TGA-Planung › Aus- und Weiterbildung für die TGA-Planung › Folge #901
World of TGAWorld of TGA: Quereinsteiger Lukas
Ein Quereinstieg in die TGA (Technische Gebäudeausrüstung) ist über viele Wege möglich. Lukas Lewandowsky kam über Gastronomie, eine Ausbildung als chemisch-technischer Assistent und ein Maschinenbaustudium zur Elektroplanung. Entscheidend sind Technikbegeisterung, Praxis auf der Baustelle, das Lernen von erfahrenen Kollegen und Offenheit für die Rollen Bauleitung, Fachplanung und Systemplanung.
Transkript
Was bedeutet TGA und worum geht es beim Quereinstieg?
Roman: Moin Moin, herzlich willkommen zur World of TGA, dem Podcast für euch zum Thema TGA und was das überhaupt bedeutet und was man da so macht. Ich bin Roman und sitze heute mit Lukas. Man hört, wir sind beide Hamburger — also Wahl-Hamburger. Bist du echter Hamburger?
Lukas: Ja, echter Hamburger. Die Frage ist ja immer, ab wie vielen Generationen man echter Hamburger ist. Ich bin in Barmbek geboren und hier in Altona groß geworden.
Roman: Wir reden heute zum Thema Quereinstieg. Erst mal kurze Aufklärung: TGA steht für technische Gebäudeausrüstung. Klingt erst mal lame, ist es aber nicht. Und du bist ein perfekter Kandidat für das Thema Quereinstieg: Du bist 27 und machst jetzt deinen Bachelorabschluss in Maschinenbau.
Lukas: Ja, genau. Ich studiere an der HAW Hamburg Maschinenbau für Entwicklung und Konstruktion und bin über Umwege in der TGA gelandet, hier bei Averdung Ingenieure & Berater.
Welche Stationen hatte dein Quereinstieg?
Roman: Die Umwege sind schon ein bisschen länger. Du warst mal Barkeeper — da haben wir was Gemeinsames — und auch in der Küche.
Lukas: Ich war tatsächlich eine Weile Leitung Küche, musste Pläne machen und Einkaufslisten erstellen und habe natürlich auch in der Küche gearbeitet. Die Bar habe ich immer neben dem Studium mitgemacht, allgemein die Eventbranche. Ich bin kein besonders guter Barkeeper, aber ein Bier ausschenken kann ich gut.
Roman: Und du hast eine Ausbildung als chemisch-technischer Assistent (CTA) gemacht, an der G13 hier in Hamburg.
Lukas: Ja. Im Endeffekt ist man viel in Qualitätskontrollen in Laboren dabei, arbeitet mit Dünnschichtchromatografen und technischen Chemiesachen und mixt Proben an. Also doch Barkeeper — nur mit Salzsäure und Natronlauge. Ich habe als Probenehmer gearbeitet, bin durch Hamburg gefahren, war in Schulen und beim Autobahnausbau und habe Wasserproben genommen und ins Labor geschickt, um zu gucken, wie sich der Bau auf die Umwelt auswirkt. Man ist die ausführende Kraft für die Chemiker.
Roman: Und hast die Ausbildung abgeschlossen und danach schon gearbeitet?
Lukas: Ja, ich habe ein halbes Jahr darin gearbeitet, dann ein Auslandsjahr in Australien gemacht und danach bin ich ins Studium eingestiegen. Ich war tatsächlich 365 Tage unterwegs — ein Schaltjahr war noch mit drin, das hat mich vielleicht gerettet.
Warum Maschinenbau und dann doch Elektrotechnik?
Roman: Wie kamst du zu dem Gedanken, Maschinenbau zu studieren?
Lukas: Ich habe immer gerne an Sachen gebastelt — schon CTA ist ja technisch. Ich habe zu Hause eine Simson stehen und bastle viel daran herum. Maschinenbau für Entwicklung und Konstruktion hat im Endeffekt von allem etwas — wir haben auch Elektrotechnik im Studium mit drin, und man lernt alle Grundlagen der Technik. Luft- und Raumfahrt war auch im Spektrum, aber das war am Ende nicht das Richtige.
Roman: Du hast aber doch das Thema Elektrotechnik vermisst und willst dich darauf fokussieren?
Lukas: Ja. Die ersten drei Semester sind Grundlagen, dann geht man in die Spezialrichtung. Ich habe mich immer mehr Richtung Elektrotechnik und Regelungstechnik orientiert und alle Kurse so gewählt, dass ich viel mit Elektro zu tun hatte. Ich bin vielleicht auch durch meinen Vater geprägt, der selber Elektriker war und später in der Planung mitgeholfen hat. Elektrotechnik ist für mich etwas Persönliches und ein bisschen aufregender als gröbere Maschinenbauteile.
