TGA-Planung › Aus- und Weiterbildung für die TGA-Planung › Folge #903
World of TGAWorld of TGA: Ausbilder Fabio
Fabio ist mit 26 Jahren bereits sieben Jahre in der TGA tätig: gelernter Elektroniker für Automatisierungstechnik, Industriemeister Elektrotechnik, heute Elektroplaner mit Schwerpunkt Photovoltaik und Ausbilder. Er bildet technische Systemplaner der Fachrichtung Elektrotechnische Systeme aus und will ihnen vor allem elektrotechnisches Hintergrundwissen und einen guten Einstieg ins Berufsleben vermitteln.
Transkript
Wie ist Fabio in die TGA gekommen?
Roman: Herzlich willkommen zur World of TGA. Natürlich nicht wieder alleine hier. Ich bin Roman. Und du bist? Fabio, wir haben heute einen sehr spannenden Wechsel zu den anderen zwei Interviews. Die anderen zwei waren Studierende, die gerade ihr Studium beenden und ihren Weg in die TGA finden — und du bist schon lange in der TGA.
Fabio: Ja, schon ein paar Jahre, auf jeden Fall schon ein ordentliches Berufsleben.
Roman: Sieben Jahre Berufserfahrung, und dabei bist du erst 26.
Fabio: Genau. Ich habe direkt nach der mittleren Reife meine Ausbildung gemacht und bin seit 2016 ausgelernt. Ich habe eine Ausbildung gemacht als Elektroniker für Automatisierungstechnik, und das im Kernkraftwerk in Brokdorf. 2016 ausgelernt und war seitdem dort tätig als Fachhandwerker in der Elektrotechnik.
Warum hat Fabio das Kernkraftwerk verlassen?
Roman: Kernkraftwerk ist ein interessantes Thema. Wie stehst du zum Thema Kernkraft?
Fabio: Tatsächlich bin ich ziemlich überzeugt von der Technik und überwältigt von dem Know-how, das dort drinsteckt. Aber zum Thema Rückbau ist es natürlich super kritisch, das kann ich nicht ganz vertreten. Kernenergie ist ein guter Energieträger, aber sie hat nicht die Zukunft, ganz klar. Diesbezüglich ist es auch politisch so entschieden worden, und das war ausschlaggebend für meinen Ausstieg. Durch die Entscheidung in der Politik wurde entschieden, dass die Kernkraftwerke abgeschaltet werden — auch das in Brokdorf, wo ich gearbeitet habe. Ich konnte mich nicht damit identifizieren, irgendetwas zurückzubauen, das ist nicht meine Mentalität für meinen Beruf. Und dann habe ich mich umorientiert, bevor das stillgelegt wurde.
Roman: Beim Thema Kernkraft gibt es wahnsinnig viele Argumente dafür und dagegen, es ist sehr emotional aufgeladen. Ich selber habe noch Tschernobyl erlebt — ich durfte damals keine Pilze im Wald sammeln. Dann mit Fukushima 2011 kam das wieder hoch. Und dann das ganze Thema Castor-Transporte, hier oben im Norden Richtung Lüneburg, mit extremem Widerstand. Inzwischen haben wir verstanden, dass wir Uran brauchen, das eher aus Staaten kommt, die nicht so beliebt sind. Dann das Thema Endlagerung. Und es ist eine zentrale Energieerzeugung: Nur ein Großkonzern kann so eine Milliardeninvestition stemmen, hat dann die Hand auf dem Kraftwerk und entscheidet die Preise. Wir sind jetzt eher Richtung dezentrale Energieerzeugung unterwegs, Richtung Gebäude und Stadtteil.
Fabio: Und ich bin jetzt auch in der PV-Abteilung tätig — Photovoltaik. Super Kontrast jetzt, bringt aber mega Spaß. Energietechnik, absolut cool.
Welchen Werdegang hat Fabio in der TGA-Planung?
Roman: Du machst jetzt Energietechnik, hast es in der Ausbildung als Handwerker gelernt, im Kraftwerk gearbeitet, und du hast noch einen Meister gemacht.
