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TGA-PlanungAus- und Weiterbildung für die TGA-PlanungFolge #69

tgabar · Bargespräche

Weiterbildung exklusiv für TGA-Fachplanende

Folge 6912.03.202317:55 minRoman Fritsches, Sören Janson
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Auf den Punkt

Für TGA-Fachplanende gibt es kaum maßgeschneiderte Weiterbildung. Die tgabar fragte an der Bar elf Büro-Rollen ab; gefragt waren vor allem die BIM-Fachkoordination und agiles Projektmanagement. PiTA startet daraufhin ein einjähriges, zwölfteiliges Programm für Projektleitende — erst stabiles, dann agiles Projektmanagement — und plant als nächste Rolle die Fachkoordination.

Transkript

Wie ist die tgabar auf das Thema Weiterbildung für TGA-Rollen gekommen?

Roman: Moin aus Hamburg und herzlich willkommen an der TGA-Bar. Sören Janson und Roman Fritsches sitzen wieder in der Bar und sprechen heute über das Thema Weiterbildung. Wir hatten erst kurz über Ausbildung gesprochen, und Weiterbildung kommt natürlich danach — wobei beides eng zusammenhängt. Wir haben Karrierepfade aufgezeigt und festgestellt: Diese In-Haus- oder Out-Haus-Weiterbildung der verschiedenen Rollen im Büro ist super interessant.

Wir hatten vier Weiterbildungsträger an der Bar, die verschiedene Themen für TGA-Fachplanende behandeln: einer mehr Richtung Elektroplanung (Bausofa), einer Richtung Gebäudeautomation (IMB), das dritte der TGA-ABC mehr Richtung HLS — Heizung, Lüftung, Sanitär — und dann PiTA, wo wir herkommen: Fokus Projektmanagement in der TGA und Unternehmensführung.

Welche Rollen wollen Büros laut der Bar-Umfrage am dringendsten weiterbilden?

Roman: Wir haben eine Umfrage gemacht und elf Rollen dargestellt — zum Beispiel Projektleitung, Fachkoordination (mit BIM in Klammern davor), Fachplaner HLS, Systemplaner HLS, Fachplaner Elektro, Systemplaner Elektro, Bauüberwachung, Inbetriebnehmer als Sonderrolle und GA-Planer, weil Gebäudeautomationsplanung mit anderer Software arbeitet als reine Elektroplanung. Gefragt war: Für welche Rolle bei euch braucht ihr am meisten Weiterbildung? Die Idee war neu — nicht das Büro breit zu fragen, sondern welche Rollen ein besseres Profil brauchen.

Platz 1 war die Fachkoordination, die BIM-Fachkoordination. Das „BIM" in Klammern war bewusst gesetzt; diese Rolle ist vielen Büros noch nicht ganz klar. Sie entwickelt sich oft aus der stärksten Systemplanerin oder dem stärksten Fachplaner heraus, oder die Projektleitung macht es selbst.

Sören: Das hängt wahrscheinlich auch mit der Größe des Büros zusammen. Bei kleineren Projekten mit ein, zwei Beteiligten ist das gar nicht so relevant. Aber je mehr Rollen in einem Projekt stecken, umso sinnvoller ist es, vom Projektleiter ausgehend Koordination auszulagern.

Roman: Platz 2 war agiles Projektmanagement. Das hat mich geflasht, weil ich dachte, das Thema sei noch gar nicht angekommen. Wir machen seit Jahren agiles Projektmanagement in Seminaren und stellen fest: Das Vorwissen ist eigentlich nicht da. Ich habe mir den Satz gemerkt, dass für viele „agil" planlos ist.

Sören: Ist es ja nicht. Aber man muss verstehen, was gemeint ist: dass der Rahmen breiter gesteckt ist und nicht alles an feste Rollen und feste Arbeitsschritte geklammert ist — und dass Dokumentation nicht mehr so im Mittelpunkt steht, was beim Bauen natürlich ein Spannungsfeld ist.

Roman: Platz 3 war die Weiterbildung der Projektleitung. Dafür machen wir gerade das Programm — ein einjähriges Programm für Projektleitende.

Sören: Alle Plätze sind weg.

Roman: Alle Plätze sind weg. Dieses Jahr machen wir nur einen Durchlauf, weil wir erst die Qualität sicherstellen und es wirklich perfekt machen wollen.

