TGA-Planung › Folge #211
tgabar · BargesprächeGeben und Nehmen mit Uwe Pinck und Peter Korff
Die tgabar e.V. will TGA-Ingenieurbüros auf operativer Ebene vernetzen — anders als der Unternehmensverband VBI, der vor allem Inhaber politisch vertritt. Im Mittelpunkt steht das Geben und Nehmen: gemeinsame Standards, Checklisten, eine Tauschbörse für Revit-Familien und gemeinsamer Software-Einkauf. Die Herausforderung ist, Wissen zu teilen, ohne Wettbewerbsvorteil, Haftung und Wertschätzung der Beteiligten zu gefährden.
Transkript
Was ist der VBI und was ist seine Aufgabe?
Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar. Wir kommen zum vorerstigen Finale unseres tollen Abends und Gesprächs mit Uwe Pinck und Peter Korff. Wir kommen zu der Frage, wie wir es schaffen, diesen Verein, der sich tgabar nennt, dauerhaft aufrechtzuerhalten. Wie können Ingenieurbüros der TGA dauerhaft gut zusammenarbeiten und besser werden? Uwe, du hast mindestens einen gemeinnützigen Verein mitgegründet, und beim anderen — dem Berufsverband VBI — bin ich mir über die Struktur nicht ganz sicher.
Uwe Pinck: Der VBI ist ein Verband von Unternehmen, nicht von Unternehmern. Nicht die einzelnen Geschäftsführer sind Mitglied, sondern das Unternehmen ist Mitglied in diesem Berufsverband Beratender Ingenieure. Die Unternehmen schicken persönliche Vertreter — in der Regel der Inhaber, der Geschäftsführer, ein Prokurist oder ein Senior-Projektleiter mit Spaß an Gremienarbeit. Der Verband sitzt in Berlin und hat Vertretungen in jedem Landesverband. Ich hatte die Ehre, hier in Hamburg 13 Jahre Landesvorsitzender des VBI zu sein.
Roman: Was würdest du als Kernaufgabe des VBI sehen? Beratender Ingenieur ist ja auch ein Titel.
Uwe Pinck: Ursprünglich wurde der Verband in den 1920er-Jahren gegründet, um Beratende Ingenieure, die gleichzeitig Kammermitglied sind, als persönliche Vertreter aufzunehmen. Bei den Kammern ist man persönliches Mitglied und trägt den Titel Beratender Ingenieur. Der VBI hat sich vor zwei, drei Jahren neue Statuten gegeben und betont, dass die Person als persönlicher Vertreter Mitglied ist, aber das Unternehmen im Vordergrund steht. Das Ziel ist klar politisch motiviert: Der Verband sitzt in Berlin, will im Wirtschaftsministerium Wirtschaftspolitik machen und ist Mitglied im BDI, dem Industrieverband. Man kommentiert Gesetzesvorlagen, teilweise abgestimmt mit den Kammern, damit man mit einer Stimme spricht. Bei Themen wie Infrastrukturprojekten der Deutschen Bahn oder Bewerbungskriterien für Aufträge tritt der VBI auch allein auf und artikuliert die Unternehmensinteressen der Mitglieder. Ob das politisch durchsetzbar ist, hängt von der Regierung ab. Das ist Klinkenputzen in den Ausschüssen des Bundestages.
Was hast du persönlich aus der Verbandstätigkeit mitgenommen?
Roman: Was hast du persönlich aus dieser Tätigkeit mitgenommen — für dich, für dein Büro und für die Planung allgemein?
Uwe Pinck: Am Anfang habe ich mich sehr zurückgehalten, weil ich mich zu jung für eine Verbandstätigkeit gefühlt habe. An solchen Veranstaltungen nehmen in der Regel ältere Herrschaften teil, die etwas mehr Zeit haben. Als Mit-Dreißiger fühlt man sich dort nicht ganz wohl: Man ist neu, hat die Netzwerke noch nicht und weiß nicht, wie man die richtigen Ansprechpartner findet. Es gibt eine Justiziarin, mit der ich viele Jahre zusammengearbeitet habe — eine tolle, kostenlose Rechtsberatung für die Mitglieder. Über diese Zusammenarbeit bin ich in Aufgaben hineingewachsen, von der Entwicklung einer neuen Satzung bis zum Haushaltsausschuss. Man sitzt in verschiedenen Gremien, lernt interessante Partner kennen — etwa Claudia Döring — mit denen man sich auf kurzem Wege austauschen kann. Das ist ein großer Vorteil. Es ist viel Arbeit, wenn man es intensiv machen will, aber man kann selbst entscheiden, wie viel man hineinsteckt.
