TGA-Planung › Folge #204
tgabar · BargesprächeVorstand Christopher Duftschmid
Direkt nach der Gründungssitzung stellt sich Christopher Duftschmid vor, frisch gewählter Vorstand der tgabar e.V. — laut Roman der erste gemeinnützige Verein nur für TGA-Planung. Der Vorstand soll vor allem den Vereinszweck fördern, die Lounge-Leiter wie Trainer in den Fokus stellen, hybrid und digital arbeiten und Barrieren zur Teilnahme senken.
Transkript
Welchen Verein hat die tgabar gerade gegründet?
Roman: Moin Moin, herzlich willkommen an der TGA-Bar, e.V. Wir sind so weit, Applaus, wir haben den Verein gegründet.
Sören: Genau, wir kommen gerade direkt aus der Gründungssitzung. Und ich habe die Ehre, jetzt sogar mit beiden frisch gewählten Vorsitzenden hier zu sitzen — dem ersten und dem dritten.
Roman: Wir hatten nicht genug Mikros, sonst hätten wir Sarah noch mitgebracht. Aber die wird auch noch interviewt.
Sören: Möchtest du, Roman, zur Wahl noch was sagen?
Roman: Ja, ich habe noch ganz schwitzige Hände und bin ganz aufgeregt. Wenn ich das richtig verstanden habe, haben wir gerade den ersten und einzigen gemeinnützigen Verein nur für TGA-Planung gegründet. Mir ist nicht bekannt, dass ein anderer Verein gemeinnützig dafür tätig ist. Es gibt einen anderen in Frankfurt, aber der ist nicht gemeinnützig und etwas kleiner.
Was erwartet den Vorstand in den nächsten Monaten?
Roman: Christopher, du bist ja Vereinsprofi. Was erwartet uns denn jetzt in den nächsten Monaten?
Christopher: In jedem Verein ist es irgendwann so, dass du bei deinem Amt ganz wenig Ehre hast. Uns erwartet ganz viel Arbeit in den nächsten Wochen, Monaten und vor allem Jahren. Roman, du hast dir nicht wenig auf die Agenda geschrieben. Deswegen müssen wir gucken, dass wir ganz viele Mitglieder bekommen, unsere Vorhaben finanziert bekommen und Gas geben.
Roman: Vollgas. Vielleicht stellst du dich nochmal kurz vor, nicht alle kennen dich.
Christopher: Mein Name ist Christopher Duftschmid, ich komme aus München und führe dort ein TGA-Büro — weder Bauherr noch Handwerker. Ich bin relativ früh zur tgabar gekommen, konnte mich im letzten Jahr aber durch private Themen nicht so einbringen. Dann kam das Thema auf, dem Ganzen einen Rahmen zu geben, im Verein. Da habe ich mich angesprochen gefühlt und bei den Gründungs- und Satzungssitzungen mitgemacht. Und jetzt bin ich hier in Berlin.
Warum arbeitet die tgabar digital und hybrid?
Sören: Du bist Vereinsprofi. Es ist besonders wichtig, digital unterwegs zu sein. Das haben wir jetzt auch verankert.
Christopher: Ja, es ist Bestandteil der Satzung, dass die Mitgliederversammlung — also die Hauptversammlung, das größte Organ des Vereins, die jährlich zusammenkommt, die Beiträge beschließt und den Haushalt verabschiedet — hybrid stattfinden kann. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es auch so sein. Das ist etwas Neues, etwas Digitales; das kenne ich so aus unserem alten Verein nicht. Ich bin noch Vorstand in einem Sportverein, da hatten wir während Corona erhebliche Probleme, das Thema zu digitalisieren. Ich glaube, das macht uns aus.
Welche Rolle haben Lounge-Leiter und Vorstand?
Roman: Das macht uns aus, glaube ich auch. Eine zweite Sache, die ich ganz wichtig finde: dass wir diese Lounge-Leiter oder Trainer — bei uns heißt es Lounge-Leitung, ich bin Trainer — ganz stark im Fokus haben und nicht die Selbstverwaltung immer nur nach vorne schieben. Wie jeder gute Sportverein wollen wir die Trainer besonders fördern und natürlich auch die Trainierten. Was in den Lounges passiert und was die Experten durch ihre Lounge-Leitenden ausarbeiten, wollen wir fördern, transportieren, weiterentwickeln und durch Moderation unterstützen. Das macht kaum ein Verein so.
Christopher: Da hast du die Kernaufgabe des Vorstandes herausgearbeitet. Wir sind eigentlich nur dafür da, den Zweck des Vereins weiterzuentwickeln und zu fördern. Das Beste, was wir machen können, ist, wenn unsere Lounge-Leiter und Mitglieder happy über das Angebot sind und wir das so barrierefrei wie möglich rüberbringen.
Was ist der Ausschuss im Verein?