Fabio: Genau, ich habe danach den Industriemeister Elektrotechnik gemacht. Da geht es Richtung Ausbilden und auch ein bisschen Betriebswirtschaftslehre. Beim Handwerksmeister könnte man mit Zusatzmodulen einen Handwerksbetrieb leiten; der Industriemeister ist eher darauf ausgelegt, dass man Ausbildungsstätten oder Fachbereiche in der Industrie leitet.
Roman: Das passt ja gut hierher. Nach dem Meister hast du dich umorientiert, bist in die TGA-Planung gekommen — weg vom Kraftwerk, hin zum Gebäude, und jetzt planst du PV-Anlagen, auch am Gebäude.
Fabio: Ich habe in dem Job, wo ich jetzt bin, in der TGA-Planung angefangen, ganz normale Elektroplanung. Und dann bin ich in die Photovoltaik-Schiene reingerutscht und ein bisschen Elektro-Kram, was zur Energiezentrale dazugehört.
Roman: Solarstrom vom Dach ist also eine große Betätigung. Aber auch, wenn man einen Holzhackschnitzelkessel oder andere Wärmeerzeuger anschließt, die Strom brauchen oder Strom mit erzeugen — kümmerst du dich um die Elektrotechnik?
Fabio: Genau, Netzanschlüsse von Erzeugungsanlagen, könnte man ganz gut sagen.
Roman: Und auch Schwimmbäder, da bist du ein bisschen zufällig zugekommen.
Fabio: Genau, absolut zufällig.
Roman: Schwimmbäder planen gehört auch zur TGA. Wenn man überlegt, dass die ganze Zeit überall Feuchtigkeit ist, ist das für die gesamte Technik immer eine Herausforderung.
Was machen technische Systemplaner für Elektrotechnische Systeme?
Roman: Kommen wir zu deiner jetzigen Tätigkeit. Du bist Ausbilder — wen bildest du aus?
Fabio: Der Plan ist, dass ich technische Systemplaner ausbilde, Fachrichtung Elektrotechnische Systeme. Die erstellen Pläne oder Konzepte und realisieren das in Zeichnungen, meistens in CAD-Zeichnungen, die die Fachplaner mit ihnen zusammen besprechen. Fachplaner sitzen mit den technischen Systemplanern zusammen, überlegen sich, wie man ein System aus der Elektrotechnik realisieren kann, und die Systemplaner setzen das in eine Zeichnung um.
Roman: Ich benutze inzwischen den Begriff Modell statt Zeichnung, weil wir fast alles in dreidimensionalen Modellen machen, die Informationen beinhalten. Das ist nicht mehr der technische Zeichner, sondern Systemplanende — es geht wirklich darum, Systeme zu planen und zu berechnen. Da muss man einiges verstehen, und dieses Hintergrundwissen zu vermitteln ist wahrscheinlich die große Aufgabe für dich als Ausbilder.
Fabio: Total. Wenn man technischer Systemplaner lernt, lernt man alle Komponenten, die man braucht, um solche Systeme oder Modelle zu erstellen. Aber ganz wichtig ist auch, dass das elektrotechnische Hintergrundwissen zumindest rudimentär da ist, damit man sich vorstellen kann, in welchen Dimensionen man plant. Mein großes Ziel ist, dass die Auszubildenden verstehen, was sie umsetzen, und es nicht — plattdeutsch gesagt — vorgekaut bekommen.
Was muss man bei einer großen Freiflächen-Photovoltaikanlage planen?
Roman: Machen wir ein Beispiel: eine Solarstromanlage. Was würdest du da vor allem vermitteln?
Fabio: Erst mal, in welchen Dimensionen man spricht. Es kommt darauf an, ob man Einfamilienhäuser, große Dächer oder Freiflächen beplant — da kommt man schon in verschiedene Leistungsdimensionen.
Roman: Das ist auch eher unser Thema; wir als TGA-Planer sind eher in der Dimension Freifläche und große Dächer.
