tgaPULS

TGA-PlanungSoftware & Tools der TGA-PlanungFolge #78

tgabar · Bargespräche

CAD-Software für TGA-Planende

Folge 7813.05.202316:59 minRoman Fritsches, Sören Janson
0:00 / 16:59
Spotify
Auf den Punkt

CAD- bzw. Autorensoftware für die TGA-Planung lässt sich in zwei Lager teilen: Programme mit eigenem Zeichenkern (Trimble Nova, DDS-CAD, MH-Software, Bentley MicroStation) und Revit-Aufsätze (Linear, Solar Computer, MagiCAD, Caneco, IDAT). Die Wahl ist eine der schwierigsten Unternehmensentscheidungen, weil alle Planer betroffen sind, Schulungen und IT-Infrastruktur dranhängen und ein Wechsel teuer ist.

Transkript

Worum geht es bei der CAD-Software-Runde an der tgabar?

Roman: Moin und herzlich willkommen aus Hamburg zum einzigen Podcast von der tgabar.de. Sören Janson und ich, Roman Fritsches, sitzen wieder in der Bar. Wir haben eine Happy Hour vor uns am 19.05. und ich prognostiziere viel Zulauf, obwohl es ein Brückentag ist. Das Thema ist so spannend, ich möchte euch in die Happy Hour holen.

Wir reden über ein sehr kontroverses Thema: Welche CAD- beziehungsweise Autorensoftware nutzt ihr für die Planung eurer Gebäudetechnik — als Planungsbüro, als Generalplaner oder als spezialisiertes CAD-Büro? Bei der Vorbereitung war Berker Yilmaz dabei, neues Mitglied an der Happy Hour, der mit seinem Büro quasi ausschließlich CAD für Ingenieurbüros macht, also keine Ingenieurleistung. Irina Fischer war dabei, früher Obermayer, jetzt ITA Engineering, und Steven Hundt war auch dabei.

Wir haben uns gefragt, wie wir dieses hochkontroverse Thema — welche CAD-Software nutzt ihr, was findet ihr gut, was schlecht — so aufs Papier bringen, dass wir etwas ableiten können. Uns ist aufgefallen, dass wir drei Runden machen müssen. Die erste Runde ist eine Retrospektive: Was benutzt ihr, was läuft gut, was läuft schlecht? Am Ende die Frage: Wollt ihr bei der Software bleiben oder weg von ihr?

Warum ist die Wahl der CAD-Software eine so schwierige Entscheidung?

Roman: Wir verbringen alle sehr viel Zeit in CAD-Software. Das ist das Kernprodukt, der Maschinenraum, wie ich sage. Da wird produziert, womit wir Geld verdienen: Modelle, Pläne, abgeleitete Pläne.

Sören: Was mitunter auch am meisten Zeit kostet — und wie viele Hotlines man anruft, wenn ein Fehler da ist.

Roman: Und entsprechend Geld kostet. Wir haben jetzt Revit gekauft, und alle, die Revit gekauft haben, wissen, wie wahnsinnig teuer das ist — zum Beispiel im Vergleich zur günstigeren Nova. Das ist eine der schwierigsten unternehmerischen Entscheidungen, weil alle davon betroffen sind: alle Systemplaner, alle Fachplaner, die Projektleiter.

Sören: Es ist nicht damit getan, einmal in eine Lizenz zu investieren. Da hängt ein Rattenschwanz dran: Schulungen, Effizienzverlust, die Frage, ob das überhaupt in meine IT-Infrastruktur passt.

Roman: Eine Fehlentscheidung bedeutet, sehr viel Geld zu verbrennen, weil man dann wieder einen Wechselprozess angehen muss.

Sören: Aber es könnte auch eine Chance sein.

Roman: Kann auch eine Chance sein, effizienter zu werden und mit einer neuen Sichtweise besser zu arbeiten.

Wie kategorisiert ihr die Software für die Bewertungsmatrix?

Roman: Wir strukturieren erst mal, was es gibt. Zum einen eine Kategorisierung nach Anlagengruppen — Sanitärtechnik, Heizungstechnik, Lüftungstechnik, Elektrotechnik. Also welche Software kann welches Gewerk? Auf der X-Achse haben wir die Gewerke aufgetragen, auf der Y-Achse die verschiedenen Softwares.

