TGA-Planung › Folge #61
tgabar · BargesprächeErfolgreiche Frauen in der TGA-Fachplanung
Anders als in der Architektur bleibt der Frauenanteil in der TGA-Fachplanung von Studium bis Führungsebene stabil — wenn auch niedrig. Drei Führungsfrauen berichten: eine gläserne Decke haben sie nicht erlebt, Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten sind exzellent. Der Beruf verbindet Technik, Nachhaltigkeit und Kommunikation und ist gerade für naturwissenschaftlich interessierte junge Frauen attraktiv.
Transkript
Warum sind drei Frauen statt Sören heute an der Bar?
Roman: Moin Moin, herzlich willkommen zum einzigen Podcast von der TGA-Bar. Ich sitze heute wieder an der Bar, nicht alleine, allerdings nicht mit Sören Janson, sondern mit drei Frauen, die ich eingeladen habe. Mirjam, Claudia und Peggy sind da. Mirjam, du bist Geschäftsführerin bei der ZWP Ingenieur-AG, dem wahrscheinlich größten TGA-Planer in Deutschland. Claudia, du bist erblich vorbelastet im Bereich TGA-Fachplanung — du hast das Büro Döring von deinen Eltern übernommen. Und Peggy, du kommst aus der Ausführung: Du hast bei OTIS angefangen, dann bei der WISAG weitergemacht, und jetzt bist du für den Betrieb zuständig und berätst TGA-Fachplanende. Ich habe ein paar Fragen vorbereitet. Mirjam, warum ist die TGA-Fachplanung deine Berufswahl geworden?
Wie sind die drei zur TGA-Fachplanung gekommen?
Mirjam: Das war am Anfang gar nicht meine Berufswahl. Ich habe ursprünglich technischen Umweltschutz studiert — Umweltschutz war mir nach dem Studium unglaublich wichtig. Ich habe dann festgestellt, das ist Luftreinigung, Wasserreinigung, alles sehr nachsorgend, und bin zur Energie- und Verfahrenstechnik gewechselt. Im Rahmen meines Studiums haben wir eine Exkursion nach Freiburg gemacht und uns unter anderem das Dischhaus angeschaut, eins der ersten Plus-Energie-Gebäude — das war 1998 und hat mich beeindruckt. Danach war ich bei der Solarenergie-Technik beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und habe Erdwärmetauscher-Systeme simuliert. Darüber kam ich in Kontakt mit der ZWP Ingenieur-AG, die damals das Umweltbundesamt mit einem großen Erdwärmetauscher-System geplant hat. So bin ich als junge Ingenieurin zu ZWP gewechselt — zunächst in einen Bereich namens virtuelle Planung, mit Gebäudekonzepten und Strömungssimulationen. Das Thema nachhaltige Energiekonzepte hat mich von Anfang an angetrieben.
Roman: Eigentlich wäre jetzt Claudia dran, wir hatten es alphabetisch vereinbart. Aber Peggy hat mit ESG zu tun, was inhaltlich gut anschließt — Peggy, wie bist du dahin gekommen?
Peggy: Ich bin ESG durch und durch. Es begann mit der Ausbildung zur Informatikkauffrau — zu verstehen, wie Technik funktioniert. Vielleicht liegt es daran, dass mein Vater Elektriker ist und ich als Kind über die Schulter schauen durfte. Im Aufzugswesen wollte ich immer aufs Dach und kam dann vom Dach runter in den Keller, vom Vertrieb über die Modernisierung bis an die Werkbank. Irgendwann hatte ich das Gewerk Aufzüge von A bis Z verstanden, und daraus kam die Idee, Nachhaltigkeit anders zu sehen: Betrieb ist nicht nur Wartung und Instandhaltung, sondern auch die Frage, ob es kostengünstiger und zukunftsfähiger geht. Über Master- und Bachelorarbeiten kam ich zum Thema Lean Management in der Produktion und dann zur WISAG, wo ich deutschlandweit viel gesehen habe — von Kälte über Beleuchtung bis zu E-Mobilität und Wärmepumpen. Final hat mich das zur BEOS, einem Swiss Life Asset Manager, gebracht: Wie kriege ich alle Komponenten zusammen und wie wird in der Planung von Anfang an nachhaltig mitgeplant, damit PV, Wärmepumpe und Ladesäule am Ende zusammenspielen?
Roman: Claudia, vielleicht stellst du dich auch kurz vor.
