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TGA-PlanungFolge #306

tgabar · Bargespräche

Stress an der Bar!?

Folge 30608.02.202512:27 minRoman Fritsches, Sören Janson
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Auf den Punkt

Der Stresstest für Architektur- und Ingenieurbüros der Zeitschrift Planungsbüro professionell prüft mit rund 43 Fragen die wirtschaftliche Resilienz eines Büros: Anzahl und Streuung der Auftraggeber, Breite der Leistungen, Forderungsmanagement, Bonität, Fachkräftebesetzung und Digitalisierung. Er eignet sich gut als Einstieg oder Nachbereitung für das jährliche Strategiemeeting eines Planungsbüros.

Transkript

Worum geht es bei „Stress an der Bar"?

Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar. Sören, was steht heute an?

Sören: Heute? Stress an der Bar.

Roman: Ich bin schon ganz aufgeregt. Ich bin vorhin wie so ein Teenager, der zu einer Party geht und weiß, da gibt es gleich Stress.

Sören: Man läuft ja eher Gefahr, wenn man immer mit demselben Kreis an Leuten losgeht. Gerade Zweier- und Dreier-Männer-Runden waren immer prädestiniert dafür. Heute macht man sich eher Gedanken um die Kinder — wenn es aufs Teenageralter losgeht und du hörst, mit wem sie unterwegs sind.

Roman: Ich war da total entspannt. Ich hatte den krassesten 16. Geburtstag meines Lebens: Meine Eltern waren nicht da, 140 Leute in der Wohnung. Dann standen die stadtbekannten Schläger an der Tür und sind einfach reingekommen. Wir hatten alle Schiss. Im Wohnzimmer hat dann einer eine Abba-Platte meiner Eltern gefunden, aufgelegt — und dann fingen die an, zu dritt zu Abba zu tanzen. Problem gelöst. Wir sind Freunde geworden.

Roman: Aber es geht heute nicht um Prügeleien, sondern du hast etwas Spannendes von Planungsbüro professionell gefunden — unserem Lieblingsmagazin für Projektmanagement in der Fachplanung.

Was ist der Stresstest für Ingenieurbüros?

Sören: Genau. Weil wir letztes Mal über das Thema Zahlen gesprochen hatten — Umsätze pro Person und dergleichen — und wir Anfang des Jahres sind, in dem das eine oder andere Strategie-Meeting ansteht. Da bin ich auf den Stresstest für Ingenieurbüros gestoßen. Dem unterzieht man sich im Endeffekt auch in einem Strategie-Meeting: Wo stehen wir heute? Was sind unsere Projekte? Und wie gut sind wir aufgestellt?

Roman: Das habe ich gerade hinter mir. Wir können ja mal eine Umfrage machen: Wie viele Büros hatten Mitte Januar schon ihr Strategie-Meeting?

Sören: Die Frage ist, für welches Jahr.

Roman: Wir haben bis 2030 gemacht, eine langfristige Strategie entwickelt.

Sören: Der Stresstest hängt damit zusammen, weil es im Wesentlichen um die wirtschaftliche Ausrichtung geht — die Umsätze, die wir letztes Mal angesprochen haben. Wo stehen die? Wie viele Auftraggeber haben wir, und bei wem? Auf welche Produkte und Leistungen beziehen die sich? Das wird in den Strategie-Meetings analysiert.

Wie breit muss ein Büro bei Auftraggebern und Leistungen aufgestellt sein?

Roman: Die erste Frage im Stresstest ist tatsächlich: Wie viele Auftraggeber haben Sie? Wenn es weniger als fünf sind, gibt es Stress. Wenn es mehr als 15 sind, gibt es keinen Stress. Wir haben sehr entspannt festgestellt, dass wir deutlich mehr als 15 haben. Die nächste Frage: Wie viel Umsatz machen Sie mit zehn Prozent Ihrer Auftraggeber? Wir machen mit den Top zehn Prozent weniger als 25 Prozent — sehr breit verteilt auf verschiedene Geschäftsbereiche. Das hat uns entspannt.

Sören: So ergibt sich der Stressfaktor des Büros. Es zeigt, ob man breit aufgestellt ist oder sich auf Nischen konzentriert hat. Für das klassische Ingenieurbüro ist es grundsätzlich sinniger, breiter aufgestellt zu sein.

Roman: Absolut, auch bei den Produkten beziehungsweise Leistungen. Wenn es nur bis zu fünf Leistungen gibt — Heizung, Sanitär, Lüftung, Elektro — sind das fünf Produkte. Mehr als fünf, vielleicht noch Konzepte, Beratungen, Sachverständigenleistungen: Bis zehn Produkte ist es okay, über zehn ist gut.

Welche weiteren Kennzahlen prüft der Stresstest?