Wir haben uns erst die vier angeschaut, die einen eigenen Zeichenkern haben, also mit ihrem eigenen Konstruktionsteil mitkommen: Trimble Nova, DDS-CAD, MH-Software und Bentley MicroStation. Die haben wir aufgeführt, weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die meisten von euch sie schon nutzen.

Sören: Also Zeichnung und Berechnung in einem.

Roman: Genau, alle können zeichnen, berechnen und mehr oder weniger Schemata erstellen. Wir haben für jede Anlagengruppe vier Aufgaben aufgetragen: Wie gut ist das arbeitende Modell, wie gut ist die Planableitung (DWG, PDF), wie gut ist die Berechnungsfunktionalität und wie gut kann ich Schemen oder Isometrien ableiten? Jede Software hat Stärken und Schwächen — DDS-CAD hat vielleicht eine andere Stärke im Bereich Elektro als im Bereich Sanitär.

Sören: Man muss in der Diskussion differenzieren, dass der Ansatz 410 Sanitär nicht so pauschal ist, gerade beim Thema Berechnung.

Roman: Genau, Schmutzwasser, Regenwasser, Trinkwasser ist total unterschiedlich. Wir haben eine hohe Komplexität bei der Fragestellung.

Wie läuft die Bewertung am 19.05. ab?

Roman: Auf dieser riesigen Matrix lassen wir euch abstimmen. Alle, die am 19. dabei sind, bewerten, welche Funktionalität gut und welche schlecht ist — in den jeweiligen Softwares, in den jeweiligen Gewerken.

Sören: Aus Anwender-Sicht quasi.

Roman: Aus Anwender-Sicht. Ihr könnt auf den Moodboards mit der Abstimmung mitmachen. Jeder kriegt seine zehn Stimmen, vielleicht auch zwanzig, und darf über die Softwares, die er nutzt, bewerten, was gut und was schlecht läuft. Das Ergebnis ist äußerst neutral und übersichtlich. Es wäre schön, wenn ihr zahlreich kommt, um einen mir bislang unbekannten Marktüberblick über die TGA-Branche und die Zufriedenheit mit CAD- und Autorensoftware zu bekommen.

Sören: Wichtig ist, das große Ganze zu betrachten, nicht die Einzelfälle, sondern wo ich das Gros der Leistung planerisch abbilden kann.

Roman: Mein großer Traum war immer, die eine Software nur benutzen zu müssen, um alle Anlagengruppen ideal zu beplanen. Von diesem Traum habe ich mich verabschiedet.

Sören: Das hatten wir letztes Mal auch schon geträumt mit der ERP-Software.

Welche Software kommt in die Bewertung — und welche Voraussetzung gilt?

Roman: Wir hätten gern alles in einem, das funktioniert nicht so richtig. Wir haben die Grundregel gesetzt: Wir schauen uns nur IFC-, also Building-Smart-zertifizierte Software an, damit wir Richtung BIM aufgestellt sind und eine Vergleichbarkeit haben.

Neben den vier genannten — Trimble Nova, DDS-CAD, MH-Software und Bentley MicroStation — schauen wir uns Revit an als das Ökosystem für BIM und haben fünf Aufsätze aufgeführt: Linear, Solar Computer, MagiCAD, Caneco und IDAT. Dazu kommen noch AutoCAD-MEP-Aufsätze: CADS und WSCAD. Das ist noch nicht hundertprozentig final.

Wenn ihr andere Programme habt: Die wichtige Frage ist, ob es wirklich ein Programm ist, mit dem man viele Anlagengruppen bearbeiten kann — mehr als eine, mehr als ein kleines Spezialthema — und ob die Software IFC- beziehungsweise Building-Smart-zertifiziert für BIM ist. Das wäre die Voraussetzung.

Welche Sonderleistungen und Kriterien wollt ihr abfragen?

Roman: Vor dem Fazit fragen wir verschiedene Sonderleistungen ab. Sören und ich kennen uns vor allem aus dem Thema Software-Weiterentwicklung. Es gab eine BIM-Lead-User-Allianz: Am Ende hatten wir 14 Ingenieurbüros, die Trimble Nova zusammen mit Trimble selbst weiterentwickeln wollten. Wir wollen von euch bewerten lassen, wie fähig und offen die Hersteller für Software-Weiterentwicklung sind.