Claudia: Ich habe das Ganze von meinen Eltern in die Wiege gelegt bekommen, wurde aber in keinster Weise gezwungen — ich habe mich für Mathematik und Physik interessiert und Elektrotechnik studiert. Jeder, der in dem Bereich studiert, weiß, dass das mit der Gebäudetechnik in den meisten Studiengängen nichts zu tun hat. Ich bin dann in ein Ingenieurbüro gegangen, weil ich die Elektro- bzw. TGA-Planung im Gebäude als Königsdisziplin der Gebäudeplanung sehe: Der Architekt baut die schöne Hülle, und wir machen das Gebäude erst lebenswert. Mich hat besonders die Energieversorgung und die Lichtplanung gereizt, bei der man eng mit den Architekten zusammenarbeitet. Seit über 31 Jahren bin ich im eigenen Büro, das ich vor fast 25 Jahren übernommen habe. In der reinen Planung bin ich außer in der Lichttechnik kaum noch drin — bei 70 Mitarbeitenden gibt es genug anderes zu tun, Akquise, Abrechnung und vieles drumherum.
Wie kam es zur Doppelspitze in der AHO-Fachkommission TGA?
Roman: Mirjam und Claudia, ihr bildet bei der AHO die Doppelspitze für die Fachkommission Technische Ausrüstung. Wie kam das?
Claudia: In den Ausschuss für Honorarordnung (AHO) in Berlin bin ich vor über zehn Jahren reingerutscht, damals vom VBI abgesandt, als es um die Erarbeitung der HOAI 2013 ging. In der Fachkommission Technische Ausrüstung sind acht Mitglieder; ich war damals die erste Frau. Mirjam ist vor drei Jahren dazugekommen. Unser langjähriger Fachkommissionsleiter Werner Schürmann, der die TGA-HOAI mal geschrieben hat, hat sich altersmäßig zurückgezogen und mich gebeten, den Vorsitz zu übernehmen. Mirjam hat dankenswerterweise gesagt, sie macht das mit mir zusammen — wir sind beide noch aktiv im Büro tätig, und die ehrenamtliche Tätigkeit ist sehr zeitintensiv, zumal gerade wieder eine neue HOAI verhandelt wird. Die anderen sechs in der Fachkommission sind Männer.
Roman: Das ist also eine Quote von einem Viertel. Mirjam, wie sieht die Arbeit in der Kommission aus?
Mirjam: Wir sind gerade in den Gesprächen mit dem Gutachtergremium und der Bauherrenvertretung; die starten jetzt erst. Im Vorfeld haben wir das im AHO sehr intensiv vorbereitet — innerhalb der Fachgruppe Technische Ausrüstung und in größerer Runde, in der sich auch die Verbände dazuschalten konnten. Etwas, das ich super wichtig finde: Wir haben uns zwischen den einzelnen Fachkommissionen zusammengesetzt und versucht, die Leistungsbilder zwischen Objektplanung, Tragwerksplanung und technischer Ausrüstung zu synchronisieren. In der vorhergehenden HOAI gibt es da an der einen oder anderen Stelle Gaps. Deshalb haben wir aufwendige Synchronisationsrunden mit den anderen Fachgruppen gemacht.
Roman: Werner Schürmann hatte schon 2016 oder 2017 eine Schnittstellenliste für die Leistungsphase 5 zwischen Objektplanung, Bauherr und so weiter angefangen. Die zeige ich in Seminaren, weil sehr viel Brandschutz angefordert wird — er ist da extrem intensiv hinterher.
Claudia: Es ist angedacht, dass das weitergeht. Wir sind mit den Architekten und Gebäudeplanern im Austausch, eine große Schnittstellenliste zu machen — das könnte ein grünes Heft werden. Im Moment ist alles auf Eis gelegt, weil die Bearbeitung viel Zeit beansprucht. Wenn alles gut läuft, sollen im August die letzten Sitzungen abgeschlossen sein, und dann kommt hoffentlich wieder etwas heraus.
Ist die HOAI noch zeitgemäß oder überholt?
Roman: Es gibt immer wieder die Rufe, die HOAI sei tot. Seht ihr das auch so?
Mirjam: In anderen Ländern gibt es Honorarordnungen, die nicht mehr verbindliches Recht, aber eingeübte Praxis sind. Jeder in unserer Branche ist mit der HOAI aufgewachsen — diese Abläufe in den Leistungsphasen mit weitergehender Detaillierung sind eingeübte Praxis in Deutschland. In dem Sinne wird die HOAI weiterhin wichtig sein. Weggefallen sind die Mindest- und Höchstsätze, die es so nicht mehr gibt. Aber als Orientierung der Honorierung wird die HOAI auch zukünftig Bedeutung haben, weil nicht jeder Bauherr ein institutioneller Bauherr mit ganz konkreten Vorstellungen ist und fragt: Was ist ein angemessenes Honorar für eine angemessene Leistung?
