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TGA-PlanungAus- und Weiterbildung für die TGA-PlanungFolge #40

tgabar · Bargespräche

Interview zu Nachwuchs in der TGA mit Lukas Bost

Folge 4031.07.202238:47 minRoman Fritsches, Sören JansonGast: Lukas Bost
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Auf den Punkt

Lukas Bost, 22, studiert TGA und Versorgungstechnik an der FH Trier. Den Nachwuchs gewinnt die Branche laut ihm vor allem über die Mission Energiewende und Sinnhaftigkeit — bei seiner Generation zählt das mehr als das Gehalt. Wichtig sind außerdem ein Bewusstsein für den Beruf schon bei Schülern, frühe Verantwortung, flexibles Arbeiten und ein besseres Standing der TGA-Planung neben der Architektur.

Transkript

Wie ist Lukas Bost zur technischen Gebäudeausrüstung gekommen?

Roman: Moin moin aus Hamburg und herzlich willkommen zum einzigen Podcast mit dem Thema Projektmanagement in der TGA. Sören Janson und Roman Fritsches sitzen wieder an der Bar — und wir sitzen nicht allein, wir haben Lukas zu Besuch. Grüß dich, Lukas.

Lukas: Hallo zusammen, schöne Grüße aus dem Saarland.

Roman: Du bist Studierender der TGA und Versorgungstechnik, bist 22, machst gerade deine Bachelorarbeit, hast keine Ausbildung vorher gemacht, sondern bist direkt nach der Schule zum Studium an die FH Trier gekommen — und bist Mountainbiker. Wie bist du zur technischen Gebäudeausrüstung gekommen?

Lukas: Vor vier Jahren habe ich das erste Mal von TGA gehört. Ich hatte gerade mein Abitur gemacht und war noch ein bisschen orientierungslos. Ich habe mich mit ein paar Bekannten zusammengesetzt und gefragt, was die so machen, um eine Richtung zu finden. Einer davon ist Geschäftsführer eines Unternehmens für Automatisierungstechnik und hat viel mit TGA-Ingenieuren zu tun. Er hat mir gesagt, dass er auf dem Markt der TGA-Ingenieure einen großen Bedarf sieht und dass viele gute TGA-Ingenieure fehlen. Das war der erste Berührungspunkt. Ich habe das gegoogelt, bin auf den Studiengang in Trier gestoßen, und je mehr ich mich damit befasst habe, desto interessanter wurde es.

Welche Rolle spielt die Energiewende für den Nachwuchs?

Roman: Du interessierst dich auch für Gebäude — deswegen technische Ausrüstung für Gebäude.

Lukas: Schon in der Grundschule war ich von Gebäuden fasziniert und habe eine Zeit lang über Architektur nachgedacht. Aber weil mir die Energiewende wirklich am Herzen liegt und ich das als meine übergeordnete Aufgabe im Beruf sehe, habe ich mich für die technische Gebäudeausrüstung entschieden — weil ich dachte, dass ich da einen größeren Einfluss haben kann.

Roman: Ist dir das in der Recherche schnell klar geworden?

Lukas: Dass mich die Richtung Energiewende interessiert, war mir vorher schon klar. Aber dass das viel mit TGA zu tun hat, ist mir erst aufgegangen, als ich die Studiengangsbeschreibung der Hochschule Trier gelesen habe. Der erste Satz war damals: „Du möchtest die Energiewende aktiv mitgestalten?"

Roman: Das hat dich gecatcht. Danke an die FH Trier. Energiewende ist generell das Thema deiner Generation — denke ich an Fridays for Future. Wir haben politische Veränderungen erlebt; ich habe persönlich positive Veränderungen bei unseren Kunden gemerkt, vor allem die Öffentlichen wurden unter Druck gesetzt, mehr zu machen.

Lukas: Bei den Leuten unter 30 besteht ein unverhältnismäßig größeres Interesse an Energie- und Zukunftsthemen.

Warum zählt für die junge Generation Sinn mehr als Gehalt?

Roman: Du hattest ein zweites Argument genannt: Es gibt wenige Ingenieure, das gibt dir auch Sicherheit.

