TGA-Planung › Software & Tools der TGA-Planung › Folge #338
tgabar · BargesprächeDigitale Bauüberwachung
Digitale Bauüberwachungstools bringen aktuelle Pläne mobil auf die Baustelle und ermöglichen Planprüfung, Mängel- und Ticketverwaltung mit Foto und Verortung. Pioniere wie Planradar und Poolar Server lieferten früh schnelle Offline-Pläne; Dalux ergänzt BIM/IFC und Augmented Reality, Baumaster deckt Protokolle und Bautagebücher ab. Der Nutzen wächst mit Mängelzahl, Projektkomplexität und Ausführungsqualität.
Transkript
Worüber spricht die TGA-Bar bei der digitalen Bauüberwachung?
Sören: Heute geht es um digitale Bauüberwachung.
Roman: Tatsächlich das erste Mal, dass wir darüber sprechen — ich habe das nochmal geprüft. Im Podcast haben wir noch nicht darüber gesprochen, das hat uns sehr gewundert. Wir hatten schon einen Vortrag von Baumaster an der TGA-Bar, in dem die Produkte ein bisschen verglichen wurden, inklusive des eigenen. Ich habe natürlich gleich geschrieben, das ist ja alles gefärbt — fand den Vortrag aber sehr gut. Wir wollen jetzt mal schauen, was geht und welche Funktionen digitale Bauüberwachungstools haben.
Was war das erste Problem, das digitale Tools auf der Baustelle gelöst haben?
Sören: Wenn wir auf unsere Tipps für Bauüberwachende zurückblicken: Wähle ein digitales Bauüberwachungstool. Was sollte das aus deiner Sicht können?
Roman: Das erste Problem war immer, die aktuellen Pläne auf der Baustelle zu haben. Wir haben uns schon 2012 oder 2013 Planradar gekauft, weil es nicht sein kann, dass man den ganzen Quatsch als PDF auf irgendeinem Server liegen hat und nichts damit machen kann — du kannst nicht darin kommentieren, es bleibt nicht erhalten, du musst es per E-Mail hin- und herschicken. Dann haben wir mit dem Poolar Server herumgespielt und festgestellt: Du kannst plötzlich eine nachvollziehbare digitale Planablage führen — nicht nur für die Montageplanung, die du zum Bauüberwachen brauchst, sondern du kannst auch die Ausführungsplanung schon kommentieren und bemängeln. Sogar die ausführenden Firmen können in der Montageplanungsphase bemängeln. Planprüfung und Kommentierung, alles online möglich. Planradar war einer der Ersten, die das offline in hoher Geschwindigkeit auf die Baustelle gebracht haben, mit jedem Handy — sie haben aus der PDF Bilder gemacht, die sehr schnell auf dem Handy verfügbar waren.
Wie kam die Mängel- und Ticketverwaltung dazu?
Sören: Der erste Teil ist also das, was man auch aus anderen Projekträumen kennt, wo man Pläne verwalten kann?
Roman: Genau. Poolar Server hat inzwischen auch die Funktion, dass du die Pläne nicht nur hast, sondern Restpunkte und Mängel im Plan mit Fotos als Ticket anlegen kannst — eine Ticket- und Mängelverwaltung. Das konnte Planradar als einer der Ersten, sehr schnell und angenehm; inzwischen haben alle nachgezogen. Ich habe das intensiv genutzt für automatisierte Statusberichte und eine Leistungsfeststellung. Wir haben einmal eine Baustelle verlassen — wir haben gekündigt, weil wir nicht bezahlt wurden — und ungefähr 1.400 Tickets angelegt. Wir sind durchs Gebäude gegangen und haben dokumentiert: Hier stehe ich im Plan, hier ist das Foto vom aktuellen Leistungsstand, die Brandschutzklappe ist nicht vermörtelt — nur damit man uns die fehlende Vermörtelung später nicht als Mangel nachweist. Daraus konntest du einen 1.400-seitigen Bericht drucken, den wir dem Gericht vorgelegt haben.
Welche weiteren Funktionen kamen später hinzu?