Roman: Peggy, du bist Vertreterin der Bauherrenseite. Wie siehst du die HOAI?
Peggy: Ich bin in der Praxis angewachsen und kenne sie von der Theorie und von den Angeboten. Für die Vergleichbarkeit brauchst du sie schon — ein Baugefühl, die Abläufe. Für den Bau ist es schön zu wissen, dass Leistungsphasen auch Enden haben; man will ja nicht von A bis Z weiterhüpfen. Das ist das A und O: zu erkennen, wann eine Leistungsphase erreicht ist und welche überlappenden Themen man Richtung Gewährleistungsmängel vorher abarbeiten kann. Dafür brauchst du die richtigen Rahmenparameter und Kosten.
Sollte die Leistungsphase 9 abgeschafft werden?
Roman: Peggy, ist dir der eine Punkt in der Leistungsphase 9 genug?
Peggy: Ich finde, wir könnten einige Punkte betriebstechnisch in eine frühere Leistungsphase verschieben — früher an den Betrieb denken, das fehlt mir.
Claudia: Der Gedanke ist eher, die Leistungsphase 9 ganz entfallen zu lassen und nur auf Nachweis zu bringen, weil die LP9 kein Mensch kalkulieren kann. Bei der letzten HOAI ist sie schon so weit herausgenommen worden, dass man nur noch den Mangel feststellen und der Firma zuordnen muss. Alles andere ist nicht kalkulierbar. Wir wären nicht böse, wenn die LP9 nicht mehr da wäre.
Peggy: Das ist auch schneller in der Umsetzung. Du hast ohnehin die Gewährleistungsmängel-Liste und die Abarbeitung danach, und damit zumindest eine Hakenliste.
Warum wird Inbetriebnahmemanagement und Monitoring zu selten beauftragt?
Roman: Mirjam, der Abgleich zwischen Simulation und Betrieb findet bei uns kaum statt. Das ist eine Sonderleistung, die wir definieren und anbieten müssten, aber die Bauherren verstehen oft nicht, was das soll, und wollen es nicht beauftragen. Hast du da bessere Erfahrungen gemacht?
Mirjam: Leider keine wesentlich besseren. Gerade Inbetriebnahme, Management und Monitoring sind Themen, die wir zu wenig behandeln. Sie sind von der HOAI nicht abgedeckt und werden es auch zukünftig im Grundleistungsbild nicht sein — ich kann mit der HOAI nicht vom kleinen Einfamilienhaus bis zum komplexen Krankenhaus alles in einem Leistungsbild abdecken. Es gibt einfache Bauvorhaben, da laufen die Anlagen autark, da brauche ich kein großes Monitoring. Aber bei vielen komplexen Projekten bin ich überzeugt, dass die schnell aus ihrem Planungszustand rauslaufen oder ihn am Ende der Leistungsphase 8 nicht mal erreichen, weil sich unsere ausführenden Firmen mit der gemeinsamen Inbetriebnahme heute unglaublich schwertun. Das zu begleiten, zu überprüfen und im Monitoring nachzuhalten, ist ein Riesenaufwand. Man muss sich ein Gebäude vorstellen: Die erste Beschwerde kommt — mir ist zu warm, mir ist zu kalt — und der Facility Manager versucht, den Nutzer zufrieden zu halten. Ob die Anlagen dann noch im energieeffizienten Betrieb laufen, wird vergessen. So entwickelt sich das sukzessive vom Planungszustand weg. Das hängt auch damit zusammen, dass häufig ein Wechsel zwischen dem stattfindet, der das Objekt baut, und dem, der es nutzt und betreibt.
Claudia: Es gibt das grüne Heft Nummer 39 — „Besondere Leistungen für die Inbetriebnahme von Objekten" — mit einem übergreifenden Leistungsbild und Fallbeispielen, das klarstellt: Das ist mitnichten eine Grundleistung der HOAI, sondern muss vereinbart werden. Peggy, du hast recht: Das Zählerkonzept muss viel früher geplant werden. Wir fangen mit dem Inbetriebnahmemanagement eigentlich in Leistungsphase 2 oder spätestens 3 an. Aber das wird selten mitbeauftragt, auch von unserer Seite selten angeboten. Wir bauen viel Krankenhäuser — gerade da wäre das wichtig.