Was steckt im ersten Programmteil „stabiles Projektmanagement"?

Roman: Wir haben aus der VDI-Erfahrung gelernt, welchen Anspruch wir haben — und dass wir solche Seminare gern zu zweit, zu dritt oder zu viert machen, statt allein vorne zu stehen.

Sören: Es ist für alle Seiten entspannter und informativer und bringt mehr Mehrwert, als wenn einer meint, er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen.

Roman: Wir haben festgestellt, dass das eine Jahr unterteilt werden muss, und es halbiert. Es gibt erst sechs Termine zum Thema stabiles Projektmanagement. Den Begriff „stabil" habe ich neu gefunden — früher hieß das beim VDI „klassisch", jetzt „stabil". Das war eigentlich deine Idee: Bevor wir alles agil aufdrehen und neu machen, lass uns erst stabilisieren — klare Prozesse, der Umgang mit Aufgaben, Schnittstellen, Rollen und Ziele definiert, Änderungsmanagement im Blick, Kosten im Griff und die Bauüberwachung verstanden. Die Bedarfsplanung habe ich bei den Schnittstellen einsortiert. Genau diese sechs Themen stabilisieren das Projektmanagement. Und das Buch dazu ist endlich fertig geschrieben.

Sören: Das ist aber erst der erste Teil. Band 1 von 2.

Roman: Kapitel 1 bis 6, Band 1 von 2 ist fertig — über 100 Seiten. Die Teilnehmer bekommen jeweils einen Band mit eingraviertem Namen, im Goldeinband. Die Idee: Ich nehme das Ding mit in eine Projektbesprechung. Wenn jemand sagt „das ist doch Ihre Kostengruppe", schlage ich auf und sehe DIN 276, Auszug Kostengruppe 400, und kann sagen: nein, Bauheizung ist Kostengruppe 420. Oder ich klappe das Kapitel Aufgaben und Schnittstellen auf und stelle fest, der Architekt muss eine Empfehlung zu weiteren Fachplanern treffen — also auch zum Brandschutzplaner beraten. Auch Auszüge aus der VDI 6026 sind drin. Das Ding ist jetzt fertig, war tierisch viel Arbeit.

Die Teilnehmer kommen am 31.03., und wir machen es hybrid — auch das ist neu. Die Auftaktveranstaltung wollten wir eigentlich verpflichtend vor Ort machen, aber die ersten sagten: für einen halben Tag nach Hamburg fliegen?

Sören: Fliegen sowieso schlecht.

Roman: Vielleicht müssen wir uns das nächste Mal in der Mitte Deutschlands treffen — das hat auch Sarah Tax vorgeschlagen, Team für Technik ist dabei. Als Kompromiss habe ich mir die Meeting-Eule gekauft. Sie steht im Raum, sieht alle zehn Live-Teilnehmer im 360-Grad-Blick, und die fünf Leute online sehen alle. Wenn jemand spricht, fokussiert sie automatisch auf bis zu drei diskutierende Personen — akustisch und visuell. Vielleicht machen wir mal eine eigene Folge dazu, wie die Eule funktioniert, weil Büros immer mehr hybride Meetings haben.

Wie ist der zweite Programmteil „agiles Projektmanagement" aufgebaut?

Roman: Buch zwei ist dann das agile Projektmanagement, der Wunsch von der Bar. Ich habe die Überschrift „agil" gewählt, auch wenn die Themen verschwimmen. Ich würde mit Kapazitätsplanung anfangen — das ist schon der erste agile Prozess. Alle Projektleitenden müssen abstimmen, wer welche Kapazitäten braucht und bekommt.

Sören: Damit kann man den ganzen Tag füllen und am nächsten Tag von vorn anfangen — weil sich verschiebt, wer krank ist oder ausfällt.

Roman: Genau, Multiprojektmanagement ist unser aller Problem, dafür brauchst du agile Methoden. Dann kommt das Thema agiles Projektmanagement, und wir starten mit dem Bedarf aus BIM, weil BIM-Projekte alle zwei Wochen eine Präsentation verlangen — da kannst du nicht sagen, ich muss erst die Wärmepumpe fertig machen. Dann kommt das digitale Projektmanagement: Welche Tools habe ich? Dazu machen wir auch eine eigene Folge zu digitalen Whiteboards. Danach kommt Reinhard Wimmer, Professor Wimmer, mit dem Thema BIM und schaut sich vor allem das Vertragswerk an — was muss ich im Auftrag und im BAP gestalten.