Sören: Statusberichte kann man also mitmachen, Gleiches gilt wahrscheinlich für Bautagebücher, dass man die standardisiert pflegen kann?
Roman: Genau, das kam später. So ab 2012 ging es langsam los, dass Bautagesberichte in diesen Softwares drin waren und man auch Terminplanung darin macht. Poolar Server hat den Vorteil, dass er in der Planungsphase schon stark ist. Allerdings: Wenn das nicht zentral über das Projekt genutzt und angeboten wird, kauft man sich das als Planer nicht so einfach selbst — das ist auch nicht ganz billig. Bei Planradar ist das der Fall: Wir zahlen immer noch 700 Euro im Jahr für unsere Lizenz, die Kosten liegen zwischendurch beim Doppelten oder Dreifachen.
Gibt es Tools, die BIM und IFC unterstützen?
Sören: Wir wollen ja digitaler werden. Wie sieht es mit dem BIM-Thema oder IFC aus, wenn ich die nächste Stufe zünden will?
Roman: Ich hatte mich 2017 bei Planradar vorsichtig erkundigt, was mit IFC ist — könntet ihr einlesen? „Arbeiten wir noch dran“, kam zurück. Dann hat sich um 2017 Dalux als erster Konkurrent herausgeschält, der mit IFC und BIM arbeitet. Wir haben uns leider bis heute nicht entschieden, es zu nutzen, aber ich weiß von anderen Büros, die es intensiv nutzen und sagen: der absolute Platzhirsch. IFC-Modell und Mängelmanagement sind ein Schritt, aber du kannst die ganze BIM-Welt nutzen — im Betrieb und im Facility-Management weiter, Terminpläne am Modell und so weiter.
Sören: Das heißt, du machst dieselbe Grundfunktion — Mängelfeststellung, Mängelverwaltung, Statusbericht — anhand des IFC-Modells. Du läufst durchs Gebäude, machst ein Foto, positionierst es, das findet alles am Modell statt.
Roman: Exakt. Und Dalux hat auch Augmented Reality schon seit 2017 drin: Du hältst dein Handy an die Wand oder Decke, das Modell wird eingeblendet, und du siehst, was dort eigentlich sein sollte. Ich bin sicher, dass sie auch Richtung Brillen arbeiten — sie haben fast ein Jahrzehnt Erfahrung in dieser Augmented-IFC-Welt. Ich habe selbst leider kein richtig gutes BIM-Modell im Bau; alle, die eines haben und Dalux benutzen, würde mich interessieren — dazu würde ich gern mal eine eigene Folge mit einem Power-User aufnehmen.
Sören: Diese Zusammenführung von virtuellen Welten und Echtzeitwelten ist auf jeden Fall einen Blick wert, und die Projekte muss es ja geben.
Roman: Die Brillen werden auch immer billiger — 3D-Brillen für 300 Euro in guter Qualität, da kann man sich langsam zwei, drei kaufen, das ist kein Problem mehr.
Welche Software deckt Protokolle und Bautagebücher ab?
Roman: Dann gibt es weitere Softwares, die sich nicht nur mit der Planverwaltung, sondern auch mit Protokollverwaltung beschäftigen. Da haben wir uns Baumaster angeguckt — sehr überzeugender Eindruck beim Thema Protokolle und Führen der Baustelle: Bautagesberichte schreiben, Protokolle schreiben, alles mit den Plänen verknüpfen. Das sah richtig gut aus und ist wirklich eine volle digitale Baustelle, wo es nicht nur um Mängel und das Modell geht.
Haben diese Tools Schnittstellen zu anderen Systemen?
Sören: Wir haben immer diesen Bruch von der Planung zur Baustelle, wo alles haptisch und physisch wird. Schnittstellen zu gängigen Tools kriegen diese Softwares wahrscheinlich auch hin?
Roman: Genau, es gibt auf jeden Fall Schnittstellen zu SharePoint — das weiß ich von Capmo. Und bei Dalux wurde uns gesagt, dass es Schnittstellen zu Facility-Management-Softwares gibt. Du kannst dann wahrscheinlich auch Datenblätter einpflegen, die der CAFM-Software zur Verfügung gestellt werden — der Facility Manager hat dann die Informationen, die er braucht, um das Bauteil zu warten.