Lukas: In dem Gespräch mit dem Bekannten kam stark hervor, dass es wenige Ingenieure gibt und der Bedarf an TGA-Ingenieuren riesig ist und weiter steigen wird. Das gab mir die Sicherheit, nach dem Studium auf einen großen Stellenmarkt zuzugehen und eine gute, sichere Stelle zu finden, die auch entsprechend bezahlt wird, wenn das Angebot an TGA-Ingenieuren fehlt.

Roman: Die Baubranche liegt bei den Gehältern nicht in der Spitze — oben sind Chemie, IT, Banken. Hat dich das nicht abgeschreckt?

Lukas: Nein. Klar ist mehr Gehalt besser, aber das ist auch ein Generationending: Weniger das Gehalt gibt den Ausschlag, sondern mehr die Mission. Meiner Generation können viele auf ein paar hundert Euro monatlich verzichten, wenn sie dafür gerne zur Arbeit gehen und das Gefühl haben, etwas zu leisten, wovon die Gesellschaft profitiert.

Was bedeutet Kreislaufwirtschaft für die TGA?

Roman: Mission Energiewende war für dich klar. Über unseren Podcast bist du aber erst zur Ressourcenwende gekommen — Cradle to Cradle, Kreislaufwirtschaft, kreislaufgerechtes Bauen.

Lukas: Zur Kreislaufwirtschaft bin ich tatsächlich erst über euren Podcast gekommen. Im Studium und in meiner Werkstudententätigkeit war das vorher kein Thema. Es hat mein Denken verändert, ich denke im Beruf häufiger daran, wie ich das einbringen kann. Aber aktuell kann ich da noch wenig bewirken, weil mir die Mittel fehlen — Softwarehilfe etwa. Und bei den Bauherren, deren Aufgaben ich bearbeite, ist das noch gar nicht angekommen; die verstehen nicht, warum man einen größeren Aufwand für ein kreislaufgerechtes Gebäude betreiben sollte.

Roman: Da muss Druck kommen — erst aus der EU, dann aus Berlin. Spannend findest du das Thema Sanierung und energetische Modernisierung von Bestandsgebäuden. Du arbeitest nebenbei als Werkstudent in einem TGA-Fachplanungsbüro. Repowering, Reuse von Bestands-TGA ist die große Herausforderung. Siehst du dich dafür gut ausgebildet?

Lukas: Ich kann mir vorstellen, dass das ein Erfahrungsding ist. Sanierungsthemen wurden bei uns an der Hochschule wenig unterrichtet, kreislaufwirtschaftliche Dinge überhaupt nicht. Da ich auch in der Praxis kaum damit in Berührung war, fehlen mir die praktischen Mittel, daran heranzugehen.

Roman: Cradle to Cradle bedeutet in der TGA, bestehende Anlagen zu analysieren, zu recyceln, wiederzuverwenden, zu zertifizieren. Es gibt erste Professuren, etwa an der RWTH, aber die breite Masse fehlt. Bei Architekten geht es darum, Holzbau oder Beton besser hinzubekommen. In der TGA ist die Herausforderung eine andere: bestehende Anlagen ertüchtigen und modernisieren. Das muss man in der Praxis lernen — könnte man aber auch in der Hochschule.

Welche Rolle spielen Digitalisierung, BIM und das Studium?

Lukas: Ich hatte mit meinem Bruder ein interessantes Gespräch dazu. Er arbeitet bei einem Softwarehersteller, der Software für Unternehmen fertigt. In der Industrie steht das schon in den Startlöchern: Sie bauen Tools, um für die fertigen Produkte eines Industrieprozesses einen Carbon Footprint anfertigen zu können.

Roman: Das heißt, wenn das Produkt das Werk verlässt, hast du eine Zahl — nicht nur die Ampel für die Menschen, sondern auch die Ampel für die Umwelt.

Lukas: Genau, eine Zahl. Auf die TGA übertragen wäre bei einem Stück Wickelfalzrohr für einen Kanal ein Aufkleber drauf, dass pro Rohr so und so viel Gramm CO2 für die Herstellung angefallen sind.

