tgaPULS

TGA-PlanungAus- und Weiterbildung für die TGA-PlanungFolge #404

tgabar · Bargespräche

Studierende der TGA und Digitaler Infrastruktur an der HCU

Folge 40401.02.202642:01 minRoman Fritsches, Sören JansonGast: Friedrich, René, Lennart
0:00 / 42:01
Spotify
Auf den Punkt

Drei Studierende im fünften Semester berichten über den jungen Studiengang TGA und Digitale Infrastruktur an der HafenCity Universität Hamburg. Sein Alleinstellungsmerkmal ist der Informatik-Schwerpunkt mit Machine Learning und Programmierung neben den klassischen Gewerken. Quereinstieg ist typisch, der Studiengang noch im Aufbau, und KI verändert künftig Systemplanung und Berufsbilder der TGA-Planung.

Transkript

Wer studiert hier an der HafenCity Universität?

Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar — zum einzigen Podcast, der sich mit Studierenden der Gebäudetechnik trifft. Sören, du bist wieder mit mir an der HafenCity Universität, und wir haben drei Studierende hier. Wir fangen mit dir an, Friedrich — du bist Studierender an der HCU, herzlich willkommen. Wir sitzen hier mit Blick auf den Hafen. Wir haben Friedrich hier, wir haben René hier, und du teilst dir ein Mikro mit Lennart. Ihr drei studiert hier zusammen, und wir sprechen heute über euer Studium der Gebäudetechnik — mit den Großen, im fünften Semester. Ihr seid immer zu viert unterwegs. Woher kommt das?

René: Wir haben nicht zu viert angefangen. Wir waren eigentlich doppelt so viele, elf Leute. Aber es hat sich über die Zeit ausgedünnt, ein paar sind auf der Strecke geblieben. Maxim ist heute aus privaten Gründen nicht dabei.

Friedrich: Wir sind jetzt nur noch vier, deswegen sind wir immer zu viert unterwegs. Wir sind ja die Ersten, deswegen hatten wir auch viele Challenges auf dem Weg.

Roman: Das ist genau das, was die Leute hören wollen: zu verstehen, warum sich das von elf auf vier ausdünnt — denn aus Sicht der Planungsbüros brauchen wir euch ja. Ihr habt vor fünf Semestern angefangen, zum Teil, weil ihr diesen Podcast gehört habt. Wie seid ihr darauf gekommen?

Wie sind die Studierenden zur Gebäudetechnik gekommen?

René: Ich habe zuvor Bauingenieurwesen studiert, auch an der HCU, bis zum achten Semester. Für mich war von Anfang an klar, dass ich irgendwann in die TGA wechseln möchte. Dann habe ich per Zufall mitbekommen, dass der neue Studiengang ins Leben gerufen wird — und da wurde auf den Podcast verwiesen, den ich mir angehört habe. Das war das letzte Argument, den Schritt zu wagen und intern zu wechseln. Ich konnte viel Leistung mitnehmen. Ich habe immer parallel gearbeitet und aus der Praxis viel Echo bekommen, was der Bedarf an Fachkräften ist — und da hieß es immer TGA. Bauen im Bestand und Energieberatung waren Herzensthemen, und was mir im Bauingenieurwesen gefehlt hat, war der Informatikaspekt. Den wollte ich von Grund auf richtig lernen, bevor ich in die Praxis quer einsteige.

Friedrich: Ich habe zwei Jahre Psychologie in den USA studiert — ich war mit dem Fußball nach dem Abi rüber. Geisteswissenschaften haben Spaß gemacht, aber in der Oberstufe war ich eigentlich Richtung Bauingenieur orientiert. Dann habe ich in Lübeck nachhaltige Gebäudetechnik bei Professor Blatt angefangen — auch ein sehr cooler Studiengang. Ich bin in Hamburg wohnen geblieben, und das Pendeln war eine Belastung. Als ich über den Podcast auf diesen Studiengang gestoßen bin, war das eine einfache Entscheidung, ich konnte viele Credits mitnehmen. Ich hatte eigentlich Einfamilienhäuser vor Augen und gar nicht so klar, was Gebäudetechnik ist — aber ich habe an der Physik und Thermodynamik so Spaß gehabt, dass ich jetzt sehr glücklich bin. Den Informatik-Schwerpunkt war ich mir am Anfang gar nicht bewusst; jetzt mache ich meine Bachelorarbeit bei Edifion und bin voll drin.

Lennart: Bei mir war das so: Ich komme ursprünglich aus der Nähe von Flensburg, nahe der dänischen Grenze. Mein Vater ist Bauingenieur und hat sich auf Bauphysik spezialisiert; ich habe das von klein auf mitbekommen und fand die Richtung interessant, wollte aber nicht exakt Bauingenieur werden. Ich hatte erst in Kiel geguckt, um in der Nähe zu bleiben. Dann habe ich durch Zufall den Podcast und den Studiengang an der HCU gefunden. Das klang durch die Informatik und die Schwerpunkte so interessant und zukunftsorientiert, dass ich Lust darauf hatte — und ich bin nach wie vor sehr happy mit der Entscheidung.