Sören: Die Mitgliederversammlung kennt jeder. Der Ausschuss fällt immer wieder — von der Struktur her ist das das Zentrale, wo paritätisch aus den einzelnen Netzwerk-Bars gearbeitet wird. Ist das auch eine Veränderung zum klassischen Vereinswesen?
Christopher: Der Ausschuss ist eigentlich das zweithöchste Organ im Gesamtverein. Er besteht aus den Barkeepern — die verschiedenen Lounges werden unter einem Barkeeper gesammelt, und der Barkeeper vertritt die Anliegen seiner Lounge-Leiter im Ausschuss — und aus dem Vorstand. Dort werden demokratisch, jeder hat eine Stimme, die wegweisenden Entscheidungen mehrheitlich getroffen. Aber es ist ein klassisches Vereinsorgan, das ist nichts Neues.
Sören: Das Wort Ausschuss ist also per Definition gesetzt? Wir geben den Organen ja wohlklingende Namen, die die Analogie der Bar treffen — passt das im Verständnis für jeden?
Christopher: Der Ausschuss hieß während unserer Sitzungen auch mal anders, aber wir haben uns für „Ausschuss" entschieden, weil das in der Satzung das ist, was ein Jurist, das Finanzamt und im Zweifel das Registergericht kennt. Deswegen ein konservativer Name.
Roman: Wir können an die Hörer eine kleine Aufforderung machen: Was fällt euch noch ein? Stellt euch vor, drei Bars kommen zusammen und entscheiden.
Sören: Ein Clubhaus hatten wir auch — eigentlich sollte es Clubhaus heißen. Aber für alle, die sich erst aktiv damit auseinandersetzen und die Satzung anschauen, ist das ein wichtiger Punkt: Wo finde ich mich da? Wenn ich nichts zuordnen kann, fällt es schwer, mich zu identifizieren und zu beteiligen.
Wie kann man sich im Verein beteiligen?
Christopher: Das ist eine wichtige Botschaft. Man kann sich immer beteiligen, indem man an die Happy Hour geht. Wir wollen unser Angebot jetzt publik machen, sodass jeder Mitglied werden kann. Dazu bedarf es aber noch einiger Schritte.
Roman: Wenn ich mir andere Vereine anschaue, auch solche, mit denen wir kooperieren, dann ist auf der Website nicht so richtig der direkte Nutzen herausgestellt. Eher heißt es: Wir haben ein Thema, und wenn du mitmachen willst, mach mit. Ich habe die Hoffnung, dass wir klar umreißen, welche Vorteile wir bieten. Die meisten sagen, allein Netzwerkmitglied in einem Verband von TGA-Planenden zu sein reicht schon. Wir gehen einen Schritt weiter und wollen mehr Wert im Mitgliedsbeitrag bieten. Da sind wir auch etwas speziell.
Christopher: Ich bin mit meiner Firma in zwei anderen Berufsverbänden Mitglied und finde es wahnsinnig schwierig, mich da einzubringen. Die erste Schwelle ist immer die schwierigste; wenn du drin bist, lernst du die Leute kennen. Gerade durch diese Online-Präsenz und das Barrierefreie fällt es allen, die Lust haben, relativ leicht mitzumachen. Das ist ein Vorteil.
Was bedeutet Barrierefreiheit im Verein?
Roman: Den Begriff Barrierefreiheit musst du mir erklären. Wir sind alle Planer, ich denke erst an ein großes, besonders ausgestattetes WC. Aber jetzt weiß ich, was du meinst: Barriere im Sinne von Angst oder fehlender Möglichkeit teilzunehmen — ich fühle mich nicht wohl, in so einer Gruppe zu arbeiten — und diese Barrieren willst du senken. Das finde ich super, denn das ist genau das Ziel: Barrieren senken durch neutrale Moderation. Da ist vielleicht eine starke Persönlichkeit als Lounge-Leiter, aber vor der muss ich keine Angst haben, weil eine neutrale Moderation sie und andere einfängt und ich gehört werde. Wir sind ja alle ein bisschen Nerd und speziell. Es ist schön, wenn ein Moderator sich diese Bühne wieder wegnimmt und sagt: Wir treffen gemeinsam gute Entscheidungen in dieser Lounge.
Christopher: Das stimmt. Ich möchte noch einen Aspekt einbringen, der mir als Geschäftsführer eines kleinen Planungsbüros wahnsinnig gut tut: der Austausch mit dem Geschäftsführer eines 100-Mann- oder 250-Mann-Büros. Am Gründertisch und in den Happy Hours sitzen auch sehr große Planungsbüros. Es ist sonst schwierig, ein Gespräch auf Augenhöhe mit einem Geschäftsführer eines größeren Büros zustande zu bringen. Aber der Wissensaustausch ist der gleiche, beide können voneinander lernen. Das haben wir im Oktober schon in München festgestellt. Danke für die Einladung.
Sören: Nächstes Jahr bin ich auch dabei, ich würde gern mal die Fotos sehen.
