TGA-Planung › Aus- und Weiterbildung für die TGA-Planung › Folge #55
tgabar · BargesprächeMentoring für TGA-Projektleitende
Berufseinsteiger werden in der TGA-Fachplanung oft unvorbereitet ins kalte Wasser geworfen. Die tgabar entwirft dagegen ein strukturiertes Mentoring-Programm: zwölf Trainings über zwölf Monate, in denen erfahrene Mentoren junge Projektleitende schulen. Inhalte sind Leistungsbilder, Schnittstellen, modernes und digitales Projektmanagement, BIM, Kostenplanung, Nachträge und kreislaufgerechte TGA, begleitet von einem gedruckten Weißbuch der Projektleitung.
Transkript
Warum fühlt sich der Einstieg in die TGA-Projektleitung wie kaltes Wasser an?
Roman: Moin moin aus Hamburg und herzlich willkommen zum einzigen Podcast von der tgabar.de. Sören Janson und Roman Fritsches sitzen wieder an der Bar und reflektieren nicht nur Seminare, sondern fragen sich auch, wie wir die Welt verbessern können. Am Anfang hieß es: der einzige Podcast zum Thema Projektmanagement in der TGA. Wir haben die Themen inzwischen aufgebohrt — wir schauen uns mehr die Community an und fragen, was die TGA-Fachplanenden brauchen. Und das ist zum großen Teil Projektmanagement.
Sören: New Work, agiles Projektmanagement. Es gibt genug Worte, die das umschreiben.
Roman: Was haben wir im letzten Jahr gelernt? Dass Projektleitung in der TGA-Fachplanung erst einmal kaltes Wasser ist, in dem man schwimmen lernen muss.
Sören: Man wird einfach reingeschubst. Man fängt nach dem Studium an und dann heißt es: mach mal.
Roman: Das erzählte mir auch Lars, und das haben wir in diversen Interviews gehört. Die jungen Projektleitenden fallen in kaltes Wasser von maximal fünf Grad und werden in eine Planungsbesprechung geschubst. Da sitzt der Bauherrenvertreter, der Projektsteuerer, die Architekten, die Tragwerksplaner. Alle kennen sich und fragen: Was will der oder die denn jetzt? Da kommt schon wieder die TGA, da gibt es Probleme. Auch als alter Hase fragt man sich manchmal: Mit wem streite ich mich wohl später? Die Studierenden sagen: Ich habe keine Lust, bei fünf Grad schwimmen zu lernen — kannst du nicht ein bisschen aufheizen, auf Badewannentemperatur? Ein angenehmes Schwimmtraining mit ein paar Schwimmhilfen, einer nicht ganz so starken Gegenstromanlage. Ein Wohlfühlklima eben.
Was ist die Idee hinter einem Mentoring-Programm für junge Projektleitende?
Sören: Dieses kalte Wasser sind wir alle durchgegangen. Auch Geschäftsführer sagen heute: Das war eine harte Schule, es hätte nicht sein müssen. Es hat mich zu dem gemacht, der ich bin — aber wenn man das anders gestalten könnte, wäre das total toll.
Roman: Die Entscheider sagen, es muss nicht so sein, und die Betroffenen sagen, es muss nicht so sein. Also gibt es ein Problem, und wir machen eine Lösung. Wenn wir in der Grundlagenermittlung fragen, was passieren müsste: Erfahrene Personen sollten unerfahrene Personen im Bereich Projektleitung trainieren. Ersetzt man die erfahrene Person durch „Mentor" und die unerfahrene durch „Mentee", landet man beim Lösungsansatz Mentoring. Erfahrene Projektleitende schulen und trainieren junge, unerfahrene Personen im Bereich Projektleitung für die TGA-Fachplanung und begleiten sie auf den ersten Schritten. Das passiert in jedem Ingenieurberuf — aber unsere Erfahrung ist, dass es nicht so strukturiert und nachhaltig passiert, wie es könnte.
Sören: Ein großer Faktor ist die Zeit. Im Multiprojektmanagement hat man viele Projekte, und dann bekommt man noch jemanden an die Hand, den man begleitet — fast die doppelte Anzahl an Projekten auf einmal.
Roman: Das höchste der Gefühle ist, dass man sich wöchentlich trifft und die jungen Projektleitenden ihre Fragen beantwortet bekommen. Aber das ist aus meiner Sicht noch kein Mentoring-Programm. Das muss strukturierter ablaufen.
Wie ist das Mentoring-Programm aufgebaut?
