tgaPULS

TGA-PlanungFolge #206

tgabar · Bargespräche

Schriftführer Dominik Voß

Folge 20601.12.202313:56 minRoman Fritsches, Sören JansonGast: Dominik Voß
0:00 / 13:56
Spotify
Auf den Punkt

Dominik Voß, Prokurist bei Brandi IGH Münster, hat als Schriftführer die Satzung der tgabar e.V. maßgeblich erarbeitet. Zentrale Weichenstellungen: ein offen gefasster Mitgliederkreis zur Wahrung der Gemeinnützigkeit, der Ausschluss von TGA-Herstellern und ausführenden Firmen sowie das Prinzip ein Mitglied – ein Beitrag, unabhängig von der Bürogröße.

Transkript

Was hat sich bei Dominik Voß seit dem letzten Interview verändert?

Roman: Herzlich willkommen an der TGA-Bar — ein letztes Mal noch ohne e.V. Wir haben fast Tränen in den Augen, weil wir einen Verein gegründet haben. Wir haben ihn mit dir gegründet, Dominik, vielen Dank. Wir haben dich auch schon einmal interviewt — ich glaube, du warst die zehnte Folge. Du bist bei Brandi in Münster tätig. Was hat sich verändert, seit wir das letzte Mal gesprochen haben?

Dominik: Ich bin Prokurist geworden und bin damit ganz zufrieden und glücklich. Ich strebe an, langsam noch mehr Aufgaben zu übernehmen, neue Strukturen zu erarbeiten und zu etablieren — Dinge zu verändern, die wir lange so gemacht haben, wie man sie eben macht. Das ist gerade mein Unternehmen, ganz viel Projektarbeit.

Roman: Da geht es eigentlich allen TGA-Büros so wie euch: Es gibt Veränderungen anzugehen und umzusetzen — die von außen kommen, aber auch von innen. Und du hast bei der Gründung das Thema Schriftführung und die Satzung vorangebracht. Wir haben uns beide ein Buch gekauft, aber du hast es gelesen.

Wie ist Dominik bei der Erarbeitung der Satzung vorgegangen?

Dominik: Nicht durchgehend, nein — aber alles, was für uns relevant und wichtig war, habe ich mir im Urlaub reingezogen. Hat Spaß gemacht und den Horizont erweitert.

Roman: Wir haben das Buch „Vereine gründen und führen für Dummies" gekauft. Für Dummies ist immer gut, ich habe mehrere davon.

Dominik: Bei uns tatsächlich auch.

Roman: Die sind wirklich gut gemacht und super praxisnah: Du hast Checklisten und ganz klare Dinge, die du einhalten musst. Es war toll sortiert — ein Drittel war das Thema Gründung, dann kommt der Betrieb, und am Schluss kommen Probleme oder Haftungsthemen.

Dominik: Genau. Was ich sehr gut fand: Man konnte immer nachschlagen — wie lebt man den Verein anschließend, wenn man im Vorstand ist, wenn man eine Mitgliederversammlung einberuft. Und man konnte gleich wieder zurückspringen: Okay, dann bringst du es direkt in die Satzung mit rein, dann gibt es später keine Diskussionen darüber. Das war wirklich gut aufgebaut.

Warum musste der Personenkreis der Mitglieder offener gefasst werden?

Roman: Wir haben auch den Autor des Buches eingeladen, unsere Satzung zu prüfen — er ist Rechtsanwalt aus Frankfurt. Er hat ein paar interessante Sachen gesagt, die uns Richtung Gemeinnützigkeit weiterbringen und sicherstellen, dass wir gemeinnützig bleiben. Wenn wir das nicht schaffen, hätten wir Nachteile, die er uns erklärt hat.

Dominik: An erster Stelle stand das Thema, wie wir die Mitglieder definieren, die wir aufnehmen wollen — den Personenkreis. Das hatten wir ursprünglich ganz anders gefasst und mussten stark zurückrudern, weil wir sonst keine Chance gehabt hätten.

Roman: Wir sind zu detailliert gewesen — wir haben genau die Zielgruppe in die Satzung eingetragen. Das hat er uns wieder herausgebracht.