Was reizt an der TGA-Planung — Technik oder das Zwischenmenschliche?

Roman: Sören, wie bist du zum Bauingenieurwesen gekommen?

Sören: Ich habe einen etwas weiteren Weg hinter mir, das machen wir ein anderes Mal. Die Idee, für uns als Menschen einen Platz zum Wohnen oder Arbeiten zu schaffen und wirklich zu sehen, was man schafft — sei es planerisch oder im Bauen — finde ich total cool. Durch Hamburg zu laufen und zu sagen, da hat Papa mitgemacht. Das war mein Hauptantrieb. Gebäudetechnik ist gerade der Part, wo man am meisten bewegen kann; bei der Innovationskraft im Bauen kommen wir mit der Digitalisierung noch nicht richtig in Gang, aber bei der Technik ist am meisten rauszuholen.

René: Auch das Zwischenmenschliche reizt mich, das kenne ich aus der Praxis. Ich war in einem Architekturbüro angestellt, das viel Schulbau gemacht hat — ich war auf der anderen Seite der Kostengruppe. Die Schnittstellen zwischen TGA und Architektur sind viel größer, als man meint, und es gibt viele Reibereien, gerade in den frühen Planungsphasen. Da wurde sich auch mal über den Planer aufgeregt — und ich saß da und dachte, eigentlich studiere ich das ja gerade. Jetzt verstehe ich beide Bedürfnisse, das kann ich später wertvoll mitnehmen, dass man die verschiedenen Interessen in Einklang bringt.

Friedrich: Ich finde das interessant, habe aber den Kontakt nach außen noch nicht viel kennengelernt — ich habe als Werkstudent gearbeitet, da greift man eher zum Hörer Richtung Hersteller. Mich schreckt teilweise ab, dass es sehr viele Abstimmungen gibt, man ist viel am Reden und Abstimmen, nicht nur am technischen Planen und Auslegen. Am coolsten finde ich den Umgang mit den Kollegen und die Schnittstellen zwischen den Gewerken. Mich reizt das Technische sehr, und dass es immer ein Kampf zwischen den Gewerken ist: Ist es wichtiger, dass der Heizkörper nicht zu sehen ist, oder dass es warm wird im Raum? Zwischen Funktionalität und Ästhetik — es gibt unzählige Konfliktmöglichkeiten.

Welche Rolle spielen Informatik und KI im Studiengang?

Friedrich: Wo ich die neuen KI-Tools interessant finde, die uns heute von Sven-Erik vorgestellt wurden: wie man es schafft, nicht dauerhaft in Teamsitzungen mit zehn Leuten zu sitzen, sondern Sachen schneller zu handeln. Was diesen Studiengang einzigartig macht, ist die Informatik: Wenn man weiß, wie man programmiert und Python-Code schreibt, kann man sich das Leben einfacher machen, egal in welche Richtung man geht. Mit einem Modul reicht das nicht — wir hatten drei Module Informatik und sind so bei Machine Learning angekommen, haben dann Daten gesammelt, gereinigt und mit Machine Learning ausgewertet. Das ist eine andere Ebene, als nur Software zu nutzen, und nicht mehr diese Blackbox, in die man etwas reinschmeißt und alles rauskommt.

Lennart: Wir haben quasi die gesamte Pipeline einmal mitgesehen, worauf etwas wie Edifion fußt.

Roman: Das, was ihr bei Machine Learning gesehen habt, ist ja eine andere Anwendung als die Large Language Models — da seid ihr in einem anderen Bereich unterwegs.

Friedrich: KI ist eine Art von Machine Learning. Wir haben einfachere Modelle als das, was hinter ChatGPT steht — das sind neuronale Netze, die hatten wir noch nicht. Wir haben Random Forests und Principal Component Analysis, einfachere Verfahren. Machine Learning ist der Oberbegriff, Large Language Models sind eine Familie davon, und neuronale Netze sind eine Art von Machine Learning.

Wird KI die Systemplanung in der TGA ersetzen?

Roman: Ich habe nie richtig gelernt, Systeme zu planen oder zu zeichnen — das wirst du bis zum Ende deines Berufslebens vermissen. Heute gab es die Unkenrufe, dass KI die Systemplanung in Zukunft ersetzen wird. Seht ihr das auch so?

