TGA-Planung › Besondere Leistungen TGA-Planung › Folge #64
tgabar · BargesprächeExperten helfen Planern (Tür- und Sicherheitstechnik)
Sicherheitstechnik rund um die Tür — Zutrittskontrolle, Türlisten, Brandschutz und Fluchtwege — ist ein Spezialgewerk, das TGA-Generalplaner selten beherrschen. Fachplaner wie Klaus Venn von Securityplan prüfen und führen die hochkomplexen Türlisten und werden oft zu spät beauftragt. Die tgabar will Generalplaner und solche Spezialisten zusammenbringen, damit Projekte besser laufen.
Transkript
Warum ist Sicherheitstechnik rund um die Tür ein eigenes Spezialgewerk?
Roman: Moin und herzlich willkommen zum einzigen Podcast von der TGA-Bar. Ich habe nicht vergessen, die Bargeräusche auszuschalten — wir sind wirklich an der Bar. Das ist eine Premiere. Wir sind hier am Berliner Bahnhof in den Hamburger Deichtorhallen, eine geile Location. Du hast uns eingeladen, weil du jetzt hier in Hamburg bist. Warum bist du eigentlich in Hamburg? Erklär doch mal deinen Hintergrund.
Klaus: Ich bin als Fachplaner für Sicherheitstechnik unterwegs und arbeite eng mit Herstellern zusammen. Wir treffen uns regelmäßig zum Austausch mit Vertrieblern und Key Account Managern, die sich um die großen Projekte in Deutschland kümmern, speziell Zutrittskontrolle und Technik rund um die Tür. Dieser Abgleich ist notwendig, damit die Kollegen wissen, was wir tun, und wir wissen, wo die Projekte sind. Diese Art von Akquise ist zielführend: Es gibt von unseren Planerkollegen rund um die Tür nur eine Handvoll Leute in Deutschland, die sich wirklich so speziell auskennen. Die werden gesucht, und darüber finden wir die Projekte. Wir kommen nicht über Ausschreibungen oder normale Anfragen — das kommt ganz speziell auf uns zu.
Roman: Wir machen eine Nachfolge zu dem Thema, wie Planer zusammenarbeiten können, wie wir Kapazitäten teilen und uns besser gemeinsam mit Projekten beschäftigen. Deine Firma heißt Securityplan, oder?
Klaus: Ja, Securityplan GmbH. Wir sitzen in Leer in Ostfriesland — ab vom Schuss, aber freiwillig gewählt. Eine schöne Landschaft, man kann da in Ruhe arbeiten und leben. Von da aus arbeite ich bundesweit; Ostfriesland selbst sind keine Projekte für uns.
Roman: Das Werftgeschäft, Zutrittskontrolle auf Schiffen, machst du nicht?
Klaus: Nein, das ist eine andere Liga, eher Modulbauweise und kleineres Geschäft, keine komplexen Anlagen.
Warum braucht die Sicherheitstechnik Praktiker aus dem Handwerk?
Roman: Du sagtest, ihr seid alle ehemalige Techniker — Leute, die Zutrittskontrolle wirklich verstehen. Und das kann man nicht auf dem Papier oder durch Schulungen lernen, sondern man muss vor Ort mal geschraubt haben.
Klaus: Sicherheitstechnik ist kein Ausbildungsberuf. Überwiegend sind es Fernmelder oder Elektriker, die sich im Laufe der Zeit umgeschult und die Technik über Technikschulungen erlernt haben. Diese Erfahrung ist wichtig, um die komplexe Technik zu verstehen und langfristig im Projekt mitzudenken — bis in die Inbetriebnahmephase und die Maintenance-Phase hinein. Wenn wir darüber nicht nachdenken, wird es gar nicht funktionieren.
Roman: Das heißt, ihr denkt von hinten — wie es funktionieren muss — und baut dann die Planung auf.
Klaus: Ja, wir bieten als Planer die Leistungsphase 8 mit an, weil wir dem Kunden zeigen wollen: Wir planen das Ding so, wie es nachher auch funktioniert, weil wir bis zum Ende dabei sind und die Inbetriebnahme begleiten.
Worin unterscheidet sich die Sicherheitsplanung von der übrigen TGA-Planung?