Peggy: Der Facility Manager muss auch lernen, früher mitzulaufen. Der Planer sollte sagen: Das ist nicht mein Konkurrent, der hinterher nur betreibt, sondern lasst uns zusammensetzen. Und ESG-seitig dem Mieter beim Einzug klarmachen, dass das Gebäude so betrieben werden kann — Aufklärungsarbeit für den Nutzer. Da ist ein großer Impact Richtung FM.
Gibt es in der TGA dieselbe gläserne Decke für Frauen wie in der Architektur?
Roman: Eine Architektin hat zusammengestellt, wie das Gefälle aussieht: Im Architekturstudium liegt die Frauenquote bei 60 Prozent, im Büro dann bei 30 bis 40 Prozent, und auf der Führungsebene nur noch bei rund fünf Prozent oder weniger. Seht ihr das bei uns auch — viele Ingenieurinnen im Studium und dann nicht mehr im Job?
Claudia: In der Elektrotechnik haben wir im Studium leider nur etwa zwei Prozent Frauen, zu meiner Zeit ein Prozent, vielleicht inzwischen drei — also ein einstelliger Prozentbereich. In der Versorgungstechnik sieht es etwas besser aus.
Mirjam: Nicht viel besser. Ich habe in Köln Vorträge zur technischen Ausrüstung gehalten, da lag die Frauenquote vielleicht bei 20 bis 25 Prozent — höher als in der Elektrotechnik, aber viel zu gering. Ich bedauere das, weil wir so einen spannenden Beruf mit tollen Fragestellungen haben. Bei der gläsernen Decke, die du beschreibst, sehe ich aber einen großen Unterschied zu den Architekten: Die habe ich nicht kennengelernt. Ich bin im Wesentlichen in einem Unternehmen groß geworden, der ZWP Ingenieur-AG, und schon beim Vorstellungsgespräch hat mein damaliger Chef gesagt: „Frau Borowietz, bei uns können Sie alles werden." Da habe ich noch gedacht: schöne Geschichte. Aber es war wahr — ich habe zwei Kinder und bin in jeder Lebenssituation gefördert worden, auch im Aufstieg. Aus unserer Branche kann ich die gläserne Decke nicht bestätigen.
Peggy: Mit der Fachbrille des Alltags: Man ist als Frau schon allein unterwegs, im einstelligen Bereich. Aber ich finde es spannend, technisches Interesse und Alltag zusammenzuführen. Der Vorteil: Als Frau hat man durch seine Neugier enormes Zuhörpotenzial gegenüber den Planern. Man merkt, es ist eigentlich egal, ob Mann oder Frau — es geht um die Sache, und das macht es spannend.
Wie rau ist der Umgangston auf der Baustelle wirklich?
Roman: Es gibt das Vorurteil, die Baubranche sei super hart und ätzend, man wolle gar nicht auf die Baustelle. Habt ihr das so empfunden?
Claudia: Nein, wirklich nicht. Wenn eine Frau in der Baubesprechung dabei ist, ist der Ton vielleicht nicht ganz so rau. Aber Nachteile haben wir keine erhalten — das Gender-Problem ist bei uns absolut kein Thema.
Roman: Wilhelmina, die heute leider nicht dabei sein kann, hat schon Ende der 70er ihr Ingenieurbüro aufgemacht und meinte, sie habe damals auch kein zeitliches Problem gehabt; es habe sich seither nicht so viel geändert und müsse auch nicht. Seht ihr das auch so, oder verbessert sich der Umgang zwischen Männern und Frauen auf den Baustellen?
Mirjam: Das Thema Gender finde ich auf Baustellen ganz unspannend, das war für mich nie ein Thema. Der etwas rauere Ton in der Baubranche ist eher ein Generationsthema: Die jungen Leute können damit nicht gut umgehen, und es bringt an vielen Stellen keinen Mehrwert. Da findet ein Umdenken statt — man versucht, konstruktiver miteinander umzugehen. Als Frau wirkt man in solchen Besprechungen sogar besänftigend. Meine jungen männlichen Kollegen wurden teilweise in einer Art und Weise angegangen, wo ich gesagt hätte: Das ist nicht okay und bringt nichts. Da findet ein Umdenken statt, das ich wichtig finde — aber das hat mit Gender gar nichts zu tun.