Roman: Zum Thema Digitalisierung: Wir hatten ein Interview mit Bjarne Eller, der als junger Ingenieur das Thema BIM und Digitalisierung als Nachwuchsthema nach vorne gebracht hat. Welche Rolle spielt BIM in deinem Studium und in deiner Entscheidungsfindung?

Lukas: Das Thema BIM finde ich sehr interessant. Niemand stellt mehr die Frage, ob BIM kommt — das ist mittlerweile common sense. Die Frage ist nur, wann und in welchem Umfang. Ich hatte ein Fach an der Hochschule zu BIM, das fand ich interessant, aber mir fehlt die Praxis. In dem Planungsbüro, in dem ich tätig bin, ist BIM noch kein Thema. Es wird darüber gesprochen, aber für die Praxis ist es noch relativ weit weg.

Roman: Wie groß ist das Büro?

Lukas: Wir sind 16 Leute.

Roman: Das ist die übliche Durchschnittsgröße in Deutschland.

Sören: Für die Büros ist schon die Entscheidungsfindung zu digitalen Tools ein riesiger Schritt. Je kleiner das Büro, desto schwieriger die Entscheidung, in welche Richtung man einschlägt.

Lukas: Gerade bei einer Unternehmensgröße von 16 Leuten finde ich es schwer, den Schritt zu gehen. Wäre das Unternehmen größer, hätte man vielleicht genug Ressourcen für ein eigenes BIM-Team als Pioniergruppe, das sukzessive im Unternehmen einführt. In der Größe ist das so kaum machbar.

Roman: Die großen Büros mit 400 Leuten und mehr haben seit Jahren Abteilungen, die das vorantreiben. Du gewinnst dadurch nicht nur an Effizienz, sondern auch an Effektivität: Du kannst ganz andere Gebäudemodelle mit viel mehr Informationen über Preise und Bauteile aufbauen. Die meisten Fachplaner haben aber noch Berührungsängste. Man bräuchte einen einfachen, schrittweisen Weg, auch mit 15 Leuten relativ risikolos die ersten Projekte zu machen.

Sören: Gerade für junge Ingenieure ist die Herausforderung, sich erst fachlich weiterzuentwickeln — das ist der Hauptfokus der ersten Jahre. Parallel dann noch BIM-Projekte, das geht fast in Richtung Überforderung.

Roman: Im Studium hast du eine BIM-Veranstaltung, aber du lernst nicht, 3D-Modelle aufzubauen und mit Informationen anzureichern, sodass ein BIM-Modell daraus wird?

Lukas: Nein, die Veranstaltung wäre eher ein Äquivalent zu euren Podcast-Folgen: Was sind die Rollen in BIM, was sind die Dimensionen in BIM — ein informatives Grundlagenmodul, kein Anwendungsfall.

Roman: Lernst du Zeichnen an der Hochschule?

Lukas: Wir haben ein Modul, in dem wir lernen, wie CAD-Programme funktionieren. Da müssen wir eine Aufgabe in einem Zeitrahmen absolvieren und eine Projektarbeit als Zeichenprojekt machen. Das sind Grundlagen des ersten Semesters.

Roman: Worum geht es in deiner Bachelorarbeit?

Lukas: Ich entwickle ein Energiekonzept für Wärme und Kälte für ein Logistikzentrum, das wir in dem Ingenieurbüro planen, in dem ich Werkstudent bin.

Wie gewinnt man junge Leute für die TGA?

Roman: Wie kann man junge Leute motivieren, in die Baubranche und genauer in die TGA zu kommen? Wie kommen wir an euch ran?

Sören: Womit gewinnen wir euch? Ist es die Digitalisierung, das Thema Nachhaltigkeit oder das Thema Projektmanagement?

Lukas: Zuerst ist es wichtig, bei jungen Leuten ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es in der Baubranche Berufe gibt, die nicht Architekt sind. Ich wusste nach dem Abitur gar nicht, dass es TGA gibt oder dass es Ingenieure gibt, die sich nur mit Gebäudetechnik befassen. Mein erster Ansatz wäre, bei Schülern diesen Beruf mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Im zweiten Schritt könnte man die Fakten unterbreiten. Der Punkt Energiewende ist extrem wichtig — mit dem Thema holt man die jüngere Generation gut ab.

