TGA-Planung › Leistungsphasen der TGA-Planung › Folge #310
tgabar · BargesprächeVDI 6026 Re-Reloaded
Die VDI 6026 regelt die Dokumentation in der Technischen Gebäudeausrüstung. Die tgabar e.V. sieht in der Fassung 2022 drei Schwächen — eine teure Grundlagenermittlung, überzogene Anforderungen an die Gebäudeautomation und nicht mehr nutzbare Spalten zur Ausführungs- und Montageplanung — und erarbeitet über drei Lounges einen konkreten Novellierungsvorschlag für den VDI-Ausschuss.
Transkript
Warum spricht die tgabar zum dritten Mal über die VDI 6026?
Roman: Willkommen an der TGA-Bar — heute VDI 6026 Re-Reloaded. Je später der Abend, desto schräger die Folgen. Wir schwelgen in alten Podcast-Folgen: Im Dezember 2021 haben wir die VDI 6026 zum ersten Mal aufgenommen.
Sören: Unsere erste ganze Folge.
Roman: Und die am meisten gehörte Folge. Wenn ihr bei Spotify nach VDI 6026 sucht, findet ihr zwei Folgen, die wir schon aufgenommen haben. 2021 haben wir die Version 2008 reflektiert. 2022 kam dann die neue Fassung — im August, mit den kursiv gesetzten Leistungen. Im September 2022 haben wir direkt eine Folge dazu aufgenommen: „Achtung, Reloaded — neue VDI 6026, Dokumentation in der TGA, jetzt mit besonderen Leistungen kursiv geschrieben." Dazu habe ich einen reißerischen Artikel geschrieben, in dem ich sie für bestimmte Dinge kritisiert habe; der ist schon lange online.
Über unsere enge Kooperation mit dem BTGA haben wir jetzt Kontakt zu Herrn Schickel bekommen — er ist im VDI-Ausschuss der 6026. Und wir haben Petra Pogacar mitgenommen: Sie ist Vereinsmitglied und war Obfrau der VDI 6026 in der Fassung 2008, hat die erste Version also mitverantwortet.
Wie bewährt sich die Fassung 2022 in der Praxis?
Roman: Wir haben länger darüber gesprochen, welche Erfahrungen wir mit der VDI 6026 gemacht haben — und festgestellt, dass die neue Fassung in der Praxis deutlich weniger angewandt wird als die alte. Die alte wurde gern von Generalunternehmern und ausführenden TGA-Firmen genutzt, um Montage- und Ausführungsplanung zu definieren. Das hat auch der BTGA bestätigt: Sie sollte vor allem Ausführungs- versus Montageplanung klären. Und sie wurde von vielen Bauherren genutzt, um die Dokumentation der TGA zu spezifizieren — was sollen wir liefern, in welcher Leistungsphase. Das macht total Sinn.
Welche drei Schwächen hat die VDI 6026 in der Fassung 2022?
Roman: Die neue Version 2022 hat aus unserer Sicht ein paar Schwächen. Erstens die Spalte Grundlagenermittlung: Sie enthält sehr viele besondere Leistungen, die teuer und aufwendig sein können — Bestands-TGA nachrechnen, nachzeichnen, nachmessen — und die bewusst nicht kursiv geschrieben sind. Wir haben das beim VDI angesprochen und das Okay bekommen, einen Änderungsvorschlag einzureichen: bestimmte Fälle bitte kursiv setzen. Ein überschaubarer Anfang — aber irgendwo muss man anfangen. Bis Ende März schauen wir uns die Grundlagenermittlungs-Spalte genau an und markieren, was kursiv gehört.
Zweitens stört uns die Gebäudeautomation: Die VDI 6026 stellt in den Leistungsphasen 2, 3 und 5 wahnsinnig dezidierte Anforderungen an die Planer. Tobias Potz sagt, dass das 3,7-Fache des Grundhonorars nötig ist, um diese Leistung zu erbringen — und die Lounge GA sieht das ähnlich. Wir werden die Lounge GA bitten, hier Veränderungen vorzuschlagen.