Peggy: Ich war eher überrascht, wie viele Frauen in der Baubranche arbeiten, nachdem ich gewechselt hatte. Wenn man sich am Fachthema hochpuscht, kippt der Ton ins Raue — da sage ich: Wir leveln und neutralisieren das jetzt, denn es geht um die Sache. Dann ist es egal, ob Mann oder Frau.
Roman: Der Umgangston ist tatsächlich ein Thema. Ich hatte vor einem Jahr ein Beispiel: Es gab einen Witz, der Richtung Frau ging. Die Projektleiterin ist aufgestanden und hat gesagt: „Sowas höre ich mir von Ihnen nicht mehr an, sonst können Sie die Baustelle verlassen." Das war der Bauleiter des GUs, der wurde knallrot und hat klein beigegeben. Danach war das Machtgefälle klar. Es kann ein Vorteil sein, mit Selbstbewusstsein die Grenze zu ziehen — und da ist es egal, ob Mann oder Frau. Das ist die große Kunst auf der Baustelle, gerade für sach- und fachorientierte Ingenieurinnen und Ingenieure.
Claudia: Es ist ein Beruf, in dem man gut altern kann. Das Problem ist eher, dass die Jungen nicht für voll genommen werden — egal ob Männlein oder Weiblein. Mit der Erfahrung verschwimmt das völlig. Junge Leute auf der Baustelle haben eher ein Problem, aber das ist egal, ob Mann oder Frau.
Wie löst man das Generationengefälle in den Büros?
Roman: Habt ihr Methoden, um diese Generationenfrage zu lösen? Mirjam, gibt es bei ZWP etwas?
Mirjam: Natürlich unterstützen wir unsere jungen Mitarbeiter und lassen sie nicht alleine im kalten Wasser schwimmen — bei herausfordernden Terminen begleiten wir sie. Aber das eine oder andere kann man nicht nur über Schulung vermitteln; wir haben viele Schulungsprogramme, aber bestimmte Erfahrungen muss man selbst machen. In meinem ersten Projekt hat es mich gewohnt, dass jeder sagte: „In unserem letzten Projekt haben wir das so gemacht." Da habe ich gedacht: Wartet ab, bis ich auch sage: mein letztes Projekt. Durch dieses erste Projekt muss man einmal durch. Man kann nur versuchen, die Leute inhaltlich abzupuffern und konstruktiv miteinander zu reden — das ist vielerorts besser geworden. Ich fand es immer super: In den letzten 20 Jahren ist kein Tag vergangen, an dem ich nichts dazugelernt habe. Das macht den Job lebendig und ist für die jungen Leute eine Chance.
Was ist die größte Veränderung, die der Branche bevorsteht?
Roman: In unserer Branche passiert gerade viel — digitale Planung, digitaler Bau, digital unterstützter Betrieb. Was ist für euch die größte Veränderung, die uns bevorsteht? Claudia?
Claudia: Das Thema BIM und digitale Planung ist ein riesiger Schritt. Leider werden das nicht alle gleich teilen können, große und kleine Büros: BIM können die Großen deutlich leichter stemmen. 80 Prozent der TGA-Büros in Deutschland sind Ein- bis Fünf-Mann-Büros — da wird es schwierig. Aber es wird alles revolutionieren. Wir werden noch viel lernen und uns blutige Nasen holen müssen und auch viel Geld versenken.
Roman: Peggy, was ist für dich die größte Veränderung?
Peggy: Die Mischung aus BIM und ESG. Du hast den Digitalisierungsansatz, den Anspruch, nachhaltig zu bauen und zu betreiben, und das Problem der Lieferteile und Zeitschienen — und mit BIM entsteht endlich ein Bild. Aber welches Bild brauchst du, wie soll es funktionieren? Du musst aus der Kundenbrille lernen: Was möchtest du auf der Baustelle haben, wo soll die Steuerung ineinandergreifen, welche Gewerke sprechen wann miteinander? Früher war das zack, zack, zack — jetzt hast du die Chance, das zu verschieben und Erlebnisse zu schaffen: Funktioniert es früher als auf dem Papier? Und wie kriege ich die Dokumentation, der ich ewig hinterherrenne, direkt in den Planungsprozess integriert? Dann kann man auch dokumentieren, was häufig gelaufen ist und wo die Handicaps waren — das fehlte früher komplett.
Roman: Also mehr Informationstransparenz. Mirjam, wie siehst du die größte Veränderung?
