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TGA-PlanungFolge #205

tgabar · Bargespräche

Vorstand Sarah Tax

Folge 20517.11.202316:04 minRoman Fritsches, Christopher DuftschmidGast: Sarah Tax
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Auf den Punkt

Sarah Tax, Niederlassungsleiterin bei Team für Technik in Karlsruhe, ist seit dem 10.11.2023 Vorsitzende der tgabar e.V. Im frisch gegründeten Verein sieht sie ihre Kernaufgabe im Netzwerken und Mitgliedergewinnen. Der Vorstand will über Barrierefreiheit auch jüngere Fachplaner einbinden und Branchenthemen wie Wärme-, Strom- und Kältewende vorantreiben.

Transkript

Wie fühlt es sich an, frisch gewählte Vorsitzende der tgabar zu sein?

Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar — E-Punkt, V-Punkt. Wir haben es heute gegründet, ich bin so glücklich.

Sarah: Ja, vorhin war ich noch nicht aufgeregt, jetzt bin ich aufgeregt.

Roman: Wir haben dich als zweite Vorsitzende vorgestellt. Das war einstimmig vorgeschlagen, du wurdest gewählt. Das finde ich toll.

Christopher: Ich sitze wieder mit dem Vorstand zusammen — und Roman ist komischerweise auch wieder dabei.

Roman: Sarah, wie weit hat sich deine Persönlichkeit verändert in den letzten Stunden, jetzt wo du Vorsitzende bist?

Sarah: Oh Gott, gar nicht. Wir sind ja alle am Boden geblieben.

Christopher: Man freut sich auf die Arbeit, die kommt. Christopher hat auch gesagt, da steckt eher weniger Ehre und mehr Arbeit drin, gerade in den nächsten Monaten. Bist du im Vereinswesen grundsätzlich schon irgendwo aktiv?

Sarah: Nein, gar nicht. Das ist mir ehrlich gesagt auch ein bisschen fremd. Aber ich bin da ganz offen und habe einfach Bock auf die Sache. Deshalb bin ich hier, und deshalb habe ich auch bei meinen Geschäftsführern gefragt, ob ich dafür Zeit bekomme — und sie haben mir die Zeit gegeben. Ich weiß noch nicht, wie ich es neben dem Berufsalltag gut organisiere, aber ich finde die Sache richtig gut, und da sollten wir jetzt dranbleiben.

Wie viel Zeit kostet die Vereinsarbeit?

Roman: Das finde ich spannend — diese Frage, wie viel Zeit ich für eine gemeinnützige Tätigkeit investieren kann, die mir ja selbst auch etwas bringt. Ich habe hier schon mehr rausgezogen, als ich reingesteckt habe. Wir haben uns für die Vereinsgründung 12- bis 14-mal getroffen, mindestens eine Stunde pro Woche.

Christopher: Das war aber sehr konzentriertes Arbeiten an dem Thema.

Roman: Im Schnitt waren acht Leute dabei. Wir haben rund anderthalb Stunden pro Woche in diese Vereinsgründung gesteckt — das war der wichtigste Teil.

Christopher: Die tatsächliche Arbeit wird sich einpendeln. Wir haben bewusst gleich drei Vorstände gewählt, damit sich die Aufgaben teilen lassen. Das ist das Grundprinzip: Je mehr sich beteiligen, desto weniger muss jeder Einzelne machen. Dann bleibt es nicht an einzelnen treibenden Kräften hängen, sondern verteilt sich auf mehrere Schultern.

Sarah: Roman, du hast gesagt, bis Februar, März willst du noch die treibende Kraft sein und dann auch mal Pause brauchen. Ich lasse mich gerade noch ein bisschen ziehen und gehe dann vielleicht aktiver rein, um dich zu entlasten und selbst die treibende Kraft zu sein.

Was sieht Sarah Tax als ihre Kernaufgabe im Vorstand?

Roman: Wir haben noch vor, unsere Rollen untereinander aufzuteilen. Christopher und ich wollen unsere Rollen definieren. Es wird einen Punkt geben, an dem ich sage: Jetzt muss ich für einen Monat die Kinder oder etwas anderes in den Vordergrund stellen. Was würdest du dir als Vorstand als Kernaufgabe geben — wofür fühlst du dich verantwortlich?