Sören: Was ich auch fand: das Thema Forderungen, beschrieben über die letzten zwei, drei Jahre — also Nachforderungsmanagement und offene Posten. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Faktor, den man im Auge behalten sollte. Es ist schön, dass man Rechnungen stellt, aber ist das Geld auch wieder zurückgekommen? Insofern passt der Begriff Stresstest gut.

Roman: Unsere Forderungen sind stark gestiegen — aber weil unsere Umsätze stark gestiegen sind. Eigentlich müsste man ein Verhältnis bilden aus Forderungen durch Umsätze, eine Forderungsquote: Wie viel wird schnell bezahlt, wo dauert es ewig? Da kommen wahnsinnig viele Fragen. Es lohnt sich, das mit dem Controlling durchzugehen. Auch qualitative Fragen: Verfügen Sie über ein echtes Alleinstellungsmerkmal — in Arbeit, nein oder ja?

Sören: Auch Themen wie Fachkräfte, die Besetzung offener Stellen, die richtigen Experten auf den richtigen Stellen. Und natürlich die Digitalisierung im Büro, die in eine Gesamtbewertung einfließt: Wie digital bin ich aufgestellt, und wie gut sind die Kollegen fortgebildet und mitgenommen? Das bekannte Kratzen an der Oberfläche — man hat eine Software angeschafft und nutzt nur fünf oder zehn Prozent.

Roman: Spannend, wie es da Quantensprünge gibt. 2020 hatten wir den Quantensprung der Online-Termine, da mussten sich alle umstellen und neue Software nutzen. Jetzt gibt es den KI-Umschwung, wo viele Büros mit KI probieren — dazu haben wir schon eine Folge aufgenommen. Auch die Zahl der Krankheitstage und die Termineinhaltung bei Aufträgen sind solche qualitativen Merkmale. Wenn ich das vor dem Strategie-Meeting gehabt hätte, wäre das ein schöner Input gewesen.

Wie prüft man die Bonität von Auftraggebern?

Roman: Was ich bei privaten Auftraggebern ab und zu gemacht habe, ist die Frage, wie viele Auftraggeber man im Vorfeld auf Bonität prüft. Bei städtischen Auftraggebern machen wir das ehrlich gesagt nicht — versuche mal, die Bonität eines städtischen Unternehmens zu bewerten, die wird relativ gut sein. Trotzdem haben wir bei Zahlungsausfällen teilweise mehr Stress als mit Privaten.

Sören: Die Frage ist, wer das grundsätzlich und strategisch macht — nicht nur, wenn es einem einfällt. Gerade wenn man viele Auftraggeber hat: Haben wir das bei denen geprüft, wo es nötig wäre?

Roman: Ja, gerade bei einem neuen Generalplaner, mit dem man noch nicht zusammengearbeitet hat, würde ich als Allererstes die Bonität checken. Es gibt nichts Schlimmeres, als 100.000 Euro einem Generalplaner hinterherzulaufen, der sich mit dem Bauherrn verstritten hat und nicht mehr erreichbar ist. Also Obacht vor Bonität.

Wie nutzt man den Stresstest im Strategiemeeting?

Sören: Es sind in Gänze rund 43 Fragen aus unterschiedlichsten Bereichen — zum Thema Stresstest und der sich daraus ergebenden Stressresistenz beziehungsweise Anfälligkeit.

Roman: Mit drin sind auch viele Zahlen, die ich eintragen kann, und eine Simulation: Ich kann im Prinzip meine Bilanz eingeben, und dann wird simuliert, wie resistent meine Bilanz ist.

Sören: Mir ging es vor allem um die Fragen, die fand ich sehr aufschlussreich, um einzuordnen, wo man steht. Vor allem, wenn man mit mehreren Führungskräften zusammensitzt: Jeder macht das für sich in Stillarbeit fünf Minuten lang. Dann sieht man, ob die Situation ganzheitlich eingeschätzt wird oder ob jeder sie ganz anders interpretiert.

Roman: Das ist eine gute Übung. Jeder macht es für sich, dann legt man das übereinander — ein schöner Start für so einen Termin. Nicht unbedingt nur schön, weil man auch feststellt: Wir haben ein paar Themen, wo wir ran müssen. Ich habe noch einen Unterschied zwischen Strategie und Planung gelernt. Wir haben Strategie gemacht — überlegt, auf welchen Spielfeldern wir gewinnen wollen. Der Stresstest ist eher etwas für die Planung: wie ich meine Kennzahlen später nutze, mehr Auftraggeber ranhole oder mehr Produkte entwickle.

Roman: Das Ganze heißt Stresstest für Architektur- und Ingenieurbüros bei Planungsbüro professionell. Er ist schon ein paar Jahre alt, von 2018.

Sören: Die Fragen sind immer noch aktuell, würde ich sagen.