Sören: Da lohnt sich der Blick, wo es weitergeht.
Ab welcher Projektgröße lohnt sich digitale Bauüberwachung?
Roman: Was ich noch erlebt habe: intelligente Architekten, die mit dem Modell und ihren Fähigkeiten in Revit von Hand Visualisierungen machen — Bauabläufe am Modell visualisieren, Schnitte durch Stockwerke, Bauzustände zeigen, in Isometrien darstellen. Das ist beeindruckend, sieht toll aus, der Bauherr freut sich und alle verstehen, worum es geht. Fraglich aber, ob es eigentlich eine Spielerei ist.
Sören: Wo fängt für dich die Anwendung dieser Tools an? Ab welcher Größe — oder reicht am Anfang nicht auch das Handy und der Block?
Roman: Das hängt von der Zahl der Mängel ab — wenn man sie vorher weiß — und von der Qualität der ausführenden Firmen sowie der Komplexität des Bauvorhabens. Wir haben gerade eine Schule, ziemlich groß, aber da hätte ich den Mehrwert nicht so gesehen: Die Mängelzahl ist überschaubar, die Qualität ziemlich gut, pro Firma etwa 20 bis 30 Mängel. Wir nutzen die Software dort nicht. Trotzdem hätte sie vielleicht geholfen, einfach damit alle aktuelle Pläne auf der Baustelle haben — wir haben dort einen Plan-Server, den keiner so richtig versteht.
Wo passt Taktplanungssoftware ins Bild?
Roman: Bei der nächsten Baustelle müsste man auch über Taktplanungssoftware sprechen. Das ist aber etwas, das Planerinnen und Planer und Bauüberwachende nicht einfach so einsetzen — das muss zentral vom Bauherrn oder vom Planungsteam mit den ausführenden Firmen gewollt sein. Da gibt es LCMD, da gibt es Koppla und bestimmt noch andere. Ich benutze beide gerade und bin angetan: Man sieht im Prinzip Vorgänge im Gebäude, kann sie pro Firma auswählen und Statusberichte dazu erstellen.
Sören: Dazu gab es eine Schulung? Last Planner nicht?
Roman: Es gab eine Grundlagenschulung zu agilen Methoden, aber nicht konkret dazu, wie Taktplanung funktioniert und wie es in der Software aussieht. Taktplanung und Last Planner können beide mit Koppla und LCMD gemacht werden. Die Frage ist, ob sich eine Schulung von der TGA aus lohnt — wir sind doch immer hinten dran, und jemand anders entscheidet, welche Tools zentral benutzt werden. Wenn das Projekt nicht über LCMD oder Koppla die Taktplanung macht, bringt es nichts, sich einzeln schulen zu lassen. Aber wenn man es mal gemacht hat, weiß man es zu schätzen.
Sören: Für jeden Anwendungsfall die passende Software.
Roman: Genau. Wir treffen uns an der Bar und in der Lounge Bauüberwachung — dafür können wir kurz Werbung machen: Sie trifft sich zweiwöchentlich und bespricht alle Themen, die auf der Baustelle wichtig sind. Auf der tgabar.de-Website findet ihr Infos dazu.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Welches Grundproblem lösen digitale Bauüberwachungstools?
Sie bringen die aktuellen Pläne mobil und offline auf die Baustelle, statt sie als PDF auf einem Server abzulegen und per E-Mail hin- und herzuschicken. Auf den Plänen lässt sich direkt kommentieren, prüfen und bemängeln — auch für die Montage- und Ausführungsplanung.
Was leistet die Mängel- und Ticketverwaltung in diesen Tools?
Man kann Restpunkte und Mängel direkt im Plan mit Fotos als Ticket anlegen und verwalten. Daraus lassen sich automatisierte Statusberichte und eine Leistungsfeststellung erzeugen — in einem Fall wurden rund 1.400 Tickets angelegt und als Bericht dem Gericht vorgelegt.
