TGA-Planung › BIM-Fachkoordination TGA-Planung › Folge #28
tgabar · BargesprächeBIM Innovation mit Bjarne Eller
BIM ist mehr als ein Programm: Es bedeutet, die eigenen Planungsprozesse neu zu denken und zu digitalisieren. Für TGA-Fachplaner bringt es drei konkrete Vorteile — Nachwuchsgewinnung über ein attraktives Thema, effizientere Prozesse wie modellbasierte Kollisionsprüfung und neue Rollen wie den BIM-Fachkoordinator neben dem Projektleiter.
Transkript
Was bedeutet BIM Innovation in einem TGA-Fachplanungsbüro?
Roman: Moin moin aus Hamburg und herzlich willkommen zum einzigen Podcast mit dem Thema Projektmanagement in der TGA an der Bar. Da sitzen Sören Janson und ich, Roman Fritsches. Heute wieder nicht allein, heute zu dritt. Wir begrüßen Bjarne Eller von der Firma Emutec. Wir sitzen drei Hamburger an der Bar, könnte man sagen. Wobei, Bjarne, du kommst ja eigentlich aus Norderstedt.
Bjarne: Genau, wir von Emutec sitzen in Norderstedt, aber das ist ja schon nahe Hamburg. Da ist man schnell in der Stadt.
Roman: Und wir haben dich eingeladen zu unserem Themenkomplex BIM, Building Information Modeling, der ja alle gerade bewegt. Der BIM-Masterplan Bundesbauten wird ausgerollt — da passiert nach der Infrastruktur jetzt auch im Hochbau etwas. Du bist bei Emutec für BIM Innovation zuständig. Was heißt das?
Bjarne: BIM ist ein großes Themenfeld und hat immer auch mit Innovation zu tun, es ist viel in Bewegung. Es geht darum, dass ich schaue, wo die Reise in Zukunft hingeht, aber auch, wie unsere Strategie und die Entwicklung intern aussehen. Dazu gehören Prozesse und Fragen, wie sich Dinge zum Beispiel in einem Programm darstellen lassen.
Roman: Und das machst du für den TGA-Fachplaner?
Bjarne: Ganz genau. Wir sind ein TGA-Fachplanungsbüro und beschäftigen uns entsprechend mit der technischen Gebäudeausrüstung.
Wie kommen BIM und Projektmanagement zusammen?
Sören: Kommen wir zu den Wurzeln zurück. BIM und Projektmanagement, wie kommt das bei euch zusammen?
Bjarne: Viele haben anfangs gedacht: BIM löse ich mit einem Programm. Das ist ein Irrglaube. Da gehört mehr dazu — die eigenen Prozesse zu durchleuchten, sie neu zu denken, zu digitalisieren, was BIM in der Baubranche ja ausdrückt. Und zu schauen, welche Prozesse wir digitalisieren wollen, um einen Mehrwert für die Planung zu generieren. Wir sind in einer Branche, die sehr viel über Kommunikation funktioniert — mit den anderen Planungsbeteiligten und intern. Prozesse, Richtlinien und Standards gehören dazu.
Wie hilft BIM bei der Nachwuchsgewinnung in der TGA?
Roman: Du hast noch einen zweiten Aspekt. Digitalisierung ist wichtig, um in der Branche TGA, die für den Nachwuchs nicht so sexy ist, das Thema BIM attraktiv zu machen. Man sieht es an dir: Du bist noch nicht lange im Berufsleben, aber in zwei Jahren voll im Thema BIM angekommen.
Bjarne: Richtig. Ich kam direkt vom Studium und hatte den Begriff im Hinterkopf — da möchte ich rein, das interessiert mich. Es macht Spaß, sich mit den Beteiligten in der Branche auszutauschen. Vor allem ist das Interesse für junge Leute und Studenten geweckt. Wir wissen, dass wir in der technischen Gebäudeausrüstung dringend Nachwuchs suchen. Da kann man aktiv auf Hochschulen und Universitäten zugehen und mit BIM Werbung machen.
Roman: Hast du technische Gebäudeausrüstung studiert?
Bjarne: Ich habe in Bremerhaven Gebäude-Energie-Technik studiert. Da habe ich den Ausdruck BIM zum ersten Mal gehört, etwas abseits der Vorlesung.
Sören: Als fester Bestandteil des Studiums ist es also noch nicht etabliert. Das fordert ja auch ein anderes Denken an die Projektbearbeitung, was die Digitalisierung angeht.