Fabio: Da reden wir von einem Megawatt Photovoltaikleistung. Und dass man versteht, was elektrotechnisch dahintersteckt, wie ich diesen Solarstrom ins Netz bekomme. Das alles zu dimensionieren, ein Gefühl dafür zu haben, welche Ströme dort fließen, welche Komponenten ich in welcher Größe brauche, wie der Netzanschluss geplant werden muss, welche Pflichten dahinterstehen und wie man das mit den Behörden kommuniziert — der Netzbetreiber spielt da eine ganz große Rolle.
Roman: Die Auszubildenden würden dann relativ eigenverantwortlich, nach deiner Anleitung, die Komponenten auslegen. Wir hätten die Solarmodule, die auf Tischen sind, würden sie auf der Fläche anordnen, auch im 3D-Modell, schauen, dass sie sich nicht gegenseitig verschatten. Dann gucken, dass die Unterkonstruktion und das Gestell passen, dass die Rammungen — meistens werden die Gestelle in den Boden gerammt — an der richtigen Stelle sitzen, und dann die ganze Verkabelung bis zum Wechselrichter.
Fabio: Kommt drauf an: entweder mehrere Wechselrichter, die mehrere Strings abbilden und dann zum Netzanschluss zusammenführen, und dann alles, was dazugehört.
Roman: Und da hast du das Thema Mittelspannung. Wir reden nicht mehr von Haushaltsstrom, von 1000 Volt, sondern von 10.000 oder 20.000 Volt.
Fabio: Genau, dass man den Anschluss hat, muss man einen neuen Transformator dazusetzen, das mitdimensionieren, die Leitungsführung, die Berechnung der elektrischen Systeme, die Absicherung, das Schutzkonzept — ganz wichtige Geschichte.
Roman: Damit niemand zu Schaden kommt, wenn doch mal ein Kurzschluss irgendwo ist.
Fabio: Total. Dass man die Hintergründe weiß: Welche Gefahren stecken dahinter, wenn ich eine Mittelspannungsanlage plane? Was passiert, wenn ich den Schaltschrank aufmache, was guckt mir da entgegen? Ich habe das geplant, aber was ist das eigentlich, wenn ich das aufmache?
Roman: Du würdest die Auszubildenden auch mitnehmen zu den Solarparks und am Beispiel erläutern, worum es geht?
Fabio: Ja, ich glaube, das ist das, was wirklich etwas bringt. Man kann das auf Fotos sehen, aber wenn man sich vor Ort anguckt, was in den Schränken drin ist, die ich geplant habe, und was das bedeutet — cool wäre, wenn man das messtechnisch erfassen kann: Welche Spannung, welchen Strom, welche Leistung haben wir? Wenn man im Monitoring sieht, wir haben einen sonnigen Tag, so und so viel Leistung speisen wir ein. Wenn man sich die riesige Freifläche anguckt, seine Trafo-Station, und dann weiß, so und so viel speisen wir gerade ein.
Roman: Ich weiß, du bist Drohnenpilot in deiner Freizeit. Hast du schon einen Solarpark abgeflogen?
Fabio: Tatsächlich noch nicht.
Roman: Die Idee ist, mit der Drohne eine Thermographie zu machen, eine Wärmebildkamera unten dranzuhängen, und dann sieht man, ob Module kaputt sind, weil sie besonders heiß sind. Das wird inzwischen häufiger gemacht, weil man schnell sieht, ob im Solarpark etwas futsch ist.
Fabio: Das kann ich mir bei den riesigen Flächen vorstellen. Absolut — und das als Ausbildungsinhalt vermitteln.
Was sollten angehende Auszubildende mitbringen?
Roman: Was sollten die perfekten Auszubildenden an Interessen und Motivation mitbringen?
Fabio: Motivation ist erst mal der Einstieg ins Berufsleben, den viele Schülerinnen und Schüler nach dem Abschluss haben.
Roman: Etwas Praktisches machen.
Fabio: Etwas Praktisches machen — aber das Lernen fällt natürlich nicht weg. Ein technisches Verständnis, ein bisschen Physik, wenn es in die Elektrotechnik geht, ist wichtig, und Mathe ein bisschen. Aber das sind Sachen, die man auch in der Berufsschule beigebracht bekommt.
