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TGA-PlanungBüroleitung TGA-PlanungFolge #346

tgabar · Bargespräche

HomeOffice oder Bar?

Folge 34621.11.202515:28 minRoman Fritsches, Sören Janson
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Auf den Punkt

Homeoffice oder Büro lässt sich nicht pauschal beantworten. Roman und Sören plädieren für eine differenzierte Regelung statt starrer Büropflicht: entscheidend sind die Rolle (Projektleitung kommunikationsstark, Systemplanung konzentrationsstark), das Vertrauen in die Person, die psychische Situation und die Qualität des Arbeitsplatzes zu Hause. Stimmen Ergebnisse und Vertrauen, ist Homeoffice unproblematisch.

Transkript

Warum reden wir über Homeoffice oder Bar?

Roman: Herzlich willkommen in der TGA-Bar. Heute geht es um Homeoffice oder Bar. Wir sind heute aus der Hobenkück-Bar. Die letzte Bar war uns zu ruhig für eine Bar — wir konnten immer nur schön rausschauen, keiner hat zurückgeschaut. Jetzt sitzen wir auf einer Empore und schauen den Menschen beim Bar-Sitzen zu. Es ist ein bisschen lauter im Hintergrund, aber ihr hört authentische Geräusche aus der Bar und einer Hamburger Küche. Warum wollen wir uns darüber unterhalten? Weil ich auch schon überlegt habe, vielleicht im Restaurant mal länger Homeoffice zu machen.

Sören: Sich einfach gegenüberzusitzen, sich direkt auszutauschen, die Gestik, Mimik und Haptik des Gegenübers mitzukriegen — das ist doch cool.

Roman: Das ist natürlich der Vorteil der Bar-Büros. Bar oder Büro: Man trifft auf jeden Fall Menschen, die man gerne treffen möchte — vielleicht auch Menschen, die man nicht so gerne trifft. Das kann in der Bar genauso passieren. Wie geht man am besten damit um? Wahrscheinlich werden diese Diskussionen auch in diversen Büros geführt: Wie viel Homeoffice lasse ich zu? Wie viel Büro verpflichte ich?

Welche Rolle spielt Kommunikation bei Homeoffice?

Sören: Ich weiß nicht mal, ob es verpflichtend ist. Für mich verbirgt sich dahinter eine Frage, wenn wir auf Projektmanagement und Projektsteuerung schauen: Ein wesentlicher Aspekt guter Projektsteuerung und Projektbearbeitung ist die Kommunikation. Wir haben immer mehr Möglichkeiten zu kommunizieren — E-Mails, Teams, Nachrichten, WhatsApp auf der Baustelle, mit Firmen. Auf vieles habe ich keinen Einfluss, weil es extern gesteuert ist. Aber gerade bei der internen Kommunikation stellt sich die Frage: Wenn das so wichtig ist, was ist der richtige Weg? Ich limitiere mich, wenn ich schreibe oder in der Teams-Nachricht bin, weil das oft nicht so ankommt, wie ich es gemeint habe.

Roman: Oder ich muss bewusst anrufen, weil ich nicht einfach an der Kaffeemaschine das wichtige Gespräch führe.

Sören: Genau. Und auch zum Thema Wissenstransfer, der gar nicht immer projektspezifisch sein muss. Daher kommt für mich die Frage, in welchem Verhältnis das stehen sollte. Wir hatten zwei Folgen zu Effizienz und Effektivität gemacht — und Kommunikation geht da immer einher.

Für welche Rollen ist Homeoffice ein Problem?

Roman: Ich hatte mehrere Kaffeemaschinengespräche, Gespräche zwischen Tür und Angel oder bei der Zigarette eines Kollegen, bei denen plötzlich Dinge rüberkamen, die mich auf einen ganz anderen Pfad gebracht haben oder ein anderes Thema haben erkennen lassen. Das wäre mir im Homeoffice nicht passiert. Aber ich frage mich: Für welche Rolle ist Homeoffice wirklich ein Problem? Ich als Projektleiter lebe von der Kommunikation, da ist es wichtig. Wir haben aber ganz viele Systemplanerinnen und Systemplaner, die zwar auch mal von der Kommunikation leben, aber vor allem davon, dass sie acht Stunden in Ruhe arbeiten können.