Warum braucht die TGA-Planung einen operativen Austausch?
Roman: Dieses Kompetenznetzwerk ist also das, was du siehst — die Justiziarin, Claudia Döring, der Austausch. Jetzt frage ich mich, wie wir das auch schaffen und vielleicht noch besser machen können. Peter, du guckst schon ein bisschen kritisch.
Peter Korff: Ja, ich gucke kritisch und bin auch kritisch. Das ist alles in Ordnung und wichtig, aber ich glaube, wir brauchen einen Austausch wie die Mediziner. Die werden durch die Forschung alle auf den gleichen Stand gebracht, können sich informieren und austauschen. Das tun wir bisher nicht, auch nicht über den Verband. Ihr habt mit der tgabar etwas eröffnet, wo Ingenieure ihre Probleme darstellen, von anderen mitbetrachten lassen und zu einer Lösung führen können. Das hat die ganze Zeit gefehlt. Ich habe mich nie mit Uwe zusammengesetzt und gefragt: Hast du Erfahrung mit dieser Gasturbine, die ich einbauen will? Diese Frage habe ich nie gestellt — dabei wäre er als Elektriker für das, was der Generator dahinter macht, gut gefragt gewesen.
Roman: Aber ihr seid beide Geschäftsführer großer Ingenieurbüros, da redet ihr nicht mehr in der Rolle als Fachleute.
Peter Korff: Genau, wie blöd eigentlich — das sollte man tun. Ihr öffnet mit der tgabar über einen Podcast oder andere Treffen die Möglichkeit, solche Fragen ins große Gremium hineinzubringen. Das ist wichtig, das ist für mich neu, und ich würde das mit Freude unterstützen.
Uwe Pinck: Das muss man verstehen: Der VBI ist ein Unternehmensverband, die Repräsentanten sind Inhaber und Geschäftsführer. In der tgabar e.V. sind es Menschen, die im täglichen operativen Geschäft mit dem Thema TGA umgehen. Es gibt zwar ein Forum für TGA-Ingenieurbüros im VBI, einen Arbeitskreis aus sechs bis zehn Büros — aber überwiegend durch die Inhaber vertreten, nie auf der operativen Ebene. Beim Verein habt ihr bis zu fünf Mitglieder eines Unternehmens, die ihr aktiv beteiligen könnt. Die fachplanenden Ingenieure, die sich mit BIM-Prozessen, Kältetechnik oder der Auslegung von Wärmepumpen beschäftigen, kommen nicht zu den VBI-TGA-Sitzungen. Ihr sprecht eine ganz andere Zielgruppe an — keine Konkurrenz zum VBI, sondern eine sinnvolle Ergänzung dessen, was die Branche braucht.
Wie teilt man Expertenwissen, ohne Wettbewerbsvorteil und Wertschätzung zu verlieren?
Roman: Operative Fachplanung und Experten zusammenbringen — nicht nur fachliche Themen, sondern auch Prozesse und Standards gemeinsam und operativ entwickeln, aus dem Projekt heraus. Ich sitze seit über einem halben Jahr mit fünf Syndikusanwälten zusammen, die aus namhaften Ingenieurbüros kommen — TGA, Architektur, Generalplanung, Tragwerksplanung. Wir bauen Checklisten: Wie mache ich gute Ingenieurverträge, wie prüfe ich sie? Das ist für Projektleiter total wertvoll. Aber dieses Ergebnis muss man auch ein Stück weit schützen. Die Anwälte sagen selbst: Wenn ich ein halbes Jahr daran arbeite, lade ich nicht einfach ein Dokument irgendwo hoch, sondern möchte das gewertschätzt sehen. Es geht ihnen nicht um Geld, sondern um Wertschätzung der investierten Zeit. Hast du Erfahrung, wie wir dieses operative Expertenwissen verbreiten?