Roman: Ich muss ergänzen: Ich habe in meinem mündlichen Mathe-Abi einen Punkt gemacht und musste diskutieren, dass ich mein Abi schaffe. Mathe war ganz schlimm. Und dann habe ich gesagt, ich werde Ingenieur, und man hat mir einen Vogel gezeigt. Während des Studiums habe ich viel Mathe-Nachhilfe gegeben, um es zu finanzieren, und das hat mir geholfen, aufzuholen. Wir brauchen niemanden, der perfekt in Mathe oder Physik ist, sondern jemanden, der Bock auf Technik hat.
Fabio: Absolut, Lernbereitschaft, gutes Handling mit PCs — das ist ja alles computergestützt.
Roman: Und Lust auf Solarstrom-Erzeugung.
Fabio: Erneuerbare Energien auf jeden Fall.
Wie gelingt ein guter Einstieg ins Berufsleben?
Roman: Du sagtest Einstieg ins Berufsleben. Was wäre dir wichtig mitzugeben? Ich komme aus der Schule, und dann muss ich plötzlich mit Menschen im Büro arbeiten.
Fabio: Man kommt aus der Schule und hat erst mal tausend Möglichkeiten. Ein guter erster Einstieg ins Berufsleben ist total wichtig — das ist auch mein Ziel, weil ich aus eigener Erfahrung und aus dem Umfeld kenne, dass ein blöder Einstieg dabei ist, wenn einem das schwer gemacht wird. Es kann gut sein, wenn man gut betreut und gefördert wird, wenn Lernbereitschaft aufgefangen und gepusht wird.
Roman: Und dann merkt man, man hat eine Wirksamkeit, kann etwas bewegen, kann die Welt retten, indem man Solaranlagen plant. Die eigenen Fähigkeiten werden gesehen und entwickelt, und auch die Schwächen, an denen man arbeiten kann.
Fabio: Wenn man vermitteln kann, dass auch Leute im ersten Ausbildungsjahr schon einen Beitrag zu den Projekten leisten, die wir realisieren, macht das schon ganz viel aus. Auch im ersten Ausbildungsjahr leistet man einen wesentlichen Beitrag zu den Projekten und zur Energiewende.
Roman: Du bist das Gegenteil des Abziehbilds des Ausbilders aus den 80ern, der sagt: Kauf mir mal Kaffee und kümmere dich ums Aufsammeln der Späne.
Fabio: Absolut. Der schlimmste Satz, den ich mitkriege, ist: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Den vertrete ich gar nicht, und ich hoffe, dass ich das anders machen kann.
Wie sieht die Ausbildungsvergütung und die Perspektive danach aus?
Roman: Apropos Lehrjahre: Wir hatten letztens Diskussionen um die Vergütung für Auszubildende. Wir haben mit den Azubis das Ziel, dass sie auch von zu Hause ausziehen können. Wir haben die Ausbildungsvergütung so angepasst, dass es passt. Im dritten Lehrjahr sind wir schon bei 1100 Euro, die die meisten Büros, die ich kenne, bieten — wobei es am Anfang niedriger anfängt. Es steigt aber so weit, dass man Richtung zweites, drittes Lehrjahr ausziehen kann. Mit Kindergeld ist man dann eher bei 1300 bis 1350 Euro im Monat, und davon kann man sogar in der Großstadt ein Zimmer kriegen und leben.
Fabio: Das glaube ich auch. Und einfach die Selbstständigkeit umsetzen, die man haben möchte.
Roman: Wie ist die Perspektive danach? Dann wäre ich Systemplaner für elektrotechnische Systeme, wenn ich fertig bin.
Fabio: Genau. Dann hast du eine abgeschlossene Berufsausbildung, kannst als vollwertige Kraft arbeiten und dich in verschiedenen Bereichen spezialisieren. In der Ausbildung ist das Ziel, dass man viel abdeckt; danach kann man sich in einem Fachbereich spezialisieren oder weitere Weiterbildungsmöglichkeiten suchen.