Sören: Facharbeit, in die man sich konzentriert reingraben möchte. Da frage ich mich, ob das Büro dann besser ist — oder ob nicht eher zu Hause der bessere Rückzugsort ist.

Roman: Ist das tatsächlich der richtige Rückzugsort zu Hause? Das hängt vom Homeoffice ab. Wenn ich am Wohnzimmertisch arbeiten muss, ist es ein Problem. Wenn ich im Büro aber ein Großraumbüro habe und alle drum herum telefonieren, ist es vielleicht auch ein Problem. Es hängt total von der Rolle und der Hauptfunktion ab.

Sören: Dagegen würde ich ein Stück weit halten: Wenn sich die Leute kennen und schon länger zusammenarbeiten, erfolgt eine normale Kommunikation auch über digitale Medien — auch da wird gequatscht, die Leute rufen genauso an und führen diese Kaffeemaschinengespräche. Bei Onboarding oder Projektbeginn macht es total Sinn, in einer neuen Konstellation zusammenzukommen. Aber sonst ist es für die meisten tägliches Doing, digital zu kommunizieren. Ich sehe das gar nicht als Barriere.

Roman: Das Bildschirmteilen ist eigentlich angenehmer, als wenn man zusammen vor einem Bildschirm sitzt — die wenigsten haben die zweite Maus auf dem Tisch liegen. Das ist das Äquivalent dazu, die Freigabe des Bildschirms zu erteilen.

Geht es bei Homeoffice um Kontrolle oder Vertrauen?

Sören: Aber warum diskutiert man das dann trotzdem so?

Roman: Ich glaube, es ist ein Kontrollverlust, der bei der Führung stattfindet: Ich weiß nicht, ob die Leute im Büro sind, ich kann die Arbeitszeiten nicht kontrollieren, ich weiß nicht genau, wann sie arbeiten — und sehe sie vielleicht zufällig mitten am Tag zum Supermarkt rennen oder erreiche sie bei privaten Tätigkeiten, die in der Arbeitszeit liegen. Für mich ist das ein Vertrauensthema. Wenn Menschen sich zu Hause besser konzentrieren können als im Büro, ist es schade, wenn man sie nicht lässt, nur weil man sich nicht vertraut.

Sören: Das ist auch eine Forderung an Führungskräfte: zum einen das Vertrauen zu haben und das eine wie das andere anpassbar zu machen. Leute werden immer mehr als Individuen wahrgenommen, jeder hat seinen Spot, an dem er bei der Bearbeitung seiner Themen am besten und effizientesten agieren kann. Ich finde, das ist auch ein Indikator dafür, ob nicht die wirtschaftliche Krise viel mehr durchschlägt — weil Leute versuchen, wieder Zugriff zu bekommen: Was über Jahre gut funktioniert hat, soll jetzt auf einmal nicht mehr gut sein.

Roman: Die Diskussion gab es aber schon lange. Gerade am Anfang, als Corona vorbei war und der Zwang weg war, ging die Diskussion intensiv los, und sie kommt immer wieder hoch. In den Medien habe ich vor drei, vier Jahren mehr dazu gelesen als jetzt.

Wie geht man mit Kollegen um, die im Homeoffice nicht erreichbar sind?

Sören: Es geht auch um die Individualität, da frei drüber zu entscheiden. Gesprächsbedarf hat man definitiv, wenn sich bei Kollegen herausstellt, dass sie im Homeoffice nicht erreichbar sind.