Peter, du sagst, wir schaffen Standards und verteilen sie, damit alle sie haben. Das finde ich gut, sehe aber Vorbehalte. Dein Sohn hatte gleich am Anfang Vorbehalte und sagte: Moment, da muss ich mit meinen Gesellschaftern bei reden, ich weiß nicht, ob wir unser Unternehmenswissen einfach so weitergeben. Das fand ich gut und verstehe die Sorge. Auch bei uns im Büro sagen alle: Moment, Roman, du bist Geschäftsführer und hast eine Bar eröffnet, jetzt denken alle, sie müssten mitmachen — das kostet Zeit. Ich kann nicht zehn Leute in gemeinnützige Tätigkeiten reinschieben. Das darf nicht als Verpflichtung ankommen, sondern ich möchte, dass ihr Mehrwert daraus zieht: dass ihr euch zum Beispiel als Fachkoordinatoren mit anderen Fachkoordinatoren trefft, etwa Bente, die auch bei euch gearbeitet hat, um gemeinsam Standards zu entwickeln, oder dass Sven sich mit Professor Wimmer treffen kann, der eine Koryphäe im Bereich BIM ist. Es gibt also verschiedene Vorbehalte, mit denen wir umgehen müssen. Am liebsten hätte ich das komplett Freie — alle nutzen das Wissen der anderen. Aber dann kommt der Wirtschaftsingenieur in mir durch: Wir haben auch ein Alleinstellungsmerkmal, und wenn jedes andere Büro das auch kann, was mein Büro kann, habe ich meinen Wettbewerbsvorteil verloren.
Peter Korff: Das würden mir die Ärzte auch so sagen. Ich glaube, wenn es nicht nur von einer Seite kommt, sondern auch von anderen — wenn ich nicht nur liefere, sondern auch empfange — dann ist es in Ordnung, und ein Unternehmen kann damit umgehen. Wir müssen alle senden und alle empfangen, dann geht es gut.
Welche rechtlichen Hürden hat das Teilen von Standards und Modellen?
Uwe Pinck: Das ist zu beobachten. Wir haben in der BIM-Hub Hamburg versucht, einen Standard für die Mitgliedsunternehmen zu entwickeln — die IAS. Soweit ich weiß, sind die nach vier, fünf Jahren noch nicht fertig. Das kostet viel Zeit, und wenn man so etwas verteilt, ist der Anspruch zu Recht da, dass es richtig ist. Gerade wenn Juristen beteiligt sind — der erste Vorsitzende der BIM-Hub Hamburg ist Jurist — schaut man genau, ob das Produkt den Stempel mitträgt. Solitärwissen ist im eigenen Hause frei verfügbar. Aber wenn wir Dokumente herausgeben, übernehmen wir keine Haftung für deren Richtigkeit. Wenn ausführende Firmen ein BIM-Modell als Grundlage für ihre Montageplanung nehmen, muss uns das bestätigt werden. Wir schulden dieses Modell nicht Dritten gegenüber — das ist ein eigenes Produkt. Wenn der Bauherr es haben möchte, machen wir das, aber er muss uns von der Gewährleistung freihalten, weil sonst gigantische, nicht versicherbare Klagen drohen könnten.
Roman: Also im Vergleich zu einem BIM-Modell für einen Ausführenden.
Uwe Pinck: Beim BIM-Modell meine ich das — da sind auch Urheberrechte verbunden. Wenn Juristen Verträge aufsetzen und ihr Name darunter steht, wollen sie das entweder als Multiplikator monetär auswerten oder sehen sich in der Haftung. Es ist also nicht einfach, mit solchen Unterlagen in die breite Öffentlichkeit zu gehen. Das muss die Vereinssatzung hergeben: Wer darf das nutzen, und was passiert bei Verletzungen? An solche Dinge sollte man unbedingt denken.
Welche Fachthemen würden die Mitglieder am meisten reizen?
Roman: Was würde euch maximal motivieren mitzumachen? Welches Thema würde dich total jucken, wo du sagst: Seit 30 Jahren suche ich einen Experten dazu? Uwe, fang du an.
