TGA-Planung › Folge #243
tgabar · BargesprächeWas ist ein BarCamp?
Ein BarCamp ist eine offene Unkonferenz ohne vorgegebene Vortragsthemen. Bei der tgabar e.V. bringen die 80 bis 100 Teilnehmenden eigene TGA-Themen mit, pinnen sie an eine zentrale Tafel und leiten dazu eigene Sessions. Es gibt nur einen festen Rahmen aus Raum, Zeit und Moderation. Aus Teilnehmenden werden so aktive „Teilgebende".
Transkript
Warum macht die tgabar zur Jahreshauptversammlung ein BarCamp?
Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar, Sören. Du schluckst noch die letzten Nüsschen an der Bar runter.
Sören: Ja, aber ich bin schon wieder vorbereitet.
Roman: Ungewöhnliche Bars ist tatsächlich das Thema heute, und ungewöhnliche Bars erfordern ungewöhnliche Maßnahmen.
Sören: Wie kriegen wir das eine jetzt mit dem anderen zusammen, und warum haben wir eigentlich schon unsere Jahreshauptveranstaltung angeteasert?
Roman: Wir haben die Jahreshauptversammlung angeteasert und dabei über den Begriff BarCamp philosophiert. Dann ist uns aufgefallen: Wir haben überhaupt nicht erklärt, was das ist, und auch nicht die Motivation, warum wir ein BarCamp machen. Ich bringe immer irgendwas in den Raum und sage: Hey, lass mal BarCamp machen — wusste aber gar nicht, was es ist.
Sören: Es hat sich schon bei entsprechenden Personen verfangen.
Roman: Intelligente Menschen, in diesem Fall Mohamad, haben weitergegoogelt und bei Wikipedia herausgefunden: Das ist eine Unkonferenz.
Sören: Eine Unkonferenz, genau. Und wie sind wir dann an unsere Konferenz herangegangen — 17. oder 18. Oktober — und haben gesagt: Wir müssen eine Mitgliederversammlung machen.
Was ist an einer klassischen Konferenz das Problem?
Roman: Ich habe wie immer angefangen: Wir machen eine Mitgliederversammlung, es gibt Vorträge von vorne. Wir kennen das ja — da vorne steht jemand, kariertes Hemd, der TGA-Planer erläutert Leistungsphase zwei bis drei der Heizungsplanung.
Sören: Also eher ein Monolog und kein Dialog. Auch wenn am Ende immer Fragen sind — in großen Gruppen dauert es eine Weile, bis sich wirklich ein Austausch und ein Mehrwert herausgenerieren, und es hängt stark vom Thema ab.
Roman: Und dann am besten zwei Tage am Stück im stickigen Raum.
Sören: Jeder immer auf demselben Stuhl.
Roman: Mal ein netter Vortrag, dann wieder ein langweiligerer dazwischen, plötzlich ein Werbeeinschub — und du denkst dir: Hat sich das wirklich gelohnt, hierherzukommen? Wir alle haben das schon erlebt, und wir versprechen euch: Das wird uns nicht passieren. Wir machen keine klassische Konferenz.
Sören: Wir mussten aber auch erst in die richtige Richtung gestupst werden, freundlich und vehement.
Woher kommt das BarCamp-Format?
Roman: Es ist, wie immer, eine Innovation aus der IT. Alles, was an innovativen Formaten kommt — agiles Projektmanagement und so weiter — stammt meistens aus der IT. In dem Fall ist das auch so: Ich glaube, die haben da früher zusammen gecodet und Programme geschrieben.
Wie läuft das BarCamp der tgabar konkret ab?
Roman: Wir geben keine Themen vor. Wir sagen den 80 bis 100 Teilnehmenden — jeder, der zuhört, und jeder, der Mitglied an der tgabar e.V. ist —: Komm mit einer eigenen Themenstellung.
Sören: Egal, welches Thema. TGA ist es natürlich.
Roman: Es geht darum, dass ihr etwas mitbringt, was euch beschäftigt, was ihr vielleicht alleine nicht lösen könnt, wo ihr einen Austausch mit Experten braucht. Das Thema ist uns egal — das ist das Abgefahrene. Das Einzige, was wir festhalten, ist ein fester Rahmen.
Sören: Raum und Zeit kriegt ihr von uns.