Sören: Da wurden wir damals vielfach positiv überrascht, dass der Wille da war, das Feedback aus der Praxis anzuhören.

Roman: Das Ziel ist, Lead-User zu werden — fortgeschrittene User bestimmter Programme tun sich zusammen und helfen, die Software zu verbessern. Davon haben alle etwas, auch der Softwarehersteller. Außerdem bewerten wir: Wie gut ist der Support? Wie gut ist die Gewerkekoordination innerhalb der Software? Wie gut geht der IFC-Im- und -Export? Building-Smart-Zertifizierung ist Voraussetzung, aber wie gut funktioniert es wirklich?

Dann: Wie gut sind Massenauszüge für die AVA — gibt es eine GAEB-Schnittstelle und wie funktionieren die Massenauszüge? Früher haben wir Massenauszüge schon in Excel bekommen; die Frage ist, wie gut die wirklich sind. Und Richtung BIM die Anwendungsfälle: Gibt es einen Aufsatz für Schlitz- und Durchbruchsplanung? Gibt es etwas für Brandschutzplanung, für Deckenspiegel? Das nennt sich im BIM-Deutsch Anwendungsfall.

Last but not least die Programmstabilität. Jeder, der einen Entwurf nicht abgeben konnte mit der Ausrede, die Software sei abgestürzt und das Modell weg, wird nur müde belächelt — das ist wie in der Schule, wenn der Hund die Hausaufgaben gefressen hat.

Sören: Das kann auch nur Hand in Hand mit den Herstellern erfolgen, wenn die ihre Systeme auf Cloud umstellen.

Wer soll dabei sein und was ist das Ziel?

Roman: Natürlich kommt die Ausrede, man müsse es Cloud-basiert machen, oder es liege am Server. Wir wollen keine Herstellerpräsentationen hören. Die Zielgruppe seid ihr: TGA-Planer, Generalplaner, spezialisierte CAD-Büros. Wir werden das ordentlich bewerben, das Video aufnehmen. Die Abstimmung dauert nur etwa fünf Minuten, danach besprechen wir die Kernergebnisse. Wenn zum Beispiel 30 Leute sagen, die Lüftungsberechnung bei Bentley MicroStation funktioniert extrem gut, dann frage ich nach: Warum? Um aus der Diskussion Entscheidungsmehrwerte für die anderen zu ziehen.

Softwarehersteller dürfen gern dabei sein und Fragen stellen — aber keine große Rechtfertigungsrunde, keine Werbung. Ziel ist, dass wir als TGA-Planer, Generalplaner und CAD-Büros gute Software-Entscheidungen treffen, und dass ihnen danach bei der Software-Weiterentwicklung geholfen wird. Das haben wir schon mal geschafft, und ich glaube, das schaffen wir nochmal im großen Stil an der Bar.

Wir haben jetzt schon rund 380 Gäste an der Bar. Wenn 280 Büros dahinterstecken, ist das eine interessante Größe. Wir sehen uns am 19.05. um 10 Uhr — Brunch bitte danach. Bis dann, ciao.

Häufige Fragen zu dieser Folge

In welche Kategorien lässt sich CAD- bzw. Autorensoftware für die TGA-Planung einteilen?

In zwei Hauptgruppen: Software mit eigenem Zeichenkern (eigenem Konstruktionsteil), die zeichnen und berechnen kann — genannt werden Trimble Nova, DDS-CAD, MH-Software und Bentley MicroStation — sowie Revit-Aufsätze für das BIM-Ökosystem, genannt werden Linear, Solar Computer, MagiCAD, Caneco und IDAT. Zusätzlich gibt es AutoCAD-MEP-Aufsätze wie WSCAD.

Warum ist die Wahl der CAD-Software eine der schwierigsten Unternehmensentscheidungen?

Weil alle im Büro davon betroffen sind — Systemplaner, Fachplaner und Projektleiter. Es ist nicht mit der Lizenzinvestition getan: Schulungen, Effizienzverlust und die Frage der IT-Infrastruktur hängen dran. Eine Fehlentscheidung verbrennt viel Geld, weil danach ein teurer Wechselprozess nötig wird.

Welche Voraussetzung muss eine Software erfüllen, um in die Bewertung aufgenommen zu werden?