Bjarne: Teil des Studiums ist es nicht. Es gibt technisches Zeichnen, aber das hat noch nicht viel mit BIM-Planung zu tun. Ich habe die Chance genutzt und meinem Dozenten, dem Studiengangsleiter, vorgeschlagen, dass ich mal eine Stunde darüber berichte. Das haben wir vor einem Jahr gemacht, und es kam super an. Die Leute sind sehr interessiert. Darüber haben wir jetzt zum Beispiel eine Werkstudentin gewonnen.
Welche konkreten BIM-Anwendungsfälle bringen der TGA-Planung Effizienz?
Roman: Nehmen wir an, ich wäre Geschäftsführer eines TGA-Planungsbüros, in den 70ern geboren, und sage mir: BIM muss ich wohl machen. Du sagst, ich kann damit Leute von der Hochschule begeistern, die wiederum weitere begeistern. Mein größtes Problem — Personalmangel, Kapazitätsengpässe — kriege ich mit BIM also auch gelöst. Und du sagtest, man kann Prozesse verbessern, effizienter arbeiten.
Bjarne: Generell gibt es gewachsene Strukturen, und viele fragen sich, was sie bei BIM tun sollen. Ich würde immer fragen: Wo sehen wir unsere Vorteile mit BIM? Es gibt viele Möglichkeiten — einen Laserscanner benutzen, Massen aus Modellen ausziehen und automatisiert in ein LV schreiben, eine Kollisionsprüfung machen oder eine regelbasierte Abfrage, bis in den Gebäudebetrieb hinein. Man sollte erst schauen, wo der Benefit für die eigene Firma steckt. In der TGA ist das am häufigsten die modellbasierte Kontrolle: Man lädt die IFC-Modelle in ein Programm, lässt die regelbasierte Abfrage durchlaufen und bekommt Hinweise auf mögliche Kollisionen oder Hindernisse von Leitungen und Kanälen.
Roman: Das mache ich auch. Da sitzen acht bis zehn Leute und fragen sich, warum die Schmutzwasserleitung mit der Elektrotrasse im UG kollidiert und die Lüftung dazwischen liegt. Alle nehmen Hausaufgaben mit und planen um. Das ist eine Qualitätskontrolle.
Ist die Kollisionsprüfung schon der eigentliche Mehrwert von BIM?
Sören: Kollisionsprüfung ist eigentlich ein alter Hut. Ist das der einzige Anwendungsfall, oder ist regelbasiertes Prüfen für dich noch mehr? Bei einem Masterplan mit 24 Anwendungsfällen kann der Mehrwert für die TGA-Planung ja nicht nur Kollisionsprüfung sein.
Roman: Wo ist da die Innovation?
Bjarne: Die Kollisionsprüfung ist eine sogenannte Low-Hanging Fruit, die viele Programme mitbringen — der Grundfall in der technischen Gebäudeausrüstung. Es gibt aber viele andere Anwendungsfälle. Interessant ist die regelbasierte Abfrage auch im Brandschutz: Rettungs- und Fluchtwege automatisiert abfragen.
Sören: Ist das gängige Praxis oder noch Pilotprojekt? Das macht es für den Geschäftsführer schwer greifbar. Aufgrund dessen würde ich vielleicht noch nicht alles auf BIM umswitchen, weil ich Kollisionsplanung in der Regel auch anders hinkriege.
Roman: Was ich mich von Anfang an gefragt habe: Endlich können wir die U-Werte automatisiert aus dem IFC-Modell einlesen. Der Architekt erstellt das Modell, der Energieberater hängt U-Werte an die Bauteile, ich lese das ein und die Heizlast ist berechnet. Haben wir das schon realisiert?
Bjarne: Da gibt es unterschiedliche Stände in der Baubranche. Die U-Werte in Wänden können die Programme auslesen, wenn sie richtig verankert wurden. Da sind häufig noch Schnittstellen die Grundfrage. Man muss sich darauf einlassen und in das Investment gehen, zu schauen, wie ich die benötigten Informationen aus dem Modell bekomme — auch in Zusammenarbeit mit den anderen Planungsbeteiligten.
Warum sind Schnittstellen das zentrale BIM-Thema?
Roman: Schnittstellen ist ein gutes Stichwort.
Sören: Eigentlich müsste man fast eine eigene Folge zu Schnittstellen im BIM-Prozess machen.