Sarah: Ich bin sicherlich gut im Netzwerken, neue Mitglieder zu gewinnen und rüberzubringen, was der Kern unseres Vereins ist und was uns ausmacht — auch menschlich. Nicht nur die sachlichen Goodies, sondern die Gemeinschaft, die Leute dahinter und das Herzblut, mit dem wir das machen. Das kann ich gut rüberbringen, das würde ich auch gerne machen.

Wie erreicht man beim Netzwerken wirklich alle — vom Werkstudenten bis zum Senior?

Christopher: Christopher hat den Begriff der Barrierefreiheit aufgegriffen. Wo siehst du die Stärke deines Netzwerks? In einem Verein ist von bis dabei: Ich sitze als Abteilungsleiter mit Niederlassungsleitern und Geschäftsführern zusammen, und trotzdem sind wir per Du. Das sollte den Kern widerspiegeln — jeder TGA-Planer ist wichtig, der Werkstudent wie der Senior. Was sind für dich die Anknüpfungspunkte, wenn es ums Netzwerken geht?

Sarah: Über den Alltag im Büro die bestehenden Netzwerke einbringen und aktiv auf Leute zugehen. Und auf Versammlungen, etwa beim VBI. Ich war letztes Jahr auf einer VBI-Veranstaltung und habe dort viel von der TGA erzählt und gute Resonanz bei anderen Büros bekommen — gerade bei den Ingenieurbüros, die beim VBI thematisch oft untervertreten sind. Warum nicht auch andere Veranstaltungen nutzen, um die Sache breiter zu machen?

Roman: Jeder, dem ich davon erzählt habe, hat Bock drauf. Wir wollen niemandem etwas wegnehmen — es bleibt interessant, im VBI zu sein, um sich beratender Ingenieur nennen zu können. Bei uns steht das Netzwerk im Vordergrund, nicht der Titel.

Roman: Das ist die Barrierefreiheit: Damit bist du eingeladen. Es geht nicht um den Titel Geschäftsführer oder Niederlassungsleiterin, sondern darum, dass ich ein Thema habe und mich mit Gleichgesinnten austausche, um es weiterzutreiben. Wir haben alle irgendwo im Büro ein Thema, bei dem wir sagen: Da müsste man endlich mal ran.

Christopher: Da kann man auch Nischenthemen sehen. Wie schaffe ich es, mich einzubringen und mein Wissen zu teilen, auch wenn ich nicht der Geschäftsführer bin — mir Gehör zu verschaffen und auf Leute mit demselben Themenschwerpunkt zu treffen, um mich in fachlicher Tiefe auszutauschen, wie wir es in der GA-Lounge schon haben.

Sarah: Ich habe viele Kollegen, die als Fachplaner unterwegs sind, sich alle Podcasts reingezogen haben und den Laden von unten her ein bisschen aufräumen wollen und darüber Inspiration finden. Das ist mittlerweile auch ein Thema in der Führung: Es kommt nicht nur von oben, sondern wird auch von der Belegschaft bewegt und nach oben gebracht. Das ist ein Teil der Barrierefreiheit — dass nicht nur die Geschäftsführung oder Niederlassungsleitung aktiv ist, sondern auch die jungen Ingenieure ihre Gedanken einbringen.

Warum sollten Geschäftsführer ihre Fachexperten in den Verein schicken?

Roman: Wir wollen auch die Stilleren stärker zu Wort kommen lassen. Unsere Kernzielgruppe ist am Ende doch die Geschäftsführung eines Ingenieurbüros — aber wir wollen nicht, dass es dort bleibt.

Christopher: Die Geschäftsführung kümmert sich ja nicht mehr um die Detailplanung in den Lounges wie GA.

Roman: Genau, die sind oft weit weg vom eigentlichen Geschäft. Mein Appell an die Geschäftsführer da draußen: Bringt eure Leute, eure Experten in diese Vereine ein. Erst dann wird es wertvoll. Sonst reden wir nur über Unternehmenskultur und ERP-Systeme — auch interessant, aber wir müssen die Themen besprechen, die sonst unter dem Radar bleiben.