Friedrich: Nach dem, was ich heute von M&P gesehen habe, wie ein Lüftungsnetz gezeichnet wurde — ich glaube schon. Am Ende sind das IFC-Modelle, also textbasiert, das können verschiedene Programme auslesen. Warum sollte eine KI das nicht verstehen und selber bauen, wenn ich sage, was ich haben möchte? Es sind am Ende regelbasierte Systeme. Was gerade neu ist, und was ich vielleicht in die Bachelorarbeit nehme, ist Neurosymbolic AI — eine Mischung aus neuronalen Netzen und regelbasierter, symbolischer KI. Es ist wahnsinnig komplex. Ich hoffe nicht, dass die Systemplanung ersetzt wird; in Anbetracht des Fachkräftemangels treibt das niemanden in die Arbeitslosigkeit, sondern führt eher zu besseren Systemen.

Sören: Wir haben festgestellt, dass sich das, was über KI kommt, erst bei etwa 30 Prozent von dem bewegt, was übernommen werden kann. Das heißt kein hundertprozentiges Abschaffen, sondern eher eine Transformation der Berufsfelder. Vielleicht existieren die klassischen Rollen gar nicht mehr so, sondern bündeln sich in einer Person, die Zeichnerisches, Planerisches und das Agieren im Projektteam übernimmt — das füllt schnell die 30 Prozent, die wir KI-mäßig sparen, weil wir effizienter werden.

Wie ist es, einen brandneuen Studiengang mitzustudieren?

Roman: Ihr seid jetzt in Hamburg zufrieden, gerade wegen des Informatik-Schwerpunkts. Habt ihr schon Austausch mit anderen Hochschulen gehabt?

René: Mit anderen Hochschulen haben wir noch keinen direkten Austausch — wir waren sehr mit uns selbst beschäftigt, was die Organisation angeht.

Friedrich: Wir belegen dieses Semester vier Kurse an der TU Hamburg mit Verfahrenstechnikern, Maschinenbauern mit Schwerpunkt Energietechnik und, glaube ich, auch Schiffbauern. Da haben wir schon Kontakte geknüpft. Es würde uns guttun, mit anderen Studierenden in Kontakt zu treten, weil wir noch wenig Strahlkraft haben — dieses Event heute könnte viel größer sein, es waren fast mehr Leute aus der Praxis da als Studierende. Der Bedarf aus der Branche besteht auf jeden Fall. Der Studiengang könnte viele ansprechen: Es ist Ingenieur, es ist technisch, aber wir studieren nicht nur an der grauen TU Hamburg, sondern hier in der HafenCity an der Elbe, in einem schönen Gebäude mit Architekten und Bauingenieuren. Wir haben ingenieurstechnische, verfahrenstechnische Elemente, aber eben nicht ausschließlich.

Roman: Von den sieben, die nicht mehr dabei sind — gibt es einen allgemeinen Grund, oder sind das individuelle Gründe?

Friedrich: Es ist zulassungsfrei und schwer. Es fangen Leute an, die es interessant finden, aber er wurde nicht so beworben, wie er im Studium tatsächlich existiert. Zuerst waren die TU-Hamburg-Fächer nicht mit drin; dann wurde von der Stadt Hamburg ein TGA-Studiengang ausgeschrieben, in den mehr Verfahrenstechnik rein musste, und so kam die TU Hamburg dazu. Viele Module, die wir belegen, werden zum ersten Mal gelehrt — das ist ein dynamischer Prozess, es gab sogar eine Lehrevaluation in Person. Es war auch unmöglich, den Studiengang so zu bewerben, wie er am Ende geworden ist; wir haben viel mitgesprochen.

Lennart: Die Grundlagen sind mit den Bauenden zusammen — Mathe, Technische Mechanik, Statik. Da ist die Durchfall- und vor allem die Abbruchquote irgendwie bei 50 Prozent, auf unseren Studiengang bezogen.

René: Das sind diese klassischen Aushebesemester am Anfang.

Friedrich: Man muss sich dem bewusst sein, wenn man das Studium anfängt: Es ist eigentlich in jedem Fach Mathe — ob Physik oder Strömungsmechanik, alles ist Mathe. Man muss Mathe schon ein bisschen mögen, aber es ist machbar. Und wenn man sich richtig gefragt fühlen möchte, ist das der richtige Studiengang, denn es gibt alle Nase lang Werkstudentenangebote.

Roman: Vielen Dank euch. Ich würde unsere erste HCU-Runde und unseren ersten Videopodcast damit beenden — ich fand es gut, dass wir uns Zeit genommen haben, über jeden von euch zu sprechen und zu sehen, wo ihr herkommt und wo ihr gelandet seid.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Was zeichnet den Studiengang TGA und Digitale Infrastruktur an der HCU aus?