Klaus: In der TGA gibt es viele Bereiche, die mit Berechnungen hinterlegt sein müssen — Klima, Heizung, Lüftung, Elektro. Du überlegst, wie viele Leistungen und Kapazitäten du brauchst. Bei der Sicherheitstechnik geht es überwiegend um Funktionalitäten und die Einbindung der notwendigen Richtlinien, Brandschutz und so weiter. Wir gucken, welche Türen die Architekten schön finden — die dürfen ihre Türen und Farben bestimmen. Dann kommt der Brandschützer dazu und malt seinen Brandschutzplan, den wir dankbar aufnehmen, weil das unsere Argumente sind, die Türen entsprechend auszustatten. Dann kommen unsere Erfahrungswerte und Erfahrungen mit zukünftiger Technik hinzu. In der Zutrittskontrolle bauen wir Anlagen, die teilweise über Generationen genutzt werden. Deshalb müssen wir uns früh mit dem Kunden auseinandersetzen: Wie will er das nutzen, welche Nutzergruppen gibt es, welche Ansprüche haben sie, auch hinsichtlich des späteren Betriebs.
Roman: Das heißt, die HOAI ist für dich Standard — Bedarfsplanung, Nutzer befragen, Varianten darstellen und kostenseitig betrachten. Du gehst über die kompletten Leistungsphasen.
Klaus: Wir sind das Bindeglied zwischen vielen Gewerken und müssen uns in Prüfung und Freigabe einbringen. Wir sind die, die am Ende in unseren Projekten die Türliste prüfen und freigeben, weil wir das Gewerk sind, das am besten überblicken kann, welche Komponenten an einer speziellen Tür notwendig sind, damit sie die Funktionalität und Zulassung erreicht.
Roman: In der Leistungsphase 5 kommt bei professionellen Projekten jedes Mal das Thema Türliste. Aber das sind dann vielleicht Projekte wie eine Justizvollzugsanstalt oder eine Bank, wo wir verschiedene Zutrittskontrollebenen haben.
Klaus: Vor allem Großprojekte mit vielen Nutzern. Wir haben viele verschiedene Ansprüche, interne Richtlinien und IT-Vorgaben, die eingehalten werden müssen.
Welche Leistungen bietet ein Sicherheitsfachplaner über die reine Planung hinaus?
Klaus: Neben der klassischen Planung machen wir Sicherheitskonzepte und Migrationskonzepte für Bestandsanlagen, bei denen der Betreiber eine Anlage im laufenden Betrieb austauschen muss, ohne dass viel schiefgeht. Und Qualitätssicherung für Bauherren, die an Generalunternehmer Aufträge übergeben, bei denen aber eigene Standards umgesetzt werden müssen, die in der Vergabephase noch gar nicht festgelegt waren. Am Anfang großer Projekte geht es nur um Geld. Irgendwann sagt eine Sicherheits- oder IT-Abteilung: Wir haben hier unsere Vorschriften, wir brauchen die Zutrittskontrolle, eine Einbruchmeldeanlage, denkt an die Flucht- und Rettungstechnik. Dann beauftragen die Betreiber uns, ein Lastenpflichtenheft zu erstellen, damit die Fachplaner — meistens Elektroplaner — das anpassen können. Erfahrungsgemäß kommen die dann wieder zu uns und fragen, wie sie es machen sollen, weil es super speziell ist und oft schon ein Produkt feststeht, das ein Standardplaner nicht auf dem Schirm hat.
Roman: Das heißt, du wirst auch von Bauherren angefragt, mit deren Planer zu sprechen und das Konzept zu prüfen.
Klaus: Bauherren kommen auf uns zu, Hersteller kommen auf uns zu. Die wissen, dass wir deren Produkt durch Schulungen, Kontakte und Projekte kennen.
Wie entstehen Vertrauen und neue Kooperationen zwischen Planern?
Roman: Du lernst Fachplaner durch so eine Qualitätsprüfung kennen. Das war auch die Idee von Sören und mir: über eine Art Plattform ein verrauchtes Hinterzimmer in der Bar zu schaffen, wo man sich treffen kann.
Klaus: Da, wo Vertrauen herrscht, wo man sich fallen lassen und dem anderen einen Vertrauensvorschuss geben kann. Ich habe viele Fachplaner, überwiegend TGA-Planer, die Heizung, Sanitär, Lüftung und ein bisschen Elektro machen und in kleineren bis mittleren Projekten gefragt werden, ob sie auch Brandmeldeanlagen mitplanen können. Das kommt meistens über Empfehlungen, viel über Errichter, die die Kunden kennen. Erst wirst du angeteasert mit einem kleinen Projekt, dann gucken sie, wie es funktioniert. Nach Abschluss kommt direkt das nächste, dann die größeren, und dann geht ein regelmäßiges Geschäft los, worüber wieder andere Planer reinkommen.
