TGA-Planung › Folge #57
tgabar · BargesprächeUpdate Kampagne Nachwuchsgewinnung
Die tgabar.de bündelt Planungsbüros in einer gemeinsamen Nachwuchskampagne, statt sich gegenseitig erfahrene Leute abzuwerben. 23 Standorte sind als First Mover dabei und finanzieren für je rund 983 Euro eine gemeinsame Landingpage, Workshops und kurze Testimonial-Reels für TikTok, Instagram und LinkedIn, die Schüler über Sinnfragen für Fach- und Systemplanung gewinnen sollen.
Transkript
Warum braucht die TGA-Branche eine eigene Nachwuchskampagne?
Roman: Moin Moin und herzlich willkommen aus Hamburg zum einzigen Podcast von der TGA-Bar. Sören Janson und ich, Roman Fritsches, wollen Nachwuchs.
Sören: Für die Büros, genau. Wir haben beide selbst genug Nachwuchs — zusammen acht Kinder, das reicht.
Roman: Wir wollen Nachwuchs, und zwar nicht nur acht, sondern am besten 8.000 oder 80.000 Azubis und duale Studierende. Das ist das Thema, das an der Bar bisher am längsten diskutiert wurde und die Büros am meisten interessiert: 45 Prozent der Ingenieurbüros sagen, das ist gerade ihr größtes Hindernis. Wir können einfach nicht mehr Projekte machen, weil wir nicht genug Leute haben.
Was wir auf gar keinen Fall wollen, ist dieses Kannibalisieren — dass wir uns gegenseitig erfahrene Leute abwerben. Das führt zu echtem Frust zwischen Büros: Wenn ein guter Kollege abgeworben wird und du den ganzen Stress übernommen hast, redet man nicht mehr so gern miteinander. Wir haben mehrere Kollegen, die jetzt wieder bei uns angefangen haben, sogar Leute, die in andere Branchen abgewandert und zurückgekommen sind. Aber wir wollen nicht über das Abwerben alter Hasen sprechen, sondern junge, motivierte Schüler gewinnen.
Welche Zielgruppe will die Kampagne erreichen?
Sören: Da kommen wir Schritt für Schritt weiter.
Roman: Wir zielen auf die 8. bis 10. Klasse — alle, die zwischen Boys' and Girls' Day, drei Wochen Praktikum und „ich mache jetzt eine Ausbildung" stehen, bis zu denen, die überlegen, was sie studieren sollen. Die wollen wir alle gewinnen, und zwar gleichberechtigt Richtung Systemplanung und Richtung Studium.
Warum macht die tgabar das ohne die etablierten Verbände?
Sören: Diese Folge ist als Update zu verstehen. An der letzten Happy Hour haben wir vorgestellt, dass wir auf einen Marketingmenschen zugegangen sind, der uns ein Paket geschnürt hat. Daraus entstehen Fragen — zum Beispiel, warum wir nicht stärker in den Austausch mit den Verbänden gehen.
Roman: Das war einer der meistgefragten Punkte; manche sagten, sie machen lieber bei den Verbänden mit. Wir haben es probiert. Mit dem VDI sind wir über das VDI-Wissensforum schon lange unterwegs und haben das Thema TGA-Fachplaner immer wieder nach vorne zu stellen versucht. Aber das VDI-Wissensforum will alle in der Baubranche treffen und kann sich nicht nur auf TGA-Fachplaner fokussieren — das ist verständlich. Beim VBI habe ich denselben Eindruck: Es gab schon eine Nachwuchskampagne online, aber die ist genauso allgemein, nicht für TGA-Fachplanende und Systemplanende gedacht.
Sören: Wir sind auf der Suche nach dem für uns passenden, zugeschnittenen Ansatz.
Roman: Die ganzen Ausstatter sagen alle: Ich habe irgendwas für alle Größen, alle Typen, alle Leistungsbilder im weitesten Sinne der Bau- und Planungsbranche. Aber Leistungsbilder speziell für TGA-Fachplaner? Wir haben einfach keinen Verband gefunden, der sich wirklich nur auf TGA-Fachplanende fokussiert. Vielleicht ist die tgabar.de die Einzige, die das tut.
Sören: Verband sind wir noch nicht. Und um wirklich Nachwuchs zu gewinnen, sind uns die ganzen Plattformen und sozialen Medien selbst nicht so vertraut, dass wir sagen könnten, wir wissen genau, was zu tun ist. Deshalb suchen wir Leute, die wirklich wissen, was ein Reel ist.
