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TGA-PlanungAus- und Weiterbildung für die TGA-PlanungFolge #50

tgabar · Bargespräche

Nachwuchs und Mentoring für die TGA-Fachplanung

Folge 5009.10.202234:04 minRoman FritschesGast: Lars Schumacher
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Auf den Punkt

Der TGA-Branche fehlt Nachwuchs, weil das Berufsbild unbekannt und der Begriff TGA unattraktiv ist. Roman Fritsches und Lars Schumacher schlagen zwei Hebel vor: junge Menschen früh über kurze, digitale Reels auf Social Media für das Berufsbild begeistern, und Berufseinsteiger über ein strukturiertes Mentoring-Programm aus zwölf Modulen praxistauglich machen.

Transkript

Warum ist Nachwuchs gerade jetzt das drängende Thema für die TGA?

Roman: Moin Moin und herzlich willkommen zum einzigen Podcast von der TGA-Bar. Sören Janson ist heute nicht dabei, der hat an der Bar eine kleine Auszeit genommen. Ich freue mich aber total, dass mein weiterer Barkeeper Lars Schumacher hier ist.

Lars: Hallo Roman, ich freue mich auch, und vor allen Dingen, dass ich mal live in Hamburg dabei sein darf.

Roman: Heute geht es um das Thema Nachwuchs. Wir haben in der letzten Happy Hour am 26.08. eine kleine Umfrage gemacht und gefragt, welche Themen für euch besonders interessant sind. Platz 1 war die neue VDI 6026, Thema 2 war Änderungsmanagement, und Thema 3 war Nachwuchs.

Lars: Zurecht. Das ist das Thema, das seit Jahren hochkommt und uns immer mehr vor Augen geführt wird: dass der Nachwuchs demnächst wirklich nicht mehr da ist. Wir müssen jetzt agieren, heute und nicht erst morgen.

Roman: Wollen wir das Problem erst beschreiben, bevor wir in die Lösung gehen? Wir bleiben bei der Grundlagenermittlung, wir machen erst mal Leistungsphase 1, bevor wir in die Vorplanung gehen.

Lars: Die TGA gewinnt seit Jahren an Bedeutung. Es wird immer Bautätigkeit geben, und sie wird komplexer: Klimawandel, Energieeinsparung, intelligente, smarte Gebäude. Dazu brauchen wir kluge Köpfe. Aber in den Planungsbüros in Deutschland haben wir viel zu wenig Nachwuchs, an den Unis sind viel zu wenig Studierende, und in dem Stadium, in dem junge Menschen sich für einen beruflichen Weg entscheiden, ist die TGA überhaupt nicht präsent. Die wissen gar nicht, was das ist und was man da Tolles erreichen kann.

Warum kennt kaum jemand das Berufsbild der TGA?

Roman: Das Berufsbild ist unbekannt. Wenn ich erkläre, dass wir uns um effiziente, nachhaltige Gebäude kümmern, kommt sofort: „Ach, du bist Architekt." Nein. Ich stehe neben dem Architekten und kümmere mich um die Funktion des Gebäudes, dass es so funktioniert, wie die Nutzer es brauchen. Der Architekt kümmert sich eher um Gestaltung und Kubatur. Aber das, was am Ende Behaglichkeit und Funktionsfähigkeit ausmacht, ist unser Thema. Die wahre Begeisterung kommt erst, wenn man zeigt, dass wir nachhaltige Gebäude schaffen.

Lars: Wir helfen, die Welt von morgen lebenswerter zu machen und energieneutral zu agieren. Wenn man das transparent erzählt, ist die Begeisterung da. Aber wenn man sagt „TGA, Heizung, Sanitär", ist das nicht genug. Die Chance ist heute so groß wie nie: Wärmepumpen, hydraulischer Abgleich, wassersparende Duschköpfe sind in aller Munde. Das Feld ist bereitet, wir müssen jetzt rangehen.

