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TGA-PlanungAus- und Weiterbildung für die TGA-PlanungFolge #331

tgabar · Bargespräche

Von ArchitektInnen lernen 1/2

Folge 33101.08.202517:06 minRoman FritschesGast: Nele Otto, Lars Schumacher
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Auf den Punkt

Was können TGA-Planende von Architektinnen und Architekten lernen? Vor allem das Präsentieren und Pitchen, das im Architekturstudium früh eingeübt wird, sowie das Sichtbar- und Erlebbarmachen der eigenen Arbeit. Themen sind außerdem der geringe Frauenanteil in der TGA, mehr Kreativität in der Planung und ansprechendere Darstellung von Technik statt reiner Berechnung.

Transkript

Was lernen wir aus dem Buch über Frauen in der Architektur?

Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar — heute geht es darum, von Architektinnen und Architekten zu lernen. In der TGA haben wir eine Frauenquote von vielleicht 10 Prozent, wenn überhaupt. In der Architektur sind es eher 50 Prozent, im Studium glaube ich sogar mehr.

Nele: Da gibt es auch immer große Diskussion. Wir sind zwar viele Architektinnen, aber wenig Architektinnen, die ein Büro führen.

Roman: Das Buch dazu — „Schwarzer Rolli, Hornbrille" von Karin Hartmann — habe ich gelesen, fand ich sehr spannend. Zur Erinnerung: Hier sitzen Nele Otto und Lars Schumacher mit mir, Sören ist noch auf dem Festival.

Nele: Ich muss mich outen, ich habe das Buch noch nicht gelesen — aber es steht auf meiner Liste. Ich weiß, dass es viel mit den Vorurteilen gegenüber Architekten spielt und mit patriarchalen Machtstrukturen in der Architektur, die noch nicht ausgeräumt sind.

Roman: Das Buch liefert sehr viele Zahlen, schön aufbereitet, mit Ausklappseiten und Fakten. Ein Thema ist der Frauenanteil im Architekturstudium: Anfang 20 liegt er über 50 Prozent, in der Führungsebene mit 40 plus dann nur noch bei etwa 3 Prozent.

Nele: Wirklich krass.

Roman: Sie nennt gute Beispiele, etwa die Frage der Teilzeit, die in der Architektur eher verpönt ist, weil das Genie bis Mitternacht am Tisch sitzen können muss. Provokant fragt sie: Für die Professur ist Teilzeit in Ordnung, für die Familie aber nicht? Spannend finde ich auch das Thema Stadtentwicklung aus der Perspektive von Care-Arbeit statt nur Erwerbsarbeit: Städte sind so gebaut, dass man als Mann aus den 70ern mit dem Auto effizient von A nach B kommt — kurze Wege über die Kita oder eine Toilette zum Wickeln im öffentlichen Raum sind nicht bedacht.

Wie steht es um den Frauenanteil in der TGA?

Roman: Von Architektinnen und Architekten habe ich gelernt, dass die Frauenquote dort sehr hoch ist, während sie bei uns in der TGA relativ niedrig ist. Wir haben aber tolle Beispiele wie Mirjam Borowietz, Claudia Döring oder Wilhelmina Katzschmann, die alle Geschäftsführerinnen teils sehr großer TGA-Planungsbüros sind. Miriam hat 500 Mitarbeitende in Deutschland — das größte reine TGA-Büro, das ich kenne.

Lars: Das sind Speerspitzen, leider. Da können wir von der Architektur nicht so viel lernen, weil auch dort gilt: je mehr Verantwortung, desto geringer der Frauenanteil.

Roman: Wie schaffen wir es, mehr Frauen in unsere Disziplin zu bekommen? Architektur scheint ja für Frauen interessant zu sein, deshalb über 50 Prozent im Studium.

Nele: Da habe ich mir ehrlich noch keine Gedanken gemacht. Aus dem Persönlichen: Ich habe am Institut für Gebäude- und Solartechnik gearbeitet, habe also eine Affinität zur TGA. Im Studium ist allen eher davor gegraust, diese Klausur zu schreiben, weil das richtig mit Lernen verbunden war. Sonst haben wir in der Architektur eher gebastelt und gezeichnet und nicht so viel Lüftungskanäle ausgelegt oder über Anlagenkonzepte nachgedacht.

Was kann die TGA beim Präsentieren und Pitchen lernen?

Roman: Der erste Lernpunkt aus der Architektur ist meine Vermutung: dass man dort lernt, seine Arbeit gut zu präsentieren.

Nele: Auf jeden Fall, das haben wir alle gelernt. Wie mache ich eine Präsentation? Wie präsentiere ich auch ohne Hilfsmittel? Dieses Pitchen haben wir internalisiert, das geht nicht mehr raus.

Roman: Bei Lars und mir macht es nur „Blubb". Können unsere Kollegen sich präsentieren und ohne Hilfsmittel pitchen? Eher gar nicht.