Uwe Pinck: Gib mir einen guten BIM-Koordinator.
Roman: Das ist witzig — ich habe eine Umfrage gemacht, was die Schulungs- und Weiterbildungsthemen sind, die ihr für eure Leute braucht. Die meisten Punkte hatte die BIM-Koordination.
Uwe Pinck: Das ist wirklich zeitaufwendig, und die Integration von bis zu acht Fachplanern mit den entsprechenden Systemplanern bei großen Projekten ist eine Sisyphus-Aufgabe.
Roman: Check, haben wir, sind wir voll dran — mehrere Lounges beschäftigen sich mit BIM-Koordination. Peter, ich bin gespannt.
Peter Korff: Wenn ich zum Beispiel eine Dampf-Hochdruckanlage planen sollte, hätte ich im Moment meine Probleme. Ich weiß gar nicht, wer das noch richtig kann — das ist ziemlich verloren gegangen. Auch bei ausführenden Firmen gibt es immer weniger Fachleute, die schweißen können und die Zertifikate haben. Bei den Ingenieuren ist es nicht anders: Die Berechnungsmöglichkeiten und die Erfahrung fehlen, weil zu wenig gemacht wird. Aber solche Themen tauchen auf, gerade in der Kältetechnik mit Ammoniak-Anlagen. Die gibt es, aber nicht so oft, und dann fehlen die Fachleute. Dann gibt es Fragen, die man in einem großen Kreis stellen kann: Ist da noch einer, der eine Idee hat, wie man das lösen kann?
Roman: Das finde ich spannend. Richtige Fachgruppen, die sich fachlich mit Heizung, Lüftung, Sanitär, Starkstrom, Schwachstrom, Aufzügen, Küchen beschäftigen — das haben wir noch nicht. Wir haben den Bedarf bisher nicht so gesehen, weil wir dachten, das gibt es in anderen Vereinen. Aber ich glaube nicht, dass es das so gibt.
Uwe Pinck: Es gibt sicher Gruppen, die sich beim VDI mit Heizung und Lüftung beschäftigen, und im VBI eine Vereinigung von Kollegenbüros unter dem Stichwort technische Gebäudeausrüstung. Da sucht man sich bei jedem Treffen einen Schwerpunkt, vielleicht einen externen Vortragenden — aber das sind punktuelle Veranstaltungen mit kleinem Protokoll, ohne große Aufgaben.
Wie schaffen eine Tauschbörse und gemeinsamer Einkauf Synergien?
Uwe Pinck: Ich habe noch ein Thema für den Verein. Ich weiß von Kollegen, dass jeder in Revit seine eigene Symbolik baut — die Familien. Jedes Büro fängt damit bei null an, wir auch. Das kann doch nicht sein. Wenn wir da eine Offenheit hinbekämen — du machst Elektro, du machst die Symbolik, du machst das Thema Leuchten — und Synergien schaffen, dass wir diese Familien austauschbar machen, das wäre ein riesiger Fortschritt: in so einem Vereinsrahmen den Kollegen zur Verfügung gestellt.
Roman: Finde ich spannend. Da müsste man über eine Art Stundenkontingent nachdenken, dass jeder etwas hineingibt.
Uwe Pinck: Wir arbeiten alle daran, und du arbeitest in anderen Gewerken. Wenn man so eine offene Kultur für die tgabar haben will, wäre das ein Schritt dahin — das muss jeder leisten, aber er empfängt wahrscheinlich ein Vielfaches mehr.
Roman: Das Thema ist hochaktuell, weil wir nächstes Jahr Lebenszyklusanalysen für jedes Projekt machen müssen. Die TGA ist da bisher immer hintendran — man rechnet pauschal 20 Prozent für TGA auf, aber kann keine Variantenuntersuchung machen. Bisher sagt der Energieberater uns die Lösung A, B, C, und wir bewerten sie technisch. Dasselbe wird Richtung Treibhausgasemissionen passieren: Die Varianten werden endlich sauber betrachtet, auch im Modell. Dafür müssen wir Familien mit allen möglichen Informationen bauen, die bisher niemand einpflegt. Es gibt Softwarehersteller, die das schon machen, aber dafür viel Geld wollen. Und damit kommen wir zum Ursprung zurück: Ich habe Sorge, dass unsere Kosten im Bereich Software davonlaufen. Was wir heute pro Arbeitsplatz zahlen, ist durch die Lizenzumstellung viel höher als 2009.