Drittens: Die Spalten Ausführungsplanung und Montageplanung sind kaum nutzbar, ohne dass der Entwurf berücksichtigt wird. Früher konnte man zwischen TGA-Planenden und ausführender Firma genau vereinbaren, was zur Ausführungs- und was zur Montageplanung gehört — in der neuen Fassung geht das aus unserer Sicht nicht mehr. Der Text hängt vom Entwurf ab, der Entwurfstext beschreibt nur qualitativ, es sind keine Listen mehr. Das ist verbesserungsnötig. Hier nehmen wir wahrscheinlich die Lounge Bauüberwachung mit hinein, die von Andreas Kellner geleitet wird.
Wie organisiert die tgabar den Novellierungsvorschlag?
Roman: Das wird eine Multi-Lounge-Aufgabe: Die Lounge Projektleitung schnappt sich die Grundlagenermittlung, die Lounge GA die Gebäudeautomation, die Lounge Bauüberwachung die Ausführungs- und Montageplanung. Wir suchen Mitstreiter — wer Erfahrung mit der neuen VDI 6026 hat oder sie ähnlich kritisch sieht, schreibt an roman@tgabar.de oder soeren@tgabar.de. Kommt an die Bar, macht mit.
Sören: Das dürfen wir nicht zu schnell abtun. Wir suchen Leute, die sich im Verein engagieren und einbringen.
Wie läuft die Überarbeitung von VDI-Richtlinien zeitlich ab?
Roman: VDI-Richtlinien werden etwa alle fünf Jahre auf den Prüfstand gestellt. 2008 bis 2022 waren zwar nicht genau fünf Jahre, aber es gab viel Vorlauf — schon 2020 eine Vorabversion, ein sogenanntes Weißbuch, was auch ein bisschen Corona geschuldet war. Der Plan: Anfang April ein Dokument zum Novellierungsbedarf der 6026 über mehrere Lounges fertigstellen, im Mai hoffentlich weitere Schritte benennen — auch im Rahmen der Mitgliederversammlung und des Barcamps.
Wie kann man sich an der Vereinsarbeit beteiligen?
Sören: Mitmachen lohnt sich.
Roman: Wir sehen uns zum Barcamp am 15. und 16. Mai in Berlin — gleiche Location, gleicher Moderator, coole Leute. Seid dabei.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Wofür dient die VDI 6026 in der Praxis?
Sie hilft, die Dokumentation der TGA zu spezifizieren und Ausführungs- gegenüber Montageplanung abzugrenzen. Früher nutzten Generalunternehmer, ausführende TGA-Firmen und Bauherren sie, um zu definieren, was in welcher Leistungsphase zu liefern ist.
Was kritisiert die tgabar an der Fassung 2022 der VDI 6026?
Drei Punkte: Die Grundlagenermittlung enthält teure besondere Leistungen, die nicht kursiv (also nicht als optional) gekennzeichnet sind; die Anforderungen an die Gebäudeautomation in den Leistungsphasen 2, 3 und 5 sind überzogen; und die Spalten zu Ausführungs- und Montageplanung sind ohne Entwurfsbezug kaum noch nutzbar.
Wie oft werden VDI-Richtlinien überarbeitet?
Etwa alle fünf Jahre werden sie auf den Prüfstand gestellt, in der Regel mit mehrjährigem Vorlauf und einer Vorabversion (Weißbuch).
Zitate
„Die neue Fassung wird in der Praxis deutlich weniger angewandt als die alte."
— Roman Fritsches
„Die Grundlagenermittlung hat sehr viele besondere Leistungen, die teuer und aufwendig sein können."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Laut Tobias Potz ist das 3,7-Fache des Grundhonorars nötig, um die Anforderungen der VDI 6026 (Fassung 2022) an die Gebäudeautomation zu erbringen.
Quelle: Tobias PotzVDI-Richtlinien werden etwa alle fünf Jahre auf den Prüfstand gestellt.
Die VDI 6026 erschien 2008, wurde 2022 neu gefasst; eine Vorabversion (Weißbuch) gab es bereits 2020.
Glossar
- Besondere Leistung (kursiv)
- Kursiv gesetzte, also nicht zum Grundleistungsumfang zählende Leistung.
- VDI 6026
- Richtlinie zur Dokumentation in der Technischen Gebäudeausrüstung; klärt u.a. Ausführungs- vs. Montageplanung.
- Weißbuch
- VDI-Vorabversion einer Richtlinie (hier: Vorab 2020).