Roman: Du hattest die Idee, in die Schule zu gehen und das Thema TGA zu erklären. Wir brauchen das Pixi-Buch für die TGA-Planer — es gibt es schon für Architekten und Bauingenieure. Es ist halt schwierig darzustellen, was ein TGA-Planer macht.

Sören: Ein Architekt kann seine Renderings von der Gebäudehülle zeigen, das sieht beeindruckend aus. Aber womit wirbt der TGA-Planer?

Lukas: Man sollte das TGA-Ingenieur-Dasein etwas sexy machen. Viele Leute sind visuell angeregt und finden ein schönes Gebäude toll. Vielleicht sollte man mehr mit Grafiken arbeiten, wie viel Energie oder Emissionen das Gebäude weniger verursacht, weil sich ein kompetenter TGA-Ingenieur die Mühe gemacht hat, die Technik effizient auszuplanen.

Roman: Also die Visualisierung der Lebenszyklusanalysen oder der verschiedenen Varianten könnte helfen.

Lukas: Häufig ist der Effizienzpunkt nur aus Kostengründen interessant: Wie viel muss ich mehr reinstecken, damit sich das in acht Jahren amortisiert. Das sind nur Zahlen, das ist unsexy.

Wie bekommt die TGA-Planung mehr Gewicht im Bauprozess?

Roman: Es geht meist um rein wirtschaftliche Gesichtspunkte — entweder macht die Politik Druck oder es passiert nur aus wirtschaftlichen Gründen. Wir nutzen unsere Marktmacht zu wenig: Weil es zu wenig TGA-Planer für die Projekte am Markt gibt, könnte man Varianten anbieten und so lange beharren, bis eine ökologische Variante gewählt wird. Wir haben das zusammen mit einem Energieberater geschafft — er war ein eingesessener Hase beim Bauherrn. Dann wurde nicht die wirtschaftlichste, sondern die ökologischste Variante gewählt: eine Wärmepumpe, vor etwa acht Jahren, als es hieß, Strom sei zu teuer und Gas zu günstig. Heute freuen sie sich über die Wärmepumpe. Eine Sporthalle mit niedrigen Vorlauftemperaturen und PV auf dem Dach — die perfekte Lösung.

Lukas: Ein langfristiges Ziel wäre, die TGA-Ingenieure im Bauprozess wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. In dem Planungsbüro, in dem ich arbeite, beobachte ich, dass der TGA-Ingenieur sich ein bisschen als Handlanger des Bauherrn und des Architekten verkauft. Man macht Konzepte, aber am Ende steht die Meinung des Architekten oder Bauherrn über der des TGA-Ingenieurs. Der Architekt hat seinen Entwurf fertig, dann muss der TGA-Ingenieur gucken, wo er seine Technik unterbringt. Besser wäre, wenn der TGA-Ingenieur von Anfang an dabei wäre und das Gebäude so gestaltet würde, dass weniger Technik gebraucht wird, um trotzdem einen behaglichen Raum zu schaffen.

Roman: Wenn man erst in Leistungsphase 2 oder 3 dazukommt, sind die Schächte schon vorgesehen. Dann muss die Antwort sein: Macht es ohne uns oder macht es neu. Dann bezahlt ihr den Architekten nochmal.

Lukas: Dann wird nicht mehr der Architekt für das tolle Gebäude gelobt, sondern der TGA-Ingenieur oder der Bauphysiker, der ein möglichst effizientes Gebäude realisiert hat.

Roman: Architekten lernen im Studium, sich darzustellen, ihre Entwürfe zu präsentieren und sich durchzusetzen. Das müsste bei den TGA-Planern auch vorangetrieben werden — mit dem besseren Energiekonzept.

Lukas: Oder die Vision herauskitzeln. Architekten verwirklichen sich in ihrem Gebäude, sie wollen etwas ausdrücken. Das fehlt bei den TGA-Ingenieuren, weil die relativ pragmatisch orientiert sind.