Uwe Pinck: Früher haben wir die Software gekauft, jetzt zahlen wir monatliche oder jährliche Lizenzen.
Roman: Du zahlst pro Jahr genauso viel wie früher einmal — und genießt gewisse Vorteile.
Uwe Pinck: Umso wichtiger ist, dass wir Synergien schöpfen.
[weitere Stimme]: Das kann man als Thema mitnehmen — wie man einen Weg findet für diesen Austausch trotz der Bedenken, sein Wissen zu teilen. Man könnte sagen: Wenn ich zehn Objekte zur Verfügung stelle, darf ich mir zehn aus dem Fundus herausnehmen, die ich noch nicht habe. Dieses Geben und Nehmen sollte ausgewogen sein.
Roman: Eine Tauschbörse — genau, die Familienbörse.
Uwe Pinck: Das ist eine Datenbank, und jedes Symbol kostet zehn Cent oder so.
Roman: Oder es kostet ein Symbol, das du selbst hineingegeben hast. Aber es muss eine Qualitätskontrolle geben.
[weitere Stimme]: Dafür lässt sich ein Rahmen bauen. Natürlich setzt es ein gewisses Vertrauensmaß voraus, aber es funktioniert nur, wenn alle einen Schritt in eine Richtung gehen.
Roman: Ich habe auch überlegt, dass wir es schaffen, so viele zu werden, dass wir uns mit den Softwareherstellern auf einem anderen Niveau unterhalten. So haben wir uns kennengelernt: Es gab 2017 einen Vortrag von Pinck — "wir machen hier BIM" — mit ein paar Projekten. Ich bekam das Mikro und fragte, ob ihr auch Nova benutzt und ebenso unzufrieden seid. Dann sind wir zusammen zum Nova-Stand gegangen, Emutec kam dazu, und am Ende stand der Europachef da. Das war eine gute Aktion: Wir haben uns ein paar Jahre zusammengesetzt und versucht, die Software zu verbessern. Das ist aber nur ein Punkt. Das Zweite wäre: Wenn wir irgendwann 200 Büros sind, kaufen wir 2.000 Lizenzen und handeln einen Preis aus — ein Netzwerkeffekt der Genossenschaft, eine Einkaufsgemeinschaft. Mein Vater war Einzelhändler aus einem großen Lebensmittelhandel, da kommen die Ideen wieder. So läuft unser großer Kostenfaktor Software nicht davon. Meine Sorge ist: Je mehr wir uns auf eine Software einschießen, desto mehr ziehen die Preise an.
Uwe Pinck: Ja, auf jeden Fall.
Roman: Ich habe das mit Bente schon besprochen. Die Idee wäre auch, die verschiedenen Softwarehersteller in ihren jeweiligen Produkten zu stärken — nicht nur eins nach vorne bringen, sondern ein Ökosystem schaffen. Und wie schon herauskam: eine angepasste Software für die BIM-Koordination, für einen TGA-BIM-Koordinator oder eine Koordinatorin. Es gibt Software wie Solibri, mit der ich Modellchecks machen kann. Aber wo ist die Software für die TGA-Koordination, die das Thema Durchbruchsplanung über verschiedene Gewerke voranbringt? Es gibt Ansätze — da wäre noch eine Entwicklungsrichtung, in die wir vorstoßen.
Wie regeln die Gäste Nachfolge und Ruhestand — und was bedeutet das Netzwerk?
Peter Korff: Was ihr vielleicht merkt: Die beiden alten Herren hier haben hochinteressiert noch Interesse an diesen Entwicklungen. Wir gehen einfach weiter mit. Das sollte ein Vorbild für die nachwachsende Generation sein.