Roman: Es wäre die Möglichkeit, den Meister zu machen, wie du es gemacht hast, einen Bachelor oder einen Techniker. Man kann aber auch erst mal als Systemplaner oder Systemplanerin arbeiten und sagen: Ich will erst mal Geld verdienen, mein Privatleben genießen und nicht gleich die nächste Ausbildung anfangen.
Fabio: Genau, es geht ja auch erst mal darum, das Gelernte anzuwenden. Der Schritt aus der Ausbildung als Mitarbeiter ist schon ein Schritt. In der Ausbildung hat man ein bisschen Welpenschutz; der geht irgendwann weg, und man hat mehr Verantwortung. Das ist eine Erfahrung wert, wenn man da ein, zwei Jahre in seiner Verantwortung wächst.
Roman: Wobei das schon ein bisschen im dritten Lehrjahr passiert, dass die Leute Verantwortung übernehmen und selbstständig mit den Architekten sprechen oder mit Bauherren telefonieren.
Fabio: Nach der Ausbildung geht das Lernen erst richtig los, sagen manche. Das glaube ich auch ein bisschen, und das macht ganz viel mit einem selber, wenn man nicht mehr die Berufsschule im Hintergrund hat, sondern den kompletten Fokus auf seine Projekte und Arbeit.
Roman: Wir stellen fest, dass unsere Auszubildenden nicht alle 16 sind, wenn sie anfangen, sondern es gibt auch Ältere. Du hast mit 16 angefangen?
Fabio: Ich habe direkt nach der mittleren Reife mit 16 angefangen, ja.
Roman: Es ist aber auch später möglich. Wir haben Leute, die mit 25 anfangen und sagen, ich habe umgeschult. Da muss man über das Geld sprechen, weil man nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung nicht wieder mit 1100 Euro anfangen will, wenn man die zweite macht. Aber da gibt es auch Fördermöglichkeiten. Und dann hätten wir die Rolle Systemplanung, die selbstständig die Anlagen plant. Falls es im Büro nicht so läuft, muss man sich keine Sorgen machen — es gibt rund 10.000 Ingenieurbüros in Deutschland.
Fabio: Der Markt ist ziemlich gut. Wenn man eine fundierte, gute Ausbildung genießen darf und sich gut integriert, hat man richtig gute Chancen und kann ordentlich etwas bewegen.
Roman: Ordentlich etwas bewegen, die Welt verändern, und hat auch Sicherheit, ein stabiles Gehalt und kann gut leben davon. Fabio, vielen Dank, dass du da warst. Mehr Informationen auf www.world-of-tga.de.
Fabio: Ich bedanke mich ebenfalls. Ciao.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Welchen Werdegang hat Fabio in der TGA?
Fabio hat eine Ausbildung als Elektroniker für Automatisierungstechnik im Kernkraftwerk Brokdorf gemacht (2016 ausgelernt), dort als Fachhandwerker gearbeitet, anschließend den Industriemeister Elektrotechnik absolviert und ist nach dem Ausstieg aus dem Kraftwerk in die TGA-Elektroplanung mit Schwerpunkt Photovoltaik gewechselt. Mit 26 hat er sieben Jahre Berufserfahrung und ist heute Ausbilder.
Was macht ein technischer Systemplaner der Fachrichtung Elektrotechnische Systeme?
Technische Systemplaner erstellen Pläne und Konzepte und setzen sie in Zeichnungen um, meist in CAD bzw. in dreidimensionalen Modellen. Sie arbeiten eng mit den Fachplanern zusammen, die ein elektrotechnisches System konzipieren, und realisieren dieses System zeichnerisch. Wichtig ist dabei zumindest rudimentäres elektrotechnisches Hintergrundwissen.
Was gehört zur Planung einer großen Freiflächen-Photovoltaikanlage?
Man ordnet die Solarmodule auf Tischen auf der Fläche an (auch im 3D-Modell), achtet auf Verschattung zwischen den Modulreihen, plant die Unterkonstruktion und die in den Boden gerammten Gestelle, die Verkabelung bis zum Wechselrichter sowie das Zusammenführen mehrerer Strings zum Netzanschluss. Bei Mittelspannung kommen Transformator, Leitungsführung, Absicherung und Schutzkonzept hinzu.
