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TGA-PlanungBauüberwachung TGA-PlanungFolge #58

tgabar · Bargespräche

Interview zum Inbetriebnahmemanagement

Folge 5804.12.202221:46 minRoman Fritsches, Sören JansonGast: Oliver Kaasch, Norman Krolikowski
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Auf den Punkt

Inbetriebnahmemanagement ist eine in der HOAI nicht geregelte Sonderleistung, die in der Praxis oft hinten angestellt und weggekürzt wird. Die VDI 6039 fordert dafür einen zentralen Verantwortlichen, der bereits ab Leistungsphase 3 alle Gewerke als Gesamtkunstwerk zusammenführt. Fehlt diese Verantwortung, scheitert am Ende die Wirkprinzipprüfung durch den Sachverständigen.

Transkript

Wer sind die Gäste und worum geht es im Inbetriebnahmemanagement?

Roman: Moin Moin aus Hamburg und herzlich willkommen zum einzigen Podcast von der TGA-Bar. Wir sind heute eine richtig große Runde an der Bar — die größte, die wir bis jetzt hatten. Neben Sören und mir sind Norman Krolikowski und Oliver Kaasch an der Bar. Olli, du bist tatsächlich Inbetriebnehmer.

Oliver: Ja, ich bin Inbetriebnehmer bei der Firma Otto Building Technologies, seit zehn Jahren dabei. Ich war kurzzeitig ein Jahr lang woanders und bin wieder zurück in meinen Heimathafen gegangen, wie mein Chef das liebevoll ausdrückt.

Roman: Heimathafen finden wir als Norddeutsche super. Wir reden heute über Inbetriebnahmemanagement im weitesten Sinne, also Inbetriebnahmen. Wir gehen auch das Thema Brandfallsteuermatrizen und Wirkprinzipprüfungen durch. Für die Planer ist das oft ein blinder Fleck — sie sagen, am Ende mache ich meine Planung, dann Bau, und am Schluss gibt es noch die Sonderleistung.

Sören: Wir machen heute vieles neu und anders. Wir haben nicht nur einen Gast. Wir versuchen, zwei Folgen daraus zu machen, weil es so ein großes Thema ist und sonst den Rahmen sprengt. Ich glaube, wir haben dazu bisher noch keine Folge gemacht.

Roman: Norman, du bist auch der Grund für die zweite Folge. Willst du dich kurz vorstellen?

Norman: Hey, ich freue mich total — ein Herzensthema für mich. Ich war sechs Jahre bei Zalando, wo wir im Supply Chain Management die ganze Lieferlogistik digitalisiert haben. Dann bin ich zurück zu Enolares, einem Fachplaner, der sich aus einem GA-Inbetriebnehmer gemausert hat und seit 2019 coole digitale Assets für die Bauwelt liefert. Ich war schon ganz am Anfang der Gründung dabei und musste mir erst einmal die Hörner abstoßen.

Was lief beim BER im Inbetriebnahmemanagement schief?

Roman: Oliver, du warst beim BER aktiv. Du hast da Inbetriebnahmen gemacht — es gibt ja eine VDI dazu, die 6039. Was hast du da vermisst?

Oliver: Oh, ganz viel. Das große Problem war, glaube ich, dass es einen Planer gab, der gefeuert wurde — den ursprünglichen Planer gab es irgendwann nicht mehr. Dann haben sich alle mal versucht. Und irgendwann wurden die Firmen auf Stundenbasis bezahlt. Das war, glaube ich, der größte Fehler in diesem Bauvorhaben, weil da keiner schnell gelaufen ist. Die sind alle in einem Tempo gelaufen, das war fast erschreckend.

Roman: Was war aus deiner Sicht das Wichtigste, was die VDI vorgibt, und was wurde da nicht erfüllt?

Oliver: Gefühlt war da gar keine Planung nach Inbetriebnahmemanagement. Es gab ein Beschleunigungsbüro, und alle haben nicht miteinander, sondern gegeneinander gearbeitet. Da war meiner Meinung nach keiner, der Lust hatte, es voranzubringen.