Roman: Und ein Vorbild für andere Geschäftsführer und Gesellschafter, die sich fragen, wie sie sich erfolgreich zurückziehen. Wie stellt ihr euch vor, in Ruhe in Rente zu gehen, ohne jeden Tag übers Geschäft nachzudenken? Habt ihr das für euch gelöst?
Peter Korff: Mein Sohn ist mein Geschäftsführer, ich bin nur noch Gesellschafter. Er sagt: Solange ich segeln kann, könnte ich auch noch arbeiten. Da hat er nicht Unrecht — beim Segeln musst du körperlich und geistig fit sein, du musst dein Schiff und deine Mannschaft vernünftig hin- und zurückbringen. Die Nachfolgeregelung ist klar geregelt, aber deswegen kann man trotzdem noch mitmachen.
Roman: Bei dir ist es durch den Sohn klar geregelt, und du hast Lust, noch etwas zu machen. Uwe, bei dir auch durch den Sohn?
Uwe Pinck: Ja, nicht nur allein. Wir haben diesen Prozess vor mehreren Jahren angestoßen und entschieden, das Büro nicht am Markt zum Kauf anzubieten, sondern meinen Sohn Thorben nach Studium und Tätigkeit bei der ECE für zwei Jahre als Projektingenieur in ein Kollegenbüro zu geben. Vor drei Jahren ist er nach Hamburg gekommen. In dieser Zeit haben wir die Struktur des Unternehmens hinterfragt und eine Unternehmensbewertung durchgeführt. Im letzten Jahr habe ich die ersten Anteile an Michael verkauft, der jetzt mehr Gesellschaftsanteile hat. Die ersten Anteile sind dieses Jahr an Thorben übertragen worden, zum 1. Januar folgt eine zweite Tranche. Und wir haben einen dritten, sehr interessanten jungen Mann, Dr. Lasse Kahlke, in Hamburg schon bekannt, der 2025 meine letzten Anteile übernimmt. Ich bin bis Ende 2024 noch geschäftsführender Gesellschafter mit weniger Einflussnahme. Ich bin in den wöchentlichen Besprechungen dabei und habe noch einige Aufgaben, aber aus dem operativen Tagesgeschäft bin ich deutlich raus. Wir werden im nächsten Jahr einen Geschäftsbesorgungsplan aufstellen — wir vier, wer welche Aufgaben ab 2025 macht. Wenn da ein Kreuzchen bei mir steht, wehre ich mich nicht dagegen, aber ich muss es nicht haben.
Roman: Und das Kreuzchen bei Vereinstätigkeiten? Da würde ich mich sehr freuen.
Uwe Pinck: Da habe ich mich gerade letztes Jahr aus den Verbänden und Vereinen ein wenig verabschiedet. Aber ich glaube, dass diese drei Menschen, die im Unternehmen Verantwortung tragen, das in der Altersstruktur perfekt hinbekommen werden — das Menschliche stimmt, da mache ich mir keine Sorgen.
Roman: Super, ich mache mir auch keine. Und dann gehe ich segeln.
Uwe Pinck: Das war gerade meine abschließende Frage. Ich plane 2025 die zweite Atlantik-Überquerung.
Roman: Ich habe heute viel gelernt. Wenn ich an meine Rente denke, die ich noch lange vor mir habe: Ich habe kein Unternehmen, das ich an Kinder übergeben werde. Ich würde mich weiter gerne in diesem Netzwerk bewegen, das wir aufbauen. Ich finde das großartig — mit Kollegen aus München, Köln, Aachen, Berlin, aus der ganzen Republik und aus der Schweiz. Letzte Woche habe ich sogar einen Anruf von Tobias Potz aus der Schweiz bekommen. Man hat jetzt ein Netzwerk, das immer größer wird. Mit den Gründern kennt man sich gut, nachdem man sich 13 Wochen lang immer eine Stunde getroffen und in Berlin noch etwas trinken gegangen ist. Da wächst etwas zusammen, über den Tellerrand hinaus. Das ist genau das, was ich mir wünsche — über das Berufsleben hinaus, über mein Leben. Netzwerke, die entstehen und die einen tragen. Vielen Dank euch zwei, wir kommen zum Ende eines verrückten Abends.
[weitere Stimme]: Die letzte Runde geht dann auf uns.