Warum spricht man von Mittelspannung statt Haushaltsstrom bei großen PV-Anlagen?
Während Haushaltsstrom bei etwa 1000 Volt liegt, arbeiten große Photovoltaikanlagen mit Mittelspannung von 10.000 oder 20.000 Volt. Deshalb muss ein eigener Transformator dimensioniert und ein Schutzkonzept erstellt werden, damit niemand zu Schaden kommt, etwa bei einem Kurzschluss.
Wie kann eine Drohne bei der Wartung von Solarparks helfen?
Mit einer Drohne und einer Wärmebildkamera lässt sich eine Thermographie des Solarparks erstellen. Defekte Module werden sichtbar, weil sie an bestimmten Stellen besonders heiß bzw. wärmer als andere sind. Gerade bei riesigen Freiflächen erkennt man so schnell, ob im Solarpark etwas defekt ist.
Was sollten angehende Auszubildende zum technischen Systemplaner mitbringen?
Motivation für den Einstieg ins Berufsleben, Lust auf etwas Praktisches und erneuerbare Energien, Lernbereitschaft sowie ein gutes Handling mit PCs, da die Arbeit computergestützt ist. Ein bisschen Physik- und Mathe-Verständnis hilft, ist aber keine Voraussetzung — vieles wird in der Berufsschule vermittelt.
Welche Perspektiven gibt es nach der Ausbildung zum technischen Systemplaner?
Nach der abgeschlossenen Berufsausbildung kann man als vollwertige Kraft arbeiten und sich in einem Fachbereich spezialisieren. Mögliche Weiterbildungen sind der Meister, der Techniker oder ein Bachelor. Man kann aber auch zunächst als Systemplaner arbeiten und Berufserfahrung sammeln, bevor man die nächste Qualifikation anschließt.
Zitate
„Kernenergie ist ein guter Energieträger, aber sie hat nicht die Zukunft, ganz klar."
— Fabio
„Mein großes Ziel ist, dass die Auszubildenden verstehen, was sie umsetzen, und es nicht vorgekaut bekommen."
— Fabio
„Der schlimmste Satz, den ich mitkriege, ist: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Den vertrete ich gar nicht."
— Fabio
„Wir brauchen niemanden, der perfekt in Mathe oder Physik ist, sondern jemanden, der Bock auf Technik hat."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Fabio hat mit 26 Jahren bereits sieben Jahre Berufserfahrung in der TGA.
Quelle: FabioGroße Freiflächen-Photovoltaikanlagen erreichen Leistungen im Bereich eines Megawatts.
Quelle: FabioHaushaltsstrom liegt bei etwa 1000 Volt, die Mittelspannung großer PV-Anlagen bei 10.000 bis 20.000 Volt.
Quelle: Roman FritschesDie Ausbildungsvergütung im dritten Lehrjahr liegt bei etwa 1100 Euro; mit Kindergeld kommt man auf rund 1300 bis 1350 Euro im Monat.
Quelle: Roman FritschesIn Deutschland gibt es rund 10.000 Ingenieurbüros.
Quelle: Roman FritschesGlossar
- Industriemeister Elektrotechnik
- Weiterbildung, die auf das Ausbilden und das Leiten von Ausbildungsstätten oder Fachbereichen in der Industrie ausgelegt ist und auch Betriebswirtschaftslehre umfasst.
- Mittelspannung
- Spannungsebene oberhalb des Haushaltsstroms (ca. 1000 Volt); bei großen PV-Anlagen 10.000 bis 20.000 Volt, erfordert eigenen Transformator und Schutzkonzept.
- Technischer Systemplaner (Fachrichtung Elektrotechnische Systeme)
- Ausbildungsberuf, der Pläne und Konzepte erstellt und in Zeichnungen bzw. 3D-Modelle umsetzt; arbeitet eng mit den Fachplanern zusammen, die das elektrotechnische System konzipieren.
- Thermographie (PV-Drohnenbefliegung)
- Befliegung eines Solarparks mit einer Drohne und Wärmebildkamera; defekte Module werden durch erhöhte Temperatur sichtbar.