Sie muss IFC- beziehungsweise Building-Smart-zertifiziert sein, damit eine BIM-Aufstellung und Vergleichbarkeit gegeben ist. Außerdem soll es ein Programm sein, mit dem sich mehrere Anlagengruppen bearbeiten lassen, nicht nur ein kleines Spezialthema.

Nach welchen Kriterien werden die Programme je Anlagengruppe bewertet?

Je Anlagengruppe (Sanitär, Heizung, Lüftung, Elektro) werden vier Aufgaben betrachtet: Qualität des arbeitenden Modells, Qualität der Planableitung (DWG, PDF), Berechnungsfunktionalität und die Fähigkeit, Schemen beziehungsweise Isometrien abzuleiten.

Welche weiteren Sonderleistungen und Kriterien werden abgefragt?

Offenheit der Hersteller für Software-Weiterentwicklung, Support-Qualität, Gewerkekoordination innerhalb der Software, Qualität des IFC-Im- und -Exports, Massenauszüge für die AVA, BIM-Anwendungsfälle (etwa Schlitz- und Durchbruchsplanung, Brandschutzplanung, Deckenspiegel) und die Programmstabilität.

Was unterscheidet Software mit eigenem Zeichenkern von Revit-Aufsätzen?

Software mit eigenem Zeichenkern bringt ihr eigenes Konstruktionsteil mit und vereint Zeichnung und Berechnung in einem Programm (z. B. Trimble Nova, DDS-CAD, MH-Software, Bentley MicroStation). Revit-Aufsätze setzen dagegen auf dem Revit-Ökosystem auf und ergänzen dessen Funktionen (z. B. Linear, Solar Computer, MagiCAD, Caneco, IDAT).

Was ist das Ziel der tgabar mit dieser CAD-Software-Runde?

Einen neutralen Marktüberblick über den Einsatz und die Zufriedenheit mit CAD- und Autorensoftware in der TGA-Branche zu schaffen, damit Planungsbüros gute Software-Entscheidungen treffen. Langfristig sollen Anwender als Lead-User zusammenarbeiten und die Hersteller zur Software-Weiterentwicklung bewegen.

Zitate

Das ist das Kernprodukt, das ist der Maschinenraum. Da wird das produziert, womit wir Geld verdienen: Modelle, Pläne, abgeleitete Pläne."

Roman Fritsches

Mein großer Traum war immer, die eine Software nur benutzen zu müssen, um alle Anlagengruppen ideal zu beplanen. Von diesem Traum habe ich mich verabschiedet."

Roman Fritsches

Wir wollen keine Herstellerpräsentationen hören."

Roman Fritsches

Zahlen & Fakten

Für die Bewertung werden vier Programme mit eigenem Zeichenkern betrachtet: Trimble Nova, DDS-CAD, MH-Software und Bentley MicroStation.

Als Revit-Aufsätze kommen fünf Programme in die Bewertung: Linear, Solar Computer, MagiCAD, Caneco und IDAT.

An der BIM-Lead-User-Allianz waren 14 Ingenieurbüros beteiligt, die Trimble Nova gemeinsam mit Trimble weiterentwickeln wollten.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme waren bereits rund 380 Gäste an der Bar angemeldet, hinter denen schätzungsweise etwa 280 Büros stehen.

Quelle: Roman Fritsches

Glossar

BIM-Anwendungsfall
Im BIM-Deutsch ein definierter Einsatzzweck, der in Software abgebildet sein kann — etwa Schlitz- und Durchbruchsplanung, Brandschutzplanung oder Deckenspiegel.
CAD-/Autorensoftware
Software, mit der die Gebäudetechnik geplant wird; erzeugt Modelle, Pläne und abgeleitete Pläne. Heute als "Autorensoftware" bezeichnet, da BIM-fähig.
Lead-User
Fortgeschrittene Nutzer einer Software, die sich zusammentun, um die Software gemeinsam mit dem Hersteller weiterzuentwickeln.
Revit-Aufsätze
Zusatzprogramme, die auf dem Revit-BIM-Ökosystem aufsetzen (z. B. Linear, Solar Computer, MagiCAD, Caneco, IDAT).
Software mit eigenem Zeichenkern
Programme, die mit eigenem Konstruktionsteil kommen und Zeichnung sowie Berechnung in einem vereinen (z. B. Trimble Nova, DDS-CAD, MH-Software, Bentley MicroStation).
← Mehr zum Thema Software & Tools der TGA-Planung