Roman: Also die Verantwortung hat gefehlt. Das ist der große Wurf der VDI: Es gibt einen Inbetriebnehmer, der schon in Leistungsphase 3 ins Projekt geht und sagt, jetzt steht der Entwurf, jetzt schaue ich, was ich berücksichtigen muss, damit die Inbetriebnahmen laufen. Ich habe gehört, dass mit Baubeginn beim BER nochmal 200.000 Quadratmeter BGF dazukamen — dann war der Entwurf vielleicht nicht so vollständig. Norman, hattest du zur VDI 6039 Berührungspunkte?

Norman: Nein, soweit nicht. Wir haben uns voll auf die Wirkprinzipprüfung fokussiert, die 6010 Teil 3. Aber Leute vom BER waren bei uns und haben erzählt, wie sie es gemacht haben. Für mich ist das Hauptthema bei der Wirkprinzipprüfung, wo alle Fehler aufschlagen: Wenn man von Anfang an kein transparentes Tool hat, das das begleitet, sondern nur einen Haufen Menschen, die sich mehr oder weniger verpflichtet fühlen, gewisse Sachen in der Zeit zu liefern. Dann gibt es dieses Fehler- oder Schuldzuweisungspingpong. Wenn du nicht messen und sehen kannst, was abgeliefert werden muss, fehlt die Transparenz — bei einem Haufen VDIs, Vorschriften und Kabeln mit ein paar Experten.

Warum muss die TGA als Gesamtkunstwerk betrachtet werden?

Oliver: Einer der größten Fehler war, dass nicht jedes Gewerk einzeln zu sehen ist, sondern als Gesamtpaket, als Gesamtkunstwerk — wie es auch in der VDI steht. Das hat grandios nicht funktioniert. Dieses Schuldzuweisungspingpong ging dann los: Die MSR hat irgendwas geliefert, unsere Anlagen liefen plötzlich nicht. Nein, nicht unser Fehler, sagte die MSR. Und wir als Lüftungstechniker sagten, die liefen gestern, warum funktioniert es heute nicht mehr? Bis so etwas geklärt war, hat es ewig gedauert.

Roman: Das ist genau der Punkt, warum jemand wie Tobias Potz so erfolgreich ist: Er sagt, ich übernehme die Verantwortung. Wenn alle sagen, es ist in die Grütze gegangen, führt er alles zusammen, bringt es mit der GA zusammen und übernimmt die Verantwortung für alle Anlagengruppen und Gewerke. Wäre das für dich der beste Inbetriebnahme-Manager — ein GA-Experte, der für alle Anlagengruppen verantwortlich ist?

Oliver: Ja, der wäre super gewesen. Hätten wir den gehabt, wäre es schneller gegangen. Ich versuche das im kleinen Rahmen selbst: Ich mache nur die Lüftung in Anführungszeichen, hole mir aber die Kollegen der MSR und der Heizung dazu und mache mindestens einmal pro Woche ein Mini-Treffen, meistens bei uns im Container beim Kaffee. Liegen meine Medien alle an? Heizung, Kühlen? MSR, wie weit seid ihr, habt ihr euren 1-zu-1-Test fertig? Und so etwas fehlt mir oft auf den Baustellen — dass jemand bereit ist zu sagen, komm, ich mache das.

Ist Inbetriebnahmemanagement in der HOAI geregelt?

Roman: Das wäre noch wichtiger, schon im Entwurf zu machen. Daher die VDI-Geschichte, dass man die Planer schon im Entwurf abholt als GA-Integrationsplaner. Eigentlich müsste es einen Integrationsplaner geben, der das Inbetriebnahmemanagement mitverantwortet.

Sören: Ist es nicht sogar ein eigenes Leistungsbild — gibt es ein Leistungsbild zum Inbetriebnahmemanagement?

Roman: Die VDI hat das beschrieben, aber es ist eine Sonderleistung, genau wie der Integrationsplanende. In der HOAI ist das total missverständlich: Viele denken, die Architekten machen die Integrationsplanung — machen sie aber nicht. Mit einem HOAI-Vertrag sind sie nicht beauftragt, die verschiedenen TGA-Gewerke zu koordinieren. Es muss entweder einen TGA-Generalplanenden geben oder einen Integrationsplaner. Und das Leistungsbild gibt es nicht — das sind alles Sonderleistungen. Das Inbetriebnahmemanagement ist nicht in der HOAI geregelt. Die Bauherren machen Verträge und wissen gar nicht, dass das nicht drin ist, dass die Integrationsplanung nicht drin ist und dass die Brandfallsteuermatrix nicht mit drin ist.

