TGA-Planung › Software & Tools der TGA-Planung › Folge #77
tgabar · BargesprächeDigitales Projektmanagement
Roman und Sören wünschen sich eine webbasierte, rollenzentrierte Software, die das IFC-Gebäudemodell mit der ERP-Software (Stunden, Honorare, Termine) verknüpft. Projektleitung und Fachplanungskoordination sollen morgens ein visuelles Dashboard öffnen, das Projektstand, Planungsfortschritt je Gewerk und aufgewandte Stunden je Bauteil zeigt — statt Daten von Hand aus getrennten Systemen zusammenzusuchen.
Transkript
Wie ist die BIM-Allianz der TGA-Bar entstanden?
Roman: Moin Moin von der TGA-Bar. Sören Janson und Roman Fritsches sitzen heute an der Bar und reden über den Ursprung ihres Zusammenkommens. Woher kennen wir uns?
Sören: Wir kennen uns schon viel länger — 2017 bin ich in das Thema BIM-Lead-User-Allianz, kurz BIM-Allianz, reingerutscht.
Roman: Eine BIM-Allianz unter TGA-Planungsbüros, in der wir gesagt haben: Liebe Softwarehersteller, ihr müsst mal liefern, sonst sind wir alle bei einer anderen Software.
Sören: Am Ende waren wir richtig viele, hauptsächlich norddeutsche Planungsbüros, mit echter Power dahinter — viele haben ihren Key User, Admin oder Produktmanager dahin geschickt.
Roman: Genau, unseren Produktmanager, der Programmierer an der Hand hatte und immer die Verbesserungen mitgebracht hat. Und irgendwann hast du in die Runde gefragt, wie es hier eigentlich zum Thema Projektmanagement aussieht.
Sören: Und da habe ich als kleiner Scrum-Anwender gesagt: Ich will. Ich war, glaube ich, der Einzige.
Wie kam der Kontakt zum Softwarehersteller zustande?
Roman: Angefangen hat das auf einer Messe, der Get Nord 2017. Da gab es einen Vortrag von Pinck, in dem Michael Scholz und ein Kollege ihre BIM-Projekte auf der Bühne vorgestellt haben. Ich saß im Publikum und dachte: Cool, machen wir auch, wir haben die gleiche Software. Ich habe das Mikro in die Hand bekommen und die Zuhörer gefragt: Wie zufrieden seid ihr mit eurer Software?
Pinck, emutec und Abadon sind dann zu dritt zum Stand des Softwareherstellers gegangen — den Namen nenne ich weiterhin nicht. Wir wurden vom Sales-Leiter Deutschland zum Sales-Leiter Europa weitergeleitet und haben gesagt: Wir haben hier einen Haufen Lizenzen und wollen als fortschrittliche BIM-User deine Software mit dir verbessern.
Das hat sich fünf Jahre lang bewegt, die Software wurde BIM-seitig deutlich verbessert. Jetzt sind wir an dem Punkt, wo wir ein bisschen eingeschlafen sind — aber das Ziel, dass die Software BIM-fähig und nutzbar ist, ist erst mal erreicht.
Was könnte die TGA-Bar mit 300 Planungsbüros erreichen?
Roman: Das würde ich gern weitertreiben. Inzwischen haben wir in der TGA-Bar über 300 Planungsbüros — in der BIM-Allianz waren wir in der Spitze 14. Wenn wir uns zusammentun, könnten wir unsere Wünsche ganz weit nach vorne stellen. Wir wünschen uns mal ein paar Ostereier.
Wie sähe die ideale Projektmanagement-Software aus?
Roman: Sören und ich sind Profis im Projektmanagement und stellen uns eine webbasierte Anwendung vor, die nicht auf unseren Servern, sondern im Netz läuft und die ganzen Informationsquellen rollenspezifisch zusammenfasst. Im modernen Software-Deutsch: UX — sie baut rollenspezifisch eine Schnittstelle, ein Dashboard, eine Übersicht.
Wir hätten gern die Rollen Projektleitung und Fachplanungskoordination: Der eine verantwortet das Gesamtprojekt, die andere das Gebäudemodell. Wenn man die Datenquellen — das IFC-Modell und die verschiedenen Planungs-Softwares auf der einen Seite, die ERP-Software mit Stunden, Kalkulation, Terminen und Kapazitätsplanung auf der anderen — zusammenbringt, könnte man morgens den Rechner aufklappen und bekäme sofort eine Übersicht aller Projekte.