Lars: Nein, finde ich auch. Ich bin nebenberuflich Lehrbeauftragter an der TH Köln, im sechsten Semester geht es um Building Performance, da muss kreativ ein White Paper geschrieben und gepitcht werden. Ich versuche, den Stellenwert dieses Vorgangs zu erhöhen, merke aber, dass die Studierenden das bis dahin kaum machen mussten und die Notwendigkeit nicht sehen. Ich glaube nicht, dass wir damit den Frauenanteil signifikant steigern. Vielleicht geht es eher um den Kreativitätsanteil, der in der Architektur größer ist als in technischen Berufen — und deshalb ergreifen Frauen vielleicht diesen Berufszweig. Im Umkehrschluss müsste die TGA Kreativität mehr in den Vordergrund rücken.

Nele: Das würde ich unterstützen. Im Architekturstudium musst du beim Entwurf immer kreativ arbeiten und nach Lösungen suchen — das ist in der TGA auch Thema, ihr seid auch Lösungsfinder. Aber es gibt das Vorurteil, dass in der TGA alles stringent, vorgeschrieben und nach Lehrbuch läuft. Wenn man damit aufräumen könnte, dass die TGA flexibel und kreativ ist, könnte ich mir das durchaus vorstellen.

Wie macht man TGA sichtbar und erlebbar?

Roman: Vielleicht müssen wir Beispiele finden, wo die TGA nicht erfolgreich versteckt wird, sondern erlebbare Qualität schafft: gutes Raumklima, gute Beleuchtung, gute Be- und Entlüftung, Behaglichkeit. Im Studium macht man das, aber in der Praxis verliert es sich in technischen Berechnungen wie der Lichtberechnung. Beim Thema Leuchten könnte man wunderbar gemeinsam nach tollen Lösungen suchen.

Nele: Das erinnert mich an das Centre Pompidou, wo die TGA in der Architektur erlebbar gemacht wird — man steht vor dem Gebäude und sieht die Technik. Wenn man das für Besucher und Bewohner erlebbar macht, ist das auch ein Signal für potenzielle Studierende: Damit kann ich nach außen gehen, ich bin nicht in einer Abhangdecke versteckt, sondern es kann bildgebend sein.

Roman: Was ist das Centre Pompidou genau für ein Bauwerk?

Nele: Ein Museum in Paris, bekannt dafür, dass alle Rohrleitungen von außen zu sehen sind. Du hast eigentlich kein Gebäude an sich, sondern nur Kanäle und Leitungen.

Lars: Die sind bewusst nach außen gebracht worden, sind im Stadtbild hervorragend integriert und ein Touristenmagnet.

Roman: Dann ist beim nächsten Paris-Besuch das Centre Pompidou Pflicht. Stolz bin ich auch auf den Energiebunker in Wilhelmsburg — TGA in einem Bunker, sieht beeindruckend aus.

Nele: Der Energiebunker ist ja auch wirklich eine Energiezentrale, das Centre Pompidou ist etwas ganz anderes und macht die Technik trotzdem erlebbar. Das finde ich so spannend.

Welche Rolle spielt KI für kreative TGA-Arbeit?

Lars: Wenn TGA-Arbeit bisher Berechnungen erfordert hat, könnte man die These aufstellen, dass das morgen die KI macht. Eine TGA-Person kann sich dann viel mehr auf kreative, tolle Lösungen konzentrieren als auf „A mal B ist C" in der Heizlastberechnung, weil das vielleicht auf Knopfdruck die KI erledigt.

Roman: Das ist eine Chance, die da entsteht.

Warum setzt gutes Pitchen TGA-Planende unter Druck?

Roman: Beim Präsentationsthema habe ich mit der Zeit gemerkt, wie es mich als TGA-Planer unter Druck setzt. Wenn ein Architekt hervorragend präsentiert, eloquent über „meandrierende" Gebäudeteile spricht und alle wissend nicken — und dann komme ich und darf die Heizzentrale vorstellen. Sobald ich das Schema zeige und Fachbegriffe raushaue, macht es „Blubb" und niemand versteht mehr, worüber ich rede. Dann sinkt die Motivation und steigt die Angst, man will schnell durchkommen. Müssten wir auch lernen, uns besser darzustellen?

Nele: Wir haben im Studium wenig Teamarbeit gemacht, wir waren eher individuelle Menschen, die Entwürfe produziert haben — Teamarbeit lernt man erst im Arbeitsleben. Auf Wettbewerb getrimmt waren wir nicht; natürlich freut man sich, wenn der Professor den Entwurf lobt. Im Büro ist das anders, da gibt es die Wettbewerbskultur — aber nicht, weil der Architekt das cool findet, sondern weil das System nur über den Wettbewerb den Auftrag vergibt.

Roman: Das ist bei uns anders. Den klassischen Wettbewerb gibt es in der TGA eigentlich nicht, eher eine Wettbewerbsteilnahme, bei der man sich als Team präsentiert.