Roman: Reel oder Short — da fängt es schon an. Diese klassische Briefkastenkampagne, einen Flyer schreiben und in tausend Briefkästen werfen, funktioniert nicht und ist nicht in unserem Sinne.
Was genau bekommen die teilnehmenden Büros für ihren Beitrag?
Roman: Eine Erkenntnis der Büros an der Bar ist: Das eigene Büro zu bewerben und die Tätigkeit als Fach- und Systemplaner einfach mit diesen Begriffen stehen zu lassen, schafft niemanden zu begeistern. Es geht nicht darum, was wir tun, sondern was wir wollen.
Zum Stand: Am 11.11. haben wir den Torschluss gemacht und gesagt, am Dienstag, den 15.11. ist Schluss — dann sind alle First Mover dabei. Wir haben jetzt 23 Standorte gewonnen, die alle mitmachen. Die kommen auf eine gemeinsame Karte, auf eine Landingpage. Vorab treffen sich alle zu einem zweistündigen Vor-Workshop, in dem wir Zielgruppe, Zielstellung und so weiter sauber und professionell aufbereiten. Aus einer ausgewählten Gruppe geht es dann in einen Eintages-Workshop, aus dem die Landingpage entsteht: eine Website, die erklärt, was Fach- und Systemplanung bedeutet und warum Schüler das machen sollten — und darunter sind alle Büros zu finden, sodass ich direkt das Büro in meiner Nähe besuchen kann.
Wir haben außerdem eine Videoschnitt- und Videoproduktionsfirma gefunden, die uns die ersten Reels macht — kurze Clips für TikTok, Instagram und LinkedIn. Das sind Testimonials, etwa 10-Sekünder: Man sieht einen Schüler, der eine Frage gestellt bekommt — „Was bedeutet für dich Energiewende?" oder „Wie können wir die Zukunft umbauen?" — und der aus seiner Sicht spontan antwortet. Danach kommt nur ein kurzes Logo und die Landingpage. Wir stellen also eine Frage und führen zur Antwort auf die Seite. So holt man die Schüler ab: Wenn ich ein Problem habe, will ich erst einmal nur, dass das Problem benannt wird, nicht gleich die Lösung sehen.
Das alles können wir schon mit den ersten 23 Standorten finanzieren — inklusive Videos, Landingpage, Feedback der Schüler zur Landingpage, eigener Session und Marketingkonzept. Das Ganze kostet pro Standort 983,16 Euro. Für eine dicke Marketingkampagne mit Standort, Landingpage und Reels sind 983 Euro ein Witz — so viel kostet schon eine Anzeige bei den großen Plattformen.
Wie geht es nach der Landingpage weiter?
Sören: Es geht darum, gemeinsam etwas zu schaffen — am Ende auf dieser Landingpage zu landen, wo man alle gleichberechtigt findet und kein Büro im Vordergrund steht. Die Kampagne ist nicht auf ein Büro zugeschnitten, sondern auf die Sache: Verständnis schaffen und den Schülern die richtigen Fragen stellen. Wir hatten selbst einen Praktikanten, der die Abhängigkeit von Putins Gas reduzieren wollte und sich deswegen unser Büro angeschaut hat. Das ist eine grandiose Frage.
Roman: Wie werden wir diese Abhängigkeiten los? Warum haben wir so viel Angst um unsere Energieversorgung? Weil wir nicht genug Erneuerbare haben — oder nicht genug Leute, die sie umsetzen können. Genauso können wir das Thema Digitalisierung bringen: Wie wird ein Gebäude überhaupt errichtet, wie wissen alle, was sie tun müssen?
Sören: Der Fokus liegt auf dem Thema, nicht auf den Büros.
Roman: Genau. Und wenn wir den Fokus auf Thema und Schüler legen, ist auch die Vergütung wichtig. Ich habe mit einem Ausbilder in Hamburg gesprochen, der sagte: Das muss nicht mit der Landingpage enden. Wenn die Auszubildenden und dualen Studierenden langsam kommen, könnte man als Gruppe von Büros gemeinsame Aktivitäten machen — etwa für 300 Euro pro Büro alle zusammen auf ein Wochenende mit Fortbildung schicken, sodass sich Netzwerke bilden.
Sören: Architektur-Summer-Schools und so etwas gibt es ohne Ende.
Roman: Das muss nicht aufhören. Unsere Personalverantwortlichen können mit den Azubis weitermachen und gemeinsam eine hohe Ausbildungsqualität bringen. Je länger ich über das Konzept nachdenke, desto begeisterter bin ich.