Sören: Aber nicht kryptisch, wo ich erst übersetzen muss, sondern visualisiert.
Roman: Ich sehe das Gebäudemodell und in Farben, wie weit die einzelnen Gewerke in der Planung sind, dazu meinen Projektstand in aufbereiteten Grafiken. Und ich sehe in den einzelnen Gebäudeteilen, wie viele Stunden von welcher Disziplin schon reingesteckt wurden. Wir gucken hier bewusst nur als Nutzer.
Sören: User-Centered Design — es geht um die Oberfläche, die Usability der Informationen, die ja irgendwo hinterlegt sind. Mir ist egal, wie sie hinterlegt sind.
Roman: Hört auf, mir zu erzählen, was geht und was nicht. Wir wollen unsere Bedürfnisse nach vorne stellen, die ideale Welt darstellen dürfen. UX-Designer versuchen, das in der Oberfläche zu gestalten und damit auf die Programmierer zuzugehen: Versucht, das mal zu realisieren.
Warum ist die Verknüpfung von Modell und ERP-Daten der Kern?
Roman: Wir wollen keine neuen Informationen, sondern Verknüpfbarkeit und Darstellung.
Sören: Visualisierung — sonst lande ich in Grafik- oder Zahlentabellen, wo ich nicht auf einen Blick erkenne, wie es steht.
Roman: Das Gebäudemodell zu verknüpfen finde ich attraktiv, weil ich dann den Fortschritt des Projekts in der Planungsphase sehe. In der Bauphase kann ich mir die gleichen Informationen rückwärts holen, Baufortschritte am Modell abbilden — dafür gibt es genug Software.
Für die verschiedenen Rollen hätte ich verschiedene Startpunkte. Die Fachplanungskoordination guckt mehr auf Qualität und Planungsfortschritt und bekommt automatisch den Hinweis: Achtung, das Modell wurde zuletzt im 2. OG von der Heizungsplanung geändert — ein kleines, farbig markiertes Logbuch. Passt die Integration noch?
Die heutigen Software-Ansätze sind historisch gewachsen, haben alle ihre Grenzen — vor allem die Grenze zwischen Modell und ERP-Software. Eine Software, die uns rollenzentriert Informationen zusammenfasst, habe ich noch nicht gesehen.
Welche Rolle könnte künstliche Intelligenz spielen?
Sören: Man kann die Vision weiterspielen: Ich lege als Projektleiter ein neues Projekt an und die Software zeigt mir Vergleichsprojekte aus dem Büro, welche Beteiligten mitgearbeitet haben und welche Kapazitäten sie haben, und stellt mir ein ideales Projektteam aufgrund der Fähigkeiten zusammen. Sie sagt: Da wurde der Erläuterungsbericht in Leistungsphase 3 schon geschrieben, die Norm hat sich angepasst, das ist zu berücksichtigen. Die Software lernt mit dem Projekt mit — je größer der Fundus, desto mehr Wissen, das sonst nur im Kopf steckt, wird auf ein drittes Medium übertragen.
Roman: Sehr spannend — eine Skill-Kompetenz-Matrix müsste da reinspielen: Diese Person hat Kapazität und Fähigkeiten, die zum Projekt passen, hat so ein Projekt schon mal durchgeführt. Aber Achtung, hat dieses Jahr drei Monate Sabbatical und noch zwei andere Rollen.
Sören: Und sie zeigt mir den zweitbesten Kandidaten mit weniger Erfahrung, aber Verfügbarkeit. Per Drag and Drop stelle ich das Team zusammen und sehe: Wir haben gar keinen, der sich um die Löschanlage gekümmert hat.
Roman: Oder aus historischen Projektdaten und Reviews: In bestimmten Leistungsphasen haben wir Mängel festgestellt.
Sören: Spoiler-Hinweis: Dieses Thema ist die letzten Jahre überall falsch gelaufen.
Roman: Liebe Leute, ChatGPT ist uns lange nicht genug — der schreibt etwas Text, der nett klingt, inhaltlich aber oft falsch ist. Wir wollen mehrere Schritte weitergehen: historische und aktuelle Projektinformationen aus dem Modell, den geschriebenen Stunden und den kalkulierten Honoraren in eine nutzer- und rollenzentrierte, benutzerfreundliche und persönlich anpassbare Informationsbasis zusammenbringen. Niemand kann das heute komplett liefern.