Oliver: Erschwerend kommt hinzu, dass die Inbetriebnahme hinten raus immer weiter eingekürzt wird, um den Auftrag zu bekommen.

Roman: Von den ausführenden Firmen.

Oliver: Genau. Die sagen, so wichtig ist das nicht, ist ja nur ein Lüftungsgerät einschalten. Ist es aber nicht — Lichtschalter an, geht — sondern da hängt was dahinter.

Roman: Ich hatte Otto beim Thema RDA-Anlagen, Rauchdruckanlagen, kennengelernt. Das ist ja das ungeregeltste System überhaupt: Treppenräume, Türen, keine Kanäle.

Oliver: RDA-Anlagen versuche ich mir auch vom Hals zu halten.

Roman: Türöffnungskräfte.

Oliver: Da gibt es Firmen, die machen das ständig. RDA-Anlagen finde ich grausig.

Roman: Volumenseitig ganz schrecklich. Und auf den Wirkprinzipprüfungen werden sie richtig intensiv beachtet. Du schiebst richtig viel Luft durch so ein Treppenhaus, und das ist lustig, wenn alles noch abgeklebt ist.

Oliver: Und es ist wichtig, dass das vernünftig funktioniert, weil sonst jemand in Gefahr gerät, wenn eine Tür nicht aufgeht.

Wie läuft eine Wirkprinzipprüfung heute ohne Digitalisierung ab?

Roman: Norman, da kommen wir zu deinem großen Thema, der Wirkprinzipprüfung. Der Sachverständige lässt das Gebäude am Ende einfach nicht in Betrieb gehen — genauso wie den BER, der nicht in Betrieb ging, weil die Fluchtwege nicht entraucht waren. Wie läuft es, wenn es nicht digital läuft?

Norman: Das ist der Klassiker: Man kommt rein und stellt fest, es geht gar nichts. Unter der Oberfläche sah alles toll aus, alle haben gesagt, es funktioniert. Dann kommt der Sachverständige und sagt nein. Das hatten wir im Kleinen auch an einem anderen Objekt, wo für 60 Millionen die TGA erneuert werden musste. Es gibt ein paar Promat-Details, aber das Zusammenspiel hat nicht funktioniert. Wenn man digital vorher dran ist, weiß man schon, was nicht funktioniert. Ich hatte ein Projekt in Berlin, da kam der Developer und sagte, alle Gewerke haben gesagt, alles funktioniert. Der Sachverständige fängt im Keller an, und dann hängt das BMA-Kabel vor der ESP. Wie soll alles funktionieren? Alle haben die Augen gerollt, wir sind aus dem Keller ins Dach, in der Zeit wurde gefummelt — eine spannende Abnahme. Bei digitaler Überwachung kann man jederzeit sehen, geht oder geht nicht, Signal ja oder Signal nein.

Roman: Da kommen wir gleich zu, wie es besser wird.

Woran muss man in der Planung am ehesten drehen?

Sören: Oliver, mit über zehn Jahren Erfahrung: Wenn du nur auf den Bereich der Planung schaust — was sind für dich die wesentlichen Big Points, an denen man am ehesten drehen müsste?

Oliver: Wie du vorhin gesagt hast, das müsste ein eigener Punkt sein, richtig und nicht so. Die Inbetriebnahme wird hinten angestellt — ja, ja, die machen wir eben schnell mit, ist ja nur ein bisschen Luftmengenmessung. Es mag sein, dass das schnell funktioniert, wenn keine Fehler da sind und der Planer super geplant hat. Aber in der Regel gibt es 3.000 Umbauten und 5.000 Änderungen, und schwuppdiwupp funktioniert eine Anlage nicht mehr so wie überlegt. Dann geht die Fehlersucherei los. Wir haben gerade den Fall, dass Teile nicht versorgt sind und Volumenregler zu 100 Prozent offen stehen. Man bohrt und sucht, und dann findet man Folie im Kanal — und die Kanäle sind noch wunderbar abgeklebt. Das dauert richtig Zeit. Und wo ist die Folie? Nicht da, wo man leicht reinkommt, sondern im geschlossenen Werksteinboden.