Roman: Im eigenen Arbeitskreis auch. Der BIM-Hub Hamburg hatte den Arbeitskreis Schnittstellen, der jetzt im Arbeitskreis TGA umfirmiert wurde. Man müsste klären: Schnittstelle zum Energieberater — was brauchen wir, welche Attribute, welche Bauteile? Schnittstelle zum Tragwerksplaner — wo sind Tabuzonen, in die ich mit meiner TGA nicht rein darf? Diese Middle-Hanging Fruits muss man sich anschauen und wachsen lassen. Eine weitere Frucht: die 3D-Technikzentralenplanung. Da sitzen alle Gewerke drin, und es ist kompliziert, alles integriert zusammenzukriegen. Hast du gemerkt, dass sich eure Zusammenarbeit verändert hat?
Bjarne: Wir haben die Möglichkeit, uns das darstellen zu lassen — man hat mehr zum Anfassen, eine Diskussionsgrundlage, wenn wir Technikzentralen auf Kollision prüfen. Wartungsräume sind in der TGA ein spannendes Thema: Es wäre blöd, wenn eine Leitung lang läuft und ich die Tür von meinem Schaltschrank nicht mehr aufbekomme. Solche Hinweise aus dem Gebäudemodell zu erhalten, ist ein Vorteil.
Wie verändern BIM-Fachkoordinatoren und Data-Drops die Zusammenarbeit?
Roman: Wie ist das, wenn ein Data-Drop ansteht? Zwei Tage vorher alle gestresst, oder läuft es flüssig?
Bjarne: Das ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich.
Sören: Das ist eine diplomatische Antwort. Aber man kann die Zusammenarbeit schärfen. Gibt es Tendenzen zum Zusammensitzen, zum BIM-Lab mit fünf Monitoren oder 3D-Brille? Oder sitzt jeder am Arbeitsplatz und zoomt am Surface-Monitor?
Bjarne: Es gibt verschiedene Herangehensweisen. Bei uns nutzen wir die Möglichkeit, das online zu machen, über Screen-Sharing. Man teilt Rollen zu — in Besprechungen ist es wichtig, eine Person für die Dokumentation zu haben, eine Assistenz, damit sich die anderen auf ihre Kernthemen fokussieren können. Wir haben verschiedene Rollen: Häufig haben wir einen Koordinator, der die Fachgewerke koordiniert, auch intern, und dann laden wir die verschiedenen Kostengruppen ein. So kommen wir zu einer effizienteren Kommunikation. Und wenn wir uns mit dem Konstruieren beschäftigen, denken die Konstrukteure viel mehr darüber nach, was sie planen und was im Weg ist. Es wird nicht mehr nur ein Strich gezeichnet, sondern man baut ein besseres Verständnis von einer Technikzentrale auf.
Roman: Euer BIM-Fachkoordinator verantwortet also den Data-Drop, holt vorher alle zusammen und sagt: Ich habe Integrations- und Koordinationsthemen, die lösen wir gemeinsam. Eine neue, sehr wichtige Rolle, die vor BIM nicht so wahrgenommen wurde — früher gab es einen Projektleiter, und alle Fachplaner sollten mit den Systemplanern ihren Kram zurechtbringen.
Bjarne: Das habt ihr vor ein paar Folgen behandelt — ist der BIM-Koordinator auch Projektleiter oder steht das nebeneinander? Bei uns steht es nebeneinander, weil die Projektleiter-Aufgaben eher in die fachspezifische TGA-Richtung gehen und der BIM-Fachkoordinator die Themen behandelt, die Data-Drops einzuhalten, Informationen richtig weiterzugeben und auf der Informations- oder Modellebene zu kommunizieren.
Roman: Der Fachkoordinator schuldet das korrekte Gebäudemodell, während der Projektleiter Kosten, Termine und Qualität schuldet. Wenn man die Rollen und Verantwortlichkeiten so aufteilt, kriegt man die Projekte besser gehandelt.
Welche Rolle spielt agiles Projektmanagement bei BIM?
Roman: Eines der großen Schmerzthemen für TGA-Planer ist der Übergang von der Ausführungs- zur Montageplanung. Ich habe mich als Nicht-Freund von GUs geoutet, weil die Ausführungsplanung als vollständig zu akzeptieren oft den Zielen eines GUs widerspricht — das ist riskant bei Terminen und Kosten. Wo siehst du da die Effizienzsteigerung für die TGA-Fachplanung?