Christopher: Ich habe in der Gründungsversammlung gesagt: Die Energiewende findet in der fachlichen Ausarbeitung nicht auf der Geschäftsführer-Ebene statt. Wir müssen den Wissenstransfer haben, um unseren Beitrag zur großen Aufgabe zu leisten. Sich zu überlegen, welche Systeme man technisch kombinieren kann — da sind viele mit Pilotprojekten unterwegs, und viele Planende würden gerne mit ihren Ideen um die Ecke kommen, aber ihnen fehlt der Austausch über die Anlagen. Das soll hier ein Rahmen sein, in dem man untereinander über Arbeitszahlen und dergleichen teilt.

Welche Branchenthemen will der Verein vorantreiben?

Roman: Ich glaube, die echten Innovationen, die wirklich krassen Ideen, kommen in unserer Branche meistens nicht weit. Erstens, weil die schlauen Leute mit guten Ideen oft ein bisschen stiller sind und nicht vorne stehen. Und zweitens, weil im Planungsprozess gute Ideen verschütt gehen — die Argumente Geld, Termine oder Qualität gehen vor, und richtig gute Ideen gehen unter.

Ein Beispiel: Wir hatten im Wohnungsbau die Idee von Schalträumen — Wohnungen sind zusammenlegbar und trennbar, von 20 auf 60 Quadratmeter und zurück. Für die TGA heißt das alles doppelt, zwei Heizkreisverteiler statt einem. Wir haben das vorgerüstet, weil der Bauherr gesagt hat: Ich will das, das ist eine gute Idee. Jetzt hat er ein hochflexibles Wohngebäude — aber nur, weil er es getrieben hat. Genauso könnten wir sagen: Wir werden in den nächsten 20 Jahren Hitzewellen haben, mit Temperaturerhöhungen im Sommer, die man sich heute kaum vorstellen kann.

Roman: Wir wollen eine Kältevorrüstung anbieten: einen Kaltwassersatz vorrüsten, ohne die Geräte. Nehmen Sie doch bei 25 Millionen die 100.000 Euro in die Hand. Sonst hängen sich irgendwann alle Mieter Klimasplitgeräte wie in Italien oder Spanien an die Außenwand. Das sind Ideen, die bei uns ständig diskutiert werden, aber unter der Ebene bleiben und im Projektverlauf sterben.

Sarah: Im Fokus stehen jetzt die kommunalen Wärmeplanungen. Die Kommunen müssen bis 2040 klimaneutral sein, und da ist viel notwendig. Viele Dinge sind nicht wirtschaftlich, bieten aber trotzdem eine gute technische Lösung. In vielen Liegenschaften schließen sich schon mehrere Gebäude zusammen, erzeugen Wärme und Strom im Verbund und sind teils sogar autark. Da tut sich ein großes Feld auf. Wir als TGA-Planer müssen den Fokus weg vom klassischen Neubau oder der Sanierung auch auf das Zusammenspiel aus Wärme und Strom legen. In unserem Büro verrücken wir den Schwerpunkt gerade dahin.

Roman: Und ich behaupte, irgendwann auch Kälte.

Sarah: Kälte ist ein großes Thema, ebenso die E-Mobilität — viele Dinge, die auf uns zukommen.

Braucht es dafür eine eigene Lounge?

Roman: Wir wollen uns dazu austauschen. Wir haben schon eine Lounge „Zukunft der TGA" — Mohamad Hussein hat die als potenzieller Loungeleiter allerdings eher Richtung KI angedacht.

Christopher: Aber auch das wird ein Thema sein.

Roman: Das ist ein wichtiges Thema. Ich sehe deshalb eine eigene Lounge für Wärmewende, Stromwende, Kältewende.

Christopher: Wir haben das mal in der Happy Hour vorgestellt und damals gar nicht so viel Anklang gefunden.

Roman: Genau, es gab relativ wenig Feedback. Wir haben über Niedertemperaturnetze gesprochen, Mohamad Hussein hat viel erzählt und sogar eine Studienarbeit dazu herausgebracht.

Christopher: Gerade diese großen, nicht richtig greifbaren Themen kommen in Wellen.

Roman: Oder es saßen die falschen Leute da: vielleicht Geschäftsführer, die vom Thema Low-Ex-Netze, Kältenetze und Elektromobilität keine Ahnung haben. Dort hätten Fachplaner sitzen müssen, die Kommunen beraten und sagen: Ich will meine Kennzahlen mit euren vergleichen, eure Kosten mit meinen, eure Berichte mit meinen. Voneinander und miteinander lernen.

