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TGA-PlanungFolge #305

tgabar · Bargespräche

Zahlen, bitte!

Folge 30531.01.202514:28 minRoman Fritsches, Sören Janson
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Auf den Punkt

Die Bundesingenieurkammer erhebt über das Institut für freie Berufe jährlich Wirtschaftskennzahlen von über 500 Büros. Für 2023 liegt der TGA-Umsatz je tätiger Person bei rund 123.000 Euro — Platz zwei hinter den Verkehrsanlagen. Die Bürogröße erhöht den Umsatz pro Kopf, und der mittlere Bürostundensatz ist von 86 Euro (2015) auf 123 Euro (2023) gestiegen.

Transkript

Woher stammen die Wirtschaftskennzahlen für Ingenieurbüros?

Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar. Heute geht es um „Zahlen, bitte" — ein Zahlen-, Daten-, Fakten-Thema. Wir sind großer Freund der Umfrage der Bundesingenieurkammer; das Institut für freie Berufe macht das jedes Jahr und fragt knapp 500 Büros in ganz Deutschland nach ihren wirtschaftlichen Kenndaten. Wir haben uns vorgenommen mitzumachen — mein Büro wird jetzt auch bald teilnehmen.

Sören: Aktuell machen schon wie viele mit?

Roman: Es waren über 500, die mitmachen — nicht nur TGA-Planer, sondern alle möglichen Leistungsbilder. Die Auswertung wird jedes Jahr neu erstellt. Wenn ihr mitmacht, bekommt ihr wahrscheinlich auch mehr Infos dazu, wie die Zahlen genau ermittelt werden. Ich habe es mit unserer Controlling-Leiterin besprochen, und sie fragte gleich bei den ersten Zahlen: Wie ist das genau, was heißt „tätige Person"? Da muss man wirklich ins Detail einsteigen, was das für Kennzahlen sind.

Wie hoch ist der Büroumsatz je tätiger Person nach Leistungsbild?

Roman: Es fängt spannend an mit der Frage: Was ist der Büroumsatz je tätiger Person — also wie viel Umsatz macht das Büro pro Person? In der Auswertung von 2023 gibt es verschiedene Leistungsbilder. Verkehrsanlagen stechen heraus mit 141.000 Euro pro tätiger Person und Jahr. Die TGA-Planer liegen mit 123.000 Euro deutlich darunter, aber im Vergleich noch gut dabei.

Von den neun aufgeführten Leistungsbildern liegt die Flächenplanung — hauptsächlich Stadtplaner — mit 65.000 Euro pro Person ziemlich schwach. Die Architekten sind mit 84.000 Euro Umsatz pro Person auf Platz acht von neun. Auf Platz drei liegen die Sachverständigen. Im Bereich TGA machen Büros in Deutschland also knapp 123.000 Euro Umsatz pro Person — das ist Platz zwei.

Wie wirkt sich die Bürogröße auf den Umsatz pro Mitarbeiter aus?

Roman: Wenn man das nach Bürogröße aufteilt, wird es spannend. Es sind nur Ingenieurbüros, 346 wurden befragt, und davon sind nur fünf Prozent über 100 Mitarbeiter.

Sören: Das heißt, 90 Prozent der Ingenieurbüros haben maximal bis zu 50 Mitarbeiter. Lassen sich die Zahlen auch nur für die TGA aufschlüsseln?

Roman: Leider nicht — das ist nur getrennt zwischen Ingenieuren und Architekten. Wir sehen, dass die Bürogröße den Umsatz pro Mitarbeiter erhöht: Bei über 100 Mitarbeitenden wird der meiste Umsatz pro Kopf gemacht.

Sören: Bei der aktuellen Ausschreibung hier in Hamburg — dem Campus-Projekt, wo es in die Milliarden geht — kommen ja nur die großen Büros infrage. Vielleicht ist das ein Grund für die Diskrepanz zu den Umsätzen kleiner Büros.