Dominik: Das wurde auch zuletzt direkt wieder angesprochen: Warum macht er das nicht so, wir wollten doch unter uns bleiben? Aber satzungsmäßig geht es nicht.

Sören: Also nicht für das Ziel, gemeinnützig zu sein.

Dominik: Genau, für dieses Ziel geht es nicht.

Roman: Aber der Vorstand kann trotzdem in der Barordnung entscheiden, wer reinkommt und wer nicht. Wir haben festgelegt, dass wir für Hersteller von TGA-Produkten und für ausführende Firmen nicht zugänglich sind — da wird es einen Ausschluss geben.

Sören: Türsteher quasi.

Roman: Ein Türsteher, der notwendig ist. Sonst würden viele Mitglieder, die beim VBI oder in den Kammern tätig sind, ihre Neutralität verlieren und einen Ausschluss bei den anderen Vereinen riskieren. Das stellen wir sicher — in den Aufnahmeanträgen und auch im Jahresbericht.

Wie wurde die Frage der Stimmen und Beiträge je Bürogröße gelöst?

Roman: Du warst bei den Sitzungen dabei, die Satzung zu erstellen. Was war das Diskussionsreichste? Wo gab es die meisten Kommentare?

Sören: Wir bringen ja deutschlandweit ganz unterschiedliche Personen zusammen. Das sind nicht nur Roman und ich, die aus Hamburg nordisch-kühl sind, sondern auch die temperamentvollen Menschen aus Bayern und viele weitere hochinteressante Personen.

Dominik: Das Thema, bei dem die Meinungen am weitesten auseinander standen, war: Stimmen für Mitglieder je nach Größe. Ein Mitglied, eine Stimme — oder habe ich hundert Leute, die ich mit reinbringe, und damit zwanzig Stimmen? Wir sind völlig anders gestartet und haben mit zwei, drei Leuten gesagt: So können wir es nicht machen. Ich finde gut, wie wir es jetzt gelöst haben — unabhängig vom Beitrag: ein Mitglied, ein Beitrag. Und der Zugang zum Know-how ist davon losgelöst. Das fand ich eindrucksvoll.

Roman: Das fand ich wirklich gut. Wir haben Interesse daran, dass viele Mitglieder viel beitragen. Ein Büro mit vielen Mitarbeitern stellt viele Experten, die auf einem anderen Niveau arbeiten als ein Fünf-Mann-Büro, das keine Zeit hat, sich zu reflektieren. Das merke ich bei meinem eigenen Büro: Mit zehn Leuten hatten wir viel weniger Arbeitsgruppen und Diskussionsebenen, da ging es um Projektarbeit.

Sören: Das wird ein Stück weit in den Verein ausgelagert: Wenn ich nicht die Experten in der Anzahl für ein Thema habe, habe ich sie im Verein.

Roman: Genau. Ein größeres Büro ist vielleicht mehr Treiber in einem Thema, und ein kleineres Büro kann davon profitieren, indem es seine Leute mit reinsteckt und sie daraus lernen. Auf der anderen Seite zahle ich aber den gleichen Beitrag. Und diese 1.200 Euro sind nichts Ungewöhnliches.

Dominik: Ich war ein vehementer Verfechter dieser Ein-Preis-ein-Mitglied-Variante und nicht der anderen Dinge, die wir diskutiert haben.

Sören: Diese Ausgewogenheit ist da schon.

Dominik: Absolut. Das fand ich sehr intensiv, aber das haben wir richtig gut hingekriegt.

Wie sind Einzelmitglieder und Netzwerkmitglieder geregelt?

Roman: Wir hatten das Thema Einzelmitglieder lange diskutiert — wie viel die zahlen sollen. Wir waren erst bei einem niedrigen Betrag, etwa 120 Euro, ein bisschen wie beim VDI. Dann haben wir festgestellt, dass es so viele Vorteile gibt — Teilnahme an Weiterbildung inklusive Weiterbildung, oder die Checklisten aus der juristischen Lounge — dass es mehr wert sein muss. Sonst könnte jeder zehn Einzelpersonen mit reinstecken, das Gleiche zahlen und hätte zehn drin. Das wollen wir nicht. Wir wollen Einzelmitglieder unbedingt, aber wir wollen nicht, dass ein Unternehmen abwägen muss, ob es als Unternehmen oder mit zehn Einzelmitgliedern beitritt.

