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TGA-PlanungBIM-Fachkoordination TGA-PlanungFolge #240

tgabar · Bargespräche

Konferenz BIM in der TGA

Folge 24026.07.202411:41 minRoman Fritsches, Sören Janson
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Auf den Punkt

Auf der letzten VDI-Konferenz „BIM in der TGA" (2015–2024) zog Roman Bilanz: BIM ist vom Forschungsthema zum breiten Anwendungsfall gereift. Höhepunkte waren der live geschaltete BIM-Bauantrag der Stadt Wien, der Baugenehmigungen von 16 auf 8 Monate verkürzt, und die Debatte Frontloading versus Backloading. Die tgabar führt das Thema praxisnah weiter.

Transkript

Über welche Konferenz sprechen Roman und Sören?

Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar.

Sören: Roman, schön, dass ich wieder da sein darf. Du bist aus Düsseldorf zurück, ne? Was war denn in Düsseldorf?

Roman: In Düsseldorf bin ich seit 2017, und seit 2015 gibt es die Konferenz. Wir reden darüber, weil das aus meiner Sicht die einzige stabile TGA-Konferenz war, die das Thema BIM hatte. Also BIM in der TGA, ausgerichtet von Professor van Treeck, der an der RWTH Aachen das Thema BIM betreibt und auch ein Ingenieurbüro für TGA hat.

Sören: Das war die letzte. Mit welchem Gefühl bist du da rausgegangen, und wo stehen wir in BIM? Wir haben ja schon viele Folgen gemacht.

Wie war die Konferenz aufgebaut und was war Romans Beitrag?

Roman: Nach acht Jahren, beziehungsweise sieben Jahren, muss ich sagen: jetzt ist es gut.

Sören: BIM ist fertig?

Roman: BIM ist nicht fertig, aber die Frage ist, was die TGA im Rahmen einer Konferenz noch beitragen kann. Der Rahmen war immer: zwei volle Tage Vorträge, je etwa 25 Minuten plus zehn Minuten Diskussion. Ich habe jedes Mal beigetragen, die Themen mit vorzuschlagen — ich wurde von Lena Jung vom VDI angerufen, mit der hat das immer Spaß gemacht. Die Themen haben sich mit der Zeit wiederholt. Es geht eigentlich immer von der Planung beziehungsweise Bedarfsplanung bis zum Betrieb, also Leistungsphase null bis neun. Gerade Anfang und Ende sind jetzt im Schwerpunkt gelandet: Wie kann ich in den frühen Phasen BIM mit sinnvollen Anwendungsfällen verknüpfen und in den späten auch. Ich selbst hatte einen Vortrag zur Bedarfsplanung mit BIM — dazu haben wir eine eigene Folge.

Was war das Highlight zum Zusammenspiel von TGA und Architektur?

Roman: Richtig schön war, dass Professor Reinhard Wimmer wieder dabei war. Reinhard und ich saßen zwei Tage nebeneinander. Professor van Treeck ist sein alter Doktorvater, die kennen sich gut. Reinhard hat zusammen mit Matthias Pfeiffer von der BIM-Hub Hamburg einen grandiosen Vortrag gehalten. Sie standen vor zwei riesigen Leinwänden, eine links, eine rechts: TGA-Planer links, Architekt rechts — und sie haben sich gegenseitig gesagt, was sie voneinander erwarten, vor allem im Entwurf und in der Ausführungsplanung. Das Format war richtig cool, ein Hin- und Herwerfen, gut geschauspielert; am Ende lagen sie sich in den Armen.

Die zwei haben gefragt, was BIM Richtung Entwurf und Ausführungsplanung leisten kann, mit unterschiedlichen Perspektiven. Matthias ist eher Vertreter von Backloading — BIM ermöglicht Flexibilität in späteren Leistungsphasen. Reinhard ist eher ein Fan von Frontloading und sagt, wir treffen möglichst weit vorne, schon in Leistungsphase 2, Entscheidungen.

Sören: MacLeamy-Kurve und so, ne?

Roman: Genau, wer die MacLeamy-Kurve nicht kennt, gerne mal googeln. Sie beschreibt, dass es Sinn macht, Informationen vorne zu pflegen. Beide hatten irgendwo recht — Frontloading macht nicht immer Sinn, und es macht auch nicht immer Sinn, in Leistungsphase 5 das Gebäude umzuwerfen. Beide waren der Meinung: BIM bietet eine Flexibilität, die wir bräuchten, um bauherren- und nutzergerechter zu planen und Änderungen schneller umzusetzen. Meine Perspektive war bisher: Ich will auf keinen Fall ändern, und wenn, dann soll es teuer werden, weil ich so viele Schmerzen mit Änderungen hatte. Jetzt sagen sie: Ändern geht mit BIM vielleicht einfacher. Vielleicht nehmen wir das als Anwendungsfall.

