TGA-Planung › BIM-Fachkoordination TGA-Planung › Folge #24
tgabar · BargesprächeBIM Rollen und Institutionen
Ein BIM-Projekt braucht klar verteilte Rollen: Der BIM-Manager erstellt auf Bauherrenseite die Auftraggeber-Informationsanforderungen, der BIM-Gesamtkoordinator gießt sie auf Auftragnehmerseite in einen BIM-Abwicklungsplan, und je Fachbüro koordiniert ein BIM-Fachkoordinator die Fachmodelle. Standards und Zertifikate dafür setzt buildingSMART, teils gemeinsam mit dem VDI.
Transkript
Welche BIM-Rollen braucht ein Projekt auf Auftragnehmerseite?
Roman: Moin Moin aus Hamburg und herzlich willkommen zum einzigen Podcast zum Thema Projektmanagement in der TGA. Wir sind immer noch bei den BIM-Wochen an der Bar, Sören Janson und ich, Roman Fritsches. Wir hatten letztes Mal ganz viele Abkürzungen — BAP, CDE, BCF. Und jetzt kommen wir zu etwas weniger Technischem und mehr Menschlichem, nämlich zu den Rollen, die wir brauchen, um ein BIM-Projekt umzusetzen.
Sören: Letztes Mal hatten wir uns angeschaut, was ich überhaupt brauche, um mit einem BIM-Projekt beginnen zu können. Und jetzt stellen wir uns die Frage, was ich an Menschen auf unserer Seite brauche.
Roman: Auf unserer Seite, an menschlichen Kapazitäten. Wir haben das letzte Mal über die Auftraggeber-Informationsanforderungen gesprochen. Üblicherweise ist dafür eine Rolle notwendig, die diese nicht nur erstellt, sondern auch deren Umsetzung bis zum Ende begleitet.
Sören: Wir gucken uns jetzt erst die Auftragnehmer-Seite an, so hatten wir es besprochen.
Roman: Auftragnehmer-Seite, du hast recht. Der BIM-Gesamtkoordinator würde die Anforderungen der AIA in einen BIM-Abwicklungsplan gießen. Dafür ist er zuständig.
Sören: Der fragt sich: Welche Software haben wir hier im Planungsbüro? Welche Austauschformate können wir liefern? Und welche Anwendungsfälle können wir umsetzen, weil wir das Know-how im Unternehmen haben?
Roman: Genau. Und wer stellt das Common Data Environment? Das ist üblicherweise ein Architekt, ein Objektplaner. Ich habe auch schon erlebt, dass es auf der Bauherrenseite noch ein weiteres Leistungsbild gab, eine zusätzliche Rolle zum Objektplaner.
Wie unterscheiden sich BIM-Manager und BIM-Gesamtkoordinator?
Roman: Die AIA hat der BIM-Manager erstellt. Es gibt einen BIM-Manager auf Bauherrenseite und einen BIM-Gesamtkoordinator auf Auftragnehmerseite — Hund und Katz. Der eine macht die AIA, der nächste kümmert sich um den BIM-Abwicklungsplan. Und beide versuchen zusammen, die Anwendungsfälle umzusetzen, die der Bauherr sich wünscht.
Sören: Wer würde sich denn für den Gesamtkoordinator prädestinieren?
Roman: Der Gesamtkoordinator ist nicht beim Fachplaner angeordnet, sondern entweder beim Architekten, oder der BIM-Manager bringt ihn mit. Üblicherweise würde ich sagen, der Gesamtkoordinator ist der Architekt, der Objektplaner. Und dann gibt es beim Fachplaner einen Fachkoordinator.
Was macht der BIM-Fachkoordinator im TGA-Büro?
Roman: Der Gesamtkoordinator macht die Gesamtkoordination, Architektur ist das Objekt. Und der Fachkoordinator kümmert sich darum, dass die Fachmodelle zur Verfügung stehen und integriert werden. Das ist eigentlich nichts ganz Neues: Wir hatten in der Vergangenheit auch immer den Objektplaner als Integrator und Koordinator. Er kriegt ja auch Geld dafür, dass er die TGA integriert. Und das TGA-Büro stellt, wenn es einen gewissen Anspruch hat, einen Fachplanungskoordinator. Bei uns heißt das Fachplanungskoordinator, weil es bei größeren Projekten nochmal eine Person gibt, die die Gewerke untereinander koordiniert, die Koordinierungsplanung macht, die Durchbruchsplanung im Blick behält und schaut, dass das Modell gut und richtig ist.