Dominik: Es gibt wahnsinnig viele Einzelkämpfer auf dem Markt, die allein ihr kleines Büro führen. Für die ist es wichtig, in der Entwicklung nicht abgehängt zu werden. Dafür haben wir einen super Kompromiss gefunden, ergänzt durch die Netzwerkmitglieder — die sagen: Ich will gar nicht so viel, aber einfach mitmachen und dabei sein.

Roman: Vielleicht bin ich bei einem Softwarehersteller oder bei einem ausführenden Unternehmen, das kein ordentliches Mitglied wird — dann bin ich als Netzwerkmitglied assoziiert, ein außerordentliches Mitglied. Damit ist auch keine Stimme verbunden, sodass wir die Neutralität behalten.

Dominik: Wir haben da eine sehr gute Lösung gefunden — und mit hohem Konsens verabschiedet. Es hat sich in der Zusammenarbeit so entwickelt: Irgendwann wusste man, wie die Reise hingeht, wie man es anpacken muss und wie wir untereinander die Dinge sehen. Dann war es nicht mehr schwer, Kompromisse zu finden.

Wie schwierig war Romans Doppelrolle als Moderator und Vorsitzender?

Roman: Ich habe versucht zu moderieren und später eine neutrale Moderation hereinzubringen, die ein-, zweimal dabei war und uns wahrscheinlich weiter begleiten wird. Hand aufs Herz: Dadurch, dass ich moderiert habe und jetzt der Vorsitzende bin und das auch ein bisschen getrieben habe — war das eine schwierige Vermischung?

Dominik: Nein. Ich bin in dieser Zusammensetzung das erste Mal richtig mit Moderation in Kontakt gekommen und fand das total gut. Ich hatte nicht das Gefühl, dass du als Moderator deine Dinge durchdrücken willst — das fand ich sehr ausgewogen. Du hast uns diskutieren lassen. Ich mag Moderation mittlerweile.

Roman: Das ist super. Ich hatte aber ständig diesen inneren Konflikt: Bist du noch neutral? Versuchst du, deine Meinung zu stark einzubringen? Das hat mich belastet. Ich war in diesen Sitzungen immer angespannt, weil ich das Bipolare im Kopf hinkriegen musste: Achtung, sei neutral — aber du hast auch einen Wunsch. Jetzt melde dich nur als Mitglied, jetzt als Moderator, jetzt darfst du eigentlich gar nichts sagen. Ich wünsche uns neutrale Moderatoren, die inhaltlich kein Interesse am Thema haben. Das ist das Allerbeste.

Dominik: Wenn ich darüber nachdenke — als Fenja moderiert hat, warst du da anders als sonst? Du warst ein bisschen ernster, tiefer in der Diskussion mit drin.

Roman: Genau. Ich habe mehr meine Meinung gesagt: Ich will das so, das bitte nochmal. Dann gab es auch mehr Diskurs. Sonst will ich als Moderator Diskurs erzeugen, aber nicht selbst mit Teilnehmern in der Diskussion sein.

Sören: Wir haben jetzt den Schritt gemacht, das zukünftig besser zu trennen, sodass du mehr in den Gremien arbeiten kannst.

Roman: Da sind wir mega erwachsen — und vielen Vereinen voraus, dass wir in Gruppen Entscheidungen treffen. Ich glaube, das ist ein agiles Thema. Sören und ich haben oft darüber gesprochen.

Was hat Dominik die Vereinsarbeit persönlich gebracht?

Sören: Moderation ist ehrlicherweise manchmal nicht unanstrengend, je nachdem, wie viele Beteiligte da sind. Ich war auch ein-, zweimal nicht dabei, aber es hat sich ein Flow entwickelt, ein gemeinsames Ziel für das Höhere, das am 10.11. seinen Höhepunkt gefunden hat.