Sein Alleinstellungsmerkmal ist der Informatik-Schwerpunkt: Über drei Informatik-Module gelangen die Studierenden zu Machine Learning, lernen Programmieren (Python), sammeln und reinigen Daten und werten sie aus. Neben den klassischen Gewerken erwerben sie damit ein Werkzeug, das laut den Studierenden eine andere Ebene als reine Softwarenutzung darstellt. Studiert wird teils an der HafenCity Universität, teils an der TU Hamburg.

Wie kommen Studierende typischerweise in diesen Studiengang?

Im Gespräch sind alle drei Gäste Quereinsteiger: einer wechselte intern vom Bauingenieurwesen (bis zum achten Semester), einer kam von zwei Jahren Psychologie in den USA über nachhaltige Gebäudetechnik in Lübeck, einer aus einem bauingenieurnahen Elternhaus. Mehrere wurden über den Podcast auf den Studiengang aufmerksam. Quereinstieg wird im Gespräch als üblich und prägend für die TGA beschrieben.

Was ist der Unterschied zwischen Machine Learning, Large Language Models und KI?

Laut den Studierenden ist Machine Learning der Oberbegriff. Large Language Models sind eine Familie davon, und neuronale Netze sind eine Art von Machine Learning. Im Studium wurden einfachere Verfahren wie Random Forests und Principal Component Analysis behandelt; neuronale Netze, wie sie hinter ChatGPT stehen, noch nicht.

Kann KI die Systemplanung in der TGA übernehmen?

Ein Studierender hält das für möglich, weil Systemplanung am Ende IFC-Modelle erzeugt — textbasiert und damit für KI lesbar — und auf regelbasierten Systemen beruht. Ein neuer Ansatz dafür ist Neurosymbolic AI, eine Mischung aus neuronalen Netzen und regelbasierter, symbolischer KI. Statt Arbeitsplätze zu vernichten, dürfte KI angesichts des Fachkräftemangels eher zu besseren Systemen führen.

Wie weit reicht die Übernahme von Aufgaben durch KI in der Planung nach Einschätzung der Hosts?

Sören verweist darauf, dass sich das durch KI Übernehmbare bislang erst bei etwa 30 Prozent bewegt. Das bedeute kein vollständiges Abschaffen, sondern eine Transformation der Berufsfelder: Klassische Rollen könnten sich stärker in einzelnen Personen bündeln, die zeichnerische, planerische und Projektteam-Kompetenzen vereinen.

Wie anspruchsvoll ist der Einstieg in den Studiengang?

Der Studiengang ist zulassungsfrei, aber fachlich hart. Die Grundlagen (Mathe, Technische Mechanik, Statik) werden mit den Bauingenieuren absolviert; die Abbruchquote liegt nach Schilderung eines Studierenden bei rund 50 Prozent. Mathe-Affinität wird als Voraussetzung genannt, da Physik und Strömungsmechanik stark darauf aufbauen.

Zitate

KI ist eine Art von Machine Learning. Machine Learning ist der Oberbegriff, Large Language Models sind eine Familie davon."

Friedrich

Am Ende sind das IFC-Modelle, also textbasiert — warum sollte eine KI das nicht verstehen und selber bauen?"

Friedrich

Das heißt kein hundertprozentiges Abschaffen, sondern eher eine Transformation der Berufsfelder."

Sören Janson

Es ist eigentlich in jedem Fach Mathe — man muss Mathe schon ein bisschen mögen. Aber es ist machbar."

Friedrich

Zahlen & Fakten

Der Jahrgang startete mit elf Studierenden und ist bis zum fünften Semester auf vier geschrumpft.

Quelle: René

Die Abbruchquote in den gemeinsam mit den Bauingenieuren absolvierten Grundlagen (Mathe, Technische Mechanik, Statik) liegt bei rund 50 Prozent, bezogen auf den Studiengang.

Quelle: Lennart

Der Studiengang umfasst drei Informatik-Module, über die die Studierenden zu Machine Learning gelangen.

Quelle: Friedrich

Das durch KI Übernehmbare bewegt sich bislang erst bei etwa 30 Prozent.

Quelle: Sören Janson

Glossar

Machine Learning
Im Gespräch beschriebener Oberbegriff; umfasst u.a. einfachere Verfahren wie Random Forests und Principal Component Analysis sowie neuronale Netze und Large Language Models als Teilfamilien.
Neurosymbolic AI
Ansatz, der neuronale Netze mit regelbasierter, symbolischer KI kombiniert; im Gespräch als möglicher Weg für KI-gestützte Systemplanung genannt.
TGA und Digitale Infrastruktur (HCU-Studiengang)
Junger Studiengang an der HafenCity Universität Hamburg, der die klassischen TGA-Gewerke mit einem Informatik-Schwerpunkt (Machine Learning, Programmierung) verbindet; Grundlagen und einzelne Kurse werden gemeinsam mit der TU Hamburg absolviert.
← Mehr zum Thema Aus- und Weiterbildung für die TGA-Planung