Roman: Wir haben die Zahl Zwölf in die Mitte gestellt — zwölf Monate hat das Jahr. Das Mentoring-Programm könnte aus zwölf Terminen bestehen, aus zwölf Trainings, die wir strukturiert zusammengebaut haben. Wir glauben, dass man bis zu 20 Mentees hineinbringen könnte; dann gibt es noch Diskussion und Austausch. Einen Großteil könnte man online machen — man trifft sich freitags, reflektiert die Woche und sagt: Beschäftige dich mit diesem Thema. Ein paar Termine sollte man aber in echt machen: am Anfang, damit die Community aus 20 Mentees und der Mentor sich treffen, einmal mittendrin und einmal am Ende zum Reflektieren.
Sören: Wir haben in den letzten Wochen und Monaten gute Themenblöcke ausgearbeitet — Themen, die uns im kalten Wasser begegnen oder vorgelagert ein Vorwissen schaffen.
Welche Themen behandeln die ersten Trainings?
Roman: Wir würden mit Leistungsbildern und Rollen im Bauprojekt anfangen. Die HOAI- und VOB-Leistungsbilder kennen wir alle, aber dann auch die BIM-Leistungsbilder, die nicht alle kennen: Was gibt es an BIM-Manager, Gesamtkoordinator, Fachkoordinator? Da gibt es viele Missverständnisse, die wir aufräumen. Und dann neue Leistungsbilder und Rollen wie der von uns geschätzte Fachplanungskoordinator, oder bei IPA-Projekten und Cradle-to-Cradle, also kreislaufgerechten Projekten, neue Rollen.
Im ersten Termin würden wir unser Weißbuch übergeben: ein unverkäufliches Hardcover-Buch, oldschool auf Papier, nicht digital verfügbar. Darin stehen die relevanten Normauszüge, die relevanten Leistungsbilder, was man aus der VDI 6026 und der DIN 276 wissen muss — alles, was man sich sonst über das Berufsleben zusammenklauben muss, koordiniert an einem Ort. Der Begriff Weißbuch kommt aus der Politik, wurde auch in der IT übernommen und beschreibt Standards und Werkzeuge.
Der zweite Termin sind die Schnittstellen der TGA-Fachplanung. Da geben wir mit, was eine Bedarfsplanung nach DIN 18205 umfassen müsste — also was ich vom Bauherrn fordern kann, bevor ich anfange. Welche AHO-Leistungen gibt es in der Projektsteuerung, und wie teilen sich die Kostengruppen nach DIN 276 auf? Erst die Schnittstellen — was müssen die anderen machen — und dann, was muss ich machen.
Roman: Training drei wären dreieinhalb Stunden zur Teilleistung AHO, die Anlage 15 durchgehen: Wie werden die Leistungen bewertet, wie ergeben sich aus den AHO-Kommentaren die Aufgaben im Detail? Und dann schauen wir uns die VDI 6026 an — die alte und die neue, weil die neue nicht mehr so gut ist wie die alte.
Wie deckt das Programm modernes, digitales und BIM-Projektmanagement ab?
Sören: Training vier ist modernes Projektmanagement: Welche Modelle und Wasserfallmodelle haben wir? Was heißt Agilität oder agiles Projektmanagement im Zusammenhang mit BIM, und welche agilen Werkzeuge gibt es — Kanban, Scrum? Was ist gute Kommunikation im Projekt?
Roman: Danach folgt ein Trainingsblock zum digitalen Projektmanagement, etwa MS Teams.
Sören: Wie übernehmen wir das, was man aus dem Lehrbuch kennt, in die aktive Arbeitswelt? Wie organisiert, koordiniert und kommuniziert man, und wie betreibt man Informationsaustausch?
Roman: Jetzt kommt der Punkt, an dem die jungen Projektleitenden das Wasser selbst erwärmen und sogar wärmer machen, als die Geschäftsleitung es könnte — weil sie mit modernsten Tools versorgt werden, die die alten Hasen noch gar nicht kennen. Sie können gleich mit Wissen glänzen. Dann kommt Reinhard Wimmer, Professor Wimmer, der das Thema BIM-Rollen, BIM-Prozess, AIA und BAP vertieft und auch auf Software-Topologien im Bereich BIM eingeht. Da haben die zukünftigen Projektleitenden ein Wissen, das ein Großteil der Branche in der Tiefe nicht hat.
Welche Trainings widmen sich Kosten, Nachträgen und Bauüberwachung?
Roman: Training sieben ist Kostenplanung und Kostenverfolgung in der TGA. Wir nehmen die Kostenbegriffe auseinander — BGB, HOAI, DIN 276 — und sind auch da über dem Branchenschnitt, denn viele Architekten wissen gar nicht, wie die Begriffe Rahmenschätzung, Berechnung und so weiter zu benutzen sind und wie die Kostenberechnung im Projekt vorzuschreiben ist.