Der Gesamtkoordinator muss sich mit der Zugangssoftware auskennen, aber auch damit, den BIM-Abwicklungsplan zu entwickeln und zu schreiben und alle Fachkoordinatoren mitzunehmen. Die müssen sich zu Beginn des Projektes richtig hinsetzen und fragen: Wie arbeiten wir zusammen? Das finde ich cool — das gibt es in der alten Welt ohne BIM oft nicht so richtig.
Sören: Also auch ausprobieren und den Datenaustausch einfach machen: Was kommt an, wie unterhalten sich die Modelle? Geht das bidirektional oder nur in eine Richtung?
Roman: Der eine benutzt Allplan, der nächste Nova oder DDS, dann wird intern gehookt. Bei den Softwares gibt es Exportvorgaben, die man ausprobieren kann — ich möchte meine IFC zum Beispiel Richtung Allplan ausgeben, dann hat das eine andere Attributbenennung als zu einer anderen Software.
Welche Fähigkeiten braucht ein BIM-Fachkoordinator?
Sören: Wenn ich ins TGA-Büro schaue — der Fachkoordinator, der nur die TGA-Seite vertritt: Welche Skills und Affinitäten muss der mitbringen, um neben seiner Fachplanung prädestiniert für so ein Projekt zu sein?
Roman: Dass er die Fachplanung noch nebenbei macht, kann man mittlerweile ausschließen. Bei unseren Fachplanungskoordinatoren ist es so: Die machen keine eigene Planung mehr. Sie koordinieren die Fachplaner und Systemplaner — Sanitär, Heizung und so weiter — und bringen das ganz früh in integrierbare 3D-Modelle. Sie zeigen dem Gesamtkoordinator: So stelle ich mir die Leitungsführung vor — wie willst du dein Dach, deine Abhangdecken, deine Vorwände gestalten, damit das passt?
Dass diese beiden Rollen jetzt definiert sind, finde ich großartig, weil diese Klarheit in der Vergangenheit gefehlt hat. Das muss nicht der Projektleiter sein — bei großen Projekten sehe ich das überhaupt nicht, der kümmert sich um Kosten, Termine, interne Koordination, Kapazitätsplanung, Nachträge, Änderungsvereinbarungen. Der hat so viel um die Ohren, dass du jemanden brauchst, der die Koordination macht.
Was ist das für eine Person? Eine, die auf jeden Fall CAD kann — das ist ein ganz wichtiger Skill: die Fähigkeit, in 3D mit BIM-fähiger, buildingSMART-zertifizierter Software zu arbeiten.
Welche Institution setzt die Standards für BIM?
Sören: Wir haben so viele Abkürzungen genutzt und beschrieben, wie die Digitalisierung des Bauens stattfindet. Da stellt sich die Frage: Wir sind in Deutschland — wo sind die kontrollierenden Organe? Wer überlegt sich standardisierte Prozesse, wer schafft ein Verständnis darüber, welcher Anwendungsfall wie benannt wird? Du hattest gerade das Stichwort buildingSMART genannt.
Roman: buildingSMART ist eine Organisation, die weltweit die Standards für BIM setzt. Ich habe sie das erste Mal um 2010 kennengelernt, weil unsere Fachplanungssoftware dort zertifiziert wurde. Es gibt verschiedene BIM-Hubs, die sich in Deutschland gegründet haben — örtliche Vereine mit einer überschaubaren Teilnahmegebühr, die die Themen für die Teilnehmer lokal voranbringen. buildingSMART hat zusammen mit dem VDI, dem Verein Deutscher Ingenieure, eine Reihe Seminare und Zertifikate entwickelt, sodass sich BIM-Fachkoordinatoren, BIM-Manager und BIM-Gesamtkoordinatoren fortbilden und diese Rolle annehmen können.
