TGA-Planung › Folge #52
tgabar · BargesprächeZusammenfassung Happy Hours an der tgabar.de
Die tgabar e.V. fasst ihre ersten beiden Online-Happy-Hours (August und September 2022) zusammen: Ziel ist eine überregionale Gemeinschaft, die Standards und Projektmanagement der TGA-Fachplanung verbessert. Themen waren die HOAI-Novelle über die AHO, BIM-Standards rund um AIA und BAP sowie scharfe Kritik an der neuen VDI 6026 von 2022. Die nächste Happy Hour ist am 28.10.2022.
Transkript
Was ist die Idee hinter den Happy Hours an der tgabar?
Roman: Moin Moin aus Hamburg und herzlich willkommen zum einzigen Podcast von der tgabar.de. Wir haben ziemlich verrauchte Stimmen, das liegt daran, dass die Happy Hour gerade vorbei ist — die zweite, wir sind immer noch dabei. Wir hatten eine Happy Hour am 26.08.2022 und eine am 23.09.2022 und machen jetzt dazu den Rückblick. Es gab von Teilnehmern und auch von denen, die sie verpasst haben, den Wunsch, eine Zusammenfassung zu hören. Ich habe sehr lange Zusammenfassungen geschrieben.
Sören: Es sind ja auch wieder neue Sachen passiert in der Zwischenzeit, deswegen ist das gar nicht verkehrt.
Roman: Das Besondere an der Happy Hour ist, dass die Themen nicht losgelöst voneinander passieren, sondern fortgeführt und fortgeschrieben werden. Ein Freund hat gesagt: Was ihr mit dieser Bar macht — du und Sören und Lars und Reinhard und alle, die dazukommen — ihr verschiebt eure Systemgrenze. Als Ingenieur kann ich mir das gut vorstellen: Meine Systemgrenze war vorher mein eigenes Ingenieurbüro; jetzt verschieben wir sie hin zur gesamten Branche, inklusive der Generalplaner. Wir versuchen einfach, eine bessere Planung zu machen, und die TGA ist dabei das Zentrale.
Welche Ziele verfolgt die tgabar?
Roman: Es geht nicht um Weltherrschaft, sondern darum, eine überregionale Gemeinschaft zu schaffen — für TGA-Fachplanende, Systemplanende und Generalplaner. Was wir machen, ist Standards und Projektmanagement vereinbaren und verbessern. Das Thema Standards hat sich als sehr guter Start herausgestellt: Über Aufgaben und Schnittstellen der TGA-Fachplanung kamen wir schnell zur HOAI und zur HOAI-Novelle, die gerade in Arbeit ist. An der Bar sind inzwischen Profis, die an der Novelle mitwirken oder mitgewirkt haben — vor allem Wilhelmina Katzschmann, Claudia Döring und Mirjam Borowietz, die alle drei bei der AHO unterwegs sind.
Sören: Die AHO macht die Vorarbeit, damit es irgendwann in den politischen Prozess geht.
Roman: Daraus ist auch ein Artikel an der Bar entstanden, der die Übersicht über alle Leistungsbilder nebeneinanderstellt — was die neue HOAI harmonisieren und besser verfügbar machen möchte. Wir wollten daraus einen Arbeitskreis bilden, der das Thema Schnittstellen der TGA nach oben zieht. Lars Schumacher hat sich bereit erklärt, diesen Kreis zu leiten. Das wird allerdings erst nächstes Jahr passieren, weil die AHO laut Mirjam so beschäftigt damit ist, die Novelle an den Start zu kriegen, dass sie gerade kein neues AHO-Heft herausbringen kann.
Welche BIM-Standards rund um AIA und BAP wurden besprochen?
Roman: Reinhard hat in der letzten Happy Hour viel zum Thema BIM erzählt, und zwar zu AIA und BAP. Das ist sein erstes großes Thema, wo er sagt: Ich möchte da einen Standard in der TGA schaffen. Er hat verschiedene Qualitätsstufen erklärt, wie Bauherren AIAs und Pre-BAPs oder Vorlage-BAPs veröffentlichen können und wie Planungsteams daraus mit einem Pre-BAP zeigen können, was sie können, um am Ende einen guten BAP zu schreiben. Dazu hat er letzten Freitag ein ausführliches Online-Training über die PiTA-Plattform gegeben, ein Vorlage-BAP, eine AIA-Vorlage und eine Checkliste an die Teilnehmer verteilt.