Roman: Unser Leistungsbild ist unklar. „TGA" sind drei Buchstaben ohne Bedeutung für die meisten. „Gebäude- und Energietechnik" ist vielleicht verständlicher. Und dann muss man klarmachen, was das für die gesellschaftliche Bewegung weg vom Gas bedeutet — da sind wir ein ganz großer Treiber.

Lars: Wir werden uns auch von Menschen helfen lassen müssen, die von der Medienseite kommen und die Begrifflichkeiten so verpacken, dass sich keiner ausgeschlossen fühlt.

Wie kann man junge Menschen über Videos und Social Media für die TGA gewinnen?

Roman: Ich hatte 2016 schon einen Ansatz: ein Video auf einer Ausbildungswebsite, eine Werbung für Gebäudeenergieplanung — sperriger Begriff, aber schon sexier als TGA. Wir sind auf die Baustelle gefahren, haben eine junge Praktikantin gezeigt, die heute Führungskraft im Unternehmen ist. Das hat Spaß gemacht und ging in einem Rutsch, ohne 45 Takes pro Szene.

Lars: Die Generation, die wir ansprechen, ist videoaffin und möchte durch Bilder überzeugt werden. Baustelle und Planungsalltag zu zeigen ist interessant, aber es muss rauskommen, dass wir nicht die verstaubte Branche mit Bleistift und Zollstock sind, sondern digital, innovativ und smart unterwegs. Das Image der alten grauen Männer am Papierplan müssen wir überwinden.

Roman: Das ist auch nicht mehr so. Wir haben hier einen Kollegen Ende 20, nebenbei in einer Punkband, einer der großartigsten Projektleiter, den ich kenne — kann selbst planen, ein Team führen und baut nebenbei im Ahrtal mit auf. Solche Menschen, die die Welt verändern wollen, suchen wir.

Lars: Die geben auch ein gutes Bild in einer Kampagne ab: dass wir divers sind, verschiedene Charaktere ansprechen und alle brauchen, die einen klugen Gedanken haben.

Roman: Gehen wir Richtung Entwurf: Videos, Reels, kurze Schnipsel, wie wir sie bei Instagram alle gelernt haben. Meine Kinder gucken nur noch 10-Sekunden-Videos. Lass uns Digitalisierung zeigen, zeigen, dass es cool ist. Ich habe ein Video gesehen, in dem ein QR-Code an einer Stütze hängt: Du hältst dein Handy dran und siehst per Augmented Reality die Planung im Rohbau. Solche Visualisierungen greifen.

Lars: Das schafft auch Vertrauen bei den Personen, die wir in zehn, fünfzehn Jahren in der Branche sehen möchten. Sie sind gewohnt, digital unterwegs zu sein, und würden etwas vermissen, wenn wir nur den Zollstock zeigen. So geht Planen und Bauen 4.0 — und das wird morgen umgesetzt.

Roman: Man könnte auch Fachinhalte zeigen: Wir kennen uns mit allen Wärmepumpentypen aus, egal ob Sole-Wasser, Luft-Wasser oder Meerwasser-Wärmepumpen. Wir reden über SCOPs und nicht nur über COPs wie alle anderen. Gerade unterhält sich die ganze Welt mit Halbwissen über Wärmepumpen. Dasselbe gilt für Photovoltaik: Eine Solaranlagenplanung ist für uns TGA-Planer eines der lustigeren Gewerke, hat aber viele Punkte, die richtig und falsch laufen können. Darüber reden jetzt alle, das greift.

Lars: Das Medium muss klar sein — TikTok, Instagram, Snapchat, wo die jungen Leute sich tummeln. Mit kurzen, coolen Dingen geht das auf mittlere Sicht in die Köpfe. Das müssen wir machen, und zwar morgen, Roman.

Sollte man den Begriff TGA behalten oder einen neuen schaffen?