Was hat Roman am meisten beeindruckt?

Sören: Nach all den Jahren — kommen wir dem digitalen Plan näher?

Roman: Zwei Sachen haben mich geflasht. Das eine war der Vortrag der Stadt Wien — den Namen des promovierten Kollegen habe ich leider vergessen. Er hat den BIM-Bauantrag vorgestellt, und der ist scharf geschaltet. Du kannst heute als Architekt in Wien das IFC-Modell hochladen und kriegst nach zehn Minuten eine automatische Prüfung zurück, die sagt, welche Attribute falsch definiert sind. Sie haben 2.400 Baunormen beziehungsweise baurechtliche Vorgaben als Algorithmen und Prüfregeln definiert. Das Modell wird automatisiert gegen die Bauordnung der Stadt Wien geprüft, danach gibt es eine Prüfung am Modell durch die Beteiligten der Stadt.

Matthias Pfeiffer hat gefragt, ob die Baugenehmigung dadurch billiger wird — in Deutschland kostet eine Baugenehmigung auch mal ein Prozent der Bausumme. Die Antwort: nicht billiger, aber statt normalerweise 16 Monaten kann man auf acht Monate verkürzen. Als nächste Schritte wollen sie mit dem As-Built-Modell, das wahrscheinlich irgendwann verpflichtend wird, einmessen und in ihrer Datenbank ablegen.

Das Zweite: Vor der Konferenz stehen immer Softwarehersteller mit ihren Ständen. Da sind jetzt Produkte am Start, über die wir schon geredet haben — Lebenszyklusanalyse oder, was ich mit Sven-Erik besprochen habe, KI in der Planung. Wir konnten uns Produkte ansehen, die es schon gibt und die funktionieren.

Wo steht BIM nach acht Jahren Konferenz?

Sören: Auf die acht Jahre gesehen — ist das eine Veränderung, wo du sagst, wir bewegen uns?

Roman: Die große Begeisterung vom Anfang ist ein bisschen weg. Es ist nicht mehr so ein Forschungsthema, und deswegen ist es genau richtig, jetzt zu sagen: Das war es mit der Konferenz. Es ist keine Forschung mehr zu betreiben, sondern breite Masse — wir müssen jetzt die Anwendungsfälle ausprobieren. Wir machen ohnehin oft IFC-Austausch und arbeiten mit guten Architekten in 3D-Modellen; das hilft bei Koordination und Integration. Am Ende kann man dem Bauherrn sagen: Wenn du 100.000 Euro drauflegst, kriegst du dein As-Built-Modell oder angereicherte Informationen. Vielleicht ist das der Weg, die Breite zu erreichen.

Sören: Ist da noch Luft nach oben oder ist es schon am Ende?

Roman: Garantiert nicht am Ende. Reinhard hat schon ein paar neue Möglichkeiten vorgestellt: automatisierte Prüfregeln. Wenn die KI in der Lage ist, aus einem großen Datenfundus zu schürfen, also mehrere Modelle untereinander nutzt — das könnte ein Bauherr wie das Land Bayern machen — dann könnte man daraus sinnvolle Informationen ziehen. Ich glaube, das ist jetzt in der Mitte der Planungsgesellschaft angekommen. Auch wenn es maximal drei bis fünf Prozent aller Projekte sind — das war eine Schätzung der Teilnehmer.

Sören: Der Schritt zurück erfolgt nicht mehr.

Roman: Nein. Wenn die Planungsbeteiligten die Vorteile erkannt haben, machen sie das einfach. Und wenn die Bauherren die ersten Anwendungsfelder bewerben — was vor allem im Betrieb passieren wird — dann passiert es. Insgesamt ist es jetzt nicht mehr ganz so aufregend.

Wie geht es mit dem Thema an der tgabar weiter?

Sören: Wir bleiben trotzdem am Ball.

Roman: Wir bleiben am Ball, in anderen Formaten. Reinhard ist ja als Barkeeper dabei.

Sören: Den gibt es am 17. und 18. Oktober — ein großes Barcamp dazu.

Roman: Wir übernehmen die Inhalte jetzt an die TGA-Bar und kriegen mit Reinhard einen Übergang hin. Das ist ein Übergang von dem Professor, der das vorher gemacht hat, zu dem Professor, der bei ihm gelernt hat und es jetzt übernimmt — und an der TGA-Bar das Thema noch praxisnäher und angewandter vorantreibt, so dass wir es als TGA-Planer nutzen können.