Wie wichtig ist Praxiserfahrung auf der Baustelle?
Roman: Bei mir war es ähnlich: Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen mit Maschinenbau studiert und fand dann Elektrotechnik reizvoll — vor allem erneuerbare Energien, Photovoltaik, Wärmepumpen, also strombasierte Wärmeerzeugung. Da geht es nicht nur darum, Anlagen auszulegen, sondern auch den Elektroanschluss und das dahinterliegende Netz zu verstehen. Ich habe für Hamburg Energie fast alle großen Solaranlagen auf den Hamburger Dächern mitgeplant. Bei zwei, drei Anlagen — vor allem auf den UKE-Krankenhausdächern — fanden wir keinen, der sie baut, also haben wir es als Planungsbüro selbst gemacht: Module und Wechselrichter gekauft und bei Minusgraden aufs Dach geschleppt. Einer hat mit einem Brenner den gefrorenen Kies aufgetaut, damit man ihn wegschaufeln konnte. Wir mussten am 31.12. fertig sein, damit die Vergütung noch für das Jahr greift. Ich bin mit eisigen Fingern vom Dach, habe den Netzanschlussantrag ausgefüllt und bin zu Stromnetz Hamburg gefahren, um noch einen Stempel mit dem Datum zu bekommen.
Danach wollte ich noch mehr Praxis und habe zwei Jahre bei einer großen ausführenden Firma in der Elektroausführung gearbeitet. Ich war zum Beispiel auf dem Dach des Hansa-Rostock-Stadions zur Wartung der Photovoltaikanlagen — Kennlinienmessungen, geprüft, ob die Module ordentlich funktionieren. Das Stadion ist rund, mit umlaufendem Gitterrost ohne Geländer, 30 Meter Tiefe. Man musste sich mit einer Sicherungsleine einhaken. Als mir nach Stunden ein Schraubenzieher durch das Rost 30 Meter in die Tiefe fiel, wurde mir bewusst, in welcher Situation ich war, und mir wurde schwindelig. Nach zwei Jahren hat es mir gereicht und ich bin zurück in die Planung: warmes Büro, Konzepte, in der frühen Phase mitgestalten. Das kreative Lösen immer neuer Probleme reizt mich mehr, denn jedes Gebäude, jede Solaranlage und jede Wärmepumpe ist anders.
Lukas: Lustig — mein Interesse ist eher, am Ende der Leistungsphasen einzusteigen, also auch die Baustelle kennenzulernen. Auf der Baustelle bekommt man mit, was man als Planer falsch machen kann, und kann später in der Planung Fehler vermeiden.
Welche Rolle spielt das Lernen von erfahrenen Kollegen?
Lukas: Wir hatten heute intern ein World Café, wo wir viel gelernt haben — unter anderem, was man für den Einstieg in die Firma braucht. Ein Punkt war das Lernen von alten Hasen. Es gibt immer Wissenspools innerhalb der Firma von Leuten, die schon lange im Job sind, sich mit allen Themen auskennen und viele Baustellen mit überwachen.
Roman: Ein gutes Beispiel ist Christian, ein alter Hase bei uns, der dich begleiten wird. Er hat erst Elektriker gelernt, als Monteur gearbeitet, dann einen Techniker gemacht, wurde Projektleiter bei einer ausführenden Firma und ist seit ein paar Jahren Planer. Mit der Technikerausbildung darf er planen und unter einen Plan schreiben — da ist der Bachelor gleichwertig, was die Unterschrift angeht. In der Praxiskenntnis ist er aber weiter als du.
Lukas: Christian weiß und kann gefühlt alles. Ich hoffe sehr, dass er mich an die Hand nimmt und ich durch ihn viel lernen kann. Man übernimmt schon relativ früh Teile der Verantwortung, macht anfangs viel Zuarbeit und hat dann immer jemanden als Mentor dabei, um Fragen zu stellen.
Welche Rollen gibt es in der TGA-Planung und was traust du dir zu?
Roman: Es gibt die Rollen Bauleitung, Fachplanung und Systemplanung. Fachplanung ist eher konzeptionell — Leistungsverzeichnisse schreiben, Kostenberechnung machen. Traust du dir das zu?
Lukas: Ja, das traue ich mir zu, da habe ich in den letzten anderthalb Jahren schon Einblick bekommen. Eigene Projekte zu leiten geht natürlich erst, wenn man genug Ahnung hat und es vorher gemacht hat — da ist Begleitung für mich noch wichtig.
Roman: Und Systemplanung, also an der Software zeichnen, 3D-Modelle?