Bjarne: Eine spannende Frage: Wie erstelle ich ein As-Built-Modell? Nehme ich meinen Laserscanner als Rucksackscanner mit auf die Begehung und scanne mein Modell, sodass ich später im Büro einen Abgleich machen kann? Über eine Punktwolke mit Verknüpfung zum Bild bekommt man einen Einblick, was gebaut wurde, und übernimmt das wieder ins Modell. Viele Fragen sind noch offen, etwa wie das Modell auf der Baustelle genutzt wird. Da sind die ausführenden Firmen teilweise noch nicht so weit. Man kann hoffen, dass der Masterplan BIM für Bundesbauten mithilft, sodass sich auch die ausführenden Firmen mehr mit diesen Themen beschäftigen — etwa beim Thema Logistik.
Roman: Hast du eine modellbasierte Montageplanung live erlebt?
Bjarne: Nein, gesehen habe ich das noch nicht. Ich weiß, dass sich Firmen damit auseinandersetzen.
Roman: Gemäß VOB liegt die Schuld, die Halterungssysteme einzuplanen, bei der ausführenden Firma. Ein IFC-Modell oder ein echter digitaler Zwilling wäre großartig, um Halterungssysteme von Herstellern wie Hilti in der Montageplanung einzuplanen. Ich habe es aber noch nicht gesehen — ich erlebe nur den Streit über PDFs und DWGs.
Sören: Es hängt von der Struktur der Unternehmen ab — wir sind sehr kleinteilig unterwegs, und das Investment wird gescheut. Wir vereinfachen und automatisieren unsere Prozesse schon, gerade bei der Prüfung und den Qualitäten von Plänen, aber viele Anwendungsfälle stecken noch in den Kinderschuhen.
Roman: Bei den ausführenden Firmen gibt es schon Software dafür. Die Software Zenesis liest aus PDF-Plänen die Bauteile aus, zumindest für die Elektrotechnik, erlaubt die Verknüpfung mit der Kalkulation und erstellt Aufgaben für die Monteure. Dann kann der Bauleiter jederzeit sehen, wie weit die Baustelle ist, weil die Monteure am Tablet abhaken: die zehn Steckdosen sind fertig. Das ist nicht nur BIM, das ist Digitalisierung — und noch nicht in der Breite angekommen.
Sören: Was ist Digitalisierung?
Roman: Ist das BIM? Ich hatte verstanden, BIM ist die Digitalisierung der Baubranche.
Bjarne: Es ist ein weitgefächertes Thema. Es gibt auch Prozesse außerhalb des Modells, die zur Planung gehören und digitalisiert werden können, etwa ein Aufgabenmanagement-System. Das gehört alles in den Bereich BIM. Im Großen und Ganzen sprechen wir hier von Digitalisierung.
Roman: Siehst du agiles Projektmanagement auch als Wegbereiter? Die Grundidee ist, vom Wasserfall wegzukommen — also nicht Leistungsphase 2 komplett abschließen, dann 3, dann 4 hintereinander. Stattdessen beschäftigen wir uns in festen Zeitabschnitten iterativ mit unfertigen, aber schon sichtbaren Modellen, zu denen man Feedback bekommt. Das ist für mich ein Data-Drop: Alle zwei Wochen zeige ich das aktuelle Modell am digitalen Zwilling. Das Team muss alle zwei Wochen liefern, und dafür brauche ich agiles Projektmanagement. Viele machen es schon, ohne es so zu benennen.
Bjarne: Das kann sein. Die Branche hat gern ein fertiges Erzeugnis, das alles beinhaltet, an einem festen Termin abgegeben. Mit Data-Drops liefern wir alle zwei Wochen ein Modell und müssen uns damit auseinandersetzen, dass wir ein unfertiges Erzeugnis haben, weil wir in einem Work-in-Progress-Modell arbeiten. Entsprechend müssen wir das Projektmanagement einbinden — mit der Fragestellung: Wo stehen wir? Welche Informationen wollen wir im nächsten Abschnitt abbilden? Was müssen wir zum nächsten Data-Drop erfüllen, wann ist der nächste Meilenstein?
Roman: Wir arbeiten ein bisschen mehr wie die Softwarebranche. Der BIM-Fachkoordinator hat eine neue Rolle, aber auch der Projektleiter bekommt eine andere: Ihm wird die Verantwortung für das Gebäudemodell abgenommen, dafür spielt er den Kunden und fragt sich, was der in zwei Wochen sehen will.