Mirjam: Digitalisierung in Planung und Betrieb bringt sehr viele Veränderungen — Smart Building, eine Durchgängigkeit vom BIM-Modell in den digitalen Zwilling. Da sind im Moment noch viele Abrisskanten, aber großes Potenzial, das die Branche nachhaltig verändern wird. Früher haben wir mit Tusche gezeichnet, dann mit CAD — das hat die Branche verändert, aber jede Branche entwickelt sich weiter. Was mich außerdem umtreibt, ist der Fachkräftemangel: Wir haben perspektivisch zu wenig qualifiziertes Ingenieurspersonal, um die Energiewende voranzubringen. Können wir Ingenieursleistungen digitalisieren, sodass wir weniger Leute brauchen? Müssen wir mehr Quereinsteiger hineinholen? Denn Digitalisierung passiert nicht von alleine — es braucht Leute, die das treiben und umsetzen.
Claudia: Wir müssen internationaler werden. Wir werden das nicht mehr nur mit deutschsprachigem Personal stemmen, sondern vielleicht aufs Englische umswitchen und international Fachkräfte heranholen, weil es sie in anderen Regionen gibt. Selbst wenn die Nachwuchsförderung hier an der TGA-Bar voll einschlägt, werden wir nicht alle Sorgen loswerden.
Wie gewinnt die TGA mehr Nachwuchs — gerade junge Frauen?
Roman: Eine Idee, die die Themen zusammenbringt: Die motivierten Architektur-Studierenden, die später kulturell aus den Architekturbüros verdrängt werden — denen könnte klar werden, dass die TGA viel cooler ist, dass man die Energiewende voranbringt und Gebäude lebenswert macht, nicht nur schön. Sollten wir an den Universitäten mehr in den Architektenstudiengängen werben?
Claudia: Gestern hatte ich ein Gespräch — jemand wollte Architektur studieren und überlegt jetzt ernsthaft, in die technische Ausrüstung zu gehen.
Roman: Die jungen Ingenieurinnen, die gerade angefangen haben, könnten einen Tag die Woche in die Architektur-Vorlesung gehen, ein paar Fragen stellen und zeigen, dass die TGA relevanter ist als die Schönheits-OPs an der Fassade.
Claudia: Die Verdienstmöglichkeiten bei uns sind ja auch höher als bei den Architekten. Deren Stundensätze liegen teilweise weit unter unseren, und wofür die einen jungen Architekten einstellen, stellen wir einen technischen Systemplaner ein. Da gibt es einen Riesenunterschied — eigentlich könnten wir da viel punkten.
Roman: Wir haben festgestellt: Frauen haben überhaupt kein Problem damit, nach dem Studium bei uns zu arbeiten — im Gegenteil. Mirjam, dir wurde es versprochen und es ist auch so passiert: Du bist jetzt Vorständin eines 500-Personen-Unternehmens. Es ist egal, ob Frau oder Mann. Wir müssen einfach mehr Leute in diesen Berufszweig bekommen.
Mirjam: Das wäre super toll. Wir sind heute in dieser Frauenrunde, um zu überlegen, wie wir junge Frauen mehr motivieren, in diesen technischen Beruf zu gehen. Wenn ich mir meine Kinder anschaue: Die Mädchen in der Schule sind unglaublich naturwissenschaftlich begabt. Was hält sie davon ab, in unsere Richtung zu gehen? Wir müssen uns besser darstellen — wir haben spannende Aufgaben, sind beratend unterwegs, entwickeln Konzepte und diskutieren sie mit Leuten. Es ist auch ganz viel Kommunikation. Wie bringen wir das der nächsten Generation nahe, dass sie Lust hat, einzusteigen?
Claudia: Wir sind auf dem richtigen Weg mit den Filmen, die jetzt gemacht werden sollen — wir müssen bekannter werden. Gestern sagte jemand: „Ich wollte etwas mit Gebäuden machen, also Architektur." Dass die Technik im Gebäude geplant wird und nicht vom Architekten kommt, ist niemandem bewusst. Ich habe nächstes Jahr fünf duale Studenten, die alle vorher nicht wussten, dass es technische Gebäudeausrüstung gibt. Jeder kennt einen Architekten und weiß, was der macht — aber was ein TGA-Planer macht, weiß kein Mensch. Wir müssen ein richtig cooles, einprägsames Synonym finden.