Roman: Wir machen Reels zu Digitalisierung, PV-Anlagen, Wärmepumpen. Ich habe solche Initiativen bei befreundeten Ingenieurbüros gesehen — das Büro Pinck hat ein tolles Video im James-Bond-Style gemacht. Großes Kompliment. Aber es ist Werbung für ein einzelnes Büro; um wirklich Schüler anzusprechen und zu sagen „studiert TGA", reicht das nicht. Man könnte überlegen, den Begriff TGA zu behalten, weil er bekannt ist, und ihn publik machen — vielleicht ein bisschen lustig, etwa: „Robert Habeck, was ist eigentlich TGA? Du kannst doch sonst alles erklären." Eigentlich müsste es seit 2013 sogar TA heißen, aber vielleicht bleiben wir bei TGA. Und das Ganze nicht unternehmensspezifisch, sondern für die ganze Branche. Richtung Vergabe gedacht: Fünf, sechs Reels mit befreundeten Videoproduzenten kosten gar nicht so viel.

Lars: Du sprichst einen wichtigen Punkt an: Die Eitelkeiten und das Silo-Denken der einzelnen TGA-Büros müssen wir überwinden. Nur als Gemeinschaft, als Schwarmwissen, werden wir Erfolg haben. Das heißt nicht, dass es keine Konkurrenz mehr gibt, aber dass wir uns auf die wichtigen Dinge fokussieren und beim nächsten Mal Pinck mit reinnehmen und gemeinsam coole Dinge machen.

Wie kann ein Ausbildungs- und Studienangebot Nachwuchs binden?

Roman: Meine besten Kollegen sind Leute, die bei uns eine Ausbildung als Systemplaner gemacht und dann ein Studium draufgesetzt haben — das sind die Vollprofis. Das ist auch ein Angebot an Schüler: Bei uns kannst du nicht nur studieren und dann arbeiten, sondern eine Ausbildung in der Systemplanung machen, dein Studium obendrauf setzen — und wir finanzieren dir das Studium, weil du nebenbei arbeitest. Und nicht für 12 Euro die Stunde, sondern für 17,50 oder 20 Euro, weil du schon was kannst. Das Studium ist erst mal ein Risiko: Schaffe ich es, wie finanziere ich es, wie ziehe ich aus bei steigenden Energiekosten? Dieses Angebot würde ziehen.

Lars: Es müssen verschiedene Angebote kommen. Manche wollen das klassische Studium ohne Abhängigkeit von einem Unternehmen, andere wollen genau diesen frühen Karrierepfad. Systemplanung in der TGA ist sexy: Wenn ich etwas konstruiere und ein Jahr später eingebaut sehe und den glücklichen Bauherrn erlebe, ist das ein tolles Gefühl. In welcher anderen Branche sieht man so schnell, was man vorher digital als Twin produziert hat?

Roman: Du bist Teil der Energiewende, sogar Gestalter, und siehst am Ende, was du gebaut hast. Wir bieten unserem Kollegen, der in den nächsten Jahren in Rente geht, einen gelben Schulbus an und fahren alle seine Bauvorhaben in Hamburg ab: Das habe ich geplant, das habe ich gemacht. Das ist motivierend.

Lars: Das könnte eine Reel-Serie sein: Einstieg als junge Systemplanerin, Entwicklung über die Jahre, am Ende der gelbe Schulbus und das letzte Bier vor dem Ruhestand.

Roman: Wir planen also ein paar Reels, um Schüler für die System- und Fachplanung zu gewinnen.

Warum springen junge Projektingenieure ins kalte Wasser, und was hilft dagegen?

Roman: Im Studium lernt man viel Fachliches — wie plane und rechne ich Anlagen, wie lege ich aus. Irgendwann geht es Richtung Projektleitung oder erstes eigenes Projekt, und dann kommt das kalte Wasser. Als Endzwanziger stehst du da und denkst: Was? Und das gilt nicht nur für studierte Gebäudetechniker, sondern auch für Quereinsteiger, die 50, 60, 70 Prozent unserer Kollegen ausmachen. Ich selbst bin Wirtschaftsingenieur mit Maschinenbau — Strömungslehre und Thermodynamik, der zweite Hauptsatz, das brauchst du später wieder. Und dann stürmen Bauherrenvertreter, Projektsteuerer, Architekt, Energieberater und Tragwerksplaner auf dich ein, und du denkst: Was muss ich eigentlich tun?

