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TGA-PlanungBesondere Leistungen TGA-PlanungFolge #403

tgabar · Bargespräche

Leistungen zum Erwirken einer Zertifizierung

Folge 40323.01.20269:15 minRoman Fritsches, Sören Janson
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Auf den Punkt

Die besondere Leistung „Leistungen zum Erwirken einer Zertifizierung" aus AHO Heft 6 ist mit 5 bis 15 Prozent Honorar bewertet. Sie meint das verantwortliche Erzielen einer Nachhaltigkeitszertifizierung (z. B. LEED, DGNB, BNB, QNG) — nicht nur das Mitwirken. Weil dafür eine eigene Auditierung nötig ist, sehen die Hosts den Satz für reine TGA-Mitwirkung als zu hoch an.

Transkript

Worum geht es bei der besonderen Leistung „Erwirken einer Zertifizierung"?

Sören: Willkommen bei den besonderen Leistungen, Teil 3.

Roman: Ihr sitzt jetzt schon drei Wochen am Angebot, wir begleiten euch immer noch und leiden mit euch. Wir denken uns Vielfache von 12.000 Euro — das ist ja nett. Aber gibt es nicht noch eine Idee, wie ich besondere Leistungen kalkuliere? Ja: Es gibt Heft 6 der AHO (Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung e.V.). Das ist grün, und darin steht, welche besonderen Leistungen wir erbringen können und wie wir sie abrechnen.

Sören: Wie wir sie honorartechnisch bewerten können — können, nicht müssen. Das ist wichtig und immer kritisch zu hinterfragen. Diesmal schauen wir uns aus Teil B der besonderen Leistungen die „Leistungen zum Erwirken einer Zertifizierung" an, zum Beispiel für dasHHT Sport. Über Mitwirkung und Durchführung haben wir schon gesprochen — davon steht hier gar nichts. Also Obacht.

Was bedeutet „Erwirken" statt nur „Mitwirken"?

Roman: Obacht: „Leistung zum Erwirken einer" — hier fehlt im Wortlaut ein Verb. Ich notiere das als Anmerkung, denn ich bin in der Kommission tätig und kann Verbesserungen einbringen. Hier steht nicht „mitwirken". Es geht also wirklich darum, eine Zertifizierung für das Gebäude zu erzielen und das verantwortlich zu machen. Dafür gibt es laut Heft 6 fünf bis 15 Prozent Honorar — ganz schön viel. Im Heft steht auch, welche Leistungen gemeint sind, etwa die LEED-Zertifizierung (Leadership in Energy and Environmental Design), die DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen), BNB oder QNG. Es gibt also diverse Zertifizierungssysteme, um zu zeigen, dass ein Gebäude nachhaltig ist.

Sören: Man bekommt dann eine schöne Plakette — ob es deshalb nachhaltig ist, ist nochmal eine andere Frage.

Roman: Auf die lustige Frage, was so eine Zertifizierung bringt, sagte der Zertifizierer einmal: Erstmal macht sie Ihr Gebäude um circa 80 Gramm schwerer — so viel wiegt die Plakette.

Warum passt der Honorarsatz nicht zur reinen TGA-Mitwirkung?

Sören: Ein wichtiger Punkt: Wer diese Leistung anbieten möchte, muss selbst zertifiziert, auditiert und gelistet sein.

Roman: Deshalb finde ich es schwierig, dass das so drinsteht: Für jedes Zertifizierungssystem gibt es eigene Schulungen und Auditierungsrichtlinien. Das pauschal mit einem Honorarsatz zu bedienen, finde ich unpassend. Ich würde es lieber auf Mitwirkung beziehen — diese Leistung selbst würde ich mir nicht zutrauen zu bewerten. Das Mitwirken aber schon, da habe ich in den letzten Jahren Erfahrung gesammelt.

Sören: Also wieder ein Stück weit Unterlagen zur Verfügung stellen, wie bei anderen Leistungen auch.

Welche Vorteile bringt eine Zertifizierung für die TGA-Planung?

Roman: Ich erinnere mich an eine DGNB-Goldzertifizierung: Da wollte der Bauherr das Gold plötzlich erst in Leistungsphase 6 haben — das LV war schon geschrieben. Es war aber gar nicht so schlimm, denn der Zertifizierer hat klare Vorgaben gemacht. Als TGA-Planerin bist du mit so einer Zertifizierung eher im Vorteil: Du hast klare Angaben aus der Bedarfsplanung und für deine Leistungsverzeichnisse. Da steht teilweise konkret drin, welche Armaturen eingesetzt werden müssen.