Lukas: Selber gezeichnet habe ich noch nicht, aber das traue ich mir auch zu. Es ist ein spannendes Thema, weil man mit den Programmen immer mehr visuell darstellen und Verknüpfungen zwischen Programmen herstellen kann — etwa Sachen aus dem Zeichnungsprogramm in ein Kostenberechnungstool zu übernehmen und das zu vereinfachen.
Roman: Also ein bisschen Automatisierung — nicht mehr stumpfe Fleißarbeit, sondern der Versuch, Informationen aus den Modellen automatisch zu überführen. Da ist die Branche noch hinterher. IT-Affinität ist also nicht schlecht.
Lukas: Auf jeden Fall, schadet nie. Das kommt immer mehr von den jüngeren Leuten — mit Programmen umzugehen und keine Angst zu haben, daran herumzuspielen.
Was reizt dich an der TGA — und was nicht?
Roman: Was willst du auf gar keinen Fall machen?
Lukas: Früher oder später kommen Rechtsfragen auf — wer ist verantwortlich und wer nicht. Wenn ich könnte, würde ich mir wünschen, nicht so viel mit Rechtsstreit zu tun zu haben. Und im Sinne der Planung möglichst wenig reine Fleißarbeit — lieber eine Woche lang ein Programm schreiben, das die Arbeit übernimmt, als drei Wochen alles selbst zu machen.
Roman: Bei den Rechtsfragen ergänzen wir uns: Mich interessiert das ziemlich stark. In meinem Studium gab es öffentliches Recht und Privatrecht. Am Ende geht es um die Zusammenarbeit. Je selbstbewusster man weiß, was man liefern muss und was nicht — wo man seine Grenze setzen und sagen kann „das schulde ich nicht" oder „darüber müssen wir erst ein neues Angebot sprechen" — desto weniger Stress hat man.
Lukas: Das ist auch Teil davon, wenn man Angebote einholt — oder Arbeitspakete anbietet. Es geht darum zu wissen, was meine Aufgabe ist, wenn ich anbiete, und was ich am Ende leisten muss. Klar zu kommunizieren, was wir machen und anbieten, macht die Arbeit viel einfacher.
Welchen Einfluss hat man als TGA-Planer auf die eigene Stadt?
Roman: Gibt es einen Traum — in fünf Jahren dies oder das geplant zu haben?
Lukas: Nicht konkret. Ich bin gerade noch für alles offen. Teil der HafenCity zu sein, kann ich mir schön vorstellen, da sind wir auch schon ein bisschen dabei. Aber ein großes konkretes Vorhaben sehe ich gerade noch nicht.
Roman: Ich habe zum Beispiel das Bild von Joachim vor Augen, der bald in Rente geht. Ich will ihm einen gelben Schulbus spendieren, in dem wir mit den 50 Kollegen, die ihn kennen, alle seine Projekte in Hamburg abfahren. Und auf den Einfluss auf die Stadt: Auf die Elbphilharmonie sollten wir eine Solaranlage planen, mit runden Solarmodulen auf den runden Stahlpailletten des Dachs. Wir hatten die Module schon vorausgesucht und die Wechselrichtermontage geklärt, aber die Kosten für die runden Module waren zu hoch — das geht nicht. Das vergesse ich nie, wenn ich vorbeifahre.
Lukas: Ich kriege das jetzt schon mit: Wenn ich durch Hamburg laufe und Besuch habe, sage ich „guck mal, da war ich auch schon drin, da haben wir die Finger mit im Spiel". Das ist super aufregend und wirft ein ganz anderes Licht auf die Stadt, in der man lebt.
Roman: Und auch auf den Einfluss, den man hat. Wenn man dann in einem Gebäude steht und sich die Technik ansieht — die Rauchmelder, wie der Raum beheizt wird — hat man durch die Erfahrung aus anderen Projekten einen ganz anderen Eindruck.
Lukas: Man wird manchmal zu einem kleinen Technik-Nerd. Ich war vor Kurzem auf einem Konzert in der Barclays Arena und habe verträumt an die Decke geguckt, mich gefragt, wo die Luft herkommt und warum die Verwirbelung so aussieht.
Roman: Und stellt sich den Coandă-Effekt vor, wie die Luft sich an bestimmten Stellen ablöst. Diese Idee, dass man seine Stadt beeinflusst und besser versteht, wie und warum gebaut wird, selber mitplant und nach ein paar Jahren eigene Impulse setzt — das ist sichtbar.
Lukas: Und das auch mitgestalten darf.