Bjarne: Spannend ist, dass man zusätzlich BIM-Meetings und Fachaustausch-Meetings bekommt, in denen sich die BIM-Koordinatoren der Projektbeteiligten treffen, genauso die Projektleiter. Da muss man im Austausch bleiben und schauen, dass alle auf demselben Stand und richtig mitgenommen sind.
Sören: Die Kunst ist, dass nicht zwei Parallelprozesse laufen — die technisch-planerische Umsetzung und das Softwaremäßige. Beim Mehrwert geht es auch um Transparenz: Wenn ich bereit bin, alle zwei Wochen zu zeigen, was ich geleistet habe, und akzeptiere, dass ich einen Vorabzug zeige, kann man viel gewinnen. Im Verständnis vieler Kollegen muss man noch verankern, dass das neue Arbeiten da ist und man nicht verhauen wird, weil etwas noch nicht fertig ist.
Roman: Es ist ein Verständniswechsel bei den Bauherren und Planungsbeteiligten. Wenn der Architekt sieht, dass der 90-Grad-Bogen in die falsche Richtung guckt — das ist ein Fehler in der Software, ein Vorabzug, am Ende funktioniert es.
Sören: Was mir bei den agilen Methoden durch den Kopf ging: Gerade im Zusammenhang mit einer Technikzentrale kann man sie wirklich anwenden, weil wir uns konzentriert auf ein Schwerpunktthema fokussieren. Was Scrum angeht — dieses kurzfristige, intervallmäßige Vertiefen von Planungsergebnissen — kann ich an einem Ort mit viel Technik den Stift fallen lassen, alles andere ruhen lassen und mich ein, zwei Wochen nur um die Zentrale kümmern. Aber ich sehe gleich die Ergebnisse.
Wie geht es mit BIM und Digitalisierung in der TGA weiter?
Roman: Im Seminar haben wir den Scrum-Prozess benannt und vertiefen ihn jetzt für die TGA. Das ist ein spannendes Framework — eine High-Hanging Fruit, wie der IT-ler sagt. Vielleicht ein Schlusswort, Bjarne: Was ist toll an BIM und wie machst du weiter?
Bjarne: Ich würde jedem empfehlen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, weil wir ein großes Potenzial sehen, auch im Projektmanagement in der TGA. Ich finde es ein super spannendes Thema, an dem man immer weniger vorbeikommt, und sehe Potenzial in viele verschiedene Richtungen.
Sören: Um die IT kommen wir zukünftig gar nicht mehr herum. Auch wenn der Beton lange braucht, bis er fest wird — bei uns wird die Digitalisierung gegenwärtiger werden, einfach mit allem.
Roman: Am Ende landest du beim Beton, vielleicht auch bei Holz oder wiedergewonnenem Beton, Cradle-to-Cradle. Die Bar macht zu. Vielen, vielen Dank, Bjarne.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Was bedeutet BIM für ein TGA-Fachplanungsbüro?
BIM ist mehr als ein einzelnes Programm. Es bedeutet, die eigenen Prozesse zu durchleuchten, neu zu denken und zu digitalisieren, um einen Mehrwert für die Planung zu generieren. Da die TGA-Branche stark über Kommunikation mit anderen Planungsbeteiligten und intern funktioniert, gehören auch Prozesse, Richtlinien und Standards dazu.
Welche konkreten BIM-Anwendungsfälle gibt es in der TGA-Planung?
Genannt werden der Laserscanner, das automatisierte Ausziehen von Massen aus Modellen in ein LV, die Kollisionsprüfung und die regelbasierte Abfrage bis in den Gebäudebetrieb. Am häufigsten genutzt wird in der TGA die modellbasierte Kontrolle: IFC-Modelle werden in ein Programm geladen, eine regelbasierte Abfrage läuft durch und liefert Hinweise auf Kollisionen oder Hindernisse von Leitungen und Kanälen.
Warum ist die Kollisionsprüfung nur ein erster BIM-Anwendungsfall?
Die Kollisionsprüfung ist eine Low-Hanging Fruit, die viele Programme von Haus aus mitbringen, und gilt als Grundfall in der TGA. Der eigentliche Mehrwert liegt in weiteren Anwendungsfällen, etwa der regelbasierten Abfrage im Brandschutz zur automatisierten Prüfung von Rettungs- und Fluchtwegen oder dem Einlesen von U-Werten aus dem IFC-Modell für die Heizlastberechnung.
Wie hilft BIM bei der Nachwuchsgewinnung in der TGA?