Wie würde der Honorar-Stunden-Abgleich am Modell aussehen?
Sören: Wir müssen das Pferd von hinten zu den Daten aufzäumen. Mir ist bewusst, dass ich Stunden auf ein Projekt schreiben muss, um die Daten zu füttern — aber in der Anwendung will ich dafür nicht studiert haben.
Roman: Ich will die Daten easy wieder rausziehen. Mit Power BI für unsere ERP-Systeme sind wir ganz zufrieden; an der Bar haben diverse Büros über die Power-BI-Schnittstelle von Microsoft schon Daten visualisiert, das ist aber verbesserungswürdig. Die Metadaten aus IFC-Modellen rauszuziehen und damit zu füttern, habe ich noch nicht gesehen.
Die Überlegung: Ich sehe mein Gebäudemodell und welche Bauteile mit wie viel Stunden Arbeit beplant wurden. Das habe ich in der HOAI als Kalkulation, vielleicht verknüpft mit der VDI 6026 — ich versuche gerade, die HOAI mit Honoraransätzen in die 6026 zu belegen, sodass ein Schema Sanitär Trinkwasser zum Beispiel 5.000 Euro kostet. Wenn im Modell stünde, dass das Schema 5.000 Euro kostet, wir aber 40 Stunden geschrieben haben und es fertig ist, dann kann ich beim nächsten Mal sagen: Das Sanitärschema ist ein bisschen billiger. Das Modell ist da ein großer Visualisierungshelfer.
Sören: Das spielt auch in der AVA-Software immer mehr eine Rolle — das Modell als Gegenüberstellung zu den Zahlenwerten des Leistungsverzeichnis-Textes.
Roman: Und mit AVA verknüpft. Stell dir vor, in Leistungsphase 5 soll eine Wand verschoben werden und alle Bauteile an dieser Wand inklusive der Trassen sind mit Stunden belegt. Ich klicke die Wand an und sehe eine Summierung aller aufgewandten Stunden: 300 Stunden, um das neu zu planen.
Sören: Änderung abgewehrt.
Roman: Die Software hilft, diese Änderung zu kalkulieren, gleicht die Stunden mit der Zeiterfassung ab und schreibt sie ins Projektbudget. Du musst nur noch ein bisschen verhandeln.
Sören: Gerade bei Systemen, die geschossweise hinweglaufen: Wenn ich klassisch am Computer ohne Unterstützung etwas im 5. OG ändere, hat das Auswirkungen bis in den Keller. Die Software sagt: Wir haben hier ein zusammenhängendes Leitungssystem, das du Mensch vielleicht nicht bedacht hast.
Was ist der Appell an die PropTech-Branche?
Roman: Unser Appell an die PropTech-Hersteller, Entwickler und Startups: Hätte jemand Interesse, für 300, vielleicht irgendwann 5.000 Planungsbüros eine Software as a Service zu entwickeln und ständig weiterzuentwickeln — die das IFC-Modell mit der ERP-Software verknüpft, möglichst viele Schnittstellen zu diversen Planungs- und ERP-Softwares hat und alle Informationen zusammenbringt? Wir wären bereit, jedes Jahr Geld dafür zu bezahlen. Rechne mal 1.000 Büros mit 5.000 Euro im Jahr.
Sören: Gerne auch ins Brainstorming gehen, sowas austauschen und loslegen.
Roman: Am liebsten ein UX-Designer oder eine Designerin, die uns erst eine geile Übersichtsplattform baut, verschiedene Anwendungsfälle zeigt und cool aussieht — und die dann nachfunktioniert wird. Wir träumen weiter davon und gehen morgen wieder zurück an den Laptop und rechnen von Hand aus, wie viele Stunden nötig sind, um ein Stockwerk neu zu planen.
Sören: Wunderbar.
Roman: Viel Spaß bei eurem Daily Business. Wir träumen weiter und freuen uns über Anrufe von der PropTech-Industrie. Auf bald.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Welche Projektmanagement-Software wünschen sich TGA-Planende?
Eine webbasierte, rollenzentrierte Anwendung, die das IFC-Gebäudemodell mit der ERP-Software (Stunden, Honorare, Termine, Kapazitäten) verknüpft und für jede Rolle ein eigenes visuelles Dashboard bietet. Projektleitung und Fachplanungskoordination sollen damit Projektstand und Planungsfortschritt auf einen Blick erfassen.