Roman: Auf jeden Fall. Interessant ist aber: 72 Büros mit bis zu einer Person haben mitgemacht — die klassische One-Man-Show. Die macht im Schnitt 112.000 Euro, ist also gut dabei. Die kleinen Büros mit bis zu fünf Personen machen fast 110.000 Euro. Das sinkt dann mit der Bürogröße: Bei fünf bis zehn und zehn bis 50 Personen geht es auf einen Tiefstwert von 107.000 Euro, und ab 50 Mitarbeitenden steigt es wieder. Wenn ich ein Büro aufbauen würde, wäre ich also entweder ganz allein oder hätte mindestens 50 Mitarbeitende — das scheint der Spot für den Umsatz zu sein.

Was verdienen Ingenieure und Architekten nach Berufserfahrung?

Roman: Bei den Jahresgehältern wird unterschieden zwischen Ingenieuren und Architekten — wobei viel mehr Ingenieure befragt wurden. Ohne Berufserfahrung ist es relativ ähnlich. Bei ein bis zwei Jahren Berufserfahrung liegt es bei etwa 45.000 bei den Architekten und 48.000 bei den Ingenieuren, also rund 3.700 bis 4.000 Euro brutto im Monat. Nach drei bis zehn Jahren steigt es bei den Ingenieuren auf etwa 5.000 Euro pro Monat, bei mehr als zehn Jahren auf 6.000 Euro im Schnitt. Bei den Architekten steigt es weniger stark — eher von 4.500 auf 5.300 Euro mit über zehn Jahren. Technische Mitarbeiter landen zwischen 3.000 und 4.000 Euro mit viel Berufserfahrung; da sieht man noch eine Spreizung zwischen Studierten und Nicht-Studierten.

Sören: Hamburg ist als Großstadt eine Sonderstellung. In anderen Strukturgebieten würde sich das nochmal anders darstellen.

Roman: In München und Frankfurt wird mein Eindruck nach deutlich mehr gezahlt — die Gehaltssprünge gegenüber dem Land sind dort größer als in Hamburg. Im Grunde liegen die Durchschnittsgehälter bei den Ingenieuren je nach Berufserfahrung zwischen 4.000 und 6.000 Euro. Das sind die Zahlen für 2023; die Zahlen für 2024 sind noch nicht veröffentlicht.

Wie hoch ist der Gewinn pro Mitarbeitendem in der TGA?

Roman: Dann haben wir noch den Gewinn vor Steuern je tätiger Person. Da ist die technische Ausrüstung nicht mehr auf Platz zwei: Die Sachverständigen machen den meisten Gewinn pro Person, danach die Tragwerksplaner, dann die Ingenieurbauwerke, und erst dann kommt die TGA. Wir liegen also beim Gewinn pro Mitarbeitendem im unteren Mittelfeld; die Architekten sind ganz nah dran. Das ist ziemlich ausgewogen.

Sören: Ich habe parallel nachgeschaut, was „tätige Personen" in dieser Auswertung bedeutet: alle fest angestellten Mitarbeiter mit Ausnahme von freien Mitarbeitern — also Inhaber, Gesellschafter, Ingenieure, Architekten, technische und kaufmännische Mitarbeiter, Auszubildende und sonstige Mitarbeiter.

Roman: Die Frage ist, ob daraus Vollzeitäquivalente gerechnet werden. Pro Mitarbeitendem wären es 21.000 Euro Gewinn — bei einem Büro mit 100 Mitarbeitenden wären das 2 Millionen Euro Gewinn. Da stimmt etwas nicht; ich glaube, es sind doch Vollzeitäquivalente. Das müssen wir nochmal ergründen.

Wie haben sich die Bürostundensätze entwickelt?

Roman: Spannend sind auch die mittleren Bürostundensätze — was ein Büro im Mittel vom Auftraggeber für eine Stunde verlangen kann. Das hat sich stark entwickelt: Die zu verkaufende Stunde lag im Schnitt 2015 bei 86 Euro (mit Wagnis und Gewinn), und 2023 liegt sie bei 123 Euro im Mittel.