Dann gehen wir zum ultimativen Anwendungsfall von BIM und agilem Projektmanagement: das kreislaufgerechte Bauen. Das wird alles auf den Kopf stellen. Wir brauchen ein durchgängiges Informationsmodell, in dem die Information schon im Anforderungsmodell entsteht — Leistungsphase 0 — bis hin zum As-Built-Modell inklusive aller errichteten Bauteile. Es ist die Frage, ob die HOAI dann überhaupt noch funktioniert. Dann kommt noch IPA dazu.

Sören: Das wollen wir damit einordnen. Wir müssen offener in unserer Herangehensweise werden. Im Westen entstehen tatsächlich neue Berufszweige, auch bezogen auf die Fachplanung. Agiles Projektmanagement wird uns nicht mehr loslassen, weil wir nicht mehr nach Schema F planen können — wir brauchen individuelle, angepasste Gebäudemodelle.

Roman: Da schließt sich der Kreis für das gesamte Programm. Wir knüpfen an die allererste Veranstaltung an, in der wir Rollen und Ziele der GA-Fachplanung definieren, und fragen im zwölften Teil: Welche neuen Rollen gibt es, welche brauche ich? Dann kommt das Thema Vertrag — was müssen wir beachten, damit das Projekt gut läuft? Und der letzte Teil fragt: Welche Vertragsmodelle stehen in Zukunft an? Das ist dann IPA, die integrierte Projektabwicklung — dazu haben wir schon genug aufgenommen, hört es euch an.

Roman: Ich freue mich auf den ersten Teil, das stabile Projektmanagement. Das sind Standards, die wir setzen wollen — so funktioniert es jetzt gerade. Im zweiten Teil wollen wir Standards der Zukunft erarbeiten und schon setzen.

Sören: Und die Teilnehmer befähigen, den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein.

Warum ist die Fachkoordination die nächste Rolle im Fokus?

Roman: Für die Projektleitung haben wir jetzt ein sehr rundes, fokussiertes Konzept. Als nächste Rolle aus der Umfrage kommt die Fachkoordination. Ich habe mich mit Irina Fischer und Professor Wimmer getroffen, und wir haben uns gefragt, wie wir eine Weiterbildung für Fachplanungskoordinatoren machen können — mit Fokus auf BIM-Fachplanungskoordination. Wir glauben, dass diese Rolle der Nukleus für die Einführung von BIM im Ingenieurbüro ist.

Wenn du einen fähigen Fachkoordinator hast, der die Informationsmodelle versteht und pflegt und das ganze Konzept begriffen hat, dann kannst du die Person zum Inhouse-BIM-Manager fortbilden — nicht zum Projekt-BIM-Manager, sondern zu jemandem, der im Büro BIM einführt.

Roman: Auch hier brauchen wir zwölf Veranstaltungen. Allein das Thema Familien erstellen — von den Grundlagen und Vorlagen an. Wir müssen uns auf Software einschießen, wir können nicht alle als Basis nehmen. Wir haben überlegt, ob wir mit DDS-CAD weiterkommen, es gibt auch andere Software, aber wahrscheinlich wird es für die Fachkoordination Richtung Revit gehen. Ich sehe diese Tendenz leider bei vielen Büros.

Sören: Zu dem Thema hatten wir Jannick Höper schon mal — vielleicht ziehen wir ihn nochmal heran.

Roman: Absolut, er ist ja auch Fachkoordinator. Wichtige Voraussetzung für diese Weiterbildung ist, dass jemand als fähiger Systemplaner oder BIM-Modellierer tätig war und vielleicht einen Techniker oder Ingenieur draufgesetzt hat. Vor allem aber zählt die übergreifende Sichtweise über alle Gewerke und die Lust, irgendwann als BIM-Manager im Unternehmen aufzutreten und zu sagen: Ich führe das jetzt ein. Bei dieser einen Person kann man es hinkriegen.

Welche weiteren Rollen und Folgen sind geplant?