Roman: Da sagt der Planer, das ist nicht meine Verantwortung, dass die Folie drin ist.

Oliver: Das ist ausführend. Aber er hat die Zeit der Inbetriebnahme gar nicht geplant, sondern sagt, wir kommen hin, du schaltest das Gerät ein und dann geht es. Nein — es ist kein Lichtschalter.

Roman: Testen, testen, testen, ausprobieren, Kabel neu ziehen. Es braucht einen zentralen Verantwortlichen, der mit Inbetriebnahmemanagement als Sonderleistung beauftragt ist und die Integrationsplanung am besten als GA-Planer mitmachen kann. Damit haben wir die Qualifikationen: GA-Planer, Inbetriebnehmer, Inbetriebnahmeplaner, Integrationsplaner.

Sören: Es ist ein Irrglaube, dass GA-Planer die Inbetriebnahme automatisch mitmachen.

Roman: Sie müssen das wollen und sich den Stress geben. Deswegen passt Tobias Potz mit seinem Building-Squad-Team. Jetzt liegt es daran, das anzubieten und zu beauftragen — ein Bauherr muss überzeugt werden, dafür Geld auszugeben, weil es nicht zu den Grundleistungen gehört. Planer müssten sagen, das ist nicht mit beauftragt, Vorsicht, das macht hier keiner. Was sie vielleicht machen, ist die Brandfallsteuermatrix anzubieten, weil eine Brandmeldeanlage reinkommt. Ich plane selbst BMA und Brandfallsteuermatrizen — bevor ich weiß, ob es eine BMA gibt, biete ich das nicht an. Man könnte aber immer schon die Gesamt-Inbetriebnahme-Matrix machen, unabhängig von der BMA.

Warum sind Schnittstellen im Vertrag entscheidend?

Oliver: Da sind wir beim Thema Schnittstellen, das Lars Schumacher auch schon angesprochen hat. Wenn man die Schnittstellen anständig verteilt — und das ist in der VDI 6039 beschrieben, dass die Gewerke zusammenarbeiten müssen, weil es als Gesamtkunstwerk zu sehen ist und nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht. Sonst sagen alle Gewerke, es geht, und gemeinsam geht es dann doch nicht — nur jedes Gewerk für sich allein.

Roman: Wenn Schnittstellen nicht definiert sind: Was im Vertrag steht, das zählt. Wenn keine Schnittstellen genannt sind und nicht gesagt wird, was noch fehlt oder zusätzlich beauftragt werden muss, kümmert sich keiner drum. Genauso im Bausoll: Wenn die Inbetriebnahme nicht richtig im LV abgefragt ist, bietet die ausführende Firma — zum Beispiel Otto — das nicht so vollständig an, wie sie es aus ihrer Qualitätssicht könnte. Sie ist im Wettbewerb und muss Zwergenpositionen bepreisen, obwohl es viel mehr Aufwand ist. Da haben wir wieder Bedarfsplanung mit drin, aber auch LVs für die Ausführenden.

Oliver: Was mir manchmal fehlt, ist die Zielsetzung. Manche vergessen, warum wir überhaupt eine Inbetriebnahme machen. Der Planer hat sich überlegt, ich will bestimmte Sachen so und so haben: Die Heizung soll bei 18 Grad anspringen und das Lüftungsgerät verteilt die Luftmenge. Viele vergessen das und sagen, das wird schon irgendwie gehen.

Warum ist die Wirkprinzipprüfung kaum noch zu bewältigen?

Roman: Da gibt es einen Haufen Sensorik und Aktorik. Norman, wie läuft die Wirkprinzipprüfung, wenn es nicht digital läuft?