Sarah: Es gibt viele Bürgerenergiegenossenschaften, die sich jetzt bilden — richtig gute Leute, die etwas bewegen wollen und Planer brauchen. Die sind sonst auf diesem Weg völlig verloren.

Christopher: Was ist das genau?

Sarah: Ein kleiner Stadtteil, der sich aus einem Wärmenetz mit eigener Erzeugung versorgen möchte — von Bürgern betrieben, nicht über die Stadtwerke. Ich finde solche Initiativen einfach bewundernswert.

Roman: Das ist alles ohne wirtschaftliche Interessen.

Christopher: Das ist Ehrenamt, Überzeugungstäter. Und nicht nur für ein Einzelgebäude, sondern für mehrere — wenn sich ein ganzer Straßenzug überlegt: Uns geht es gut, da können wir etwas zurückgeben. Oder: Uns geht es nicht mehr gut, wir müssen jetzt etwas tun.

Roman: Unterschiedlicher Antrieb. Okay, ich schaue an die Bar, wir müssen Schluss machen. Sarah, vielen Dank.

Christopher: Ich freue mich auf die Arbeit mit dir.

Roman: Ich auch, das wird super. Glückwunsch nochmal zur Wahl. Wir beenden die Folge an der Bar. Ciao.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Wer ist Sarah Tax und welche Rolle übernimmt sie in der tgabar?

Sarah Tax ist Niederlassungsleiterin bei Team für Technik in Karlsruhe und wurde am 10.11.2023 in den Vorstand der tgabar e.V. gewählt. Ihre Wahl erfolgte einstimmig. Ihre Kernaufgabe sieht sie im Netzwerken und im Gewinnen neuer Mitglieder.

Was bedeutet Barrierefreiheit im Selbstverständnis der tgabar?

Barrierefreiheit meint, dass nicht der Titel zählt, sondern das Thema und der Austausch mit Gleichgesinnten. Vom Werkstudenten bis zum Senior soll jeder TGA-Planer eingeladen sein, sich einzubringen — nicht nur Geschäftsführung und Niederlassungsleitung, sondern ausdrücklich auch junge Ingenieure.

Zitate

Ich bin da ganz offen und habe einfach Bock auf die Sache."

Sarah Tax

Je mehr sich beteiligen, desto weniger muss jeder Einzelne machen."

Christopher Duftschmid

Es geht nicht um den Titel, sondern darum, dass ich ein Thema habe und mich mit Gleichgesinnten austausche."

Roman Fritsches

Es gibt viele Bürgerenergiegenossenschaften, richtig gute Leute, die etwas bewegen wollen und Planer brauchen."

Sarah Tax

Zahlen & Fakten

Für die Gründung der tgabar e.V. traf sich das Team 12- bis 14-mal, mindestens eine Stunde pro Woche; im Schnitt waren acht Personen dabei.

Quelle: Roman Fritsches

Die tgabar e.V. wurde mit drei Vorständen gegründet, damit sich die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen.

Quelle: Christopher Duftschmid

Kommunen müssen bis 2040 klimaneutral sein, weshalb kommunale Wärmeplanungen erstellt werden.

Quelle: Sarah Tax

Sarah Tax wurde am 10.11.2023 einstimmig zur Vorsitzenden der tgabar e.V. gewählt.

Glossar

Barrierefreiheit (tgabar-Selbstverständnis)
Grundsatz des Vereins, dass nicht Titel oder Position zählen, sondern das fachliche Thema und der Austausch auf Augenhöhe — vom Werkstudenten bis zum Senior.
Bürgerenergiegenossenschaft
Von Bürgern betriebene Initiative, in der sich ein Stadtteil über ein eigenes Wärmenetz mit eigener Erzeugung versorgt — nicht über die Stadtwerke.
Kältevorrüstung
Vorab eingeplante Infrastruktur für spätere Kälteversorgung (z. B. Vorrüstung eines Kaltwassersatzes ohne die Geräte selbst), um auf künftige Hitzewellen vorbereitet zu sein.
Schalträume
Wohnungen, die zusammenlegbar und trennbar sind (z. B. von 20 auf 60 Quadratmeter); erfordern in der TGA doppelte Ausstattung, etwa zwei Heizkreisverteiler statt einem.