Roman: Ihr seid ein Büro mit zwölf Mann — überschaubare Größe, aber mit den richtigen Kompetenzen. Erlebst du einen Unterschied bei deinen Auftraggebern je nach Größe des TGA-Planers?
Warum lohnt sich Sicherheitsfachplanung erst ab einer bestimmten Projektgröße?
Klaus: Wir arbeiten eher mit den großen TGA-Büros, 100 plus Mitarbeiter, weil die die Projektgrößen und Umsätze haben, sodass unsere Leistung nicht mehr so ins Gewicht fällt. Wenn ein Planer 100.000 Euro Auftrag hat und dann eine Zutrittskontrolle mit 50.000 Euro ins Spiel kommt, schlucken die — das können sie von ihrem Honorar nicht abdrücken. Du brauchst Projekte im Millionenbereich, wo wirklich Not am Mann ist und der Bauherr bereit ist nachzuschießen, um Kompetenzen an Bord zu holen. Gerade im Türbereich ist die Lieferschwierigkeit extrem. Wir gehen davon aus, dass in einem größeren Projekt 20 bis 30 Prozent aller Türen falsch geplant und bestellt werden und Ersatz geschaffen werden muss. Dann kriegen wir eine Bauverzögerung — und da kommt die große Nachfrage nach Türplanern.
Roman: Die Türen werden eingebaut, man stellt fest, 30 Prozent erfüllen die Brandschutzanforderungen nicht oder passen nicht, dann habe ich zwölf Wochen Lieferzeit, also drei, vier Monate obendrauf. Das ist ein großer Schmerz für den Bauherrn. Und die TGA-Fachplaner haben das Thema Tür normalerweise nicht drin.
Warum sind Türlisten so fehleranfällig?
Klaus: Die Türlisten der Architekten haben eine Historie — entweder im Büro immer wieder verwendet oder aus dem Studium mitgebracht und nie weiterentwickelt. Im laufenden Prozess wird sie von allen möglichen Leuten weiterentwickelt, nur nicht in die richtige Richtung. Du schickst eine bearbeitete Türliste weiter, der Nächste blendet die Spalten aus, die ihn nicht interessieren, schickt sie weiter, der Übernächste fügt sie wieder hinzu. Wir haben Projekte mit teilweise 280 bis 300 Spalten in der Türliste — hochkomplex. Wenn die nicht einer führt, sind die falsch, und dann werden die Türen falsch bestellt.
Klaus: Der klassische Auftragnehmer einer Tür ist ja nie der, der die Tür wirklich baut. Der geht zum Sub, zum Sub, zum Sub — kleine Betriebe in Tschechien, Polen oder im Bayerischen Wald, die günstig Profile zusammenschrauben und Komponenten einbauen. Die haben schon Probleme, einen Werk- und Montageplan auszustellen. Da ist die Qualität der Ausführungsplanung von unserer Seite ganz wichtig, damit die wissen, was sie einbauen sollen. Wir müssen sehr exakt bis auf die Produktebene arbeiten und sagen: Du musst einen Fluchttüröffner Modell X reinbauen, mit einem Kabel zwei Meter lang, das oben rechts an der Zarge ausgelassen wird.
Klaus: Türen werden in der Regel als eine der ersten Komponenten bestellt, weil sie die meiste Lieferzeit haben. Wenn die eingebaut sind, ist es vorbei.
Wie können Generalplaner und Spezialisten besser zusammenarbeiten?
Sören: Wir sollten nicht nur auf die anderen schauen, sondern auch in unsere Richtung als TGA-Fachplaner. Du bist der Fachplaner im Fachplaner. Was würdest du dir vom allgemeinen TGA-Generalplaner für so ein Spezialthema wünschen?
Roman: Ich wette, das Hauptproblem ist, dass du zu spät beauftragt wirst.
Klaus: Wir werden immer zu spät beauftragt — wie die Brandschützer. Die kriegen ihre Pläne nicht fertig, und alle müssen warten, bis ein freigegebener Brandschutzplan kommt. Wir müssen ja wissen, wo die Flucht- und Rettungswege sind. Was würde ich mir wünschen? Projektleiter, die einsehen, dass die Büros nicht alles können, und Geschäftsführer, die einsehen, dass sie ein Stückchen vom Honorar abgeben müssen, um am Ende eine gute Gesamtleistung zu machen.
Sören: Der Spezialist ist kein Konkurrent um den Umsatz, sondern ein Problemlöser, weil er der Fachmann ist.