Lars: Das ist ein Widerspruch in sich: Wir haben zu wenige Studierende, und die wenigen werden nicht praxistauglich in den Beruf entlassen. Das demotiviert alle Beteiligten, auch die Teams. Da müssen wir überlegen, wie wir den Übergang besser und smarter hinbekommen.

Wie könnte ein strukturiertes Mentoring-Programm aus zwölf Modulen aussehen?

Roman: Du hast mir einen Link zu einem Mentoring-Programm für Architekten geschickt: Erfahrene begleiten junge Berufseinsteiger in den ersten Monaten und Jahren intensiv. In größeren Unternehmen passiert das oft automatisch, aber gerade bei kleineren Büros hat der Projektleiter keine Zeit, und dann muss die junge Projektingenieurin allein ran.

Lars: Auf dem Papier gibt es viele Mentoring-Programme, auch bei uns bei Sweco und bei kleineren Büros. Aber sie haben noch nicht die Verlässlichkeit und Ernsthaftigkeit, die nötig wäre, damit beide Seiten in kurzer Zeit eine höhere Zufriedenheit erreichen.

Roman: Dieser Podcast und die Bar fokussieren stark auf Projektmanagement, also das, was um die Fachplanung herum passiert. Fachplaner denken oft: „Ich mache doch Fachplanung, den Rest macht der Projektsteuerer." Aber das stimmt nicht. Es fängt damit an, die Leistungsbilder der anderen zu kennen und zu verstehen. Das wäre der erste Teil eines Mentoring-Programms: Vier Stunden mit Studierenden und jungen Projektingenieuren hinsetzen und die Grundlagen durchgehen — das steht in den HOAI-Leistungsbildern, das in den anderen Leistungsbildern, das im AHO-Heft Nummer 9 für die Projektsteuerung. Das ist Bedarfsplanung, das ist die DIN zur Bedarfsplanung, das schuldet dir der Bauherr. Das wäre der erste von zwölf Terminen — zwölf als magische Zahl, also ein Jahr.

Lars: Gut, dass man jeden Monat einmal Zeit hat, beidseitig: die Mentoren und die, die es bekommen.

Roman: Die nächsten Themen sind klar: die VDI 6026 fernab der HOAI, BIM mit AIA und BAP — was muss ich beachten, wenn ein BAP geschrieben wird, was muss in der AIA stehen. Dann VDI 6026: was steht drin, was will ich vereinbaren. Und weitere Themen: agiles Projektmanagement, Änderungsmanagement.

Lars: Nachhaltigkeit in der Praxis — es gibt so viele Themen, mit denen wir Studierende schnell auf ein anderes Level heben. Letzte Woche hatte ich ein Gespräch mit einer Kollegin, die nicht genau wusste, wo die Schnittstelle bei der Sanitärplanung im Regenwasser ist und wer wem was liefern muss. Weil beide Seiten, Architekt und wir, die Schnittstelle nicht kannten, wurde etwas übersehen — total gefährlich. Solche Themen kriegt man schnell visualisiert und geschult, kein Vorgang von Jahren, sondern ein knackiger Vier-Stunden-Termin. Danach hat man die Awareness: Ich muss immer schauen, wie die Abstimmung mit anderen Planungsbeteiligten ist, denn das Gesamtwerk ist immer integral. Wer TGA oder Versorgungstechnik studiert, denkt vielleicht, das sei ein singulärer Vorgang. Ist es aber nicht — es ist ein hochkomplexer Multiteam-Vorgang, der gesteuert werden muss.

Welche Rolle spielt die DIN 276 für die Klärung von Schnittstellen?

Roman: Als Fachplaner kann ich unterstützen, indem ich mein Buch rausziehe. Die Idee: ein Buch mit zwölf Kapiteln — das Black Book oder White Book von der Bar. Die jungen Projektingenieure schlagen auf Seite 25 auf und sehen: Hier steht es, DIN 276 — was muss die KG 300 liefern, was die KG 400. Die DIN 276 hatte ich übrigens in meinem Training zu Aufgaben und Schnittstellen vergessen, dabei steht da ganz viel drin.