Welches Tool unterstützt BIM und IFC in der Bauüberwachung?
Dalux hat sich um 2017 als erster Konkurrent herausgeschält, der mit IFC und BIM arbeitet. Neben IFC-Modell und Mängelmanagement lässt sich die BIM-Welt auch im Betrieb und im Facility-Management weiternutzen, inklusive Terminplänen am Modell und Augmented Reality.
Wie funktioniert Augmented Reality bei der digitalen Bauüberwachung?
Man hält das Handy an die Wand oder Decke, woraufhin das BIM-Modell eingeblendet wird und man sieht, was dort eigentlich verbaut sein sollte. Dalux hat diese Funktion laut Roman bereits seit 2017 integriert.
Welche Software deckt Protokolle und Bautagebücher umfassend ab?
Baumaster machte beim Thema Protokollverwaltung einen überzeugenden Eindruck: Bautagesberichte und Protokolle schreiben, das Führen der Baustelle und das Verknüpfen mit den Plänen — eine volle digitale Baustelle, bei der es nicht nur um Mängel und das Modell geht.
Ab welcher Projektgröße lohnt sich der Einsatz solcher Tools?
Das hängt von der Zahl der Mängel, der Qualität der ausführenden Firmen und der Komplexität des Bauvorhabens ab. Bei einer großen Schule mit guter Qualität und nur 20 bis 30 Mängeln pro Firma sah Roman den Mehrwert nicht zwingend gegeben.
Welche Software gibt es für Taktplanung und Last Planner?
LCMD und Koppla können beide Taktplanung und Last Planner abbilden. Allerdings muss der Einsatz zentral vom Bauherrn oder vom Planungsteam mit den ausführenden Firmen gewollt sein — einzelne Planer können diese Tools nicht sinnvoll allein einsetzen.
Zitate
„Es kann ja wohl nicht sein, dass man den ganzen Quatsch als PDF auf irgendeinem komischen Server liegen hat und nichts damit machen kann."
— Roman Fritsches
„Du hältst dein Handy einfach an die Wand oder an die Decke, dann wird das Modell eingeblendet und du siehst, was da eigentlich sein sollte."
— Roman Fritsches
„Für jeden Anwendungsfall die passende Software."
— Sören Janson
Zahlen & Fakten
Die TGA-Bar nutzt seit etwa 2012/2013 Planradar als digitales Bauüberwachungstool.
Quelle: Roman FritschesIn einem Fall wurden nach Verlassen einer Baustelle rund 1.400 Tickets angelegt und als Bericht dem Gericht vorgelegt.
Quelle: Roman FritschesDie Planradar-Jahreslizenz kostet die TGA-Bar 700 Euro pro Jahr; aktuelle Kosten liegen beim Doppelten bis Dreifachen.
Quelle: Roman FritschesDalux arbeitet seit etwa 2017 mit IFC und BIM und hat seitdem auch Augmented Reality integriert.
Quelle: Roman Fritsches3D-Brillen sind inzwischen für rund 300 Euro in guter Qualität erhältlich.
Quelle: Roman FritschesBei einem aktuellen Schulprojekt fallen pro Firma etwa 20 bis 30 Mängel an.
Quelle: Roman FritschesGlossar
- Augmented Reality
- Das Handy wird an Wand oder Decke gehalten, woraufhin das Modell eingeblendet wird und zeigt, was dort verbaut sein sollte.
- Baumaster
- Bauüberwachungssoftware mit Schwerpunkt auf Protokoll- und Bautagebuchverwaltung sowie dem Führen der Baustelle, verknüpft mit den Plänen.
- Dalux
- Bauüberwachungssoftware, die mit IFC und BIM arbeitet, Mängelmanagement am Modell sowie Augmented Reality bietet und in Betrieb und Facility-Management weiternutzbar ist.
- Digitale Bauüberwachung
- Softwaregestützte Überwachung der Baustelle mit mobiler Planablage, Planprüfung sowie Mängel- und Ticketverwaltung per Foto und Verortung im Plan oder Modell.