Roman: Ich habe ein ähnliches Thema mit den Laborplanern. Wir haben einen Laborplaner, der alle Labormöbel als IFC-Module schon drin hat und modular zusammenbaut — phänomenal. Den haben wir ganz klar als Nachunternehmer, und der bekommt auch ein Viertel vom Honorar, weil Laborplanung teuer ist. Bei Zutrittskontrolle geht es aber meist nicht um ein Viertel, sondern vielleicht um ein Zehntel des Honorars — da ist es nicht klar. Das ist eine Lücke. Vielleicht ist das ein Ansatz für eine Plattform: anzufangen mit den Spezialgebieten.
Wie könnte eine Plattform aussehen, die Experten und Generalisten zusammenbringt?
Roman: Heizung, Lüftung, Sanitär können alle. Elektro ist ein Thema, wo sich Planungsbüros finden möchten — die einen machen Elektro, die anderen HLS, und sie suchen sich. Das wäre fast das Tinder für die HLS- und Elektro-Leute, wo es um Vertrauen geht.
Klaus: HLS und Elektro ist einfach abgrenzbar. Mit der Sicherheitstechnik rund um die Tür stecken wir dagegen in allen Themen drin — ein Stück vom Architekten, vom Türplaner, dessen Planung wir prüfen sollen. Die Erwartungshaltung ist, dass alle Beteiligten zu uns kommen und fragen: Haben wir alles richtig gemacht? Weil sie es einfach nicht wissen.
Roman: Mir kommt eine Idee: Wir interviewen jetzt einen Vollexperten für Türen, und der Podcast zeigt deine Kompetenz und baut Vertrauen auf. Die Planer, die das hören, fragen sich vielleicht, ob sie das Thema Türen als eigenes komplexes Thema beim Bauherrn mit anbieten. Vielleicht führen wir solche Interviews auch mit einem Laborplaner oder Lichtplaner und schaffen über den Podcast Vertrauen. Das Sprechen ist ein anderes Vertrauen, als wenn nur ein Text dasteht.
Klaus: Es gibt viele Foren, Messen und Fachkongresse, wo man sich treffen kann, auch mal aus der TGA-Bar heraus.
Roman: Das Thema Live kommt immer wieder. Bei den Happy Hours haben wir 90 Leute dabei. Vielleicht kriegen wir es hybrid hin: Man trifft sich in einer Bar, und trotzdem sind 100 Leute online dabei.
Roman: Meine Idee wäre, die TGA-Bar-Website zu nehmen und verschiedene Spezialisten zu interviewen und vorzustellen — Viertelstunden- oder 30-Minuten-Interviews, mit einer Visitenkarte und der Podcast-Folge dazu. Als Planer weiß ich, ich brauche einen Spezialisten für ein Thema, und schaue mir den an.
Klaus: Vielleicht so eine kleine Skill-Liste, was das Fachgebiet ist, auch welche Mitarbeiter an Bord sind und welche Erfahrungen sie haben — damit man im Vorfeld gucken kann, wen man für seine Anforderungen sucht.
Warum gehört ein Sicherheitskonzept schon in die frühe Projektphase?
Klaus: Ich glaube, dass ganz früh beim Kreieren des Projekts neben einem Brandschutzkonzept auch ein rudimentäres Sicherheitskonzept beschrieben werden sollte, das festlegt, welche Sicherheitsgewerke man braucht: Sicherheitsstandard von Tür, Wänden, Fenstern, Anforderungen an die Zutrittskontrolle, die Notwendigkeit einer Einbruchmeldeanlage und vernünftiger Türkommunikation. Die überwiegenden Generalplaner bemustern immer noch eine Siedle- oder Gira-Sprechanlage, die heute nicht mehr zeitgemäß sind. Bei großen Anlagen müssen wir in SIP-Anlagen investieren und planen. Das hat keiner auf dem Schirm, weil sie von der Ausbildung her nicht so weit sind.
Roman: Das heißt, das Sicherheitskonzept ist nicht das, was ich für eine Brandmeldeanlage mache, sondern es geht um Einbruchssicherheit und Zutrittssicherheit.