Ich habe bei unseren Mitgliedern abgefragt, wo ihre Stundensätze liegen. In Hamburg lagen drei befragte Büros zwischen 85 und 130 Euro: 85 Euro für Systemplanende, 130 Euro für Projektleitende, dazwischen die Fachingenieure mit 110 bis 115 Euro. Das passt halbwegs ins Bild. In Berlin war es deutlich weniger — die Büros lagen zwischen 75 und 100 Euro, Systemplanende bei 75 Euro, Projektleitende maximal bei 100 Euro. In Berlin scheint es größeren Druck auf die Stundensätze zu geben als in Hamburg. Das war aber nicht repräsentativ, weil wir nur ein paar befragt haben.

Sören: Es wäre interessant zu sehen, wo es aufgeht — gerade wenn man nicht nur Stundenaufträge hat.

Roman: Ich sehe hier relativ einfache Rechnungen: Der interne Bürostundensatz liegt bei etwa 107 Euro, die man mindestens in Rechnung stellen müsste, um Geld zu verdienen; 123 Euro ist die Zielgröße im Schnitt. In der TGA-Planung arbeiten wir nicht so viel über Stunden, aber für andere Geschäftsfelder und Beratungsleistungen kann man die 123 Euro Durchschnittssatz durchaus ansetzen.

Was ist das Fazit zu den Wirtschaftszahlen?

Roman: Zusammenfassend: Die technische Ausrüstung ist beim Umsatz je tätiger Person auf Platz zwei, nach den Verkehrsanlagen. Die Bürogröße definiert den Umsatz pro Mitarbeiter — je größer das Büro und die Projekte, desto mehr Umsatz pro Person. Und die Gehälter pendeln sich entsprechend ein, zumindest 2023. Die Baubranche emanzipiert sich auch bei den Stundensätzen langsam.

Sören: Mein Fazit betrifft die Stundensätze, die wir gerade auch im Vergleich zu anderen Büros diskutieren. Dass es im Mittel tatsächlich bei 123 Euro liegt, überrascht mich schon ein bisschen — da hätte ich etwas anderes erwartet.

Roman: Weil du so überrascht bist, lade ich dich heute ein. Lass uns noch einen bestellen und schauen, was uns der nächste Abend an der Bar bringt. Bis dann.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Wer erhebt die Wirtschaftskennzahlen von Ingenieurbüros?

Die Bundesingenieurkammer erhebt diese Daten jährlich über das Institut für freie Berufe. Befragt werden knapp 500 Büros in ganz Deutschland über alle Leistungsbilder hinweg, und die Auswertung wird jedes Jahr neu erstellt.

Wie hoch ist der Umsatz je tätiger Person in der TGA-Planung?

Im Jahr 2023 lag der Umsatz je tätiger Person in der technischen Gebäudeausrüstung bei knapp 123.000 Euro. Das ist Platz zwei von neun Leistungsbildern, hinter den Verkehrsanlagen mit 141.000 Euro.

Welches Leistungsbild macht den höchsten Umsatz je tätiger Person?

Die Verkehrsanlagen stechen mit 141.000 Euro Umsatz pro tätiger Person und Jahr heraus. Am unteren Ende liegen die Flächenplanung mit 65.000 Euro und die Architekten mit 84.000 Euro (Platz acht von neun).

Beeinflusst die Bürogröße den Umsatz pro Mitarbeiter?

Ja. Der Umsatz pro Kopf ist bei der Ein-Personen-Show hoch (rund 112.000 Euro) und bei kleinen Büros bis fünf Personen (fast 110.000 Euro), sinkt dann auf einen Tiefstwert von 107.000 Euro bei fünf bis 50 Personen und steigt ab 50 Mitarbeitenden sowie über 100 Mitarbeitenden wieder deutlich an.

Was verdienen Ingenieure in Planungsbüros nach Berufserfahrung?

Bei ein bis zwei Jahren Berufserfahrung liegt das Gehalt bei etwa 3.700 bis 4.000 Euro brutto im Monat, nach drei bis zehn Jahren bei rund 5.000 Euro und bei mehr als zehn Jahren im Schnitt bei 6.000 Euro. Architekten liegen tendenziell etwas darunter. Es handelt sich um die Zahlen für 2023.

Was bedeutet der Begriff „tätige Person" in dieser Auswertung?