Roman: Vielen Dank für den Input, ich bin jetzt deutlich entspannter — und denke wieder an die Abba tanzenden Schläger aus meiner Jugend. Alles klar, schönen Abend euch. Ciao, ciao.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Was ist der Stresstest für Architektur- und Ingenieurbüros?

Ein von der Zeitschrift Planungsbüro professionell (2018) veröffentlichter Selbsttest mit rund 43 Fragen aus unterschiedlichen Bereichen. Er prüft die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Resilienz eines Büros und liefert über eingegebene Zahlen auch eine Simulation, wie resistent die Bilanz ist.

Wie viele Auftraggeber sollte ein Ingenieurbüro haben, um Stress zu vermeiden?

Laut Test gibt es bei weniger als fünf Auftraggebern Stress und bei mehr als 15 Auftraggebern keinen Stress. Zusätzlich wird gefragt, wie viel Umsatz auf die Top zehn Prozent der Auftraggeber entfällt — ein niedriger Anteil (z. B. unter 25 Prozent) zeigt eine breite, stressärmere Verteilung.

Wie viele verschiedene Leistungen sprechen für ein gut aufgestelltes Büro?

Bis zu fünf Leistungen (etwa Heizung, Sanitär, Lüftung, Elektro) gelten als schmal. Bis zehn Produkte beziehungsweise Leistungen sind okay, über zehn — etwa ergänzt um Konzepte, Beratungen oder Sachverständigenleistungen — gilt als gut.

Welche Kennzahlen über die Auftraggeber hinaus prüft der Stresstest?

Unter anderem das Forderungs- und Nachforderungsmanagement der letzten zwei bis drei Jahre (offene Posten, Zahlungseingang), das Vorhandensein eines echten Alleinstellungsmerkmals, die Besetzung offener Stellen mit den richtigen Fachkräften, den Stand der Digitalisierung samt Fortbildung, die Zahl der Krankheitstage sowie die Termineinhaltung bei Aufträgen.

Warum sollte man die Bonität von Auftraggebern prüfen?

Weil Zahlungsausfälle ein erheblicher Stressfaktor sind. Besonders bei einem neuen Generalplaner, mit dem man noch nicht zusammengearbeitet hat, lohnt sich eine Bonitätsprüfung als Erstes — sonst läuft man im Streitfall hohen Forderungen hinterher. Bei städtischen Auftraggebern ist die Bonität dagegen meist gut, dort wird seltener geprüft.

Wie lässt sich der Stresstest im Strategiemeeting einsetzen?

Als Einstieg oder Nachbereitung: Jede Führungskraft beantwortet den Test fünf Minuten in Stillarbeit für sich, dann legt man die Ergebnisse übereinander. So zeigt sich, ob die Lage ganzheitlich gleich eingeschätzt wird oder stark abweicht — und an welchen Themen das Büro arbeiten muss.

Zitate

Die erste Frage in diesem Stresstest ist: Wie viele Auftraggeber haben Sie? Wenn es weniger als fünf sind, gibt es Stress. Wenn es mehr als 15 sind, gibt es keinen Stress."

Roman Fritsches

Es gibt nichts Schlimmeres, als 100.000 Euro einem Generalplaner hinterherzulaufen, der sich mit dem Bauherrn verstritten hat und nicht mehr erreichbar ist. Also Obacht vor Bonität."

Roman Fritsches

Jeder macht das für sich, dann legt man das übereinander — ein schöner Start für so einen Termin."

Roman Fritsches

Zahlen & Fakten

Im Stresstest gilt: weniger als fünf Auftraggeber bedeuten Stress, mehr als 15 Auftraggeber bedeuten keinen Stress.

Quelle: Planungsbüro professionell (Stresstest)

Bis zu zehn verschiedene Produkte beziehungsweise Leistungen gelten als okay, über zehn als gut; bis zu fünf Leistungen als schmal aufgestellt.

Quelle: Planungsbüro professionell (Stresstest)

Der Stresstest umfasst in Gänze rund 43 Fragen aus unterschiedlichen Bereichen.

Quelle: Planungsbüro professionell (Stresstest)

Der Stresstest für Architektur- und Ingenieurbüros von Planungsbüro professionell stammt aus dem Jahr 2018.

Quelle: Planungsbüro professionell

Glossar

Forderungsquote
Verhältnis aus Forderungen und Umsatz, um einzuordnen, wie viel davon schnell bezahlt wird und wo Zahlungen lange dauern.
Strategie vs. Planung
Strategie legt fest, auf welchen Spielfeldern man gewinnen will; Planung nutzt die Kennzahlen, um konkrete Bereiche zu steuern (z. B. mehr Auftraggeber oder Produkte).
Stresstest für Architektur- und Ingenieurbüros
Selbsttest von Planungsbüro professionell (2018) mit rund 43 Fragen zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und Resilienz eines Büros, inklusive Bilanz-Simulation.