Roman: Dann ist einfach Vertrauensverlust da. Da kann man relativ einfache Regeln machen: Pass auf, ich habe dich jetzt zweimal nicht erreicht, du warst während der Arbeitszeit nicht verfügbar, du hast die Aufgaben nicht rechtzeitig erledigt — damit gibt es ein Homeoffice-Verbot oder andersrum eine Büropflicht für vier Tage die Woche. Das haben wir tatsächlich einmal mit einem Kollegen gemacht. Nach diversen Runden hat es nicht funktioniert, es gab Abmahnungen, am Ende haben wir gekündigt — und ihm angeboten, jederzeit weiterzumachen, wenn er einfach vier Tage die Woche ins Büro kommt, weil wir ihm sonst seine Aufgaben nicht erklären können. Das hat er nicht gemacht.

Sören: Aber ist das nicht genau der Punkt, bevor man solche radikalen Schritte geht, die ja auch Auswirkungen auf die gesamte Organisation haben? Muss man nicht viel besser in die Analyse gehen: Wer ist aufgrund seines Berufsstands am besten dafür geeignet, mit dieser Situation und der Freiheit umzugehen, sich selbst zu organisieren?

Roman: Das meine ich mit der Rolle — das muss man wirklich nach Rollen unterscheiden. Bei Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern finde ich es schwierig, wenn sie in einer harten Lernphase die ganze Zeit zu Hause sitzen.

Sören: Oder keiner ihnen über die Schulter guckt und nach einer Woche feststellt, wo sie hingerannt ist.

Roman: Deswegen haben wir Einarbeitungsphasen, die wir relativ ernst nehmen: Es gibt eine Einarbeitung für ein halbes Jahr, und auch die Probezeit ist da ein Thema — in der bist du bitte im Büro und triffst dich mit den Kollegen. Die müssen dann auch mehr im Büro sein; es bildet sich ein Tandem oder eine Dreierkonstellation. Für Berufsanfängerinnen und für Leute, die Projektleitung machen und viel kommunizieren müssen, ist das Arbeiten im Büro einfach das Richtige.

Warum ist es wichtig, Arbeit im Homeoffice sichtbar zu machen?

Sören: Als Projektleiter mit viel Kommunikation, auch über Tools und Werkzeuge — wenn dein ganzes Team nicht da ist, dann funktioniert die Kommunikation doch trotzdem.

Roman: Sie kann super funktionieren, vor allem wenn du deinen Teil sauber durchstrukturiert und koordiniert hast. Die Frage ist: Bist du ein Multiprojektmanager? Dann hast du vielleicht mehr Vorteile davon, im Büro diese Kaffeemaschinengespräche zu führen und mitzubekommen, wer freie Kapazitäten hat. Ich hatte noch einen guten Gedanken zum Thema Arbeit sichtbar machen: Je digitaler es ist, desto wichtiger ist es, die Arbeit sichtbar zu machen. Im Büro sieht man die Arbeit ein bisschen, die Person und ihren Bildschirm — das siehst du nicht, wenn alle im Homeoffice sitzen.

Sören: Ich habe von jemandem aus einer anderen Branche gehört, der viel im Homeoffice ist und sagt: Die Karriere ist durch, du bist nicht sichtbar. Wie soll der Nachweis über Präsenz überhaupt zustande kommen? Er macht seine Arbeit, aber dieses Sich-im-Vordergrund-Spielen, das körperliche Sichtbarsein entfällt komplett. In der Wahrnehmung ist er derjenige, der immer im Homeoffice ist; es gibt keine Beschwerden vom Auftraggeber, aber was genau er macht, weiß keiner so richtig — er könnte vielleicht noch 20 Prozent mehr machen. Es gibt also Gründe, regelmäßig von sich aus ins Büro zu kommen. Aber die meisten haben das auf dem Schirm. Ich finde die Diskussion manchmal an der falschen Stelle, weil man gar nicht so genau beziffern kann, ob es gut oder schlecht läuft — außer man hat so ein Magengrummel.

Nach welchen Kriterien sollte man Homeoffice differenzieren?

Roman: Genau, ein Bauchgefühl. Man muss nach Rollen unterscheiden. Dann muss man nach Vertrauen unterscheiden — wie sehr vertraue ich der Person? Wer weniger Vertrauen genießt, bekommt weniger Homeoffice-Möglichkeiten, wer mehr Vertrauen genießt, mehr. Die dritte Frage ist die psychische Gesundheit: Du kriegst von den Leuten nichts mit, wenn sie immer im Homeoffice sind und sich nur berufsbezogen austauschen. Da musst du auch digitale Lösungen finden, damit man sich immer wieder unabhängig von der Arbeit unterhält, auch über private Dinge.