Klaus: Wir fangen mit Sicherheitszonen an, mit Bedrohungslagen und der Bewertung der Bedrohung, um zu sagen: Ich muss den und den Schutz für das Objekt und die Nutzer liefern, damit es im Betrieb sauber funktioniert. Die Herausforderung ist, im Vorfeld durch Gespräche und Beratung herauszufinden, welcher Schutz nötig ist — zum Schutz von Eigentum, Personen und Rechten. Wichtig ist, dass jemand kompetent den Überblick hat und ein Sicherheitskonzept erstellt, das von den Betreibern oder Nutzern freigegeben wird, nicht von den Planern, weil die Nutzer nachher damit umgehen müssen. Wir bauen für den Nutzer.
Roman: Das heißt, das wäre ein typisches Thema für die Leistungsphase 2, wo du das Konzept mitgestalten würdest.
Klaus: Wir wissen, was wir fragen müssen und wen. Das funktioniert meistens über Workshops über zwei, drei Tage. Dann schreiben wir etwas zusammen, es wird vorgestellt, und in der Regel sind alle Unklarheiten beseitigt.
Welche weiteren Spezialgewerke braucht der Generalplaner?
Roman: Ich habe heute zwei große Sachen mitgenommen. Erstens: Das Thema Sicherheit, Zutrittskontrolle und Türen ist deutlich komplexer, als ich es auf dem Zettel hatte — auch die Integration und Ausführung, dass die Türen mit verschiedenen Beschlägen zusammengeschraubt werden und die Produkte genannt werden müssen.
Sören: Das ist ja auch ein Architekturthema, könnte man meinen.
Roman: Könnte man meinen, ist aber zu komplex für einen Architekten und in Teilen auch für einen TGA-Planer, weil alles so eng zusammenspielt — du bist der Spezialist dafür. Zweitens: Wenn wir Planer zusammenbringen wollen, müssen wir im ersten Schritt die Fachexperten in bestimmten Disziplinen darstellen.
Sören: Vielleicht erst einmal identifizieren — als Appell: Wer wen kennt, meldet euch.
Roman: Ich habe den Laborplaner auf dem Zettel. Es gibt noch viele Spezialgebiete: Feuerlöschanlagen, Sprinkleranlagen.
Sören: Küchen, Großküchen.
Roman: Küchenplaner. Perimetersicherung — was ist Perimetersicherung?
Klaus: Die Grenzsicherung nach Definition. Das kann ein Zaun sein oder eine Videoanlage mit virtuellen Zäunen oder Grundstücksgrenzen. Das brauchst du ganz wichtig.
Roman: Wir haben relativ wenig mit Hochsicherheitsgebäuden zu tun. Also können wir in Ruhe nochmal drüber quatschen — aber ich habe heute viel gelernt. Vielen Dank dafür.
Klaus: Sehr gerne. Das war mein erster Podcast — sehr interessant, super spannend. Ich empfehle jedem, einfach mal einen Podcast mitzumachen.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Warum ist die Planung der Tür- und Sicherheitstechnik ein eigenes Spezialgewerk in der TGA?
Sicherheitstechnik rund um die Tür ist kein Ausbildungsberuf; sie wird überwiegend von umgeschulten Fernmeldern oder Elektrikern über Technikschulungen und Praxiserfahrung erlernt. Anders als die berechnungsbasierten TGA-Gewerke geht es vor allem um Funktionalitäten, Richtlinien und die Integration über viele Gewerke hinweg. Nur eine Handvoll Planer in Deutschland kennt sich damit wirklich aus.
Was ist eine Türliste und warum ist sie so fehleranfällig?
Die Türliste ist das zentrale Dokument, das für jede Tür die notwendigen Komponenten, Funktionen und Zulassungen festlegt; in Großprojekten kann sie 280 bis 300 Spalten umfassen. Sie ist fehleranfällig, weil sie von vielen Beteiligten bearbeitet wird, die Spalten ein- und ausblenden, und weil sie oft aus alten Vorlagen stammt und nicht weiterentwickelt wird. Wird sie nicht von einer Stelle geführt, werden Türen falsch geplant und bestellt.
Welche Folgen hat eine fehlerhafte Türplanung für ein Bauprojekt?
Der Fachplaner geht davon aus, dass in größeren Projekten 20 bis 30 Prozent aller Türen falsch geplant und bestellt werden. Da Türen wegen ihrer langen Lieferzeit als eine der ersten Komponenten bestellt werden, führt das zu Nachbestellungen mit rund zwölf Wochen Lieferzeit und damit zu drei bis vier Monaten Bauverzögerung — ein großer wirtschaftlicher Schaden für den Bauherrn.
Welche Leistungen bietet ein Sicherheitsfachplaner neben der klassischen Planung an?