Roman: Sehr gut. Ich würde gucken, dass wir dich hoffentlich weiter dabei behalten können — du hast jetzt keine feste Rolle, aber ich freue mich, dass du bisher als Begleiter dabei warst. Wir werden dich, je nachdem, wie es deine Zeit zulässt, ab und zu einladen und einbinden.

Dominik: Mir hat es wirklich irre Spaß gemacht — allein die Arbeit in so einer Gruppe, die doch recht inhomogen war. Man lernt irre viel dazu: über andere, wie ich mit anderen Leuten umgehe, wie andere die Dinge sehen. Man fährt sich ja ein, wenn man immer in seinem Büro-Kosmos mit den gleichen Leuten ist. Wenn man dann ganz anderen Input von außen bekommt — wie machen die das eigentlich? —, bringt das weiter. Obwohl wir uns gar nicht über fachliche Themen unterhalten haben — nicht mal, wie man eine Regenwasserleitung legt. Das war überhaupt kein Thema. Das war für mich ein großer Mehrwert.

Roman: In diesem Sinne grüße ich die Bar und freue mich, dass du hier bist und dass wir dich weiter sehen.

Dominik: Auf bald. Sehr gerne. Tschüss.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Wer wird in der Satzung der tgabar e.V. von der Mitgliedschaft ausgeschlossen?

Hersteller von TGA-Produkten und ausführende Firmen sind nicht zugänglich. Grund ist die Neutralität: Mitglieder, die beim VBI oder in den Kammern tätig sind, würden sonst ihre Neutralität verlieren und einen Ausschluss bei anderen Vereinen riskieren. Solche Unternehmen können nur als Netzwerkmitglieder (außerordentliche Mitglieder ohne Stimme) assoziiert sein.

Wie ist das Verhältnis von Beitrag und Stimmen in der tgabar e.V. geregelt?

Es gilt ein Mitglied, ein Beitrag – unabhängig von der Bürogröße. Der Zugang zum Know-how ist vom Beitrag losgelöst. Der ordentliche Mitgliedsbeitrag liegt bei 1.200 Euro; Einzelmitglieder zahlen weniger, aber nicht so wenig, dass ein Unternehmen seine Mitarbeiter günstiger als zehn Einzelmitglieder anmelden könnte.

Warum musste der in der Satzung definierte Mitgliederkreis offener gefasst werden?

Der ursprüngliche Entwurf war zu detailliert und trug die Zielgruppe genau ein. Ein als Prüfer eingeladener Rechtsanwalt riet dazu, den Personenkreis offener zu fassen, weil eine zu enge Definition mit dem Ziel der Gemeinnützigkeit nicht vereinbar gewesen wäre.

Zitate

Ein Türsteher, der notwendig ist, weil sonst viele Mitglieder, die beim VBI oder in den Kammern tätig sind, einfach ihre Neutralität verlieren würden."

Roman Fritsches

Ich war ein vehementer Verfechter dieser Ein-Preis-ein-Mitglied-Variante."

Dominik Voß

Es gibt wahnsinnig viele Einzelkämpfer auf dem Markt, die allein ihr kleines Büro führen. Für die ist es wichtig, in der Entwicklung nicht abgehängt zu werden."

Dominik Voß

Zahlen & Fakten

Der ordentliche Mitgliedsbeitrag der tgabar e.V. liegt bei 1.200 Euro.

Quelle: Roman Fritsches

Für Einzelmitglieder war zunächst ein Beitrag von etwa 120 Euro im Gespräch, ähnlich dem VDI-Beitrag.

Quelle: Roman Fritsches

Etwa ein Drittel des Ratgebers „Vereine gründen und führen für Dummies" behandelt die Gründungsphase.

Glossar

Barordnung
Regelwerk, über das der Vorstand entscheidet, wer in den Verein aufgenommen wird und wer nicht — ergänzend zu den satzungsmäßigen Vorgaben.
Netzwerkmitglied
Außerordentliches, assoziiertes Mitglied ohne Stimmrecht; ermöglicht u.a. Softwareherstellern oder ausführenden Unternehmen die Teilnahme, ohne die Neutralität des Vereins zu gefährden.