systemplaner verändert?

Der frühere technische Zeichner ist durch die Digitalisierung deutlich aufgewertet worden. Technische Systemplaner erstellen die baustellenrelevanten Dokumente, beherrschen das CAD-System, setzen Berechnungsprogramme ein und tragen technische Verantwortung für die Modelle. Bei Pinck liegt ihr Leistungsanteil in den Leistungsphasen 3 und 5 zwischen 40 und 60 Prozent, Tendenz über 50 Prozent.

Wie lässt sich agiles Arbeiten aus der Softwareentwicklung auf die TGA-Planung übertragen?

Roman Fritsches schildert ein an Scrum angelehntes Rollenmodell: Die Fachexperten entwickeln gemeinsam mit den späteren Nutzern, etwa Facility-Managern oder Hausmeistern, das Traumgebäude, während die Projektleitung den Rahmen aus Kosten, Terminen und Qualität vorgibt. So entstehen intensive Nutzergespräche und ein besseres Verständnis für die spätere Gebäudenutzung.

Zitate

Wir glauben, dass es ohne junge Menschen und ohne den Nachwuchs nicht geht. Leistungsträger sind und bleiben die Alten."

Uwe Pinck

Diversifizierung war unsere Strategie, sehr, sehr stark. Und das ist heute unser Vorteil."

Peter Korff

Jeder einzelne Arbeitsplatz bei uns ist ein Arbeitsplatz für Never End of Learning."

Uwe Pinck

Es ist eine Katastrophe, dass wir hier in Hamburg keine eigene Berufsschule haben, die diese jungen Menschen ausbildet."

Uwe Pinck

Zahlen & Fakten

Uwe Pinck war als relativ junger Mann in einem Konzern für 64 Ingenieure verantwortlich, bevor er 1986 als zwölfter Mitarbeiter im Ingenieurbüro anfing.

Quelle: Uwe Pinck

Die Büros wuchsen in Hamburg auf bis zu 100 Mitarbeitende; in den 80er Jahren gab es bei M&P rund ein Dreivierteljahr Leerlauf mit etwa 100 Leuten.

Quelle: Peter Korff

Bei Pinck Ingenieure liegt der Leistungsanteil der technischen Systemplaner in den Leistungsphasen 3 und 5 zwischen 40 und 60 Prozent, mit Tendenz über 50 Prozent.

Quelle: Uwe Pinck

Die Ausbildung eines Quereinsteigers zum planenden Ingenieur dauert in der Regel mindestens ein Jahr, teilweise drei Jahre oder länger.

Quelle: Uwe Pinck

Pinck Ingenieure hatte in den Krisen 1998 und 2002/2003 zu wenig Arbeit, stellte aber bereits 1999/2000 wieder ein und bekam 2008 von der Krise nichts mit.

Quelle: Uwe Pinck

Glossar

Diversifizierung
Strategie der breiten Aufstellung über mehrere Geschäftsfelder (z. B. TGA-Planung, IT/SAP, Facility-Management, Energielieferung), um auf Marktveränderungen reagieren zu können.
Projektcontrolling
Überwachung, wer mit welchem Aufwand und in welchem Honorar-Zusammenhang in Projekten arbeitet, um Störungen frühzeitig zu erkennen; abgegrenzt vom Finanzcontrolling über die Buchhaltung.
Resilienz
Widerstandsfähigkeit gegen Krisen; ein stabiler Organismus eines Unternehmens, der Veränderungen und Krisen standhält.
Technischer Systemplaner
Ausbildungsberuf, der die baustellenrelevanten Dokumente erstellt, das CAD-System beherrscht und u. a. hydraulischen Abgleich, kvs-Werte und Pumpen berechnen können soll.
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