Peggy: Ich frage immer: Kann ich Ihnen ein Pixie geben, das zeigt, was ich den ganzen Tag mache? So ein Pixie-Buch zum Durchlesen. Wenn ich jemanden mitnehme, heißt es: super, ich kann es fühlen, habe die Emotionen und kann darüber reden — und sehe ein Ergebnis in der kurzen Reaktion.
Roman: Das Pixie-Buch höre ich jetzt schon öfter — Sören war da auch sehr hinterher, er liest gerne vor und hätte gerne ein Pixie-Buch zur Gebäudetechnik.
Claudia: Für die Tragwerksplaner und die Architektur gibt es das schon.
Peggy: Für die grünen Themen auch, aber für unseren Part fehlt es noch. Für den Elektriker gibt es das, glaube ich, nicht — aber die Mischung, das wäre perfekt.
Roman: Wir gehen mit vielen Ideen raus. Ich sehe, die Bar macht langsam zu. Ich möchte mich für die tollen Ideen bedanken, für den Einblick in den Grund eurer Berufswahl und dafür, wie wir in Zukunft mehr Frauen in die Gebäudetechnik bekommen — die, wie man an euch sieht, einen ganz tollen Job machen. Vielen Dank, dass ihr da wart, und wir sehen uns bald wieder. Tschüss.
Peggy: Danke auch. Tschüss.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Wie unterscheidet sich der Frauenanteil in der TGA-Fachplanung von dem in der Architektur?
In der Architektur sinkt der Frauenanteil stark — von rund 60 Prozent im Studium über 30 bis 40 Prozent im Büro auf etwa fünf Prozent oder weniger in der Führung. In der TGA ist der Anteil zwar niedrig (in der Elektrotechnik nur etwa zwei bis drei Prozent im Studium, in der Versorgungstechnik rund 20 bis 25 Prozent), bleibt aber von Studium bis Führungsebene relativ stabil. Eine gläserne Decke wie in der Architektur haben die drei Führungsfrauen nicht erlebt.
Was leistet die AHO-Fachkommission Technische Ausrüstung?
Die Fachkommission Technische Ausrüstung im Ausschuss für Honorarordnung (AHO) erarbeitet und verhandelt die Leistungsbilder der HOAI für die TGA. Sie hat acht Mitglieder und synchronisiert die Leistungsbilder zwischen Objektplanung, Tragwerksplanung und technischer Ausrüstung, um Lücken zwischen den Fachkommissionen zu schließen.
Wird die HOAI trotz Wegfall der verbindlichen Mindest- und Höchstsätze relevant bleiben?
Ja. Auch wenn die verbindlichen Mindest- und Höchstsätze weggefallen sind, ist die HOAI in Deutschland eingeübte Praxis: Die Abläufe in den Leistungsphasen sind etabliert, und die HOAI dient weiterhin als Orientierung für ein angemessenes Honorar — besonders für Bauherren, die keine institutionellen Bauherren mit fertigen Vorstellungen sind.
Warum schlagen die TGA-Planerinnen vor, die Leistungsphase 9 abzuschaffen?
Die Leistungsphase 9 (Objektbetreuung) lässt sich kaum kalkulieren. Bei der letzten HOAI wurde sie schon so weit reduziert, dass nur noch der Mangel festgestellt und der ausführenden Firma zugeordnet werden muss. Alles Weitere ist nicht kalkulierbar; eine Hakenliste über die Gewährleistungsmängel reicht aus. Daher der Vorschlag, die LP9 ganz entfallen zu lassen oder nur auf Nachweis zu erbringen.
Warum wird Inbetriebnahmemanagement und Monitoring in der TGA zu selten beauftragt?
Inbetriebnahmemanagement und Monitoring sind keine Grundleistungen der HOAI und müssen als besondere Leistung vereinbart werden — was selten geschieht, weil Bauherren den Nutzen oft nicht sehen und es nicht beauftragen, und Planer es zu selten anbieten. Bei komplexen Projekten laufen die Anlagen dadurch schnell aus dem Planungszustand heraus; ohne Monitoring bleibt der energieeffiziente Betrieb unkontrolliert. Das grüne AHO-Heft Nummer 39 beschreibt hierfür ein übergreifendes Leistungsbild.
Wann sollte das Inbetriebnahmemanagement in den Planungsprozess starten?
Nach Aussage von Claudia Döring sollte das Inbetriebnahmemanagement bereits in Leistungsphase 2, spätestens in Leistungsphase 3 beginnen — auch das Zählerkonzept muss deutlich früher geplant werden, als es üblicherweise geschieht.
Welche Veränderungen stehen der TGA-Branche aus Sicht der Führungsfrauen bevor?