Tätige Personen sind alle fest angestellten Mitarbeiter mit Ausnahme freier Mitarbeiter, also Inhaber, Gesellschafter, Ingenieure, Architekten, technische und kaufmännische Mitarbeiter, Auszubildende und sonstige Mitarbeiter. Ob daraus Vollzeitäquivalente gerechnet werden, blieb in der Folge offen.

Wie hoch ist der mittlere Bürostundensatz und wie hat er sich entwickelt?

Der mittlere Bürostundensatz lag 2015 bei 86 Euro und ist bis 2023 auf 123 Euro im Mittel gestiegen. Der interne Stundensatz, ab dem ein Büro Geld verdient, wird mit rund 107 Euro angegeben.

Zitate

Im Bereich TGA machen Büros in Deutschland knapp 123.000 Euro Umsatz pro Person."

Roman Fritsches

Wenn ich jetzt ein Büro aufbauen würde, würde ich sagen: entweder bin ich ganz alleine oder ich habe mindestens 50 Mitarbeitende. Das ist anscheinend der Spot für den Umsatz."

Roman Fritsches

Die zu verkaufende Stunde lag im Schnitt bei 86 Euro 2015, und 2023, haltet euch fest, liegt die bei 123 Euro."

Roman Fritsches

Dass das aber im Mittel tatsächlich bei 123 Euro liegt, überrascht mich schon ein bisschen."

Sören Janson

Zahlen & Fakten

Die Umfrage der Bundesingenieurkammer (über das Institut für freie Berufe) befragt jährlich knapp 500 Büros in ganz Deutschland; es nahmen über 500 Büros teil.

Quelle: Bundesingenieurkammer / Institut für freie Berufe

Der Umsatz je tätiger Person lag 2023 in der TGA bei knapp 123.000 Euro (Platz zwei von neun Leistungsbildern).

Verkehrsanlagen erzielten 2023 mit 141.000 Euro den höchsten Umsatz je tätiger Person.

Die Flächenplanung lag bei 65.000 Euro, die Architektur bei 84.000 Euro Umsatz je tätiger Person (Platz acht von neun).

346 Ingenieurbüros wurden befragt; nur rund fünf Prozent haben über 100 Mitarbeiter, etwa 90 Prozent maximal bis zu 50 Mitarbeiter.

72 Büros mit bis zu einer Person nahmen teil; die Ein-Personen-Büros erzielten im Schnitt 112.000 Euro Umsatz pro Person, kleine Büros bis fünf Personen fast 110.000 Euro, mit einem Tiefstwert von 107.000 Euro bei mittlerer Größe.

Jahresgehälter (2023): ein bis zwei Jahre Berufserfahrung rund 3.700 bis 4.000 Euro brutto im Monat, drei bis zehn Jahre etwa 5.000 Euro, über zehn Jahre im Schnitt 6.000 Euro (Ingenieure); Architekten etwas darunter.

Der Gewinn vor Steuern lag bei rund 21.000 Euro pro Mitarbeitendem; beim Gewinn pro Person liegt die TGA im unteren Mittelfeld hinter Sachverständigen, Tragwerksplanern und Ingenieurbauwerken.

Der mittlere Bürostundensatz stieg von 86 Euro (2015) auf 123 Euro (2023); der interne Bürostundensatz liegt bei rund 107 Euro.

Befragte Mitgliedsbüros nannten Stundensätze in Hamburg von 85 Euro (Systemplanende) bis 130 Euro (Projektleitende), in Berlin von 75 bis 100 Euro.

Quelle: tgabar-Mitgliederbefragung

Glossar

Mittlerer Bürostundensatz
Der Stundensatz, den ein Büro im Mittel gegenüber Auftraggeber oder Bauherr abrechnen kann (zu verkaufende Stunde inklusive Wagnis und Gewinn).
Tätige Person
Alle fest angestellten Mitarbeiter mit Ausnahme freier Mitarbeiter: Inhaber, Gesellschafter, Ingenieure, Architekten, technische und kaufmännische Mitarbeiter, Auszubildende und sonstige Mitarbeiter.
Umsatz je tätiger Person
Kennzahl der Wirtschaftsumfrage; der Jahresumsatz eines Büros geteilt durch die Zahl der tätigen Personen.