Norman: Da kommt ein Haufen Leute. Ein Projekt, das wir hatten, am Potsdamer Platz: Da sind knapp 400 Szenarien zu prüfen, mit bis zu zweieinhalbtausend Komponenten. Pro Szenario können schon mal acht- bis neunhunderttausend Komponenten zu prüfen sein. Laut VDI 6010 Blatt 3 müssen die innerhalb von 120 Sekunden ihren Zustand erreichen. Theoretisch müsste an jeder Komponente jemand mit der Stoppuhr stehen und gucken, ob sie ihren Zustand erreicht. Wenn man die VDI richtig anschaut und diese gefürchtete Brandfallsteuermatrix, die Tapete, müsste man auch alle Nichtkreuze testen — zwecks Rauchverschleppung, dass gewisse Klappen zugeblieben und nicht aufgegangen sind. Das kostet so viel Zeit, Wochen, Monate. Das funktioniert nicht mehr, wird aber derzeit so betrieben. Wir haben Kontakte zu den TÜV-Organisationen, und manche haben bis zu 25.000 Prüfstunden offen, denen sie nicht hinterherkommen, weil das Fachpersonal nicht mehr wird. Die Gebäude werden immer komplexer, eins nach dem anderen geht an den Start. Deswegen wird derzeit nur stichprobenartig geprüft, also 10 bis 20, vielleicht 30 Prozent — ein paar Szenarien, von denen alle wissen, dass sie funktionieren. Das ist aber nicht Sinn der Übung. Eigentlich müsste man 100 Prozent prüfen.

Oliver: Abgesehen vom zeitlichen Aufwand schaffst du auch die Manpower nicht. Wen willst du da hinstellen?

Roman: Genau, 25.000 Stunden — ich habe nachgerechnet, das sind zwölf Mann-Jahre, Arbeitsjahre. Das geht gar nicht. Lassen Sie uns gleich die Lösung ansprechen. Wir wenden den Podcast jetzt kurz und machen eine neue Folge daraus, weil wir dann die Aufmerksamkeit haben.

Sören: Zwischendrin, und dann geht es weiter.

Roman: Wir nehmen einen kurzen Schluck und sind gleich wieder da. Bis gleich.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Was ist Inbetriebnahmemanagement und welche VDI regelt es?

Inbetriebnahmemanagement ist die übergeordnete Koordination aller Inbetriebnahmen der Technischen Gebäudeausrüstung. Es wird in der VDI 6039 beschrieben. Kernidee ist ein zentraler Inbetriebnehmer, der bereits in Leistungsphase 3 ins Projekt einsteigt und prüft, was berücksichtigt werden muss, damit die Inbetriebnahmen später laufen.

Ist Inbetriebnahmemanagement in der HOAI geregelt?

Nein. Inbetriebnahmemanagement, Integrationsplanung und Brandfallsteuermatrix sind in der HOAI nicht geregelt und gelten als Sonderleistungen. Bauherren schließen oft Verträge ab, ohne zu wissen, dass diese Leistungen nicht enthalten sind. Architekten mit HOAI-Vertrag sind nicht beauftragt, die TGA-Gewerke zu koordinieren.

Warum scheitern Inbetriebnahmen so häufig auf der Baustelle?

Häufig fehlt ein zentraler Verantwortlicher, der die Gewerke als Gesamtkunstwerk zusammenführt. Stattdessen arbeiten Gewerke gegeneinander, und es entsteht ein Schuldzuweisungspingpong. Jedes Gewerk meldet, es funktioniere, doch im Zusammenspiel funktioniert es nicht. Beim BER fehlte die Verantwortung, Firmen wurden auf Stundenbasis bezahlt, und niemand trieb das Projekt voran.

Was ist eine Wirkprinzipprüfung?

Bei der Wirkprinzipprüfung kontrolliert der Sachverständige, ob im Brandfall alle Komponenten korrekt zusammenwirken. Laut VDI 6010 Blatt 3 müssen die Komponenten ihren Zustand innerhalb von 120 Sekunden erreichen. Geprüft werden Szenarien aus der Brandfallsteuermatrix, einschließlich der Nichtkreuze, etwa um Rauchverschleppung auszuschließen. Erst danach kann ein Gebäude in Betrieb gehen.

Warum ist die Wirkprinzipprüfung in der Praxis kaum noch zu bewältigen?

Große Projekte haben hunderte Szenarien mit tausenden Komponenten, die einzeln und unter Zeitvorgabe geprüft werden müssten. Eine vollständige Prüfung würde Wochen bis Monate dauern. Fachpersonal fehlt, manche TÜV-Organisationen haben bis zu 25.000 offene Prüfstunden. Deshalb wird heute meist nur stichprobenartig zu 10 bis 30 Prozent geprüft, obwohl eigentlich 100 Prozent nötig wären.