Teil 8 dauert den ganzen Tag — wir reden jedes Mal von dreieinhalb Stunden Training, also haben wir nach sieben Trainings schon drei Tage hinter uns, und das achte Mal sind vierzehn. Das Thema sind Änderungen und Nachträge in der TGA. Da habe ich große Lust, Paragraph 10 der HOAI auseinanderzunehmen: Abgrenzung von Änderung und Fortschreibung, Änderungen kalkulieren und die Kommunikation von Nachträgen in der Bauphase sehr sensibel und empathisch behandeln. Jetzt kommen wir zu den komplexen Themen — wir sind beim Meister Yoda angekommen, weg vom Padawan.
Punkt neun ist Wirtschaftlichkeit und Kapazitätsplanung im TGA-Projekt. Das würde Lars Schumacher machen, mit dem Thema Kennzahlen, Indikatoren und Lösungen von Schieflagen im Projekt.
Sören: Gerade wenn die Wirtschaft nicht ganz rund läuft, ist ein eigenes Verständnis dafür, wie ich wirtschaftlich arbeite, eminent wichtig — auch wenn man gefühlt nur das kleine Rädchen im Wagen ist. Auch da sollte man anfangen, Vorwissen zu schaffen und zur Anwendung zu bringen.
Roman: Wenn ich mit anderen Projektleitenden die gleichen Themen bespreche, auf meine Projekte schaue und alle gemeinsam mit den richtigen Tools auf ihre Projekte schauen, ergibt sich daraus eine unglaubliche Kompetenz, Qualität und auch Selbstbewusstsein gegenüber den Planungspartnern.
Roman: Dann kommt das Thema Bauüberwachung. Dazu habe ich einen kompetenten Kollegen, der jahrzehntelang Bauleitung gemacht hat und jetzt in der Bauüberwachung ist und den Begriff Bauleitung von Bauüberwachung abgrenzt — da gibt es immer noch Missverständnisse. Die Fachplaner machen nicht Bauleitung vor Ort, sie machen Bauüberwachung. Er holt auch die Objektüberwachung und die Kooperation mit anderen Objektüberwachern und Fachbauleitern nach vorne. Und dann Kernleistung Qualitätssicherung in der TGA: Was heißt das eigentlich auf der Baustelle?
Wie schließt das Programm ab und was kostet es?
Roman: Das vorletzte Training, das elfte, ist Kreislauf- und ressourcengerechte TGA und dauert vier Stunden. Wie plane ich TGA in der Zukunft? Es gibt ein neues Leistungsbild, den Pre-Demolition Auditor, der gerade entsteht — dazu referiere ich, weil ich gerade die DIN SPEC 91484 mit Concular mitentwickle. Was muss passieren, bevor TGA überhaupt abgebrochen werden darf? Wir werfen nichts mehr weg, wir nutzen es wieder, wir machen Repowering. Wie funktionieren Lebenszykluskosten und Analysen wie LCA und LCC? Auch wieder mit BIM-Fokus. Und was bedeutet kreislaufgerechtes Planen und Bauen?
Dann kommt der Abschluss. Wir denken über eine Abschlussprüfung nach — Reinhard sagt, das ist kritisch, weil es so viele Themen sind, wie will man da eine Prüfung draus machen? Wenn der Professor das sagt, kann man schwer widersprechen. Wir müssten das Ganze ordentlich abbinden, das Weißbuch durchblättern und alle Fragen aufarbeiten. Und dann gibt es vielleicht noch ein Alumni-Programm an der tgabar, wo sich alle wiedertreffen.
Dieses Weißbuch beinhaltet in extrem komprimierter Form alles Wissen, das eine Projektleitung braucht — damit es kein Projektleidender wird. Wir diskutieren gerne mit euch und würden uns über Feedback freuen, sowohl von den Studierenden als auch von den Geschäftsleitenden, die das bezahlen müssten. Bei zwölf Terminen und 48 Stunden rechnen wir im Moment mit 3.360 Euro. Vergleichbare Programme mit 48 Stunden Fortbildung kosten 6.000, 7.000, 8.000 Euro oder mehr — das ist also noch bezahlbar.
Die Frage ist, wann und wer das bekommt: Geht man über Masterstudierende, die parallel in einem Unternehmen arbeiten, oder direkt in die Unternehmen mit jungen Fachingenieuren und Systemplanern, die Projektleitung machen wollen? Und: zwölf Monate oder zwölf Wochen? Sören sagt zwölf Monate, ich finde zwölf Wochen auch attraktiv — wer wenig Zeit und viel Stress hat, hat nach drei Monaten schon eine Projektleitung. Dann müsste man sich aber jeden Freitag vier Stunden ins Training begeben. Wir suchen beides — Mentoren und Mentees. Wir machen das Wasser warm.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Was ist das Mentoring-Programm für TGA-Projektleitende?