Warum reicht die heutige Software für digitales Projektmanagement nicht aus?
Die vorhandenen Lösungen sind historisch gewachsen und haben jeweils ihre Grenzen — vor allem die Grenze zwischen Gebäudemodell und ERP-Software. Modelldaten (Bauteile, Schemata) und Projektdaten (Stunden, Termine, Personen) werden bisher nicht durchgängig verknüpft und rollenzentriert dargestellt.
Wie könnte künstliche Intelligenz im TGA-Projektmanagement helfen?
Sie könnte aus historischen Projektdaten Vergleichsprojekte zeigen, anhand einer Skill-Kompetenz-Matrix und der Verfügbarkeit (z. B. Sabbatical) ein ideales Projektteam vorschlagen und auf bereits dokumentierte Mängel aus Reviews hinweisen. Laut Roman reicht ein reines Textwerkzeug wie ChatGPT dafür nicht aus.
Was bringt die Verknüpfung von Stunden und Gebäudemodell bei Planungsänderungen?
Wird in Leistungsphase 5 eine Wand verschoben, ließen sich per Klick alle Stunden summieren, die für die an dieser Wand hängenden TGA-Bauteile und Trassen aufgewandt wurden. Die Software gleicht das mit der Zeiterfassung ab und schreibt den Aufwand ins Projektbudget — der Mehraufwand einer Änderung wird so direkt kalkulierbar.
Wie ist die BIM-Allianz der TGA-Bar entstanden?
Sie begann 2017 auf der Hamburger Messe Get Nord, wo BIM-Projekte vorgestellt wurden. Norddeutsche TGA-Planungsbüros schlossen sich zusammen, um gemeinsam Druck auf einen Softwarehersteller auszuüben und dessen Software über fünf Jahre BIM-seitig zu verbessern. In der Spitze umfasste die Allianz 14 Büros.
Welche Datenquellen soll die ideale Software zusammenbringen?
Auf der einen Seite das IFC-Modell und die verschiedenen Planungs-Softwares der einzelnen Gewerke, auf der anderen Seite die ERP-Software mit geschriebenen Stunden, kalkulierten Honoraren, Terminen und Kapazitätsplanung. Ergänzend genannt werden Power BI zur Visualisierung und AVA-Software für den Abgleich mit Leistungsverzeichnissen.
Zitate
„Hört auf, mir zu erzählen, was geht und was nicht geht. Ich will einfach, dass wir unsere Bedürfnisse nach vorne stellen."
— Roman Fritsches
„ChatGPT ist uns lange nicht genug. Der kann ein bisschen Text schreiben, das klingt nett, ist inhaltlich aber oft falsch. Wir wollen mehrere Schritte weitergehen."
— Roman Fritsches
„Es geht um die Verknüpfbarkeit und vor allem die Darstellung."
— Sören Janson
Zahlen & Fakten
Die TGA-Bar umfasst inzwischen über 300 Planungsbüros; die BIM-Allianz hatte in der Spitze 14 Büros.
Quelle: Roman FritschesDie BIM-Allianz entstand 2017 auf der Messe Get Nord und arbeitete rund fünf Jahre an der Verbesserung der Software.
Quelle: Roman FritschesRechenbeispiel zur Zahlungsbereitschaft: 1.000 Büros mal 5.000 Euro im Jahr; perspektivisch wären bis zu 5.000 Planungsbüros denkbar.
Quelle: Roman FritschesGlossar
- ERP-Software
- Software im Planungsbüro, mit der Stunden geschrieben, Projekte kalkuliert, Termine hinterlegt und Kapazitäten geplant werden.
- Fachplanungskoordination
- Rolle, die das Gebäudemodell verantwortet und stärker auf Qualität und Planungsfortschritt achtet als auf Honorare und Termine.
- PropTech
- Firmen, die Software für die Bau- und Immobilienbranche (Property) herstellen, oft als Startup.
- Skill-Kompetenz-Matrix
- Abbildung der Fähigkeiten und Erfahrungen von Mitarbeitenden, anhand derer die Software passende Projektteams vorschlagen könnte.
- UX / User-Centered Design
- Gestaltung der Oberfläche und der Usability — die Nutzbarkeit der Informationen für den Anwender steht im Mittelpunkt, unabhängig davon, wie die Daten technisch hinterlegt sind.