Roman: Was wünschst du dir vom Planungsbüro deiner Wahl? Was sind die Anreize, wenn man dich oder deine Kommilitoninnen und Kommilitonen gewinnen wollte?

Lukas: Ein großer Punkt sind das Arbeitsumfeld und die Arbeitsherangehensweise. Das Ingenieurgewerk ist relativ konventionell eingestellt; aktuelle Themen wie Homeoffice oder flexibles Arbeiten sind aus meiner Sicht nicht mehr diskutabel und sollten Standard sein.

Roman: Das ist ein Muss. Was würde darüber hinausgehen?

Lukas: Für mich wäre sehr interessant, direkt Verantwortung zu übernehmen — relativ früh eigene Aufgaben finden zu können, nicht nur von oben Aufgaben abzuarbeiten, sondern als Ansprechpartner eines Projekts da zu sein und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Was sind die größten Herausforderungen der TGA-Branche?

Lukas: Ich habe eine Frage an euch beide: Wo seht ihr die größten Herausforderungen für die TGA-Branche in den nächsten Jahren?

Sören: Es sind die Themen, die mich persönlich am meisten beschäftigen: Digitalisierung und die Entwicklung zum nachhaltigen Bauen, weil da viel Verschwendung stattfindet. Mir haben diese Themen erst richtig die Augen geöffnet, was das für ein dickes Brett an Umdenken ist. Und darüber hinaus, wie man besser kooperativ und gemeinsam zusammenarbeiten kann — dieses Verschmelzen der Grenzen in einem komplexen Arbeitsumfeld. Das alles unter einen Hut zu bekommen — fachliche Ausbildung, Digitalisierung — und nicht in fünf Jahren zu resignieren, das ist für mich persönlich die größte Herausforderung.

Roman: Ich unterstütze das und würde hinzufügen: Wir TGA-Fachplaner haben keinen guten Ruf. Der kommt zum großen Teil durch Kapazitätsprobleme und Ineffizienzen zustande — schlechte Kommunikation mit Bauherren und Architekten, zu wenig Leute, zu wenig Zeit. Das kollidiert mit den Anforderungen von außen und damit, dass mehr Leute in Rente gehen als nachkommen. Mehr Effizienz und höhere Standards in unserer Planungstätigkeit würden helfen, unseren Ruf zu verbessern und mehr Geld zu verdienen. Die HOAI ist für uns nicht nur Segen, sondern auch Fluch: Es gibt eine harte finanzielle Honorargrenze bei den Projekten, und die muss steigen, um den Beruf attraktiv zu machen.

Sören: Mehr Honorar, mehr Qualität, mehr Herausforderungen.

Roman: Lukas, vielen Dank.

Lukas: Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Wie ist Lukas Bost zur TGA gekommen?

Nach dem Abitur war er orientierungslos und fragte Bekannte nach ihren Berufen. Ein Bekannter, Geschäftsführer eines Unternehmens für Automatisierungstechnik, wies ihn auf den großen Bedarf an TGA-Ingenieuren hin. Daraufhin recherchierte Lukas und stieß auf den Studiengang TGA und Versorgungstechnik an der FH Trier.

Warum entscheidet sich die junge Generation für die TGA, obwohl andere Branchen besser zahlen?

Laut Lukas gibt bei seiner Generation weniger das Gehalt den Ausschlag als die Mission und die Sinnhaftigkeit. Viele könnten auf ein paar hundert Euro monatlich verzichten, wenn sie gerne zur Arbeit gehen und das Gefühl haben, etwas zu leisten, wovon die Gesellschaft profitiert. Die Energiewende ist dabei das stärkste Motiv.

Wie kann man junge Leute für die TGA gewinnen?

Zuerst muss bei Schülern ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass es in der Baubranche auch andere Berufe als Architekt gibt. Lukas wusste nach dem Abitur nicht, dass es TGA-Ingenieure gibt. Im zweiten Schritt sollten die Fakten vermittelt werden, vor allem das Thema Energiewende, mit dem man die jüngere Generation gut abholt.