Die TGA gilt für den Nachwuchs als wenig attraktiv, das Thema BIM dagegen als interessant. Planungsbüros können aktiv auf Hochschulen und Universitäten zugehen und über BIM Werbung machen. Im Podcast wird ein Beispiel genannt, bei dem ein Hochschulvortrag zu BIM in der TGA so gut ankam, dass darüber eine Werkstudentin gewonnen wurde.
Was ist der Unterschied zwischen einem BIM-Fachkoordinator und dem Projektleiter?
Im beschriebenen Büro stehen beide Rollen nebeneinander. Der BIM-Fachkoordinator schuldet das korrekte Gebäudemodell, koordiniert die Fachgewerke, hält die Data-Drops ein und kommuniziert auf der Informations- und Modellebene. Der Projektleiter schuldet Kosten, Termine und Qualität und übernimmt die fachspezifischen TGA-Aufgaben.
Was ist ein Data-Drop und wie verändert er das Projektmanagement?
Ein Data-Drop bedeutet, in festen Zeitabschnitten — etwa alle zwei Wochen — ein aktuelles, bewusst unfertiges Work-in-Progress-Modell zu liefern und am digitalen Zwilling zu zeigen. Das erfordert agiles Projektmanagement: Man arbeitet iterativ statt im Wasserfall, klärt regelmäßig, wo man steht, welche Informationen im nächsten Abschnitt abgebildet werden und wann der nächste Meilenstein ist.
Wie lässt sich ein As-Built-Modell in der TGA erstellen?
Eine genannte Möglichkeit ist, mit einem Laserscanner (etwa als Rucksackscanner) bei der Begehung ein Modell zu scannen und später im Büro abzugleichen. Über eine Punktwolke mit Verknüpfung zum Bild lässt sich auch ohne Person vor Ort einsehen, was gebaut wurde, um es ins Modell zu übernehmen.
Zitate
„BIM löse ich mit einem Programm — das ist ein Irrglaube. Da gehört mehr dazu: die eigenen Prozesse zu durchleuchten und neu zu denken."
— Bjarne Eller
„Der Fachkoordinator schuldet das korrekte Gebäudemodell, während der Projektleiter Kosten, Termine und Qualität schuldet."
— Roman Fritsches
„Um die IT kommen wir zukünftig gar nicht mehr herum — auch wenn der Beton sehr lange braucht, bis er fest wird."
— Sören Janson
Zahlen & Fakten
Bjarne Eller ist seit etwa zwei Jahren im Berufsleben und in dieser Zeit voll im Thema BIM angekommen.
Quelle: Bjarne EllerEin BIM-Masterplan kann rund 24 Anwendungsfälle umfassen.
Quelle: Sören JansonBeim agilen Arbeiten mit Data-Drops wird typischerweise alle zwei Wochen ein aktueller Modellstand geliefert.
Glossar
- As-Built-Modell
- Modell des tatsächlich gebauten Zustands, z. B. erstellt über einen Laserscan bzw. eine Punktwolke bei der Begehung und anschließenden Abgleich im Büro.
- BIM (Building Information Modeling)
- Im Verständnis der Folge nicht nur ein Programm, sondern die Digitalisierung der Baubranche: das Neudenken und Digitalisieren der Planungsprozesse, um Mehrwert in der Planung zu schaffen.
- BIM-Fachkoordinator
- Rolle, die das korrekte Gebäudemodell verantwortet, die Fachgewerke koordiniert, Data-Drops einhält und auf Informations- und Modellebene kommuniziert; steht im beschriebenen Büro neben dem Projektleiter.
- Data-Drop
- Regelmäßige Lieferung eines aktuellen, bewusst unfertigen Modellstands (z. B. alle zwei Wochen), an dem Feedback eingeholt wird; Kern des agilen, iterativen Arbeitens im BIM-Prozess.
- Kollisionsprüfung
- Modellbasierte Kontrolle, bei der IFC-Modelle über eine regelbasierte Abfrage auf Kollisionen und Hindernisse von Leitungen und Kanälen geprüft werden; gilt als Low-Hanging Fruit der TGA-BIM-Planung.
- Low-Hanging Fruit
- Anwendungsfall, der schnell erreichbar ist, weil viele Programme ihn von Haus aus mitbringen — hier die Kollisionsprüfung.
- Regelbasierte Abfrage
- Automatisierte Prüfung des Modells gegen definierte Regeln, z. B. für Kollisionen oder im Brandschutz für Rettungs- und Fluchtwege.