Ein strukturiertes Fortbildungsprogramm, in dem erfahrene Projektleitende (Mentoren) junge, unerfahrene Berufseinsteiger (Mentees) in der Projektleitung für die TGA-Fachplanung schulen und auf den ersten Schritten begleiten. Ziel ist es, den unstrukturierten Einstieg ins „kalte Wasser" durch ein nachhaltiges, geplantes Training zu ersetzen.
Wie ist das Mentoring-Programm strukturiert?
Es besteht aus zwölf Trainings über zwölf Monate. Ein Großteil kann online stattfinden, etwa freitags zur Wochenreflexion; einige Termine finden in Präsenz statt — am Anfang zum Kennenlernen, einmal in der Mitte und einmal am Ende zur Reflexion. Pro Durchgang sind bis zu 20 Mentees vorgesehen.
Welche Themen umfasst das Mentoring-Programm?
Leistungsbilder und Rollen im Bauprojekt, Schnittstellen der TGA-Fachplanung, AHO-Teilleistungen und die VDI 6026, modernes Projektmanagement (agil, BIM, Kanban, Scrum), digitales Projektmanagement, BIM-Rollen und -Prozesse, Kostenplanung und -verfolgung, Änderungen und Nachträge, Wirtschaftlichkeit und Kapazitätsplanung, Bauüberwachung und Qualitätssicherung sowie kreislauf- und ressourcengerechte TGA.
Was ist das Weißbuch der Projektleitung?
Ein unverkäufliches, gedrucktes Hardcover-Buch, das im ersten Termin an die Mentees übergeben wird. Es bündelt in komprimierter Form alles relevante Wissen: Normauszüge, Leistungsbilder und das Nötige aus VDI 6026 und DIN 276. Der Begriff stammt aus der Politik und wurde in der IT übernommen, wo Weißbücher Standards und Werkzeuge beschreiben.
Was unterscheidet Bauleitung von Bauüberwachung in der TGA?
Die Begriffe werden oft verwechselt. TGA-Fachplaner machen vor Ort nicht Bauleitung, sondern Bauüberwachung. Ein Trainingsblock grenzt die Begriffe ab und behandelt Objektüberwachung, die Kooperation mit anderen Objektüberwachern und Fachbauleitern sowie die Qualitätssicherung in der TGA auf der Baustelle.
Was kostet das Mentoring-Programm?
Bei zwölf Terminen mit insgesamt 48 Stunden rechnen die Hosts derzeit mit etwa 3.360 Euro. Vergleichbare Fortbildungen im Umfang von 48 Stunden kosten nach ihrer Einschätzung 6.000 bis 8.000 Euro oder mehr.
Zitate
„Projektleitung in der TGA-Fachplanung ist erst einmal kaltes Wasser, in dem man schwimmen lernen muss."
— Roman Fritsches
„Man wird einfach reingeschubst. Man fängt nach dem Studium an und dann heißt es: mach mal."
— Sören Janson
„Dieses Weißbuch beinhaltet in extrem komprimierter Form alles Wissen, das eine Projektleitung braucht — damit es kein Projektleidender wird."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Das Mentoring-Programm umfasst zwölf Trainings über zwölf Monate mit insgesamt 48 Stunden.
Pro Durchgang sind bis zu 20 Mentees vorgesehen.
Die Hosts kalkulieren das Programm derzeit mit etwa 3.360 Euro.
Vergleichbare 48-Stunden-Fortbildungen kosten nach Einschätzung der Hosts 6.000 bis 8.000 Euro oder mehr.
Berufseinsteiger in der TGA-Projektleitung starten bildlich gesprochen bei maximal fünf Grad kaltem Wasser.
Glossar
- Bauüberwachung vs. Bauleitung
- TGA-Fachplaner machen vor Ort Bauüberwachung, nicht Bauleitung; die beiden Begriffe werden häufig verwechselt und müssen abgegrenzt werden.
- Mentoring
- Lösungsansatz, bei dem erfahrene Projektleitende (Mentoren) junge, unerfahrene Personen (Mentees) in der Projektleitung der TGA-Fachplanung schulen, trainieren und auf den ersten Schritten begleiten.
- Weißbuch
- Ursprünglich aus der Politik, in der IT übernommen: ein Dokument, das Standards und Werkzeuge beschreibt. Im Programm ein gedrucktes Hardcover-Buch mit komprimiertem Projektleitungs-Wissen (Normauszüge, Leistungsbilder).