Sören: Das tun die Leute trotzdem auch über Teams — wenn sie sich kennen. Wenn sie sich nicht kennen, bin ich ganz bei dir.

Roman: Die Frage ist nur, ob es da ankommt, wo es ankommen soll — beim Personalverantwortlichen, der Führungskraft —, dass es einer Person gerade nicht gut geht.

Sören: Das verstehe ich unter guter Führung: Ich muss als Führungskraft nicht sagen, ihr müsst alle zu mir kommen, damit ich ein Gefühl habe, wie es euch geht. Die Kommunikation kann auch über den digitalen Weg erfolgen, und da kriege ich zumindest einen ersten Eindruck. Vielleicht muss man eher mal gemeinsam frühstücken, bevor man große Einschränkungen umsetzt, die für alle gelten.

Roman: Das ist ein gutes Fazit. Große Einschränkungen für alle finde ich total falsch. Ich würde differenzieren — nach Rolle, nach Vertrauenswürdigkeit, nach psychischer Situation und nach der Qualität der Arbeitsplatzgegebenheiten zu Hause.

Sören: Die, die keinen Platz haben, sind ohnehin im Büro, weil ein fester Arbeitsplatz eine Voraussetzung ist.

Roman: Und dann gibt es noch die Kategorie Wohnort. Wir haben Kollegen, die gar nicht in der Nähe des Büros sind — 200 oder 300 Kilometer weg — und immer im Homeoffice arbeiten, und die kommen damit klar. Wenn die Ergebnisse stimmen und das Vertrauen da ist, ist alles gut. Ich glaube, wir Planerinnen und Planer sind da fast ein bisschen oldschool. In anderen Branchen, in der IT oder international, ist es seit Jahrzehnten Standard, nur online zu arbeiten — da treffen sich Teams aus Neu-Delhi, New York und Singapur gleichzeitig zu verschiedensten Tages- und Nachtzeiten. Wenn das seit Jahrzehnten klappt und wir nicht mal eine Zeitverschiebung haben, dann stell dich nicht so an.

Sören: Das ist ein gutes Fazit, Roman. Wir haben euch angestoßen, aus der neuen Location. Prost, zum Wohl — und euch einen schönen Feierabend.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Nach welchen Kriterien sollte man Homeoffice im Planungsbüro regeln?

Roman und Sören nennen vier Kriterien zur Differenzierung statt einer pauschalen Regelung: die Rolle (Projektleitung lebt von Kommunikation, Systemplanung von konzentriertem Arbeiten), das Vertrauen in die Person, die psychische Situation des Mitarbeitenden und die Qualität des Arbeitsplatzes zu Hause. Auch der Wohnort kann ein Kriterium sein.

Für welche Rollen ist Präsenz im Büro besonders wichtig?

Besonders für Projektleitung, die von Kommunikation lebt, sowie für Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger in der Lern- und Einarbeitungsphase. Systemplanerinnen und Systemplaner, die konzentrierte Facharbeit leisten, profitieren dagegen oft von einem ruhigen Rückzugsort, der zu Hause besser sein kann als ein Großraumbüro.

Zitate

Ich finde, das ist ein Vertrauensthema. Es geht eigentlich doch hauptsächlich um Vertrauen."

Roman Fritsches

Wenn die Ergebnisse stimmen und das Vertrauen da ist, dann ist das okay."

Roman Fritsches

Je digitaler es ist, desto wichtiger ist es, die Arbeit sichtbar zu machen."

Roman Fritsches

Zahlen & Fakten

Kollegen, die 200 bis 300 Kilometer vom Büro entfernt wohnen, arbeiten dauerhaft im Homeoffice und kommen damit klar, solange Ergebnisse und Vertrauen stimmen.

Quelle: Roman Fritsches
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