Sören: Sodass ein Fachkoordinator nach einem gewissen Standard einen Leistungs- oder Wissensstand widerspiegelt, der dazu befähigt, so ein Projekt abzuwickeln.
Roman: Absolut, wobei das Thema BIM-Fachkoordinator wirklich hart ist. Du brauchst jemanden, der sich gut mit CAD auskennt, in 3D zeichnen und darstellen und verstehen kann, was passiert. Dann muss er oder sie in allen Fachgewerken der TGA fit sein — nicht nur Heizung, Luft und Sanitär, auch Elektro — und in der Lage sein, das alles über verschiedene Softwares zu integrieren und den Austauschprozess über IFC in den Griff zu kriegen.
Welche Ausbildung qualifiziert für die Rolle?
Sören: Eine grundsätzliche Affinität zur Computer-IT muss gegeben sein, auch wenn das im Studium relativ wenig vorkam — gerade das Zusammenwirken von Software unterschiedlicher Hersteller. Mit Software zu zeichnen lernen wir alle, aber wie die Hersteller zusammenspielen, eher nicht.
Roman: Bei uns haben die Leute ein Studium oder einen Techniker und vorher eine Ausbildung als Systemplaner gemacht und jahrelang als Systemplaner gearbeitet, bevor sie in diese Rolle reinrutschen. Dann funktioniert das, weil alle Perspektiven eingenommen werden können. Vielleicht ist das Studium nicht unbedingt notwendig, aber der Meister oder Techniker im Bereich TGA ist super praktisch, weil du die Hands-on-Erfahrung hast. Aber das ist eine knappe Kapazität.
Welche weiteren BIM-Rollen sind zu erwarten?
Sören: Das sind die wesentlichen Rollen: BIM-Manager, BIM-Gesamtkoordinator und BIM-Fachkoordinator, die das Projekt am Laufen halten.
Roman: Das Rollenmodell hat noch drei weitere Rollen, die wir aber relativ untergeordnet finden — neue Begriffe für alte Schläuche. Es werden in den nächsten Jahren bestimmt noch ein paar neue Rollen dazukommen. Gerade wenn wir IPA und Cradle-to-Cradle betrachten, bin ich mir sicher, dass es da weitere Rollen gibt.
Sören: Darüber müsste man eine Philosophiestunde über die Zukunft der Jobbezeichnungen machen.
Roman: Leistungsbilder entstehen auf jeden Fall in den Rollenbeschreibungen. Das sind so gerade die wesentlichen TGA-Projekte, mit denen man zu tun hat. Vielen Dank fürs Zuhören zum Thema BIM. Wir machen da weiter. Tschüss.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Welche drei zentralen Rollen braucht ein BIM-Projekt?
Den BIM-Manager auf Bauherrenseite, der die Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) erstellt; den BIM-Gesamtkoordinator auf Auftragnehmerseite, der die AIA in einen BIM-Abwicklungsplan gießt und gewerkeübergreifend koordiniert; und je Fachbüro einen BIM-Fachkoordinator, der die Fachmodelle erstellt, integriert und koordiniert.
Was ist der Unterschied zwischen BIM-Manager und BIM-Gesamtkoordinator?
Der BIM-Manager sitzt auf der Bauherrenseite und erstellt die Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA). Der BIM-Gesamtkoordinator sitzt auf der Auftragnehmerseite, üblicherweise beim Architekten beziehungsweise Objektplaner, und überführt die AIA in den BIM-Abwicklungsplan. Beide setzen gemeinsam die vom Bauherrn gewünschten Anwendungsfälle um.
Wo ist der BIM-Gesamtkoordinator angesiedelt?
Nicht beim Fachplaner, sondern üblicherweise beim Architekten beziehungsweise Objektplaner — oder der BIM-Manager bringt ihn mit. Der Objektplaner hatte traditionell schon die Rolle des Integrators und Koordinators und wird dafür auch vergütet.
Was ist die Aufgabe des BIM-Fachkoordinators im TGA-Büro?