Lars: Da steht unglaublich viel drin. Zum Regenwasser konnte ich schnell sagen: Guck in die Kostengruppe 363, da ist das Regenwasser nicht bei der Technik verortet, sondern erst mal beim Architekten. Das führte zu großem Erstaunen.

Roman: Dasselbe beim Thema Baubeheizung: Die Beheizung der Baustelle steht in der Kostengruppe 300. Oder Medientechnik: Es gibt die Anlagengruppe 7, aber in der Anlagengruppe 5 auch Medientechnik für Bühnen — das kann als eigenes Leistungsbild angeboten werden. Solches Detailwissen hat in der Praxis immer nur ein Kollege, der es gerade hatte, und dann geht es wieder verschütt.

Lars: Man kann das auch nicht einer einzelnen Projektleitung überstülpen. Bei einem großen Projekt mit zehn, zwölf Personen braucht jeder die Wahrnehmung und Urteilskraft, was von mir und was von einem anderen zu liefern ist. Das heißt nicht, Verantwortung wegzuschieben, sondern Verantwortung klarzumachen und ein integrales Werk zu schaffen. Wir schaffen die Klarheit, die bisher manchmal gefehlt hat.

Roman: Ich möchte kein Einhorn sein, sondern ein Zebra, weil ich als einzelne Person Dinge vergesse. Deshalb meine Aufforderung an die Bar und alle Bargäste: Bringt euch aktiver ein. Wer beim Thema Schnittstellen viel zur DIN 276 weiß, soll mitarbeiten, damit diese Trainingseinheit für die Studierenden besser wird oder überhaupt erst entsteht. Mit der magischen Zahl zwölf versuchen wir, zwölf Themen zu clustern.

Lars: Wir sind da relativ komplett, glaube ich.

Roman: Das Thema BIM ist mit Professor Wimmer schon besetzt, beim Thema Nachhaltigkeit müssen wir noch überlegen — vielleicht kommt die Lebenszyklusanalyse rein. Da sind wir auch zu dritt als Barkeeper nicht perfekt und brauchen unbedingt eure Hilfe an der Bar.

Lars: Das ist ein ganz offener Aufruf — nicht weil wir es nicht leisten können, sondern weil wir etwas übersehen. Es geht um uns alle und unsere Zukunft, dass wir genügend tolle Kolleginnen und Kollegen haben. Wenn alle ein bisschen bringen, ist es für jeden überschaubar.

Roman: Vielen Dank, Lars, für das tolle Interview. Wir hatten zwei Themen und sind bei beiden fast in die Bauüberwachung gekommen.

Lars: Vielen Dank für die Einladung, Roman. Tschüss.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Warum fehlt der TGA-Branche der Nachwuchs?

Das Berufsbild ist unbekannt: Junge Menschen wissen in der Phase, in der sie ihren beruflichen Weg wählen, nicht, was TGA ist. Der Begriff selbst grenzt aus und wirkt unattraktiv, an den Hochschulen gibt es zu wenige Studierende, und gleichzeitig wächst die Bedeutung der TGA durch Klimawandel, Energieeinsparung und smarte Gebäude.

Wie will die tgabar junge Menschen für die TGA begeistern?

Über kurze, digitale Videos und Reels auf Plattformen wie TikTok und Instagram, wo sich die junge, videoaffine Zielgruppe aufhält. Inhaltlich soll gezeigt werden, dass die Branche digital, innovativ und smart ist (etwa Augmented Reality über QR-Codes auf der Baustelle), nicht die verstaubte Branche mit Bleistift und Zollstock. Die Kampagne soll branchenweit statt unternehmensspezifisch sein.

Welches Ausbildungs- und Finanzierungsmodell schlagen die Hosts vor?

Schülern wird angeboten, zuerst eine Ausbildung zum Systemplaner im Büro zu machen und darauf ein Studium zu setzen, das vom Unternehmen finanziert wird, weil die Person nebenbei arbeitet — und das zu einem höheren Stundenlohn (genannt 17,50 bis 20 Euro statt 12 Euro), weil sie bereits etwas kann. Das senkt das finanzielle Risiko eines Studiums.