Sören: Klingt nach einem Plan. Reinhard, wir stoßen auf dich an. Prost — und auf die anderen, die da mitwirken. Bis bald.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Was war die Konferenz „BIM in der TGA"?

Eine zweitägige TGA-Fachkonferenz mit Vorträgen von je etwa 25 Minuten plus zehn Minuten Diskussion, ausgerichtet vom VDI Wissensforum. Sie lief von 2015 bis 2024 und galt als die einzige stabile TGA-Konferenz, die das Thema BIM regelmäßig behandelte. 2024 fand sie zum letzten Mal statt.

Was ist der Unterschied zwischen Frontloading und Backloading bei BIM?

Frontloading bedeutet, möglichst weit vorne — schon in Leistungsphase 2 — Entscheidungen zu treffen und Informationen früh zu pflegen. Backloading nutzt die Flexibilität von BIM, um Entscheidungen in spätere Leistungsphasen zu verschieben. In der Folge vertrat Reinhard Wimmer eher das Frontloading, Matthias Pfeiffer eher das Backloading.

Was beschreibt die MacLeamy-Kurve?

Sie beschreibt, dass es sinnvoll ist, Informationen und Aufwand früh im Planungsprozess einzubringen (Frontloading), weil Entscheidungen in frühen Phasen mit geringerem Aufwand und niedrigeren Kosten beeinflusst werden können.

Wie funktioniert der BIM-Bauantrag der Stadt Wien?

Architekten laden ein IFC-Modell hoch und erhalten nach etwa zehn Minuten eine automatische Prüfung, die falsch definierte Attribute meldet. Die Stadt Wien hat rund 2.400 baurechtliche Vorgaben als Algorithmen und Prüfregeln hinterlegt, sodass das Modell automatisiert gegen die Bauordnung geprüft wird; anschließend folgt eine Prüfung am Modell durch die Beteiligten der Stadt.

Welchen Zeitvorteil bringt der BIM-Bauantrag in Wien?

Die Baugenehmigung wird nicht billiger, aber schneller: Statt der üblichen 16 Monate kann der Prozess auf etwa acht Monate verkürzt werden.

Wie schätzt Roman den Reifegrad von BIM ein?

BIM ist aus seiner Sicht vom Forschungsthema zur breiten Anwendung gereift — deshalb sei es richtig, die Konferenz zu beenden. Die Aufgabe sei jetzt, die Anwendungsfälle in der Praxis zu nutzen. Der Reifegrad sei aber noch begrenzt: Teilnehmer schätzten, dass BIM erst in maximal drei bis fünf Prozent aller Projekte eingesetzt wird.

Zitate

BIM ist nicht fertig, aber die Frage ist, was die TGA da jetzt im Rahmen einer Konferenz noch beitragen kann."

Roman Fritsches

Es ist einfach keine Forschung mehr zu betreiben, sondern es ist jetzt breite Masse — wir müssen die Anwendungsfälle ausprobieren und machen."

Roman Fritsches

Du kannst heute als Architekt in Wien das IFC-Modell hochladen und kriegst nach zehn Minuten eine automatische Prüfung zurück."

Roman Fritsches

Zahlen & Fakten

Die Konferenz „BIM in der TGA" lief von 2015 bis 2024 und war in dieser Zeit die einzige regelmäßige TGA-Konferenz zum Thema BIM.

Die Stadt Wien hat rund 2.400 baurechtliche Vorgaben als Algorithmen und Prüfregeln für den automatisierten BIM-Bauantrag hinterlegt.

Mit dem BIM-Bauantrag in Wien kann die Baugenehmigungsdauer von normalerweise 16 Monaten auf etwa 8 Monate verkürzt werden.

In Deutschland kostet eine Baugenehmigung auch mal rund ein Prozent der Bausumme.

BIM wird laut einer Schätzung der Konferenzteilnehmer erst in maximal drei bis fünf Prozent aller Projekte eingesetzt.

Quelle: Schätzung der Konferenzteilnehmer

Glossar

Backloading
Ansatz, die durch BIM gewonnene Flexibilität zu nutzen, um Entscheidungen in spätere Leistungsphasen zu verschieben.
BIM-Bauantrag
Digitaler Genehmigungsprozess, bei dem ein hochgeladenes IFC-Modell automatisiert gegen hinterlegte baurechtliche Prüfregeln geprüft wird (Beispiel Stadt Wien: rund 2.400 Vorgaben als Algorithmen).
Frontloading
Ansatz, möglichst früh — schon in Leistungsphase 2 — Entscheidungen zu treffen und Informationen vorne im Planungsprozess zu pflegen.
MacLeamy-Kurve
Kurve, die zeigt, dass es Sinn macht, Informationen und Aufwand früh im Planungsprozess einzubringen.
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