Wer sollte das Inbetriebnahmemanagement übernehmen?

Es braucht einen zentralen Verantwortlichen, der als Sonderleistung mit dem Inbetriebnahmemanagement beauftragt ist und idealerweise auch die Integrationsplanung als GA-Planer mitmacht. Wichtig ist, dass diese Person alle Anlagengruppen und Gewerke zusammenführt und Verantwortung übernimmt. GA-Planer machen die Inbetriebnahme nicht automatisch mit.

Welche Rolle spielen Schnittstellen und Verträge bei der Inbetriebnahme?

Entscheidend ist, was im Vertrag steht. Sind Schnittstellen nicht definiert, kümmert sich niemand darum, und Probleme tauchen spät auf. Die VDI 6039 beschreibt, dass Schnittstellen anständig verteilt sein und Gewerke zusammenarbeiten müssen. Ist die Inbetriebnahme im Leistungsverzeichnis nicht richtig abgefragt, bietet die ausführende Firma sie im Wettbewerb nicht vollständig an.

Zitate

Nicht jedes Gewerk ist einzeln zu sehen, sondern als Gesamtpaket, als Gesamtkunstwerk."

Oliver Kaasch

Das Inbetriebnahmemanagement ist nicht in der HOAI geregelt. Die Bauherren machen Verträge und wissen gar nicht, dass das nicht drin ist."

Roman Fritsches

Es ist ja nur ein Lüftungsgerät einschalten. Ist es aber nicht — da hängt was dahinter."

Oliver Kaasch

Wenn du nicht wirklich messen und sehen kannst, was abgeliefert werden muss, dann fehlt mir die Transparenz."

Norman Krolikowski

Zahlen & Fakten

Beim BER kamen mit Baubeginn nochmal rund 200.000 Quadratmeter BGF hinzu.

Quelle: Roman Fritsches

Laut VDI 6010 Blatt 3 müssen Komponenten bei der Wirkprinzipprüfung ihren Zustand innerhalb von 120 Sekunden erreichen.

An einem Projekt am Potsdamer Platz waren knapp 400 Szenarien mit bis zu zweieinhalbtausend Komponenten zu prüfen.

Quelle: Norman Krolikowski

Manche TÜV-Organisationen haben bis zu 25.000 Prüfstunden offen, denen sie nicht hinterherkommen.

Quelle: Norman Krolikowski

25.000 Prüfstunden entsprechen etwa zwölf Mann-Jahren.

Quelle: Roman Fritsches

Wirkprinzipprüfungen werden derzeit meist nur stichprobenartig zu 10 bis 30 Prozent durchgeführt, statt der eigentlich nötigen 100 Prozent.

Quelle: Norman Krolikowski

Glossar

Brandfallsteuermatrix
Tabellarische Darstellung (von Roman „Tapete" genannt), welche Komponenten in welchem Brandszenario welchen Zustand einnehmen; für die Wirkprinzipprüfung müssen auch die Nichtkreuze getestet werden.
Inbetriebnahmemanagement
Übergeordnete Koordination aller Inbetriebnahmen der TGA durch einen zentralen Verantwortlichen, der laut VDI 6039 bereits in Leistungsphase 3 einsteigt; in der HOAI nicht geregelte Sonderleistung.
Integrationsplanung
Koordination der verschiedenen TGA-Gewerke; entgegen verbreiteter Annahme nicht durch Architekten mit HOAI-Vertrag abgedeckt, sondern eigene Sonderleistung oder Aufgabe eines TGA-Generalplanenden.
VDI 6010 Blatt 3
Regelt die Wirkprinzipprüfung; gibt vor, dass Komponenten ihren Zustand innerhalb von 120 Sekunden erreichen müssen.
VDI 6039
Richtlinie zum Inbetriebnahmemanagement; fordert einen frühen Einstieg des Inbetriebnehmers, die Betrachtung der Gewerke als Gesamtkunstwerk und die anständige Verteilung von Schnittstellen.
Wirkprinzipprüfung
Prüfung durch den Sachverständigen, ob im Brandfall alle Komponenten korrekt zusammenwirken; geregelt in VDI 6010 Blatt 3, mit Zustandserreichung innerhalb von 120 Sekunden.
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