Christopher: Oktoberfest am Tag der Deutschen Einheit, der Hammer. Der Austausch ist wahnsinnig wichtig und eines der Kernziele: dass er auf allen Ebenen stattfinden kann.
Roman: Und das passiert in den anderen Vereinen so nicht. Es interessiert keinen, ob jemand Geschäftsführer ist oder nicht. Es sind einfach Personen, die bestimmte Verantwortung haben wollen und sich mit anderen austauschen.
Sören: Die Bezeichnung einer Bar, wo man schnell per Du ist, baut die Hemmschwelle ab. Die Barrierefreiheit.
Wie geht es mit Digitalisierung und Software weiter?
Sören: Den Begriff nehme ich mit. Wir merken, dass auch das Online-Dasein Herausforderungen hat, das wirklich barrierefrei zu gestalten. Man ist da mitunter anbieterbezogen unterwegs. Das als Verein mit der entsprechenden Software zu gießen, wird die Schwelle weiter senken — dass man irgendwann auf der Vereinsseite direkten Zugriff bekommt.
Roman: Das ist das Zweite, was wir von dir gelernt haben: Das Thema digital stellen wir nach vorne. Wir sind modern — das war auch Lars Schumachers großer Wunsch: Verein, muss das sein? Aber bitte ein bisschen cooler, moderner, frischer. Wir sind alle IT-Nerds genug, um uns in neue Themen reinzudrehen. Wir kümmern uns schon um Kommunikationssoftware, haben verschiedene Angebote für gemeinnützige Vereine, die uns Vorteile bringen, und wollen uns Richtung Software einbringen und gute Sachen nutzen.
Christopher: Die großen Softwarehäuser stellen das ja auch zur Verfügung. Warum nicht?
Sören: Das ist vielleicht mal ein Bargespräch wert: Wer hat sich wofür entschieden, wie kommuniziert man darüber, welche Möglichkeiten habe ich?
Roman: Dann machen wir nochmal eine Vorstandsrunde in ein paar Wochen oder Monaten, wenn wir einen Schritt weiter sind — dich, mich und Sarah alle zu dritt.
Christopher: Da brauchen wir noch ein Mikro.
Sören: Wir müssen einen Ort in der Mitte finden, damit nicht alle so weite Wege haben. Karlsruhe, München, Hamburg — das ist nicht um die Ecke, aber bestimmt eine Reise wert.
Roman: Alles klar. Christopher und Sarah, wir freuen uns sehr, dass du Vorsitzender bist und barrierefrei die Zukunft des Vereins mit voranbringst. Vielen Dank.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Was ist die tgabar e.V. und was macht sie besonders?
Laut Roman Fritsches ist die tgabar der erste und einzige gemeinnützige Verein nur für TGA-Planung; ein anderer Verein in Frankfurt ist nicht gemeinnützig und kleiner. Sie wurde frisch in einer Gründungssitzung in Berlin gegründet.
Was ist die Kernaufgabe des Vorstands der tgabar?
Den Zweck des Vereins weiterzuentwickeln und zu fördern. Konkret heißt das: die Lounge-Leiter (Trainer) und Mitglieder in den Fokus stellen, das Angebot möglichst barrierefrei rüberbringen und nicht die Selbstverwaltung nach vorne schieben.
Was bedeutet Barrierefreiheit bei der tgabar?
Nicht baulich gemeint, sondern: die Schwelle zur Teilnahme senken. Durch neutrale Moderation soll niemand Angst vor starken Persönlichkeiten haben, jeder wird gehört, und durch Online-Präsenz und die lockere Bar-Atmosphäre fällt das Mitmachen leichter.
Zitate
„Wir haben gerade den ersten und einzigen gemeinnützigen Verein nur für TGA-Planung gegründet."
— Roman Fritsches
„In jedem Verein ist es irgendwann so, dass du bei deinem Amt ganz wenig Ehre hast."
— Christopher Duftschmid
„Wir sind eigentlich nur dafür da, den Zweck des Vereins weiterzuentwickeln und zu fördern."
— Christopher Duftschmid
„Barrieren senken durch eine neutrale Moderation — ich werde gehört."
— Roman Fritsches
Glossar
- Ausschuss
- Zweithöchstes Organ des Vereins; besteht aus den Barkeepern (die jeweils die Lounge-Leiter ihrer Lounges vertreten) und dem Vorstand und trifft demokratisch die wegweisenden Entscheidungen.
- Barkeeper
- Rolle, die mehrere Lounges sammelt und deren Lounge-Leiter im Ausschuss vertritt.
- Barrierefreiheit (tgabar)
- Senken der Teilnahmeschwelle durch neutrale Moderation und Online-Präsenz, sodass niemand Angst vor der Mitarbeit haben muss.
- Mitgliederversammlung (Hauptversammlung)
- Größtes Organ des Vereins; kommt jährlich zusammen, beschließt die Beiträge und verabschiedet den Haushalt; kann laut Satzung hybrid stattfinden.