Roman: Es gibt auch noch die alten Rollen. Die Bauüberwachung ist als Rolle für die Weiterbildung wichtig und wurde oft gewählt. Auch da gibt es eine Stabilisierungsnotwendigkeit — was schulde ich überhaupt als Bauüberwachung? Das wird oft mit der Fachbauleitung verwechselt; Bauüberwachung, Objektüberwachung und Qualitätssicherung ist das, was wir machen. Diese Rolle stabilisieren und mit Tools für die Zukunft ausstatten — digitale Bauüberwachung ist ein großes Thema.

Und dann die Führungskräfte: Wie schaffe ich es, mein Ingenieurbüro agil zu machen? Wir bilden einzelne Projektleitende und später einzelne Fachkoordinierende aus. Die kommen mit neuen Werkzeugen zurück ins Büro, und alle sagen: Was willst du denn jetzt? Das ist gefährlich. Dazu machen wir eine eigene Folge zum Thema Inhouse-Implementierung, dem Multiplizieren des Weiterbildungswissens im Büro.

Sören: Gerade auf die neuen Themen.

Roman: Ihr müsst leider einen Cliffhanger ertragen. Wir sehen uns nächste Woche wieder. Auf die letzte Runde. Tschüss.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Welche Büro-Rollen wurden bei der Weiterbildungs-Umfrage am häufigsten gewählt?

Platz 1 belegte die (BIM-)Fachkoordination, Platz 2 das Thema agiles Projektmanagement und Platz 3 die Weiterbildung der Projektleitung. Abgefragt wurden insgesamt elf Rollen im TGA-Planungsbüro, darunter auch Bauüberwachung, die ebenfalls häufig genannt wurde.

Wie ist das einjährige Weiterbildungsprogramm für Projektleitende aufgebaut?

Es ist in zwölf Teile gegliedert und halbiert: Die ersten sechs Termine behandeln „stabiles Projektmanagement" (klare Prozesse, Aufgaben, Schnittstellen, Rollen und Ziele, Änderungsmanagement, Kosten, Bauüberwachung), die zweiten sechs das „agile Projektmanagement" bis hin zu BIM, kreislaufgerechtem Bauen und IPA.

Warum gilt die Fachkoordination als Schlüsselrolle für die BIM-Einführung im Büro?

Weil ein fähiger Fachkoordinator die Informationsmodelle versteht und pflegt und das BIM-Konzept begriffen hat. Diese Person lässt sich zum Inhouse-BIM-Manager fortbilden, der im Büro BIM einführt — anders als ein reiner Projekt-BIM-Manager.

Zitate

Ich habe mir den Satz gemerkt, dass für viele agil planlos ist."

Roman Fritsches

Wir glauben, dass diese Rolle der Nukleus ist für die Einführung von BIM im Ingenieurbüro."

Roman Fritsches

Zahlen & Fakten

An der tgabar wurden vier Weiterbildungsträger für TGA-Fachplanende vorgestellt und elf Büro-Rollen in einer Umfrage abgefragt.

Das Weiterbildungsprogramm für Projektleitende ist einjährig, in zwölf Teile gegliedert und in zwei Hälften (stabil/agil) à sechs Termine unterteilt; 2023 läuft nur ein Durchlauf, alle Plätze sind belegt.

Band 1 des Begleitbuchs (Kapitel 1 bis 6, stabiles Projektmanagement) umfasst über 100 Seiten; die Auftaktveranstaltung findet am 31.03. hybrid statt.

Glossar

Agiles Projektmanagement
Ansatz mit breiter gestecktem Rahmen, der nicht alles an feste Rollen und Arbeitsschritte klammert und Dokumentation weniger ins Zentrum stellt; zweiter Programmteil mit Kapazitätsplanung, BIM, digitalen Tools und IPA.
Bauüberwachung
Objektüberwachung und Qualitätssicherung; abzugrenzen von der Fachbauleitung.
Fachkoordination (BIM-Fachkoordination)
Rolle, die Planung über alle Gewerke koordiniert und die BIM-Informationsmodelle versteht und pflegt; gilt als Nukleus für die BIM-Einführung im Ingenieurbüro.
Inhouse-BIM-Manager
Person, die im eigenen Büro die BIM-Methode einführt — abzugrenzen vom projektbezogenen BIM-Manager.
Stabiles Projektmanagement
Von PiTA geprägter Begriff (früher „klassisch") für die Grundlagen des Projektmanagements: klare Prozesse, Aufgaben, Schnittstellen, Rollen und Ziele, Änderungsmanagement, Kosten und Bauüberwachung.
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