Neben der Planung erstellt er Sicherheitskonzepte und Migrationskonzepte für den Austausch von Bestandsanlagen im laufenden Betrieb sowie Qualitätssicherung für Bauherren. Häufig erstellt er ein Lastenpflichtenheft, damit bereits beauftragte Fachplaner — meist Elektroplaner — die speziellen Anforderungen umsetzen können. Der Fachplaner bietet zudem die Leistungsphase 8 mit an und begleitet die Inbetriebnahme.
Ab welcher Projektgröße lohnt sich der Einsatz eines Sicherheitsfachplaners?
Sinnvoll ist die Zusammenarbeit vor allem mit großen TGA-Büros (100 plus Mitarbeiter) und Projekten im Millionenbereich. Bei kleinen Aufträgen fällt das Honorar für eine Zutrittskontrolle zu stark ins Gewicht. Erst bei großen Projekten ist der Bauherr bereit nachzuschießen, um die nötigen Spezialkompetenzen an Bord zu holen.
Was umfasst ein Sicherheitskonzept und wann sollte es erstellt werden?
Ein Sicherheitskonzept geht über das Brandschutzkonzept hinaus und beginnt mit Sicherheitszonen, Bedrohungslagen und deren Bewertung, um den nötigen Schutz von Eigentum, Personen und Rechten festzulegen. Es benennt die erforderlichen Sicherheitsgewerke wie Zutrittskontrolle, Einbruchmeldeanlage und Türkommunikation und sollte schon früh in der Leistungsphase 2 erstellt und von Betreibern oder Nutzern freigegeben werden, häufig über mehrtägige Workshops.
Warum werden Sicherheitsfachplaner häufig zu spät beauftragt?
Generalplaner haben Spezialthemen wie Zutrittskontrolle oft nicht von Anfang an auf dem Schirm; sie tauchen erst auf, wenn Anforderungen von Sicherheits- oder IT-Abteilungen oder etwa von einer Justizbehörde kommen. Der Fachplaner wünscht sich Projektleiter, die einsehen, dass ein Büro nicht alles kann, und Geschäftsführer, die bereit sind, einen Teil des Honorars abzugeben, um eine gute Gesamtleistung zu erreichen.
Zitate
„Wir gehen im Moment davon aus, dass in einem größeren Projekt 20 bis 30 Prozent aller Türen falsch geplant sind."
— Klaus Venn
„Wir werden immer zu spät beauftragt. Wie die Brandschützer."
— Klaus Venn
„Wir bauen ja für den Nutzer."
— Klaus Venn
„Wir bieten eigentlich für TGA-Generalplaner eine Plattform, wo sie Experten finden für Fachgebiete wie dich."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
In größeren Projekten werden schätzungsweise 20 bis 30 Prozent aller Türen falsch geplant und bestellt, sodass Ersatz beschafft werden muss.
Quelle: Klaus VennEine Türliste kann in Großprojekten teilweise 280 bis 300 Spalten umfassen.
Quelle: Klaus VennFalsch bestellte Türen führen wegen rund zwölf Wochen Lieferzeit zu etwa drei bis vier Monaten Bauverzögerung.
Securityplan ist ein Büro mit zwölf Mitarbeitern und arbeitet von Leer in Ostfriesland aus bundesweit.
Quelle: Klaus VennAn den digitalen Happy Hours der tgabar nehmen rund 90 Leute teil.
Quelle: Roman FritschesGlossar
- Migrationskonzept
- Konzept für den Austausch einer Bestands-Sicherheitsanlage im laufenden Betrieb unter Einhaltung von IT-, Sicherheits- und Betriebsvereinbarungs-Standards.
- Perimetersicherung
- Grenz- bzw. Außenhautsicherung eines Grundstücks, etwa durch Zäune oder Videoanlagen mit virtuellen Zäunen entlang der Grundstücksgrenzen.
- Sicherheitskonzept
- Übergeordnetes Konzept, das mit Sicherheitszonen und Bedrohungslagen den nötigen Schutz von Objekt, Personen und Rechten festlegt und die erforderlichen Sicherheitsgewerke benennt.
- Türliste
- Zentrales Planungsdokument, das je Tür die notwendigen Komponenten, Funktionen und Zulassungen festlegt; in Großprojekten mit 280 bis 300 Spalten.
- Zutrittskontrolle (ZUKO)
- Sicherheitstechnik rund um die Tür, die regelt, wer wann welche Bereiche eines Gebäudes betreten darf; in Großprojekten oft über mehrere Kontrollebenen und über Generationen hinweg genutzt.