Sören: Aber selbst wenn du es schon gemacht hast, ist es trotzdem Mehraufwand.

Roman: Es ist ein gewisser Mehraufwand, persönlich finde ich ihn aber überschaubar. Der große Vorteil: Meine Bedarfe werden viel klarer. Zum Beispiel bei einer DGNB-Platin sammelt man Punkte — wenn bestimmte Räume klimatisiert werden, oder wenn Puffer in Schacht- und Technikflächen vorhanden sind, etwa 30 Prozent. Das hilft mir als Planer: Ich kann dem Architekten sagen, der Schacht wird 30 Prozent größer, weil es so in der DGNB-Vorgabe für Nachbelegung steht. Es schafft Klarheit.

Wie sollte man diese Leistung kalkulieren?

Roman: Bei diesem Punkt im Angebot würde ich sagen: „Leistungen zum Erwirken einer Zertifizierung" kann ich nicht — ich bin nicht zertifiziert für die Zertifizierung. Aber das Mitwirken würde ich nicht so teuer machen; die fünf bis 15 Prozent finde ich dafür ein bisschen unrealistisch.

Sören: Gerade, weil wir andere Leistungen haben, die ähnlich hoch bewertet werden — schau dir die FM-Vorgaben an, die bewegen sich fast in derselben Range, und da steckt aus meiner Sicht deutlich mehr dahinter.

Roman: Super Hinweis. Bei den FM-Vorgaben sind es 8 bis 12 Prozent. Hier sind es 5 bis 15 Prozent. Ich würde eher unter 5 Prozent gehen, je nachdem wie groß das Projekt ist. Persönlich würde ich vielleicht 12.000 Euro nehmen — da sind wir wieder, mein minimaler Teil. Danke übrigens an Hannes für die großartige Rechenform, falls du zuhörst.

Sören: Ich schenke dir einen Würfel, der nur eine Zahl hat.

Roman: Geil, einen Würfel mit 12, 24, 36, 48 und 60 — fünfstellige 12er-Multiplikatoren. Den hätte ich gerne.

Wann sollte man die Leistung überhaupt anbieten?

Sören: Wenn ich auf diese Leistung im Speziellen schaue, ist der vorgeschlagene Weg richtig: nicht pauschal 12.000 Euro nehmen, sondern wirklich gucken, was gefordert wird, wenn ich nur mitwirken soll, und wo der Mehraufwand liegt. Geht es ans tatsächliche Auditieren — vielleicht weil auf Bauherrenseite ein falsches Verständnis besteht — dann muss man sich die entsprechenden Kompetenzen und Befähigungen ins Team holen, und erst dann sollte man es anbieten. Bei der Zertifizierung sind wir eher in Richtung Energieberater, die auch stempeln müssen, dass es so eingebaut wurde.

Roman: Total, da sind Leistungen von vorne bis hinten dabei. Ein Fall war etwas nervig: Das Holz für die Unterkonstruktion einer WC-Vorwand — von der Sanitärfirma genutzt, um die Vorwand an der Wand zu montieren — war nicht FSC-zertifiziert und musste wieder raus. Der Zertifizierer hat das gefunden, bevor die Wand geschlossen wurde.

Sören: Aber dafür wurde ja auch bezahlt. Die unterschreiben mit ihrem eigenen Namen und bestätigen die ordnungsgemäße Ausführung — und dann guckt der eine oder andere auch mal genauer hin.

Roman: Für mich kein Stress, eher Stress für die Firma — und gut, dass der Zertifizierer es gemerkt hat. Viel Spaß beim Kalkulieren. Denkt daran: nur mitwirken, nicht erbringen — außer ihr seid dafür zertifiziert. Und dann macht es bitte nicht als TGA-Leistung. Sören, vielen Dank. Bis später. Ciao.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Was sind „Leistungen zum Erwirken einer Zertifizierung" laut AHO Heft 6?

Es ist eine besondere Leistung aus Teil B des Leistungsbilds, bei der es darum geht, eine Zertifizierung für das Gebäude verantwortlich zu erzielen — nicht nur daran mitzuwirken. Heft 6 bewertet sie mit 5 bis 15 Prozent Honorar und nennt als Beispiele Nachhaltigkeitszertifizierungen wie LEED, DGNB, BNB oder QNG.