Lars: Wir sind oft Teil eines Architekturwettbewerbs, wenn es um Energiekonzepte geht. Erst pitcht die Architektur toll, mit coolen PowerPoint-Folien, dann komme ich mit drei Schemen, die keinen mehr interessieren. Wenn wir „von Architektur lernen" ernst nehmen, geht das Pitchen vielleicht schon früher los — beim Werben der Hochschulen um Studierende. Da hat die TGA Nachholbedarf in der Darstellung.

Roman: Darstellung ist Nachholbedarf. Man kann TGA ansprechend präsentieren und zeigen, dass etwas Besonderes gemacht wurde — nicht die zehnte 0815-Photovoltaikanlage, sondern eine besonders integrierte, etwa über Fassadenintegration. Auch untersuchte und verworfene Lösungen kann man nach vorne stellen. Als Projektleiter versuche ich inzwischen, weniger selbst zu präsentieren und eher die Fachplaner ihre eigenen Leistungen vorstellen zu lassen — die sind darstellerisch aber oft noch ungeübter als ich.

Nele: Eine Architektin hat es vielleicht etwas einfacher, weil wir viel über Bilder arbeiten. Ein Rendering oder eine Visualisierung eines Raums ist etwas anderes als ein Strangschema. Wenn ihr mit Kunden durch 3D-Modelle geht, sind die wahrscheinlich aufmerksamer als bei einem 2D-Heizungsschema. Da muss man darstellungstechnisch schauen, dass man die Leute nicht verliert.

Lars: Das macht doch Minecraft vor — da gibt es auch Rohrleitungen. Je cooler man es pitcht, desto mehr Attraktivität erreicht man. Das ist ein Darstellungsthema.

Roman: Vielen Dank für das Gespräch. Wir sind beim Thema „von Architektinnen und Architekten lernen" noch nicht am Ende — die echte Arbeit im Büro haben wir noch gar nicht behandelt. Vielleicht machen wir noch eine Folge daraus.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Was können TGA-Planende von Architektinnen und Architekten lernen?

Vor allem das Präsentieren und Pitchen, das im Architekturstudium früh und durchgehend geübt wird, auch ohne Hilfsmittel. Außerdem mehr Kreativität in der Planung, das Sichtbar- und Erlebbarmachen der eigenen Technik sowie eine ansprechendere Darstellung über Bilder, Renderings und 3D-Modelle statt reiner Schemata.

Wie unterscheidet sich der Frauenanteil zwischen Architektur und TGA?

In der Architektur liegt der Frauenanteil im Studium bei über 50 Prozent, in der TGA dagegen bei etwa 10 Prozent. In beiden Disziplinen sinkt der Anteil mit steigender Verantwortung: In der Architektur sind in der Führungsebene (40 plus) nur noch rund 3 Prozent Frauen.

Warum gilt das Centre Pompidou als Vorbild für sichtbare TGA?

Beim Centre Pompidou, einem Museum in Paris, sind alle Rohrleitungen und Kanäle bewusst nach außen gebracht und von außen sichtbar. Die Technik wird so erlebbar gemacht, ist im Stadtbild hervorragend integriert und ein Touristenmagnet — ein Gegenmodell zur in Abhangdecken versteckten TGA.

Warum setzt gutes Pitchen TGA-Planende oft unter Druck?

Architekten präsentieren häufig eloquent und mit ansprechenden Folien. Sobald TGA-Planende danach Schemata zeigen und Fachbegriffe verwenden, versteht das Publikum oft nicht mehr, worum es geht. Das senkt die Motivation und erhöht die Angst, sodass man schnell durchkommen will, statt sich gut darzustellen.

Welche Chance bietet KI für die TGA-Planung?

Wenn KI künftig Berechnungen wie die Heizlastberechnung auf Knopfdruck übernimmt, können sich TGA-Planende stärker auf kreative, hochwertige Lösungen konzentrieren statt auf reine Rechenarbeit.

Zitate

Wir sind zwar viele Architektinnen, aber wenig Architektinnen, die ein Büro führen."

Nele Otto

Sobald ich anfange, das Schema zu zeigen und die Fachbegriffe rauszuhauen, merke ich, wie es komplett Blubb macht und niemand mehr versteht, worüber ich rede."

Roman Fritsches

Ich bin nicht versteckt in einer Abhangdecke, sondern das kann auch bildgebend sein."

Nele Otto

Zahlen & Fakten

In der TGA liegt die Frauenquote bei etwa 10 Prozent, in der Architektur dagegen im Studium bei über 50 Prozent.

Quelle: Roman Fritsches

Der Frauenanteil im Architekturstudium liegt Anfang 20 bei über 50 Prozent, fällt aber in der Führungsebene (40 plus) auf etwa 3 Prozent.

Quelle: Roman Fritsches

Das größte reine TGA-Planungsbüro, das Roman kennt, wird von Mirjam Borowietz geführt und hat 500 Mitarbeitende in Deutschland.

Quelle: Roman Fritsches

Glossar

Centre Pompidou
Museum in Paris, bei dem Rohrleitungen und Kanäle bewusst nach außen gebracht und sichtbar sind; Beispiel für erlebbar gemachte Technik in der Architektur.
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