Warum ist die Einführung von BIM in kleinen Büros so schwierig?

Bei einer Unternehmensgröße von etwa 16 Leuten fehlen die Ressourcen, um ein eigenes BIM-Team als Pioniergruppe zu bilden, das BIM sukzessive einführt. Größere Büros mit mehreren hundert Mitarbeitern haben seit Jahren Abteilungen, die das vorantreiben und dadurch nicht nur an Effizienz, sondern auch an Effektivität gewinnen.

Wie wird Cradle to Cradle in der TGA an Hochschulen behandelt?

Laut Lukas wurden Sanierungsthemen an seiner Hochschule wenig und kreislaufwirtschaftliche Themen überhaupt nicht unterrichtet. Cradle to Cradle bedeutet in der TGA, bestehende Anlagen zu analysieren, zu recyceln, wiederzuverwenden und zu zertifizieren. Erste Professuren existieren etwa an der RWTH, aber die breite Masse fehlt.

Warum hat die TGA-Planung gegenüber der Architektur ein Standing-Problem?

Der TGA-Ingenieur verkauft sich oft als Handlanger von Bauherr und Architekt: Der Architekt hat seinen Entwurf fertig, dann muss der TGA-Ingenieur unterbringen, wo seine Technik hinpasst. Besser wäre, wenn er von Anfang an dabei wäre, damit das Gebäude so gestaltet wird, dass weniger Technik nötig ist. Architekten lernen im Studium, sich zu präsentieren und durchzusetzen — das fehlt bei TGA-Planern.

Was wünscht sich der Nachwuchs von einem Planungsbüro?

Wichtig sind ein gutes Arbeitsumfeld und eine moderne Arbeitsherangehensweise. Flexibles Arbeiten und Homeoffice sieht Lukas als nicht mehr diskutables Muss. Darüber hinaus wünscht er sich, früh Verantwortung zu übernehmen und als Ansprechpartner eines Projekts eigene Aufgaben in die Hand nehmen zu können, statt nur von oben Aufgaben abzuarbeiten.

Zitate

Meiner Generation können viele auf ein paar hundert Euro monatlich verzichten, wenn sie dafür gerne zur Arbeit gehen und das Gefühl haben, etwas zu leisten, wovon die Gesellschaft profitieren kann."

Lukas Bost

Stellt sich ja niemand mehr die Frage, ob BIM kommt. Die Frage ist nur, wann und in welchem Umfang."

Lukas Bost

Wir TGA-Fachplaner haben keinen guten Ruf. Der kommt zum großen Teil durch Kapazitätsprobleme und Ineffizienzen zustande."

Roman Fritsches

Generell sollte man das TGA-Ingenieur-Dasein irgendwie ein bisschen mehr sexy machen."

Lukas Bost

Zahlen & Fakten

Lukas Bost ist 22 Jahre alt, studiert TGA und Versorgungstechnik an der FH Trier und schreibt seine Bachelorarbeit über ein Energiekonzept für Wärme und Kälte für ein Logistikzentrum.

Quelle: Lukas Bost

Das TGA-Fachplanungsbüro, in dem Lukas als Werkstudent arbeitet, hat 16 Mitarbeiter — laut Roman die übliche Durchschnittsgröße in Deutschland.

Bei Menschen unter 30 besteht laut Lukas ein unverhältnismäßig größeres Interesse an Energie- und Zukunftsthemen.

Quelle: Lukas Bost

Große Planungsbüros mit 400 Mitarbeitern und mehr haben seit Jahren eigene Abteilungen, die BIM vorantreiben.

Glossar

Carbon Footprint
Pro Produkt ermittelte CO2-Menge; auf die TGA übertragen z.B. ein Aufkleber am Wickelfalzrohr mit den Gramm CO2 für die Herstellung.
Cradle to Cradle / Kreislaufwirtschaft
In der TGA: bestehende Anlagen analysieren, recyceln, wiederverwenden und zertifizieren — statt wie bei Architekten nur mit anderen Materialien (Holz, Beton) zu arbeiten.
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