Sören: Wir sollten mal darüber nachdenken, ob wir die TGA-Happy-Hour nicht aufnehmen, wenn wir eh in Teams unterwegs sind — für diejenigen, die nicht dabei sein konnten, fehlt sonst der Input.
Roman: Manuela Binder, die auch an der Bar ist, hat das Aufnehmen schon vorgeschlagen. Ich muss mir das nochmal anschauen — ich bräuchte das Einverständnis von allen rund 100 Gästen, dass sie aufgezeichnet werden, und mir fehlt etwas der Datenschutz-Hintergrund. Ich weiß auch nicht, ob sich jemand hinterher anderthalb Stunden Video anschaut.
Sören: Du kannst aber Kapitel machen, dann kann man gleich zu seinem Thema springen.
Roman: Wir freuen uns über euer Feedback dazu — einfach an roman@tgabar.de oder soeren@tgabar.de oder über die Bargespräche bei LinkedIn. Wärt ihr an der Videoaufnahme interessiert, oder reicht euch der Rückblick als Podcast?
Warum ist die tgabar unzufrieden mit der neuen VDI 6026?
Roman: In den letzten beiden Happy Hours haben wir uns über die neue VDI 6026 unterhalten, die im August herausgekommen ist, und festgestellt, dass wir ziemlich unzufrieden sind. Nicht alles ist schlecht, aber die alte Fassung von 2008 war einfach richtig gut: Sie war checklistentauglich, da stand drin, welche Dokumente in welcher Planungsphase nötig sind, sodass man Checklisten bauen konnte. Die neue macht das in der Form nicht mehr — außer für die Gebäudeautomation. Und dort ist der Standard mit Bezug auf die VDI 3814 so intensiv, dass er aus Sicht der GA-Planer an der Bar nicht mehr als Standard gesehen werden kann.
Sören: Der interessante Punkt aus der letzten Happy Hour war, dass das fast als Standardwert angesehen und eigentlich Bestandteil eines Vertrages wird — und jetzt gesondert ist.
Roman: Genau, das ist brandgefährlich. Die 6026 als Vertragsgrundlage und damit als Grundleistung zu vereinbaren, ist bei der neuen Fassung super gefährlich. Da steht so viel drin, was keine Grundleistung ist, obwohl es nicht kursiv geschrieben ist. Bestandsdokumentation erfassen, Bestandskomponenten berücksichtigen und einplanen — das ist keine Grundleistung, genauso wenig wie die VDI 3814 in ihrer Umfänglichkeit. Bei öffentlichen Auftraggebern steht dann einfach im Vertrag, dass die 6026 als Bezug mit drin ist, und du kannst kaum davon abweichen, ohne eine Vergaberüge zu riskieren.
Thomas Lenz hat beim Training von PBR empfohlen, das in der Vergabephase über die Bieterfragen aufzuklären: zu fragen, welche Leistungen der 6026 Grundleistung und welche Sonderleistung sind. Kommt die Antwort „alles ist Grundleistung", dann gleich Aufschrei — viel zu aufwendig und zu teuer, das muss einkalkuliert werden. Dann haben alle Bieter die Information.
Sören: Vor allem haben wir eingangs so viel Werbung für die alte gemacht und müssen jetzt fast ein bisschen zurückrudern.
Roman: Müssen wir. Wir haben für die Alte von 2008 geworben, weil wir sie nach wie vor gut finden, aber die Neue ist Richtung Planer einfach nicht so gut — wenn das, was drinsteht, als Grundleistung genommen wird. Es gibt inzwischen einige kritische Artikel dazu, auch zur 3814; Planungsbüro Professionell hat etwas herausgebracht. Martin Vielhauer ist bei LinkedIn sehr aktiv. Ich habe das Gefühl, wir bewegen schon ein bisschen was — vielleicht ist es aber auch Zufall.
Sören: Es freut uns, dass viel darüber gesprochen wird. Das war ja unser Ziel: Wenn alle daran arbeiten, gehen wir in die bessere Richtung.
Was steht in der nächsten Happy Hour am 28. Oktober an?
Roman: Ein weiteres Ziel ist, büroübergreifend füreinander einzustehen und sich zu unterstützen. Damit kommen wir zum Ausblick auf die nächste Happy Hour am 28. Oktober, wieder ein Freitag, von 10:00 bis 11:30 Uhr. Wer keine Einladung hat, ist noch nicht bei tgabar.de registriert — meldet euch an und bringt gern Freunde, Bekannte und andere Planer mit.