Roman: Die letzte Runde geht auf uns. Vielen, vielen Dank, dass ihr da wart.
Uwe Pinck: Gerne, hat sehr viel Spaß gemacht. Ich wünsche uns allen ein tolles Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr, Gesundheit und bei der Arbeit viel Erfolg.
Roman: Vielen Dank an euch alle. Gute Weihnachten. Tschüss.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Worin unterscheidet sich die tgabar e.V. vom Berufsverband VBI?
Der VBI ist ein Unternehmensverband, in dem überwiegend Inhaber und Geschäftsführer vertreten sind und der vor allem politische Interessenvertretung in Berlin betreibt. Die tgabar e.V. setzt auf der operativen Ebene an: Sie bringt fachplanende TGA-Ingenieure zusammen, die sich täglich mit BIM-Prozessen, Kältetechnik oder der Auslegung von Wärmepumpen beschäftigen. Sie steht damit nicht in Konkurrenz zum VBI, sondern ergänzt ihn.
Welche Vorbehalte gibt es beim Teilen von Wissen und Standards zwischen Ingenieurbüros?
Büros fürchten, ihren Wettbewerbsvorteil und ihr Alleinstellungsmerkmal zu verlieren, wenn ihr Wissen frei verfügbar wird. Beteiligte Experten wie Syndikusanwälte wollen ihre investierte Zeit gewertschätzt sehen. Hinzu kommen Haftungs- und Urheberrechtsfragen: Wer Dokumente oder BIM-Modelle herausgibt, muss von der Gewährleistung freigehalten werden, und die Vereinssatzung muss regeln, wer was nutzen darf und was bei Verletzungen passiert.
Wie lässt sich das Geben und Nehmen zwischen den Büros ausgewogen gestalten?
Im Gespräch wird eine Tauschbörse für Revit-Familien vorgeschlagen: Wer zehn Objekte zur Verfügung stellt, darf zehn andere aus dem Fundus entnehmen. Denkbar sind eine Datenbank mit Preisen pro Symbol oder ein Tausch Symbol gegen Symbol, jeweils mit Qualitätskontrolle. Grundprinzip ist, dass alle senden und empfangen, sodass jeder ein Vielfaches dessen zurückbekommt, was er beiträgt.
Zitate
„Wir müssen alle senden und wir müssen alle empfangen. Und dann geht es gut."
— Peter Korff
„Ihr sprecht mit dem Verein eine ganz andere Zielgruppe an. Die steht nicht in Konkurrenz zu einem VBI, aber sie ist eine sinnvolle Ergänzung dessen, was die Branche braucht."
— Uwe Pinck
„Jedes Büro fängt bei null an. Wir auch. Und das kann es doch nicht sein."
— Uwe Pinck
„Da wächst was zusammen, über den Tellerrand hinaus. Netzwerke, die entstehen, die einen tragen."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Uwe Pinck war 13 Jahre lang Landesvorsitzender des VBI in Hamburg.
Quelle: Uwe PinckDer TGA-Arbeitskreis im VBI umfasst etwa sechs bis zehn Ingenieurbüros, überwiegend durch die Inhaber vertreten.
Quelle: Uwe PinckIn der tgabar e.V. können bis zu fünf Mitglieder eines Unternehmens aktiv beteiligt werden.
Quelle: Uwe PinckBei großen Projekten müssen bis zu acht Fachplaner mit ihren Systemplanern in der BIM-Koordination integriert werden.
Quelle: Uwe PinckBei Lebenszyklusanalysen wird für die TGA bisher pauschal ein Aufschlag von 20 Prozent angesetzt, statt echte Variantenuntersuchungen durchzuführen.
Quelle: Roman FritschesGlossar
- Revit-Familien
- In Revit selbst gebaute Symbolik/Bauteilbibliotheken; jedes Büro erstellt sie bisher von null an, weshalb ein Austausch (Familienbörse) vorgeschlagen wird.
- VBI (Verband Beratender Ingenieure)
- Berufs- und Unternehmensverband mit Sitz in Berlin, in dem Unternehmen (nicht einzelne Personen) Mitglied sind und persönliche Vertreter entsenden; politisch motiviert, Mitglied im BDI.