Was ist der Unterschied zwischen „Erwirken" und „Mitwirken" einer Zertifizierung?

„Erwirken" meint, die Zertifizierung verantwortlich zu erzielen, was eine eigene Auditierung und Listung im jeweiligen System voraussetzt. „Mitwirken" meint, zuzuarbeiten und Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Die Hosts halten den Honorarsatz von 5 bis 15 Prozent nur für das echte Erwirken für angemessen, für reine Mitwirkung dagegen für zu hoch.

Welche Nachhaltigkeitszertifizierungen werden in der Folge genannt?

Genannt werden LEED (Leadership in Energy and Environmental Design), DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen), BNB und QNG. Es handelt sich um verschiedene Zertifizierungssysteme, mit denen die Nachhaltigkeit eines Gebäudes nachgewiesen wird.

Warum sehen die Hosts den Honorarsatz von 5 bis 15 Prozent kritisch?

Weil man für das eigentliche Erwirken einer Zertifizierung selbst zertifiziert, auditiert und gelistet sein muss, mit systemspezifischen Schulungen. Diese Befähigung pauschal mit einem Honorarsatz abzudecken, passt aus ihrer Sicht nicht zur reinen TGA-Mitwirkung. Zum Vergleich liegen FM-Vorgaben bei 8 bis 12 Prozent mit mehr Inhalt dahinter.

Welche Vorteile bringt eine Gebäudezertifizierung für die TGA-Planung?

Die TGA-Planung profitiert von klaren Vorgaben: Bedarfsplanung und Leistungsverzeichnisse werden präziser, teilweise wird konkret vorgegeben, welche Armaturen eingesetzt werden müssen. Über das Punktesystem lassen sich planerische Forderungen begründen, etwa größere Schacht- oder Technikflächen mit 30 Prozent Puffer für Nachbelegung.

Wie sollte man die Leistung zum Erwirken einer Zertifizierung kalkulieren?

Statt pauschal anzusetzen, sollte man genau prüfen, ob nur Mitwirkung oder echtes Auditieren gefordert ist und wo der Mehraufwand liegt. Für reine Mitwirkung empfehlen die Hosts deutlich weniger als 5 Prozent. Geht es ums tatsächliche Auditieren, müssen entsprechende Kompetenzen ins Team geholt werden, bevor man die Leistung anbietet.

Zitate

Hier steht nicht „mitwirken", das heißt es geht wirklich darum, eine Zertifizierung für das Gebäude zu erzielen und das verantwortlich zu machen."

Roman Fritsches

Ich bin nicht zertifiziert für die Zertifizierung. Aber das Mitwirken würde ich nicht so teuer machen."

Roman Fritsches

Denkt daran: nur mitwirken, nicht erbringen — außer ihr seid dafür zertifiziert."

Roman Fritsches

Zahlen & Fakten

Die besondere Leistung „Leistungen zum Erwirken einer Zertifizierung" ist in AHO Heft 6 mit 5 bis 15 Prozent Honorar bewertet.

Quelle: AHO Heft 6

FM-Vorgaben als vergleichbare besondere Leistung sind mit 8 bis 12 Prozent bewertet.

Für DGNB-Punkte kann ein Puffer von etwa 30 Prozent in Schacht- und Technikflächen für Nachbelegung gefordert sein.

Quelle: DGNB-Vorgabe

Glossar

AHO Heft 6
Grünes Heft des AHO (Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung e.V.), das besondere Leistungen beschreibt und Honorarsätze zu deren Bewertung und Abrechnung angibt.
DGNB
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen; vergibt Nachhaltigkeitszertifizierungen (z. B. Gold, Platin) über ein Punktesystem.
LEED
Leadership in Energy and Environmental Design; ein Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen.
Leistungen zum Erwirken einer Zertifizierung
Besondere Leistung aus Teil B des Leistungsbilds: das verantwortliche Erzielen einer Gebäudezertifizierung (nicht nur Mitwirkung), in Heft 6 mit 5 bis 15 Prozent Honorar bewertet.
Mitwirkung (an Zertifizierung)
Zuarbeit zur Zertifizierung, etwa das Bereitstellen von Unterlagen, im Unterschied zum verantwortlichen Erwirken.
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