Roman: Räume und Zeit kriegt ihr von uns, und ihr kriegt eine Moderation. Wir lassen uns dazu auch von einem BarCamp-Profi schulen, der uns erklärt, wie das genau abläuft. Die groben Züge habe ich verstanden: Es wird wahrscheinlich drei Zeitslots geben, jeweils 45 Minuten — da kann man ordentlich was machen. Und diese 45 Minuten gibt es nicht nur in einem Raum, sondern in drei, fünf oder sogar sechs Räumen, in denen die Sessions gleichzeitig ablaufen.
Sören: Wir bieten quasi eine Bühne, auf der jeder, der mag, nach vorne treten und sagen kann: Ich habe hier ein Thema.
Roman: Vorher wird ein bisschen organisiert. Es gibt eine zentrale Tafel, an der die Themen angepinnt werden. Jeder, der ein Thema hat, pinnt es an und sagt: Da möchte ich eine Session leiten, ich möchte mit acht, zehn oder zwölf Leuten dieses Thema besprechen — zum Beispiel: Was macht eine richtig gute TGA-Planung aus? Dafür habt ihr dann 45 Minuten. Und das Abgefahrene ist: Die Leute, die sich dafür interessieren, pinnen sich daran und sitzen 45 Minuten zusammen — dürfen den Raum aber verlassen. Wenn ihr nach zehn Minuten feststellt, das ist doch nicht euer Thema, dürft ihr raus.
Sören: Oder die Frage, die hingelegt wurde, ist nicht beantwortet oder dergleichen.
Roman: Genau. Oder das Thema ist für mich durch, oder ich muss aufs Klo. Ihr dürft raus, könnt euch am Buffet etwas zu essen holen und mit dem Essen in der Hand zur nächsten Session gehen. Wie das genau abläuft, ohne zu viel Unruhe zu bringen, erläutert uns der Profi noch. Aber das ist die Idee: Ihr kommt voll in die Aktivität. Es ist eine Unkonferenz — es steht niemand vorne, der sich vorbereitet hat, sondern ihr steht vorne mit eurem Problem, das ihr vielleicht ein bisschen vorbereitet habt. Ihr könnt etwas mitbringen, es soll aber kein Vortrag sein.
Sören: Oder es kann einfach der Beitrag sein, sich daran zu beteiligen und ein Thema näher zu erörtern — da seid ihr ein fest eingeplanter Bestandteil. Dadurch, dass die Gruppen kleiner sind, kommt es eher zum Austausch um ein Thema.
Was bedeutet „Teilgebende" statt Teilnehmende?
Roman: Ihr seid dann keine Teilnehmenden mehr, sondern Teilgebende. Das ist bei den BarCamp-Profis ein gesetzter Begriff: Teilgebende zu sein bedeutet eben nicht, dazusitzen und zuzuhören, sondern seinen Teil dazuzugeben.
Sören: Das ist eigentlich das Grundprinzip, weswegen wir diesen tgabar e.V. mittlerweile brauchen: weil wir Wissen und Erfahrungen teilen wollen. Das BarCamp-Format passt dazu, und wir hoffen, ein paar Hemmschwellen abzubauen, sich aktiv zu beteiligen. Das ist eigentlich der Game Changer.
Was verspricht sich die tgabar inhaltlich vom BarCamp?
Roman: Das ist genau der Wunsch, den wir verfolgen: euch in die Aktivität zu bringen. Wir merken, dass die Arbeit in den Lounges produktiv ist, da passiert ganz viel. Aber ich habe den Eindruck, wir haben nicht alle Themen erwischt — Themen, die euch bewegen, die wir nicht auf dem Zettel haben, oder die wir anders bearbeiten, als ihr es bräuchtet. Wenn wir verstehen, was bei euch im Arbeits- und Berufsleben und in unserem Leistungsbild passiert und was euch bewegt, dann können wir das einordnen und in den Lounges weiter bearbeiten. Und wenn ein Thema nirgends hineinpasst, gründen wir halt eine neue Lounge. Das wäre für mich ein cooles Ergebnis. Bei einer tgabar gibt es schon zwölf Lounges. So beweglich müssen wir bleiben, dass wir die aktuellen Themen bearbeiten — und nicht nur, weil eine Lounge irgendwann mal gegründet wurde, muss sie auf Ewigkeit so weitergehen.