Roman: Das bedeutet TGA immer auch. Lukas, vielen Dank — ein toller Einblick vom Barkeeper über den Küchenhelfer zum CTA und Richtung Bachelorabschluss Maschinenbau, um jetzt in der TGA Elektroplanung machen zu können. Ein sehr geiler Quereinstieg. Du bist ein klassischer Fall — wir haben viele Quereinsteiger, ich selbst auch. Viele, die nicht klassische Versorgungstechnik studiert haben, werden hier glücklich, sobald sie verstehen, was man hier alles machen kann.
Lukas: Danke schön, Roman.
Roman: Danke, dass du da warst. Wir freuen uns auf die nächste Folge.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Wofür steht TGA?
TGA steht für technische Gebäudeausrüstung. Sie umfasst die technischen Anlagen in Gebäuden, zum Beispiel Elektrotechnik, Wärmeversorgung, Lüftung und Photovoltaik.
Wie kann ein Quereinstieg in die TGA aussehen?
Sehr unterschiedlich. Lukas Lewandowsky kam über Gastronomie (Küchenleitung, Barkeeper), eine Ausbildung als chemisch-technischer Assistent, ein Auslandsjahr und ein Maschinenbaustudium für Entwicklung und Konstruktion zur Elektroplanung in der TGA. Entscheidend waren Technikbegeisterung und Offenheit.
Warum ist Praxiserfahrung auf der Baustelle für Planer wichtig?
Auf der Baustelle bekommt man mit, was man als Planer falsch machen kann. Geht man später zurück in die Planung, kann man diese Fehler vermeiden. Der Perspektivwechsel zwischen Ausführung und Planung macht den Beruf spannend.
Welche Rollen gibt es in der TGA-Planung?
Im Gespräch werden Bauleitung, Fachplanung und Systemplanung genannt. Fachplanung ist eher konzeptionell (Leistungsverzeichnisse, Kostenberechnung), Systemplanung umfasst das Zeichnen an der Software und 3D-Modelle.
Welche Bedeutung haben erfahrene Kollegen für Berufseinsteiger?
Erfahrene Kollegen ("alte Hasen") bilden Wissenspools in der Firma. Einsteiger übernehmen früh Teilverantwortung und Zuarbeit und haben dabei einen Mentor an der Seite, um Fragen zu stellen und Wissen auszutauschen.
Welche Rolle spielt Automatisierung und IT in der TGA-Planung?
Die Branche versucht zunehmend, Informationen aus Modellen automatisch zu überführen, etwa Daten aus dem Zeichnungsprogramm in ein Kostenberechnungstool. IT-Affinität ist von Vorteil; moderne Programme sind weitgehend visuell, sodass kein Code geschrieben werden muss.
Zitate
„Also doch Barkeeper — nur mit Salzsäure und Natronlauge."
— Lukas Lewandowsky
„Auf der Baustelle bekommt man am Ende mit, was man als Planer viel falsch machen kann."
— Lukas Lewandowsky
„Man wird manchmal auch zu so einem kleinen Technik-Nerd, wenn man durch die Stadt läuft."
— Lukas Lewandowsky
„Je selbstbewusster man weiß, was man liefern muss und was nicht, desto weniger Stress hat man."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Laut Robert Habeck ist das Ziel, 500.000 Wärmepumpen pro Jahr zu verbauen.
Quelle: Robert HabeckWärmepumpen für Einfamilienhäuser sind auf einem internationalen Großhandelsplatz für rund 1.800 Euro erhältlich, während ein Einbau in Deutschland bis zu 25.000 Euro kosten kann.
Quelle: Roman FritschesLukas Lewandowsky ist 27 Jahre alt und schließt gerade seinen Bachelor in Maschinenbau (Entwicklung und Konstruktion) an der HAW Hamburg ab.
Quelle: Lukas LewandowskyGlossar
- CTA (chemisch-technischer Assistent)
- Ausbildungsberuf; Arbeit in Qualitätskontrollen und Laboren, u.a. Probennahme und Probenanalyse als ausführende Kraft für Chemiker.
- Fachplanung
- Eher konzeptionelle Rolle in der TGA-Planung: u.a. Leistungsverzeichnisse schreiben und Kostenberechnung erstellen.
- Quereinstieg
- Wechsel in die TGA aus einem fachfremden Werdegang ohne klassisches Versorgungstechnik-Studium.
- Systemplanung
- Rolle in der TGA-Planung: Zeichnen an der Software, Erstellen von 3D-Modellen.
- TGA (technische Gebäudeausrüstung)
- Die technischen Anlagen in Gebäuden; im Gespräch genannt u.a. Elektrotechnik, Wärmeversorgung, Lüftung und Photovoltaik. Wird teils auch nur technische Ausrüstung (TA) genannt.