Ein großes Thema in tiefer Ausarbeitung ist die Nachwuchsgewinnung: Ich möchte einen Vorschlag machen, wie wir mit einer Landingpage und Kampagnen Schüler und Studierende für den Begriff TGA gewinnen. Als Einzelbüros können wir das viel schlechter als gemeinsam. Es kostet etwas Geld, aber wir zeigen, dass es für die Einzelbüros nicht teuer ist, wenn sie mitmachen. Dazu nehmen wir eine eigene Folge auf.
Wir werden außerdem das Thema Änderungen und Nachträge an der Bar bringen — ich habe dazu gerade ein Gerichtsverfahren, das interessante Einblicke in die Meinung von Richtern erlaubt. Und das Wichtigste: Claudius Schade und Tobias Potz werden ihren Arbeitskreis Gebäudeautomation gründen und Themen daraus vorstellen. Das passt zum Thema VDI 3814 und der Frage, ob die 3814 ein guter Standard ist oder ein bisschen zu viel.
Sören: Die haben ihre Arbeit auf jeden Fall als Ergebnis der Happy Hour aufgenommen, das kann man festhalten.
Roman: Das geht jetzt los. Wir sind immer noch ein bisschen müde, aber total motiviert. Die ersten Espressos sind drin, es geht weiter an der Bar. Wir freuen uns, wenn ihr dabei seid, am 28.10. um 10 Uhr. Bis dann.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Was ist die tgabar und was ist die Online-Happy-Hour?
Die tgabar ist eine überregionale Gemeinschaft von TGA-Fach-, System- und Generalplanenden, die gemeinsam Standards und Projektmanagement der TGA-Planung verbessert. Die Online-Happy-Hour ist ein monatliches Austauschformat über Teams, in dem Themen fortlaufend fortgeschrieben werden.
Warum kritisiert die tgabar die neue VDI 6026 von 2022?
Die alte Fassung von 2008 war checklistentauglich und legte fest, welche Dokumente in welcher Planungsphase nötig sind. Die neue Fassung leistet das nicht mehr und enthält viele nicht kursiv markierte, also vermeintlich zur Grundleistung zählende Inhalte wie Bestandsdokumentation, die in Wahrheit aufwendige Sonderleistungen sind. Als Vertragsgrundlage ist sie daher gefährlich für Planer.
Worum ging es beim BIM-Thema von Reinhard rund um AIA und BAP?
Es ging darum, in der TGA einen Standard für BIM-Dokumente zu schaffen: verschiedene Qualitätsstufen, wie Bauherren AIAs und Vorlage- oder Pre-BAPs veröffentlichen und wie Planungsteams mit einem Pre-BAP ihre Kompetenz zeigen, um am Ende einen guten BAP zu schreiben. Dazu wurden eine BAP-Vorlage, eine AIA-Vorlage und eine Checkliste verteilt.
Zitate
„Ihr verschiebt eure Systemgrenze — vom eigenen Ingenieurbüro hin zur gesamten Branche."
— Roman Fritsches
„Die 6026 als Vertragsgrundlage und damit als Grundleistung zu vereinbaren, ist bei der neuen Fassung super gefährlich."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Die ersten beiden Happy Hours der tgabar fanden am 26.08.2022 und am 23.09.2022 statt; die nächste ist für den 28.10.2022 von 10:00 bis 11:30 Uhr geplant.
An den Happy Hours nehmen rund 100 Gäste teil.
Die kritisierte neue Fassung der VDI 6026 ist im August 2022 erschienen; die als besser bewertete Vorgängerfassung stammt von 2008.
Glossar
- AIA
- Auftraggeber-Informationsanforderungen im BIM-Prozess; vom Bauherrn vorgegeben.
- BAP
- BIM-Abwicklungsplan; vom Planungsteam erstellt, ggf. als Pre-BAP oder Vorlage-BAP.
- Systemgrenze
- Ingenieursbegriff, hier als Bild genutzt: Den Wirkungsbereich vom eigenen Ingenieurbüro hin zur gesamten Branche ausweiten.
- VDI 6026
- Richtlinie zur Dokumentation in der TGA; die alte Fassung von 2008 war checklistentauglich, die neue Fassung von 2022 wird hier kritisiert.