Wie kann mein Büro noch mitmachen?
Roman: Am Dienstag machen wir Redaktionsschluss. Wenn diese Folge erscheint, ist der First-Mover-Schluss eigentlich schon vorbei. Mit den 23 Standorten — vielleicht werden es noch 25 oder 30 — machen wir den Workshop, bauen die Landingpage und die ersten Reels. Wer danach mitmacht, die Second Mover, zahlt ebenfalls 983 Euro und ist mit dabei, also auf der Landingpage. Diese Beiträge finanzieren dann mehr Reels und die eigentlichen Werbekampagnen: Wir müssen Anzeigen schalten, weil wir nicht genug Influencer haben, um Millionen Schüler zu erreichen. Das kostet noch einmal etwa 15.000 plus 6.000 Euro.
Sören: Am Ende kann jeder mitmachen, der will. Je mehr wir sind, desto stärker sind wir und desto mehr Reichweite — und jedes Büro bekommt hoffentlich den Nachwuchs, den es braucht.
Roman: Es könnte schon mit diesem Mockup, der ersten Version, losgehen — ich rede schon wie ein Marketingmensch. Die Reels und Videos als Beispiele von unserem Filmstudio sind großartig. Also: Wer dabei sein will, schreibt eine Mail an roman@tgabar.de. Tschüss, bis bald.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Was ist das Ziel der Nachwuchskampagne der tgabar?
Gemeinsam junge, motivierte Schüler der 8. bis 10. Klasse für Fach- und Systemplanung in der TGA zu gewinnen — sowohl für Ausbildung/Systemplanung als auch fürs Studium. Statt sich gegenseitig erfahrene Mitarbeiter abzuwerben, bündeln die Büros ihre Kräfte in einer gemeinsamen Kampagne.
Warum kooperiert die Kampagne nicht mit Verbänden wie VDI oder VBI?
VDI-Wissensforum und VBI richten sich an die gesamte Baubranche und können sich nicht speziell auf TGA-Fachplaner fokussieren. Ihre Nachwuchskampagnen bleiben dadurch zu allgemein. Die tgabar.de sieht sich als einzige Initiative, die ausschließlich TGA-Fachplanende adressiert.
Was bekommen teilnehmende Büros für ihren Beitrag?
Für rund 983 Euro pro Standort: einen gemeinsamen Eintrag auf einer Landingpage mit Standortkarte, Vor-Workshop und Eintages-Workshop, kurze Testimonial-Reels für TikTok, Instagram und LinkedIn, Schüler-Feedback zur Landingpage sowie ein Marketingkonzept. Spätere Beiträge finanzieren zusätzliche Reels und Werbeanzeigen.
Zitate
„Was wir auf gar keinen Fall wollen, ist dieses Kannibalisieren — dass wir uns gegenseitig erfahrene Leute abwerben."
— Roman Fritsches
„Es geht nicht darum, was wir tun, sondern was wir wollen."
— Roman Fritsches
„Der Fokus liegt auf dem Thema, nicht auf den Büros."
— Sören Janson
Zahlen & Fakten
45 Prozent der Ingenieurbüros nennen den fehlenden Nachwuchs als ihr größtes Hindernis.
Zum First-Mover-Stichtag haben sich 23 Standorte an der Nachwuchskampagne beteiligt.
Die Teilnahme kostet 983,16 Euro pro Standort (inklusive Landingpage, Reels, Workshops und Marketingkonzept).
Für die anschließenden Werbeanzeigen fallen noch einmal rund 15.000 plus 6.000 Euro an.
Ziel der Kampagne sind bis zu 80.000 Auszubildende und duale Studierende — etwa acht pro Büro.
Glossar
- First Mover
- Die ersten Büros, die sich bis zum Stichtag (15.11.) an der Kampagne beteiligen und auf die gemeinsame Landingpage kommen.
- Landingpage
- Gemeinsame Website der Kampagne, die Fach- und Systemplanung erklärt und alle teilnehmenden Büros auf einer Standortkarte auffindbar macht.
- Second Mover
- Büros, die nach dem First-Mover-Stichtag einsteigen, ebenfalls rund 983 Euro zahlen und damit zusätzliche Reels und Werbekampagnen mitfinanzieren.
- Testimonial (Reel)
- Etwa 10 Sekunden kurzer Clip, in dem ein Schüler eine Sinnfrage (z. B. zur Energiewende) spontan aus seiner Sicht beantwortet, gefolgt von Logo und Landingpage.