Sören: Über so ein Format zu reflektieren und die neuen Themen herauszukristallisieren, ist eine Megachance.
Roman: Es ist auch wieder mal agil. Wir haben agiles Projektmanagement ja vorgestellt: Du hast einen festen Zeitslot, aber das Thema ist offen, und der Inhalt variiert nach den Teilgebenden. Wir freuen uns total darauf, das mit euch zu machen. Wir lassen uns professionell vorbereiten. Das war noch nicht ganz alles, was man wissen muss — weil wir es selbst noch nicht wissen. Aber wir fanden das Konzept geil: euch als 80 bis 100 Teilgebende zu bitten, ein Problem mitzubringen, etwas, was noch nicht besprochen wurde, oder etwas, das besprochen, aber nicht gelöst wurde — und das dann mit allen zusammen zu bearbeiten.
Wann und wo findet das BarCamp statt?
Sören: Alle, die mehr wissen wollen: Uns ging es hauptsächlich darum, die Hemmschwelle abzubauen, sich auf das Experiment einzulassen. Für Erklärungen hilft vielleicht auch YouTube. Aber gerade für den Einstieg, wenn ich gar nicht weiß, was ein BarCamp ist, war das vielleicht ein ganz guter Rahmen.
Roman: Auf jeden Fall. Es passiert am Freitag, den 18.10. — das ist der zweite Tag, die Unkonferenz, das BarCamp. Wir freuen uns, mit euch in Berlin, in der Fabrik 23, die Unkonferenz zu veranstalten. Bis dann. Ciao, ciao.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Was ist ein BarCamp?
Ein BarCamp ist eine Unkonferenz: ein offenes Veranstaltungsformat ohne vorgegebene Vortragsthemen. Statt fertiger Vorträge bringen die Teilnehmenden eigene Themen mit, pinnen sie an eine zentrale Tafel und leiten dazu eigene Sessions. Vorgegeben ist nur ein fester Rahmen aus Raum, Zeit und Moderation.
Wie läuft ein BarCamp ab?
Es gibt mehrere parallele Zeitslots von je 45 Minuten in mehreren Räumen. Wer ein Thema hat, pinnt es an eine zentrale Tafel und leitet dazu eine Session mit einer kleinen Gruppe. Teilnehmende dürfen Sessions jederzeit verlassen und in eine andere wechseln, wenn das Thema für sie nicht passt.
Was bedeutet der Begriff „Teilgebende"?
„Teilgebende" ist ein gesetzter Begriff in der BarCamp-Szene: Anders als Teilnehmende, die nur zuhören, geben Teilgebende aktiv ihren eigenen Teil dazu, indem sie ein Thema einbringen oder sich an der Erörterung beteiligen.
Zitate
„Es ist eine Unkonferenz. Es steht niemand vorne, der sich vorbereitet hat, sondern ihr steht vorne mit eurem Problem."
— Roman Fritsches
„Ihr seid dann keine Teilnehmenden mehr, sondern ihr seid Teilgebende."
— Roman Fritsches
„Wenn ein Thema nirgendwo hineinpasst, dann gründen wir halt eine neue Lounge."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Beim BarCamp der tgabar werden 80 bis 100 Teilgebende erwartet.
Das BarCamp ist in drei Zeitslots von je 45 Minuten gegliedert, mit bis zu fünf oder sechs parallel laufenden Sessions in verschiedenen Räumen.
Bei der tgabar gibt es bereits zwölf Lounges.
Das BarCamp findet am 18.10.2024 (zweiter Tag der Jahreshauptversammlung) in Berlin in der Fabrik 23 statt.
Glossar
- BarCamp
- Offenes Veranstaltungsformat ohne vorgegebene Themen; Teilnehmende bringen eigene Themen mit und leiten dazu Sessions. Vorgegeben ist nur der Rahmen aus Raum, Zeit und Moderation.
- Teilgebende
- Gesetzter BarCamp-Begriff für die Teilnehmenden, die nicht nur zuhören, sondern aktiv ihren Teil zum Geschehen dazugeben.
- Unkonferenz
- Bezeichnung für ein BarCamp: eine Konferenz, bei der niemand vorbereitete Vorträge hält, sondern die Teilnehmenden mit ihren eigenen Problemen und Themen nach vorne treten.