Warum geraten junge Projektingenieure beim Berufseinstieg ins kalte Wasser?

Im Studium wird viel Fachliches gelehrt, aber kaum Projektmanagement und der Umgang mit der Drucksituation. Beim ersten eigenen Projekt stürmen Bauherrenvertreter, Projektsteuerer, Architekt, Energieberater und Tragwerksplaner auf den Einsteiger ein. Das betrifft auch Quereinsteiger, die laut den Hosts 50 bis 70 Prozent der Kollegen ausmachen.

Wie könnte ein Mentoring-Programm für TGA-Berufseinsteiger aufgebaut sein?

Als Reihe von zwölf Modulen über ein Jahr, je etwa ein Vier-Stunden-Termin pro Monat, beidseitig zwischen Mentor und Einsteiger. Der erste Teil vermittelt die Grundlagen: die Leistungsbilder der HOAI und anderer Beteiligter, das AHO-Heft Nr. 9 zur Projektsteuerung und die DIN zur Bedarfsplanung. Weitere Themen sind unter anderem Schnittstellen, VDI 6026, BIM (AIA und BAP), agiles Projektmanagement, Änderungsmanagement und Nachhaltigkeit.

Welche Rolle spielt die DIN 276 bei der Klärung von Schnittstellen?

Die DIN 276 ordnet Leistungen über Kostengruppen zu und klärt damit, wer was zu liefern hat. Beispiele aus der Folge: Regenwasser ist in Kostengruppe 363 verortet (zunächst beim Architekten, nicht bei der Technik), die Beheizung der Baustelle steht in der Kostengruppe 300, und Medientechnik kann sowohl der Anlagengruppe 7 als auch — für Bühnen — der Anlagengruppe 5 zugeordnet sein.

Zitate

Der Nachwuchs ist demnächst wirklich nicht mehr da. Wir müssen jetzt agieren, heute und nicht erst morgen."

Lars Schumacher

Der Begriff TGA ist sicherlich nicht der lustmachende Begriff, wenn man ehrlich ist."

Lars Schumacher

Ich möchte kein Einhorn sein, ich möchte ein Zebra sein, weil ich einfach Dinge vergesse und nicht weiß."

Roman Fritsches

Nur als Gemeinschaft oder als Schwarmwissen werden wir wirklich Erfolg haben."

Lars Schumacher

Zahlen & Fakten

Quereinsteiger machen nach Einschätzung der Hosts 50 bis 70 Prozent der TGA-Kollegen aus.

Quelle: Roman Fritsches

Das vorgeschlagene Mentoring-Programm umfasst zwölf Module über ein Jahr, je etwa ein Vier-Stunden-Termin pro Monat.

Regenwasser ist laut DIN 276 in der Kostengruppe 363 verortet, zunächst beim Architekten statt bei der Technik.

Quelle: Lars Schumacher

Die Beheizung der Baustelle ist laut DIN 276 in der Kostengruppe 300 verortet.

Glossar

DIN 276
Norm zur Kostengliederung über Kostengruppen; ordnet Leistungen zu und klärt Schnittstellen (z. B. Regenwasser in KG 363, Baubeheizung in KG 300).
Kostengruppe (KG 300/400)
Gliederungseinheit der DIN 276; KG 300 Bauwerk-Baukonstruktionen, KG 400 Bauwerk-Technische Anlagen, mit definierten Lieferzuständigkeiten.
Mentoring-Programm
Strukturierte Begleitung von Berufseinsteigern durch Erfahrene; hier konzipiert als zwölf monatliche Vier-Stunden-Module über ein Jahr.
TGA (Technische Gebäudeausrüstung)
Disziplin, die sich um die Funktion des Gebäudes kümmert (Behaglichkeit, Funktionsfähigkeit), ergänzend zur Gestaltung durch den Architekten; in der Folge als bekannt, aber unattraktiv und ausgrenzend beschrieben.
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