Genannt werden vor allem die Digitalisierung mit BIM und digitalen Zwillingen (Smart Building) — ein Schritt, den große Büros leichter stemmen als die vielen Ein- bis Fünf-Mann-Büros — sowie die Verbindung von BIM und ESG. Hinzu kommt der Fachkräftemangel, der unter anderem durch Quereinsteiger und internationale Fachkräfte sowie stärkere Digitalisierung der Ingenieursleistungen aufgefangen werden müsse.
Warum ist die TGA-Fachplanung gerade für junge Frauen attraktiv?
Der Beruf verbindet Technik, Nachhaltigkeit und viel Kommunikation: Man entwickelt Konzepte, berät und arbeitet eng mit Architekten zusammen, statt nur im stillen Kämmerlein zu rechnen. Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten sind exzellent und höher als bei Architekten, und die TGA macht Gebäude erst lebenswert. Der Beruf ist nach Erfahrung der Gesprächsrunde unabhängig vom Geschlecht offen — entscheidend sei die Sache.
Zitate
„Der Architekt baut die schöne Hülle, und wir machen das Gebäude erst lebenswert."
— Claudia Döring
„Beim Vorstellungsgespräch hat mein damaliger Chef gesagt: Frau Borowietz, bei uns können Sie alles werden. Und es war wahr."
— Mirjam Borowietz
„Es geht um die Sache, und dann ist es wirklich egal, ob Mann oder Frau."
— Peggy Kostka
„Jeder kennt einen Architekten und weiß, was der macht. Aber was ein TGA-Planer macht, weiß kein Mensch."
— Claudia Döring
„Die Leistungsphase 9 kann kein Mensch kalkulieren. Wir wären nicht böse, wenn sie nicht mehr da wäre."
— Claudia Döring
Zahlen & Fakten
In der Architektur sinkt der Frauenanteil von rund 60 Prozent im Studium auf 30 bis 40 Prozent im Büro und auf etwa fünf Prozent oder weniger in der Führungsebene.
Quelle: Roman Fritsches (zitiert ein Buch einer Architektin)In der Elektrotechnik liegt der Frauenanteil im Studium nur bei etwa zwei bis drei Prozent.
Quelle: Claudia DöringBei Vorträgen zur technischen Ausrüstung in Köln lag die Frauenquote schätzungsweise bei 20 bis 25 Prozent.
Quelle: Mirjam BorowietzRund 80 Prozent der TGA-Büros in Deutschland sind Ein- bis Fünf-Mann-Büros.
Quelle: Claudia DöringDie AHO-Fachkommission Technische Ausrüstung hat acht Mitglieder, davon zwei Frauen (eine Quote von einem Viertel).
Glossar
- AHO (Ausschuss für Honorarordnung)
- Gremium in Berlin, das die Leistungsbilder und Honorierung der HOAI erarbeitet; gegliedert in Fachkommissionen, u.a. die Fachkommission Technische Ausrüstung mit acht Mitgliedern.
- Grünes Heft Nummer 39
- AHO-Heft mit einem übergreifenden Leistungsbild für die Inbetriebnahme von Objekten samt Fallbeispielen; stellt klar, dass dies keine HOAI-Grundleistung ist.
- HOAI
- Honorarordnung für Architekten und Ingenieure; regelt Leistungsphasen und Honorierung. Mindest- und Höchstsätze sind nicht mehr verbindlich, die HOAI bleibt aber eingeübte Praxis und Orientierung.
- Inbetriebnahmemanagement
- Begleitung und Überprüfung der gemeinsamen Inbetriebnahme der Anlagen; keine HOAI-Grundleistung, sollte laut Claudia Döring schon in Leistungsphase 2 bis 3 starten.
- Leistungsphase 9
- Objektbetreuung am Projektende; gilt als kaum kalkulierbar — nur noch Mangelfeststellung und Zuordnung zur Firma. Vorschlag der Runde: ganz entfallen lassen oder nur auf Nachweis erbringen.
- Monitoring (Betrieb)
- Nachhalten, ob Anlagen nach der Inbetriebnahme noch im ursprünglich geplanten, energieeffizienten Betrieb laufen; verhindert das schleichende Abdriften vom Planungszustand.
- TGA-Fachplanung
- Planung der technischen Gebäudeausrüstung; laut Claudia Döring die Königsdisziplin der Gebäudeplanung — der Architekt baut die Hülle, die TGA macht das Gebäude lebenswert.