Er sorgt dafür, dass die Fachmodelle zur Verfügung stehen und integriert werden. Im TGA-Büro koordiniert er die Fach- und Systemplaner aller Gewerke, bringt deren Arbeit früh in integrierbare 3D-Modelle, macht die Koordinierungs- und Durchbruchsplanung und stimmt sich mit dem Gesamtkoordinator über die Leitungsführung ab. In der Regel macht diese Person keine eigene Planung mehr und ist nicht der Projektleiter.
Welche Fähigkeiten muss ein BIM-Fachkoordinator mitbringen?
Er muss CAD beherrschen und in 3D mit BIM-fähiger, buildingSMART-zertifizierter Software zeichnen und darstellen können, in allen TGA-Fachgewerken fit sein (Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro), Modelle über verschiedene Softwares hinweg integrieren und den Austauschprozess über IFC beherrschen. Eine grundsätzliche Affinität zur IT ist Voraussetzung.
Welche Institution setzt die Standards für BIM?
buildingSMART ist eine Organisation, die weltweit die BIM-Standards setzt. In Deutschland gibt es lokale BIM-Hubs als örtliche Vereine. buildingSMART hat gemeinsam mit dem VDI Seminare und Zertifikate entwickelt, mit denen sich BIM-Fachkoordinatoren, BIM-Manager und BIM-Gesamtkoordinatoren fortbilden können.
Welcher Ausbildungsweg eignet sich für die Rolle des BIM-Fachkoordinators?
Im Büro der Hosts haben die Fachplanungskoordinatoren typischerweise eine Ausbildung als Systemplaner absolviert, jahrelang als Systemplaner gearbeitet und anschließend einen Techniker oder ein Studium draufgesetzt. Ein Studium ist nicht zwingend; ein Meister oder Techniker im Bereich TGA ist wegen der Hands-on-Erfahrung besonders praktisch.
Zitate
„Es gibt einen BIM-Manager auf Bauherrenseite und einen BIM-Gesamtkoordinator auf Auftragnehmerseite — Hund und Katz."
— Roman Fritsches
„Dass diese beiden Rollen jetzt definiert sind, finde ich großartig, weil diese Klarheit in der Vergangenheit gefehlt hat."
— Roman Fritsches
„Das Thema BIM-Fachkoordinator ist wirklich hart: Du brauchst jemanden, der in allen Fachgewerken der TGA fit ist und das alles über verschiedene Softwares integrieren kann."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Roman lernte buildingSMART um 2010 kennen, weil die im Büro genutzte Fachplanungssoftware dort zertifiziert wurde.
Quelle: Roman FritschesbuildingSMART setzt weltweit die Standards für BIM und hat gemeinsam mit dem VDI Seminare und Zertifikate für BIM-Rollen entwickelt.
Glossar
- Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA)
- Vom BIM-Manager auf Bauherrenseite erstellte Anforderungen an die Informationen eines BIM-Projekts.
- BIM-Abwicklungsplan (BAP)
- Dokument, in das der BIM-Gesamtkoordinator die AIA überführt und das festlegt, wie im Projekt zusammengearbeitet wird.
- BIM-Fachkoordinator
- Rolle im Fachbüro, die die Fachmodelle erstellt bzw. koordiniert und in integrierbare 3D-Modelle bringt; im TGA-Büro auch Fachplanungskoordinator genannt.
- BIM-Gesamtkoordinator
- Rolle auf Auftragnehmerseite (üblicherweise beim Architekten/Objektplaner), die die AIA in einen BIM-Abwicklungsplan überführt und gewerkeübergreifend koordiniert.
- BIM-Hub
- Örtlicher Verein bzw. Niederlassung mit überschaubarer Teilnahmegebühr, der BIM-Themen lokal für die Teilnehmer voranbringt.
- BIM-Manager
- Rolle auf Bauherrenseite, die die Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) erstellt und deren Umsetzung begleitet.
- buildingSMART
- Organisation, die weltweit die Standards für BIM setzt und gemeinsam mit dem VDI Seminare und Zertifikate für BIM-Rollen entwickelt hat.
- Fachplanungskoordinator
- Im TGA-Büro die Person, die bei größeren Projekten die Gewerke untereinander koordiniert, die Koordinierungs- und Durchbruchsplanung macht und die Modellqualität sichert.